Der deutsche Medien-Mainstream, die 25 größten Unternehmen der Branche, finden, dass die Deutschen schlecht gelaunt sind. Und wie in Deutschland soziale Probleme mit neoliberalem Gequatsche bewältigt werden, so soll den psychischen Folgen der sozialen Probleme mit "guter Laune" begegnet werden. Nichts geht über eine lustige Beerdigung und deshalb werden die Deutschen seit Tagen, unter dem Motto "Du bist Deutschland" mit TV-Spots belästigt, in denen ihnen andere Deutsche die Welt erklären.

Günter Jauch zum Beispiel, sagt: "Jammern wird mit der Zeit langweilig", wenn "die" Deutschen Günters Einkommen hätten, würden sie auch nicht jammern. Oliver Pocher versichert uns: "Ich mache Deutschland humorvoller und witziger." Das hilft den Arbeitslosen sicher. Frau Catterfield überrascht uns mit der Erkenntnis, dass "Stillstand Rückschritt ist", oder war es Stillschritt der zum Rückstand führt, oder Schrittstand, der den Rücken stillt, egal, es war für eine Pop-Sängerin ungewöhnlich intelligent. Der Meister des Talkens, Reinhold Beckmann, droht uns: "Es muss wieder ein anderer Geist ins Land kommen!" Meint er das Gespenst des Kommunismus oder ist ihm Angst und Bange, weil Frau Maischberger uns in dieser Kampagne darüber aufklärt, dass Taifune aus Schmetterlingen hergestellt werden?

Über 30 Millionen Euro geben die Unternehmen, unter Führung von Bertelsmann, für ihre ideologische Offensive aus, warum glaube ich, dass dieser Betrag gut zur Lösung von sozialen Problemen beitragen könnte? Weil ich ein Langeweiler bin. Vor den Bundestagswahlen genierte man sich noch, jetzt, wo die herbeigeschriebene und -gesendete Merkelei Wirklichkeit zu werden droht, muss den Deutschen das Lächeln ins Gesicht gebrannt werden. Es riecht nach später DDR: Keine Bananen, aber große Transparente.

Richtig zynisch wird die Kampagne, wenn die Medienmacher eine Kollegin von der Müllabfuhr erzählen lässt, wie toll sie die Schichtarbeit bewältigt: "Wenn jeder in Deutschland mit anpacken würde, sähe vieles anders aus." Es sind ein paar Millionen, die gerne mit anpacken würden, die lässt man einfach nicht. Jeder ist seines Glückes Schmied? Aber nur, wenn Wirtschaft und Politik nicht ständig ins Feuer pinkeln würden.

Wirklich entlarvend ist der Spruch, den die Agitpropper einer Klo-Frau in den Mund gedrechselt habe: "Du musst doch nach vorn sehen, es muss doch weitergehen - irgendwie." - So sitzen sie verschwitzt in ihren Büros, die Werbe-Texter, sie wissen: Auf dem Markt warten Tausende auf ihren Job, deshalb sehen sie nicht links noch rechts, kloppen Sprüche wie die Weltmeister und sind doch nur zweite Liga. Es muss doch weitergehen, irgendwie: Das klingt nach dem vergangen und dem künftigen Regierungsprogramm, wenn Schröder und Merkel nur feste nach vorne gucken, dann geht es weiter, irgendwie.

Du bist Deutschland. Sie mich auch.

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