Tiefer Staat in Hessen

Volker Bouffier muss weg

Autor: U. Gellermann
Datum: 19. Dezember 2018

Mit gespieltem Entsetzen äußern sich bürgerliche Politiker gern über die extrem rechtsgewirkte AfD. Gern wird unterschlagen, dass jede Menge Kader der AfD aus der CDU stammen. Nicht zuletzt der aktuelle AfD-Chef Alexander Gauland. Der war lange Zeit die rechte Hand des hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallman. Dort lernte Volker Bouffier ihn kennen. Bouffier war damals Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Justiz. Walter Wallmann, der zur Stahlhelm-Fraktion, zum besonders rechten Flügel gezählt wurde, hatte als CDU-Landesvorsitzender während der Spendenaffäre insgesamt acht Millionen DM der hessischen CDU ins Ausland transferiert und Rücküberweisungen als jüdische Vermächtnisse oder Kredite getarnt. Bis heute ist der Verbleib der Gelder nicht komplett aufgeklärt. Stasi-Abhörprotokolle westdeutscher Politiker zur Affäre, die sich in Bundesbesitz befanden, wurden nach einem Beschluss der Regierung Kohl kurz vor der Wiedervereinigung vernichtet. Bis heute gibt es offenkundig eine Kriegskasse für illegale Aktivitäten.

Bis heute ist die Nähe von Bouffier zu Alexander Gauland kein öffentliches Thema. Obwohl die beiden sich seit damals kennen. So ist es kein Wunder, dass bis heute die hessische Polizei und das Landesamt für Verfassungsschutz für düstere Rechts-Tendenzen und dubiose Aktenführung bekannt sind. Der Verfassungsschutz in Hessen wollte eine Akte über NSU-Terroristen bis ins Jahr 2134 unter Verschluss halten. Wichtige Teile der „120-Jahre-Akte“ sind geschwärzt. Die Akte handelt von Hinweisen auf Waffen und Sprengstoff bei Rechten. Bei rund 30 "Belegen" soll es mögliche Bezüge hessischer Neonazis zum Kern der NSU-Terror-Gruppe geben. Rund 500 Akten sind verschwunden. Und es war ausgerechnet Volker Bouffier, der sich schützend vor den Verfassungsschutz stellte, als dessen Mitarbeiter Andreas Temme im Zusammenhang mit dem Mord an einem NSU-Opfer vernommen werden sollte. Denn der hatte zum Tatzeitpunkt in Halit Yozgats Internetcafé gesessen.

Zwar hatte Bouffiers Minister-Nachfolger auf Druck des Parlamentes eine Untersuchung des Falls in Auftrag gegeben. Aber Minister Boris Rhein konnte sich später nicht daran erinnern, jemals einen Zwischen- oder Endbericht der Untersuchung erhalten zu haben. Der Nachfolger von Rhein, Peter Beuth, weiß heute ganz genau, dass es kein rechtes Netzwerk in der hessischen Polizei gebe. Obwohl inzwischen eine rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei enttarnt worden ist. Obwohl nicht nur in Frankfurt Büros von Polizisten durchsucht wurden, sondern auch eine Dienststelle im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Bekannt ist, dass weitere Verdachtsfälle in anderen hessischen Präsidien polizeiintern geprüft werden. Der Sumpf der hessischen CDU blubbert: Mal war der eine CDU-Mann im Umfeld des Rechtsterrorismus Parteifunktionär, mal der andere. Und immer kamen sie aus der Jungen Union, dem Nachwuchskarriere-Beschleuniger, und immer hatten sie gute Jobs im Staat. Klassisch ist die familiäre Politik-Verzweigung von Volker Bouffier: Sein Großvater Robert Ferdinand August Bouffier (1883–1971) war Mitbegründer der CDU in Gießen, sein Vater Robert Bouffier (1920–1999) war CDU-Kommunalpolitiker, und seine Schwester Karin Bouffier-Pfeffer CDU-Stadträtin im Magistrat von Gießen. Sein Sohn Frederik Bouffier ist als CDU-Mitglied in der Gießener Stadtverordnetenversammlung vertreten. Kenner nennen die Mafia "la famiglia".

