"Der Sozialismus ist wieder da". Das hätte keiner gedacht. Außer Jochachim Hunold, der Chef der Air Berlin. In der jüngsten Ausgabe seines Bordmagazins verkündet er ihn. Das Magazin ist eine Macht: In rund 350.000 Exemplaren liegt es alle zwei Monat in den Fliegern der Fluggesellschaft, es wird auf mehr als eine Million Leser kommen. Die sind natürlich, auf dem Weg in den Urlaub, gut gelaunt und leicht beeinflussbar: Wenn die das ernst nehmen, dann ist der Sozialismus nicht mehr so fern.

Aber beim näheren Hinsehen wird klar: Es war nur eine Zwischenüberschrift und Hunold warnt sogar davor. Ein gewisser Lafontaine, "Poliikflüchtling" und "Rattenfänger" sei unterwegs, meint Hunold, der wolle demnächst den Sozialismus alter Prägung wieder einführen. Und Kurt Beck, der doch tatsächlich Kanzler werden wolle, helfe ihm letztlich dabei. Auch Frau Merkel und so mancher anderer CDU-Politiker gerät ins Blickfeld des prophetischen Touristenfliegers, sie scheinen ihm so eine Art Steigbügelhalter der "Populisten" zu sein, die wiederum den Sozialismus einführen werden.

Hunold, der im vorigen Jahr unter schleichwerbenden Begleitumständen zum "Ritter wieder den tierischen Ernst" geschlagen wurde, bedauert in seinem Magazin auch, dass Bismarck die Post verstaatlichte und ist sich sicher, dass heute mit dem geplanten Mindestlohn das jetzige Postmonopol zu Portoerhöhungen führen wird. Der Sozialismus lauert eben überall. Und warum? Aus Neid weiß Hunold und der Umweltschutz, der das Fliegen teurer machen wird, ist der kryptische Hebel dieser Verschwörung gegen die Reichen und vor allem gegen ihn, Hunold.

Joachim Hunold ist das schöne Beispiel dafür, dass man erfolgreich Geld verdienen kann ohne das heiße Wasser erfunden zu haben. Auch die Polizei besuchte den Mann schon: Der Verdacht auf Insiderhandel löste eine Razzia in seinen Privat- und Geschäftsräumen aus. Dass ihm Gewerkschaften ein Gräuel sind, ist bekannt: Im Juni vorigen Jahres drohte er, seine Tochterfirma dba zu schließen, wenn es dort zum Streik käme. Mit der Schließung der Bundesrepublik, wenn es denn zum Sozialismus käme, hat er noch nicht gedroht.

Während es Piloten verboten ist, während der Arbeit zu saufen, schreibt der Chef einer Airline offenkundig unter Einfluss von Rauschmitteln Artikel für die Fluggäste. Um die Flugsicherheit musså man sich unter solchen Bedingungen größte Sorgen machen.

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