Demokratie? In China!

GroKo kämpft für Bürgerrecht in Hongkong

Autor: U. Gellermann
Datum: 16. September 2019

Es war die geheiligte Stunde der ARD: Die „Tagesthemen“, eine Filiale der „Tagesschau“, gab dem Hongkonger Bürgerrechtler Joshua Wong ein schönes, langes Interview. Stunden zuvor hatte die Redaktion sich schon an dieser Nachricht abgearbeitet und über jene „klaren Worte“ der Kanzlerin berichtet, die Frau Merkel bei ihrem China-Besuch für die Hongkonger Aktivisten gefunden hatte. Ja, wenn die Leitfrau und das öffentlich-rechtliche Leitmedium vorlegen, dann muss der Medienrest sein Echo liefern: Vom SPIEGEL über die ZEIT bis zur Website der Stadt Paderborn: Alle fanden die Demokratie in China ziemlich unzulänglich und den Herrn Wong echt gut. So sieht Medien-Vielfalt in Deutschland aus. Keinem der scheinbar Einfältigen mochte auffallen, dass Aktivisten aus den deutschen Friedens- oder Sozialbewegungen eine solch prominente Rolle nie zuteil wird. Auch wenn es um die Unterdrückung von Protesten durch die Polizei geht, die bei der Hongkong-Berichterstattung im Vordergrund steht, sind deutsche Medien eher verhalten: Weder beim G-20-Gipfel in Hamburg, noch bei den Aktionen rund um den Deutsche-Bahn-Wahnsinn namens Stuttgart 21, bei denen es jede Menge Polizei-Brutalität gab, bekam einer der Aktivisten ein bedeutendes Interview in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten. Auch auf den Auftritt eines Franzosen in gelber Weste, der die Ziele der Bewegung vor der Kamera erklären darf oder der wie Herr Wong einen Empfang beim Bundesaußenminister bekommt, warten Freunde der deutschen Demokratie bislang vergeblich.

Es ist ein erkennbares Muster: Böses findet immer ganz woanders statt. Vorzugsweise in jenen Ausländern, die man als Konkurrenten empfindet oder deretwegen man dringend neue teure Waffen kaufen muss. Denn so böse wie z. B. der Russe ist, könnte er uns ja jederzeit überfallen. Auch wird gern von der schrecklichen Unterdrückung jener Opposition gegen Despoten berichtet, um die sich die Truppen der USA oder der NATO dann bei Gelegenheit kümmerten. Doch geht es auch um das wohlige Gefühl deutscher Medien-Konsumenten: Woanders ist es schon schlimm, wie gut, dass es bei uns viel besser ist. – Seit einem Jahr regiert die immer gleiche Koalition, die gefühlt seit Kriegsende die Regierungen stellt. Seit langem wird in den „guten Lagen“ deutscher Städte gentrifiziert, werden Mieten erhöht und erhöht bis es knirscht. Mal wird über eine Mietenbremse, dann wieder über eine Deckelung der Mieten öffentlich gesäuselt. Gab es schon ein Interview zur besten Sendezeit mit einem Aktivisten für die Enteignung großer Wohnungskonzerne? Ach wo. – Scheinbar schläft die Große Koalition so vor sich hin. Was ist eigentlich mit dem Passus im Koalitionsvertrag, der die Verschärfung der Richtlinien für den Rüstungs-Export festlegte? Da ist man im Kanzleramt hellwach: Der kommt nicht auf den Tisch der Regierung. – Da gab es doch die junge, kluge Clara Tempel, die in den Knast musste, weil sie am Atomwaffenstützpunkt Büchel eine Startbahn der Luftwaffe blockiert hatte. Öffentlich-rechtliche Wahrnehmung? Null. Aber in einem privaten Medien-Winkel, der „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ gab es was Kurzes und Schmerzloses. Die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ gehört irgendwie der Madsack Mediengruppe, und die gehört auch ein wenig der SPD. Aber die SPD ist natürlich längst durch Gerhard Schröder privatisiert.

