Steinbrück hat Fertig

Stakkato des Stumpfsinns

Autor: Wolfgang Blaschka
Datum: 15. April 2013

Die SPD hat einen neuen Slogan.
Der ist von einer Leiharbeitsfirma:
http://www.propartner.net/

Es ist erreicht. Der Gipfel naht. Es ist vollbracht. Steinbrück macht Wahlkampf. Mit drei Wörtern: "Das Wir entscheidet". Das ist Erkenntnis. Das ist Einsicht. Botschaft ans Wahlvolk. Ein echter Slogan. Ein glatter Hit: Steinbrück kann Werbung. Es ist phänomenal. Sowas macht Literatur. In Stein gemeißelt. Gebröckelt und zerstückelt. Fast wie Bergwerk. Grundlegend und unterirdisch. Wuchtig, kantig, schlicht. Worte wie Hammerschläge. Wörter vom Setzbaukasten. Klingt beinahe sachlich: Ganz formal demokratisch. Hat aber Stallgeruch. Tönt fast proletarisch. Meint aber Ausbeutung. Kommt von Zeitarbeit. Ist einfach geklaut. 
 
Von den Sklaventreibern. Einfach so übernommen. Ist irgendwie übergekommen. Ist so untergekommen. Eins, zwei, drei! Vermantscht zu Brei. Drei Worte Müll. Stakkato des Stumpfsinns. Was meinen Steinbrück? Was ist Wir? Wer entscheidet was? Wer meint wen? Woher kommt das? Ist es Volksgemeinschaft? Ist das SPD? Oder blanker Unsinn? Ahnungslos und sinnentleert. Oder gar Absicht? Steinbrück als Volkstribun. Kommt ins Haus. Zu den Wählern. Sagt dann bloß: "Hallo, Peer Steinbrück. Ja, ganz peersönlich. Darf ich mal? Nur ganz kurz. Bald ist Wahl. Also mal ernsthaft: Das Wir entscheidet. Wählen Sie mich". Ich bin Wir. Wir machen das. Ich regiere Sie. Verlassen Sie sich! Aus die Maus. Dann verschwindet er. Mitsamt der Stimme. Vier Jahre Warten. Bis zur nächsten Wahl. So geht Parlamentarismus. Mit einem Werbespruch. 
 
Subjekt und Prädikat. Mehr muss nicht. Knapper geht's kaum. Banaler gelingt's nicht. Für Wähler reicht's. Es muss reichen. Sollte es zumindest. Tut es das? Die SPD grübelt. Die Zeitarbeitsfirma grollt. Ihr schöner Slogan. Umschreibt ihr Programm. Vernebelt ihren Menschenhandel. Schon seit Jahren. War durchaus werbewirksam. Aber nicht geschützt. Nicht markenrechtlich eingetragen. Steinbrück bleibt stur. Er hängt daran. Nur nicht nachgeben. Immer feste vorwärts. Runter im Niveau. Rein ins Vergnügen. In die Unmöglichkeit. Nur kein Parteichinesisch! Bloß keine Aussagen! Peer, der Steinbrück. Steinbrück, der Unglaubliche. Bis zur Unglaubwürdigkeit. Steinbrück, das Wir. Das ist volkstümlich. Mal Kante zeigen! Sagen, was ist! Alles ist gaga. Peer spricht dada. Teletubbies auf Stimmenfang. Es ist clownesk!
 
Ob er wohl vor den erlauchten Auditorien der Versicherungen, bei den Banken- und Konzernherrn, die ihn für Zehntausende Vortragshonorar zu ihren erbaulichen Abenden gebucht haben, um sich im Glanze des eventuell künftig Mächtigen zu sonnen, auch so geredet haben mag, in diesem zu schlichten Dreierreih'n zerhackstückelten Gestammel? Vielleicht gar so: "Damen und Herren! Schön bei Ihnen. Bin gern da. Gute Wahl getroffen. Darf Ihnen sagen: Das Wir entscheidet. Generell und immer. In der Wirtschaft. Auch im Leben. In der Politik. Sowie beim Kartenspielen. Wirgefühl entscheidet alles. Es verschleiert vieles. Gerade die Ausbeutung. Verkleistert die Kluft. Wir ist Balsam. Machen Sie das! Es bringt Erfolg. Für die Firma. Von den Mitarbeitern. Auch in Zeitarbeit. Denken Sie Wir. Alles wird gut. Ich danke Ihnen." Vielleicht sogar das. Wer weiß, welche Sätze sich aus drei Wörtern noch zusammenmörteln lassen. Steinbrück ist großartig. Steinbrück kann Kanzler. Steinbrück, der Satzbaumeister. Aber eben auch: Steinbrück hat fertig. 


