Da war doch was? Richtig, sie hatte jüngst noch gezuckt die SPD-Leiche. Als immerhin 28 der 193 sozialdemokratischen Abgeordneten im Bundestag NEIN zum Bundeswehr-Einsatz in Syrien sagten. Für einen Moment erinnerte man sich an eine SPD mit einem linken Flügel, an eine SPD, die mal gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik war und auch gegen die NATO-Mitgliedschaft. Doch die kurzen Zuckungen gemahnten nur wenig später an das Huhn, dem man den Kopf abgeschlagen hat und das danach einfach weiter flattert: Auf dem SPD-Parteitag entschied sich dann "eine große Mehrheit" lieber für den Blindflug deutscher Tornados in den Syrien-Krieg. Immerhin, die SPD-Rest-Linke Hilde Mattheis stellte die intelligente Frage: „Wissen wir eigentlich, wie wir aus diesem Konflikt wieder raus kommen?“

Dumpfes Schweigen war die Antwort auf die linke Delegierte. Es wurde von einem lärmenden Versprechen des SPD-Chefs Gabriel übertönt, der vielleicht später abstimmen lassen will, wenn sich deutsche Bodentruppen in die syrische Schlächterei einmischen sollten. Eine Vorahnung hätte die Delegierten beschleichen können: Wenn Gabriel schon jetzt eine Abstimmung über deutsche Panzer in Syrien vorgaukelt, dann ist zwar die Abstimmung noch fern, aber die Bodentruppen sind näher als gedacht. Macht nichts, sagt sich der Durchschnitts-Delegierte, zupft an seiner Krawatte und träumt sich in die nächste Besoldungsgruppe: Ministerialdirigent kann er werden. Das verträgt sich nicht mit Widerspruch.

Wann wir schreiten Seit an Seit wurde auf dem SPD-Parteitag mal wieder gesungen. Was da Seit an Seit schreitet, das ist die sozialdemokratische Partei an der Seite der US-Regierung. Denn die will Deutschland zu gern am Syrienkrieg beteiligen. Das Wahlvolk hat dazu eine verständige Meinung: Mit dem internationalen Kampfeinsatz verbindet nur eine Minderheit (23 Prozent) die Erwartung, dass es gelingen kann, den IS militärisch zu besiegen, gut zwei Drittel (69 Prozent) sehen dafür kaum Chancen. Eine Mehrheit von 64 Prozent erwartet sogar, dass die Terrorgefahr bei uns durch die militärische Beteiligung Deutschlands größer wird. Aber so viel ganz praktische Klugheit durfte man vom SPD-Parteitag nicht erwarten. Auch an die SPD-Wähler dachten die Delegierten lieber nicht.

Nur noch 34 Prozent der Deutschen hielten das TTIP-Unterwerfungsabkommen bei der letzten Umfrage für "eine gute Sache". Und die große alte Dame der SPD, die frühere Justizministerin Däubler-Gmelin, erkennt im scheinbar neuen "Handelsgerichtshof" des Abkommens sogar eine "Parallel-Justiz". Macht nichts, sagt der Vertreter des scheinbar linken SPD-Flügels Ralf Stegner: Zwar sei das Abkommen für manche Kritiker "ein Sinnbild eines ungebremsten Kapitalismus". Aber "Wenn wir die Verhandlungen jetzt abbrechen, wird nichts besser". So denkt das Huhn: Wenn ich jetzt den Kopf auf den Hackklotz lege, geht es zwar ungebremst in den Kochtopf, aber wenn ich das nicht mache, dann werde ich nie vom Besitzer zu Tisch gebeten, selbst wenn es nur als Suppe ist. Da bin ich dann lieber ein Sinnbild des gebremsten Flatterns. Und so stellte der SPD-Parteitag eine "große Mehrheit" auch für das TTIP-Abkommen her.

Ja, es gibt in beiden Fällen auch deutsche Interessen: Die deutsche Waffenindustrie freut sich über jeden Krieg, und nicht wenige in der deutschen Wirtschaftsführung hoffen mit TTIP und CETA auch ihren Löffel besser in die Hühnersuppe tunken zu können. Doch das große Verbraucher- und Soldaten-Schlachtfest findet unter der Obhut der Pax Americana statt, jener Herrschaftsordnung der USA, die mit vielen Kriegen einen blutigen Frieden sichern will, einen Frieden der Unterwerfung. Zum Unterwerfungs-Parteitag der SPD passt dann auch das Wahlergebnis für Sigmar Gabriel: NEIN haben etwa so viel Prozent der Delegierten zu ihm gesagt wie die SPD noch an Wählerstimmen bekommt. Das kann noch weniger werden.

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"Scheinbar links" ist wohl der richtige Ausdruck. Es ist ja wirklich erstaunlich, wie lange sich so etwas halten kann ...

Klaus Madersbacher
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Danke! Wieder mal ist es Ihnen gelungen, einer realen Trauer-Farce wenigstens noch ein satirisches Aufatmen zu entlocken!

Wera Blanke
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Uli Gellermann
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Es ist ekelerregend sich diese Hofschranzen der etablierten Parteien anzutun. Einen Krieg mitzutragen gegen jede Vernunft. Was soll ich sagen? Ein Volk steht nicht auf. Ist es noch so satt. Welches Leid tun wir völkerrechtswidrig den Syrern an?...

Es ist ekelerregend sich diese Hofschranzen der etablierten Parteien anzutun. Einen Krieg mitzutragen gegen jede Vernunft. Was soll ich sagen? Ein Volk steht nicht auf. Ist es noch so satt. Welches Leid tun wir völkerrechtswidrig den Syrern an? Wir sind Mittäter. Ich schäme mich so sehr.

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firebib bracke
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Denke ich an die SPD dann fallen mir 4 Namen ein: Nahles, Annen, Nietan und Michele Muente. Die 4 representieren die SPD auf Ihre Art u Weise: Nie einen Beruf gelernt, durch Listenplatz oder Konkubinat an die Futtertroege der Macht gelangt und...

Denke ich an die SPD dann fallen mir 4 Namen ein: Nahles, Annen, Nietan und Michele Muente. Die 4 representieren die SPD auf Ihre Art u Weise: Nie einen Beruf gelernt, durch Listenplatz oder Konkubinat an die Futtertroege der Macht gelangt und von diesen mit demokratischen Mitteln nicht mehr zu vertreiben. Annen u Nietan mit dem rechtskonservativen faschistoiden Gedankengut - Blut der US Konservativen tief besudelt. Dieses Pack verunstaltet unsere Aussenpolitik und tritt unser wunderbares GG permanent mit Fuessen.
Die Vorfälle der letzen Jahre und Monate zeigen einen rapiden Werteverlust innerhalb der SPD. Der fast senkrechte Verfall dieser ehemals so stolzen Volkspartei ist kaum noch aufzuhalten.
Um diesem Verfall auch namentlich ein Gesicht zu geben hat NIE WIEDER SPD sich Gedanken gemacht ob der Name SPD ? Sozialdemokratische Partei Deutschlands ? noch zeitgemäß ist und nicht nicht besser geändert werden sollte.
Nach nächtelangen Sitzungen sind wir zu dem Schluss gekommen einen Namenswettbewerb durchzuführen. Dabei sollen die Bürger über einen neuen Namen der Partei abstimmen. Es werden von unserer Seite 4 Vorschläge zur Abstimmung vorgelegt.

Variante #1 SPD = Schmarotzer Parasiten Dilettanten ?
Variante #2 SPD = Schleimer Proleten Drückeberger ?
Variante #3 SPD = Schwadroneure Penner Demagogen ?
Variante #4 SPD = Schildbürger Plünderer Doppelmoralisten ?

Intern schwanken wir noch zwischen #1 und #4. Ihre Wahl können Sie uns mit einer E-Mail an NIE_WIEDER_SPD@NSA.com mitteilen, einfach die Nr. der Variante angeben.

NIE WIEDER SPD n.e.V.
Mündige Bürger des Landes
gegen Politikschmarotzer, Politiksozialkassenplünderer und Politbücklinge

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joe bildstein
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Kriegskredite 1914

wenn die vaterlandlosen gesellen das deutsche
vaterland verteidigen zu sollen erklären
am hindukusch oder an anderen stellen
der welt zu land in der luft auf den meeren

wenn sie den stahlhelm übers kleinhirn
stülpen und gepanzerte...

Kriegskredite 1914

wenn die vaterlandlosen gesellen das deutsche
vaterland verteidigen zu sollen erklären
am hindukusch oder an anderen stellen
der welt zu land in der luft auf den meeren

wenn sie den stahlhelm übers kleinhirn
stülpen und gepanzerte schutzwesten
tragen todesdrohungen auf die stirn
gemalt mit martialisch wütenden gesten

freiheit beschwören und westliche werte
dass alle gleich seien auf dieser erde
wenn sie eure söhne zu opfern verlangen

dann erinnert euch einmal doch wieder daran
dass sie schon früher verrat hatten begangen
an uns und an dir kleine frau kleiner mann

Aus: Schutzschirmsprache. Bremen: Sujet Verlag 2010, S. 53

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Rudolph Bauer
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Der Soziologe Max Weber sah die SPD schon zu Weimarer Zeiten vom "Beamteninstinkt" durchsetzt. Schon lange ist auch die kapitalistische BRD "ihr" Staat. Der nach der "Wende" nun auch "Verantwortung übernehmen" müsse. "Süßer die Waffen nicht...

Der Soziologe Max Weber sah die SPD schon zu Weimarer Zeiten vom "Beamteninstinkt" durchsetzt. Schon lange ist auch die kapitalistische BRD "ihr" Staat. Der nach der "Wende" nun auch "Verantwortung übernehmen" müsse. "Süßer die Waffen nicht klingen", frei nach Dieter Süverkrüpp. Es ist zum Verzweifeln.

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Johannes M. Becker, PD Dr.
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Verrat und Niedergang der SPD sind nur ein Symptom des Niedergangs des Parteiensystems, das die Demokratie zur Oligarchie deformiert hat. Die Parteien durchsetzen die Gesellschaft bis in alle Wi8nkel und heben die Unabhängigkeit der Organe und...

Verrat und Niedergang der SPD sind nur ein Symptom des Niedergangs des Parteiensystems, das die Demokratie zur Oligarchie deformiert hat. Die Parteien durchsetzen die Gesellschaft bis in alle Wi8nkel und heben die Unabhängigkeit der Organe und ihre Kontrolle auf. Sie sind zerstörendes Gift der Demokratie.
Siehe:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2015/11/18/das-verhaengnis-der-politischen-parteien/

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Herbert Ludwig
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Uli Gellermann
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Dr. Yavuz Özoguz, (Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)hat eine Initiative zu einer "Anzeige wegen Vorbereitung eines Angriffskrieges" ins Netz gestellt, die er auch über die RATIONALGALERIE veröffentlichen will:

Sehr...

Dr. Yavuz Özoguz, (Wissenschaftlicher Leiter der Enzyklopädie des Islam - eslam.de)hat eine Initiative zu einer "Anzeige wegen Vorbereitung eines Angriffskrieges" ins Netz gestellt, die er auch über die RATIONALGALERIE veröffentlichen will:

Sehr geehrte Leser,

da meine Wenigkeit nicht tatenlos zusehen kann, wie meine Heimat Deutschland in einen Angriffskrieg verwickelt wird und – Gott bewahre – auch für den dritten Weltkrieg mitverantwortlich wird, habe ich in Anlehnung an ähnliche Texte im Internet eine etwas ausführliche Strafanzeige formuliert. Sie wurde am Mi. 9.12.2015 um 15:30 eingetütet und als Einschreibebrief versendet. Auch jetzt noch ist das Eintragen in die Liste möglich, denn im Beibrief wird auf die Internetliste verwiesen! Falls sich jemand der Strafanzeige anschließen möchte, kann er dies tun, indem er uns eine Mail zukommen lässt (delfrieden@mmnetz.de) mit vollständigem Namen, Adresse und Beruf, damit wir ihn in die Liste der Unterzeichner mit aufnehmen.
Beste Grüße
Dr. Yavuz Özoguz

Der Anzeige haben sich bisher mehr als 600 Menschen angeschlossen. Ausriss aus der Unterschriftenliste:
Abdul Hadi Ballout (Kfz-Mechaniker)
Adnan Reda (Qualitätsplaner, Maschinenbaustudent)
Adriatik Muqa (Schüler)
Afzal Ali Naqvi (Systemanalytiker i.R.)
Ahmad Abbas (Student)
Ahmad Elias Mehrsad (Medizinstudent)
Ahmad Ghazi (Betriebswirtschaftler)
Ahmad Halawe (Student)
Ahmad Hayek (KFZ-Einzelhändler)
Ahmad Mrad (Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik)
Ahmet Karahan (Disponent)
Aida Neffati (Familienmanagerin)

Und viele mehr. . .