Wo privat drauf steht, wird natürlich ordentlich Geld verdient. Ganz vorne in der Reihe der Medien-Geld-Verdiener steht die Witwe des Verlegers Axel Springer. Sie verfügt 2019 über 4,8 Milliarden Euro und ein gemischtes Zeitungs-Sender-Imperium. An zweiter und dritter Stelle stehen ebenfalls zwei Frauen: Die Geschäftsfrau Yvonne Bauer und ihre Familie, Eigentümer der Bauer Media Group (z.B. Bravo), mit 3,5 Milliarden Euro und die Familie um Liz Mohn mit 3,35 Milliarden Euro, Anteilseigner des Gütersloher Medien-Monsters Bertelsmann (RTL, Gruner + Jahr). Höchst privat entstehen auch die Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender aus Werbung und Sponsoring. Für die ARD waren das 323,9 Millionen Euro, das ZDF erzielte 293,6 Millionen. Natürlich platzieren die Werbeagenturen ihre TV-Spots im Umfeld hoher Einschaltquoten. Die werden gern mit Sportübertragungen oder anderen schlichten Sendungen erzielt. So nimmt die Wirtschaft einen unmittelbaren Einfluss auf das Programm. Das ist natürlich nichts gegen die Erträge von 7,858 Milliarden Euro durch die Einziehung des Rundfunkbeitrages. Für dessen gesetzlich verordnete Einziehung sorgen jene Politiker, die einerseits gern in den Rundfunkräten, den Kontrollgremien hocken, andererseits nicht selten über ein Geflecht von offenen Parteispenden und inoffiziellem Lobbyismus mit der Wirtschaft verbunden sind. So geht mittelbarer Einfluss.

Was bleibt den Demokratie-Aktivisten in Deutschland, wenn sie im Land wahrgenommen werden wollen? Sie sollten ihre Aktivitäten ins Ausland verlegen. Je weiter weg, desto eher dürften ihre Ziele in deutschen Medien widerspiegelt und von deutschen Politikern unterstützt werden. Hätten die Stuttgart-21-Gegner nicht besser in Schanghai demonstrieren sollen? Auch die Blockade einer Startbahn des Flughafens Kaliningrad-Chrabrowo hätte sicher ein starke öffentliche Resonanz in Deutschland. Jemand hätte Clara Tempel rechtzeitig einen Tip geben sollen. Proteste gegen den weiteren Ausbau des Transrapid in Schanghai allerdings sind nicht empfehlenswert: An der Magnetschnellbahn waren die Bundesregierung und das Unternehmern Thyssen-Krupp beteiligt. Die tatsächlichen Proteste gegen die Trasse des Transrapid in China hatten dann auch in Deutschland damals kaum ein Echo.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. September 2019 schrieb antares56:

Was ich sehe: chinesische Polizisten prügeln auf Demonstranten 2019 genau so ein, wie deutsche Polizisten und "Staatsvertreter" 2017 in Hamburg auf "friedliche" Demonstranten! Damals leitete Giftzwerd Scholz die Prügelangriffe der deutschen Polizei auf Demonstranten! Und die Mainstreampresse stand hinter ihm!
Denn die Hoheit über "gute" und "schlechte" Demonstrationen bzw deren Beurteilung soll ja bei der Regierung und den ihr ehrgebenen Medien liegen.
Da wird die Rationalgalerie schnell zum Feind.


Am 17. September 2019 schrieb Max L.:

@ Jörg Reuther:

Zitat: "Hier wird eine Demokratiebewegung lächerlich gemacht die wir gerne hätten."

Es muss hinterfragt werden, ob es in Hongkong tatsächlich eine Demokratiebewegung gibt, angesichts von Farbrevolutionsversuchen schon 2014 (Namen u.a. Anson Chan und Martin Lee, die sich seinerzeit schon im Vorfeld mit höchstrangigen US-Politikern inklusive Vizepräsident Biden trafen) und den jetzigen Kontakten der selben Hinterleute zu Vizepräsident Pence oder Außenminister Pompeo. Man kann das alles recherchieren, es gibt Fotobelege usw. Joshua Wong, so scheint es zumindest, wurde von dieser Seite her aufgebaut. In Berlin sprach er von Hongkong als dem "neuen Ost-Berlin", er tat kund, endlich kein Tränengas einatmen zu müssen u.ä. mehr.Vielleicht ist er deshalb nicht nach Paris gereist oder zu einem G7 oder G20-Gipfel irgendwo in der EU oder in Nordamerika. Nach der Rücknahme des Auslieferungsabkommens (das, hätte es ein westliches Land betroffen, von unseren Medien wohl gelobt worden wäre) kann ich schwerlich erkennen, wofür oder wogegen jetzt noch so vehement und teilweise sehr gewaltsam protestiert wird. Rufe nach britischen Pässen ausgerechnet vor der Botschaft der ehemaligen Kolonialmacht unter Schwenken zahlreicher US-Flaggen (viele Bilder) machen mich sehr skeptisch.

Die "Regenschirm-Revolution" scheiterte 2014 vor allem am Widerstand der Bevölkerungsmehrheit, die von all den Blockaden genug hatte. Offensichtlich konnte die Bewegung (wie auch immer gesteuert) diesmal weit mehr Menschen mobilisieren (und ganz sicher werden die nicht alle bezahlt o.ä., sondern sind tatsächlich wütend). Das dürfte sicherlich damit zu tun haben, dass viele in Hongkong tatsächlich unzufrieden sind, aber es ist äußerst fraglich, ob das an mangelnder Demokratie liegt oder doch eher an den Lebensverhältnissen einer womöglich vernachlässigten Stadt, die für China nicht mehr die Bedeutung hat, die Hongkong für den asiatischen Raum früher hatte.

In unseren Medien bleibt stets unerwähnt, welch enorme Leistungen die chinesische Regierung in den letzten Jahrzehnten erbracht hat, mit der - im Gegensatz zum durchaus vergleichbaren Indien, einer offiziellen Demokratie, z.B. der Hunger im Land weitestgehend besiegt wurde. Ich belasse es dabei, könnte das noch weiter ausführen, jedenfalls wird China bei uns seit jeher nicht fair und korrekt dargestellt, und deshalb wird das Land auch nicht verstanden. Trotzdem wird ständig belehrt, in typisch westlicher Doppelmoral. Es gibt in China Hunderte von Millionen von Bürgern, die mindestens nicht unzufriedener sind als die meisten Deutschen und die in aller Regel weit patriotischer sind als Letztere. Auch das gehört zur Wahrheit. Hongkong hat hier natürlich eine Sonderstellung - dort ging es eher bergab in den letzten Jahren. Das zu lösen ist aber Aufgabe Chinas, nicht der Regime Changer des Westens.

Es gibt in Europa doch Demokratiebewegungen! Etwa die Gelbwesten in Frankreich. Die haben sogar konkrete Forderungen und Vorschläge. Und sie wenden sich nicht an Xi oder Putin, um dort um Hilfe zu bitten. Wir hätten sie also nicht gerne, solche Bewegungen, wir haben sie (Occupy Germany z.B., was ist daraus geworden?), und da sind wir wieder zurück bei Uli Gellermanns Text. Wo ist der französische Joshua Wong, der beim Springer-Verlag oder in der Tagesschau derlei Aufmerksamkeit erfährt und mit dem Heiko Maas sich trifft, um ihm gut zuzureden? In Frankreich sieht es nicht besser aus. Und ich erwähne hier noch nicht einmal die Tatsache (!), dass die Polizei in Frankreich weit härter gegen Demonstranten vorgeht als die in Hongkong, obwohl in HK u.a. das Parlament und der internationale Flughafen besetzt wurden, ein Vergehen, das in jedem westlichen Land wesentlich größere Konsequenzen gehabt hätte.


Am 17. September 2019 schrieb Lutz Jahoda:

DIE LEIMRUTE
DER SELBSTGERECHTEN
DEN MEDIENKANÄLEN
UM DIE SPRACHROHRE GEWICKELT

Sehr gut, lieber Marc Britz!
Besten Dank für die hilfreiche Galerie-Unterstützung!
Ich ergänze aus der Weisheitslehre
der MISCHNA: Herausgefordert, die Gesamtheit des Jüdischen Gesetzes
auf einem Bein stehend zu erklären, antwortete Hillel der Ältere: "Das, was Dir missfällt, tue auch Deinem Nächsten nicht an. Das ist das ganze Gesetz, der Rest ist Kommentar. Geh und studiere es!"


Am 17. September 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

Mit leichter Hand saust des Galeristen Feder mitten in die stinkende Kloake Kapitalismus hinein und wirbelt mit einer Leichtigkeit auf was meist verborgen bleiben soll. Holt an die Oberfläche, legt ohne mit der Wimper zu zucken auf den Tisch des Hauses einen gnadenlosen, faktenorientierten, sachlichen und ohne Schnörkel Artikel, der die Verlogenheit, die dreckigen kleinen und großen Lügen so mal eben aufdeckt am Beispiel derer, wie im Artikel zu Lesen ist.

