Kapitalismus rettet Flüchtlinge

Ein schädliches Placebo aus dem Kanzleramt

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. August 2016

Er wird in die Geschichte eingehen, der 14. September 2016. Denn an diesem Tag treffen die wichtigsten deutschen Konzernchefs im Kanzleramt auf Angela Merkel, um über die Flüchtlinge und darüber, wie man die denn schaffen kann, zu beraten. Um Lehrstellen ginge es, und um Jobs, vertraute uns die BILD-Zeitung an, ein Blatt der Merkel-Freundin Friede Springer. Fraglos treffen sich hier die Richtigen: Konzerne wie Siemens, Evonik, Opel, RWE und VW gehören zu denen, die überall in der Welt Rohstoffe so billig einkaufen, dass es die heimische Bevölkerung teuer zu stehen kommt und sie lieber ihren Rohstoffen hinterher flüchtet. Natürlich will die Merkel nicht über die brutale Vernichtung der Lebensgrundlagen der Geflohenen reden. Auch ist sie geschickt genug, keinen Vertreter der Rüstungsindustrie einzuladen, aber die Deutsche Bank am Merkel-Tisch reicht schon: "Die Deutsche Bank kennt kaum Skrupel und unterhält zu fast allen großen Rüstungskonzernen (...) Geschäftsbeziehungen: Dazu zählen auch acht der zehn weltweit größten Waffenhersteller, die allesamt in die Herstellung von Atomwaffensystemen verstrickt sind und Rüstungsgüter in Krisengebiete exportieren (...) oder an Staaten liefern, die Menschenrechte missachten." Das schreibt der Verein FACING FINANCE in seiner Studie „Die Waffen meiner Bank“. Eine Analyse, die Frau Merkel nicht lesen darf: Ihre Lügen über die Fluchtursachen wären nicht mehr ganz so überzeugend.

Er wird in die Geschichte eingehen, der 14. September 2016. Denn der Verein „Wir zusammen“, die Integrationsintiative der deutschen Wirtschaft, erhält im Kanzleramt seine höheren Weihen. Genauer: Die Verursacher dürfen den Opfern ihres Tuns öffentlich Placebos überreichen. Denn natürlich findet sich die wesentliche Flucht-Ursache in der Spaltung der Welt in Arm und Reich. Und ebenso selbstverständlich werden die Reichen eine Medienöffentlichkeit finden, die Ihre Brosamen ehrfürchtig als große Wohltaten verkaufen wird. Ralph Dommermuth zum Beispiel, Initiator der „Integrationsintiative“ und Internet-Unternehmer – er wird auf ein Vermögen von 4,2 Milliarden Dollar geschätzt – hatte aus seiner privaten Westentasche mal 20 Millionen Euro für die Teilnahme eines deutschen Bootes beim America’s Cup auf den Protz-Tisch deutscher Unternehmer gelegt. Wer jetzt rechnet, was man für 20 Millionen alles an Flüchtlingshilfe leisten könnte, der rechnet klein. Groß gerechnet sind die Löhne, die andere Wohltäter, wie die Hugo Boss AG, an potentielle Flüchtige in ihren Heimatländern spenden: In der Türkei zum Beispiel zahlt das Modeunternehmen ganz elegant kaum die Hälfte des dort vorgeschrieben monatlichen Mindestlohnes von 1002 Euro.

Der Boss-Gründer, Hugo Ferdinand Boss, kannte sich mit Fremdarbeitern aus: Der bekennende Nationalsozialist beschäftigte während der Hitlerzeit Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa. Das musste er, sonst hätte er die vielen Uniformen für SA, SS, Wehrmacht und HJ nie pünktlich liefern können. Von solcher Vergangenheit wollen auch die Manager der Evonik Industries AG, am Tisch der Merkel, nichts wissen. Heißt ihr Konzern doch inzwischen nicht mehr „Degussa“, denn der war einst mit der Produktion von Zyklon B, beschäftigt, mit dem dem Häftlinge in Auschwitz vergast wurden. Danach wurde dann das Zahngold der Juden umgehend an die Schmelzöfen der „Deutschen Gold- und Silber-Scheideanstalt (Degussa)“ zur Weiterverarbeitung geliefert. Zu solch brutalen Profiteuren des Nazi-Regimes gehört auch die Familie Haniel, die als Franz Haniel & Cie. GmbH in der Flüchtlingsinitiative sitzt. Rund 4.000 Zwangsarbeiter könnten das belegen, wenn sie denn noch lebten. Einer der Konzern-Gründer, der deutschnationale Karl Haniel, war ein Sponsor Hitlers und wußte über die Nazis zusagen: „Man müsse nunmehr auch die guten Seiten des Nationalsozialismus anerkennen. Für das Ruhrgebiet bedeute der Nationalsozialismus die Erlösung von dem Kommunismus.“

