Eene-Meene-Quitt: Antisemit

Wie man sozialen Widerstand diskriminiert

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. Januar 2019

Fraglos gibt es in Europa immer noch Antisemiten. Man geht von einem Bodensatz schwer belehrbarer Rassisten in der EU aus, der bei 15 Prozent liegt. Es wird also kaum eine Organisation, eine Zusammenkunft, eine Gegend geben, die ohne ein ebenso blödes wie gefährliches Maß an Antisemitismus auskommt. Und auf der Grundlage dieser eher banalen Statistik weiß das deutsche Medienpersonal ganz sicher: Wenn man jemanden diskreditieren will, muß man ihn nur als antisemitisch bezeichnen. Völlig falsch kann es statistisch kaum sein.

Diese schlichte aber wirksame Lehre beherzigte jüngst für die "Tagesschau" Barbara Kostolnik aus dem ARD-Studio Paris, als sie zur Protestbewegung "Gelbwesten" eine Reihe anonymer "Zeugen" gegen die Revoltierenden aufführte. Der anonyme Zeuge, einst gern im Gewand des Berliner Taxifahrers, war eine beliebte Erfindung der BILD-Zeitung. Dieser primitive Trick des Gossen-Journalismus hat es mit Frau Kostolnik in die Ränge der angeblich seriösen ARD geschafft: Am Rand einer Anti-Gelbwesten-Aktion, der Gegen-Aktion “Rote Halstücher", sucht und findet die Dame eine Handvoll künstlicher Zeugen. Und wie zu erwarten verurteilen diese Zeugen als erstes "die Gewalt, die Plünderungen und die Blockaden".

So geht Kaffeehaus-Journalismus: Man sitzt im Café, lutscht am eigenen Daumen und hält den für die wichtigste Quelle der Recherche. Und wenn man sich dann Blasen gelutscht hat, dann, wenn die Stichwörter Gewalt und Plünderungen schon ausgelutschet sind, wenn der Daumen schon bitter schmeckt, dann sagt einem das eigene Körperteil in Gestalt der "Rachida" noch wörtlich: "Jeden Samstag diese Ausschreitungen, das ginge einfach nicht. Und dann der Rassismus und Antisemitismus, was man da alles von denen in den sozialen Netzwerken gelesen habe, man glaube sich in den Jahren 1939 bis 1945." Für diese Kronzeugen-Rolle hat Frau Kostolniks Daumen schnell die „Rachida" erfunden mit den "wilden Locken, Mitte 50". Die ist angeblich Muslima, da kommt der erbeigenuckelte Antisemitismus noch besser rüber, irgendwie glaubwürdiger.

Die bei der ARD übliche Portion Fake-Journalismus – hergestellt aus Konformität, Karrieredruck und Dummheit – kommt bei Meldungen über die gelben Westen besonders in Schwung. Denn dort ahnt man, dass die anti-elitäre Bewegung die Lutscher bei der "Tagesschau" als Teil der verhassten Eliten begreifen würden. Und die Redaktion am Hamburger Hugh-Greene-Weg 1 hat so schöne große Glasfenster. Und die Gehälter deren Mitarbeiter sind als Schweigegeld hoch genug. Um die brutale Armut in Frankreich zu beschweigen, um über die Brutalität der französischen Polizei hinweg zu sehen, um die Schwerverletzten nicht sehen zu wollen und auch nicht die erste Tote zu erwähnen: Eine Rentnerin aus Marseille, die von einer Tränengasgranate der Polizei am Kopf getroffen wurde, als sie gerade dabei war, die Fensterläden ihrer Wohnung im vierten Stock zu schließen. Und so geht es dann wie im Abzähl-Reim der Kinder: Raus aus dem Spiel sind immer die, von denen behauptet wird sie seien Antisemiten.

Es ist Krieg in Frankreich: Der Abwehrkrieg von UNTEN gegen die da OBEN. Es ist ein Jammer, dass Schlachtenbummler wie Frau Kostolnik nie nahe genug an die Schlacht rankommen. Schon dieses oder jenes Gummigeschoss der Polizei, träfe es die Richtigen, könnte einen Denkprozess in Gang setzen, der in deutschen Redaktionen ebenso gesund wie ungewöhnlich wäre.

In der Rubrik GELESEN ist der
Aufruf der ersten Generalversammlung der Gelben Westen
zu finden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 12. Februar 2019 schrieb Ole Bienkopp:

In den USA ist gerade eine weitere Antisemitin enttarnt worden:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-ilhan-omar-entschuldigt-sich-nach-antisemitismus-vorwurf-a-1252783.html

"Die Kongressabgeordnete hatte am Sonntag über Twitter suggeriert, dass die pro-israelische Lobbygruppe AIPAC mit Wahlkampfspenden für eine pro-israelische Haltung der Republikaner sorge. Diese Argumentation bedient laut "Politico" antisemitische Stereotype, wonach Geld von jüdischen US-Amerikanern eine pro-israelische Haltung in den USA und anderswo unterstütze."

Die Wahrheit zu sagen, bedient also "antisemitische Stereotype". Warum muß ich gerade an die Enlassung des Karikaturisten Dieter Hanitzsch durch die Sueddeutsche Zeitung denken für seine Karikatur über den "Und nächstes Jahr in Jerusalem"-Jubel Netanjahus über den Sieg der israelischen Kandidatin im ESC?


Am 04. Februar 2019 schrieb Karola Schramm:

Lieber Uli Gellermann,

manchmal ist lautes Lachen besser als lautes Schimpfen. Herzlich gelacht habe ich auf Ihre Antwort zu Marco Beyers Kommentar: "Sie schreiben im Oberschwestern-Plural" wunderbar. Diese Formulierung werde ich mir merken und darüber kann ich jetzt noch lachen. Dankeschön.