Aus dem Auge dabei verliert er nie, die menschlichen Tragödien, der am meisten Vergessenen und Verachteten in der Republik, es sind die Niedriglöhner und ich schreibe es wieder, es sind die Alten und Kranken, die Kinder, deren Leben von Ausgrenzung bestimmt ist, weil jedes fünfte in Armut lebt, Die Obdachlosen, die Tagelöhner, die sogenannten Aufstocker, die mit bürokratischen Hürden in die weitere soziale Not getrieben werden. Vergisst aber dabei nicht die Kämpfe und die Hoffnungen derer zu benennen, die aufstehen, wie Clara Tempel, denn ganz sicher ist, dass sie mehr als ein Zeichen setzt; sie handelt ohne Rücksicht auf sich selber. Viel Erfolg, Klara ! Hoffnung ist eine Blume, die nur verwelken kann, wenn man es zulässt.-
Sie müssen leben unter den Markenschuhen derer, die auf ihre Kosten leben. Meine Kollegen der Obdachlosenhilfe sprechen davon, dass die Zahl derer, denen die Trauer, die soziale Verzweiflung, die Not und ihr Elend ihnen ins Gesicht geschrieben stetig Jahr für Jahr wächst und kein Ende ist in Sicht. Ich wiederhole: "Zu uns kommen obdachlose Menschen mit eingewachsenen Socken:" (Caritas Hamburg)
Der Gesellschaft werden relevante Themen ganz bewusst vorenthalten. Sie gaukeln, dass Eiapopeia vom Himmel, womit man einlullt, wenn es greint, dass Volk den größen Lümmel. (Heinrich Heine).

Millionen Menschen im Land, eine verfestigte Zahl können weder Lesen noch Schreiben. Frauenhäuser sind seit Jahr und Tag so überfüllt, dass Frauen abgelehnt werden müssen und zusehen können wo sie bleiben: verprügelt zu werden ist ja Privatsache in einer Gesellschaft, die die Ellenbogen spielen lässt und es als "Erfolg" darstellt, dass die soziale Kälte, der Kampf jeder gegen Jeden der Preis der ausgeleierten Freiheit ist. Freiheit für wen ? Künstlich erzeugte Bedürfnisse lösen mehr und mehr die echten menschlichen Bedürfnisse ab, die jeder kennt, wenn man darüber nachdenkt. Der Mensch ist ein gesamtgesellschaftliches, soziales Wesen und er verkümmert, wenn er sich nicht entwickeln kann. Die Gesamtgesellschaft hat Probleme an der Backe, die, wenn überhaupt nur am äußersten Rand in der Hofberichterstattung einen Nebensatz wert sind. Beschämt, fast hinter vorgehaltener Hand wird es geflüstert, dass irgendetwas in diesem reichen und armen Land nicht stimmen kann. Als wenn sie sich ekeln von Menschen zu sprechen, die im hohen Alter Flaschen sammeln müssen um zu überleben, da trifft es sich doch wieder sehr gut, dass die Werteschwätzer und Moralinapostel den Mini Wong zum Aderlaß bitten. Was für eine Wohltat, dass es ihn gibt. China hat genug Probeme im eigenen Land, dass aber sind Chinas Probleme.

Der Mini Wong wird es richten. Gewalt würden sie auch anwenden quatscht er an anderer Stelle, aber das geht im "Wertewesten" mal eben unter.
In den alternativen Medien ist auch mal was fällig loszuwerden.
Sicherlich sind einige lesbar. Des öfteren auch hier mal genannt. Für mich allerdings gibt es keinen Zweifel daran, nachdem ich in der Galerie nunmehr vier Jahre regelmäßig lese und schreibe, dass es wirklich nur eine Handvoll alternative Medien gibt, die den Namen verdienen. Genau solche Heuchler, die sich links nennen und den selben Quark und Dreck über die DDR kippen sind mir untergekommen. Bei einer Online Zeitung (american rebel) hat man versucht Gellermann bei den Rechten zu verorten, weil er mit Jebsens Preisverleihung sich solidarisch zeigte, mit einer abenteuerlichen Begründung. Bei vielen hat sich der Zeitgeist und politsch (links)? korrekt zu sein durchgesetzt und das ist tödlich. Meist fehlt ihnen die Differenzierung. Gäbs den Preis die "goldene Feder" wüsste ich wen ich vorschlagen würde.


Am 17. September 2019 schrieb Ernst Blutig:

Content vom Springerverlag? Seh ich nicht mehr, hab das Axel Springer Blocker (ASB) - Redux Edtion Addon installiert :D.

Erstaunlich, jedenfalls ist der unterwürfige, oder besser kriecherische Lobesgesang der Hongkonger Profiprotestler aufs britsche Königshaus. Der Kratzer ist wieder tres chic, was man nicht alles so macht für Geld trotz freier Marktwirtschaft und hoher garantierter Autonomie, sobald der böse Chinese ein Gesetz fordert, daß ihm erlaubt nach Hongkong geflohene Mörder z.B. nach China auszuliefern.
Da darf auch gerne sachbeschädigt werden ohne daß Tante Friede und ihre freudlosen Freunde zur medialen Hetzjagd blasen, wie beim G20 in Hamburg, und etlichen Journalisten die Unterhose feucht wird vom klammen Karrieretraum.

Zweierlei Maß sagte man früher noch. Kansste inzwischen knicken das.
Einerlei Maß ist das Maß der deutschen Herrschaften, ab und an auch mal zufällig gleich mit dem der US-Herrschaften


Am 17. September 2019 schrieb Uschi Peter:

Danke für diesen Artikel: was würden unsere Mainstreammedien aufjaulen, wenn der chinesische Präsident als Erstes mit Leuten von Pegida oder der AfD sprechen würde? Aber diese arroganten Westler nehmen sich heraus, die Völker und ihre Regierungen zu brüskieren und erwarten dann deren Wohlverhalten oder sogar ihre Unterwerfung. Soll doch "jeder nach seiner Fasson selig werden" wie der Große Friedrich sagte. Es steht uns nicht zu, anderen Völkern Vorschriften zu machen.


Am 16. September 2019 schrieb H. Koba:

Großartige Kolumne. Trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf.

Die BRD-Qualitätsmedien - von ARD/ZDF über die gesamte schreibende Zunft - hat in Sachen " wie verblöden wir eine Bevölkerung und bauen einen Feind auf", schon seit Jahrzehnten eine gewisse Erfahrung. Schaut man sich die Wahlergebnisse, manche Kommentare auch auf dieser Seite an, stellt jeder politisch denkende Mensch sofort fest: Steter Tropfen höhlt den Stein, oder wie Goebels sagen würde: eine Lüge muss nur oft genug wiederholt werden, dann glauben die Menschen das was wir ihnen in die Hirne pflanzen.

Ich erinnere an graue Vorzeiten:
A. Solschenizyn - sog. Schriftsteller der UdSSR - wurde vom Westen über Jahre gegen die Sowjetunion in Stellung gebracht.
J. Bonner - siehe oben.

R. Havemann, W. Biermann, S. Kirsch, R. Bahro, Leonhard, Harich waren die bekanntesten Figuren der DDR. Werden, so sie noch leben - so wie Biermann -in diversen Talkshows heute noch herumgereicht, denn auch 30 Jahre nach der Konterrevolution scheinen immer noch nicht alle Bürger dieses Staates zu glauben das die DDR ein KZ war.
Ich habe hier nur die bekanntesten der Dissidenten genannt. Die Vögel aus dem kirchlichen Spektrum habe weggelassen.
Ungarn 1956, "Prager Frühling 1968", Ukraine 2018. Mehr gibt es von meiner Seite dazu nicht zu sagen.

Und jetzt also China. Zynisch wie ich bin sage ich: "darauf kann und sollte die chinesische Partei stolz sein. Wenn in diesem Land Konfirmanden wie das Außenministerchen Maas, auf einem Empfang der "BILD" diesen Jüngling Wong hofieren, dann hat die kommunistische Partei Chinas anscheinend bisher alles richtig gemacht.


Am 16. September 2019 schrieb Michael Kohle:

Glaube nicht, Herr Britz, dass die „Verantwortlichen“ mit einem Matthäus-Zitat zu bekehren wären. Gewiß, die klare Sprache unseres Galeristen - so pointiert und zutreffend sie auch sein mag - vermag dieses das Bollwerk der globalen Transatlantiker in keiner Weise zu bedrangsalen. Auch ein Tucho versuchte es einst über mehr als ein Jahrzehnt hinweg, dem „Bösen“ entgegenzutreten und zu -wirken, vor ihm zu warnen. Mit allen Mitteln seiner Fähigkeiten, bis hin zur Satire und Sarkasmus. Und? Was hatte er davon, dass er damals - posthum -recht behielt? Später einmal würde „man“ ihn sogar einmal mit dafür verantworlich machen, dass die, vor denen er gewarnt hatte, deswegen an die Hebel der Macht gelangen und ihren „Vogelschiss“ absetzen konnten. Eine Fundstelle für solch eine Ungeheuerlichkeit kann gerne nachgereicht werden, es würde dann auch belegen, dass die „Herrschaften“ von damals so ziemlich identisch sind mit denen von heute.

Gellermann dieses Mal weit über die Grenzen seiner „Macht um Acht“ hinaus, ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt, wo sich ein Dr. Gniffke zu den Schwaben, den von ihnen einst annektierten Badenern und auch zu jenen aus dem Saumagenland abgesetzt hat, wohl um auszuloten ob sein Vorgänger nicht doch ein paar weiße Flecken in der transatlantischen Hirnregion hinterlassen haben könnte. Immerhin, seinen eigenen Nachfolgern ist mit „Mister Wong“ (gut gewählt der Name, kennt ihn doch Jeder: so hießen früher meist die Ente-Süßsauer-Tempel) ein guter Einstieg gegönnt. Als ob die aktuelle Geisterbahn mit ihren Protagonisten - dem Schlächter Bashar, dem Opfer Nawallny und dessen Nachtmar Putin, dem Menschenfresser Maduro, die mutmaßlichen Massenmörder aus Teheran - nicht ausreichen würde, die ganzen Schmeissfliegen vom stolzen Brautzug mit den Bibis, den Bin Salmans, den Boris’, den Trumps, fernzuhalten.

Eine einzige nach oben offene Skala der Perversitäten also, die uns der Galerist diese Woche anbietet, mit der er den „Reuthers“ dieser Welt (siehe Kommentarspalte zu Beginn) gründlichst den Appetit verdirbt. Klar erkannt: Dem plebs soll mit der alternativen China-Seifenoper „weiß“ gemacht werden, dass die Säulen der transatlantischen Wertewelt immer noch und mehr denn je heißbegehrt sind. Das Menschenrecht, die Menschenwürde, die Rechtstaatlichkeit, in einem Wort: die Demokratie - in Hongkong werden sie im Gegensatz zum undankbaren Michel hierzulande geschätzt, geehrt und begehrt, mit bunten Regenschirmen behütet und mit Fahnen, mit stars and stripes und mit dem Union-Jack zuhauf! Neuerdings - die Lage muß dringlich sein - dürfen die Sponsoren und Auftraggeber schon eindeutig geoutet werden. Na prima!

Dabei müßten doch die ganzen Menschenmassen, die sich derzeit ohne Unterlass durch die „ehemalige Kron-Kolonie“ schleppen, sich nur mal kurz schlau machen, was bezüglich ebendieser „Werte-Säulen“ derzeit so in Transatlantika abgeht. Die Kreisläufer um runde Ecken von vor dreißig Jahren, die konnten es - da im Tal der Ahnungslosen aktiv - ja nicht wissen, was auf sie wartet. Aber jetzt, bei den Möglichkeiten von Neuland, die sie sonst doch so reichlich nutzen, vorzugeben, nichts davon zu wissen und auch nicht wissen zu wollen, wie Mephistoles in Gestalt eines liebenswürdigen, ach so freigiebigen Doktor Faust die Gretchenfrage nach Demokratie, nach Menschenrecht und Rechtsstaatlichkeit beantwortet, das ist dürftig, arg dürftig. Dabei würde es doch für den Einstieg z.B. völlig reichen, Alexa oder Siri eine einzige Suchfrage zu stellen: ASSANGE. Um dann umgehend in großes Wehklagen zu verfallen!

Postscriptum und evtl. off the records

Es begab sich bei der Lektüre des Gellemann-Traktates, dass ich mal wieder ob seiner - gewollten oder ungewollten - Formulierungskunst stutzen mußte. Madsack? Ich glaubte es zuerst nicht - diesen neoliberalen Kampfverband mit sozialdemokratischen Spurenelementen scheint es tatsächlich zu geben. „Mad sack“? Google’s Übersetzer liefert prompt: Verrückter Sack. Na ja. Anderweitig - bei linguee bspw. - gibt es Erhellenderes, das kommt schon eher hin: mad - böse, wahnsinnig, wütend, verrückt. Sack - einsacken, plündern, brandschatzen. Nomen est omen?