Erlösungen aller Art wird am 14. September 2016 im Kanzleramt eher nicht besprochen werden. Aber vielleicht statten die Haniel-Beauftragten der Kanzlerin ihren Dank für die Endlos-Verschleppung der Erbschafts-Steuerreform ab. Immerhin zählen die Haniels zu den zehn reichsten deutschen Unternehmerfamilien. Das Vermögen der Dynastie beläuft sich auf rund 6,5 Milliarden Euro. Die Erbengemeinschaft besitzt Anteile an 800 bis 900 Unternehmen. Ihr Gesamtumsatz wird für 2014 mit 3 944 Milliarden Euro angegeben. Da wurde ordentlich was gespart, wenn man an den schönen Erbschaftsteuer-Rabatt denkt, den CDU und SPD dieser und anderen Sippen seit Jahren gewähren. Auch die Familie Voith – sie gehört heute zu den reichsten Familien Deutschlands, das Vermögen der etwa 40 Inhaber des Weltkonzerns ist laut Schätzung des „Manager Magazins“ 2012 auf 3,2 Milliarden Euro gestiegen – darf sich bei der Merkel bedanken und sicher sein, dass im Kanzleramt nicht über die wirklichen Fluchtursachen geredet wurde.

Rund fünf Millionen Menschen leben in Deutschland von Hartz 4. Und natürlich sehen sich viele von ihnen in Konkurrenz zur den Flüchtlingen: Auf dem Arbeitsmarkt, dem Wohnungsmarkt und auf dem Markt der Almosen. Wer Flüchtlingen und Arbeitslosen Arbeit verschaffen wollte, der müsste nur die Arbeitszeit senken. Allein die mehr als eine Milliarde an jährlichen Überstunden weisen auf ein dickes Arbeitszeitpolster hin. Längst ermöglicht die Arbeitsproduktivität eine deutlich kürzere Arbeitszeit. Und eine kürzere Arbeitszeit ergäbe deutlich mehr Stellen. Aber woher sollten dann die kostspieligen Hochsee-Yachten kommen? Dann doch lieber Placebos, wie sie die Siemens-Personalchefin Janina Kugel anbietet: Der Elektrokonzern habe 100 Praktikums-Stellen geschaffen und 66 Flüchtlinge zur Vorbereitung auf eine mögliche Ausbildung in Förderklassen eingestellt. Allein die bekannt gewordenen schwarzen Kassen des Siemenskonzern waren mit 1,3 Milliarden Euro gut genug gefüllt, um viele weitere Stellen zu schaffen. Was Siemens die eifrige Lobby-Arbeit von Joschka Fischer und der ehemaligen US-Außenministerin, Madeleine Albright, kostet, ist unbekannt. Obwohl man deren Unterhalt durchaus folgerichtig für die Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien verwenden sollte. Schließlich waren beide an der Zerschlagung des Landes erfolgreich beteiligt.

