Das Thüringer Verlangen

Wie die LINKE Platz für die RECHTE gemacht hat

Autor: U. Gellermann
Datum: 04. November 2019

Die bekannte deutsche Parlamentswelt ist zusammengebrochen: "Dass es in der Mitte keine Mehrheiten mehr gibt“, rief der Thüringer CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring in der Wahlnacht verzweifelt und fand jede Menge Echo. Einen schönen Nachhall lieferte die "taz", das Blatt mit dem progressiven Anstrich: "Ramelow ist die Mitte". Gemeint war der thüringische Ministerpräsident der LINKEN, der unglückliche Wahlgewinner ohne Perspektive auf eine Regierung, weil seine Partner von SPD und GRÜNE nicht genug Stimmen bekommen hatten.

Die mittigste aller Mitten war über Jahrzehnte jene große Koalition der Bundesrepublik, deren Kern verlässlich von CDU und SPD gebildet wurde, sich aber auch gern mal mit der FDP oder den GRÜNEN garnierte. Eher seltener, aber immer wieder, durfte auch die Linkspartei mal Regierungsluft auf Landesebene schnuppern. Neu an den parlamentarischen Futterkrippen, gefüllt mit Diäten und Dienstwägen, war die AfD. Obwohl sie mit unverbrüchlicher Treue zur NATO eine Grundbedingung für eine Amts-Karriere in Deutschland erfüllt, erinnert ihr Auftritt doch zu sehr an den Marschtritt brauner Kolonnen: Noch verkauft sich das schlecht, zumal der deutsche Exportweltmeister auch gern mit jenen Ländern handelt, die vor gar nicht so langer Zeit deutsche Truppen näher kennengelernt haben.

Manchmal, so nach dem zweiten, dritten Bier, stimmten damals auch SED-Gastgeber das "Rennsteig-Lied" an, die heimliche Hymne der Thüringer. Es mochte den Gast aus dem Westen befremden, wenn die Genossen von einer "weiten Welt" sangen, in der sie dann doch ein "Verlangen" nach dem "Thüringer Wald" und seinen "Vöglein" packte. Zeigte das innige Singen doch, dass unterhalb des propagierten Internationalismus immer noch jenes Heimatgefühl hockte, das dem Nationalgefühl den Sockel gibt. Jenes Gefühl, an dem man sich festhält, wenn alles immer fremder und anonymer wird: Die kalten Call-Center zur Abwehr von Kunden, die Anglizismen als billiger Ersatz für Sprache, die Shisha-Bar statt der Eck-Kneipe. Mit dem befremdlichen Gefühl von der Veränderung der Heimat kann man vernünftig umgehen, wenn man sich sozial gesichert fühlt. Aber welcher Arbeitsplatz, welche Rente, welcher Mietvertrag hat denn noch eine lange Laufzeit? Und dann noch jene sonderbare nationale Einheit, in der die einen Deutschen glatt 17 Prozent weniger verdienen als die anderen: Ostlöhne eben.

Die AfD kam jüngst in Thüringen auf 23,4 Prozent, verdoppelte damit ihr bisheriges Wahlergebnis und setzte so den Trend der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen fort: Wer zur Zeit die Stagnation großkoalitionärer Bierruhe aufschäumen will, der wählt AfD. Die erschrockenen Schlagzeilen bestätigen jene Wähler, die auf der vergeblichen Suche nach einer echten Opposition auf die AfD reingefallen sind. Über Jahre war die LINKE, anfänglich noch als PDS firmierend, die genuine Ost-Partei, wie sie auch die nahezu einzige echte Oppositionspartei geworden war, nachdem die GRÜNEN ihren konsequenten Pazifismus gegen ein NATO-Billet eingetauscht hatten. Ausgerechnet mit der sehr redlich gemeinten "Erfurter Erklärung" von 1997, die auch der damalige Gewerkschaftsvorsitzende Bodo Ramelow unterzeichnete, wurden jene ROT-ROT-GRÜNEN Koalitionen eingeläutet, die der LINKEN den Weg zu einer parlamentarischen Macht ebnen sollte, die doch nur als Einbahn-Straße für Dienstwagen fungierte. Auf diesem Weg verlor die LINKE ihren Ostbonus und erst Recht ihren Oppositions-Ruf. Bodo Ramelow und seine Anhänger werden sich im Glück eines Wahlerfolges glauben. Wie sie sich als neue Mitte fühlen, mag man nicht denken.

Als sich am 20. Oktober 2014 in Dresden jede Menge Unzufriedener unter dem Kürzel PEGIDA sammelten, begann eine außerparlamentarische Bewegung von RECHTS manche Themen und Plätze zu besetzen, die lange Zeit für LINKS reserviert schienen. Mit dieser Bewegung konnte sich die ursprünglich bürgerlich-konservative CDU-Ausgründung AfD extrem verstärken. Sie bekam bei der Bundestagswahl 2013 mal gerade 4,7 Prozent der Wählerstimmen. Aber nach und mit den PEGIDA-Aktionen konnte die AfD bei den Landtagswahlen im März 2016 in Baden-Württemberg immerhin 15,1 Prozent der Stimmen einfahren, bei denen in Rheinland-Pfalz 2016 12,6 Prozent erreichen und bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sogar satte 24,3 Prozent einsacken. In jenem Maße, in dem auf den Parlamentsfluren die Mandatshoffnungen der LINKEN wuchsen, marschierte auf Straßen und Plätzen die RECHTE an ihr vorbei.

Dass Angst vor dem Fremden ernst genommen werden muss, dass die Heimat keine Erfindung der Nazis war – auch wenn die den Begriff mißbrauchten – dass man sich als Gastgeber über die Zahl der Gäste verständigen muss: Diese Themen wurden in der LINKEN zum Tabu erklärt und mit einem ebenso flinken wie vereinfachenden "Nazis raus" niedergebrüllt. Wie nebenbei hat die Mehrheitsgruppierung an der Spitze der LINKEN mit der Kaltstellung von Sarah Wageknecht auch noch eine ihrer wenigen populären Medienfiguren auf dem Altar eines fiktiven Antifaschismus geopfert.

Der Rennsteig führt durch den Thüringer Wald und gilt als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands. Wer diesen Weg den RECHTEN überlässt, der wird, wenn alles so schief geht wie bisher, bald auswandern müssen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 11. November 2019 schrieb Albrecht Storz:

Gellermann:

"Zugleich gibt es natürlich echte NAZIS: ..."

Die "Linke" zerfleddert sich im von "Oben" inszenierten "Kampf gegen rechts".

Ja, ja, Hauptsache mit Gutem Gewissen ins Bett. Jeden Tag eine Gute Tat, jeden Tag einen "Nazi" entdecken und "Bähbäh" gemacht.

Während die Nazis in der Regierung am nächsten Krieg laborieren ... und das offen und frei in Tagesschau und heutemitwetterkarte verkünden.

Hieß es nicht immer: die Deutschen hätten doch alles gewusst was Hitler vorhatte, stand ja in "Mein Kampf"? Heute erfahren wir's in der Tagesschau - und keinen juckt's.

Und wer ist der "echte Nazi"? Das beschissene Großmaul oder der nette, telegene Befehlsgeber für Massenmorde?

Antwort von U. Gellermann:

Intelligenten Leuten sollt es peinlich sein, wenn sie um die echten NAZIS drumherum schreiben: Von den Unterstützern des rechten Terrors im Verfassungsschutz über die NPD bis hin zu bestimmten Figuren der AfD. Statt dessen über die LINKE.


Am 09. November 2019 schrieb Albrecht Storz:

Am 08. November 2019 schrieb Hella-Maria Schier: [...]

Vielen Dank dass Sie es wagen, die Sache vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Vieles, was sich heute "links" nennt, ist entweder gesteuert oder völlig verwirrt und unfähig, Freiheit und Rechte Anderer zu respektieren, wenn diese Anderen nicht in das von den Stichwortgebern in die "linken" Köpfe geschleimte Raster passen.

