AUFSTEHEN? Aber ohne Gewalt!

Keine gelbe Weste in Berlin und um Berlin herum

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. Dezember 2018

Im Nachbarland Frankreich ist der Aufstand unterwegs: Die da unten haben die Schnauze voll. Von denen da oben. Von ihrer schlechten Lage. Vom parfümierten Geschwätz der Eliten. Beim richtigen Aufstehen kann schon mal was kaputt gehen. Sogar am Arc de Triomphe soll was abgebrochen sein. Ach Gottchen, ob dem Herrn Macron auch ein Zacken aus der Krone gefallen ist? Jedenfalls hat er schnell ein kleines Kompromiss-Angebot an die "Gelben Westen" verbrochen. Und das soll sogar Geld kosten. Aber die Westen haben es noch nicht angenommen. Wie auch? Denn Ihre zentralen Forderungen: “Schluss mit der Obdachlosigkeit, Höhere Progression der Einkommenssteuer, und Anhebung des Mindestlohnes auf 1.300 Euro" sind noch nicht erfüllt. Auch der Dressman im Präsidentenamt, den die Gelben nicht wollen, darf immer noch präsidieren.

Nun sollte man meinen, die Sammlungsbewegung AUFSTEHEN, das Konstrukt von Wagenknecht und Lafontaine, würde dem französischen Aufstand Beifall spenden. Eine Delegation der Berliner sei nach Paris unterwegs und würde mal nachfragen, wie  man denn Regierungen unter Druck setzt. Und auch, wie man Bewegungen in Gang bringt. Doch statt eines menschlichen Dialogs zum Thema liest man auf der technizistischen Website der deutschen Aufsteher von Bernd Stegemann, einem Gründungsvater von AUFSTEHEN, zu den gelben Westen: "Ich denke, wir sind, Gott sei Dank, noch zwei Minuten vor der Explosion, die gerade in Frankreich passiert." Und die Gründungsmutter, Sahra Wagenknecht, sagt: "Dass der Protest durch Gewalt unterlaufen wurde, bedauere ich."

Es explodieren die Mieten. Die militärische Gewalt französischer und deutscher Truppen in Mali unterläuft gewaltsam jedes nationale und internationale Recht. Natürlich unterlaufen der Militär-Koalition auch immer mal Tote. - Gott sei Dank sind die französischen Freunde nicht zimperlich. Die bedauern gar nix. Denn die Gewalt der kapitalistischen Verhältnisse macht Rentner zu Bettlern. Die Gewalt der Ausbeutung führt zu brutaler Armut. Und sieh mal einer an: Zwei Drittel der Franzosen unterstützen nach wie vor die Proteste der gelben Westen. Die Popularität des Präsidenten hingegen sinkt weiter. Sagen die Umfragen. Statt den Forderungskatalog der "Gelben Westen" auf der Website von AUFSTEHEN zu posten, fordert die deutsche Sammlungsbewegung dort "Eine Regierung der politischen Vernunft". Was haben wir verpasst? Ist AUFSTEHEN kurz vor der Regierungsbildung? Denn man schreibt auf der Site bereits eine "Präambel zu einem Regierungsprogramm".

AUFSTEHEN sammelt anscheinend noch. Redet aber bisher nicht mit den vorhandenen Bewegungen. Doch man liest in der Präambel: "Es geht nicht um das perfekte Programm, sondern es geht um einen konkreten, praktischen, zügig umsetzbaren Einstieg in einen Richtungswechsel der Politik." Ein Einstieg in den parlamentarischen Aufstieg? Denn erst "Ende März wollen wir die Ergebnisse zusammenführen, darüber im Internet abstimmen und schließlich im Frühsommer auf einem Kongress und breit in der Gesellschaft diskutieren. Die Resultate dieser Diskussion sollen eine Messlatte sein für Wahlprogramme und Kandidatinnen und Kandidaten von Parteien." Konkret wird AUFSTEHEN bisher kaum praktisch. Aber Parteien aller Art werden von AUFSTEHEN eine Messlatte geliefert bekommen. Die werden sich aber freuen.

Jean-Luc Mélenchon, – Kopf der Bewegung „La France insoumise“, das „Unbeugsame Frankreich“ und Chef der äußersten Linken im französischen Parlament – unterstützte die Bewegung vom ersten Tag an. Er hat die Gewalt der Gelbwesten als „legitimes Mittel der Revolution“ bezeichnet. Der deutsche Linken-Chef Riexinger faselt von rechtem Potenzial der "Gelbwesten". Die deutschen Linken sind offenkundig auf der Suche nach einem amtlichen Schalter. Um die Bahnsteigkarten zu lösen. Um dann den Bahnhof aber ordnungsgemäß zu stürmen! Der revolutionäre Fahrplan hängt doch schon aus: "Ende März" – verspricht AUFSTEHEN – "wollen wird die Diskussion zusammenführen." Das soll dann "zur Grundlage neuer Mehrheiten im Bundestag und einer neuen Regierung unseres Landes werden". Vorher aber ist noch "Frühsommer". Mit der Lokomotive ist eher im Spätherbst zu rechnen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 12. Dezember 2018 schrieb randy andy:

Ja leider leider ist die Aufstehen-Bewegung bis dato auf ihren Stühlen kleben geblieben :-(
...und das von einem Riexinger derartige Aussagen kommen war zu erwarten, denn wenn dir die Ideologie all deine Synapsen lahmgelegt hat, kommt eben nur mehr das fertig Indoktrinierte raus " BlubbBlubb rechts....BlaBla rechts....BeepBeep rechts..usw "

Wenn ich so die letzten 10-15 Jahre Revue passieren lasse, erschreckt es mich eigentlich, dass ich schon seit langem auf diversen Tagungen,Sitzungen etc ( wenn mal wieder strunzdumme Ideen oder durchgeknallte Ideologien verbreitet werden sollten) den Spruch losgelassen hatte "Anscheinend bedarf es eines neuen 1848, damit einige ihre Hirnwindungen wieder einschalten"


Am 12. Dezember 2018 schrieb Jutta von Freyberg:

Natürlich, ohne Gewalt, lieber Uli! Wo kämen wir denn hin, wenn das jeder täte? Etwa gar zu so etwas wie einer sozialen Demokratie, pfui Teufel! Aufstehen? Widersetzen? Nein, wieder setzen und sitzen bleiben.


Am 12. Dezember 2018 schrieb Katrin Werner:

Pünktliche zu Weihnachten: Bescherung. Aber das Frau Wageknecht mit mach! Die Sammlungsbewegung ist verstorben bevor die Krippe kommt. Ein Jammer.


Am 12. Dezember 2018 schrieb Christel Buchinger:

Gut gebrüllt, Uli! Und man kann auch nur noch brüllen! Es hat sich allerdings eine Untergruppe in Aufstehen gebildet. die Solidemos vorbereitet, bis jetzt in Berlin und München. Und gelbe Westen besorgt mit dem Aufdruck aufstehen. By the way: die Gewalttäter sind überwiegend zur Unterwanderung und Diskreditierung der Bewegung eingeschleust. Schwarz vermummte Linke lassen sich dafür wunderbar instrumentalisieren, ohne die Drahtzieher wahrzunehmen und die rechten Randalierer sind sowieso von den Temmes et al angeleitet. Aber die Gelbwesten werden das in den Griff bekommen.


Am 12. Dezember 2018 schrieb Johannes M. Becker, Privatdozent Dr., Friedensforscher:

Prima, lieber Uli.

Ich erlaube mir, einen Tucho beizusteuern - mit besten Grüßen allerseits von Johannes Maria


So steh ich nun vor deutschen Trümmern
und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
O Tannebaum!

Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre
und käm in dies Brimborium
- bei Deutschen fruchtet keine Lehre ?
weiß Gott! ich kehrte wieder um.
Das letzte Brotkorn geht zur Neige.
Die Gasse grölt. Sie schlagen Schaum.
Ich hing sie gern in deine Zweige,
o Tannebaum!

Ich starre in die Knisterkerzen:
Wer ist an all dem Jammer schuld?
Wer warf uns so in Blut und Schmerzen?
Uns Deutsche mit der Lammsgeduld?
Die leiden nicht. Die warten bieder.
Ich träume meinen alten Traum:
Schlag, Volk, den Kastendünkel nieder!
Glaub diesen Burschen nie, nie wieder!
Dann sing du frei die Weihnachtslieder:
O Tannebaum! O Tannebaum!

Unter dem Pseudonym Kaspar Hauser im Jahr 1918

ps.: Wer in der Region Marburg lebt, ist eingeladen zu "Weihnachten ist schon ´n gemeiner Trick" im Spiegelslustturm; am Montag, 17.12. um 18 Uhr hat es noch freie Plätze... (06421 682129)


Am 12. Dezember 2018 schrieb Der Linke:

„Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt.“
Kurt Tucholsky

Dran bleiben...

Schlagzeilen

Wenn Sie sich für die Artikel der Rationalgalerie interessieren und immer erfahren wollen, wenn es Neuigkeiten gibt, können Sie unseren RSS-Feed abonnieren:
RSS-Feed abonnieren

Kürzlich...

07. Dezember 2018

CDU niedergekommen

Es ist wieder ein Mädchen
Artikel lesen

07. Dezember 2018

Der US-Unrechtsstaat schlägt zu

Heute Meng Wanzhou, morgen Merkel
Artikel lesen

05. Dezember 2018

Süddeutsche gegen Gellermann

Freispruch mangels Fähigkeiten des Gerichts
Artikel lesen

05. Dezember 2018

Die Russland-Fanfare

Die Tagesschau und ihr Russlandfeldzug
Artikel lesen

29. November 2018

Ukraine-Wahlkampf

Westen macht Kriegs-Reklame
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen