Die Herrschaft des Matriarchats

Angela Merkel dreht noch eine Runde

Autor: U. Gellermann
Datum: 22. Juli 2019

Einem Glauben der Frauenbewegung entsprechend sollten HERRSCHAFT und Matriarchat eigentlich nicht zusammengehen. Aber dürfte man jetzt DAMSCHAFT schreiben? Wo das doch so nahe an Dämlichkeit läge. Und dämlich ist es keinesfalls, wenn die männlich dominierte Rüstungsindustrie sich mit den Damen Merkel, von der Leyen und Kramp-Karrenbauer ein feminines Tarn-Netz für die Schlacht um Steuergelder überwirft. Noch weniger dämlich ist es, wenn die seit 13 Jahren amtierende Bundeskanzlerin mit überraschenden Haken, Finten und Rochaden nun ein weiteres, scheinbar neues Karnickel aus dem Hut zaubert und temporär vergessen macht, dass sie eigentlich total angeschlagen ist, aber immer weiter und weiter und weiter regiert. Schon wachsen die ersten Kinder in Deutschland heran, die nur die Merkel als Kanzler kennengelernt haben.

Zwar hat die ewige Angela angekündigt, mit der nächsten Bundestagswahl sei ihre Kanzlerschaft beendet. Aber die Wahl soll erst im Herbst 2021 stattfinden. Bis dahin ist viel Zeit. Und Merkel ist für Überraschungen immer gut. Auch für einen zähen Willen zur Macht. Auch dafür, dass politische Leichen ihren Weg pflastern. Wo sind Karl-Theodor zu Guttenberg oder Thomas de Maizière geblieben? Beide saßen im Kabinett Merkel I (November 2005 bis zum Oktober 2009). Wer kann sich noch an Ilse Aigner, Kristina Schröder, Peter Ramsauer oder Ronald Pofalla erinnern? Sie bevölkerten einst das Kabinett Merkel II (Oktober 2009 bis Oktober 2013). Auch von Hans-Peter Friedrich, Hermann Gröhe und Johanna Wanka (Kabinett Merkel III, Dezember 2013 bis Oktober 2017) hat man kaum mehr gehört. Und wer ihr so richtig im Weg war – Friedrich Merz, Roland Koch, Christian Wulff oder Günther Oettinger – spielt entweder keine Rolle mehr oder nur noch in der zweiten Liga.

Wo Frau von der Leyen ihr Altenteil verdämmert, weiß nach der letzten EU-Inszenierung jeder, der Tagesschau sieht. Was macht eigentlich Julia Klöckner? Einst als Merkel-Nachfolgerin gehandelt, ist sie nun als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft ebenso ruhig wie kalt gestellt. Jens Spahn? Wer ist eigentlich Jens Spahn? Annegret Kramp-Karrenbauer ist noch nicht im erträumten Amt und schon verschlissen. Markus Söder kann seiner ständig gärenden CSU nicht den Rücken zuwenden. Armin Laschet? Damit der Normalwähler überhaupt weiß, wer das ist, muss immer seine Funktion plakatiert werden: NRW-Ministerpräsident. Ein Nachfolger für Merkel drängt sich aus der CDU-CSU nicht auf. Auch ist kein zweiter Schröder in der SPD zu sehen, ein Sozialdemokrat, der nicht nur verlässlich die Interessen der eigentlichen Herren des Landes vertritt und außerdem Chancen hätte, zum Kanzler gewählt zu werden.

Das demokratische Schauspiel, die Vortäuschung von Demokratie, wird für die eigentlichen Regisseure in den kommenden Jahren nicht einfacher. Zwar bieten sich die scheinbar oppositionellen Grünen als neue SPD an und deren Robert Habeck verfügt auch über den Charme des jungen Gerhard Schröder, aber noch ist die grüne Mitgliedschaft nicht so gefügig wie die Sozialdemokratie. Auch wenn die AfD, die Nachgeburt der CDU, in Wirtschafts- und NATO-Fragen unbedingt zuverlässig ist, kann man ihr nicht jene Ruhe zutrauen, die für das Geschäft notwendig ist: Für einen AfD-Kanzler ist das Land noch nicht reif, das würde Unruhe provozieren. Die AfD muss erst noch durch einen öffentlichen Läuterungsprozess in einer Koalition mit der CDU respektabel gemacht werden.