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Uli Gellermann
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ich habe veröffentlicht:
Zitat:
"Der Bundesparteitag der SPD ist mit einem Signal der Unterstützung für Parteichef Sigmar Gabriel zu Ende gegangen. Gegen heftigen Widerstand vor allem der SPD-Linken billigten die Delegierten in Berlin mit...

ich habe veröffentlicht:
Zitat:
"Der Bundesparteitag der SPD ist mit einem Signal der Unterstützung für Parteichef Sigmar Gabriel zu Ende gegangen. Gegen heftigen Widerstand vor allem der SPD-Linken billigten die Delegierten in Berlin mit deutlicher Mehrheit einen Antrag des Parteivorstands zu den umstrittenen transatlantischen Handelsabkommen TTIP und Ceta. Der Beschluss stützt den Kurs Gabriels, den Abschluss der Abkommen anzustreben, dafür aber Bedingungen zu stellen."
Zitat Ende
Quelle:
https://de.nachrichten.yahoo.com/spd-parteitag-debattiert-über-freihandel-europapolitik-074045170.html

Ich kann nicht sagen, wie oft diese SPD ihre eigenen im Namen verankerte Ziele wie „sozial" und „demokratisch" missachtet hat, aber es sind viele Fakten dazu bekannt.
Der Parteitagsbeschluss zu TTIP setzt dies weiter fort, aber eigenartiger Weise ist die SPD Regierungspartei, zweitstärkste Kraft in der BRD, bei "demokratischen Wahlen" von den Wählern erkoren ? da sehe ich mehr als Widersprüche!

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Andreas Krödel
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Dreiviertel der Delegierten haben das so beschlossen - und nun machen wir das so. Und deswegen nehme ich die Wahl an, liebe Genossinnen und Genossen? (er hat wahrhaftig "Genossinnen und Genossen" gesagt). Danach drehte er sich flugs um, ohne...

Dreiviertel der Delegierten haben das so beschlossen - und nun machen wir das so. Und deswegen nehme ich die Wahl an, liebe Genossinnen und Genossen? (er hat wahrhaftig "Genossinnen und Genossen" gesagt). Danach drehte er sich flugs um, ohne einen Dank an seine "Wählerinnen und Wähler" und zeigte ihnen den Arsch, und damit, was er nun wirklich von ihnen hielt - nämlich gar nichts. So reagieren eitle Diven nun mal, wenn ihnen Liebesentzug zuteil wird. Ganz abgesehen von dem larmoyanten Geheul, als eine Delegierte es wagte berechtigten Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit zu formulieren.
Aber das Ergebnis dieses Parteitages allein auf das Handeln eines eitlen, arroganten, geradezu diktatorisch agierenden Fleischklops zu reduzieren wäre oberflächlich. Man muß konstatieren: wenngleich fast ein Viertel der Delegierten dem Gabriel die Zustimmung versagte: Der imperialistische Flügel in der SPD hat sich durchgesetzt.
Dieser Flügel hat beschlossen:

- für eine Teilnahme an einem weiteren Nah-Ost-Krieg
- für die Datenschutzvorratsspeicherung
- für die Freihandelsabkommen CETA und TTIP
- für Rüstungsproduktion und entsprechende Exporte
- für die Abstrafung eines nach Demokratie strebenden Griechenland
- für das "besorgte Bürger"-Verstehen
- für Flüchtlingsabwehr
- gegen (ja, tatsächlich auch mal gegen was) Reichensteuer

Da sagt Gellermann völlig richtig: "der Durchschnitts-Delegierte, zupft an seiner Krawatte und träumt sich in die nächste Besoldungsgruppe".
Vielleicht, aber da habe ich gegenwärtig nur wenig Hoffnung, setzt sich eines Tages Lothar Dombrowski, alias Georg Schramm doch noch durch und bildet erfolgreich den "Arbeitskreis Sozialdemokraten in der SPD". Doch, liebe Sozialdemokraten aus "diesem Elend Euch zu erlösen könnt Ihr nur selber tun". Ihr kennt doch dieses Lied noch - oder??

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Peter Lind
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