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 21. April 2013 schrieb Ekkes Frank:

Trotz seiner Rundumbeschäftigung mit Reden vor Unternehmerverbänden und Banken (hoch bezahlt) oder auf dem Parteitag der SPD in Augsburg (nicht so hoch bezahlt) war der KAKA (Kanzlerkandidat) der Sozialdemokraten Peer Steinbrück spontan zu einem Interview (unbezahlbar) mit TRANSDEMOKRATIE bereit - nach zwei Gläsern Pinot Grigio zu je 5,10 €, gestiftet von uns.

TD:
Wäre es vielleicht doch besser gewesen, auf Ihre Äußerung in der ARD „Hätte hätte – Fahrradkette“ zu verzichten?

S:
Wäre wäre – Walderdbeere. Nun ist aber auch gut mit den ewigen Attacken!

TD:
Naja, das hat ja nicht gerade zur Erhöhung Ihrer Umfragewerte beigetragen. Bei den Wählerinnen und Wählern stehen Sie nicht sehr hoch im Kurs...

S: (unterbricht)
Leider leider – Fettabscheider. Aber nun reicht es auch.

TD:
Würde Sie eine weitere Frage wirklich erregen?

S:
Würde würde – Pferdehürde. Aber nu is auch gut! Ich rede doch immer Klar­text. Und ihr Medien habt doch nix im Kopf als...

TD:
(unterbricht) Schon klar: als die ewigen Attacken, für die Sie keinerlei Anlass bieten. Es müsste Sie aber doch nachdenklich stimmen, dass...

S:
(unterbricht) Müsste müsste – Ostseeküste. (zunehmend erregt) Und wissen Sie: ich finde es wirk­lich schade schade Affenwade, dass auch Sie... (steht auf) ach, wissen Sie, Sie können mich... (der Rest des Satzes geht in seinem energischen Abgang unter)


Am 21. April 2013 schrieb Ulli Stang:

"Das Schnabeltier, das Schnabeltier,
vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.
Es sagt nicht mehr: Ich will das Bier!
Es sagt: das Bier, das wollen wir!
Wir wolln´n das Bier, das Schnabeltier!


Am 17. April 2013 schrieb Rolf Johanning:

Rationalgalerie häufig witzig .Heute bißchen platt. Parlamentarismus ist Scheiße. Gellermann tolle Alternative.Blank gezogen-denen mal gezeigt. Toll so ein Blödsinn. Freude auf neue intelligente Ergüsse. Wie immer in Deutschland. Links zerfleischt sich. Besserwisser mit klugem Gehabe. Lieber weiter so. Mit Merkel /Rößler.

Hurra wir leben!

Antwort von U. Gellermann:

Parlamentarismus kann gut sein. Wenn aber - wie im Fall ESM oder Afghanistan - die sog. Opposition keine ist, dann ist Parlamentarismus ganz schön albern. Wir leben: Noch.


Am 17. April 2013 schrieb Wolfgang Blaschka:

Zum Leserbrief von Herbert Wenger:

Werter Herbert Wenger! Wieso unfairer Angriff? Wie denn das? Auf den Steinbrück? Auf sein Motto! Das einer Leiharbeitsfirma. Ausgerechnet diese Branche: Agenten der Agenda! Wie ein Offenbarungseid. Seitens der SPD. Grandios, diese Idee! Untergeschoben und aufgepfropft. Noch dazu geklaut. Vollkommen idiotisch das! Ausgerechnet zum Wahlkampf. Ist doch perfide! Subversion, Selbstentsorgung, Sabotage. Oder etwa nicht? Sklavenhaltersprüche für Sozialdemokraten: Ist das mobilisierend? Finden Sie das? Wieso Steinbrück entlasten? Ihn etwa bestärken? Zu ihm halten? Seine "Dummheit" entschuldigen? Seine Absichten bemänteln? Hat er gepatzt! Wieder und nochmal. Wie so oft. Er patzt dauernd. Welch toller Kandidat! Hat immer Pech. Mögen Sie das? Lieben Sie Provokation? Bevorzugen Sie Pannen? Mögen Sie Stimmenverluste? Wünschen Sie Pleite? Hassen Sie SPD? Hundertfünfzig Jahre Sozialdemokratie: Einfach nochmal weggewischt. In die Tonne. Voll im Eimer. Schmerzt das nicht? Werbung mit Neoliberalismus! Voll die Klassenversöhnung. Hilft das vielleicht?! Sprüche voller Nebelkerzen. Hart am Schwachsinn. Wem nützt das? Bringt das Stimmen? Links der Mitte? Politisch glatt daneben. Verarschung der Leiharbeiter! Brüskierung potenzieller Wähler. Wahlkampf zur Prekarisierung. Der SPD wohlgemerkt. Gefällt Ihnen Selbstmord? Träumen Sie weiter. Wiedersehen am Wahlabend. Sie postmoderner Spezialdemokrat! Wohl heimlicher Merkelfan?! Fahren Sie dahin! Intension nicht verstanden. Falsche Konsequenz gezogen. Zu kurz gedacht. Tut mir leid. War zu kompliziert. So kurze Sätze. Mit drei Wörtern. Ist auch schwierig. Leben Sie wohl. Gruß vom Autor.


