Tödliches Schweigen in den Medien

Mumia Abu-Jamal - seit 37 Jahren in Haft

Autor: SIERA
Datum: 03. Juli 2019

Kalt schweigt der deutsche Blätterwald, wie verstorben wirken Rundfunk-und TV-Sender, wenn es um die US-Folter-Haft für Mumia Abu-Jamal geht. Deutsche Medien, sonst gern und eifrig dabei, wenn es sich um Menschenrechte handelt, möglichst in China oder anderen fernen Ländern, nehmen die langsame Ermordung des Bürgerrechtlers und Journalisten Abu-Jamal einfach nicht wahr. Mit ihrem Schweigen machen sich die Medien mitschuldig am langsamen Tod ihres tapferen Kollegen. Das feige Wegsehen ist der atlantischen Gefolgschaftstreue zu verdanken, die wie Mehltau über der deutschen Öffentlichkeit liegt. Lieber lässt man einen Unschuldigen im Gefängnis verrotten, als das man ein wenig Mut zur Solidarität aufbrächte.

Mumia sass nicht fast 29 Jahre im Todestrakt und bis heute im sog. "Normalvollzug", weil ihm irgendein Verbrechen nach dem bürgerlichen Sanktionskatalog bewiesen worden wäre, sondern weil er als Journalist kompromisslos gegen Rassismus, Polizeigewalt, Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung gekämpft hat – seit seinem 17. Lebensjahr als Radiojournalist – genannt „The Voice of the Voiceless“, und seit seiner Verurteilung1982 mit der Schreibmaschine und dem Telefonhörer aus der Gefangenschaft über Prison Radio, das per Podcast wöchentlich seine Artikel verbreitet. Während seiner Gefangenschaft hat er acht Bücher geschrieben.

Mumia Abu-Jamal erhebt seine Stimme deutlich gegen den institutionellen und alltäglichen Rassismus, die Todesstrafe sowie die moderne Form der Sklaverei, die staatlich/private Gefängnisindustrie in den USA. Mehr als 2.300.000 Männer und Frauen – 25% aller Gefangenen in der Welt – vegetieren in US-Gefängnissen. Nicht einmal China mit mehr als viermal so vielen Einwohnern hat so viele Gefangene.

Das Gefängnissystem in den USA ist inzwischen zu 23 Prozent privatisiert und somit für viele Unternehmen lukrativ; denn die unbezahlte, bzw. unterbezahlte Arbeit der Gefangenen bringt grosse Profite.

Mumias Prozess 1982, bei dem ihm ein Mord an einem Polizisten vorgeworfen – und nie bewiesen – wurde, war stark von politischen und rassistischen Manipulationen beeinflußt, die dem mittellosen Mumia Abu-Jamal keine Chance auf eine gute Verteidigung ließen. Er wurde zum Tode verurteilt. Seine Hinrichtung 1995 und 1999 konnte durch eine weltweite starke Solidaritätsbewegung verhindert werden. 2011 wurde Mumia in den sogenannten normalen Strafvollzug verlegt, weil ein Gericht in Philadelphia feststellte, dass sein Prozess 1982 verfassungswidrig war. Dennoch erhielt er keinen neuen „fairen“ Prozess. Kein Gericht wagt, den rassistischen und politischen Konsens derjenigen zu brechen, die diejenigen mundtot machen wollen, die radikale Kritik an den bestehenden Zuständen in und außerhalb der Gefängnisse der USA äußern.

Mumia Abu-Jamal ist inzwischen sehr krank: neben Diabetes, Hepatitis und einer Leberzirrhose hat er zusätzlich eine schwere Augenerkrankung, die ihn, wenn er nicht bald ärztliche Hilfe bekommt, erblinden lassen wird. Die adäquate ärztliche Versorgung wurde ihm jedesmal nur nach internationalen Protesten zuteil – auch jetzt ist wieder Solidarität gefragt!

Hier sein persönlicher Appell:
https://www.prisonradio.org/
in dem er seinen Zustand beschreibt,

sowie eine Petition der Mumia-Untertstützer
https://actionnetwork.org/petitions/emergency-appeal-for-mumias-health


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. August 2019 schrieb Mark S:

Man sollte im Berliner Touristenzentrum ein Grabmal für alle im Westen lebendig begrabenen errichten....


Am 05. Juli 2019 schrieb Ingrid Koschmieder:

Ich bedanke mich auch bei Siera für diesen Fingerzeig und habe mir fest vorgenommen, bei der nächsten freien-Zeit Mumia zu schreiben.
Ich denke, das freut ihn in der Hölle von "slow death row" aktuell am meisten!

Aber auch diese Petition ist besser als Nichts:
https://www.prisonradio.org/petition/petition-no-slow-death-row
Die Petition bei actionnetwork.org unterschrieb ich gleich im Juni, bin verwundert und enttäuscht, dass aktuell nur rund 2100 Leute dazu bereit sind! Ich glaubte immer Mumia hat wenigstens den Schutzschild vieler Menschen, die auf ihn achten. Wo sind sie nur?


Am 05. Juli 2019 schrieb Elke Zwinge-Makamizile:

Hier ist die Postadresse von Mumia (Absender nicht vergessen, sonst wird es nicht ausgeliefert):
> Smart Communications/PA DOC
> Mumia Abu-Jamal #AM8335
> SCI Mahanoy
> Post Office Box 33028
> St Petersburg, Florida 33733
USA

und auch die Adresse von Julian Assange im Spezialgefängnis in London unter Bedrohung seines Lebens:

http://www.justice.go-v.uk/contacts/prison-finder/belmarsh .

Sie lautet >> HM Prison Belmarsh
Western Way
Thamesmead
LondonSE28 0EB


Am 05. Juli 2019 schrieb Lutz Jahoda:

DANK, HINWEIS UND EMPFEHLUNG

Die überregionale lesenswerte Tageszeitung "junge Welt" erinnert täglich an den inhaftierten MUMIA ABU-JAMAL, indem sie auf der Politikseite 6 regelmäßig Platz für Abu-Jamals aktuelle Kolumnen reserviert.


Am 04. Juli 2019 schrieb Uschi Peter:

Mumia Abu-Jamal ist tatsächlich in Vergessenheit geraten , leider auch bei mir. Deshalb ist es gut, dass wieder an ihn erinnert wird. Seinerzeit las ich desöfteren seine Kolumnen in der Jungen Welt. Und wie richtig bemerkt wird, werden die Schandtaten des Westens stillschweigend unter dem Teppich gehalten, während die Fehler des Gegners gebetsmühlenartig wiederholt werden, damit sich in unsere Hirne einprägt, dass nur die bösen Russen, Ostdeutschen, Chinesen etc. die Verbrecher der Weltgeschichte sind. Ich wünsche Mumia alles Gute und eine hoffentlich baldige gute Gesundheitsversorgung.


Am 04. Juli 2019 schrieb Cornelia Praetorius:

Mumia ist von bewundernswerter Standhaftigkeit und Solidarität mit den unschuldigen Mitgefangenen. Seine Inhaftierung, die lebenslang sein soll, obwohl es soviele Zweifel an der Substanz der Anklage gibt, ist so grotesk, denn es hat sogar das Bekenntnis des wahren Mörders gegeben, das aber unterdrückt wurde, und die Aussage einer Frau, die unter hohem polizeilichem Druck eine Falschaussage gemacht hatte zu seinen Ungunsten und diese widerrufen hat - hat alles nichts genützt. Er muss uns und seiner Familie vor allem erhalten bleiben und befreit werden.


Am 03. Juli 2019 schrieb Elke Zwinge-Makamizile:

Großen großen Dank, dass Siera Mumia und das Unrecht an ihm auch auf Rationalgalerie ans Licht der Öffentlichkeit bringt. Schreibt Mumia auch ins Gefängnis das ist das Wenigste, was wir machen können, auch Spenden für das Prison Radio sind unsere internationale Solidarität.


Am 03. Juli 2019 schrieb Greta Wingert:

Es ist toll, dass sich zum Jahrestag der Verhaftung von Mumia Abu-Jama an den mutigen Mann erinnert. Danke.

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