Wie fast immer kommen die besten Vorschläge zur Entwicklung von Demokratie und Freiheit aus den Reihen der CSU. Schon mit der Ausländer-Maut hatte die Partei Genialisches vorgeschlagen. Auch wenn die Maut bislang auf die Autos der Ausländer begrenzt war, barg sie doch Entwicklungspotenzial: Warum sollten künftig nicht ausländischen Personen auch - ob sie denn per Auto, Flugzeug oder zu Fuß unsere Grenze queren - eine Maut für den Zutritt unseres schönen Landes zahlen? Sie bekämen dann an der Grenze für, sagen wir 100 Euro, eine Plakette auf den Arm tätowiert und dürften dann in ganz Deutschland ungehindert herumreisen.

"Wer betrügt, der fliegt!", das ist nun der neueste Vorschlag der christlich-sozialen Alpen-Schutz-Staffel. Zwar hat diese Kurzfassung einen kleinen Haken: Wohin sollten die Betrüger aus den Reihen der CSU denn fliegen? Die Verwandten-Beschäftiger, die Hand-Aufhalter, die ZDF-Flüsterer? Aber wer dann genauer liest, der ist gleich beruhigt: Nur Ausländer sind für die Freiflüge raus aus dem schönsten aller Länder vorgesehen, noch genauer: "Sozialbetrüger". Da meint der Alpen-Schutz natürlich nicht jene Amigos, die den Banken das Betrügen durch Rettungsschirme erleichtern. Auch nicht jene Spezln, die Arbeitslose durch Hartz Vier um ihre Teilhabe am sozialen Leben bescheissen. Nein, es soll sich um Rumänen und Bulgaren handeln, die sich ab Januar ungeniert der "Arbeitnehmerfreizügigkeit" bedienen können, die ihnen eine marodierende Europäische Union anbietet.

Der Bulgare als solcher, das weiß der CSU-Sturmbann-Führer Uhl, ist der geborene Sozialbetrüger. Und der Standarten-Führer Hans-Peter Friedrich kennt den Rumänen genau: Die leeren ruck-zuck die Sozialkassen wenn man denen nicht auf die Finger guckt, meint der gewesene Innenminister. Auch die Gau-Führerin Gerda Hasselfeldt hat die Ausländer durchschaut: "Der fortgesetzte Missbrauch der europäischen Freizügigkeit durch Armutszuwanderung gefährdet nicht nur die Akzeptanz der Freizügigkeit bei den Bürgern, sondern bringt auch Kommunen an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit." Ja mei, die Gerda, die weiß was vom Betrügen, färbt sie doch ihre längst grauen Haare in diesem Deutsch-Blond-Ton und hält so die eigene Partei zum Narren. Auch dass die Gerda zwar erzkatholisch ist aber schon zum zweiten Mal verheiratet, das ist doch gekonnter Betrug am heiligen Sakrament der Ehe. Wenn das der Papst wüsste!

Aber der Bereichs-Führer Seehofer ist wie immer der, der weiterdenkt. Will er doch den von der Koalition vereinbarten Mindestlohn nicht für "Saisonarbeiter" gelten lassen. Da hatten die anderen Koalitionspartner die Spargelstecher und Erdbeerpflücker im Auge. Wenn nun, denkt sich der Seehofer-Horst, wenn nun der rumänische oder bulgarische Saisonarbeiter zu Wahlzeiten in geordneten Gruppen und freien Zügen über die Grenze geführt würde und die wahlmüden Deutschen beim Wählen ersetzen täte, dann bekäme die Freizügigkeit einen Sinn. Für ein kleines Geld könnte so ein Saison-Wähler am Tag gleich mehrere Stimmen abgeben und so den jeweiligen Sieg der CDU-CSU auf breiter Front sichern. Nach der Wahl würde der Saison-Wähler dann wieder in sein Herkunftsland zurückgeführt und alle wären es zufrieden.