Der 14. September 2016 wird in die Geschichte eingehen. Als jener Tag, an dem im Berliner Kanzleramt eines der größten und schädlichsten Placebos Deutschlands hergestellt wurde. Die beschwichtigende Illusion des Grundgesetz-Artikels 14, der tatsächlich die Verpflichtung des Eigentums zum „Wohle der Allgemeinheit“ verspricht, wird groß an die Wand der Republik gemalt werden. Dass im selben Artikel auch „eine Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit“ für zulässig erklärt wird, ist in Vergessenheit geraten. Dabei wäre genau hier jene Rezeptur zu lesen, die Heilung statt Verklärung erreichen könnte.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. August 2016 schrieb altes Fachbuch:

@Alfred Matejka
pauschalierungen und verallgemeinerungen verbieten sich im allgemeinen, da geb ich ihnen recht. und so wird es sicher auch erfolgreiche gewerkschaften geben, die sich um IHR klientel kümmert.
ob ich die als ausnahmen bezeichnen kann, fehlt mir statistisches material.
ABER:
- unbestritten ist doch der rückgang der gewerkschaftlichen erfolge weithin sichtbar. nicht bei den leuchttürmen auto-, chemie- und elektroindustrie, der öffentliche dienst!!! aber dann war es das auch schon fast!
- unbestritten ist die mitwirkung der gewerkschaften bei der einführung der agenda 2010.
- unbestritten ist sogar deren mitwirkung an der zweiklassen-beschäftigung (siehe 5000 für 5000, siehe zulassen von zeit- und leiharbeit in tarifbetrieben....)
- unbestritten ist das hinnehmen der weiteren zersplitterung von berufsgruppen und damit auch der gewerkschaften
- unbestritten ist damit, dass die gewerkschaften ihren teil bei der entsolidarisierung innerhalb der arbeitnehmerschaft leisten!!!

gewerkschaften, die so funktionieren, sind nicht vertreter aller arbeitnehmer!!

das wort "arbeitnehmer" gefällt nicht??
im krieg das 1% gegen 99% erfordert einigkeit und nicht zersplitterung.
der krieg lautet arm gegen reich, da ist mir wurscht, wie meine gefährten ihren stand nennen!!
um mit marx zu sprechen: proletarier aller länder vereinigt euch!!


Am 17. August 2016 schrieb Alfred Matejka:

altes Fachbuch und Uli, jetzt muss ich doch noch mal ein paar Zeilen schreiben.Es gibt immer noch Gewerkschaften. Macht braucht Gegenmacht ist nicht mehr die Losung.Unterordnung unter den Neoliberalismus ist die gängige Praxis der "Führungen" sowie der Mitglieder,mit Ausnahmen.Und die Ausnahmen sind wir und wir werden weiter kämpfen,weil wir auch immer noch wissenschaftlich eine Grundüberzeugung haben.
Arbeitnehmer und Landwirte,nehmt die Gewehre.......wie hört sich das denn an.Ich kann den Begriff Arbeitnehmer nicht mehr hören und lesen.Bis zu den Spitzen der sog.Linken. Haltet euch doch bitte an die alten und guten Arbeiterlieder. Das heißt: Arbeiter und Bauern, nehmt die Gewehre........Noch eins: Wenn im Tarifvertrag steht:die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 35 Stunden in der Woche, dann ist das genauso wie der Artikel 14 im GG.Wenn sich keiner dran hält bis auf ein paar wenige Betriebsräte, dann werden halt millionenfach Überstunden in den Betrieben gemacht .Der Betriebsrat hat volle Mitbestimmung bei der Arbeitszeit, will heißen, Schichtmodelle mit 35 Stunden /Woche sind machbar. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. In diesem Sinne freue ich mich auf einen neuen Kommentar von Uli in dieser Nacht.(Ist übrigens Vollmond,dass kann ja was werden.)


Am 17. August 2016 schrieb altes Fachbuch:

@ u.gellermann
die absichten habe ich sehr wohl so erkannt, und billige sie auch als sozial gerechtfertigt und eher gute forderungen!!
ABER: die teilung von arbeitszeit- und arbeitsplätzen bedeutet sicher auch eine teilung der einkünfte. schon jetzt gibt es frauenberufe oder -betriebe (bäckereien, kitas, lehrer), wo sich 3 beschäftigte von 2 stellen arbeitszeit und -lohn teilen müssen!!

wie weit ist die linderung der hartz-sklaverei weg von einer "heilung" des kapitalismus??
manchmal gehört zur heilung, dass der schorf runter muss!! und ich schlage noch mal den bogen zur fähigkeit und sinnhaftigkeit der resozialisierung der republik!

die guten absichten des autoren bleiben unbestritten, einen anspruch auf besserwisserei erhebe ich nicht!

