Eine dünne Sprache sickert aus dem Radio in die Ohren der Hörer, Vokabeln wie "Verrohung" und "Mitmenschlichkeit" schwärmen durch den Äther wie Fliegen in der Sonne. Es spricht die Sozialsenatorin Elke Breitenbach. Ihre routinierte Stimme kommentiert ein Verbrechen: Jüngst gab es in Berlin einen widerlichen Mordschlag auf zwei Obdachlose. Unbekannte Täter hatten versucht die beiden zu verbrennen. Das Zusammenleben, sagt die Frau fürs Soziale, sei roher geworden - weltweit.

Parlamentarische Posten können für linke Parteien sinnvoll sein. Wenn die Protagonisten der Parteien ihre Jobs nutzen, um zumindest ein paar Wahrheiten unter die Leute zu bringen. Fast eine Million Menschen sind in Deutschland obdachlos. Mehr als 30.000 sind es allein in Berlin. Spätesten jetzt, wenn der zuständigen Senatorin ein Mikrophon hingehalten wird, wären Vokabeln wie "Wohnungsnot" und "Kapitalismus" fällig gewesen. Die Worte fallen nicht. Die Dame sagt dem lokalen Rundfunk sogar dies: Es werde immer wieder Konflikte mit Menschen geben, die obdachlos sind oder Suchtprobleme haben. Sie verniedlicht Mord zu einem Konflikt.

Die linke Senatorin deutet ein gesellschaftliches Problem zu einem allgemein menschlichen um. Sogar weltweit gäbe es diese Verrohung, es ertränken ja auch Menschen im Mittelmeer. Die Verrohung kennt bei ihr keine Verursacher, die Rohlinge tragen keine Namen. Wenn niemand Schuld hat, dann kann man auch nichts machen. So lautet die Botschaft. Deshalb macht die Asozialsenatorin auch – das ist nur konsequent – keinen Vorschlag zur Änderung der elenden Lage der Obdachlosen.

Wer auf die Website der Senatsverwaltung für Soziales geht, findet dort zur Obdachlosigkeit die Ankündigung einer BERLINER STRATEGIEKONFERENZ ZUR WOHNUNGSLOSENHILFE. Die soll am 10. OKTOBER 2018 über die Bühne gezogen werden. Aus dieser Ankündigung fallen Worthülsen der bürokratisch Art: Man will "Herausforderungen und Handlungserfordernisse identifizieren, die der Senat bei der weiteren Konzeption seiner Leitlinien für die Wohnungslosenpolitik beachten sollte, um eine bedarfsgerechte gesamtstädtische Strategie der Wohnungslosenhilfe zu entwickeln."

Da quatscht ein Politik-Automat in die laue Luft. Da macht ein Sozial-Roboter auf Empörung, der seit dem 8.12.2016 im Amt ist und offenbar bisher noch keine Zeit hatte, "um eine bedarfsgerechte gesamtstädtische Strategie" zu entwickeln. Eine mitleidlose, links angestrichene Maschine quasselt über weltweite Verrohung ohne konkret zu werden, ohne Verantwortliche zu nennen und ohne Verantwortung zu übernehmen. So schafft sich die Linkspartei selbst ab. Ob wohl die ersten Dankschreiben aus der Wohnungswirtschaft schon eingetroffen sind?

Die verdankt ja dem Senat so viel. 2004 beispielsweise hat der Berliner Senat (SPD und PDS) die "GSW", die größte landeseigene Wohnungsgesellschaft an amerikanische Investmentgesellschaften verhökert. So wurde ein wichtiges Instrument zur Steuerung des Wohnungsmarktes privatisiert. Dieser Verrat an den Interessen der Berliner Mieter ist auch Ursache der akuten Obdachlosigkeit. Darüber schweigt Frau Breitenbach vornehm.

Immerhin die "Teilnahme an der Strategiekonferenz ist kostenfrei. Für kleinere Snacks und Getränke ist gesorgt." Das wird den Obdachlosen sicher sehr helfen und die Verrohung des Kapitalismus irgendwie mindern.

