Die Päpstin Angela

Der heilige Rock kommt zurück

Autor: U. Gellermann
Datum: 14. Februar 2013

Wir waren Papst. Wir werden Päpstin. So kurz lässt sich die frohe Botschaft zusammenfassen, die nach dem Rücktritt des Ratzinger-Papstes die Welt retten wird. Denn dass die Welt gerettet werden muss, daran kann kein Zweifel bestehen. Schon die bedrohliche Vision, dass der nächste Papst kein Deutscher sein könnte, jagt der Menschheit tiefe Schrecken ein: Immer noch ist es das deutsche Wesen, jene Mischung aus schwäbischer Sparsamkeit und preussischem Grosskotz, an dem die Welt genesen kann wie aus Griechenland, Spanien und Portugal bekannt ist. Hatten die Südländer nicht eindeutig über ihre Verhältnisse gelebt, haben nicht griechische Bauern zuweilen vom eigenen Öl genascht, statt es dem weltläufigen deutschen Oberstudienrat für seine Salat-Saucen zu überlassen? Wurden Weißweine aus dem galizischen Ribeiro nicht viel zu häufig in spanische Kehlen gegossen, statt sie auf dem Altar deutscher Spitzenrestaurants zu opfern? Und ist diese pittoreske Altstadt von Lissabon nicht immer noch primär von Portugiesen bewohnt, statt segmentiert für den deutschen Bildungsreisenden reserviert zu sein?

Schließlich hat das deutsche Volk, geführt von Angela Merkel, über Jahre gedarbt, um den diversen Ausländern ein Leben in Saus und Braus zu ermöglichen. Seit Jahr und Tag verzichten Arbeitnehmer auf Lohnerhöhungen, nehmen Jobs an von denen sie nicht leben können, und nicht wenige sind zu den Quellen menschlicher Existenz zurückgekehrt, um Deutschlands Sozialkosten niedrig zu halten: Als Jäger jagen sie dem Dosenpfand nach, als Sammler schichten sie 25 Cent auf 25 Cent Pfandgeld auf, um an Sonntagen dicke Zeitungen zu kaufen, die ihre Blößen auf den Parkbänken bedecken können. Nicht selten sind es Blätter von einer Freundin der großen Angela, der Verlegerin Friede Springer, die ihre BILD am Sonntag für lächerliche 1,70 Euro unter die Massen wirft. Nicht nur, damit die es warm haben, auch, um ständig jene Sozialbetrüger anzuprangern, die sich mit Hartz Vier bereichern, obwohl es immer noch Supermärkte geben soll, vor denen kein einziger Bettler steht.

Es war der heilige Malachias, der irische Erzbischof von Armagh (1094 - 1148), der in seinen Prophezeiungen nicht nur voraussagte, dass es 267 Päpste geben würde (Johannes Paul II. war der 265. Papst). Die Prophezeiung besagte auch, dass der 265. Papst aussergewöhnlich lange im Amt bleiben wird. So war es dann auch. Zu Ratzinger, dem 266. Papst, prophezeite Malachias, dass er nur eine kurze Amtszeit haben würde. Stimmt eindeutig. Für den letzten Papst erzählt die Prophezeiung, dass sich der letzte Papst Petrus nennen wird und mit ihm die Welt untergeht. Nun wird sich Angela Merkel ganz gewiss nicht Petrus nennen, Petra wäre denkbar. Und vom Weltuntergang hält sie sicher auch nichts. Gerade noch hat sie das Existenzrecht Israels zur Staatsräson erklärt, da wird sie doch nicht die Existenz der Welt infrage stellen lassen. Nein, kühn wird die zunehmend heiligere Angela den Hosenanzug aus- und den Rock der Päpstin anziehen. Und wenn zu Ostern demnächst der Segen "Urbi und Orbi" verkündet wird, kann die Welt mit Merkel-Weisheiten wie dieser rechnen: "Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf kochen nicht zu kurz kommen."

Urbi und Orbi? Dass, wenn Angela einmal in Rom herrscht, die Stadt ihr gehören wird, ist sicher. Dass sie und ihr Wesen auch die Welt bereichern werden, ist schon heute an der wachsenden Zahl von fernen Ländern zu erkennen, in denen deutsche Soldaten auf der Wacht stehen. Weil aber die Menge deutscher Kämpfer nicht unendlich zu mehren ist, hat Angela mit der wahrscheinlich größten Drohne der Welt, der "Eurohawk" den Aktionsradius deutscher Waffen entscheidend erweitert. Mit einer möglichen Flugzeit von mehr als 30 Stunden könnte die Eurohawk künftig vom norddeutschen Standort Jagel aus Einsätze in Afghanistan fliegen und ohne Zwischenstopp wieder in Jagel landen. Produziert wird die Drohne im Rüstungskonzern EADS, von dem auf Weisung der Noch-Kanzlerin und Bald-Päpstin die staatliche "Kreditanstalt für Wiederaufbau" jüngst zwölf Prozent übernommen hat. So könne, meinte Angela, "die Erfolgsgeschichte dieses bedeutenden deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekts fortgeschrieben werden."

Wenn im März die Kardinäle zur Papstwahl zusammentreten, kann es nur eine geben: Angela. Es wird nicht einfach werden, aber die künftige Päpstin weiß schon heute zu sagen: "Ein Politiker muss machtbewusst sein. Er muss ehrgeizig sein. Er muss sich selber etwas abverlangen können." Es gibt mehr als eine Milliarde Katholiken auf der Welt. Fast so viele wie es Chinesen gibt. Mit Angelas, beziehungsweise Petras Ehrgeiz und Machtbewusstsein kann diese große Zahl zu großen Taten führen. Zumindest aber zu einem besseren Fernsehprogramm. Stammt doch von der künftigen Päpstin der Satz: "Jede Woche mutet uns das Fernsehen bis zu 4000 Leichen zu ... So was verengt das Weltbild. Und dann wird's gefährlich." So dürfen wir auf weniger virtuelle Leichen hoffen. Die Zahl der realen wird eher steigen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 27. Februar 2013 schrieb Wolfgang Blaschka:

Jeder kann die Zeitung(en) lesen, die er mag (wir leben ja in einem freien Land), aber ich sage Euch: Die BILD bringt es aufs Ergreifendste. Franz Josef Wagner schreibt an den "lieben Papst" Benedikt XVI. fast wie an einen "lieben Gott", der kurz vor dem Ende aller Tage seine Allmacht verloren hat: "nur noch zwei Tage. Ich kann mir vorstellen, dass Sie ‚Gott sei Dank‘ sagen. Ein neuer Sex-Skandal erschüttert den Vatikan. Kardinal Keith O'Brien, Erzbischof von Edinburgh, tritt zurück wegen ‚unangemessenen‘ Verhaltens. Die angesehene italienische Zeitung ‚Repubblica‘ berichtet von einer ‚Gay-Lobby‘, einem Schwulen-Netzwerk im Vatikan. Es ist nichts bewiesen, aber die Gerüchte schwappen hoch. Kardinäle haben Geliebte. Sie feiern Feste mit ihren Gigolos. Nichts ist bewiesen. In seiner Einsamkeit sitzt der Papst. Er hat seine Hände gefaltet. Er fühlt, dass er keine Kraft mehr hat, mit seiner Kirche aufzuräumen." Das stimmt nicht ganz. Der Noch-Papst hat immer­hin die Macht, das 300 Seiten starke Vatileaks-Geheimdossier im Tresor verschwinden zu lassen. Nur der Nachfolger soll es lesen dürfen. Und er verschärfte noch einmal die Regeln zum Konklave: Wer bisher etwas ausplauderte vom Wahlvorgang, konnte vom nächsten Papst bestraft werden. Nun gilt: Wer die Verschwiegen­heitspflicht verletzt, wird automatisch exkommuniziert. Gut ge­sagt, Bene dictus! Er traut anscheinend nicht mal seinem Nachfolger. Kirchenbann, teeren, federn, rädern, vierteilen! Das hat die Inquisition alles schon prakti­ziert. Den 115 Kurienkardinälen, die sich jetzt ins Konklave einmau­ern lassen, um hinter der Sixtinischen Kapelle einen auf Männer-WG zu machen, dürfte mul­mig werden bei dem Gedanken an solche Vogelfreiheit. Der Altpapst selbst will schwänzen und entfleucht nach Castel Gan­dolfo, so­lan­ge das Rosenkranzkloster noch Baustelle ist. Der Kommentar schließt erschüt­tert: "Ich denke, dass der Papst nicht glücklich ist. Ich glaube, dass der aktuelle Papst weint". Wahrscheinlich wähnt der sich im Dschungel­camp: "Ich war mal Papst, holt mich hier raus!" Höchste Zeit also sich die For­mulare für seinen Asylantrag in Deutsch­land zu bestellen mit Bewerbung um einen ruhigeren Austrags-Job als Bundesbene! Am besten, solange noch nichts bewiesen ist.