Am 03. Februar 2019 schrieb Klaus Bloemker:

@Christa Meixner, Ulrike Spurgat:
- "unverschämt, unverschämt"

Es reicht doch, was Uli selber zu Marco Beyer geschrieben hat. Er hat nicht einfach nur empört, beleidigt reagiert.

Ich finde auch nicht, dass Beyers Kommentar die Grenzen von Fairness und gutem Geschmack überschritten hat. Da haben Ulis Artikel aber oft einen ganz anderen Ton.

Antwort von U. Gellermann:

Natürlich leben Dialoge auch von Meinungen. Aber ein Argument, ein Faktum würde dem Gespräch helfen. Auch dem Streit. So ist die Langeweile auf dem Weg zur Leere programmiert.


Am 03. Februar 2019 schrieb Christa Meixner:

Frau Spurgat hat vollkommen Recht. M.Beyer ist einfach nur unverschämt. Will dem Galeristen vorschreiben, worüber dieser schreiben darf. Klar gibt es in Deutschland genug Sauereien, über die man sich unentwegt aufregen kann. Wenn aber in anderen Ländern, und wenn das z.B. in Uranda-Burundi ist, Menschenrechtsverletzungen passieren, darf U. Gellermann dann nicht darüber berichten, weil es uns ja nichts angeht ? Machen Sie doch einfach selbst eine Seite auf und berichten Sie über alles, was Sie interessiert.


Am 03. Februar 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

M. Beyer und ich finde, sie sind unverschämt mit ihren dreisten Bemerkungen.
Von ihnen lese ich hier eher selten.


Am 03. Februar 2019 schrieb Marco Beyer:

Hallo Herr Gellermann,

mit Ihren letzten Beiträgen verlassen Sie den politischen Boden in Deutschland und wenden sich in Richtung Frankreich. Wo aber sind Ihre Berichte über die hiesige Bewegung? Ja stimmt, eine solche ist mittlerweile fast völlig zum Erliegen gekommen. Unter aufstehen.de sieht man statt dessen, wie die beiden Hauptprotagonisten sich schnell eine gelbe Weste übergezogen haben. Scheint, als folge ein weiterer Ideenklau, nachdem der Begriff "aufstehen" in ähnlicher Form lange vorher in Österreich Verwendung fand.

Nun gut, wir konnten immerhin den Aufruf in deutsch lesen und Sie konnten ein wenig Werbung für die Nachdenkseiten machen. Für Albrecht Müller ist es wohl ebenso schmerzhaft zu sehen, wie seine hochgelobte Sahra mit ihrer initiierten Bewegung gescheitert ist, wie es bei Ihnen der Fall sein könnte. Und während die Nachdenkseiten immer mehr auf Masse statt Klasse ausweichen, richten Sie Ihren Blick gen Frankreich oder lassen sich feiern, weil Sie andere ohne Schaden als Arschloch bezeichnet haben. Letztendlich bringt dieses Imponiergehabe aber niemanden weiter. Im Gegenteil, das linke Spektrum wird nur noch weiter gespalten.

Bleiben wir sachlich und kritisch im eigenen Land unterwegs, da haben wir genügend Baustellen, welche dringender Beleuchtung bedürfen.

Antwort von U. Gellermann:

Die RATIONALGALERIE ist ein journalistisches Projekt. Keine Organisation. Sie berichtet, analysiert und verbindet. Sie ist keine Bewegung. Am Beispiel der Sammlungsbewegung AUFSTEHEN ist das deutlich:

Als das Lafontaine-Wagenknecht-Projekt begann wurde darüber in der Galerie informiert:
https://www.rationalgalerie.de/kritik/aufstehen-und-widersetzen.html
Später bot die GALERIE dem Projekt eine Dialogveranstaltung zur Vernetzung mit unterschiedlicher Bewegungen an:
https://www.rationalgalerie.de/home/aufstehen-bewegen.html
Als sich das Projekt selbst den Stecker rauszog wurde in der Galerie ein Grabgesang intoniert:
https://www.rationalgalerie.de/home/aufstehen-aber-ohne-gewalt.html

Linke Bewegungen in Deutschland tun sich häufig mit sich selbst schwer. Ein typisches Beispiel: Die Galerie bot der Berliner Mieterbewegung ein Interview an. Nach Wochen des Wartens auf eine Antwort kam die telefonische Absage: Man wolle mit dem Gellermann kein Interview machen, der arbeite ja mit KENFM zusammen. Gellermann versucht mit Ken Jebsen zur Zeit im Format DIE-MACHT-UM-ACHT eine Medien-Kritik zu initiieren, die deutlich über den engen üblichen intellektuellen Rahmen hinaus geht. Allein die Zugriffs-Zahlen für dieses Format liegen weit über den Flugblatt-Druckauflagen der Mieter-Initiative. Falls sich die Telefonierer der Mieterbewegung dazu schriftlich äußern wollten: Bitte, wir veröffentlichen so ziemlich alles.

Marco Beyer schreibt im Oberschwestern-Plural: „Wie gehts und uns denn heute? Bleiben wir sachlich“. Da tut einer so, als dürfe er für mehr als drei Leute reden. Wenn er wenigstens die „Baustellen“ nennen würde, die „dringend der Beleuchtung bedürfen.“


Am 02. Februar 2019 schrieb altes Fachbuch:

gelbweste oder pappnase des tages?

"Wenn eine »Gelbweste« jemand ist, der für eine bessere Bezahlung der Arbeit eintritt und für eine bessere Funktionsweise des Parlaments, dann bin ich auch eine »Gelbweste«.
(Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag abend in einem Interview mit der Zeitung Le Figaro und anderen Medien)

wenn der antisemit nicht mehr zieht, dann will man nicht wie macron sein;)
man wird den aufmüpfigen schon das marschieren noch verleiden.


Am 02. Februar 2019 schrieb Heinz Schneider:

Die Medien haben die beißende Kritik in diesem Forum vollauf verdient. Kritischer Journalismus ist leider die Ausnahme.

Was die dafür angeführten Gründe betrifft, gibt es relevante Unterschiede: Dummheit, Ignoranz, Bestechlichkeit, staatliche Steuerung, Lüge.
Hier geht es um den Grad der Verantwortlichkeit der Journalisten.

Mir ging es mit dem Beispiel Falk Richter eher um Ignoranz; die für mich der Kern des Problems ist. An den anderen Gründen können wir nämlich nicht viel ändern.

Dazu zitiere ich mal wieder Achille Mbembe: "Niemals war Wissen für uns so leicht verfügbar, ja man glaubt sogar, man könnte alles wissen. Aber das hat keineswegs verhindert, dass vielerorts die Unwissenheit geradezu gezüchtet und gepflegt wird. Wir haben also diese paradoxe Situation, dass die Erkenntnismöglichkeiten und auch die Wissensquellen so umfangreich sind wie nie zuvor, dass aber andererseits das blanke Unwissen fast überall die Oberhand zu gewinnen droht."

Da liegt der Hund begraben, andernfalls hätten wir durch die neuen Techniken doch längst eine flächendeckende Emanzipationsbewegung. Die entsprechenden Hoffnungen sind aber inzwischen verflogen. Statt dessen signalisiert der Verbreitungsgrad von Katzenvideos das glatte Gegenteil: einen flächendeckenden Unwillen zur Emanzipation, den ausgeprägten Wunsch nach Unmündigkeit, die entschiedene Ablehnung von Verantwortung. Den Individuen wird die "Wahrheit" nicht vorenthalten, sie wollen sie nicht hören oder sehen.

Ich fürchte, dass daran auch ein Aufstieg des "kritischen Journalismus" z .b. in der Tagesschau nichts ändern würde, es würden lediglich die Einschaltquoten sinken.

In diesem Verhalten äußert sich eine allgemeine Angst vor dem "historischen Umbruch" bzw. der ""neuen Weltordnung"; hier will ich Michael Kohles und Heinrich Triebsteins erhellenden Beiträgen nur in einem Punkt widersprechen: Das Phänomen betrifft keineswegs nur Mittleren und Oberen.

Der Weg zurück zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Demokratie führt nur über die Befreiung der Arbeit. Diese beginnt mit dem genauen Hinschauen. Peter Hacks beschrieb das mal etwa so:
"Der Dichter hat sich früh erhoben,
er will in einer kleinen Schrift
das Glück des Sozialismus loben
das viele, doch nicht ihn betrifft
dann sieht er im Morgengrauen
auf dem Acker die Kartoffelfrauen
sie rutschen fröstelnd auf dem Bauch
und frierend fragt er sich: Ihr auch?"

Hinschauen ist Voraussetzung, um die Befreiung anzugehen, denn:: "Wenn Arbeit kapitalistische Fremdarbeit ist, dann ist das Ziel des Sozialismus Arbeitslosigkeit. Sozialdemokratie, deren höchstes Ziel Vollbeschäftigung ist, das heißt lebenslange Garantie kapitalistischer Fremdarbeit, ist Sozialismus, der seiner selbst spottet und weiß nicht wie. " (Günter Nenning,1982).

Das Ende der Arbeitsgesellschaft war ebenso voreilig ausgerufen die das Ende der Geschichte. Hinsehen, auf die Arbeit auf dem gesamten Globus, nur damit kann der Denkprozess in Gang gesetzt werden. Wir können aber die fremdbestimmte Arbeit nur überwinden, wenn wir uns von dem Glauben lösen, die Arbeit überwinden zu können.


Am 02. Februar 2019 schrieb Klaus Bloemker:

@ Ole Bienkopp

Es gibt im übrigen auch einen neuen Philo-Semitismus. Den der AfD, die ungeheuer bemüht ist, für Israel einzutreten und daher konequent anti- BDS, wie Volker Beck von den Grünen.

Es gibt ja nicht nur den 'neuen' und den 'alten' Antisemitismus. Es gibt den 'rechten' und den 'linken', den muslimischen und den christlichen. Den 'israelbezogenen' und den 'Israel-Lobby' bezogenen. Da weiss man dann nicht genau, ob das nun linker oder rechter Antisemitismus ist.

Dann gibt es alle halbe Jahr die Ergebnisse einer Antisemitismus Studie. Die stellt dann z.B. fest, in England habe der Antismitismus zugenommen wegen Jeremy Corbin etc.

Der größte Witz ist wirklich dieser Satz (ich habe nachgeschaut, der steht da tatsächlich):

"Antisemitisch kann es zudem beispielsweise sein, wenn eine Fokussierung auf den Staat Israel als jüdisches Kollektiv vorliegt."

Ist damit gemeint, dass der Staat Israel mit der Gesamtheit der Juden gleichgesetzt wird? - Wer macht denn so einen Unsinn? Netanyahu, der immer von Israel als dem "Staat des jüdischen Volkes" redet.

Antwort von U. Gellermann:

Kritik an Israel wird gern als Antisemitismus behauptet. Ähnlich blöd wie die Kritik an den USA als Anti-Amerikanismus behauptet wird.