Wer den Sumpf trocken legen will, der muss an die Quellen ran, die ihn speisen: Man muss die Sumpfblüten vom Geld trennen das aus den Ämtern fließt. Man sie vom Einfluss trennen, der aus den Jobs erwächst. Man muss ihnen den Schutz nehmen, der aus dem Nimbus stammt. Nur so lässt sich die Omer·tà brechen, jenes Schweigekartell, das dem tiefen Staat das Überleben sichert. – Die hessische Landesverfassung kennt in ihrem Artikel 146 die Pflicht zur Verteidigung der Verfassung. Und in ihrem Artikel 147 sogar die Widerstandspflicht: "Widerstand gegen verfassungswidrig ausgeübte öffentliche Gewalt ist jedermanns Recht und Pflicht." Der Fall Bouffier ist längst reif für jenen Widerstand, der mit der Forderung "Volker Bouffier muss weg" der Pflicht gegenüber der Verfassung nachkommt.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Dezember 2018 schrieb Klaus Bloemker:

@Albrecht Storz
"Heute nicht mehr 'Cogito ergo sum' sondern 'Cogito ergo Konsum'!"

Das Motto ist doch einfach so: "Sum ergo Konsum" - Ich bin daher konsumiere ich. Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Das ist glaubensneutral-tolerant.

Bei mir ist eine Litfaßsäule mit einem großen Plakat des Ottoversandes mit Englein und Propheten und da steht:

"Egal woran sie glauben, OTTO wünscht ihnen fröhliches Shopping."

Um die Ecke in der Sternstrasse 10 ist die Bäckerei Nikolaus Himmelreich. Die hat in ihrem Schaufenster allerlei Backwerk, Sterne und Halbmonde und ein Schild auf dem in schönen Lettern steht:

"Ob Muslim, Jude oder Christ,
unsren Weihnachtstollen isst
selbst der Atheist."

In diesem Sinne frohes Fest !


Am 23. Dezember 2018 schrieb Albrecht Storz:

Was ist eine Gesellschaft noch wert, wenn sie vom Staat willkürlich vom Wissen über Staatshandeln ausgeschlossen werden kann?

Nichts. Sie ist höchstens noch Mündel des Staatsapparates. Wo ist der Unterschied zu einer (mehr oder weniger) "wohlwollenden Diktatur"?

Leider keine Frohe Weihnachten in diesem armseligen Land.

Wie ein weniger bekannter Tübinger Philosoph schon vor Jahren zutreffend etwa sinngemäß sagte:

"Heute heißt es nicht mehr 'Cogito ergo sum' sondern 'Cogito ergo Konsum'!"

"Ich denk, also konsumiere ich!" ist das Credo der weltweiten Neoliberalen, die unsere Erde und unser Leben tagtäglich immer weiter zunichte machen.

Frohe Weihnachten!


Am 21. Dezember 2018 schrieb Karola Schramm:

Alles richtig was U.Gellermann beschreibt.

Dieser hier heißt nun Bouffier. Ist er ein ganz besonders schlimmer? Ich meine ja, denn Akten, in denen es um gezielte Morde an Deutsch-Türkischen Mitbürgern geht, dürfen nicht 120 Jahre - das sind gut 4 Generationen - lang geschlossen werden. Morde, wer auch immer sie in Auftrag gegeben hat, verjähren nicht. Es heißt ja auch in der Begründung, dass es um den "Schutz der Zuträger und jenen der Nachkommen der Zuträger geht." Ich denke, es handelt sich in diesem Fall eher um den Schutz der Täter und Auftraggeber und nicht der Zuträger, denn die könnten ja, wenn sie aussagen würden, sogar noch einen Orden dafür bekommen. Die Täter hingegen samt Auftraggeber jedenfalls wären für die nächsten 30 bis 50 oder 60Jahre tatsächlich erledigt, wenn unsere Demokratie weiter so bestehen bleiben sollte, wie sie jetzt ist. Da geht man dann doch lieber auf "Nummer ganz sicher."
Außerdem hat das Bouffier sicher nicht alleine entscheiden können. Er hat Mitwisser und Hessen wird derzeit von Schwarz-Grün regiert.

Man erinnere sich nur an den Fall Gustl Mollath, der jahrelang in der Psychiatrie eingesperrt wurde, weil er einen Steuerskandal aufklären wollte.

Es gibt tatsächlich Seilschaften, die überaus kriminell sind und über einen weiten, starken Einflussradius verfügen und kein Gewissen für andere haben sondern nur für sich selbst..

Insofern kann ich zwar zustimmen:"Bouffier muss weg" doch wenn der weg ist, kommt gleich ein anderer.Trotzdem sollte er sein Amt niederlegen, wenn er seine Ehre retten will. Denn mit diesem "Wegsperren der Akten auf 120 Jahre" hat er sich weder mit Ruhm noch mit demokratischer Größe bekleckert.


Am 21. Dezember 2018 schrieb Michael Riecke:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

nein, es gibt keine rechten Netzwerke in der Polizei, Bundeswehr und/oder Verfassungsschutz. Das sind alles nur einzelne, verirrte Individuen. Wer soll denn den Scheiß eigentlich glauben, der uns von regierungsamtlicher Seite da aufgetischt wird. Die rechten, dass sind immer die Einzeltäter. Oder wie in diesem Fall einige verirrte Polizeibeamte. Was ich sogar stark anneheme. Die Mehrheit der Polizeibeamten, nicht nur in Hessen sind nicht betroffen. Allerdings ist der Aufklärungswille, gerade in Hessen vermutlich eher zurückhaltend. Das hat man ja auch an den dem Verfassungsschützer Temme gesehen.

Der ja noch ganz benebelt vom Besuch seiner Sex-Seiten, nicht bemerkt haben will, dass der Inhaber des Internet Cafes, tot hinter dem Tresen lag. Aber immerhin, er hat bezahlt. Er ist vermutlich auch in der Mittagspause in das Internet Cafe gegangen. Eben ein deutscher Beamter. In solchen Fällen muss natürlich die Fürsorgepflicht des Dienstherren dafür sorgen, dass die Akten für 120 Jahre gesperrt werden.


Am 21. Dezember 2018 schrieb Gideon Rugai:

@Helmut Schachisch

Komischer Kommentar. Als wenn die RG nicht auch schon all die anderen deutsch-braunen Sumpfgebiete abgelaufen wäre.
Hessischer Lokalpatriotismus ?

Und Schießbudenfiguren (hier : Die Bouffiers) dienen dem Zweck irgendwann abgeschossen zu werden. Es muss nur einer anfangen zu werfen, bzw. erst einmal auf die Schießbude in der das alles stattfindet, aufmerksam machen.
Statt nach altgriechischer Sitte den Überbringer schlechter Nachrichten direkt meucheln zu wollen...sie Flegel :)

Passend dazu fand ich erst gestern dies hier : https://www.kritische-polizisten.de/2018/12/frankfurt-ist-ueberall/

Nebenbei : Was zum Kuckuck soll eigentlich eine "fundierte, sozialistische Analyse der bundesdeutschen Politikerkaste" sein ?

???


Am 20. Dezember 2018 schrieb Lutz Jahoda:

STABILISIERUNGSEMPFEHLUNG
FEHLER 2018
AUFGABENZIEL 2019

Altbekannter Missstand: stets verschleiert,
Häufig aufgedeckt, doch immer weggekehrt.
Wird gefragt, wird peinlich rumgeeiert,
Rund ums Jahr der Mauerfall gefeiert.
Aufschlusslöcher Steuer/Rüstung zugeteert.

Tiefer Staat - nicht nur in Hessen.
Nicht nur Volker sollte weg.
Schluss mit diesem Großen Fressen!
Teilt den Reichtum angemessen:
Stoppt die Armut! Stopft das Leck!