Am 18. Februar 2013 schrieb Wolfgang Blaschka:

Ein deutscher Bundespapst wäre in der Lage, die gesamte Welt zu befried(ig)en: Mit der einen Hand würde er die Waffenarsenale der NATO segnen und mit der anderen zum Weltfrieden mahnen. Mit der einen hochgezo­ge­nen Braue würde er sich über den "Turbofinanzkapitalismus" mokieren und mit der anderen augenzwinkernd sein "Istituto per opere di religione" anpreisen als sicheren Anlagehort für die russischen Investments auf Zy­pern: Petri Schifflein trotzte den Krisenwogen allemal stabiler als eine untergehende Insel. Er könnte sogar mit dem einen Ohr die Bußgebete gefallener Banker erhören und mit dem anderen die verzweifelten Schreie der hungernden Kinder in der Welt vernehmen. Und schließlich hätte er noch seinen Hirtenstab, die Antenne nach ganz oben. Mit dem könnte er Tsunamifluten teilen und die Empörungswogen über Kirchenverbrechen glätten.

Seine Mitra dürfte ihn sogar für den Kölner Karneval kompatibel machen, seine Tiara sollte jede Königskrone in den Schatten stellen. Blieben noch die purpurnen Schuhe. Mit denen könnte er unbefleckt über blutgetränkte Schlachtfelder schreiten und für das Seelenheil der Globalisierungsopfer beten. So ein rund­um verwendbarer Allzweckpapst würde nicht nur sein bayerisch gefärbtes Latein über den ganzen Erdkreis ver­brei­ten und damit die Exportziffern von BMW ins universale steigern, sondern mit seinem fistelnden Singsang selbst das nordkoreanische Milchbubengesicht bekehren, Putin bezwingen, Obama bezähmen, Netanjahu chris­tianisieren und den Pfer­de­fleischskandal beenden. Mit einfachen Wandlungsworten wären die verhack­stückel­ten Gäule aus der Lasagne in genießbare Ochsen, Esel und Schafe verwandelt kein Problem mehr.

Lasst uns also "unsern Papst" nicht im Ro­senkranzkloster verdämmern, sondern wuchern wir mit den Pfun­den! An­ge­lina würde sich auch als Minis­trantin putzig machen. Die verzahnte Handhaltung vor dem Körper kann sie ja schon. Mit Weihrauchschwaden und barockem Orgelgedöns ließe sich die Welt allemal leichter erobern als mit schmallippigen Predigtansprachen über Sparen und Verzicht. Ein Papa­panzer und eine Be­nediktdrohne (in Form einer Heiliggeist-Taube) würden jede Rüstungsexportkontrolle an­stands­los passieren. Und die heißbe­gehrten, weil seltenen Vatikan-Euros er­oberten mit links, aber auch mit Recht die Weltfinanz­märkte. Die Krise (welche auch immer) wäre wie weg­ge­blasen, weil alle Spekulanten zu Numismatikern mu­tierten, und Marktl am Inn könnte endlich Bundes­haupt­stadt werden, auch wenn Dir das als Berliner vielleicht nicht gefallen möch­te. So schaut's doch aus!


Am 17. Februar 2013 schrieb Wolfgang Blaschka:

Mal rational gedacht: Die Kirche ist eher dem "rheinischen Kapitalismus" zugetan. Globalisiert ist sie selber. Frauen mag sie nicht außer Gottesmütter. Was sollte Angela Merkel da ausrichten? Nein-nein, so werden wir sie nicht loskriegen!

Antwort von U. Gellermann:

Wir wollen sie doch nicht loswerden, wir wollen mit ihr die deutsche Weltherrschaft ansteuern.


Am 16. Februar 2013 schrieb Markus Schmitz:

Mit wachsender Begeisterung lese ich Ihre Artikel hier auf der Rationalgallerie. Sie spiegeln meist eins zu eins meine Gedanken wieder. Es ist gut zu wissen, dass es da draussen weitere "Kämpfer" gibt, die das dumpfe Volk wachzurütteln suchen. Sie schaffen dies auf eine Art und Weise, die sowohl den Intellekt, also auch die Lachmuskeln ansprechen, obwohl viele der Wahrheiten so tragisch sind, dass es nichts zu lachen gibt. Bravo, weiter so....


Am 16. Februar 2013 schrieb S. Laupus:

Oh Gott - sehen Sie etwa auch eine Schwängerung voraus?


Antwort von U. Gellermann:

Die würde mir nur Sorgen machen wenn die Päpstin Jungfrau wäre: Ein Jesus ist genug.


Am 16. Februar 2013 schrieb Thomas Nippe:

Ist Dir mal wieder gut gelungen. Das Papsttum ist ein völliger Anachronismus, total obsolet!
Religionen sind es wohl auch, Sinnstiftung, und was noch dazugehört, erledigt inzwischen der MARKT, konkurrenzlos.


Am 15. Februar 2013 schrieb Maren Feldmann:

Sie denken Sie scherzen. Falsch. Der Ehrgeiz der Merkel kennt keine Grenzen.


Am 15. Februar 2013 schrieb Wolfgang Blaschka::

Angela ist doch Protestantin, Du Ungläubiger, die ist noch nicht mal in einer ordentlichen Kirche, wie der Bene sagen würde. Das geht leider gar nicht. Aber Du hast recht: Es wird kaum was besseres nachfolgen, das steht zu befürchten. Großinquisitor Müller wird dafür zu sorgen haben. Egal, wer den Job übernimmt, er wird in den vatikanischen Gärten gewiss gelegentlich dem Altpapst begegnen, der ihm seine göttlichen Eingebungen aus dem Kloster nebenan auch noch im Paparollator zu verklickern weiß. Man möchte schon fast Mitleid haben mit dem "Pontifex Regens" im Schatten des "Ex-Papas". Wahrscheinlich wird es tatsächlich der 267. sein, der dann in einem Anfall blinder Wut brüllen wird: "Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!" Und siehe da, es wird Gelbwurst und Kalbskäs regnen, bis Rom und der ganze Erdkreis ein einziges Superhirn geworden sind und bei Jauch der Jackpott implodiert. Dieses Szenario könnte mit dem vergangenen Weltuntergang vom Dezember gerade noch konkurrieren. Statt "O Maya" hieße es dann: "Oh meia, – ja, solche dicken Ostereier!" Oder so ähnlich. Legt mich nicht fest!

Antwort von U. Gellermann:

Frau, verheiratet, Protestantin: Das ist die neue Kirche mit dem Glauben an die Macht der Banken und der Globalisierung.


Am 14. Februar 2013 schrieb Hanna Grünewald:

Der neue Posten der Merkel wäre auch für die Frauen-Emanzipation ein großer Schritt: Endlich könnte beweisen werden, dass Frauen genauso blöd sein können wie Männer.

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