Am 16. April 2013 schrieb Katrin Arendt:

Ich vermisse von Jahr zu Jahr schmerzlicher meinen klugen Freund Frank Unger. Umso tröstlicher, dass mir wöchentlich die kritischen Beiträge der Rationalgalerie ins Postfach flattern. Danke dafür!
Katrin Arendt

Antwort von U. Gellermann:

Frank Unger war ein Wissender: Ähnlich wie Sie vermisse ich Ihn sehr. Das gilt nicht nur für seine "Stars & Stripes"-Beiträge in der RATIONALGALERIE. Mir fehlen auch unsere Gespräche und seine Anregungen.


Am 16. April 2013 schrieb Helga Burmeister:

Das Niveau des Kandidaten Steinbrück ist an seiner Replik auf die Kritik an seinem Slogan zu erkennen: "Hätte, hätte, Fahrradkette!" Infantil und geistlos unter dem Mantel eines Witzchens.


Am 15. April 2013 schrieb Udo Sattler:

Ein Artikel, den ich gerne für unser (werberfreies, nichtkommerzielles) Magazin Politropolis übernehmen würde, Ihre Erlaubnis vorausgesetzt.


Am 15. April 2013 schrieb Artur Aschmoneit:

Nur schön!


Am 15. April 2013 schrieb Heidi Schmid:

Zu Steinbrück würden mir auch 3-Wort-Sätze einfallen und dass er sich ausgerechnet bei einer Sklavenbude Werbeworte geklaut hat entlockt mir nicht mal mehr ein Lächeln - wer sagt mir, dass er mit denen nicht klüngelt und ihre Empörung nur nach aussen hin gezeigt ist... ich denke, die Nachkriegsindustrie hat uns Arbeitnehmer ein gutes Leben ermöglicht und als das von Aussen erkannt wurde, erfanden schlaue Köpfe Mittel und Wege, das zu ändern - Negativbeispiele gab es genügend und gibt es überall auf der Welt.
Die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland nimmt dem inzwischen "satten deutschen Volk" die Jobs, Hartz 4 reglementiert alles auf 1 Armutslevel und die Sklavenfirmen verdienen sich dumm und dämlich auf dem Rücken derer, die ums Verrecken von Hartz 4 wieder weg wollen.
Warum wird das ganze System nicht mal überdacht (von denken ist die Rede)... warum müssen wir alle ständig arbeiten? Wozu wurden die Computer und Roboter erfunden, die heute unsere Arbeit machen? Denn die Wirtschaft boomt, die Besitzer der Firmen stinken vor Reichtum, mit dem Unterschied: sie sind noch viel reicher als früher, als sie noch goodwill zeigten und gute Arbeit von zufriedenen Mitarbeitern bekommen wollten...
Es gibt genügend Wasser und Nahrung auf unserer Welt für Alle - aber solange unsere "Weltordnung" bestehen bleibt, wird sich kaum etwas ändern zugunsten einer gerechten Umverteilung.


Am 15. April 2013 schrieb Meret Grossmann:

Solche Botschaften würzen das Frühstück. Danke.


Am 15. April 2013 schrieb Anja Herden:

Wunderbares, intelligentes Kabarett. Aber Steinbrück hilft Ihrem Autor auch heftig.


Am 15. April 2013 schrieb Herbert Wenger:

Ihr unfairer Angriff auf Herrn Steinbrück hat eine klare Konsequenz: Streichen Sie mich umgehend aus Ihrem Verteiler!

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