Antwort von U. Gellermann:

Einmal, als es noch Gewerkschaften im Land gab, da hatten die eine Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Aber das war vor der Agenda 20/10.


Am 17. August 2016 schrieb altes Fachbuch:

Ich wollte, dass ich auch so viele schöne worte in eine logische reihenfolge setzen könnte, um lesenswerte und aufklärerische sätze zu formulieren, wie der galerist!!
also übe ich noch ein bisschen;)

ein placebo also geht um! die "wir schaffen das"-kanzlerin trommelt getreue zusammen, um medienwirksam VOR den landtagswahlen einen aktionismus zu präsentieren, der sich NACH den wahlen als heiße luft erweisen wird. der wirtschaft wird eine selbstverpflichtung "abgerungen" und gleichzeitig die künftigen kröten als gegenleistung besprochen. die deutsche bank mit ihrer neuen rentenforderung macht es vor!
sehr interessant, was der galerist da als historisches material zu den teilnehmern recherchiert hat. aber auch erschütternd, dass da eine kontinuität über weltkriege hinweg besteht!!

was soll dieser placebo?

natürlich soll er vorspielen, dass man sich um die flüchtlinge kümmert, dass diese auch integrationswillig sind, dass man leistungsfähig ist dieses zu stemmen, dass ein vorbildliches soziales und integrationsnetzwerk besteht, dass die deutsche gesellschaft anders als in vorzeiten weltoffen und helfend in humanistischen krisen ist.

natürlich soll er vorgaukeln, dass das freiheitlich-demokratische, das rechtstaatliche und sozioökonomische system funktioniert und zum wohle der menschen aller couleur ausgerichtet ist!!

und natürlich soll er vorgaukeln, dass das WIR dieses land befähigt, nicht nur im fußball weltmeister zu werden. auch dafür haben WIR ja nun ein weißbuch;)

und natürlich bekommen die "eliten" im zeitalter von diskussionen um erbschaftssteuer den persilschein, dass die eigentümer allgemein wohltätig engagiert sind, und dafür entlastung und ein ende der neiddebatte geboten sind!!

nun wirken ja placebos nicht!! es ergibt sich also die notwendigkeit, solche scheinmittel für immer weitere themenkreise in immer schnelleren zyklen dem wahlvolk zu verkaufen. der drops wird bald sauer schmecken!!

reift aber auch die erkenntnis, dass man artikel 14 GG zur heilung, wie der galerist es formulierte, nutzen wird??

und ist die überlegung, durch einkommensverteilung den folgen der erhöhten arbeitsproduktivität die spitzen zu nehmen und verbesserungen für mehr arbeitnehmer zu erzielen nicht auch ein placebo??

Antwort von U. Gellermann:

Der Galerist erwägt nicht primär eine Einkommens- sondern eine Arbeitsplatz-Verteilung. Und auch nicht zur Heilung des Kapitalismus, sondern zu Linderung der Hartz-4-Sklaverei.


Am 16. August 2016 schrieb Thomas Hohnerlein:

Große Klasse, Uli, stilistisch wunderbar geschrieben, wieder mal außergewöhnlich gut (zumal für die Verhältnisse des heutigen Journalismus) recherchierter Hintergrund, Tiefgang, Biss, Polemik. Millionen müssten das lesen. Besonders schön, sofern der Begriff in diesem Kontext passt: die den Rohstoffen Hinterherflüchtenden.


Am 16. August 2016 schrieb Hans Rebell-Ion:

"WIR SCHAFFEN DAS!" ... wir KAPITALISTEN und wir in deren Namen "ReGIERenden" schaffen die KRIEGE, die TOTEN und die FLÜCHTLINGE!!!
Schafft das Unheil-Pack ab! ... oder "die" schaffen die MENSCHHEIT ab!!!


Am 16. August 2016 schrieb Anke Zimmermann:

Ein schädliches, nein auch ein schändliches Placebo: Gute Nazis, schlechte Nazis - hat mich schon immer an Deutschland gestört.
Asylanten in der Hand von Kapitalisten, willkommen im Club. Hier unten verunsicherte Sozialarbeiter, bloß nichts falsch machen, viele raunen Traumatherapie...... - ist Esoterik. Ein Narrativ...... ist Esoterik, wo sind die Realpoltiker?