Jeder, der nicht Semit, Frau, Queer, Schwarz, Grün, West, "Verfolgt", Migrant oder wenigstens Abiturient und daher umfänglich konditioniert ist und sich auf Staatsdemos "gegen rechts" präsentiert (noch nie einen Polizeiknüppel gespürt und gleichzeitig jahrzehntelang aktive Antifaschistischen als "Nazis" beschimpfen), steht heute auf der Abschussliste, wenn er nur "Mucks" sagt. Jeder, der andere in Frieden lässt, aber eine eigene, individuelle Meinung besitzt wird von diesen "Linken" angegriffen, wenn möglich mundtot gemacht. Auf Telepolis zB treibt sich eine Bande von Antideutschen als Moderatoren und Anheizer herum. Das wird anderswo nicht anders sein. Die Hypes sind alle gemacht. Die "Aufreger" werden als Themen gesetzt. Die wahren Schweinereien (kontinuierlicher Abbau von Bürgerrechten, kontinuierliche Verschlechterung der Lebensqualität, kontinuierliche Vereinzelung und Vereinsamung der Menschen, kontinuierliches Schüren von Angst, kontinuierliche Steigerung der Kriegsgefahr, kontinuierliches Wachstum der pervers riesigen vermögen Einzelner, ...) gehen im medialen Hype unter.

Ich frage mich sogar manchmal, ob dieser ganze "Hate Speech im Internet" nicht sogar völlig inszeniert ist. ALLES wird dazu benutzt, die Bürgerrechte immer weiter auszuhöhlen!

Wie weit sind wir denn noch von der Praxis orwellscher "Gedankenverbrechen" entfernt? Und wen juckt das noch?

Antwort von U. Gellermann:

Zugleich gibt es natürlich echte NAZIS: Von den Unterstützern des rechten Terrors im Verfassungsschutz über die NPD bis hin zu bestimmten Figuren der AfD. Die bekanntest Inszenierung ist der Aufbau des NSU durch staatliche V-Leute und deren Schutz durch CDU-Funktionäre.


Am 08. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

@ Hella-Maria Schier

Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Es ist doch jeder Thüringer, der das Rennsteig-Lied singt, ein Rechter. Ja, vielleicht sogar Neo-Nazi.

Denn wissen Sie, wer das Rennsteig-Lied geschrieben und intoniert hat? Das waren zwei stramme Hitleranhänger, die fest an den deutschen Endsieg geglaubt haben.

Antwort von U. Gellermann:

Jeder Thühringer? Wer sagt das? Der Artikel sicher nicht.


Am 08. November 2019 schrieb Hella-Maria Schier:

Es ist eigentlich eine Ungeheuerlichkeit, jeden als Nazi zu diffamieren, der nicht alle Welt zu sich einladen und den Nationalstaat schnellstmöglich abschaffen will, und der über manche Begleiterscheinungen besorgt ist. Wenn man all diese Menschen - was gegenüber solchen Extremkonzepten eigentlich die meisten sind und ganz vorneweg übrigens die integrierten ausländischen Mitbürger, wenn man all diese Menschen nach rechts schiebt, dann wird rechts ziemlich groß!

Man kann das eigene Haus allen Menschen anbieten, aber nicht die Häuser der anderen, weil sie einem nicht gehören. Man kann nicht den deutschen Sozialstaat als nationalistisch brandmarken, wenn man selbst ihn nicht braucht. Das ist heuchlerisch. Und wie können Linke es eigentlich logisch vereinbaren, sich für die kulturellen Rechte anderer Völker, wie der Kurden, stark zu machen, wenn sie bei uns jeden in die identitäre Nazi-Ecke schieben, der eine erhaltenswerte deutsche Kultur überhaupt thematisiert?
Das sollen die Bürger verstehen und gut finden? Wer versteht das denn? Es kann ja sein, dass es ein paar hochakademische Gründe dafür gibt, aber die versteht der Normalsterbliche bestimmt nicht - und die Ideologen machen auch keine Anstalten, sie ihm zu erklären. Der Bürgerdepp ist halt ein Rassist, wenn er es nicht kapiert.
Aber es ist in meinen Augen sowieso Blödsinn. Das Recht auf die eigene Kultur ist eine Grundsatzfrage, die erstmal grundsätzlich beantwortet werden muss, unabhängig von jeweiligen historischen Situationen, die sich ändern können.
Jener nordamerikanische Indianerstamm, der unter sich bleiben und die eigene Kultur leben will, der keine anderen bei sich aufnehmen will, weiß nicht mehr, welcher es ist, der sich mit dem eigenen Stückchen Erde verbunden fühlt, wäre nach hier geltenden Maßstäben geradezu schon kriminell Blut und Boden - rassistisch.
Aber würden die Linken diese Indianer wirklich so nennen?
Also ich finde den, der monokulturell einfach seine Ruhe haben will, sich zurückzieht, aber niemandem etwas tut, immer noch besser als den "multikulturellen" Neoimperialist, der andere Länder überfällt und ihre Menschen auf Reisen bombt. Aber die moderne Ethik sieht das anscheinend anders. Für offene Märkte ist das Rückzugsgehabe natürlich nichts.
Für Imperialismus auch nicht.


Am 07. November 2019 schrieb Albrecht Storz:

Am 06. November 2019 schrieb Axel Sauter:
"In Wirklichkeit ist der "Gastgeber" der Täter ..."

natürlich sind wir Täter. Indem wir durch Wahlbeteiligung diesen Staat und dessen Regierung legitimieren - und indem wir Steuern zahlen, Geld, das zu einem großen Teil zerstörerisch eingesetzt wird.

Aber, so Leid es mir tut: das ist doch komplett naiv, daraus eine spezielle, individuelle Schuld aller Deutschen (oder gar aller Staatsbürger der Welt?) abzuleiten. Auch andere Menschen stützen oder zumindest dulden Menschen verachtende Regierungen und Menschen verachtendes Staatshandeln. Und auch andere Menschen Zahlen Steuern, mit denen Waffen, Krieg, Gräuel finanziert wird. Da haben wir doch kein Alleinstellungsmerkmal darin!

Und wem bitte ist geholfen, wenn auch noch hier alles in Chaos zusammenbricht - wie es leider in den von der USILEUNAhTOd-Verbrecherbande im Mittleren Osten und anderswo verwüsteten Lebenswirklichkeiten der Fall ist?


Am 06. November 2019 schrieb Axel Sauter:

"dass man sich als Gastgeber über die Zahl der Gäste verständigen muss"
Ein Satz der falscher nicht sein kann, und er ist nicht der Satz eines Linken. In Wirklichkeit ist der "Gastgeber" der Täter (Waffenexporte, Auslandseinsätze, Rohstoffraub, usw.) und die "Gäste" sind die Opfer dieses Täters. Solange Deutschland nicht aufhört damit, Elend auf der ganzen Welt zu verbreiten hat es kein Recht seine Opfer zu geduldeten Gästen zu degradieren und wenn es zuviel werden sie im Mittelmeer oder der Sahara sterben zu lassen. Ich bin entsetzt.

Antwort von U. Gellermann:

Aus dem Duden für GAST:
jemand, der sich [als Besucher, Besucherin] in einer anderen als seiner eigenen Umgebung, besonders in einem Personenkreis, zu dem er nicht fest gehört, zu bestimmten Zwecken vorübergehend aufhält


Am 06. November 2019 schrieb Gitte Steinberg:

Auch wenn Ramelow ein SPD-Verschnitt ist: Immerhin ist es die alte SPD mit einem Rest von sozialem Gewissen.


Am 06. November 2019 schrieb Sven Bertram:

Den SED-Genossen Alkoholismus zu unterstellen ist ja wohl das Letzte.


