Wie ein heiliges Mantra verkündeten die AfD-Funktionäre in der Wahlnacht: „Wir können mit allen“. Und genau so ist es. Der Wähler wird erleben, dass CDU-Funktionäre „aus Verantwortung für das Land“ eine Wie-auch-immer-Koalition eingehen werden. Denn es muß ja regiert werden; das heißt: Diäten müssen fließen, irgendeine Funktions-Koalition muß so tun, als ob das Volk sie zur Regierung berufen hat und eine Wie-auch-immer-Handlungsfähigkeit vorspiegeln.

Einreißen der „Brandmauer“

Wie weit die Bereitschaft zum Einreißen der „Brandmauer“ gegen die AfD geht, hat in der Wahlnacht der BSW-Funktionär Thomas Schulze im Deutschlandfunk erklärt: Das BSW habe immer gesagt, „dass wir uns an einer Brandmauer-Politik nicht beteiligen“. Man wolle mit allen Parteien sprechen. Man müsse dem BSW nicht vorwerfen, „Steigbügelhalter“ zu sein, das seien die anderen Parteien, sagte Schulze. „Ich sehe die AfD als Partei, die von 44 Prozent der Menschen hier gewählt worden ist. Und dem muss ich Rechnung tragen. Das ist für mich Demokratie.“ (dpa).

Gemeinsamkeiten mit der AfD

Wenn schon das BSW keine Brandmauer hat, wird es bei der CDU, die in sozialen Fragen jede Menge Gemeinsamkeiten mit der AfD hat, noch schneller gehen. Nach längerem öffentlichem Zögern und demokratischem Schaulaufen wird sie ein scheinbar gequältes JA zu einer Koalition abgeben. Warum auch nicht? Schließlich kommt die AfD-Spitzenfrau Alice Wedel aus dem Stall von Goldman Sachs, einem weltweit führenden Finanz-Dealer; einem Laden, der auch mit Rüstungsaktien jongliert und dringend eine scheinbar demokratische Regierung in Deutschland braucht, die seine Ziele vertritt. Da kann der Black-Rock-Kanzler nicht nein sagen.

AfD-Fraktion fordert die Stärkung der deutschen Rüstungs-Unternehmen

Immerhin hat die AfD-Fraktion im Bundestag die Stärkung der deutschen Rüstungs-Unternehmen gefordert und ebenfalls verlangt, die Beschaffungsprozesse zu entbürokratisieren: Da wissen Rheinmetall & Co. was man an der AfD hat. Schließlich hat die US-Investmentbank Goldman Sachs die europäische Rüstungsindustrie positiv bewertet und sieht vor allem den Düsseldorfer Konzern Rheinmetall als Branchenprimus. Da werden doch bei Frau Weidel schöne Erinnerungen wach.

„Nationale Verantwortung“

Politiker der Union sind oder waren in „sicherheitspolitischen“ Förderkreisen und Vereinen aktiv (wie dem Förderkreis Deutsches Heer oder der Interessengemeinschaft Deutsche Luftwaffe), in denen auch große Rüstungskonzerne wie Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann und Heckler & Koch Mitglied sind. In diesen Förderkreisen fließt das Geld in jede Tasche, die sich auftut und wird immer dann sichtbar, wenn von „Nationaler Verantwortung“ und „Demokratie“ geschwätzt wird. „Nationale Verantwortung“ - in der Rolle kann die AfD auch auftreten. So wird dann zusammenkommen, was zusammengehört: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, sagt der Volksmund. Die Frage ist nur, wie lange das Pack zur Koalition braucht und in welcher demokratischen Verkleidung es auftritt.

Das Volk soll klatschen

So funktioniert Parlamentarismus: Große Reden aller Art im Parlament, große Resonanz dieser Reden in den Medien; ein Spiel von Regierung und Opposition wird aufgeführt und nach dem medialen Beifall werden die Rollen in der Theater-Garderobe abgegeben, und alle machen dann das, was Goldman Sachs und BlackRock wollen. Der Kapitalismus ist der eigentliche Souverän, das Volk soll klatschen, nicht denken.