Am 16. September 2019 schrieb Matthias Brendel:

Vernebeln, verdrehen, verblöden und verdunkeln, das sind die gängigen Werkzeuge der Qualitätsmedien.
Es sind die immer gleichen farbigen Aufstände, das immer gleiche Empörungsmanagement, die immer gleichen aus dem Hut gezogenen Interviewpartner, die uns sprachlos machen.
Und in der Tat: Es wirkt etwas hilflos in der letzten Zeit, was da so aus dem Fernseher quillt.
Wirklich, es sind schlimme Zustände überall, ausserhalb von Muttis Welt, da müssen wir robust helfen.


Am 16. September 2019 schrieb Elke Zwinge-Makamizile:

Wie gut, dass U.G. die Doppelzüngigkeit, Doppelstandards der westlichen Medien hier erneut -im konkreten Fall Hongkong- beleuchtet. Die Strukturen bleiben gleich, sehr richtig finde ich deshalb auch den Vergleich der offiziellen Unterstützung Wangs mit der von Juan Guaidó (im Kommentar). Was Rang und Einfluss in der neoliberalen Welt hat, nutzt die Gelegenheit, die Regierungen, die ausscheren aus diesem Gesellschaftssystem zu bekämpfen. Das geht, wie wir wissen, bis zu völkerrechtswidrigen Methoden des regime changes. Eine hochrangige FDP-Delegation war in Hongkong mit Mitgliedern der oppositionellen "Democratic Party" zusammengetroffen. Aktivisten, die für die Abspaltung Hongkongs von China eintreten und wegen ihrer Beteiligung an Angriffen auf Polizisten angeklagt sind, erhalten in Deutschland Flüchtlingsschutz. Parallel fördert eine Vorfeldorganisation der US-Außenpolitik oppositionelle Zusammenschlüsse mit Millionensummen; US-Vizepräsident Mike Pence empfängt einen Milliardär aus Hongkong, der seit Jahren Beijing-feindliche Kräfte in der Stadt finanziert sowie sie mit seinem Medienunternehmen unterstützt.

Hier in Berlin haben wir das Internationale Literaturfestival, das in eben diesem Sinne in diesem Jahr eine Lesung für die Demokratiebewegung in Hongkong macht. Beschämenderweise zusammen mit dem PEN.
Danke an U.G., dass er Aktivitäten der Friedensbewegung aufzählt. Ich glaube, sie ist doch stärker als die Mainstreammedien es zulassen, sie wahrzunehmen. (Sie, wie die linken Linken kommen im Vergleich zu den gehypten Grünen ja kaum vor...)


Am 16. September 2019 schrieb Peter Lind:

Lieber Gellermann, wenn Sie ausgeglichen wären, dann hätten Sie auch mal darüber berichtet, was der Vorkämpfer für die Freiheit der Hongkonger Menschen auch gesagt hat zu der Wohnsituation der hundertausenden Ärmsten in der Stadt, die in sog. Waben auf drei Quadratmetern leben.
Ach - ich höre gerade - dazu hat er ja nichts gesagt.


Am 16. September 2019 schrieb karl arsch vom dienst:

much würde mal interessieren wann, wie und wo beschlossen wird,zb. in hongkong einen vermeintlichen aktivisten aufzubauen und wie wurde dieser wong gecastet?

ok die chinesen sind nicht die superdemokraten, aber müssen die das sein?
wieso lässt man die nicht in ruhe?

wenn man nach dem "schlimmheitsgrad" des barbarentums geht, müsste doch saudi arabien ganz vorne stehen als kandidat um dort die Demokratie mithilfe von friedensraketen herbeizuführen oder?
komisch dass die "unsere" guten partner sind, wo man da von staatswegen enthauptet, verstümmelt und gesteinigt werden kann.
kreuzigungen sind in ganz schlimmen Fällen auch möglich.
also das ist vorbildlich, da werden die Menschenrechte gewah


Am 16. September 2019 schrieb Roman Wezenberg:

Es ist ein bißchen schwierig. Ähnlich wie bei Koreaner, die gerne Kim, Il, Sun oder Vietnamesen Nguyen, Tham, Pham heißen, muss ich nachhaken, um welchen Wong es sich handelt. By the way, Müller, Meier, Fischer deutet auch nicht auf kreative Amplituden hin. Ist jener Wong einer der Anführer der Protestbewegung? Jener Wong der öfter die USA bereiste und sich briefen ließ? Dann hätten wir doch wieder das alte Schema. Ähnlich wie beim Interimspräsidenten Guaido in Venezuela. Regimechanges durch Förderung der Opposition. Wir sollten die Chinesen machen lassen. Ein paar Proteste niederschlagen ist unfein und mit meinen persönlichen, westlichen Werte schwerlich zu vereinbaren. Aber dennoch eine andere Liga als die Handlungen der USA. Die bombardieren z. B. Ölfelder und schieben es dem Iran zu. Bin ja um Aktualität bemüht. Und das die chinesische Führung pikiert reagiert weil unser Außenminister erstmal die Opposition in China besucht, kann man denen nicht verdenken. Wir, die nicht um "private" sondern um die geläufigen westlichen Werte bemüht sind (ich nicht), sollten den Ball wirklich flach halten und uns lieber der Seidenstraße anschließen. Und natürlich raus aus der Nato.


Am 16. September 2019 schrieb Eckehard Irkens:

Mit der Person von Herrn Wong und den Vorgängen in Hongkong, sowie der seltsamen Rolle der deutschen Regierung hat sich Herr Berger von den Nachdenkseiten bereits letzte Woche beschäftigt.
Den deutschen Demokratie- Aktivisten und ihren Brüdern in Europa bleibt also nichts anderes über als für mehr Kapitalismus und weniger Gemeinwohl zu demonstrieren, um entsprechend in unseren Medien gewürdigt zu werden.
Oder sie müssen eine hysterische Kampanie fahren die den Wirtschaftsstandort Deutschland/ Europa/ RUS schwächt um denselben in den USA zu fördern.
Auch das würden die "Transatlantiker" mit einer wohlwollenden Berichterstattung goutieren.


Am 16. September 2019 schrieb Marc Britz:

Lieber Uli,

manchmal habe ich den Eindruck, dass Deine klare Sprache und die erdrückende Sachlage bei den Verantwortlichen irgendwie nicht verfängt. Vielleicht muss man diese Menschen ihrer eigenen Ideologie gemäss ansprechen? Ich erlaube mir das mal mit den so genannten Christ-Demokraten zu versuchen:

"Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden. Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! - und siehe, in deinem Auge steckt ein Balken! Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen!“

Matthäus 7, 1-5 (JCW)


Am 16. September 2019 schrieb Heinz Schneider:

Der Auslöser der Bewegung war ein Gesetzentwurf, der die Auslieferung eines Hongkonger Studenten, der seine Freundin in Taiwan ermordet hatte, ermöglichen sollte. In Hongkong kann er nach geltender Rechtslage nicht verurteilt werden (Le Monde Diplomatique, September 2019).

Auf Grundlage der nur spärlich verfügbaren objektiven Informationen scheinen es im Wesentlichen Abstiegsängste und soziale Konflikte zu sein, die im Kern aus dem Bedeutungsverlust Hongkongs als Finanzmetropole resultieren, die Menschen auf die Straße treibt. Die bei uns hoffierten "Anführer" freilich haben offenbar die zunehmende Arbeitslosigkeit und Wuchermieten nicht im Sinn.
Eher ihre Privilegien, denen die internationalen Märkte gerade die ökonomische Grundlage entziehen. Ihre "Verzweiflung" erinnert mich an die Bänker der Wallstreet auf dem Höhpunkt der Finanzkrise.


Am 16. September 2019 schrieb Jörg Reuther:

Hier wird eine Demokratiebewegung lächerlich gemacht die wir gerne hätten. Das ist Propaganda der hilflosen Art. Sie soll den deutschen Medienmarkt treffen und ist doch nur überheblich.

Antwort von U. Gellermann:

"Es ist ein erkennbares Muster: Böses findet immer ganz woanders statt." - Propaganda?


Am 16. September 2019 schrieb Jenny Westpahl:

Da hat eine ganze Medienlandschaft nur zwei Ziele: Durch seichte Unterhaltung von der sozialen Realität ablenken und Feinde im Ausland als Schrecken an die Wand malen. Dass den ausführenden Journalisten das nicht langweilig wird ist erstaunlich. Immerhin kann Herr Gellermann daraus immer neuen Stoff für Inszenierungen aller art gewinnen.

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