Am 06. November 2019 schrieb Lena Klinger:

Mit dem Thema "Nation" werden Sie in der LINKEN kein Glück haben. Die ist längst von den Antideutschem besetzt.


Am 06. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

Welcher antifaschistische Linke schreibt denn so was wie Sie?:

"Die kalten Call-Center zur Abwehr von Kunden, die Anglizismen als billiger Ersatz für Sprache, die Shisha-Bar statt der Eck-Kneipe."

Und dann halten Sie auch noch den thüringischen Heimat-Kitsch des Rennsteinlieds hoch - wenn das nicht AfD ist. : -(.


Am 06. November 2019 schrieb Michael Kohle:

Wie die LINKE Platz für die RECHTE gemacht hat? Schau’n mer mal!

So wie es früher des Kaisers Geburtstag oder Adenauers Ableben mindestens eine Woche lang zu feiern bzw. zu beklagen galt steht auch heuer zum dreißigsten Male ein Ereignis an, dass angeblich durch ein kleines Wörtchen „unverzüglich“ ausgelöst worden sein soll um dann via tränenmelkenden Endlosschlaufen über die Vorgänge an der Bornholmer Straße im Staatsfernsehen zur Staatsseifenoper hochgebeamt zu werden. Ouvertüre mitinbegriffen: Rosinengepickte Festredner damals auf dem Alex bei der Demo fünf Tage vor dem Unverzüglich. Professor Börne - auch heute noch bestens bekannt - darf dort als Jan Josef L. seine Verslein vortragend, Frau Birthler in jungen Jahren damals, die spätere Gauck-Nachfolgerin und somit IM-Inquisitorin auch. Und dann natürlich - wie passend - der gute Mensch HGW XX/7, später einmal mit einer Sonate in Dankbarkeit sogar mit einem Oscar geehrt. Nur dieser olle Grufti, der war irgendwie immer fehl am Platze, den konnte bestimmt niemand einordnen. Wie sollte den auch jemand kennen, den haben doch die mitfühlenden Mitte-Poliiker als Alterspräsident abgelehnt, damals beim erstmaligen Einzug der Drachenbrut ins Hohe Haus. Ach wie gut, dass es damals noch keinen Antisemitismusbeauftragten gab, sonst hätte der ja für diesen Zweig A. ein Machtwort sprechen müssen. Vielleicht hätte eine Kippa geholfen.

Kläglicher Rest, Drachenbrut? Genau, da war doch was. Vor fünf Jahren - anno 2014, da ging es ja hoch her bei ebensolcher Feier in eben diesem Hohen Hause. Ein Barde namens Biermann, wie gewohnt gut informierte Kreise immer zu berichten hatten am früheren Wohnsitz der Gschpusi von Margot, durfte wohl für eine satte Handvoll Euronen mal wieder seine Tiraden loswerden. Und fast das ganze „Hohe Haus“ zeigte sich seiner würdig und tobte aus Begeisterung, trommelte mit Händen und Füssen. Sogar einer der so mitfühlend Angesprochenen fühlte sich dazu angehalten in den Jubelsturm miteinzustimmen. Ganz anders ein Jahr später die nächste Gedenkfeier an gleichem Ort: siebzig Jahre zum Gedenken an das Ende des zweiten Weltkrieges Anfang Mai. Nein, da gab es keine Senge, von wem auch immer. Was eigentlich sehr wohl zum Anlass gepasst hätte, eine Zeile von Brecht, von Degenhardt vertont, das „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“ fand keinen Eingang. Klar, zumal beide Genannten längst nicht mehr zur Verfügung standen (möglicher, aber wohl unwahrscheinlicher Grund) und außerdem die Gelegenheit anderweitig genutzt werden musste. Stattdessen gab es nämlich einen Sermon von einem gewissen Herrn Winkler, laut Alpen-Prawda Doyen einzig gültiger deutscher Geschichtsbetrachtung. Der gab u.a. Tacheles von sich zum Beelzebub Wladimir P. Schließlich galt es den Russen wenigstens als einer der Hauptverantwortlichen für das große Schlachten und überhaupt das ganze Elend aus tausend Jahren dem Volke präsentiert werden.

Und nächstes Jahr, zum 75. Jubiläum? Wenn die feuchten Träume eines Herrn Heyme nebst Gleichgesinnten aus der thüringischen Parlamentsfraktion der Union wahr werden, dann wird es bald keinen rechten Rand mehr geben, nur noch den schäbigen, den linken. Dann bleibt zu hoffen, dass Björn H. seinen Duktus für eine Weile zähmen kann bis zum Amtseid im neuen Ministeramte. Mit welchem Portefeuille denn? Saudumme Frage, Innenminister natürlich, wie sonst soll sonst die NSU einf für allemal entlastet werden. Den Bock zum Gärtner zu machen war doch schon immer Usus bei der Union. Einen Topjuristen wie einst Hans G. bspw., der kurz nach der Machtergreifung eifrig bei den Rassengesetzen hilfreich unter die Arme greifen durfte, wollte unser erster christlich demokratischer Kanzler doch gewiß nicht ungenutzt schmoren lassen. Die ganze Amtszeit vom Hl. Konrad durfte ihm deswegen dieser Hans seine „rechte“ Hand führen. Statt Substantiv ein Verb, also, geht doch! Ohne die ganzen früheren Leistungsträger wäre doch - so heißt es bis heute noch immer - ein Wirtschaftswunder gar nicht möglich gewesen.

Ich irre ab, stimmt! Mußte aber mal wieder gesagt werden, wie aus dem Saulus, dem wahren, dem echten Unrechtsstaat, der mit den sechzig Millionen Toten im Schlepptau, ein friedlicher NATO- Paulus umgefärbt und gebastelt wurde. Auf vielfachen Wunsch bzw. Druck eines einzelnen Gleichen von overseas, um die nächsten Züge auf dem imperialen Chessboard zu ermöglichen. Hat doch wunderbar geklappt, alles „Linke“ bis zum Ende aller Tage der Unmenschlichkeit zu bezichtigen (Methode „Haltet den Dieb“), in den Dreck zu zerren. Womit wir wieder im Heute zurück wären. Man mache sich mal schlau darüber, wer heutzutage global überhaupt noch als „links“ eingestuft wird. Hat doch bisher mit den echten „Linken“ wunderbar geklappt. Deswegen kann heute ohne Probleme - wie ehedem bei den Hexen - verfahren werden. Und? Gibt es überhaupt noch Hexen? Gut, die Wagenknecht vielleicht, werden jetzt einige Bekehrte zu denken geben. Selbst aus den Reihen der längst Pseudo-Linken tönt es entsprechend. Aber sonst? Perverser ist noch die Tatsache, die jetzt aus Thüringen berichtet wurde. Die Altersklassen der jüngsten Wahlberechtigten im Lande, also jene die bereits von in die Freiheit entlassenen ehemaligen Insassen des Unrechtsstaates 2.0 gezeugt und auf die Welt gesetzt wurden, die sollen besonders zum Wahlerfolg von Hoeckes Fähnlein beigetragen haben. Wird böse enden, wetten dass?


Am 05. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

- Nazis, Faschisten, Rassisten - Ossis

Um jemanden einen 'Nazi / Faschisten / Rassisten' zu nennen, gehört meiner Ansicht nach folgendes dazu:

- Er / sie muss für einen Führerstaat sein, der politisch Oppositionelle ausschaltet.

- Er / sie muss von einer rassischen Überlegenheit der Deutschen überzeugt sein.

- Er / sie plant eine Erweiterung des 'deutschen Lebensraums'.

Sind das die AfD Wähler in Thüringen, Brandenburg, Sachsen?

Warum sollten die mich als Frankfurter (am Main) überhaupt interessieren? - Weil ich das Urteil über die Ossis ungerecht finde. (Nicht, weil ich ein Höcke Fan bin :-).

Antwort von U. Gellermann:

Im Artikel heißt es, dass „Themen niedergebrüllt wurden“, nicht Wähler. In der Korrespondenz zum Artikel wurden allerdings Führungsfiguren der AfD als Nazis bezeichnet. Das konnte am Gequatsche dieser Leute belegt werden. Weitere Leserbrief zu diesem Thema werden nur veröffentlicht, wenn sie sich auf den Artikel beziehen. Generell wären Argumente nicht schlecht.


Am 05. November 2019 schrieb Gert Seeger:

Die Wahrheit ist: Die übergroße Koalition - CDU-SPD-GÜNE-FPD-LINKE setzt sich fort. Ein guter Grund für die AfD-Wähler.


Am 05. November 2019 schrieb Katja Brenner:

Das ist ist ein sehr wahrer Satz: "Wie nebenbei hat die Mehrheitsgruppierung an der Spitze der LINKEN mit der Kaltstellung von Sarah Wageknecht auch noch eine ihrer wenigen populären Medienfiguren auf dem Altar eines fiktiven Antifaschismus geopfert." Die Kipping-Gruppe an der Spitze der Linken demontiert sich gleich mit. Denn solche Menschen sie Wagenknecht generieren Stimmen, das können Riexinger und Kipping kaum. Aber das ist es was sie wollen: Mandate, Mandate, Mandate. Zu blöde.


Am 05. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

@ Uli

'Faschist' ist eine politische Einschätzung. - Das ist etwas anderes als eine von einem Gericht festgestellte Tatsache, z.B. wenn jemand wegen Betruges verurteilt wurde. Dann ist er ein gerichtsnotorischer Betrüger.

Höcke ist kein "gerichtsnotorischer" Faschist. - Haben Sie den Unterschied verstanden?

P.S. @ Uli - Höcke

Ich habe Ihre Wortwahl "gerichtsnotorisch" kritisiert, nicht Ihre politische Einschätzung Höckes.

Wieso werden Sie da mir gegenüber beleidigend?

Antwort von U. Gellermann:

Zu 1.

„Gerichtsnotorisch“ bedeutet: Vom Gericht amtlich zur Kenntnis genommen. Und genau das hat das Gericht im Fall Höcke getan. Haben sie den Sinn jetzt verstanden?

Zu 2.

Ich stelle nur fest: Erneut möchten Sie einen Nazi keinen Nazi nennen und kommen semantisch um die Ecke.


Am 05. November 2019 schrieb Swantje Bremer:

@ Bloemker/Gellermann

Ein Nazi ist ein Nazi ist ein Nazi. Frei nach Gertrude Stein,

Antwort von U. Gellermann:

Sehr frei. Immerhin hat sie Marschall Pétains Reden übersetzt.


Am 05. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

@ Uli
'Höcke ein gerichtsnotorischer Faschist.'

Na, ich bitt Sie. Das Gericht hat nur entschieden, dass man ihn so nennen darf. Das Gericht hat nicht festgestellt, dass er einer ist. (Ist gar nicht Sache des Gerichtes.)

Ich kann Sie einen 'Stalinisten' nennen. Ein Gericht würde entscheiden, dass ich Sie so nennen darf. Damit hat das Gericht aber nicht festgestellt, dass Sie einer sind :-).

Antwort von U. Gellermann:

Höcke auf einer Demonstration in Erfurt: "Thüringer! Deutsche! 3.000 Jahre Europa. 1.000 Jahre Deutschland – ich gebe euch nicht her!“ - Höcke bejubelt also die 1.000-Hitler Jahre, das „ Tausendjährige Reich", den Weltkrieg und den Millionen-Mord. Und weiter in Magdeburg: „Ich will, dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat. Ich will, dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat.“ Möchten sie Adolf Höcke immer noch verteidigen, sich also hinter einen gewöhnlichen braunen Scheißer stellen? Sammeln sie Punkte für die Nazi-Wende? Der AfD-Gauland z. B. hat die Integrationsbeauftragte Özoguz ebenfalls verbal angegriffen und gesagt, „wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“ Feigheit ist verständlich, politische Blindheit ist heilbar.


Am 05. November 2019 schrieb Altes Fachbuch:

keine ahnung, was ich mit dem beitrag anfangen soll, also nähere ich mich dem thema mit verständnisfragen:
- wird im westen afd gewählt, wird das fehlen der linken moniert. in sachsen und brandenburg waren sie zwar da, aber haben durch fehler angeblich nur an die afd verloren. in thüringen haben sie gar wiederholt und wieso (???) gewonnen, und haben aber der afd den weg bereitet??
- biertrunkene sed-leute trauten sich trotz bitter böser stasi-diktatur eine heimliche hymne zu intonieren, was den "propagierten internationalismus" konterkariert und heutigem "nationalgefühl einen sockel gibt"?? an der ostsee sangen die von wellen, die an den strrrrand trecken, das wäre deren heimat - auch verkappte nationalisten und gar widerparte der thüringer??? beim preussen musste der rote adler hoch in die lüfte steigen.... kann mir jemand den zusammenhang von heimatliebe und nationalgefühl erklären??
- kann man sich nun über das thüringer ergebnis freuen?? bei den anderen wahlen glänzte der galerist mit schadenfreude und mit zahlen, wie viele tausende der PdL davon gelaufen wären - und nun kein wort, wo die stimmenzuwächse herkomen?? wenn also wahldiagnose dann doch mit gleichen methoden? wie erklärt der galerist, dass ca. 15% ehem. CDU/SPD wähler die PdL wählten?? natürlich nur, damit die linken bessere autos und personal bekommen;) fast jeder vierte SPD-wähler wählte PdL!!! natürlich nur, weil DIE die neue mitte abbildet;) übrigens: die PdL thüringens hat ca. 15% ihre wähler durch ableben oder wegzug verloren!! herr gellermann, wie hoch waren diese verluste in BB und SA??
- offensichtlich bevorzugt der galerist ja das marschieren auf den strassen! wer sich diese art tourismus leisten kann, soll es tun. wäre es nicht widersinnig, weil es noch NIE ein politisches ergebnis gegeben hat!! 1989 wird sich nicht wiederholen, und funkhäuser bekommt man so auch nicht! erschreckend ist aber auch, dass der galerist die pegida als vorblid auswählt - geht doch, die linken sind zu blöd, hauptsache marschieren!! hat die cdu jemals eine apo gehabt und regiert dennoch ständig?? offensichtlich marschiert es sich zu rechter musik leichter?? und in ddr-zeiten bin ich unter rotem banner so was von marschiert und konnte die welt auch nicht retten! wieso also die verteufelung des (sicher pseudo)parlamentarismus, wo der feind uns doch diesen gradmesser anbietet, ihn wenigstens vorzuführen!!?? just in thüringen ist es passiert: die mehrheit eines bundeslandes hat von eiapopeia die schnauze voll - und wen passt das nicht??
- herr gellermann, haben sie ein arbeitsbiographisches problem mit der PdL??
- viele diskussionsbeiträge offenbaren wieder den hang zum ideellen: die politik und die personen oder parteien müssen es richten!! an die aufklärer, es gibt keine edlen, hilfreichen und guten im politikbetrieb. das bleibt nonsens: über veränderungen im richtigen leben entscheiden die nichtgewählten eigentümer der unternehmen!!
- die gelobte s. wagenknecht, krank und verstoßen wie sie ist, weiß, dass gespräche mit der cdu kein sakrileg sein dürften!!?? und da habe ich von kipping noch nicht mal was gehört!?
- hier wird die einwanderung gefeiert und reglementierung gefordert und die linken müssen sich doch bezüglich der dosis positionieren!!?? also: soll sie das nun auf der strasse klären oder doch lieber in der parlamentarischen arbeit?
- zum schluss ist`s eh egal, was im osten passiert. der todfeind jeglicher gesell. entwicklung ist das satte, versorgte, (unter)konditionierte bis indoktrinierte gesellschaftsopfer westdeutscher "hymnen"sänger!! kritik vom galeristen?? immerhin hat die wasg die pdl übernommen!?
never, der bauchnabel ist eben berlin;)

Antwort von U. Gellermann:

Es gibt einen lesbaren Artikel. Die Fragen sind also rhetorisch. Also unproduktiv. Falls „Altes Fachbuch“ Fakten aus dem Artikel bestreiten möchte: Nur zu, das könnte dann zu einem produktiven Dialog führen. - Von Pegida als Vorbild war nie die Rede. Auch nicht von trunkenen SED-Leuten. Wer Pappkameraden aufbaut kann sie gut umhauen.


Am 04. November 2019 schrieb Uschi Peter:

Wieder eine sehr gute Einschätzung, danke! Wir erinnern uns doch noch an die Wahl 2009 in Thüringen, als die Gefahr bestand, dass die Linke bei 27,4% mit der SPD 18,5% ev. eine Mehrheit für eine Regierungsbildung hätte bekommen können . Alles Konjunktiv. Die CDU-Frau Lieberknecht sammelte ihre Truppen, damit nur nicht Bodo Ramelow und die „SED-Nachfolger" ans Ruder kommt (wo verkrochen sich eigentlich die alten NSDAP-, SS-, SA-Leute nach der Großen Zeitenwende, bei CDU oder aus Tarnungsfgründen bei der SPD?). Der Bodo rauschte wütend durch die Gänge, hatte aber gegen die geballte Macht der guten Etablierten keine Chance. Jetzt ist die Linke schön angepasst und darf mitregieren. Bald wird die AfD auch glattgebürstet sein und in den Schoß der allein seligmachenden bürgerlichen Parteien einziehen, wo sie ja auch hinpasst. Alles ein Geschäft und Geschacher um Posten und Pfründe.

Zu dem Migrantenproblem gebe ich nur den Rat, sich mit Geschichte zu befassen und die Folgen der Einwanderung der Europäer nach Amerika, Australien und anderswo anzusehen. Nur die Wikinger kamen als friedliche Siedler im 10. Jahrhundert in das Land der "Indianer" (die wir so nannten. Wie nannten sie sich wirklich? das weiß keiner.) .


Am 04. November 2019 schrieb Gerhard Wirth:

Ich war mein ganzes Leben links eingestellt und hielt Links speziell für die Arbeiterschaft als die bessere Alternative. Doch heute fehlen mir von Links die Erklärungen und sehe nur wie Links sich jeden GRÜNEN Schwachsinn unterwirft. Wenn Einwanderung gewünscht ist, dann muss entsprechend die Industrie gefördert und nicht abgewickelt werden. Wo sollen denn die ganzen Arbeitsplätze herkommen, wenn nicht im produzierenden Gewerbe? Eine reine Dienstleistungsgesellschaft ist weitestgehend mit Steuergeldern subventioniert und nicht selbsttragend. Einwanderung nur in das Sozialsystem, kann nun wirklich keine dauerhafte Lösung darstellen. Wer im Klimawahn überstürzt Arbeitsplätze in der Automobil- und Zulieferindustrie vernichten will und die Arbeitsplätze in der Kohleverstromung sozialverträglich (heißt arbeitslos) abbauen will, handelt bestimmt nicht im Interesse der Arbeitnehmerschaft. Die LINKEN können nicht ihre Wählerschaft mit der GRÜNEN Wählerschaft gleichsetzen, hier bestehen enorme Interessenkonflikte. Während es bei den LINKEN Wählern immer noch viele traditionelle Arbeiterfamilien gibt, so besteht die GRÜNE Wählerschaft aus abgehobenen Hipstern, neureichen Heuchlern, die sich jede technische Neuerung problemlos leisten können und über zusätzliche Klimaabgaben lachen. Aber eine Arbeiterfamilie findet das nun mal bedeutend weniger lustig.

Außerdem kann mir die Politik nicht logisch erklären, wie ohne Atom- und Kohlekraftwerke, ohne verfügbare Stromspeicher und ausreichende Netze, nur mit Windkraft und Solar, eine Komplettelektrifizierung des gesamten Verkehrs (ca. 50 Millionen Fahrzeuge) erfolgen soll? Wird hier etwa der permanente Zukauf aus ausländischen Atom- und Kohlekraftwerken erwogen? Ist das etwa die gewünschte Zukunft, die nur heimische Arbeitsplätze vernichtet, aber am Weltklima nichts verändert?

Die LINKEN würden gut daran tun wenn sie sich vom GRÜNEN Wahnsinn verabschieden, dann erhalten sie auch die Wähler aus der Arbeiterschaft zurück, die aus verständlichen Gründen heute die AfD wählen.

Antwort von U. Gellermann:

Wer AfD wählt, wählt auch Höcke, also einen gerichtsnotorischen Faschisten. Wer dafür „Verständnis“ hat, der gräbt sein eigenes Grab. - Eine Diskussion über Klima-und Industrie-Politik führt vom Thema weg. Dieser Strang der Debatte ist hier beendet.


Am 04. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

@ Marc Britz

"Chauvinismus ... Männlichkeitswahn ... Frauen- und Homosexuellen-Feindlichkeit ... Verachtung von kritischer Kreativität ..."

Wen meinem Sie? Die AfD. - Und sonst noch jemanden bei uns? -


Am 04. November 2019 schrieb Ernst Blutig:

Man sollte sich im Bürgertum langsam mal von der Illusion verabschieden, daß es das Konstrukt das unter dem Decknamen "Deutschland" als Kürzel für "deutsche Nation"erfolgreich firmiert, nur deswegen gibt, um Besitz zu mehren und Mehrwert zu steigern. Dazu zählt, auch schon seit Jahrhunderten, der Krieg. Den kann man nur führen mit Kanonenfutter. Das Kanonenfutter bekommt man aber nicht überzeugt mit dem Hinweis, daß man den eigenen Mehrwert und Besitz steigern möchte.
Da schafft das Wort "Deutschland" Abhilfe.
Da kann jeder dran glauben wollen, um dann später dran glauben zu müssen.
Wenn man also dieser Illusion entgehen will, sollte man nicht auch noch diesen Fehler machen und das "Nie wieder "Deutschland"" Gruppierungen zu überlassen, die strukturell und intellektuell nicht dazu in der Lage sind diese Illusion auszulöschen, da es Basis ihrer realen Existenz zu sein scheint, die sich ausgerechnet auch noch ins Kapital und in die Bürgerlichkeit flüchtet, um den Kapitalismus zu überwinden. Und selbst letzteres wird als Ziel verworfen. Solange aber das Bürgertum offensichtlich nicht nur nicht in der Lage ist die "Deutschland"Maske zu ent-larven, sondern ganz im Gegenteil auch noch mit knapp unter 25% diese Maske abfeiert, werden auch die Linken keine Chance haben, nicht zu reden von den Antideutschen.

Da hilft auch nicht die Illusion eines kulturellen "Deutschland" via Hilfskonstrukt einer "deutschen Kulturnation", die es genausowenig gibt. Auch die ist letztendlich nur der Steigbügel für einen, offenischltich wiedererstarkenden, deutschen Faschismus.

Erst vor wenigen Tagen las ich in einem dieser TV Live-Ticker zur Lage der Nation den Text "die olympischen Spiele 2036 in Deutschland" wären ein "starkes Signal".
Der stetig marschierende Liveticker, das digitale Pendant zum marschierenden Nazi bei Pegida, AfD und Co.


Am 04. November 2019 schrieb Klaus Bloemker:

- "AfD mit unverbrüchlicher Treue zur NATO"

Diesen Punkt wiederholt Uli oft, obwohl er doch für die AfD und deren Wähler keine Rolle spielt.

- "Angst vor dem Fremden ... die Heimat keine Erfindung der Nazis ... in der LINKEN zum Tabu."

Dieser Punkt ist gut. Besser jedenfalls als was Udo Lindenberg nach der Wahl gesagt hat:

"24 prozent ... nee, wir brauchen keine rückwärtsgewandten rassisten, hetzer und menschenfeindliche brandstifter mehr in unserm schönen land, ..."

Udo wohnt ja im schönen Hamburg. Da versteht er die Thüringer Wähler besonders gut.

Übrigens habe ich mir jetzt das Rennsteiglied angehört, kannte ich bisher nicht. (Ich wohne ja auch nicht in Thüringen.)

Antwort von U. Gellermann:

In den Umfrage lehnt eine Mehrheit der Deutschen die Auslandeinsätze der Bundeswehr ab. Die wiederum haben immer mit der NATO zu tun. So spielt die NATO offenkundig einen Rolle.


Am 04. November 2019 schrieb Charlotte Ullmann:

Richtig, Ulli, auch wenn die Linke massiv gegen Rechts kämpft.

Nur, in meinen Augen zu einseitig.
"Aufstehen gegen Rechts" allein reicht nicht, wenn es sich erschöpft in Gegendemonstrationen, Info-Stand-Raufereien oder sonstigen Blockaden gegen Rechts, wenn nicht gleichzeitig die genuinen Nöte der protestierenden Wähler ernst genommen werden.

Ja, die LINKE hat sich darum bemüht, hat die verheerende Sozialpolitik (Agenda 2010 mitsamt Hartz IV) der Nachwendezeit an den Pranger gestellt.

Genau dagegen hat sie sich gegründet.

Doch 15 Jahre sind vergangen (wenn man die Vorgängerpartei WASG mit einbezieht) und es ist ihr nicht gelungen, wenigstens Hartz IV zum Fall zu bringen, geschweige denn den Kapitalismus.

Warum? Tja, hätte sie von Anfang an die Mehrheit gehabt, wäre das ein leichtes Spiel gewesen.

Was hat die AfD anders gemacht?

Die von Anbeginn kometenhaft in der Wählergunst aufgestiegen war, einzig als Protestpartei, der LINKEN diesen Rang abringend?

(Obwohl sie inhaltlich alles andere verspricht, als das, was man sich unter einer dem Wohle des Bürgers dienenden Sozialpoltik versteht. Sie ist nämlich eine durch und durch kapitalistische und der Nato hörige Kriegspartei).

Sie hat auf den Putz gehauen!

Verbal, und auch mit Taten, zum Beispiel mit der Kampagne gegen die Rundfunkzwangsgebühren, die den meisten im Lande als verfassungsfeindlich erscheinen.

Dieses "Aufdenputzhauen" gefällt dem "Volk", das sich immer mehr verschaukelt fühlt durch die "Eliten".

Die Linke hat das nicht ernst genommen, sich den Verfassungsrichtern angeschlossen, die allesamt von der "Elite" kommen (Kirchhoff etwa), und die im Namen der "Kleptokratie" Recht sprechen und definieren, was Verfassungstreue oder Demokratie heißt.

Das Wählervolk ist da sehr empfindlich, wenn es um Gerechtigkeit geht. Und die AfD versteht es, virtuos auf dieser Klaviatur zu spielen, auch wenn nichts dahinter steht, nur ein Anklang von Demokratie, um vorgetäuschte im Einzelfall.

Und wenn eine Angela Merkel daherkommt und vollmundig in die ganze Welt hinausposaunt (2015), "wir schaffen das" mit den Flüchtlingen, obwohl die vorhergegangene Sozialpolitik bereits in Schutt und Asche lag, und die LINKE vollmundig (mit Ausnahme von Sahra Wagenknecht und ihrer Gesinnungsgenossen) in das gleiche Horn bläst, ja, dann muss sie sich nicht wundern, wenn die vielen "abgegängten" Bürger, besonders die im Osten der Republik, sich stiefmütterlich behandelt fühlen, mehr noch, wenn sie die LINKE in die Nähe von Merkel, sprich Establishment, rücken.

Dann ist eben die LINKE in deren Augen nicht mehr wählbar, eine böse Mutter gewissermaßen.

Dann kommt jede Partei recht, die Front dagegen macht.

Sahra Wagenknecht hat die Gefahr gesehen und versucht, gegenzusteuern mit ihrer Bewegung "Aufstehen". Doch die Mehrheit der Funktionäre in der LINKEN hat sich vehement dagegengestellt, Sahra kaltstellend, sie der Nähe zu Rechts bezichtigend.

Dabei wäre es die Rettung gewesen, die vielen Abgegängten in ihren Sozialnöten ernst zu nehmen und sie in ihrem Protest nicht der AfD zu überlassen.


Am 04. November 2019 schrieb Albrecht Storz:

Das

"... war die AfD. Obwohl sie mit unverbrüchlicher Treue zur NATO ..."

und das

"Selbst aus den Reihen der AfD wird die Forderung nach Kündigung des Truppenstationierungsvertrags erhoben. "Die AfD setzt sich für den Abzug aller auf deutschem Boden stationierten alliierten Truppen und insbesondere ihrer Atomwaffen ein, heißt es zum Beispiel in einem Schreiben aus dieser Fraktion."

RT zitiert auf den Nachdenkseiten

https://www.nachdenkseiten.de/?p=56087#h16

Punkt 17.

Und wegen einem möglichen Verweis auf Parteitagsbeschlüsse:

Die sPD hat den Austritt aus der NAhTOd seit Jahren im Programm - und hatte genug Zeit und Handlungsspielraum als (Mit-)Regierungspartei.

Nein. Ich verspreche mir von der AfD nichts Gutes. Aber das sinnlose Eindreschen auf Machtlose (auch wenn es unsympathische Machtlose sind) lenkt doch nur von den realen Verhältnissen ab: Regierungsparteien, für die willensloses Anhängsel einer Mordbrennerbande zu sein das selbstverständlichste der Welt ist - gegen den Willen des Volkes!

Antwort von U. Gellermann:

Die arme, „machtlose“ AfD möchte zu gern auf das Trittbrett der Macht. Aus ihrem Programm:
"Die Mitgliedschaft in der Nato entspricht den außen- und sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands“.

Das RT-Zitat ist blanker Unsinn.


Am 04. November 2019 schrieb Lutz Jahoda:

OB KRANK IM GESTERN,
SIECH IM MORGEN;
ELITEN DEUTSCH: STETS FREI VON SORGEN !

Warum muss ich bei Thüringen sofort an Weimar denken?
An Goethe, Schiller liegt es nicht, auch nicht an Herbert Roth.
Der Zeitgeist müht sich eloquent, von Weimar abzulenken,
Möchte Deutschland aber gerne Wehrkraftzeiten schenken.
Gegen Rot auf jeden Fall, mit bisschen Braun zur Not.
Novembertrüb übt Bundeswehr Gelöbnis bis zum Tod.

Kurzum; mit Retro-Maden
Auf ausgelatschten Pfaden!


Am 04. November 2019 schrieb Wolfgang Kruz:

eider stimmt das alles. Es ist sozusagen Tatsache, dass die Partei "die Linke" durch die Flüchtlings-Krise zum Neoliberalen Partner der Alt-Parteien geworden ist.
Leider ist es aber ein ausserordentlich schwerer Erkenntnisprozess Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen! (Quellenangabe für den letzten Satz, Peter Hacks)


Am 04. November 2019 schrieb Hanna Fleiss:

Die Thüringen-Wahl hat für mich vor allem eines gezeigt: dass wirklich linke Regierungspolitik, will sie erfolgreich sein, in einem imperialistischen Staat nicht möglich ist.

Ramelow, der Erfolgreiche mit dem Pyrrhus-Sieg, hat dafür nicht die Linkspartei gebraucht, er hat auf x-beliebige Weise kleinbürgerlich regiert, und das kam bei den thüringischen Kleinbürgern an, von denen sich immer noch viele Linke nennen. Ja, das "Rennsteiglied" von Herbert Roth ist ihre Universalhymne, es passt zu ihnen, ich kenne es schon aus meiner Kindheit, wo es auf keiner Veranstaltung in Thüringen fehlen durfte, und das Publikum stimmte stimmkräftig mit ein. Und sicher auch bekam Ramelow so manche Stimme aus Angst vor der AfD, ohne dass das über seine "Politik" etwas aussagte.

Eines weiß ich: Sollte Ramelow tatsächlich mit der CDU koalieren, kriegt die Linkspartei im ganzen Land keinen Fuß mehr auf den Boden. Schon die Überlegung aufgrund der Prozentverhältnisse hätte sich für einen echten Linken verboten. Da wäre es ehrenhafter, er würde zu einer Minderheitsregierung stehen.

Hier wird von einigen Kommentatoren bezweifelt, dass die Linkspartei ihren Teil Schuld am Aufstieg der AfD trägt. Warum aber kann die AfD "linke" Themen ohne weiteres in ihre Wahlpropaganda integrieren? Doch nur deshalb, weil die Linkspartei als die angebliche Vertreterin der Erniedrigten und Beleidigten sie links liegengelassen hat.

Was ich an Ihrem Beitrag kritisieren muss, Ulli Gellermann, ist, dass sie bei den Flüchtlingen von Gästen schreiben.
Nein, Flüchtlinge sind keine Gäste, sie werden aufgrund der Flüchtlingskonvention der UNO aufgenommen, es ist ihr Recht, vor Krieg, Hunger und Elend in andere Länder zu fliehen, sie haben keinen irgendwie gearteten "Gast-Status", den man nur für Touristen anwenden sollte..

Ich war als Kind mehrmals im Rahmen der Kinderferienlager und später auch als Urlauberin in Thüringen zu Gast und muss sagen, dass die Thüringer freundliche, hilfsbereite, praktische
Leute sind, die zu meinem Bedauern vom Inselsberg aus leider nicht über die Wipfel der Thüringer Fichten hinausblicken können.

Antwort von U. Gellermann:

Die Mehrheit der Flüchtlinge kam nicht freiwillig und will auch zurück in ihre Heimatländer. Sie sind also bei uns zu zeitweilig Gast.


Am 04. November 2019 schrieb Paulo H. Bruder:

"Fiktiver Antifaschismus" - gut formuliert: ein Antifaschismus der "FCK AFD" stammelt und sich an der Denunziation von Sarah Wagenknecht abstrampelt. Diese Zeit"genossen" haben nicht begriffen (und werden es auch nicht begreifen), dass der Retrofaschimus im kapitalistischen Schoß der bürgerlich-parlamentarischen Gesellschaft seine Wurzeln hat.


Am 04. November 2019 schrieb Ullrike Spurgat:

Was für ein Geschrei und Getobe war 2014 in der Republik zu hören: Ramelow macht den Kommunisten im roten Mäntelchen schallte es von allen Kanälen. Jedem Kommunisten tut man sehr unrecht mit solchen Unwahrheiten den Antikommunisten zum Kommunisten machen zu wollen. Nüchtern betrachtet haben dann zwei sozialdemokratische Parteien, mit den antikommunistischen GRÜNEN eine gemeinsame Landesregierung, die die Hoffnung für eine Verbesserung der Lebenswirklichkeit der Menschen im Land werden sollte. Ramelows GESTAPO Vergleich mit dem Ministerium der Staatssicherheit der DDR hat mein Blut zum Kochen gebracht. Er verkörpert neben Habeck, Kretschmann und anderen den Zeitgeist Politiker, den eigentlich keiner braucht, außer das System für dass sie gemeinsam stehen. Selbst die Totalitarismus-Doktrin (Schumacher sPD/Hannah Arendt) scheint sich mehr und mehr abzunutzen.
Nun hat die LINKE die Wahlen gewonnen und hat aber auch verloren. Die Ränder, die sPD und die GRÜNEN dümpeln vor sich hin. Was tun sprach Zeus, die Götter sind voll Alkohol.
Betreibe ich Ursachenforschung lande ich zwangsläufig bei der sozialen Frage. Die Unsicherheiten im alltäglichen Leben der Menschen nehmen zu: Gewachsene, vertraute und verlässliche Strukturen werden abgelöst von Ängsten, Unsicherheiten und Verlusten. Man nimmt die Menschen, die gesamtgesellschaftliche Wesen sind mit ihrem verständlichen Bedürfnis nach Sicherheiten nicht ernst. Der Mensch braucht keine Konjunktivs, keine Absichtserklärungen, keinen Abbau sozialer Errungenschaften, keine Aufrüstung, die immer die bezahlen, mit mangelnder ärztlicher Versorgung und mit dem Gang zu den Tafeln. Es sind die die am Ende und ganz unten stehen all das auf ihren schwachen Schultern tragen, wovon genügend pofitieren. Den letzten beißen die Hunde, ein altes Sprichwort.
Der Mensch braucht den Mitmenschen, gesicherte soziale Verhältnisse, in denen er leben und sich entwickeln kann. Strukturen, die verlässlich und stabil sind. Die seelischen Erkrankungen haben einen Höchststand erreicht. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt Alarm, was die Kinderarmut und die Verelendung in vielen Städten, Dörfern und Gemeinden angeht. Alte Menschen werden vernachlässigt, sind in der Altersarmut gelandet haben kaum genug zum Leben und das ist keine Floskel. Danke an Schröder, an die verkommenen GRÜNEN, dass ihr dafür gesorgt habt, dass Deutschland den größten Niedriglohnsektor in der EU hat.
Das alles ist der Nähboden für eine AfD. Ein Staat, der die Schwachen nicht vor denen schützt, die keinen Staat brauchen versagt kläglich. So ist es der AfD mehr und mehr gelungen Themen zu besetzen, ohne den realen Bezug zur Wirklichkeit, dafür aber mit viel Popanz und Illusion. Berücksichtigen sollte man auch, dass es keinesfalls so ist, dass faschistisches Gedankengut in der Hölle schmort. Nö, selbst der Oberfaschist Globke hängt noch im Kanzleramt.
Das Geschnatter was die AfD angeht ist ein Witz. Die AfD ist folgerichtig aus den miserablen gesellschaftlichen und unsicheren Verhältnissen heraus entstanden. Die LINKE hat ohne Not ihre Positionen weitgehend geräumt und von anderen besetzen lassen. Man weiß, dass die soziale den Zündstoff für aufkommenden Faschismus beinhaltet und das sollte niemals vergessen werden: "Der Schoß ist noch fruchtbar, aus dem das kroch."
Und zum Schluss: Internationalisten sind Patrioten......da beißt die Maus keinen Faden ab.....und sind heimatverbunden.
Die Lieder der roten Brigaden z.B und andere, die von Kampf, Heimat und Liebe Zeugnis ablegen treffen mitten ins Herz: Die Thälman Kolonne, die Moorsoldaten, El pueblo unido, Mamita unido, sowie Victor Jara und Pablo Neruda (Chile) sind und bleiben unvergessen in den Herzen aller fortschrittlicher Menschen. Victor Jara: Bitte an den Feldarbeiter ist zu nennen. Ernst Busch, Eisler, Weinert, die DDR HYmne. Was für ein Erbe !


Am 04. November 2019 schrieb Marc Britz:

Dass Deutschland ein Einwanderungsgesetz braucht, steht ausser Zweifel. Und zwar in erster Linie zum Wohle der Einwanderer. Aus zwei Gründen allein wäre dies hilfreich: Wer sich einmal persönlich um die Integration von Asylsuchenden kümmerte, weiss um die schon für Deutsche unverständlichen Formalien und die zum Teil in sich widersprechenden Ämterkompetenzen nicht nur auf Bundesebene aber auch auf Landes- und Kommunalebene. Transparenz und Einheitlichkeit wären auch hilfreich um zu erfassen und vor allem an die heimische Bevölkerung zu kommunizieren, wer sich wo mit welchem Recht aufhält. Ohne dieses Wissen kann die Mähr vom Bevölkerungsaustausch oder der Islamisierung besser erzählt werden. Dass sich die Linke darum nicht kümmert, ist ihr durchaus anzulasten.

Nun ist die Afd allerdings nicht nur eine Ein-Themen-Partei. Es sollte nicht vergessen werden, dass die Einwanderungsfrage im Vordergrund den Hintergrund einer durch und durch anti-emanzipatorischen Bewegung verdeckt: zum beabsichtigt geschichtsvergesslichen Chauvinismus kommt der Militarismus und der Männlichkeitswahn, dazu gesellen sich Frauen- und Homosexuellen-Feindlichkeit, eine tiefsitzende Verachtung von kritischer Kreativität und sozialer Experimentierfreudigkeit und eine grundsätzliche Ablehnung von allem was als schwach gilt. Die pathologische Sucht nach totaler Ordnung, Disziplin und Sauberkeit ist hier ohne weiteres gewillt auch wieder über Leichen zu gehen. Diese Seite der AfD ist vom so genannten Flügel um Höcke vertreten. Für deren Erstarken ist nicht die Linke zur Verantwortung zu ziehen. Für Pathologien ist das Gesundheitswesen und der Strafvollzug zuständig. Als Sarrazin mit seiner Kopftuchmädchen-Scheisse anfing, hätte der Karren vom Establishment vielleicht noch aus dem Dreck gezogen werden können. Direkt in den Knast wegen Volksverhetzung. Statt dessen ist der Mann jetzt Millionär. An diesem Klima sind CDU, SPD und Grüne schuld, nicht die Linke.

Und wo wir es gerade von den Millionären haben: Die AfD besteht ja nicht nur aus dem Flügel, sondern auch aus Leuten wie Gauland und Weidel. Wenn diese davon sprechen, dass die islamischen Einwanderer „unseren" Lebenswandel nicht schätzen, meinen sie etwas ganz anderes als Höcke und Kameraden. Die Ultra-Neo-Liberalen wollen in einem anderen Sinne dass alles beim Alten bleibt: Autofahren, Flachbildschirme, Discounter Wegwerfgesellschaft auf der einen Seite. Repressiver Nachtwächterstaat, Deregulierung zu Gunsten des Kapitals und Ausbeutung des Menschenparks auf der anderen Seite. Dass dies auf die Kosten der Restwelt geht, interssiert sie einen feuchten Kehrricht. Geiz ist geil trifft hier folgerichtig auf Ausländer raus. Sie wissen genau, dass ihr „Lebensstil" auf weiteres nur mit Hilfe der imperialen USA und der NATO durchzusetzen sind. Und sie wissen auch genau, dass dieser Lebenswandel, in dem sie sich selbst national und international als Elite verklären, unausweichlich zu sozialen Verwerfungen führen wird. Für die internationalen Verwerfungen sind bereits CIA und US-Army zuständig, für die nationalen braucht man die nützlichen völkischen Idioten wie Kalbitz und Höcke mit ihren Verbindungen zu militanten Rechten im nationalen Untergrund und im tiefen Staat. Denn wer Friedrich von Hayek sagt, muss früher oder später eben auch Ernesto Pinochet sagen.

Und hier liegt meiner Ansicht nach das Problem. Es gibt in Deutschland keine geschlossene Anti-kapitalistische Partei oder Bewegung mehr. Das ist sicherlich auch auf die Machenschaften des Kapitals zurückzuführen. Aber auch der Mangel an einem neu formulierten einigenden Ziel, Mangel an glaubwürdigem Peronal, interne Grabenkämpfe, veraltete ideologische Apparate und quasi nicht vorhandene Medienkompetenz auf der Seite der emanzipatorischen Kräfte haben ihren Teil dazu beigetragen. Diese Zersplitterung zu beenden, ist die Aufgabe der Stunde.


Am 04. November 2019 schrieb Henner Bäcker:

Jetzt soll die Linke auch noch an der AfD schuld sein, das geht wirklich zu weit.


Am 04. November 2019 schrieb Jörg Weber:

"dass man sich als Gastgeber über die Zahl der Gäste verständigen muss" - ein fundamentaler Satz. Den traut sich sonst kaum ein Linker zu sagen.


Am 04. November 2019 schrieb Marie Berger:

Ich bin überwältigt von Ihrer klaren Sprache und Ihrem klaren Verstand. Danke.


Am 04. November 2019 schrieb Reinhard Sichert :

Bravissimo, lieber Uli Gellermann!

Eine Wahlanalyse, die genau den Punkt trifft. Keine der üblichen Beschimpfungen der "unverschämten" AfD-Wähler als ausschließlich Nazis oder Rechtsextreme, sondern offene Kritik an den Versäumnissen der linken Parteizentrale und der Ausgrenzung Sahra Wagenknechts durch die linksliberale Parteiführung. An Ramelow und seinen thüringischen Gefolgsleuten dürfte es kaum gelegen haben, dass die Höcke-Partei so großen Zulauf bekam.

Bezüglich des "Rennsteigliedes" haben Sie ja zum Glück noch rechtzeitig die Kurve gekriegt; ich hatte anfangs den Verdacht, Sie würden gegen Heimatgefühle anschreiben wollen. Auch wenn "Gefühlsduselei" nicht jedermanns Sache ist - ich gehöre auch zu denen, die an ihrer Heimat hängen und trotzdem kosmopolitisch denken. Für mich kein Widerspruch!

Antwort von U. Gellermann:

Wir schreiben Deutsch: Von Hölderlin bis Hacks.


Am 04. November 2019 schrieb Heinz Schneider:

Über den Niedergang der Linken schrieb Peter Dausend nach der Brandenburg-Wahl: "Die Kümmerer kümmern sich zu viel um die, die keine Kümmerer brauchen."
Das war in Thüringen wohl anders. Deshalb können wir der dortigen Linken und ihrem Ministerpräsidenten nur von ganzem Herzen gratulieren. Sie haben etwas richtig gemacht.

Mehr heißt dieser Erfolg aber nicht. Die Spielräume für linke Politik im neoliberalen Kapitalismus sind begrenzt, sollten aber dennoch genutzt werden. Die Dienstwagen-Spur führt deshalb in die Irre.

Über die "Mitte" darf man sich keine Illusionen machen. Die Mitte ist seinerzeit zur NSDAP geschwenkt, sie sucht heute Typen wie Bolsonaro und Guaido, sie zertrümmert in Hongkong die Stadt, um ihre Privilegien zu verteidigen. Gegen die Unten, niemals gegen die Oben. Die AfD ist die neue Mitte, hervorgerufen von den Wirrköpfen, die sich mal dafür hielten.

Birgit Mahnkopf hat jüngst bei der Rosa Luxemburg Stiftung einen klugen Vortrag über die Kipppunkte in Natur und Gesellschaft gehalten.
Zitat: "In zunehmend desintegrierten Gesellschaften verwandeln sich die in der Belletristik schon oft beschriebenen Dystopien des permanenten Belagerungszustands in durchaus realistische Zukunftsszenarien. Dabei steht nichts weniger auf dem Spiel als die Selbstvernichtung des Menschen als ein Kulturwesen. Daher sollte uns nicht allein seine möglich gewordene physische Vernichtung in großer Zahl kümmern, sondern seine vorgängige Vernichtung als politisches Wesen interessieren."

Antwort von U. Gellermann:

Frau Mahnkopf aus dem Stiftungsdeutsch übersetzt: „ In der Literatur gibt es eine Vorahnung von der gesellschaftlichen Endzeit. Da sollte uns Sorgen machen.“ Echt, äh?

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