Am 15. August 2016 schrieb Uwe Reger:

Frau Merkel lebt außerhalb der Geschichte. Sie ist auf ihr eigenes kleines Schicksal konzentriert. Zusammenhänge von Eigentum und Unrecht, wie sie bei Gellermann zu lesen sind, hat sie mit Ihrer DDR-Vergangenheit (dort konnte man ja solche Zusammenhänge nachlesen) abgestreift. Die Dame badet in ihrem Aufstieg und will die scheinbare Machtfülle so lange genießen wie möglich. Zwar schaut das Publikum zunehmend zweifelnd zu. Aber da es selbst tätig werden müsste (Gellermann nennt es in seinem Kommentar zum Artikel 14 GG "Aufforderung zur Ungeduld") ist der Zweifel allein nicht produktiv. Und wer sich die organisierte politische Landschaft anschaut, der weiß woher die Untätigkeit kommt. Von SPD und GRÜNEN mag man ja gar nicht reden. Aber die Linkspartei tritt auch (fast) nur noch mit dem Wunsch nach einer Regierungsbeteiligung auf. Das wäre sicher gut für die Rente der linken Parlamentarier. Was es sonnst nützen soll kann keiner sagen. Regierung ist meist eine über Regierte. Eine Anleitung zur Selbstermächtigung ist nirgends zu sehen. Obwohl: Der erste Schritt zur Selbstermächtigung liegt in der Analyse. Dazu leistet der vorliegende Artikel einen Beitrag.


Am 15. August 2016 schrieb Reyes Carrillo:

Ebenso geschätzter Herr Ebel, ich erlaube nur zu gern... - und danke Ihnen vor allem für Ihre notwendigen Ergänzungen! Sie haben völlig Recht, die Galerie ist weit mehr als ein bloßes Therapeutikum - sie ist der Flug übers Kuckucksnest!


Am 15. August 2016 schrieb Manfred Ebel:

Geschätzte Frau Carrillo, Sie erlauben sicher die Erweiterung, dass der liebe Galerist über die therapeutische Wirkung hinausgeht. Ja, es ist Genugtuung und Rückenstärkung. Übrigens sind es auch die meisten Kommentare. Man kann noch sowas wie Gemeinschaft fühlen, wo einem doch in Alltagsgesprächen oft die Augen vor Zorn oder Ungläubigkeit heraustreten.
Uli orientiert aber darüber hinaus auf Wesentliches, beschreibt ungedachte Zusammenhänge, nennt viele ungekannte Fakten, provoziert vor allem konstruktives Denken. Eben mehr ein Aufklärer denn ein Therapeut.
Mit freundlichen Grüßen an "die Konferenzteilnehmer", die auch hier alle wiederzuerkennen sind. :-)


Am 15. August 2016 schrieb Der Argonautiker:

Gelungener Artikel!

Wenn ich aus den drei angebotenen Kommentarrubriken,
Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?
wählen darf, dann wähle ich klar ein "Mehr davon".

Flüchtlinge sind zu einer Handelsware geworden. Sie werden zukünftig als Zwangsarbeiter eingesetzt werden, und das Volk wird dem dümmlicher Weise zustimmen, annehmend, daß die Leute, welche dies tun, dann vor ihnen halt machen werden. Das werden sie nicht. Die Flüchtlinge von heute, sind die Juden, des 3. Reiches. Sündenböcke.

Aber man sollte nie vergessen, in den Weltkriegen wurden eben nicht nur die Juden in Gaskammern gesteckt und anschließend verheizt, sondern das menschliche Leben als solches wurde verheizt. Denn sich von diesen Leuten zum Kampf gegen andere Nationalitäten treiben zu lassen, damit deren Kassen unbarmherzig weiter klingeln, war auch der Seele und dem Eigenleben der Menschen anderer Religionszugehörigkeiten wenig dienlich. Unnötig und grausam gestorben wurde nicht nur dort.