Am 20. Dezember 2018 schrieb Ralph Höpfner:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

„Eine Geschichte ist immer wahr,
wenn man sie
von einem guten Erzähler hört.
Nur nicht eben so,
wie sie sich zugetragen hat,
sondern so,
wie sie sich hätte zutragen können.“ (Kalenderspruch zum 19.01.1997)

Dass ‚Geschichten‘ nicht nur ‚auch‘, sondern wahrscheinlich ganz anders ‚wahr sein‘
können, darauf machen Sie und Rainer Mausfeld unermüdlich und eindringlich aufmerksam.
Wie diese Methoden funktionieren, beschreiben Ed. Bernays in ‚Propaganda‘ und Walter Lippman.
Dass entlang der Nord-Süd-Linie der West-Ost-Grenze – wahrlich die ‚Demarkationslinie‘ – schon vor dem Ende des WKII ‚Kräfte‘ gesucht wurden und ‚Sammelpunkte‘, auch zum ‚Aufsammeln von Waffen‘, eingerichtet wurden, belegt Daniele Ganser faktenreich und überzeugend in seinem Buch ‚Gladio‘., die ‚mobile Terroristenmacht hinter der Front‘.
Dass besonders viele dieser Gladiotisten‘ in Hessen-Ost direktemang beim ‚Fulda-Gap‘ ‚gesammelt‘ und vorzufinden waren, jahrgangsweise neu rekrutiert – und noch sind – dürfte nur Kasperletheaterfreunde überraschen.
Die ‚Ausgemusterten‘ müssen doch aber irgendwie ‚zurückgeführt und wiederein-gegliedert‘ worden sein. In Hessen. - In der Polizei? Wie früher doch auch üblich?
Wiedereingliederung liess und lässt man sich in Deutschland-West doch immer was kosten.
So entstanden solche angeblichen Volksparteien nicht einfach aus der ‚Daffke‘ des Volkes: sie wurden gezielt gegen das Volk gegründet, wie die Protokolle zu den Nürnberger Prozessen und Eberhard Czichon beweisen und Karlheinz Deschner: Die CDU wurde gezielt dafür gegründet – gegen die SPD!!

Über die von Ihnen angesprochenen merkwürdigen Verbindungen dieser Kräfte im TIEFEN STAAT in Hessen aufzuklären, müsste eigentlich zum Staatsvertrag der Öffentlich Rechtlichen Medien gehören – etwa in der Art der LINDENSTRASSE:
Eine Serie über den ‚TIEFEN STAAT‘, mit täglichen Folgen und fortlaufend.

1
Das wäre doch mal der ultimative Krimi für all diese Tatort-Narreteien. Und was die ‚Tommies‘ mit ihren Serien über die ‚Huns‘ können, könnten wir doch
in dieser Sache weit besser. Wir haben doch die Erfahrungen, die Unterlagen und den Staatsvertrag. Also was hindert ARD/ZDF/3.PROGRAMME noch??

IHNEN und der RATIONALGALERIE ein besinnliches Fest, einen Guten Rutsch
und weiterhin frohes Schaffen,


Am 20. Dezember 2018 schrieb Helmut Schachisch:

Der Galerist fordert "Volker Bouffier muss weg".
Und dann? Wieder `mal beißt er sich an Personen fest. Diese Bouffiers gibt es zu Hunderten in der bundesdeutschen Geschichte und Politik. "Der Hesse geht, ein anderer nimmt seinen Platz ein. Ändern wird sich nichts. Und jeder politisch Interessierte weiß doch genau wo solche Typen wie der Gauland ihre ersten Schritte auf der politischen Leiter gegangen sind.
Die vorgeschobene Headline "Tiefer Staat in Hessen" soll dem Leser*in wohl suggerieren nur in Hessen sitzen faschistoide Menschen an den politischen Schalthebeln. Selten so gelacht.
Also eine fundierte, sozialistische Analyse der bundesdeutschen Politikerkaste ist diese Kolumne nun wahrlich nicht. Aber wahrscheinlich erkenne ich den wahren Sachverhalt nicht und übersehe das was uns der Schreiber sagen will.
Wo der Unterschied zwischen z.B. Hessen und Bayern (politisch), also zwischen Bouffier und Seehofer liegt, hätte ich gern erklärt. Oder wird - auch nur ein Beispiel - Sachsen neuerdings von Demokraten regiert?
Sollte der Galerist uns Leser aber nur über die hessischen Verhältnisse aufklären wollen, dann danke ich herzlichst. Dumm nur, dass die mir bekannt waren. Ich nehme stark an, auch allen anderen die sich in die Diskussion eingebracht haben.