Irgendwie muss der Bundestagspräsident, der Norbert Lammert, vom Seehofer-Plan Wind bekommen haben. Flugs hat er eine Debatte um die Verlängerung der Wahlperiode zum Bundestag von bisher vier auf demnächst fünf Jahre angeschoben. Das würde, wenn denn der Seehofer-Plan umgesetzt wäre, die Kosten minimieren: Die Bundes-Saison-Wähler müssten nur alle fünf Jahre für einen Tag gelöhnt werden. Juliane Klöckner, früher Deutsche Weinkönigin, heute für die CDU in der Pfalz tätig, weiß gut, wie störend Wahlen sein können: "So (wenn man die Wahlperioden ausdehnt) bleibt mehr Zeit, um wirklich Politik zu machen. Man ist nicht sofort wieder im Wahlkampfmodus." Wirkliche Politik, unbehelligt von dahergelaufenen Wählern und wohlfeilen Wahlversprechen, will endlich auch der berühmte SPD-Innenexperte Michael Hartmann machen. Es sei, sagte der Präsident des Deutschen Softball-Verbandes, "nahezu überfällig, die Wahlperioden des Bundestags auf fünf Jahre zu verlängern". So würde "gründlicheres und weniger vom Wahlkampf getriebenes Arbeiten möglich."

So naht denn der Tag, an dem Königin Angela nicht mehr regieren mag und Seehofer vom bayerischen Bereichs-Führer zum Reichs-Führer aufsteigt, an dem Norbert Lammert für die nächste, zehnjährige Wahlperiode zum Bundestagspräsident auf Lebenszeit ernannt wird und Juliane Klöckner den Nobelpreis für Wahl-Physik erhält. Und die SPD? Die SPD wird sich bis zu diesem Tag endgültig überflüssig gemacht haben.

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Eure (in der Regel) wunderbaren Einschätzungen bekomme ich seit einiger Zeit immer zweimal. Manche davon lese ich sogar zweimal - aber als Post-Empfang reicht mir einmal.
Ansonsten an Ulli Gellermann persönlich: Macht 2014 weiter so.

Georg Neubauer
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Vor vielen Monaten empfahl mir ein Bekannter Ihre Webseite. Anfangs fand ich Ihren Stil auch ganz in Ordnung. Nun aber denke ich, es wäre Zeit für einen Stilwechsel. Warum? Ihre satirischen Versuche generieren leider keinen Aufklärungsmehrwert,...

Vor vielen Monaten empfahl mir ein Bekannter Ihre Webseite. Anfangs fand ich Ihren Stil auch ganz in Ordnung. Nun aber denke ich, es wäre Zeit für einen Stilwechsel. Warum? Ihre satirischen Versuche generieren leider keinen Aufklärungsmehrwert, sondern blähen nur syntaktische Gebilde auf und lassen Konfliktherde/ Protagonisten klein und ungefährlich erscheinen. Das stört. Produzieren Sie doch , wenn Sie schon den Hang zu diesem süffisanten Stil erliegen, Zweitfassungen für den Eulenspiegel (oder tun Sie das sowieso?). Weniger Polemik, mehr Argumentation und faktenreicher Biß - das wäre eine wertvolle Bereicherung der Netz-Streitkultur.

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Jürgen Balitzki
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Zugegeben: Der jüngste Artikel zum Seehofer-Komplex war primär polemisch. Aber in Artikeln wie denen zu Chodorkowski, zur GroKo oder zur Obama-Mandela-Rede finde sich allemal mehr Fakten als der Mainstream hergibt und nicht selten auch mehr als...

Zugegeben: Der jüngste Artikel zum Seehofer-Komplex war primär polemisch. Aber in Artikeln wie denen zu Chodorkowski, zur GroKo oder zur Obama-Mandela-Rede finde sich allemal mehr Fakten als der Mainstream hergibt und nicht selten auch mehr als bei andern Sites.