Der Krieg war eine sich ausbreitende Kettenreaktion einer Delegierung von Schuld, deren Ursprung in der Habgier Weniger begründet war, die nicht genug kriegen konnten, und dadurch in die Übergriffigkeit auf Andere drängten.

Dieser heraufziehende Krieg ist wieder keinesfalls ein Krieg, der Völker, sondern ein Krieg der Reichen, bei dem sie die Völker wieder einmal verheizen werden, indem sie sie gegeneinander hetzen. Und die Politiker haben sich zu ihren Feldmarschällen machen lassen.

Ein Trost dabei ist, daß sie es zwar mittels Propaganda, und dergleichen schaffen, es als Humanitäre Leistung, oder Verteidigung, aussehen zu lassen, und sie so die Bewußtheit Anderer betrügen können, ihr eigenes Unbewußtes können sie jedoch nicht betrügen, dort wird alles exakt so wahrgenommen wie es ist. Was sie vielleicht schaffen, ist der Betrug am eigenen Unterbewußten, mittels der Einnahme von Psychopharmaka oder anderer Drogen, welche jedoch auf das Unbewußte vollkommen wirkungslos ist.

Was, wenn der Tag, den man als sogenannten "Tag des jüngsten Gerichts" bezeichnete, nichts anderes, als ein Gleichnis dafür ist, wenn das ausgelesen und bewertet wird, was dort geschrieben steht. Die Doppel Helix ist eben nicht nur ein Abspielgerät von der abgelesen wird, sondern auch eine Matrize, auf die auch etwas geschrieben wird.

Laßt euch möglichst nicht zu Schandtaten verführen. Nur weil sich plötzlich wieder einmal einige Menschen dazu aufschwingen, und meinen, das Töten und Verquälen von Anderen befehlen zu dürfen, heißt das nicht, daß das Gebot des "du sollst nicht töten" außer Kraft gesetzt sind. Sie bestehen weiterhin, weil es eben keine bloßen Regeln zum Vergrößern des Egos sind, sondern Erkenntnisse der Wirklichkeit sind, die, wenn sie gebrochen werden, eine Welt erschaffen, die nicht förderlich für das Leben ist.

Es ist ein klarer Unterschied zwischen statthafter Verteidigung und dem Erzeugen von Zwietracht, die es für die Bewußtheit so aussehen lassen, als verteidige man sich, und das Unbewußte ist unbestechlich, es weiß dies ganz genau. Man kann auf Dauer weder seine Seele, noch den Ort des Ursprungs von ihr betrügen.

Menschen, die es gewohnt sind, aus Habgier andere in den Tod zu hetzen, es billigen, oder ihnen dabei helfen, sind eben auch Menschen die andere aus Habgier in den Tod hetzen, es billigen, oder ihnen dabei helfen, da gibt es kein Vertun, sie unterscheiden sich eindeutig von Menschen, die ihr Leben verteidigen, oder töten, um ihre Existenz erhalten. Und das Unbewußte weiß dies.


Am 15. August 2016 schrieb Lutz Jahoda:

SPRUCH ZUR MONTAGSFRISCHE

Nicht immer erkennt man am Schilde die Gilde,
weil nach Untaten gerne verborgen wird,
was nach "Sorry, wir haben leider geirrt",
eine Schandtat bleibt, trotz Reue und Milde..

Gedankt sei darum für die Montagsgabe
dem Herausgeber dieser Erinnerung
einer wachhaltenden Beunruhigung,
weil immer eine erhellende Labe!


Am 15. August 2016 schrieb Helga Weber:

Wetten, dass aus dem Treffen bei Frau Merkel nichts, aber auch gar nichts rauskommt?


Am 15. August 2016 schrieb Reyes Carrillo:

Was für glasklare Betrachtungen aus linker Feder, die keinen Spiegel zu beschlagen wagen! Von wegen, dass sich die Kategorien von Links und Rechts schon längst überholt hätten! Im Gegenteil: Sie werden immer wichtiger! Ein Beispiel ist dieser Artikel, der die Sicht frei macht auf das perverse, verbrecherische Gebaren der Eliten der kapitalistisch-ausbeuterischen, interventionistische Kriege mittragenden und mitführenden Wirtschaft und Regierung in Deutschland. Und den Blick u.a. auf das Vorzeigeunternehmen seiner Deutschen Bank lenkt, die selbst unter ihresgleichen international als die skrupelloseste Ausformung dieses Gewerbes gilt. Aber vor allem auf den oft lautlosen, unaufgearbeiteten Übergang deutscher Großfirmen und Konzerne aus ihrer servilen Nazi-Vergangenheit in die west-(!)-deutsche Nachkriegs-Demokratie. Es gab ja noch einen anderen, vielversprechenderen, in diesen Fragen wesentlich erfolgreicheren und über lange Zeit sehr faszinierenden deutschen Versuch, die Nazi-Katastrophe aufzuarbeiten und eine ganz andere Form der Demokratie zu errichten.

Etwas anderes: In einem Teil der Leserschaft der Rationalgalerie war neulich so eine Art von sanfter Brise an Depressionen wahrzunehmen, der in amorpher Niedergeschlagenheit die Luft anreicherte. Dass das ganze Geschreibsel des Galeristen, so gut es ja sei und so gerne man es ja auch lese, nichts nütze, sich ständig wiederhole – und überhaupt. Das ‚überhaupt’ schien dabei die Essenz zu bilden. Diese Gemütslage und vor allem das ‚überhaupt’ – wer kennt das nicht von sich? Welcher Linke schlendert frei von anfallsartig auftretender Schwermut durch die immer krasser werdenden Zerstörungen seiner Träume und Hoffnungen durch diesen von Ausbeutung und Krieg verseuchten Globus? Die Galerie ist mir jedoch viel mehr ein willkommenes Therapeutikum, das meine Ohnmachtsanfälle deutlich reduziert, denn ein Trigger in die Ohnmacht hinein. Ich lechze nach Uli Gellermanns Wiederholungen: Immer drauf, immer rein, und nochmal und nochmal! Wie gesagt, mir hilft das: Wenn das Grauen Namen bekommt, klar adressiert ist, wenn es eingebettet ist in seine vielfältigen Kontexte und wenn das alles mit mal feiner, mal beißender Ironie bedacht ist, werden die Stunden zur nächsten Ohnmacht mehr! Das ist der – simple, aber wirksame - Trick. Die meisten Stammleser schlagen diese Seite ja nicht auf, um sich zu informieren, was in der Welt gerade mal so los ist. Viele der Leser sind altgediente Genossen und Genossinnen, denen man sicher nichts wirklich Neues erzählen kann. Doch darum geht es ja nicht. Die Rationalgalerie und ihre Leserschaft bilden eine klassische „Therapeutische Gemeinschaft“, in der sich Therapeut (hier: eine Koryphäe seines Fachs) und Patient (wer ist wer), in fruchtbarer Symbiose zur Aufrechterhaltung der jeweils eigenen Gesundheit zusammenfinden. Macht die Rationalgalerie also die Welt besser? Ein leidenschaftliches Ja. Was sonst?


Am 15. August 2016 schrieb Martin Frimmesdorf:

Ds ist ja eine schöne Fleißarbeit. Aber wo ist das Neue, das Bewegende, der Fingerzeig ins Morgen?


Am 15. August 2016 schrieb Manfred Ebel:

Ein Lehrbeispiel für zeitgemäße Imperalismusanalyse!
Du nennst zusammen, was zusammengehört. Gleichermaßen entsteht eine Charakterisierung des heutigen Imperialismus. Die, die Du da beim Namen nennst, hatten als Imperailisten seinerzeit `ihre Interessen´ im europäischen und deutschen Raum und so brachten die den deutschen Patrotismus und Nationalismus hervor, namentlich den nationalsozialistischen.
Heute sind die die heimatlosen Gesellen im reinsten Sinne. Die haben keine Heimat, keinen Nachbarn, keinen Freund und keine Gemeinschaft und betrachten die Welt als ihre. Das trifft sowohl auf das Herrschaftsverhältnis Kapital als auch auf deren personelle Vertreter zu. Die sind dabei, alles bei der Weltbeherrschung Hinderliche niederzureißen: Nationale Standarts, Gesetze und Grenzen, Währungen, Sitten, Moral, Historie, Sprachen, Kulturen, Wissen, Glauben, menschliche, tierische und pflanzliche Rassen. Ein GG oder Demokratie interessieren sie nicht mehr. Die sind überlebt und engen deren Streben ein.
Wir sollten uns keinerlei Illusionen hingeben. Die würden alles platt machen, was ihnen im Wege steht. Die können nicht anders. Am Ende können sie nur Terroristen, Terror jeder auch undenkbarsten Art und Krieg hervorbringen.
Hofft nicht, es könnte anders sein!
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!


Am 15. August 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

.......empathisch, informativ, eindeutig in der eigenen Haltung, verbunden mit einer Recherche, die einigen Journalisten, die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, angesichts dessen ,was sie abliefern.
Einer der besten Artikel, der Rationalgalerie.
Kapitalismuskritik vom feinsten. Die Menschen, um die es geht, immer fest im Blick,wie auch die Verhältnisse, und die Verursacher seit Jahrhunderten von Leid und Elend.
Die Macht- und Kräfteverhältnisse, und die soziale Frage wird hier aufgeworfen.
Deutlicher kann es nicht gesagt werden.
......"zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat."
Für die vielen Stunden Arbeit, die Recherche,
den roten Faden nicht aus den Augen verlierend, lässt nur den Schluss zu, dir zu danken, für dieses "Schmuckstück." im Blätterwald, der vom Zeitgeist zerfressenen Republik.


Am 15. August 2016 schrieb Alles nur Satire:

Danke für diesen informátiven Artikel.

Meine Vermutung, die tatsächlichen Eigentümer des Kanzleramtes haben gestern nur ihre langfristige Mieterin und den Zustand des Mietobjekts begutachtet.

Notwendige Repaturarbeiten aufgenommen und Umbauarbeiten für den neuen Mieter ab Herbst 2017 besprochen.

Siemens, die tun was, 100 Praktikastellen. Unbezahlt, wie es für ein Praktikum Usus ist, nehme ich an?

Dazu 66 Flüchtlinge auf eine MÖGLICHE Ausbildung in Förderklassen "eingestellt(?)" Mit Bezahlung? 80 Cent/Std.? Oder zahlen die Flüchtlinge Lehrgeld an den Konzern?

Ich bete für die Aktionäre, das diese unzumutbare soziale Großtat sich nicht negativ auf die Dividenden auswirken wird.

Vllt. ist schon eine Gewinnwarnung in Vorbereitung?

Ich hab´ keine Lust mehr, wann hört dieser Wahnsinn endlich auf?


Am 15. August 2016 schrieb Aleksander von Korty:

Es gibt richtige und wichtige Texte, die schwarz auf weiß auf Papier aufgeschrieben sind, wie der vom Galeristen erwähnte Grundgesetz-Artikel 14, der die Möglichkeit offen hält im Interesse der Allgemeinheit Konzerne enteignen zu können, wenn sie nicht dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
Und es gibt richtige und wichtige Texte, wie deutsche Sprichwörter. die nirgendwo aufgeschrieben sind, sondern im Volk immer nur von Mund zu Mund über Generationen weiter gegeben werden.
Nun sollte mensch eigentlich denken, dass aufgeschriebene Worte mehr Gewicht haben, als nur mündlich weiter gereichte Texte.
Doch weit gefehlt! Das genaue Gegenteil ist der Fall:
Beweis, die Volksweisheit " Papier ist geduldig" Auch das Papier auf das einst das GrundGesetz geschrieben wurde.

Antwort von U. Gellermann:

Das Gesetz ist nicht mehr als die Momentaufnahme eines Kräfteverhältnisses. Aber auch nicht weniger als die Aufforderung zur Ungeduld.


Am 15. August 2016 schrieb Jens Riedel:

Ihr Artikel ist ein kleines Lehrstück darüber, wie Kapitalismus funktioniert. Über seine historischen Wurzelken und über seine aktuellen Möglichkeiten. Danke.


Am 15. August 2016 schrieb Jenny Westphal:

Ich gebe zu, dass ich mich auf die Montage und die Donnerstage freu. Die Rationalgalerie ist doch immer ein Gewinn.

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