Primitiv aber wirksam: Eine Drohne unbekannter Herkunft, angeblich mit Sprengstoff gefüllt, wird auf dem Flughafen Leipzig „gefunden“. Die erste Frage, die ein Journalist stellen sollte, wäre: Was hat die zivile Deutsche Flugsicherungs GmbH gemacht, die für die Überwachung des Luftraums zuständig ist, als die Drohne den Luftraum gefährdete? Die zweite Frage wäre, wenn Journalismus in Deutschland noch redlich funktionieren würde, was hat die militärische Flugsicherung in dieser Zeit getan?

Drohnen im russischen Auftrag

Aber diese Frage stellt der deutsche Journalismus nicht, denn er weiß ja schon alles Wichtige: Die Drohne war im russischen Auftrag unterwegs. Zwar war der Vorfall Anfang August, aber erst jetzt drehen die Medien richtig auf: Die Tagesschau, die staatliche Anstalt zur Verbreitung der Regierungsmeinung, fragt erst jetzt drohend: „Wann reagiert die Regierung auf den Drohnenvorfall?“ und die angeschlossenen Submedien fragen mit.

Russisches Haus wird zur Sicherheitsfrage

Der zähe Apparat aus Geheimdiensten, Medien und Regierung glaubt eine Lösung gefunden zu haben: Das „Russische Haus“! Der staatliche „Deutschlandfunk“ befindet am 29. August: „Russisches Haus seit Jahren umstritten“. Der FOCUS entscheidet am 31. August: „Russisches Haus wird zur Sicherheitsfrage“; da muß „Antenne Bayern“ fragen: „Russisches Haus in Berlin: Spionage statt Kultur?“ und der West-Berliner „Tagesspiegel“ weiß schon: „Vor dem Hintergrund zunehmender hybrider Aktivitäten: Berlin erwägt offenbar Sanktionen gegen Russisches Haus“. Die Frage des SPIEGELS „Was tun mit Putins Außenposten in Berlin?“ wird in diesen Tagen mit der öffentlichen Debatte um die Schließung des „Russischen Haus“ vorläufig beantwortet.

Artikel 5, NATO-Vertrag

Im „Mitteldeutschen Rundfunk“ plädiert der SPD-Verteidigungsexperte Falko Droßmann dafür, nach dem Drohnen-Angriff am Flughafen Leipzig/Halle den Artikel 4 des Nato-Vertrags zu aktivieren. Das sind jene Konsultationen der NATO-Partner, die der Ausrufung des Artikel 5, des „Verteidigungsfalls“, vorausgehen. Wer die „Verteidigung“ ausruft, kündigt den Kriegszustand an.

Radio Gleiwitz

Der Beginn des zweiten Weltkriegs wurde von Hitler mit einem angeblichen polnischen Angriff auf den deutschen Radiosender Gleiwitz begründet. Heute sind es die Sender und Printmedien selbst, die eine Drohne, die angeblich aus Russland kommt, zum Anlass für aktive Kriegspropaganda nehmen. Die Akteure sind andere als damals, die Methode ist geblieben. Wer die Medien in der Hand hat, bestimmt das Denken der Deutschen.
Russen eine Bedrohung für die Welt?
Die Umfragemaschine „Infratest dimap“ stellt fest, das fast neun von zehn West- (88 Prozent) und auch Dreiviertel der Ostdeutschen (77 Prozent) in Russland aktuell eine Bedrohung für die Sicherheit in der Welt sehen. So funktioniert Manipulation erfolgreich: Wenn die Massenmedien in der Hand der Herrschenden den Massen die Angst vor den Russen geradezu einprügeln, dann kann eine Propaganda-Drohne zum Auslöser eines Kriegs gegen Russland werden.