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Uli Gellermann
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Wie immer grandios, lieber Uli!

Danke dafür, dass Du dieses Thema aufgegriffen hast.

Und auch von mir die große Bitte: mach´ kommendes Jahr weiter so. Stoff für Artikel wird es mehr als genug geben... ;-)

Julie Engel
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Wir sollen unsere Sozialkassen für die Bulgaren und Rumänen leeren. Da kann mir Europa gestohlen bleiben!

Gerd Lederer
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Europa wurde schon gestohlen: Von den Banken, von der Eurokratie, von denen, die über die Köpfe regieren.

Uli Gellermann
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Danke für die Artikel des letzten Jahres. Weiter so.
Nun kann ich dir nur noch einen "Guten Rutsch" wünschen

Strenge dich also an.

Ingo Engbert
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Seit Jahren verfolge ich Ihre Arbeit und kann nur sagen: Verdienstvoll, unterhaltsam und aufklärend. Danke.

Marina Ostendorf
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Die RATIONALGALERIE ist ein Überlebensmittel. Weiter so!

Wolfgang Behringer
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Wenn Sie ihre bestellten Lobeshymnen abgearbeitet haben, können Sie ja auch meine Meinung veröffentlichen: Sie sind dogmatisch und überflüssig.

Christian Wenger
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Dem Rationalgaleristen ein gutes Jahr, seinen Lesern Aussicht auf weiteren Denk-Stoff.

Hannes Schwedler
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ZUM LESERBRIEF VON JÜRGEN BALITZKI

Wie kann man nur einen so hirnrissigen Vorschlag machen wie Leser Balitzki, dass ein Autor SEINEN STIL wechseln oder sich bei ANDEREN PRINTMEDIEN verdingen soll?

1) Ein Autor zeichnet sich doch genau durch...

ZUM LESERBRIEF VON JÜRGEN BALITZKI

Wie kann man nur einen so hirnrissigen Vorschlag machen wie Leser Balitzki, dass ein Autor SEINEN STIL wechseln oder sich bei ANDEREN PRINTMEDIEN verdingen soll?

1) Ein Autor zeichnet sich doch genau durch seinen eigenen STIL aus und wechselt diesen ganz sicher nicht, wenn er immer wieder über die gleichen Malaisen schreibt, die er in der Politik, der Wirtschaft und der Kriegslüsternheit vorfindet. -- Erläuterung für Leser Balitzki: Der Begriff Malaise bedeutet bildungssprachlich Missstimmung, Missmut, Unbehagen, Misere, Situation, die absolut nicht zufriedenstellend ist.

2) Ein Journalist, der für viele Medien gearbeitet hat und sich nun die Freiheit nimmt eine eigene, nicht dotierte, Webseite zu unterhalten, um endlich so zu schreiben wie er es für richtig hält, wird sich nicht wieder in fremde Fron-Arbeit zurückbegeben.

3) Ihr Vorwurf: "Ihre satirischen Versuche generieren leider keinen Aufklärungsmehrwert, sondern blähen nur syntaktische Gebilde auf und lassen Konfliktherde/ Protagonisten klein und ungefährlich erscheinen." -- Lesen Sie doch einfach mal die anderen Leserbriefe und Sie werden erkennen, wie dankbar die meisten Leser für Uli Gellermanns entlarvende Analysen sind, die sonst nur sehr selten im bezahlten MAINSTREAM-JOURNALISMUS zu finden sind.

4) Ihr Vorwurf: "Das stört." -- Bestellen Sie doch einfach DIE RATIONALGALERIE ab! Dann gewinnen Sie zwar keinen finanziellen Vorteil, dafür aber Erkenntnis-Verluste.

5) Für das Neue Jahr wünsche ich Leser Balitzki, er möge "eine wertvolle Bereicherung der Netz-Streitkultur" woanders finden.

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Angelika K. Steinkopff
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