Unser Menschenrecht!

Wie die TAGESSCHAU mal ein Recht bekam

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. November 2016

Moin Kollege!“ - „Moin Kollege“, treffen“ sich zwei auf den Fluren der TAGESSCHAU: „Was wird es denn heute Abend geben, so um 20.00 Uhr?“ - „Na, Menschenrechte, jede Menge Menschenrechte!“ - „Ja, aber russische oder saudische Menschenrechte?“

„Mann, natürlich UNSERE Menschenrechte. Die Russen habe doch überhaupt keine und über die Saudis reden wir nicht!“ - „Ich dachte immer, die Menschenrechte wären allgemein?“ - „Den meisten Menschen kann man es ohnehin nicht Recht machen. Da müssen wir schon vorsortieren. Also gibt es UNSERE Menschenrechte. Nur die versteht der Zuschauer.“


Programmbeschwerde:
ARD-aktuell manipuliert zugunsten  Saudi-Arabiens
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-16667.html
 
Werte Damen und Herren Rundfunkräte, werter Herr Intendant,
kennen Sie den? Frage: „Was ist der Unterschied zwischen ARD-aktuell und Tagesschau?“ Antwort: „Keiner. Beide sind gleich verlogen. Besonders die Tagesschau“.
Und nun schauen Sie bitte mal, wie einfach das zu beweisen ist, das Beispiel stammt aus der 20-Uhr-Sendung v. Freitag, 28.10. 2016. Studio-Nachricht:
„Russland ist nicht mehr Mitglied des UN-Menschenrechtsrates. Das Land bekam bei der Abstimmung der UN-Vollversammlung nicht genügend Stimmen.  Das in Genf ansässige Gremium hat insgesamt 47 Mitglieder.  Im Vorfeld hatten Menschenrechts- und Hilfsorganisationen wegen der russischen Rolle im Syrienkrieg dazu aufgerufen, das Land nicht wiederzuwählen.“
Halbe Wahrheiten sind ganze Lügen, erinnern Sie sich? Vollständig und so, dass dem Empfänger eine vernünftige Einordnung des Vorfalls möglich war, berichtet zum Beispiel das Internet-Magazin Telepolis: l
„UN-Menschenrechtsrat: Russland ausgeschlossen, Saudi-Arabien gewählt. Menschenrechtsorganisationen haben mit ihrer Kampagne den Schutz der Menschenrechte einseitig politisiert, die UN-Vollversammlung hat den Schaden vollendet (…)"
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49848/1.html
Den Rest des Beitrags liefern wir hier in Kurzform: Jährlich wird ein Drittel des UN-Gremiums neu gewählt, und zwar nach Ländergruppen. Um die beiden Sitze für Osteuropa hatten sich Russland, Kroatien und Ungarn beworben. Von insgesamt 193 Stimmen entfielen auf Kroatien 114, auf Russland 112.
Was von dem gesamten UN-Club und seinen Pressure-Gruppen zu halten ist, zeigt die Wahl des Völker- und Menschenrechtsverächters Saudi-Arabiens. Was von ARD-aktuell zu halten ist, zeigt dieses Beispiel infamer Manipulation. Was von Ihnen, dem Rundfunkrat, zu halten ist, wissen wir zwar auch schon, aber das Ergebnis Ihrer Beratungen wird es einer breiten Öffentlichkeit wieder zeigen. 

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 04. November 2016 schrieb Uschi Peter:

Eine kleine Erläuterung zu den Menschenrechten
Nach dem Ende des I. Weltkrieges waren alle Völker geschockt von den grausamen
Ereignissen und der Zerstörung ihrer Länder. Es wurde der Völkerbund gegründet mit dem Ziel, einen dauerhaften Frieden zu sichern. Es gab allerdings wenig Beitrittsinteresse ( die USA u.a. hielten sich heraus), sodass sein Einfluss marginal war. Mit dem Ausbruch des II. Weltkrieges war diese Idee gescheitert. Erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts setzten sich die USA und Großbritannien mit der UdSSR und China zusammen und erarbeiteten eine neue Friedensordnung. Am 30. Oktober 1943 kam es zur Moskauer Deklaration der vier Mächte mit dem Ziel, eine Organisation zu schaffen, die den Frieden dauerhaft sichern sollte. Unter Einbeziehung Frankreichs wurde auf der Konferenz von Jalta 1945 die Charta der Vereinten Nationen fertig gestellt. Am 26. Juni 1945 wurde sie in San Francisco unterzeichnet.
Von der Generalversammlung wurde am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündet. Es wurden die Rechte und Freiheiten aller Menschen der Erde formuliert. Freundschaftliche Beziehungen der Völker untereinander sollten gefördert werden. Alle Menschen sollten in Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden leben können. Die 30 Artikel der Menschenrechte seien ein von allen Völkern und Nationen zu erreichendes Ideal.
Über die Inhalte war lange diskutiert worden. Sie waren aber schon ein Fortschritt gegenüber den Diktaturen der Welt. Sie hielten vielen Ländern einen Spiegel vor. Doch die Interpretation blieb jedem Staat selbst überlassen. Jeder konnte sie in seinem Interesse auslegen. Sonst wäre es nicht zu so vielen Kriegen, Putschen und Interventionen nach dem II. Weltkrieg gekommen.
Als Vorlage für die Artikel dienten die Unabhängigkeitserklärung der USA von Großbritannien von 1776 und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich vom 26. August 1789.
Eine Auswahl aus diesen Artikeln:

Artikel 1:
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2:
Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied , etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand?.

Artikel 3:
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 5:
Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Artikel 23:
1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
2. Jeder ohne Unterschied hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
4. Jeder hat das Recht, zum Schutz seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

Artikel 24:
Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.

Artikel 25:

2. Alle Kinder, eheliche wie außereheliche genießen den gleichen sozialen Schutz.

Artikel 26:
1. Jeder hat das Recht auf Bildung.
2. Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit ?gerichtet sein.

Artikel 30:
Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, dass sie für einen Staat, eine Gruppe oder Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben, welche die Beseitigung der in dieser Erklärung begründeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.

Man möge sich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durchlesen und seine eigene Lebenswirklichkeit und die der Menschen in der Dritten Welt daraufhin analysieren. Ebenso ist ein Vergleich zwischen den westlichen Demokratien und den von ihnen verteufelten "Unrechtsstaaten" interessant.
Die Herrscher dieser Welt schätzen sich glücklich, dass diese Erklärung eben nur eine Erklärung und nicht für sie bindend ist. Menschenrechte werden dauernd verletzt. Interventionen in fremde Länder werden oft scheinheilig als "humanitärer Einsatz zum Schutz der Zivilbevölkerung" und Durchsetzung der Menschenrechte deklariert.


Am 03. November 2016 schrieb Lutz Jahoda:

EMPFEHLUNG

Treibt nicht auf die Spitze,
was ohnehin schon spitz!
Schad wär um Manhattan
und um den UNO-Sitz.
Schad wär um die Betten
im Waldorf und im Ritz.
Nicht schad wär um das Pentagon,
die Banken und den Blitz.

Nehmt getrost den Weltgedanken,
denkt dabei an Babylon:
Belegt euch endlich selbst mit Schranken!
Dann kommt ihr vielleicht heil davon!

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