Am 02. Februar 2019 schrieb Ole Bienkopp:

@Klaus Bloemker

Na ja, der "neue Antisemitismus" ist ja bekanntlich auch mit eine Erfindung von Henryk M. Broder. Einst ausgebreitet auf einer großen Anhörung des Bundestages zu diesem Thema. So gesehen kein Wunder, daß gerade "Achgut" sich damit ach so gut auskennt.

Aber es gibt auch andere "Antisemitismus-Experten", wie Gniffkes Tagesschau, dessen "Faktenfinder-Chef" Patrick Gensing hier den Erklärbären in Sachen "Antisemitismus" gibt:

https://faktenfinder.tagesschau.de/hintergrund/antisemitismus-129.html

Besonders apart an der hier vorgestellten "3-D-Definition" ist dieser Punkt:

"Antisemitisch kann es zudem beispielsweise sein, wenn eine Fokussierung auf den Staat Israel als jüdisches Kollektiv vorliegt."

Super! Man muß einen Staat nur als "jüdisches Kollektiv" definieren - und schon ist jede Kritik daran schon mal grundsätzlich des Antisemitismus verdächtig. Aber es kommt noch besser!

"Wenn aber auf Israel als jüdisches Kollektiv doppelte Standards angelegt werden, beispielsweise was Maßnahmen zur Selbstverteidigung betrifft, oder der demokratische jüdische Staat als rassistisches Regime dämonisiert wird, dann wird die Grenze zum Antisemitismus überschritten."

...und da Israel praktisch alles, was es so tut, egal, ob es Gaza einäschert, Syrien bombardiert, Libanon angreift, Iran dämonisiert, palästinensisches Gebiet annektiert und die rechtmäßigen Bewohner in "Schutzzonen" einpfercht (ergo moderne Ghettos), oder Mossad-Agenten auf Mord-Reisen schickt, als "legitime Selbstverteidigung" definiert, ist jegliche Kritik daran "Antisemitismus".

EIn Staat macht sich unangreifbar....


Am 01. Februar 2019 schrieb altes Fachbuch:

zitate zum selbstbild der dt. journaille:
- "Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut in unserem Land, ein hohes Gut in unserer Demokratie. Das Grundgesetz schützt sie, die Bundesregierung achtet sie und unabhängige Medien üben sie Tag für Tag aus" seibert
- "Unabhängiger, faktenbasierter und kritischer Journalismus ist ein Lebenselixier für die Demokratie." akk
- "Selbstverständlich sind wir weder staatlich gesteuert noch 'verfolgen' wir russische Medien. Wir berichten unabhängig und gründlich, aber kritisch über den Einfluss russischer Medien und des russischen Staates in Deutschland" fl. harms, chef t-online

ob antonia rados jemen-reportage und der verliehende fernsehpreis diesem selbstbild entspricht?
wer 24 stunden der wahrheit verpflichtet ist, und bei so viel gutem völlig ausgelastet ist, der muss über die "gelben westen" nichts berichten.
es sei denn, die schlagen ein fenster ein;)


Am 01. Februar 2019 schrieb Klaus Bloemker:

"Wenn man jemanden diskreditieren will ... als antisemitisch bezeichnen."

Broders 'Achse des Guten' meldet auch:

"Der Antisemitismus ist in Frankreich zurück. - ein Anstieg von 69 Prozent antisemitische Handlungen in einem Jahr! "

Es ist natürlich 'neuer Antisemitismus'. Ich weiß nicht, ob jemandem schon aufgefallen ist, dass alle paar Jahre von einem 'neuen Antisemitismus' die Rede ist. - So neu ist der gar nicht mehr.


Am 01. Februar 2019 schrieb Michael Kohle:

Die reden vom Weltuntergang, wir reden vom Ende des Monats."
Wer redet vom Weltuntergang? Die alte „Mittelschicht“ vermutlich, die ist sogar älter und eigentlich im Ruhestand, hat also nichts mehr zu wollen. Und die neue „Mittelschicht“? Die bestimmt nicht, die redet über die Wahl des richtigen Hochzeitplaners fürs Töchterchen beim anstehenden Fest auf den Malediven, über die nächsten drei Managerstationen des Sohnemannes in USA, Indien und China und ob die Chalets in Avoriaz und an der Cote nicht doch bald um ein schniekes Häuschen auf den Antillen ergänzt werden sollten. Das sind - seien wir doch einmal ehrlich - wahrlich gewichtigere Probleme, als darüber zu sinnieren, wie die soeben um ein Viertel erhöhte Monatsmiete für das opulente Wohnklo via noch opulenterem Mindestlohn beigebracht werden kann.

Wer genau aufpasst, seine Ohren und Augen noch nicht ganz zu verschließen fähig ist, der muß dieser Tage leider feststellen, der Weltuntergang droht. Wie er aussehen wird, das ist eine andere Frage. Für wen, noch eine weitere. Muss ja nicht für alle sein. Sollte es jemandem an Vorstellungsvermögen ermangeln, einfach bei Gary Shteyngart schlau machen, bei Super sad ... glaube, das habe ich hier schon des öfteren erwähnt. Will ja nicht nerven. Aber da stehts, wie es funktionieren könnte, funktionieren wird. Das Ende der Überflüssigen.

Gewiß doch, das Auftreten der „gilets jaunes“ stimmt schon zuversichtlich. Bloß, die ganz große Koalition, die aus „neuer Mittelschicht“, neuem Geld- und uraltem Landadel, der sonstigen sich als Elite Wähnenden und jene, die sich schon immer ungern offen die Hände schmutzig machen wollen, die holen derzeit zum finalen Schlag aus bzw. lassen dazu ausholen. Alles längst gut ausgeheckt und gescriptet, getimed und committed. Nichts von dem, das derzeit überall so abgeht, ohne Hintergedanken, ohne Absicht oder ohne Sinn und Zweck.
Wer erinnert sich denn noch an den „basket of deplorables“, den eine Hillary Clinton in ihrem vergeigten Wahlkampf beizog, dem „Korb der Bedauernswerten“, den sich - so der Vorwurf - ihr Widersacher zu Nutzen machte, um gewählt zu werden. Selbst wenn die hiesigen „deplorables“, in Frankreich und im ganzen Transatlantika Ost nicht ganz so narren lassen wie in der West- Provinz, ihr Schicksal wird sich dennoch nicht unterscheiden. Mag ja sein, dass nur mir die Koinzidenz der Zufälle etwas seltsam vorkommt. Behaupte aber mal locker, dass schon allein die ganzen Schwurbeleien aus der Ecke Gniffke&Co. nur dann so richtig Sinn (bzw. Unsinn) ergeben, wenn sie in den richtigen Zusammenhang gestellt und als das erkennt werden, was sie tatsächlich sind, Propaganda, nichts sonst.

Die Kanzlerin hat es neulich offen herausposaunt: die „Neue Weltordnung“ liegt ihr am Herzen. Da sie - wenn nichts dazwischen kommen sollte - nur noch wenige Monate im Amt verweilen wird, muß das allmählich zügig voran gehen mit dem Prozess zur Einheits-Welt, zur Mitte-Erde. Was derzeit wirklich so abgeht? Die unipolare Welt gegen die Multipolare Welt, und die Diagnose für die Leugner gibt es auch schon: die bipolare Störung, da kann erforderlichenfalls jeder mit bedacht werden, Und dieser noble Kampf ist hart genug, gegen den noch verbliebenen kärglichen Rest der Achse des Bösen sowieso. Da brauchts keinen Zwergenaufstand in den Gassen, keine Barrikaden, weder auf der Champs Elysées noch auf Unter den Linden. Ein Wiederaufleben des Sozialismus oder auch nur einer weiteren Verbreitung von linkem „Spinnertum“ schon gar nicht. Die stören doch nur und verzögern den Endsieg. Auf sie ganz zu verzichten geht allerdings auch nicht, Watschenmann und -frau ist schon immer herzlich willkommen, fürs Publikum bitternötig.

Am Donnerstag letzter Woche in der New York Times ein wegweisender Kommentar: „Venezuela ist eine sozialistische Katastrophe!“ lautete die Überschrift. Klar, der Schuft Maduro hat sein Fett abbekommen, aber mehr noch jene Nasen, die derzeit als Klabautermann aktueller Gefahren anstehen. Corbyn voran. Dagegen hilft Maggie Th., wie Knoblauch bei Dracula. Warum Sozialismus nie funktioniert? Sie weiß die Antwort: Weil irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht. Jede Gelegenheit wird also genutzt, um alles was nicht dem Gedanken der NWO zum Vorteil verhilft, den Garaus zu machen.

Erinnert sich noch jemand an BRICS, nöö, natürlich nicht, da mausetot! Dass der Halbkontinent Südamerika mal glorreichen sozialistischen Zeiten entgegenzugehen schien, genausowenig. Derzeit fallen die letzten Dominosteine. Aktuell eben Venezuela. Wenn man dann des Herrn Außenministers Maas gewahr wird, wie er vollmundigst abspeichelt um den Herren Trump, Pompeo und Bolton die Hinterpforte geschmeidig werden zu lassen ... ein Soze halt. Lang und breit selbstredend bei der Macht um Acht und anderswo. Könnte aber auch sein, dass später am Abend noch Unbedarfte unterwegs sind, die dürfen nicht unbehelligt bleiben. So wie letzte Nacht bei Nuhr: Ein nur knapp umhülltes, mit Bulimie im Endstadium behaftetes Wesen (auch noch aus dem Führergeburtsland), durfte dem teutschen Volk geschlagene zehn Minuten das Schreckgespenst der Querfront erklären - buhuhu - und madig machen. Links, rechts, lechts, rinks! Brauchen wir nicht, nur noch Mitte. Mitte von was eigentlich? Es ist wieder so weit wie einst bei Willem. Ich kenne keine Parteien mehr, schnarrte er. Kenne nur noch braves, Ruhe gebendes Nutzvieh, dem alsbaldigen Schlachten zuzuführen. Wollt ihr den totalen ... da muß natürich geklatscht und gejohlt werden, bis zum Abwinken.


Am 01. Februar 2019 schrieb Albrecht Storz:

Heinz Schneider,
"Diese fröhliche Ignoranz hat ja nichts elitäres, ist fast sympathisch naiv, mich irritiert das."

Was Sie als fröhliche Ignoranz bezeichne ist vielleicht eher die Freude des Bestochenen über seine monatlichen 30 Silberlinge, die Vorfreude darüber, was er alles damit anstellen kann.


Am 01. Februar 2019 schrieb Heinz Schneider:

Warum gibt es keine stärkere Solidarisierung mit den gelben Westen? Karola Schramm schreibt von "milieubedingter Dummheit".
Was damit gemeint ist, hat der Regisseur Falk Richter heute in der Kulturzeit demonstriert. Der Brexit werde "dazu führen, dass eine junge Generation der Briten weniger Chancen haben wird als der Rest der Europäer".

Was ist los in den Filterblasen, in denen intelligente Menschen inbrünstig ihre "milieubedingte Dummheit" konservieren. Diese fröhliche Ignoranz hat ja nichts elitäres, ist fast sympathisch naiv, mich irritiert das.

Heinrich Triebstein verweist auf die "Angst derjenigen, die etwas besitzen, vor denen, die nichts besitzen". Ängstlich wirkt Falk Richter aber nicht.

Es ist ja was dran an Andreas Reckwitz Position, "der empörte Blick auf die Superreichen verschleiert die viel entscheidende Differenz zwischen der neuen Mittelklasse, der alten Mittelklasse sowie der unteren Klasse".

Den Lebensstil der neuen Mittelklasse prägt das kosmopolitische Lebensgefühl kultureller Selbstermächtigung, meint Reckwitz.
("Wir Einzigartigen", ZEIT, 4.10.2017).

Warum zeichnet die hier Schreibenden, vielleicht der "Alten Mittelklasse" zuzurechnenden, eine hohe Sensibilität für die sozialen Spaltungen, ein wissensgesättigtes Mitgefühl, ein permanenter Blick über den Tellerrand eigener Befindlichkeiten aus, warum sind sie selbstverständlich solidarisch; die neuen Mittelklassen aber nicht? Gebildet sind doch beide Milieus?

Hängt es damit zusammen, dass die "neuen Mittelklassen" den Neoliberalismus mit der Muttermilch aufgenommen haben, dass sie keine "schlechten Zeiten" mehr kennen, dass sie die brutale Entwertung und Entwürdigung der Arbeit gar nicht bemerken?
Falk Richter jedenfalls diskriminiert sozialen Widerstand nicht, er bemerkt ihn schlicht nicht.
Die Perfektion der Filterblasen ist beängstigend, sie funktioniert besser als jede Mauer.
Die Schlussfolgerung? Höchste Zeit für den Aufstand der Gelbwesten, Pizzaboten, Kleinbauern, Müllsammler, Textilarbeiterinnen, Kurierfahrer.... und der letzten lebenden Sozialisten?


Am 01. Februar 2019 schrieb antares56:

Ich hoffe, dass uns die Franzosen zeigen, wie man eine blinde kapitalistsische und verlogene Regierung los wird!
Auch wir in der BRD sind doch von einer korrupten Regierung, an deren erster Stelle immer der eigene Profit der handelnden Personen steht, niedergemacht und dürfen von Almosen des Merkel-Regimes leben! Wenn gespart werden soll wo wird dann gespart - bei den Ärmsten! Nie kommt jemand auf die Idee, mal Politikergehälter und Managerraubzüge um mindestens 20% zu kürzen und den Spitzensteuersatz auf 75% zu erhöhen!


Am 31. Januar 2019 schrieb Lutz Jahoda:

STANDPUNKT UND AUFRUF

Die Aufstehbewegung in Deutschland sitzt.
In Frankreich hat sie sich mutig erhoben.
Wie immer hat Mehrheit in Deutschland verschwitzt,
Dass es erst donnern kann, wenn´s vorher blitzt!
Stimmt für Die Linke! Nur so geht´s nach oben!


Am 31. Januar 2019 schrieb Karola Schramm:

Der Volksmund sagt: "Gegen Dummheit kämpften selbst die Götter schon vergebens." Diese journalistische Sippschaft ist nicht zu retten, ist nicht zu belehren, weil sie gut mit diesem Dummsein leben kann. Außerdem ist Dummheit ansteckend und milieubedingt.

Nicht zuletzt hat auch Merkel Macron, diesen ehemaligen Banker der Rothschildbanken, dieses kleine eitle Männchen tüchtig unterstützt, seine Agenda, ähnlich wie hier Hartz 4, durchzusetzen. Das ist das Ziel dieser neuen neoliberalen Finanzakteure der großen Finanzwirtschaft: Banker oder ihre Handlanger in hohe politische Ämter zu setzen. In Frankreich ist das leider gelungen und der Feudalismus feiert auch dort fröhliche Urständ. So las ich schon vor Jahren im holländischen Handelsblatt: "Wer den Neoliberalismus will, will (in) den Feudalismus zurück."

Nun merkt die frz. Bevölkerung, wie sie verarscht und reingelegt wurde nicht nur durch die Reden dieses Mannes, sondern auch die Schwäche der Sozialisten und der Warnung vor Marine Le Pen. Die Medien haben gejubelt, als dieser neoliberale Abklatsch des einstigen Sonnenkönigs, zu dem er sich zu entwickeln scheint, zwar nicht den Thron bestieg, aber doch in den Elysee-Palast einzog.

Der Weg zurück zu Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (kleine Schwierigkeit, aber damals kannte man noch nicht Schwesterlichkeit), muss auch von uns Deutschen gegangen werden, auch wenn uns bei Solidarität mit Frankreichs Gelbwesten "Rassismus und Antisemitismus" angehängt wird. Dieser Trick, ein üble Masche, ist alt und bekannt..

Dass "wir Deutsche" nicht gut sind in Solidarität, Verständnis und Mitgefühl, lebt uns unsere Obrigkeit ja fast täglich vor. Doch wir, auf der anderen Seite, können es lernen.
Letztlich sah ich im Europa-TV hunderte von jungen Menschen in allen Städten gleichzeitig für eine andere Klima-Politik protestieren. Sie hatten schulfrei oder sich einfach genommen. Da liegt die Zukunft. Wir alle können uns solidarisieren mit den Franzosen, anderen Ländern, wenn sie unter diesen neolbiralen Druck geraten und auch mit uns selber, damit Einigkeit uns stark macht.

Ob es dann auch "gelbe Westen" hier in den Städten geben wird, .bleibt abzuwarten. Ich habe von einer Demonstraton in "gelbenWesten" hier in meiner Zeitung einige Interviews gelesen, die mich nicht so glücklich machten. Da kamen Antworten wie: Ja, natürlich, wir protestieren gegen Hartz 4 und die hohen Mieten. Eine andere Antwort bezog sich auf die Migranten, die uns hier alles wegnehmen." Da kann ich nur sagen: "Liebe Leute, den Protest gegen Hartz 4 haben wir verschlafen. Und was die Migration angeht, sieht das in Frankreich auch anders aus. Da kämpfen sie alle gemeinsam gegen diese Ausbeutung."


Am 31. Januar 2019 schrieb Albrecht Storz:

"Lieber richtige Gelbe Westen als angeblicher Werte-Westen."

Der musste sein :-)


Am 31. Januar 2019 schrieb R. R.:

Antisemitismus und Rassismus eignen sich hervorragend dazu um von Profitgier und den damit verbundenen Zielen abzulenken!


Am 31. Januar 2019 schrieb joe bildstein:

Wenn ein Diskussionthema zu heiss wird dann ist Antisemmikeule immer ein gutes Instrument, kann universal eingesetzt werden und funktioniert immer, immer.
Das Un-Wort "Antiamerikanismus" wird gleichfalls oft gebraucht um Kritik am imperialen Massenmord einzudaemmen, und toetet auch jede Diskussion ab, wohl gewollt.

Mein Tipp:
Einfach umschalten auf Dschungelcamp, tut zwar auch weh ist aber fuer das Rest-Hirn weniger anstrengend


Am 31. Januar 2019 schrieb Heinrich Triebstein:

Wir leben in einem historischen Umbruch, der dem Umbruch vor 500 Jahren durch Reformation und der darauf folgenden Aufklärung entspricht. Vor 500 Jahren wurde die Herrschaft des "Großen Vaters" durch die Herrschaft des "Großen Bruders" abgelöst. Menschenrechte, die zunächst Männerrechte waren, Frauenrechte, Minderheitenrechte, Tierrechte haben dazu beigetragen, dass die Anwendung von Gewalt gegen Mensch und Tier zurückgegangen ist. Der "Große Bruder" der DDR ist vom Volk in den Orkus geschickt worden. Ein durchblickender Zeitgenosse sagte damals: "Das steht uns noch bevor". Unsere Großen Brüder GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon) werden die Herrschaft des Einen Prozents und seiner Helfershelfer nicht sichern können. Das Zeitalter der Geschwisterlichkeit hat längst begonnen. Solidarische Landwirtschaft, Gemeinwohlökonomie, das Gute Leben für alle seien nur als Stichworte benannt. Die "Mittleren" stehen vor der Aufgabe, ihre Rolle als Radrennfahrer hinter sich zu lassen: Nach Oben buckeln und nach Unten treten. Und die "Unteren" sollten sich daran erinnern, dass ohne sie nichts läuft. Die "Oberen" - so sie denn je zum einfühlenden Denken kommen sollten - hätten Grund, sich zu fragen, warum ein Philosoph wie Björn Vedder, sich auf Hegel berufend, vom "reichen Pöbel" spricht. Mein vorläufiges Urteil, abgeleitet aus einem Wort von Margarethe Mitscherlich: "Wer etwas besitzt, hat Angst vor jenen, die weniger oder nichts besitzen": Die Jungs in ihren Türmen und abgezäunten Residenzen agieren aus Angst, mit der sie sich nicht auseinandersetzen können. Sie haben aber eine Bewusstseinsindustrie zu ihren Diensten, die alles daran setzt, uns Bürgerinnen und Bürgern Angst zu machen.


Am 31. Januar 2019 schrieb Des Illusionierter:

Dieser Aufruf der „gilets jaunes" ist für mich ein Manifest, das dieser Bewegung eine Richtung und mehr Struktur gibt. Es definiert in kluger Wortwahl sinnvolle und längst überfällige Ziele für eine Solidarisierung von Unten in der Gewissheit, dass von Oben nichts nachhaltig Gutes mehr zu erwarten ist.


Kein Wunder, dass der Chor der Etablierten zu transpirieren und zu geifern beginnt und dass die Verleumdungstrupps ihre Mist-Kübel mit geistigem Unrat füllen.


Es sieht ganz so aus, als ob jetzt in Frankreich das beginnt, was jeder aufgeweckte Betrachter der neofeudalen Entwicklungen erwartet, weil es alternativlos ist, wenn die 99% nicht für lange, lange Zeit in Sklaverei versinken wollen: die Soziale Revolution.
Wenn unsere französischen Nachbarn die zu erwartenden bitterbösen und blutigen Auseinandersetzungen durchhalten, könnte es sein, dass der Funke auf andere Länder übergreift.


Die größte Gefahr für eine Soziale Revolution sehe ich in der Dummheit des „petit bourgeois", der immer meint, dass er mit buckelndem Gehorsam am besten durch kommt und daher der ideale Denunziant jener Kräfte ist, die eigentlich auch für seine Interessen auf den Barrikaden stehen.
Ich wünsche den „gilets jaunes", dass sie die dezentrale Räte-Organisation beibehalten und sich nicht von einem machtgeilen Klüngel zweckentfremden lassen.


Am 31. Januar 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

"Die reden vom Weltuntergang, wir reden vom Ende des Monats." (Demonstrant).
Frankreich hat eine andere Tradition, als wir in Deutschland: Revolutionen haben immer die anderen gemacht. Im Schwätzen, im Bewerten, im Besserwissen, in intellektueller Gehirnw.......sind die "Leistungsträger" in Wirtschaft, Medien und Kapital unschlagbar. Frau K. weiß sehr genau, wo sie zu buckeln hat und wessen Interessen sie unverblümt vertritt, dafür soll sie nun ein weiterer Anwärter für den "Pappnasen" Preis sein. Etwas peinlich berührt schaue ich nach Frankreich und meine Solidarität war und ist euch sicher, ihr mutigen Gelbwesten.

Es geht im Volk immer um bessere Lebensbedingungen, also stellt sich, wie vor hundert Jahren "DIE SOZIALE FRAGE" und daran wird kein Geschwätz, keine Diskriminierung, keine bunten Worte, kein Würstchen Macron, der selbstverliebte um sich Kreiseler, mit seinen Anfangsbuchstaben E und m für seine von den Herrschenden beförderte und krachend gescheiterte Bewegung etwas ändern können. Nun heulen sie wieder, die Moralapostel, sprechen von Gewalt, von Antisemitismus usw. Nur will von den wirklichen Problemen des Volkes diese abgehobene, elitäre Gruppe in ihrem Elfenbeinturm nix wissen, weil es ihnen dann an den Kragen gehen würde und nichts würde ich mehr begrüßen, als die vom Hof zu jagen. Wie der Hase und der Igel, sie sind so gut vorbereitet, dass tatsächlich nur das durchsickert, was die Herrschenden preis geben wollen und das macht mich kirre, dass sie alles schlucken, für sich klar machen und es so wirkt, als wenn auch Widersprüche,wie Informationen käuflich sind.

Wir werden abgeschottet, von der gesamtgesellschaftlichen Wirklichkeit in unserem Land, in der EU, in Europa, in der Welt und die vielen sinnlosen Informationen tragen nicht zur Erhellung bei und das ist gewollt: Verwirrung stiften ist die Devise und Frau K. ist noch einigermaßen gut in Artikel weggekommen, der "Daumen Lutscher" von der französischen Front, denn wo nix is, is nix, außer eben "Daumen lutschen."
Für mich kann es nur: "Proletarier aller Länder vereinigt euch," und kein "Alle Menschen werden Brüder" geben und "Hoch die internationale Solidarität" geben."


Am 31. Januar 2019 schrieb Heinz Schneider:

Sozialer Protest ist keine Querfront, sondern sozialer Protest. Er darf nicht delegitimiert werden, weil Teile der Protestierenden zunächst von den Rechten abgeholt werden konnten, nachdem sie von den Liberalen und Linken links liegen gelassen wurden.

Die nicht von der Globalisierung profitierenden Arbeitenden sehen Ihre Interessen zu Recht nicht mehr von den neoliberalen Parteien vertreten.

Wir müssen aber sehen, dass die "stille Übereinkunft, die Lasten ökonomischer Anpassungsprozesse im digitalen Kapitalismus auf dem unteren Drittel er Gesellschaft abzuladen" (Peter Glotz, 1992) leider bestürzend aktuell ist. In Brasilien, in Venezuela, in der EU: beträchtliche Teile der arbeitenden Klasse verbünden sich mit den Eliten gegen die "Unteren". Dabei nehmen sie sehenden Auges die Abschaffung der Demokratie, brutale Ausbeutung und Naturzerstörung zugunsten der Sicherung ihres aktuellen materiellen Lebensniveaus in Kauf.


Am 31. Januar 2019 schrieb Klaus Bloemker:

Wer versteht denn in Deutschland oder sonstwo die gilets jaunes? Niemand nimmt sie ernst. - Wo ist ihr Konzept?
Nur gegen OBEN zu sein, ist kein politisches Konzept.

Sie kommen mir vor wie französische Folkloristen, die im Jahr 2018/19 die revolutionäre Fahne von 1789 hochhalten, la Marseillaise singen und dabei Fensterscheiben einschlagen.

Antwort von U. Gellermann:

Die „Tagesschau“ (zum Beispiel) hat das Konzept der Gelbwesten offensichtlich verstanden.


Am 31. Januar 2019 schrieb Beat Wick:

Opposition ist nur unter Leitung, Kontrolle und Überwachung unserer «Mittleren» erlaubt.

Also den «Mittleren» über die George Orwell schreibt:
«Die «Mittleren» werden die «Unteren» dadurch auf ihre Seite ziehen, dass sie ihnen vorspiegeln, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Sobald die «Mittleren» ihr Ziel erreicht haben, stossen sie die «Unteren» wieder in ihre alte Knechtschaft zurück« Die «Mittleren» haben die «Unteren» schon immer im Stich gelassen.
Und Ilija Trojanow:
«Die schrumpfende Mittelschicht solidarisiert sich mit den Reichen, obwohl sie erkennen müsste, wie wenig Chancen sie besitzt, am Reichtum zu partizipieren»

Diesmal ist eingetreten, was unsere «Mittleren» ganz unvorbereitet und überraschend traf. Eine Revolte von «Unten». Diesmal nicht «nur» eine Opposition von «Unten» wie sie die «Montagsmahnwachen für den Frieden» darstellte, welche gemeinsam von sämtlichen Richtungen der «Mittleren» mit Leichtigkeit niedergeschmettert wurde.

Mit vereinten Kräften werden die «Mittleren» auch die «Gilets jaunes» niederschmettern, denn es fehlt an der notwendigen Unterstützung, Solidarität von ausserhalb Frankreichs.

Wer die «Mittleren» sind ?
Siehe George Orwell.

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