Antwort von U. Gellermann:

Ich bedaure sehr Ihnen Bekanntes mitgeteilt zu haben. Wie konnte ich wissen, dass Sie so viel wissen. Einem Irrtum allerdings sind selbst Sie erlegen: Ich wollte keine Personen beißen.


Am 20. Dezember 2018 schrieb Michael Kohle:

... und der Sven sagt es frei heraus: „Gellermann reiht einige Zufälle aneinander und macht daraus die ganz große Verschwörung.“
Es weihnachtet gerade, die Zeit für’s Kopf schief halten und die Augen von unten nach oben zumachen. Und jetzt, wo doch alles wieder in trockenen Tüchern ist, uns allen schon zum ersten Advent das Christkind Annegret geschenkt wurde und die scheinbare Gottesmutter Angela endlich befreit aufwarten kann mit ihrem Schaden wenden und Nutzen mehren. Hossianah!
Verschwörung also, was uns der Galerist heute auffrischt? Mach Sachen! Erstaunt stelle ich fest, dass wir der Wortergänzung „theorie“ verlustig gegangen sind. So weit sind wir schon? Wg. irgendwelcher Theorien kann man keinem an den Zwickel fahren, das ahnt wohl auch ein mutmaßlicher Zögling aus der KA-derschmiede, der christlich-demokratischen Baumschule. Wg. des Vorwurfs der Verschwörung wohl eher?

Die Aneinanderreihung einiger - eindeutig nicht mehr zu leugnender - Begebenheiten also soll’s schon sein, was bestimmt auch einen Edeljuristen wie den Freisler, Roland völlig aus der Fassung gebracht hätte. Behaupte mal locker, so falsch sind die im Vortrag des Galeristen dargebotenen „Leckereien“ nicht, im Gegenteil. Sie halten sehr wohl zum Nachdenken an. Wobei festgestellt werden muß, dass sich Gellermann hauptsächlich auf die einst vom Braunen ins Schwarze mutierte Stahlhelm-Zelle in Hessen fokussiert. Was wohl den aktuellen Vorkommnissen zugeschrieben werden muß, dass ebenda just ein Fähnlein von Freund und Helfern - in braunem Wams unterwegs - nicht mehr zu verheimlichen war.
Erschüttert hat mich dann aber der Galerist, mit seinem dann doch höchst blauäugigen letzten Abschnitt, seiner Aufforderung nach Anwendung von Widerstandsermächtigungen in der hessischen Landesverfassung. Hat er nicht aufgepasst? Dort gab es noch bis neulich auch die Todesstrafe. Ausgehebelt jedoch beides vom Grundgesetz. Bzgl. Widerstandsrecht heißt es eben dort dann auch, nur „wenn andere Abhilfe nicht möglich ist“. Und wann bitte war das jemals nicht der Fall? Und selbst wenn, wie sollte das denn gehen? Wo doch immer noch alle Schaltstellen der Macht besetzt sind. Längst natürlich von den Nachkommen im zweiten und dritten Glied jener besetzt, vor denen die Grundgesetzväter warnen wollten und ein Antitranspiranz aufbieten.

Denn auszuschwitzen gab es damals gar vieles, anno neunundvierz’ge und in den Folgejahrzehnten. Schlau gemacht, zu Anfang. Per Rattenlinie - mit freundlicher Unterstützung der katholischen Kirche bis hin in die Vorzimmer des Stellvertreters - soll er erfolgt sein, der Transfer der Spezies „brauner Ratten“ in die erzdemokratischen Ankerzentren Spanien, Portugal und vorallem Südamerikas. Alternativlos war das jedenfalls nicht, galt ja sowieso nur für die Härtefälle. Die meisten anderen Inhaber des kleinen braunen Büchleins - auch und gerade die mit dem Eintrag: Eintritt 1933 - hatten sich zügig für eine andere Linie entschieden, die flugs eingerichteten neuen inländischen Hauptlinien. Die für Schwarz-, Gelb- und Rotkittel nämlich! Auf eine Obergrenze war von Beginn an zwangsläufig verzichtet worden. Sogar Kanzler sollen dann welche geworden sein und Bundespräsidenten auch.

