Suche: Linke SPD

Biete: Viele Wählerstimmen

Autor: U. Gellermann
Datum: 09. Oktober 2012

Wenn man die CDU ablösen wolle, müsse man SPD wählen, sagte der Mann im Café. Und weiter war er sich sicher, dass, wenn die SPD dran wäre, dass sich dann die SPD-Linke zeigen würde. Siegesgewiss stach er mit seinem Zuckerlöffel in die Luft: Dann geht es aber rund im Land! - Wer mag das sein, die SPD-Linke? Klar, als die SPD zu Ollenhauers Zeiten noch gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auftrat, als sie sich noch gegen deren NATO-Mitgliedschaft wehrte, da waren linke Postionen gut erkennbar. Auch die neue Ostpolitik Willy Brandts hatte deutlich linke Züge. Dann kam Helmut Schmidt, der zwar vom Ab-Kanzler inzwischen zur Lichtgestalt mutierte, der aber weder links war noch ist.

Es gibt in der SPD und ihrer Wählerschaft die hartnäckige Hoffnung, dass die SPD zu ihren sozialen und friedenspolitischen Quellen zurückkehren könnte. Es hat etwas Masochistisches, wie diese Illusion, Jahr für Jahr, zumeist vor Wahlen, aufwallt, um dann nach den Wahlen in sich zusammenzufallen. Doch früher, vor Schröder & Co., gab die SPD wenigstens in der Opposition die linke Partei. Funktionierte sie dann in der Schröder-Zeit wesentlich als Kanzler-Wahlpartei, ist sie nun zum Kanzlerin-Rettungsverein abgestiegen. Opposition findet nicht mehr statt: Wann immer Frau Merkel eine Mehrheit im Parlament braucht, macht die SPD den Kellner: Bitte sehr, bitte gleich.

Seit den Wahlen 1998, den ersten Schröder-Wahlen, hat die SPD rund 10 Millionen Wähler verloren - mehrheitlich an das politische Abseits der Nichtwählerei. Viele Faktoren könnten zur Rückgewinnung dieser Stimmen führen. Ein wesentlicher wäre der große Unterschied: Man sollte sich tunlichst von der Regierungspartei unterscheiden. Das gilt nicht nur für die Rückgewinnung von Wählern. Das gilt grundsätzlich für Wahlentscheidungen: Die Wähler haben gern erkennbare Alternativen. Warum sollte man die Kopie (SPD) wählen, wenn doch das Original (CDU) eine erfolgreiche Spitzenkandidatin hat? Solch einer unangenehmen Frage könnte man mit einer deutlich linken Politik aus dem Weg gehen.

Wo mag sie sein, die linke SPD? Ralf Stegner zum Beispiel gilt als profilierter linker Sozialdemokrat. Er gehört dem SPD-Bundesvorstand an. Der hat gerade Peer Steinbrück einstimmig aber nachträglich zum Kanzler-Kandidaten gekürt. Stegner ist nicht links, er ist Anhänger des Beelzebub-Prinzips. Denn Steinbrück sei zwar nicht sein "Wunschkandidat" gewesen. Aber "Frau Merkel muss geschlagen werden. Und dafür ist Peer Steinbrück eine gute Wahl." Worin mag sich der Teufel (Merkel) vom Beelzebub (Steinbrück) unterscheiden? Auch Hilde Mattheis, die Vorsitzende des Bundesvorstandes des "Forums Demokratische Linke 21" in der SPD, hat eine originelle Meinung: "Obwohl sich die SPD in ihrem Erneuerungsprozess nach 2009 mehr Demokratie, Teilhabe und Transparenz auf die Fahne geschrieben . . . hat, war eine Beteiligung bei der Entscheidungsfindung zum SPD Kanzlerkandidaten leider nicht möglich." Und: "Damit hat sich die Sache erledigt." Das hat Loriot´sches Format.

Dann ist da noch die "Parlamentarische Linke" in der SPD-Bundestagsfraktion. Die hat auf ihrer Website gar keine Meinung zum Kanzlerkandidaten Steinbrück. Sieht man sich dieses oder jenes Vorstandsmitglied der "Parlamentarischen Linken (PL)" an, weiß man warum. Ernst Dieter Rossmann ist Sprecher dieses Clubs und hat brav dem ESM-Rettungsschirm zur Rettung der Banken und der Regierung Merkel zugestimmt. Edelgard Bulmahn, Vorstandsmitglied der PL, hat als Ministerin der Schröder-Regierung die Idee der "Elite-Universitäten" geboren. Unter dieser Fehlgeburt ächzen bis heute Professoren und Studierende. Petra Merkel, auch im Vorstand, hat vor geraumer Zeit zu einer Veranstaltung eingeladen, mit der sie den Afghanistankrieg, der bei ihr natürlich "Einsatz" heißt, erklären wollte. Und so fort.

Heftig rührte der Mann im Café in seiner Tasse. Selbst wenn es zu einer großen Koalition käme, meinte er, wenn nur genug SPD-Wählerstimmen zusammen kommen würden, dann sei das Gewicht der SPD größer und dann könnte sie auch echt linke Positionen durchsetzen. Einfach rührend, der Sturm in der Kaffee-Tasse.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 10. Oktober 2012 schrieb Jana Seidel:

"Dann kam Helmut Schmidt, der zwar vom Ab-Kanzler inzwischen zur Lichtgestalt mutierte, der aber weder links war noch ist." Der von Ihnen beschriebene Prozess ist das Ergebnis von langer Lagerung und kurzem Gedächtnis.


Am 09. Oktober 2012 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

Steinbrück und sonst nichts? - da wird es m.E. nie und nimmer zu einem Regierungswechsel kommen, denn herausragendere Persönlichkeiten sind ausgestorben. Was bleibt also anderes als die bisherige Konstellation, die uns
vollends in den Abgrund führt.

Unsere "Mutti" hat also mit diesem Kandidaten wahrlich nicht viel zu befürchten, dann kann sie der nächsten Bundestagswahl gelassen entgegensehen, denn dann bleibt sie "alternativlos" . . .

Wenn die SPD definitiv nichts Besseres als Peer Steinbrück ins Rennen schickt - dann könnte man die Wahl eigentlich auch gleich sein lassen. Dann gute Nacht Deutschland. Schöne Aussichten!


Am 09. Oktober 2012 schrieb Frieder Hansmann:

Kann ich den Mann im Café kennen?

Antwort von U. Gellermann:

Ja. Es ist jener rot-grüne Stammtisch-Stratege, der Steinbrück für die richtige Taktik hält: Der erreiche die "Mitte", das führe der SPD Wähler zu, damit gäbe es mehr Stimmen und so sei eine Rot-Grüne-Regierung oder eine Große Koalition mit "linken", sozialdemokratischen Akzenten möglich. Von Inhalten sieht der Stratege ebenso ab wie vom Versuch jene Wähler zu reaktivieren, die der SPD wegen rechten Politik den Rücken gekehrt haben.


Am 09. Oktober 2012 schrieb Johannes M. Becker, PD Dr.:

...da bist Du aber gnädig mit der SPD der 50er Jahre.
War die wirklich in ihrem strukturellen Antikommunismus links?
Mit ihrer Mc Carthyschen Verfolgungswut gegenüber allem, was links von ihr entstand, von jenseits des "eisernen Vorhangs" zu schweigen...

Aber, ich glaube dennoch, was Du Dir im Angesicht des Kaffeelöffelschwingers gedacht hast.

Ich wiederum frage mich, wo die Aufschreie aus dieser Partei bleiben?
An der Basis hat es doch immer wieder mal kluge und linke Leute.
Oder sind die mit der WASG alle fort?

Antwort von U. Gellermann:

Die Gnade liegt im Vergleich: Noch war die SPD mit der Arbeiterbewegung verbunden, noch war sie antimilitaristisch, noch wollte sie nicht in die Westbindung, die dann von Helmut Schmidt mit dem NATO-Doppelbeschluss so glänzend vollendet wurde. Die Frage "wie links ist die SPD" ist in ihrer komplizierten Antwort prima an Willy Brandt zu erkennen: Von ihm wurden die Berufsverbote erfunden, zugleich hat der die neue Ostpolitik begonnen.

Wer sich die heutige SPD ansieht (nach Abspaltung der WASG und Lafontaines, da hast Du natürlich recht) kann dagegen kaum Linkes entdecken.

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