Es war am Sowjetischen Ehrenmal am 20. Juni nach der Kundgebung am Brandenburger Tor: „Haste mal ein Messer für mich?“ Fragte der eine Polizist den anderen. Dann eilten sie mit dem Messer zu einem Teilnehmer, der an einer sehr langen Stange eine russische Flagge trug und nötigten ihn, die Fahne einzupacken: Die Kundgebung sei zu Ende! Das Messer sollte zum Abschneiden der Fahne eingesetzt werden. Natürlich gibt es kein Gesetz, dass es verbietet, auf deutschem Boden Flaggen anderer Nationen zu zeigen. Das wäre auch in der Zeit der Fußball-WM, in denen die Fans diverser Nationen die TV-Übertragungen gern mit patriotischen Kundgebungen begleiten, auch zu komisch gewesen. Aber eine russische Fahne? Das konnte die politische Führung nicht dulden.
Rede von Eugen Drewermann
Ungestört verlief am Brandenburger Tor die Kundgebung „Russland ist nicht unser Feind“ mit Rednern unterschiedlicher politischer Herkunft, unter denen die Videoübertragung der Rede von Eugen Drewermann herausragte. Mit rund 1000 Teilnehmern war sie ein Beleg dafür, dass es in Deutschland Menschen gibt, die keinen Krieg mit Russland wollen und sich zu einer Freundschaft mit Russland nachdrücklich bekennen.
Prorussische AfD
Dass die Zahl der Kundgebenden relativ übersichtlich blieb, liegt wesentlich an der russophobischen Haltung deutscher Medien und antirussischer Regierungspolitik, aber auch daran, dass die prorussische AfD bei der Vorbereitung der Kundgebung keine Rolle spielte. Fraglos mindert die Ausgrenzung der AfD die Zahl der Teilnehmer. Zudem verzichtet man auf die Möglichkeit, mit dieser Partei ein korrigierendes Gespräch über ihre Haltung zur NATO zu führen. Denn noch steht im Programm der AfD ein Bekenntnis zu NATO, jenem Bündnis, das entschieden gegen Russland ausgerichtet ist.
Kräfte in den Aktionen für Frieden zusammenführen
Wer die Kriegsgefahr für Deutschland mindern will, muß sich eindeutig für die Parole „Russland ist nicht unser Feind“ einsetzen. Und er muß prüfen, wer dieser Meinung zustimmt, um all jene politischen Kräfte zu sammeln, die den Frieden sichern wollen, indem sie die propagandistische Angst vor Russland abbauen. Dazu gehört auch der Abbau der Spaltung jener Bewegungen, die ein Ende der Russophobie versprechen und die alle Kräfte in den Aktionen für Frieden zusammenführen, unabhängig von deren Ausrichtung in anderen Themenbereichen.