Bouffier muß weg? Hessen muss wieder atmen können? Oh, mein Gott! Darüber sind wir doch wahrlich hinweg. Das mykogene Geflecht hat sich über die letzten siebzig Jahre gut verbreitet, wenn es denn je verschwunden war. Die vom Galeristen erwähnte klassische Politik-Verzweigung ist nicht nur bei Volker B. vorzufinden, die dürfte in gehobenen Kreisen - und das sind insbesondere CDU-Kreise doch immer - eher gang und gäbe, der Standard sein. Und nicht nur in Hessen! Für ein Adelsgeschlecht wie die Biebersteins sind doch die zwölf Jahre tausendjährigen Treibens nur ein „Vogelschiss“, da dürfen doch die Abkömmlinge nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wie z.B. der Christoph und der Matern, derer zu Marschall v.B. Haben schließlich Reue gezeigt und das hakige Kreuz beim Urahn auf dem Grabstein wegspitzen lassen - noch Jahre später kurz vor Karrierebeginn. Oder der Vorgänger vom Schäuble, Wolfgang in dessen Wahlkreis. Fast zwanzig Jahre war jener - fast von Beginn an - in Bonn als MdB, bevor er aus Altersgründen den Posten an einen absoluten JU-Pimpf abgab. Und wie heißt es so schön in seiner vitae von Wiki? In der Zeit von 1941 bis 1944 „war er für die deutsche Zivilverwaltung im besetzten Elsass dienstverpflichtet.“ Ach je, der Arme, der doch sonst so begabte Jurist! Auch noch als Assistent von Gauleiter W. in Straßburg so mißbraucht zu werden, pfui Deibel!

Dass es den tiefen Staat in diesem unseren Lande geben muß, überrascht es vielleicht jemanden? Wie hätte denn sonst auch die Methode vom „Haltet den Dieb“ so perfektioniert werden können. Vom einzig existierenden ehemaligen „Unrechtsstaat“ kann jedes auch noch so kleine Vergehen penibelst nachgewiesen und - ganz wichtig - auch verfolgt werden, auch noch Jahr(zehnt)e später. Dass das unseren Verfassungshütern noch nie aufgefallen ist, wo doch sogar ein Kurt Tucholsky vor fast hundert Jahren sich schon über die herrschenden und praktizierten Doppelstandards in gleicher Sache maßlos erregen mußte. Oder heutzutage, da gibt es sogar „linke Bazillen“ von ganz rechts! Für mich - ganz persönlich - ist z.B. ein Maaßen ein dermaßen Fleisch gewordener „Rechts-Staat“. Leider ist er aber nicht der Einzige von der Sorte. Wird das je enden?


Am 20. Dezember 2018 schrieb R. R.:

Nun,

es gibt keine Volksparteien. Parteien vertreten immer Klassen bzw. die Interessen bestimmter Klassen. Natürlich tun die alles, um genau diesen Sachverhalt zu verschleiern. Was in Fakt das Gegenteil einer transparenten Politik ist:

Transparenz wäre gegeben, wenn die Hintermänner sichbar würden. Aber es ist ja eben das Gegenteil der Fall, nämlich daß sich die Politiker und Parteifritzen undurchsichtig machen.

Und so verbleiben die Hintermänner auch im Verborgenen wenn ein Herr Bouffier wegtreten würde.

Danke für die Info!


Am 20. Dezember 2018 schrieb Lisa Brendel:

Zwar ist sie Sammlung der Fakten und Ihre Verknüpfung erschreckend, aber ich bin trotzdem dankbar über die Aufklärung. Den "tiefen Staat" gibt es nicht nur in der Türkei!