Aber einen Kanzler braucht die große Bühne der parlamentarischen Demokratie. Und dem wiederum müßten Neuwahlen vorausgehen. Am besten vorfristig. Wenn Angela Merkel die Vertrauensfrage stellen würde. So etwa wie "Ich oder das Chaos?!“
Dann könnte sie als Chefin einer möglichen Koalitionsregierung in einen Wahlkampf ziehen. Gleich, ob als Kanzlerin einer grün-schwarzen oder einer braun-schwarzen Koalition: Merkel würde von den Marketing-Leuten als Retterin der Nation verkauft werden. Und wer so lange im hohen Amt die einfache Hausfrau gespielt hat – obwohl ihre Doktorarbeit zur "Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden“ mit magna cum laude benotet wurde – der wird doch wohl glaubhaft die Rolle der Frau spielen können, die ihren gemütlichen Lebensabend dem Wohl des Landes opfert.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 22. Juli 2019 schrieb Alexander Kocks:

Die 3 genannten Damen wirken auf mich wie politische Kleingeister mit einem massiven transatlantischen Brett vorm Kopf , die ihre politische Agenda vom Council Of Foreign Affairs in Washington erhalten und brav umsetzen. Deren politischer Horizont reicht von Berlin über Brüssel bis Washington, eine andere Denkrichtung ist denen unbekannt.
Es war glaube ich ein Mitglied der CDU welches
das politische Programm von Frau Merkel mit
einem einzigen Wort beschrieben hat: RODEO.
Also oben bleiben und nicht runterfallen.

Gestern habe ich mal aus Interesse die Übertragung vom CHIO Reitturnier in Aachen angesehen. Ich habe während der langen Übertragung ab und zu auch ein Pferd über Hindernisse springen sehen, aber meist gab es
Frau v.d.Leyen im Bild, die interviewt wurde und anscheinend noch als Co-Moderatorin tätig war. Man kann bei der ARD also auch während einer reinen Sportsendung die politische Botschaft der CDU empfangen.

In den USA gibt es eine neue Wissenschaft namens Socionomics, die das Herdenverhalten der Menschen hervorgerufen durch soziale Gefühle/Stimmung untersucht. Dort ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass in wirtschaftlich schlechten Zeiten Frauen an die Macht gewählt werden. Dieses Phänomen ist in ganz Europa zu beobachten und wenn die Jungs von den Sociomonics recht haben, bedeutet das nichts Gutes für die wirtschaftliche Zukunft. Ich hoffe
dass wenn eine wirtschaftliche Depression kommen sollte, Frau Merkel und ihre Mitstreiter noch im Amt sind um politisch die Suppe auszulöffeln die sie angerichtet haben.


Am 22. Juli 2019 schrieb Matthias Brtendel:

Man könnte die endgültige Merkel Intronisation auch wie eine Pabst Wahl gestalten:
Der Reichsstag wird tagelang komplett abgeriegelt, bis weisser Rauch aufsteigt und Frau Merkel zur Kanzlerin auf Lebenszeit ausgerufen wird.

Dann gleitet sie auf einer geleasten Drohne rittlings sitzend, mit Raute gen Himmel.
In den sehr guten Medien wird Merkel fortan der Beiname "heilige Angela ehrenhalber" verliehen, sie erhält eine eigene wöchentlich ausgestrahlte Personality Show, die von Klaus Kleber und Carsten Maschmeier moderiert wird und regiert das Land noch bis zu ihrem 105ten Geburtstag, das wäre dann 2059, sie könnte dann selbst noch das Klima retten und Russland "demokratisieren" helfen.
Das wäre doch schön!


Am 22. Juli 2019 schrieb Guenther Mann:

es ist schon auffällig, wie viele weibliche beamte in unserer post-post-post-kapitalistischen gesellschaft nach oben vorne gehievt werden. mag auch daran liegen, dass die wirklich mächtigen in unserem land weiblich sind, ältere und mittelältere damen, die direkt einen großteil des deutschen volksvermögens besitzen, indirekt aber alles und noch etwas europa-vermögen als zugabe.
all diese weiblichen wesen habe ihr vermögen durch ihr geschlecht erworben.
eigene leistungen null. jetzt kommt die fabel vom fische und siner fruu zum tragen: jetzt spielen die (ich würde sie mal mit den 3 wesen vergleichen, die den anfang von shakepeares macbeth sprechen) (hexen ist nich schönsprech)
kanzlermacher. was wenn sie gott werden wollen? bmw-werbung: fahren sie mit gottIn. bertelsmann-werbung: gottes stimme. springer werbung: bild dir gottes meinung.
wer braucht da einen anderen kanzlerIn? Wenn die puppe schon so deutliche lustzittern in der öffentlichkeit nicht unterdrücken kann, wie müssen sich die reichen alten frauen im hintergnrund wohl gefreut haben.
was traurig ist, genau wie zu zeiten des (un)seligen kanzlers der das zittern auch nicht unterdrücken konnte. gibt es lebende mitbürger sie der meineung sind: ja wer solle s denn sonst machen? ein mieser prozentsatz bei 80 millionen!


Am 22. Juli 2019 schrieb Bengt Breemer:

Aber, aber, so viel Wut auf Frau Merkel. Das ist sie nicht wert.


Am 22. Juli 2019 schrieb Petra Westling:

Mal wieder ein echtes Lesevergnügen, danke.


Am 22. Juli 2019 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Wie lautet das erste christliche Gebot? Du sollst keine falschen Götter neben mir haben....
Es zeigt sich, dass Frau Merkel eine gute Christin ist, die "aufräumt". Ironie off.
Der Titel einer "eisernen Lady" wurde ja bereits anderweitig vergeben.

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