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Ist das die selbe Frau, die auf dem Leipziger Bundesparteitag der Linken diese hasserfüllte Rede gegen Sahra Wagenknecht gehalten hat?

Katrin Vogel
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Ja.

Uli Gellermann
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Du hast mir wieder einmal aus der Seele gesprochen, lieber Uli. Ich fürchte nur, diese Linke ist schon überflüssig. Es wäre Zeit für einen Cut und es ist Zeit Klartext zu reden. Ich für meinen Teil habe das Kapitel Die Linke. abgeschlossen,...

Du hast mir wieder einmal aus der Seele gesprochen, lieber Uli. Ich fürchte nur, diese Linke ist schon überflüssig. Es wäre Zeit für einen Cut und es ist Zeit Klartext zu reden. Ich für meinen Teil habe das Kapitel Die Linke. abgeschlossen, definitiv!
Und ich würde gerne aufstehen, um da keine Missverständnisse aufkommen zu lassen! Wie ich soeben bei Majakowski gelesen habe (auf Italienisch): Per quel che concerne il pane la Cosa è chiara, per quel che concerne la pace anche. Ma la questione cardinale della primavera va risolta ad ogni costo. Will sagen: was die Frage des Brotes anbetrifft ist die Sache klar. Auch was die Frage des Friedens anbetrifft. Aber was die zentrale Frage des Frühlings anbetrifft, so muss die gelöst werden, koste es was es wolle.

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Thomas Hohnerlein
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Mit ihrem Verhalten machen sich die Linken überflüssig, weil viele die linke Sozialpolitik nicht mehr verstehen. Einerseits will die Linke das alle nach Deutschland kommen können, sogar ungesteuert, andererseits ist die Linke nicht fähig für...

Mit ihrem Verhalten machen sich die Linken überflüssig, weil viele die linke Sozialpolitik nicht mehr verstehen. Einerseits will die Linke das alle nach Deutschland kommen können, sogar ungesteuert, andererseits ist die Linke nicht fähig für Bedürftige ausreichenden Wohnraum zu schaffen sowie jedem ein einigermaßen menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Das versteht keiner, zumindest keiner der die linken Ideologien nicht 100prozentig mitträgt. Wer behauptet jeden aufnehmen zu können, muss zumindest im Stande sein die eigene Bevölkerung abzusichern. Wer das nicht schafft wird unglaubwürdig, verliert Vertrauen und somit Wähler. Sozialpolitik muss realistisch bleiben und Erfolge vor Ort ersichtlich sein, erst danach kann man sich der Weltrettung widmen.

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Gerhard Wirth
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Vielleicht sollte man die Partei "Die Linke" langsam mal als abgeschafft betrachten. Sie hat keine Funktion, es sei denn eine solche, die andere Parteien schon abdecken.

Franz Witsch
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Ich habe die Linkspartei Mehrfach gewählt. Damit ist jetzt end gültig Schluss.

Lisa Hansen
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Selbst die entschiedenen Mitglieder der Linken, statt sich der ganzen Versammlung direkt gegenüberzustellen, geben die Hoffnung nicht auf, in der Kammer und durch die Kammer noch zu etwas zu kommen und eine Majorität für die Linke zu erlangen....

Selbst die entschiedenen Mitglieder der Linken, statt sich der ganzen Versammlung direkt gegenüberzustellen, geben die Hoffnung nicht auf, in der Kammer und durch die Kammer noch zu etwas zu kommen und eine Majorität für die Linke zu erlangen. Statt eine außerparlamen-tarische Stellung im Parlament einzunehmen, die einzige, die in einer solchen Kammer ehrenvoll ist, machen sie der parlamentarischen Möglichkeit zu Gefallen ein Zugeständnis nach dem anderen, statt den verfassungsmäßigen Standpunkt nach Möglichkeit zu ignorieren, suchen sie ordentlich die Gelegenheit, um des lieben Friedens willen, mit ihm zu kokettieren ... K. Marx, Adressdebatte, 1849, MEW 6, 373.

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olaf teßmann
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In Berlin (auch bundesweit) gibt es eine große Mieterbewegung. Davon weiß die Asozial-Senatorin nichts. Nur ekelhaft.

Ralf Brender
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Danke für die klaren Worte eines berechtigten Zorns!

Paulo H. Bruder
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Diese Nachricht ist erschütternd und beschämend in gleicher Weise. Zwei Männer wurden angezündet. Wieviel Folgen von Neoliberalismus soll die Republik denn noch vertragen ?
"Das kalte Herz," einige werden das Märchen kennen.
Man kennt Worte wie,...

Diese Nachricht ist erschütternd und beschämend in gleicher Weise. Zwei Männer wurden angezündet. Wieviel Folgen von Neoliberalismus soll die Republik denn noch vertragen ?
"Das kalte Herz," einige werden das Märchen kennen.
Man kennt Worte wie, die oder der haben/hat ein Herz aus Stein. Für die unsympathische Tante der Linkspartei trifft das zu. Auf dem Parteitag der Linken hat die sich aufgeführt, dass man sie eigentlich hätte einliefern lassen müssen. (Richterin Silberzweig ist in Leipzig für Zwangseinweisungen nicht zuständig).
In alle Lebens- und Arbeitsbereiche hat sich die Ideologie des Neoliberalismus eingenistet und viele Menschen merken nicht einmal mehr, dass sie auch davon betroffen sind. Bis in die Familien geht das: "Jeder ist sich selbst der Nächste." Jeder ist seines Glückes Schmied." Bla bla bla.
Es gibt keine verlässlichen Zahlen über Obdachlose Menschen, über Armut, weil sie offiziell nicht erhoben werden, denn das würde Konsequenzen zur Handlung nach sich ziehen müssen. Auch Frauen, Kinder und Jugendliche gibt es bei den Obdachlosen.
Die Wohnungshilfe spricht für das Jahr 2018 von 1,2 Millionen Menschen ohne Bleibe.
Seit 1990 ist der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland fast um ein Drittel geschrumpft und er schrumpft weiter. Der kommunale und staatliche Wohnbaubestand wird systematisch ausverkauft und dem freien Marke, den Spekulanten in den Rachen und ihnen zum Fraß vorgeworfen. Gleichzeitig läuft die Bindung für Sozialwohnungen aus, während die Regierungen jede weitere Förderung streichen.
Da war doch Was. In Berlin verkaufte der rot- rote Senat über 200 000 Wohnungen an Finanzhaie, z.B. an Cerberus. Während die Grundspekulation angeheizt wurde , stellte Sozialsenator Wolf (DIE LINKE) gleichzeitig die Förderung für den Sozialen Wohnungsbau ein.
Heute fehlen alleine für wenig Verdiener 150 000 bezahlbare Wohnungen.
Wohnen ist ein Menschenrecht und es ist ekelig, wenn diese linke Tante relaviert. Da gibt es nichts zu relativieren und die Kälte im Land, wo tagtäglich an den "Unsichtbaren" vorbei gelaufen wird, obwohl die obdachlosen Menschen in den Städten, in den Bahnhöfen, in den Hauseingängen unter den Brücken zu finden sind, lässt einen frieren, auch bei diesen Temparaturen. Grenzenlose Wut, dass ausgerechnet eine angebliche Linke diesen Blödsinn verzapft und dem System in den Arsch kriecht bringt mich auf die Palme.
Dieses Pack steht auf den Schultern, (nicht der Kommune), sondern von den Menschen, die sprachlos sind, weil ihnen die Luft genommen wird um atmen zu können. Frau B. hat doch sicherlich kein Wohnungsproblem möchte ich annehmen. Warm, trocken, wie in Abrahams Schoß lässt sich leicht über Armut, Wohnungslosigkeit, Krankheit, Not und Kummer hinwegsehen.
Es betrifft sie nicht. Die Knete, die die monatlich mit all den zusätzlichen Vergünstigungen in ihre Tasche steckt ist recht beachtlich, und die Verachtung, die diese Frau denen entgegenbringt, die ihren Lebensstandard schließlich mit finanzieren ist an Zynismus kaum noch zu überbieten.
"Zu uns kommen Menschen mit eingewachsenen Socken an den Füßen." (Mitarbeiterin des Caritas).
Es gibt bislang nur eine stationäre Einrichtung, wo obdachlose Menschen stationär behandelt werden, und die ist in Hamburg.
Das wirkliche Ausmaß und die echte Not, was es für diese Menschen bedeutet einem ständigen Kampf ums Überleben ausgesetzt zu sein ist für viele Menschen nicht im entferntesten begreifbar. Es ist Schwerstarbeit um Almosen zu betteln, ständig darauf angewiesen sein, dass etwas im Becher ist und wenn die kühle Jahreszeit kommt, kommt die Angst, schleichend, wie der kommende Herbst und Winter überlebt werden kann. Der Kältebus und die vielen Helfer, die zur Stelle sind, die bei Wind und Wetter unseren Mitmenschen Kleidung, eine warme Mahlzeit ein freundliches Wort bringen leisten einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag, der nicht hoch genug anzusehen ist. Viele Einrichtungen sind meist hoffnungslos überfüllt.
Sie wollen den Begriff der Armut töten; ein Verlierer Thema, damit lässt sich politisch kein Blumenpott gewinnen. Bei armen Kindern kann man aber schlecht von "selber schuld" sprechen. Umverteilung ist Teufels Zeug und Armut ist doch meist selbstverschuldet. Der Staat ist ein Monstrum und tut alles, dass er als Staat existieren kann. Leute haben die Partei Die Linke gewählt in der Hoffnung, dass sich die Lebenswirklichkeit der Menschen im Land verbessert. Pustekuchen, sie sind lange, bis auf einige Ausnahmen im System der Ausbeuter und kalten Herzen angekommen, denn genau so verhalten sie sich, diese Schmarotzer.
Das Mitgefühl, die Liebe und die Anteilnahme, nämlich das, was den Menschen zum Menschen macht ist ein mickriges Pflänzchen, dass dringend begossen werden muss, damit es mehr wird, als momentane Bekundungen, Empörungs Arien und Mahnwachen. Es geht um den Alltag, es geht um langfristig, es geht um jeden Tag, wie mit unseren Mitmenschen den Obdachlosen umgegangen wird und das erste was der Mensch braucht wusste Marx mit deutlichen Worten zu sagen: Wohnen, Essen, Trinken und Kleidung sind die elementarsten menschlichen Bedürfnisse und ich füge noch hinzu: Es ist ein Menschenrecht, dass sich niemand erst verdienen muss. Ein Staat wird immer daran gemessen werden müssen, wie er mit den Schwachen, den Armen, den Kindern, den Alten und den Kranken umgeht. Diese Politik hat mit dem Artikel 1, GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar" nichts am Hut, sondern eher mit, wer hat, dem wird gegeben, in dem man denen das nimmt, dass was sie für ein menschenwürdiges Leben brauchen. Die Partei die Linke kann einpacken mit solchen Fratzen, die keinen Mumm und Mut gaben gegen den Strom zu schwimmen und endlich mal das Richtige zu tun, dass wofür sie gewählt wurden: Die Lebensverhältnisse der Menschen im Land zu verbessern. Von mir aus können die verschwinden.
Immerhin hat es ein Gerichtsurteil heute gegeben, dass zwar nur auf die Psychiatrien bezogen ist, dass körperliche Gewalt, nämlich die der Fixierung, ohne Einwilligung des Patienten eine richterliche Genehmigung braucht. (Allerdings darf bis zu einer halben Stunde fixiert werden).
Wer schaut denn auf die Uhr bei dem massiven Personalmangel ?

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Ulrike Spurgat
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Die Linke ist für mich nicht mehr wählbar, weil sie in grossen Teilen politisch vereinnahmt wurde vom Neoliberalismus.
Ich bereue zutiefst diese Partei gewählt zu haben bei der letzten "Wahl".

Gibt es eine Alternative?

Matthias Brendel
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Wählen ist zur Zeit kaum eine Alternative. Nicht wenige Leser der RATIONALGALERIE sind Teil der Friedens- oder der Mieterbewegung. Hier spielt die Zukunftsmusik.

Uli Gellermann
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