Am 20. Dezember 2018 schrieb Edgar Schneider:

"Und es war ausgerechnet Volker Bouffier, der sich schützend vor den Verfassungsschutz stellte, als dessen Mitarbeiter Andreas Temme im Zusammenhang mit dem Mord an einem NSU-Opfer vernommen werden sollte. Denn der hatte zum Tatzeitpunkt in Halit Yozgats Internetcafé gesessen."
Dazu passt ein Detail aus den Akten der Kripo in Nürnberg, die damals als "Soko Bosporus" die Ermittlunmgen in der Mordserie führte. Sie hatten sehr schnell herausgefunden, wieviele Besucher sich zum Zeitpunkt der Schüsse im Café befunden hattten, bis auf eine Person hatten sich nach einem entsprechenden Aufruf alle innerhalb kürzester Zeit bei der Polizei gemeldet. Und diese eine Person war ausgerechnet ein Beamter des Verfassungsschutzes, Anderas Temme, Spitzname innerhalb des Amtes(!!) Kleiner Adolf. Als der Beamte(!) nach monatelangen Recherchen endlich identifiziert war, gab er an, sich trotz eines geschehenen Mordes nicht bei der Polizei gemeldet zu haben, weil er sich "Sexseiten" im Café angeschaut hätte, udn dies ihm peinlich gewesen sei. Aufgrund entsprechender Indizien und einer Rekonstruktion des Tatablaufes galt Temme bei der SOKO als Mordverdächtiger Nummer eins im Mordfall Yozgat. Doch die Nürnberger Kriminalisten wurden von höchster Ebene zurückgepfiffen. Bouffier hatte seinen weisungsgebundenen Staasanwalt angewiesen, KEINE weiteren Ermittlungen gegen den Temme als Beschuldigten zu führen. Die Info, dass Temme bis dato als Hauptbeschuldigter bei der Kripo geführt wurde und diese untadeligen Mordermittler zähneknirschend die Ermittlungen gegen ihren Hauptverdächtigen einstellen mussten, haben unsere tollen Journalisten in den Staats- und Konzernmedien NIE thematisiert.


Am 20. Dezember 2018 schrieb Otto Bismark:

Der Beitrag von Sven Schneider zeigt es erneut sehr anschaulich. Sobald auf Zusammenhänge und Hintergründe hingewiesen wird, kommt das Verschwörungsargument. Aber das bleibt dann regelmäßig auch das einzige "Argument", in Wahrheit ist es ja nur eine Behauptung, ein Kampfbegriff. Und dann glaubt man sich auch nicht mehr der Mühe unterziehen zu müssen, in der Sache zu argumentieren. Mit dem Begriff der Verschwörung glaubt man das Problem erledigt zu haben, "...und denkt, niemand merkt es."!


Am 20. Dezember 2018 schrieb Sven Schneider:

Gellermann reiht einige Zufälle aneinander und macht daraus die ganz große Verschwörung. Er will AfD und CDU gleichzeitig diffamieren. So zaubert er aus seinem Hut den "Tiefen Staat" und denkt niemand merkt es.

Antwort von U. Gellermann:

Zufällig viele Zufälle die in das Raster passen.


Am 20. Dezember 2018 schrieb Arnulf Rating:

Lieber Uli,

Bravo. Die hessische CDU ist ein Bermuda-Dreieck, in dem immer wieder Gelder und Akten verschwinden. Dass die Gallionsfigur der AfD, der dackelkrawattenbeschlipste Gauland, eben diesem Biotop entstammt, wird viel zu selten erwähnt. Das Wissen um äußerst dubiose Spendenpraktiken wirkt offenbar in der AfD fort.

Darüber entscheidet dann als Bundestagspräsident der Parteispendenexperte Dr. Wolfgang Schäuble. Dass der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch die Spendenvorgänge in Hessen mal "brutalstmöglich" aufklären wollte - das ist genau so vergessen wie der Karrierebeginn von Kohls Mädchen Angela Merkel, die einst angetreten war, um die skandalösen Kohl-Finanzpraktiken aufzuklären - was bis heute nicht geschehen ist.

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

17. Januar 2019

Brexit, Dexit, Exitus

Raus aus der EU, rein in die Demokratie
Artikel lesen

14. Januar 2019

DIE ERSTICKTE HOFFNUNG

Zu Nadine Labakis (Fast-)Meisterwerk „Capharnaüm“
Artikel lesen

14. Januar 2019

Tote Griechen zahlen nicht

Oder die Geburt einer Nation
Artikel lesen

14. Januar 2019

Privatisierung der ARD

Unter der öffentlich-rechtlichen Maske
Artikel lesen

10. Januar 2019

Tagesschau: Setzen, sechs!

Über acht Milliarden Euro jährlich für die ARD
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen