Na bitte, es geht also doch! Zuerst hatte George W. Bush von Kyoto-Protokoll und einer Festlegung verbindlicher Quoten für die Senkung des CO2-Ausstoßes nichts wissen und hören wollen, wenn er sich mit den sieben anderen Gernegroßen der Weltwirtschaft am verbarrikadierten Ostseestrand treffen wollte. Aber er hatte nicht mit den Engelszungen von Schwester Angela gerechnet! Die hat ihm nämlich beim G8-Gipfel so beharrlich zugeredet, dass er nun sogar bereit ist, Maßnahmen zur Verminderung von Treibhausgasen »ernsthaft in Erwägung zu ziehen«. Das ist zwar alles andere als konkret, aber immerhin weit mehr, als sich der oberste Bushkrieger zu anderen Themen wie etwa dem iranischen Atomprogramm und einem eventuellen Militärschlag dagegen entlocken lässt.

Denn ein solcher Angriff, so wird immer wieder beteuert, wird »derzeit nicht in Erwägung gezogen« – was aber nach den früheren Erfahrungen mit solchen Aussagen keineswegs heißt, dass das Pentagon bereits vorliegende Planungen für einen solchen Militärschlag nun auf der Stelle in den Reißwolf befördert. Vielmehr kann man sicher sein, dass die Bush, Blair, Solana & Sarkozy GmbH mit immer neuen Forderungen an den Iran die Spannung so zu verschärfen versucht, dass »derzeit« nicht allzu lange dauert und man die prima Pläne aus der Schublade ziehen »muss«. Und wenn’s doch zu lange dauern sollte oder Bush sich plötzlich um sein Image als Welt-Friedensengel sorgt, kann er ja seinen allzeit beißwütigen Hund Ehud Olmert von der Kette lassen, damit der die Drecksarbeit macht.

Dass Israel dazu bereit ist, hat sein Tranport- und Ex-Verteidigungsminister Schaul Mofaz soeben im Interview mit Radio Israel deutlich gemacht. Zwar seien »zum jetzigen Zeitpunkt« Sanktionen das geeignete Mittel gegen den Iran, aber auch »die militärische Option ist Bestandteil aller Optionen, die auf dem Tisch sind.« Auf dem Tisch eben, und nicht in der Schublade! Denn Mofaz erwartet schließlich eine Entscheidung der USA und Israels zu dieser Option »bis Ende des laufenden Jahres«! Wenn also schon ein gar nicht in Erwägung gezogenes Projekt bis Ende 2007 entscheidungsreif ist, müssen doch aus den – Angela sei Dank! - »ernsthaften« Erwägungen Bushs zum Klimaschutz schon Weihnachten handfeste Taten werden. Zu befürchten ist nur, dass der Regen, der die Erderwärmung kühlen soll, am Ende ein heißer Bombenregen sein könnte.

Aber wo gehobelt wird, fallen nun einmal Späne. Das dachte sich wohl auch Wolfgang Schäuble. Der Bundesinnenminister, der George Dabbeljus Terroristenwahn am liebsten noch übertreffen möchte, beabsichtigt nämlich, so ein »Spiegel«-Bericht, »die Fingerabdrücke aller Ausländer in Deutschland (zu) erfassen und (zu) speichern, die nicht aus der EU oder der Schweiz kommen«. Schäubles Sprecherin Gabriele Hermani begründete den in den Ministerien bereits zirkulierenden Gesetzentwurf mit den Bemühungen der Bundesregierung, »dem Missbrauch von Visa und der Nutzung falscher Identitäten für kriminelle Zwecke zu begegnen«. Wenn der Entwurf Gesetz wird – und die SPD wird ihn kaum bremsen, sondern sich höchstens ärgern, dass sie nicht selbst darauf gekommen ist - wird das Ausländerzentralregister (AZR) ganz schön zu tun bekommen. Allein die 1,7 Millionen Türken, die schon seit Jahren hier leben, bedeuten einen Batzen Arbeit. Hätte man nicht zur Entlastung des AZR eher diese statt der paar Tausend Schweizer von der Erfassung ausnehmen sollen? Immerhin möchte die Türkei, anders als die Schweiz, sehr gerne der EU beitreten. Oder liegt es daran, dass es in der Türkei keine geheimen Nummernkonten für CDU-Schwarzgelder gibt?

Auf ein anderes Einsparpotenzial für das AZR wird den Herrn Minister wohl schon seine Kanzlerin bringen. Dass alle in Deutschland lebenden US-Bürger sich beim AZR zur Abgabe ihrer Fingerabdrücke mit Iranern, Nordkoreanern oder gar Venezolanern und anderen »Schurken« in eine Reihe stellen sollen, kann Schäuble ja nicht ernsthaft gemeint haben. Denn das könnte sogar dazu führen, dass deutsche Behörden wegen der »Nutzung falscher Identitäten« und Visa gar hiesigen CIA-Vertretern oder in deren Diensten stehenden »Flugbegleitern« auf der Route Ramstein-Guantanamo ihr kriminelles Handwerk legen müssten. Das deren oberstem Kriegsherrn zu erklären würden selbst Angelas Engelszungen garantiert mehr brauchen als drei Tage im Kempinski-Käfig von Heiligendamm.

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