Gefährder Erdogan

Diktatur privat auf Reisen

Autor: U. Gellermann
Datum: 27. Februar 2017

Jüngst in Oberhausen: Der Assistent des Diktators Erdogan, Ministerpräsident Binali Yildirim, sprach vor tausenden Türken die in Deutschland leben. Deutsche Politiker, die sonst gerne die Freiheitsfahne aufziehen, wenn es um Auslandseinsätze der Bundeswehr geht, sahen keine Möglichkeit den Auftritt des Diktatur-Gehilfen zu verhindern. Denn zum einen sei da doch die vom Grundgesetz garantierte Versammlungsfreiheit. Zum anderen sei der Herr Yildirim privat nach Deutschland eingereist. Denn die „König-Pilsener-Arena“ in Oberhausen sei von den „Europäisch-Türkischen Demokraten“ angemietet worden. Dieser Erdogan-Einfluß-Agentur. Also auch privat. Und noch besser: Yildirim hat schon mal angekündigt, dass sein Chef Erdogan im März auch in Deutschland sprechen werde.

Die Versammlungsfreiheit, sagt das Grundgesetz im Artikel 8, gilt für alle Deutschen, die sich „ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen versammeln“. Hat Erdogan die deutsche Staatsbürgerschaft? Oder sein Gehilfe Yildirim? Der reiste gleich von seiner Oberhausener Werbeveranstaltung für die Diktatur weiter zur Münchner Sicherheitskonferenz. Am Rande dieser Konferenz brachte Frau Merkel auch den Fall des widerrechtlich inhaftierten WELT-Korrespondenten zur Sprache: "Die Bundeskanzlerin drückte die Erwartung der Bundesregierung aus, dass Deniz Yücel eine faire und rechtsstaatliche Behandlung erfährt“, so teilte es der Regierungssprecher mit. Was mag der Satz bedeuten? Die türkischen Behörden mögen doch diesmal auf eine Behandlung durch Faustschläge ins Gesicht, Tritte in den Unterleib und Androhung von Vergewaltigung verzichten? Ist das dann fair? Deniz Yücel ist deutscher Staatsbürger. Da hätte doch die deutsche Kanzlerin mal solch ein Sätzchen sagen dürfen: „Lassen Sie den Mann sofort frei.“

Nun also demnächst Erdogan privat. So privat, wie der türkische Moscheenverband in Deutschland, Ditib, der für Erdogan „Staatsfeinde“ in Deutschland aufgespürt und nach Ankara weitergemeldet hat. Oder so privat wie jene türkischen Konsulate in Nordrhein-Westfalen, von denen der GEW-Landesvorsitzende Sebastian Krebs berichtet: „Wir haben aus unterschiedlichen Quellen erfahren, dass die Teilnehmer (von Info-Veranstaltungen für Lehrer- und Elternvereine) dazu angehalten wurden, den Generalkonsulaten jede Kritik an der türkischen Regierung, die in NRW-Schulen beobachtet wird, zu melden“. Vielleicht werden die Opfer solcher Denunziationen dann auch von Merkel beruhigt: „Sie hat darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass Herr Yücel durch die deutsche Botschaft umfassend konsularisch betreut werden kann.“

Erdogan, der zwar jetzt den IS in Syrien bekämpft, ihn aber vorher unterstützt hat, der immer noch mit anderen syrischen Terrorgruppen zusammen arbeitet und der die Kurden in der Türkei terrorisiert, ist das, was die deutschen Behörden einen „Gefährder“ nennen. In der Türkei begeht er bereits Verbrechen. In Deutschland will er andere anstiften, das Verbrechen zu begehen eine Diktatur zu unterstützen. Immerhin leben in Deutschland etwa 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken. Viele von ihnen sind angenehme Nachbarn und Kollegen. Aber nicht wenige sind, nach Jahrzehnten deutscher Des-Integrationspolitik, auf der Suche nach einer starken Hand, die sie ergreifen können. Diese Hand bietet scheinbar Erdogan. Dieser Einfluss gefährdet auch die deutsche Demokratie. Es gibt keinen Grund den Gefährder Erdogan zur Diktatur-Werbung nach Deutschland einreisen zu lassen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. März 2017 schrieb Hella-Maria Schier:

Komisch wie viele Wischi-Waschi Begriffe es doch gibt.Wahrscheinlich könnten ganze Kriege darüber ausbrechen. Was ist ein "Volk", wer gehört dazu? Deutschland, die Türkei und ... Z. B. Israel sagen jeweils etwas anderes. Welches Gesetz, welche übergeordnete Institution entscheidet jeweils wer Recht hat? Ich hätte es jetzt an der jeweiligen Staatsbürgerschaft festgemacht, die man erlangt, wenn man seit einer gewissen Zeit seinen Lebensmittelpunkt in einem Land hat oder dort geboren ist. Das scheint mir die beste Basis.Darüber hinaus brauchen aber manche ... Gruppen? ... noch andere Definitionen, die bei uns tabu sind. Indianern oder Aboriginees ist z.b.ihre ethnische Zugehörigkeit wichtig. Ich kenne keinen Linken, der das bisher angefochten hätte und es wäre ganz gut, wenn sie vor allem jüngeren Leuten diesen Unterschied in der Bewertung der Frage ethnischer Zugehörigkeit auch erklären würden, denn dieser Widerspruch, die ungeklärte Frage, ob Ethnien und vor allem kulturelle Eigenheiten nun einen Wert darstellen oder nicht, könnte manchen zu den Rechten treiben. Aber nirgendwo wird so gekniffen, wie bei der Klärung dieser Grundsatzfrage. Und man kann sie nicht weltweit am 3.Reich festmachen. Sonst wären wir im Übrigen gut aufgehoben bei den neoliberalen Globalisierern, denn die wollen ja nicht nur die Nationalstaaten, sondern auch kulturelle Bindungen liebend gerne abschaffen, da diese dazu tendieren, das Individuum und die Märkte ihrem absoluten Zugriff zu entziehen. Sie müssten dann natürlich eine eigene künstliche Pseudokultur etablieren, an ihren Bedürfnissen ausgerichtet. Da es derzeit noch keine relevanten aus der Basis gewachsenen Alternativkulturen gibt, diese vom System auch keineswegs gefördert werden, haben wir gegenwärtig nur die Wahl zwischen gewachsenen Kulturen, die ja nicht inhuman sein müssen, und einer kulturzerstörenden Kommerz Allmacht, die mit Sicherheit inhuman ist. Ich habe wenig Lust deren Kampf zu führen. Daher bin ich vorsichtig geworden, was die Ablehnung aller kulturellen Bindungen betrifft. Mir scheint auch, nicht die unterschiedlichen Kulturen sind die Gefahr, sondern die Gesellschaftsordnung, die soziale Ungleichheit, die erst zu einer Übersteigerung, zu Intoleranz und Rassismus führen. Und deren verbreitete Rückständigkeit ist heute vor allem das Ergebnis der i n t e r nationalen Globalisierung. Oder wo hat der sich als multikulturell preisende Westen in den letzten Jahrzehnten weltweit zu freien, toleranten Gesellschaften geführt? Nein, er betreibt einfach Imperialismus und Imperialismus, der gewachsene Kulturen weltweit zersetzt, führt in der Gegenwehr darauf zu Nationalismus oder religiösem Fundamentalismus. Die Völker, Religionen, Mentalitäten wollen sich das Eigene halt nicht nehmen lassen. Moderner würden viele schon gerne, aber auf ihre eigene Weise. Das will ein Imperium natürlich nicht. Seltsam, dass d i e s e Ursache für Nationalismus kaum thematisiert wird. Und das führt dann unter anderem dazu, dass man das nur an Gewinn orientierte globale Finanzimperium für vergleichsweise human hält und Linke ihm verfallen. Obwohl es die eigentliche Wurzel des Übels ist. Ein bisschen mehr grundsätzliches Nachdenken über die wichtigsten Fragen täte gut.


Am 01. März 2017 schrieb Ulrike Spurgat:

Was aus meiner Sicht in der Debatte/Diskussion viel zu kurz kommt, ist die politische, allgemeine Lage im Land, und die spürbaren Folgen und Auswirkungen auf die Gesellschaft, was dieser Artikel sehr klar macht.
Erschreckend ruhig ist es in unserem Land seit längerer Zeit, wenn es um die Einforderung von Menschenrechten geht, um Solidarität, um Zusammenhalt, um eine Gesellschaft, in der diese Werte, noch eine Bedeutung haben, geht. "Schaden vom Deutschen Volk" abwenden, den Schwur hat Pudding Merkel, wahrscheinlich im Zuge geistiger Umnachtung, geleistet, ohne sich über die Folgen und Konsequenzen im Klaren zu sein. Wer von hinten denkt, wie Merkel hat mit Konsequenzen sowieso nichts am Hut, und muss sich demzufolge auch nicht klar und eindeutig positionieren, und verantworten, auch wenn es ganz dringend erforderlich wäre. Da kann der Erdogan, der Kurdenschlächter, ganze Menschengruppen verfolgen, die Meinungs- und Pressefreiheit de facto abschaffen. Tausende wegsperren lassen, laut über die Einführung der Todesstrafe nachdenken, sich in die deutsche Politik mit den üblichen Drohgebärden einmischen, seine Vasallen hier ihr Unwesen treiben lassen, und außer halbherzige, und ist doch nicht so schlimm Äußerungen hat die Merkel, aus Angst, dass der unsägliche Flüchtlingsdeal mit diesem unberechenbarem Despoten, platzen könnte, weniger als nichts dazu zu sagen. Merkel redet sich immer mit sogenannter Rechtsstaatlichkeit raus. Nur, wo ist die Türkei denn rechtsstaatlich? Mit Diktatoren hat Merkel wohl keine Probleme. Menschenrechte? Was ist das? Demokratie? Meinungsäußerung, und vieles mehr hat in der deutschen Politik keinen Platz. Das, was einen so richtig auf die Palme bringt ist diese verflixte Doppelmoral, die angebliche Werte-Nummer, die keiner, der denken kann, noch irgendjemandem von den Herrschenden, bereit ist, abzunehmen, und diese lähmende Gleichgültigkeit, Härte und Kälte. Deutschland wird zum unmenschlichen Eisklotz, der nicht tauen kann, mit Merkel, Schäuble, Göring, Spahn, Röttgen und wie sie alle heißen, weil der Tanz ums neoliberale goldene Kalb sie zu herzlosen menschlichen Ungeheuern gemacht hat. Allerdings waren sie, und sind sie dabei gewesen, und haben es mit gemacht,und deswegen sind sie für ihr Tun in vollem Umfang verantwortlich,
Die Ruhe in unserem Land beunruhigt mich sehr, weil immer mehr Bürgerrechte geopfert werden, und es völlig normal ist, dass in der Türkei, geschlagen, gefoltert, gemordet wird, und Merkel - macht wie immer, nix.
Dunkle Zeiten werden erinnert, wo die Presse gleichgeschaltet gewesen ist, und alle, die Heute von ihrem Recht, Gebrauch, auch anderer politischer Meinung zu sein, werden abgekanzelt, werden abqualifiziert, werden diffamiert und diskreditiert. Demnächst ist es dann soweit, dass der äußere Zensor, vom inneren abgelöste wird, und man sich im Vorfeld selber zensiert. Hoffentlich wird es soweit nie kommen.


Am 01. März 2017 schrieb Simone Birgersson:

Bevor dieser Artikel auch wieder in den Archiven versinkt möchte ich mich noch mal bersonders für die klaren Worte bedanken, durch die du, lieber Uli Gellermann, auch in diesem Fall erneut den Finger in die schmerzende Wunde gelegt hast. Das zeigen auch wieder die Zuschriften und die lebhafte Diskussion darum.
Wen kann es verwundern, dass nach jahrzehntelanger Ablehnung, Diskriminierung bis zum offenen Haß und Morden, die türkische Migranten hier erfahren durften (übrigens auch schon weit vor 1989 im Westen Deutschlands), sie sich für das vermeintlich Sichere und Heimelige, das ihnen ein charismatischer und diktatorischer „Volksheld" zu bieten verspricht, entscheiden. Das und nicht die angebliche Rückständigkeit ihrer „anatolischen Ziegenhirten-Herkunft" ist die Ursache für die große Zustimmung, die Erdogan angeblich in diesem Land unter türkisch-stämmigen Menschen erfährt. Dafür dass Menschen sich von ihrer so gesehenen „Rückständigkeit" gern befreien, wenn sie denn nur die entsprechende Zugewandtheit ihrer Umgebung spüren können, gibt es unzählige Beispiele. Die mentalen Widersprüche zwischen Stadt- und Landbevölkerung sind im übrigen auch kein türkisches sondern ein weltweites Phänomen und haben eher mit den sozialen Gegebenheiten einer Gesellschaft und ihrer vertikalen Durchlässigkeit zu tun. Auch in Deutschland bis heute noch und vermehrt wieder zu spüren. Von daher würde ich mal um etwas mehr „Bescheidenheit" in manchen Äußerungen bitten. Während es auch gerade mal 21 Jahre her ist, dass in Deutschland mittels einer Fraktionsübergreifenden großen Koalition gegen eine männerbündische Abwehrhaltung die Vergewaltigung in der Ehe strafrechtlich verfolgt werden kann, gab es schon damals einen viel höheren Anteil weiblicher Professoren und Dozenten an türkischen Hochschulen als hierzulande. Soviel zu den widersprüchlichen Entwicklungen unterschiedlicher nationaler Gesellschaften.

In diesem Zusammenhang will mir auch nicht die Bemerkung Erdogans aus dem Kopf, die er vor gut einem Jahr hat fallen lassen und die durch die Sylvesterereignisse in Köln hier fast ganz unter den Tisch gefallen ist, wo er nach den positiven Beispielen eines Präsidialsystems befragt, auch das deutsche unter Adolf Hitler erwähnt hatte (für die deutschen Medien übrigens auch kein Anlaß, sich mal vertieft damit zu beschäftigen). Später halbwegs zurückgenommen mit der Bahauptung, er sei falsch verstanden worden, sollte man doch eigentlich davon ausgehen, dass der Mann weiß was er sagt. Die Überlegung, hier sei mal ein Testballon aufgestiegen, wird verstärkt durch die Aussagen eines HDP-Abgeordneten anläßlich der Abstimmung im türkischen Parlament zu diesem Punkt, der die Art der Umsetzung dieses Ziels mit dem Ermächtigungsgesetz 1933 bis in Details verglichen hat, gehört im Dradio bei der Gelegenheit.
Ich weiß nur eines. Sollte Erdogan sich tatsächlich jetzt noch nach D-Land wagen - und von ihm ist ja eigentlich alles zu erwarten -, werde ich mich, wenn nur irgend möglich, in die Demonstrationen gegen ihn einreihen, denn sie sind dann auch im selben Maße ein Protest gegen unsere eigene Regierung und ihre „Toleranz" einem diktatorischen Regime gegenüber und fördern den Zusammenhalt mit den Menschen hier im Land türkischer und kurdischer Herkunft, mit denen wir die gleichen Werte teilen, um auch bei diesem mißbrauchten Begriff an seine optimistische Konnotation mal wieder zu erinnern.


Am 01. März 2017 schrieb Otto Bismark:

@altes Fachbuch zu Jenny Westpahl:
Den Unterschied zwischen Recht und Moral sollte man schon kennen! Und nicht eine Meinungsäußerung kann ggf. moralisch verwerflich sein, sondern allenfalls die in einer Äußerung geäußerte Meinung!


Am 28. Februar 2017 schrieb Alfred Matejka:

Hallo Uli,das ist ja richtig gut,was Deniz Yücel 2012 in der taz geschrieben hat. Kein Schweine-Journalismus.Tritt i(h)n ist kein Maßstab. Was mich interessieren würde:
@altes Fachbuch, welches alte Fachbuch sind Sie eigentlich? Kleinbürgerlich nehme ich an, oder wie, oder was?


Am 28. Februar 2017 schrieb Holger Schmidt:

Ich bin sehr dankbar, dass Sie Original-Artikel von Deniz Yücel veröffentlichen. Das schafft Klarheit und ist en Akt der Solidarität. Danke.


Am 28. Februar 2017 schrieb Deniz Yücel:

Jahre nach der taz-Kolummne Ausschnitte aus einem WELT-Artikel, 19. 12. 2016

EXTREMISTEN IN TÜRKISCHER POLIZEI-UNIFORM

Ein türkischer Polizist hat den russischen Botschafter in Ankara getötet. So sehr die Tat ein Einzelfall ist, wirft er doch Fragen nach der geistig-ideologischen Verfassung der türkischen Polizei auf.

Am Montagmittag endet in Ankara der Prozess gegen den Polizisten Ahmet Sahbaz. Bei den Gezi-Protesten im Frühjahr 2013 hatte er im Güvenpark, einem kleinen Park im Zentrum der türkischen Hauptstadt, den Demonstranten Ethem Sarisülük niedergeschossen. Das Gericht verurteilt den Täter zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten und wandelt das Urteil in eine Geldstrafe um: 10.100 Lira, umgerechnet 2750 Euro. Eine „Schande“ kommentiert Andre Gardener, der Türkei-Experte von Amnesty International. Vor Gericht herrsche Straffreiheit. „Ihr kommt auch noch dran“, ruft, so berichten Augenzeugen, eine Polizistin nach der Urteilsverkündung den Angehörigen zu.
Ein paar Stunden später fallen nur wenige Hundert Meter von dem Ort, an dem Ethem Sarisülük erschossen wurde, erneut Schüsse. Abermals ist der Schütze Polizist: Der 22-jährige Mevlüt Mert Altintas erschießt auf einer Fotoausstellung in einem Kulturzentrum den russischen Botschafter Andreij Karlow und wird bei der anschließenden Erstürmung seinerseits von Polizisten erschossen.

Natürlich kann selbst der perfekteste Rechtsstaat nicht ausschließen, dass einer seiner bewaffneten Mitarbeiter ausrastet. Darum kann niemand den Mord an Karlow der türkischen Regierung anlasten, zumal noch nicht geklärt ist, ob es sich beim Täter – so kaltblütig der Mord auch war – um eine geistig verwirrte Person handelte.

Doch die zeitliche und örtliche Parallele zu dem skandalösen Urteil gegen den Schützen vom Güvenpark wirft, so zufällig sie auch zustande gekommen sein mag, Fragen auf: Fragen nach der geistig-ideologischen Verfassung vieler türkischer Polizisten. Nach ihrem Selbstverständnis. Und nach der politischen Verantwortung.

Es ist gut eine Woche her, dass der türkische Innenminister Süleyman Soylu „Rache“ ankündigte. Es war am Tag nach dem heimtückischen Terroranschlag einer PKK-Splittergruppe in Istanbul. 44 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 36 Polizisten. Soylu sagte nicht, dass die Hintermänner der Tat zur Rechenschaft gezogen würden; er sagte „Rache“. Kurz darauf erklärte Umweltminister Mehmet Özhaseki beim Besuch von Polizisten in seiner Heimatstadt Kayseri: „Hoffentlich werdet ihr alle Märtyrer.“

Ein paar Tage später gab es tatsächlich „Märtyrer“ in Kayseri: 13 Soldaten, die bei einem mutmaßlich von derselben PKK-Splittergruppe verübten Anschlag starben.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte danach: „Zögert auf keinen Fall, die Rechte zu gebrauchen, die ihr im Kampf gegen den Terror habt“, sagte er an die Adresse der Polizei. „Wenn ihr Mitleid mit den Bösen zeigt, übt ihr Verrat an den Unschuldigen. Zeigt niemals Mitleid mit dem Bösen, schon gar nicht mit Terrorristen. Wir als Staat werden immer hinter unserem Polizeiapparat und unseren Streitkräften stehen.“

Seine Einschränkung „im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten“, die er irgendwo unterbrachte, ging unter. Die Botschaft: Ihr könnt alles tun, wir schützen euch.

Angesichts derlei Ermunterungen darf es nicht verwundern, wenn ein einzelner Polizist sich dazu ermächtigt, diese Anweisungen nach eigenem Gusto zu interpretieren. Von „Rache“ für das russische Vorgehen in Syrien sprach auch der Attentäter Altintas. Vermutlich war er davon überzeugt, als „Märtyrer“ zu sterben. Und Mitleid zeigt er wahrlich auch nicht.

Die Ermunterung zur bedenkenlosen Gewaltanwendung, das Gerede von „Märtyrertum“ und die tatsächliche Terrorbedrohung sind das eine. Aber es gibt einen weiteren Aspekt, den Mord an dem Botschafter nicht bloß als bedauerlichen Einzelfall erscheinen lassen, sondern als – unbeabsichtigtes – Produkt einer systematischen Fehlsteuerung: die ideologische Verfassung vieler Polizisten.

So eröffneten die Parolen, die türkische Polizisten an Häuserwänden in umkämpften kurdischen Städten hinterließen, oder ihre martialischen Siegesfeiern tiefe Einblicke in die Gesinnung, die im Polizeiapparat weit verbreitetet ist: nationalistisch, islamistisch, militaristisch.

Antwort von U. Gellermann:

Auch diesen Artikel von Yücel kann ich (bis auf die unpräzise PKK-Stelle) unterschreiben. Obwohl ich die WELT durchweg für ein reaktionäres Blatt halte. Na und? Hat das den Kollegen Yücel zum schlechten Journalisten gemacht? Oder zu einem, der zu Recht einsitzt? Nein.


Am 28. Februar 2017 schrieb Deniz Yücel :

Ausschnitt aus einer taz-Kolummne zu Gauck, 20. 02. 12

Mag Gauck durch seine Wortmeldungen zu Thilo Sarrazin (fand er gut) und zur Occupy-Bewegung (fand er doof) seither in dieser Zeitung und ihrem Milieu einiges an Sympathien verloren haben, der "Präsident der Herzen" (Bild, Spiegel, Solinger Tageblatt) ist er geblieben. Fragt sich bloß: Warum eigentlich?

Als Pfarrer mit Reiseprivilegien begann Gauck ziemlich genau zu dem Moment lautstark gegen die DDR zu protestieren, als dies nichts mehr kostete, um sich hernach mit umso größerem denunziatorischen Eifer an die Aufarbeitung der DDR-Geschichte zu machen. Dabei trieb ihn keineswegs ein sympathisches grundlegendes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen im Allgemeinen und Geheimdiensten im Besonderen, das zuweilen unter amerikanischen Konservativen zu finden ist.
Nein, Gauck ging es bloß um schnöden, gutdeutschen Antikommunismus. So meinte er im Sommer vorigen Jahres zur Beobachtung von Politikern der Linkspartei: "Wenn der Verfassungsschutz bestimmte Personen oder Gruppen innerhalb dieser Partei observiert, wird es dafür Gründe geben. Er ist nicht eine Vereinigung von Leuten, die neben unserem Rechtsstaat existiert und Linke verfolgt." Alles, was Joachim "Behörde" Gauck an Intellektualität, Freiheitsliebe und kritischem Geist zu bieten hat, steckt bereits in diesen zwei Sätzen.
Freilich hat sich Gauck nicht erst nach seiner gescheiterten ersten Kandidatur ideologisch zwischen Martin Walser, Erika Steinbach und Stefan Effenberg verortet. Ein reaktionärer Stinkstiefel war er schon vorher.
So mag der künftige Bundespräsident keine Stadtviertel mit "allzu vielen Zugewanderten und allzu wenigen Altdeutschen", will das "normale Gefühl" des Stolzes aufs deutsche Vaterland "nicht den Bekloppten" überlassen, missbilligt es, "wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird", besteht darauf, dass der Kommunismus "mit ausdrücklichem Bezug auf die DDR als ebenso totalitär eingestuft werden muss wie der Nationalsozialismus", trägt es den SED-Kommunisten nach, das "Unrecht" der Vertreibung "zementiert" zu haben, indem "sie die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten", und fragt – nicht ohne die Antwort zu kennen –, "ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen".
Deswegen merkt auch kaum jemand, wie viel antidemokratisches Ressentiment im Gerede vom "Konsenskandidaten" steckt, das Gauck ins Amt tragen wird; wie viel von der autoritären Sehnsucht wenn nicht nach dem Führer, so doch wenigstens nach dem Kaiser, der mit sonorer Stimme und nachdenklicher Miene vermeintlich tabubrecherische, in Wahrheit aber gefällige Ansichten zum Besten gibt.
Kurz: Die Personalie Gauck zeigt, was dabei rauskommt, wenn in diesem Land so gut wie alle einer Meinung sind (und die übrigen aus den falschen, weil ostalgischen Gründen einer anderen): nichts Gutes. Aber Landestypisches. So bekommt dieses Land demnächst einen Winkeaugust, der die Vorzüge seiner Vorgänger in sich vereinigt: so freiheitsliebend wie Carstens, so pastoral wie Rau, so dünkelhaft wie Weizsäcker, so marktgläubig wie Köhler, so kernig wie Herzog, so geschmackvoll wie Scheel, so alt wie Heuß, so irgendwas wie Wulff und – in den Augen seiner Fans – so integer wie Heinemann. Schließlich, mit etwas Glück: so lustig wie Lübke. Der ideelle deutsche Gesamtpräsident.

Antwort von U. Gellermann:

Diese Kolumne und auch andere Texte von Yücel konnte und kann ich prima unterschreiben. Aber ich würde auch protestieren, wenn Erdogan die von mir nicht geschätzte Anne Will gefangen setzen würde. Es geht um Recht. Erst recht, wenn Yücel nur einer von den Vielen ist, der von der Diktatur ins Gefängnis geworfen worden ist. Wenn er ein Symbol für die Befreiung der Vielen werden sollte wäre er nicht der Schlechteste.


Am 28. Februar 2017 schrieb altes Fachbuch:

wer bestimmt, was ein fortschritt oder rückschritt ist??
wer oder was ist die übergeordnete instanz, die so etwas bewertet, und steht ihr dies zu?
kann und darf man hiesige wertephrasen weltweit jedem land aufoktroyieren?? dann sollte man die nato als befreier feiern und die hausinterne kritik einstellen!!
ich fordere lediglich konsequenz und kontinuität in der diskussion!

"Es gibt keinen Grund den Gefährder Erdogan zur Diktatur-Werbung nach Deutschland einreisen zu lassen."

gibt es aber eine gesetzliche basis, dieses ansinnen und erdogans rechte zu verbieten oder zu beschneiden?? man fordert quasi mit diktatorischen methoden gegen einen diktator vorzugehen! dabei ignoriere ich mal die bewertungen gefährder und diktatur durch die mitforisten!
ein regierungschef besucht seine leute und fordert sie zur mitbestimmung in ihrer (xten) heimat auf: PRIVAT!
wenn vor dem dt. recht alle gleich sind, dann fordere ich das auch für alle anderen, insbesondere us-präsidenten!
erdogan wettert gegen das wirken der pkk europaweit, und siehe da, die gelten rechtlich betrachtet als terrororganisation!? 13.000 anhänger beobachtet allein der dt. verfassungsschutz (wiki)!! ob der ditib so umfänglich arbeitet?? also wo bleibt die konsequenz zwischen nato-verbündeten und eu-beitrittsdiplomaten?
ich sehe viele doppelstandards und eine diskussionsweise von einer ehernen moralischen überheblichkeit oder "humanistischen" traumwolke herab!! weil ein "journalist" betroffen ist??
wenn das experiment kemalismus im heimatland scheitern sollte, müssen dann ausländer denen die klammer aufzwingen?? der werteschwachsinn ist teil des nato-vertrages, und nur weil man das land nicht verlieren will, wird gegen den stimmungswandel im türkischen volk gehetzt! und dieses volk besteht eben nicht nur aus tourismusgewinnern und verwestlichten karrierebeamten, sondern auch aus traditionalisten, religiösen oder urwald-lern, teppichverkäufern oder olivenbauern, anatolischen eselstreibern etc. wie auch immer man in westlicher überheblichkeit darüber herziehen will, und dummer weise darf! im übrigen ist die akp lediglich der politische vollstrecker dieser bevölkerungsschicht und deren materiellen wirklichkeit (wohlstandsverlierer), und nicht deren erfinder (basis-überbau-dialektik, wie immer;)
für mich darf und soll die türkei machen, was ihre bevölkerung mehrheitlich will!!
ohne den westen und die nato, hätte die türkei viele probleme nicht!

Antwort von U. Gellermann:

Es ist ganz sicher ein Rückschritt wenn Tausende wegen ihrer Meinung verhaftet/entlassen werden. Wer für diese Wertung eine „Instanz“ braucht, der hat offenkundig noch nie was vom Menschenrechten geschweige von proletarischem Internationalismus gehört. Zur Zeit herrscht in der Türkei der Ausnahmezustand, eine faktische Gesetzlosigkeit. Wer „Wertephrasen“ entdeckt, wenn der blinde Terrorvorwurf türkischer Behörden gegeißelt wird, der macht sich mit dem beginnenden Faschismus in der Türkei gemein. Wer den Merkel-Verfassungs-„Schutz“ übernimmt, die PKK sei eine Terror-Organisation, der sollte sich auch offen zur CDU-CSU-SPD bekennen. In all den Jahren der türkischen Militär-Diktatur in den 80er Jahren hat die NATO nur Beifall geklatscht. Werte? Quatsch.


Am 28. Februar 2017 schrieb altes Fachbuch:

@ Jenny Westpahl:
j. trittin bezeichnete die arbeit von Yücel als "schweine-journalismus". bei wiki können sie kostproben dieses begabten und "bedauernswerten" wahrheitsverkünders nachlesen:)
die medien, für die er "arbeitete", sind regelmäßig zielscheibe in der schmockecke und der anlass an sich für die afd, die lügenpresse-kampagne zu führen!! über 90% meinungsmache stehen lediglich 10% information (incl. 10% lüge) gegenüber - dieser mann ist ein konzernsoldat in sachen demagogie und manipulation und provokation!!
getreu hearst: "liefern sie den anlass, ich liefere den krieg".
Yücel hat sich nicht gestellt!!! er verblieb als DER aufreger, den unser dt. establishment im wahlkampf braucht: die werte und ihr bester mann sind vom türk. imperator bedroht!! rettet unser system;)
einfältiger geht es nicht! in ein paar wochen wird der kerl ausgewiesen, und in erinnerung bleibt nur der heldenhafte einsatz unserer regierung für die "FREIHEIT";)
zynismus oder fehlende solidarität, anstand?? wovon reden sie??
glauben sie, das SEIN dieser welt wird besser, wenn ich mein weltbild incl. moral und ethik idealisiere?
außerdem ist karneval, und seit böhmermann eh alles legal:)
im übrigen begeifern sie mich mich mit "moralischen" vorbehalten, obwohl ich nichts anderes mache, als jedermanns grundrechte zu nutzen!
seit wann also ist (m)eine meinungsäußerung moralisch verwerflich, wo sie doch rechtlich zulässig ist?
in diesem sinne;)

Antwort von U. Gellermann:

Gegenüber Gefangenen der Diktatur halte ich Solidarität für grundsätzlich für geboten. Anständig fände ich auch, wenn Sie die Trittin-Äußerung im Zusammenhang zitiert hätten: Yücel hatte die sonderbare Einmütigkeit der Gauck-Nominierung in der TAZ kritisiert. Das finde ich bis heute, anders als Trittin, eine richtige Kritik. Auch Yücels scharfe Polemik gegen Sarrazin fand und findet meinen Beifall. Dass die zögerliche Haltung der Regierung gegenüber Yücel auch daran liegen könnte dass er quer lag kommt Ihnen offenkundig nicht in den Sinn.


Am 28. Februar 2017 schrieb Marc Britz:

@Karl Heinz Bernhart und Gellermann

Ähnliches liesse sich auch über den Schwarzwald im Nationalsozialismus sagen. Modernisierung bringt selbst wenn sie von Reaktionären betrieben wird eben immer auch ein wenig Moderne mit - das ging selbst Heidegger zu weit. Dass die Früchte solcher "Volksbildung" wirklich weit tragen wage ich aber zu bezweifeln. Ausser "militärischen Tschingderassabum und dem stets genozidbereiten Nationalismus" bleibt da nicht viel, Lesen und Schreiben hin oder her. Oder warum wird jemand wie Volker Kauder immer wieder gewählt?
Bleibe daher auch skeptisch was die Türkei betrifft, denn - wenn ich richtig informiert bin - gerade in Anatolien holt Erdogan seine Stimmen. Oder bei den aus Anatolien ausgewanderten Türken in Deutschland.

Antwort von U. Gellermann:

Die Nazis fielen gesellschaftlich hinter die Weimarer Republik zurück. Atatürks diktatorische Modernisierung der Türkei war Brechung des veralteten Kalifats. Atatürk förderte die Emanzipation der Frauen. Und während Atatürk den Laizismus zum Staatsprinzip erhob, stützten sich die Nazis auf die „Deutschen Christen“ und orientierten auf angeblich altgermanischen Schamanismus. Schließlich: Die Außenpolitik der Türkei zur Zeit Atatürks war betont friedlich. Jede Menge Anti-Nazis fanden ein türkisches Asyl. Kemalismus herrscht bis heute in den Städten, Islam auf dem Land, dort wo Erdogan wesentlich seine Basis hatte. Kemal Atatürk war kein Heiliger. Aber weder war er mit den Nazis verwandt, noch war er in der türkischen Geschichte ein Rückschritt.


Am 28. Februar 2017 schrieb Alfred Matejka:

Die Erklärungen von Merkel und Gabriel sind ihnen doch von Beamten vorgegeben worden.Und die werden halt rausgeplaudert .Da kommt mir das Essen hoch.Nichts für ungut, aber manche Kommentare hier sind so was von abgehoben, das hilft dem Yücel und allen anderen Inhaftierten und Gefolterten auch nicht weiter. Muss dem Herrn Yücel erst vor laufender Kamera die Kehle durchgeschnitten werden, bevor man in Berlin ein bisschen deutlicher wird? Obama hat bis zum Schluss die Al Nusra Front unterstützt. Erst als vor 3 Jahren die ersten Amerikaner vor laufender Kamera die Köpfe abgeschnitten bekamen, konnte er das nicht mehr so wegtun. Empörung im Fernsehen gezeigt und anschließend zum Golfspielen gefahren.
Was erwartet denn jemand hier von der Merkel? Ich erwarte von einer Bundeskanzlerin,dass sie vor die Kamera tritt und sagt :“Mein lieber Erdogan,du lässt den Yücel und alle anderen sofort frei,sonst lass ich dich auf der Stelle verhaften, wenn du deinen Fuß auf deutschen Boden setzt. Du bist hier nicht willkommen, auch nicht privat. Hast du das verstanden?“ Erspart mir bitte Einwände, dass das so nicht geht.


Am 28. Februar 2017 schrieb Karl Heinz Bernhart:

@Marc Britz

Da möchte ich noch hinzufügen, dass aus der Sicht speziell der anatolischen Landbevölkerung die Idealisierung der laizistischen Militärtugenden, so befremdlich das für aufgeklärte Mitteleuropäer auch anmutet, vielleicht doch ein wichtiger strukturierender Sozialisations - und Bildungsfaktor war. Auch die anatolischen Dorfschulen waren immerhin etwas Besseres als die heute wieder dominierenden Koranschulen, in denen man Kinder dazu anhält, Unverstandenes auf Arabisch zu plappern.
Summa summarum ist der Ausbau des Erdogan-Regimes für die Türkei m.E. ein Rückschritt bezogen auf die Türkei der kemalistischen Reformen, so wenig Sympathie ich auch dem militärischen Tschingderassabum und dem stets genozidbereiten Nationalismus entgegenbringe.

Antwort von U. Gellermann:

Dem kann ich aus eigner Anschauung nur zustimmen.


Am 28. Februar 2017 schrieb Marc Britz:

@Karl Heinz Bernhart

"Die Türkei wurde unter Atatürk ein nationalistisch-militaristisches Gebilde, laizistisch insoweit, als der Islam als Klammer durch eine Überhöhung des türkischen Nationalismus und einen Soldatenkult ersetzt wurde."

Perfekt formuliert Herr Bernhart! Es ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert wie viele Linke sich immer noch von Atatürks Laizismus blenden lassen und das Regime der Jungtürken gutheissen. Vielleicht weil Stalin es mitfinanziert hat?

"Eine - fast - symbiotische Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei drückt sich z.B. auch in der Mitwirkung deutscher Militärberater bei dem Genozid an Hunderttausenden von Armeniern (und Griechen, mein Zusatz) während der Zeit der "jungtürkischen Bewegung" aus."

Und die Nazis wussten die Erfahrungen von diesen Militärberatern zu nutzen. Sie wurden Vorbild für den eigenen Genozid. Generell ist die Vorbildrolle Atatürks und der Jungtürken für den deutschen Nationalsozialismus total unterbewertet. Stefan Ihrig legt in seinem Buch "Atatürk and the Nazi-Imagination" sogar sehr fundiert nahe dass deren Einfluss grösser war als der Mussolinis.


Am 28. Februar 2017 schrieb Karola Schramm:

Lieber Herr Gellermann, ich bezog mich auf die doppelte Staatsbürgerschaft deshalb, weil dieser Journalist in der Türkei festgenommen wurde, weil er dort als Türke gilt und nicht als Deutscher mit besonderen Rechten. Er hat als Deutscher in Deutschland "schlecht" über Erdogan geschrieben. Nun ist er in der Türkei und das Schreiben hier holt ihn dort ein.
Ich kann mir gut vorstellen, wenn der Schnüffelstaat Türkei hier in DE bei Deutsch-Türken (blödes Wort - im Grunde müsste man Deutsche sagen) Denunzianten sucht, dann kann es sehr gut anderen auch passieren, dass sie, wenn sie "Nach Hause" in die Türkei in Urlaub fahren dort dann wegen irgendwelcher abfälligen Äußerungen über Erdogan hier in DE dort festgenommen werden. Diktatoren ticken anders. Einmal Türke immer Türke ?

Antwort von U. Gellermann:

Man kann auch aus seiner kulturellen Herkunft rauswachsen. - Die Willkür des Diktators hat nichts mit dem Doppel-Pass zu tun. Das Juristische ist bei der Menge widerrechtlich Verhafteter nur Vorwand, nicht Grund.


Am 28. Februar 2017 schrieb Karl Heinz Bernhart:

@u.gellermann


Sehr richtig, aber eben doch nicht zu dem, was gerne unter "Volk" (im völkischen Sinne) verstanden wird. Die Türkei wurde unter Atatürk ein nationalistisch-militaristisches Gebilde, laizistisch insoweit, als der Islam als Klammer durch eine Überhöhung des türkischen Nationalismus und einen Soldatenkult ersetzt wurde. Erdo?an bringt jetzt einfach wieder die alte Klammer dazu und ritualisiert sich selber als neuer "Herr der Hohen Pforte".
Eine - fast - symbiotische Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei drückt sich z.B. auch in der Mitwirkung deutscher Militärberater bei dem Genozid an Hunderttausenden von Armeniern während der Zeit der "jungtürkischen Bewegung" aus.

Völkisches Potential verbindet eben!


Am 28. Februar 2017 schrieb marie becker:

"Gut, Schland müsste den Erdogan nicht hofieren, wenn die Türkei nicht so eng mit Schland "befreundet" wäre."

es sind schlichtweg verwandtschaftliche Züge, die bei Merkel zum Ausdruck kommen, wenn sie sanft und schonend mit Erdogan umgeht:

1. sind wir beide EU/Germany und Türkei gemeinsame Kriegsgenossen in der NATO
2.Ihre Alternativlosigkeit lässt nicht vergessen wie autokratisch sie Deutschland regiert.


Am 28. Februar 2017 schrieb Otto Bismark:

Passend dazu einige Zitate unseres aktuellen Außenministers, wie sie heute in der Presse betreffend den in der Türkei inhaftierten deutschen Journalisten (Ostthüringer Zeitung, S. Politik) wiedergegeben werden.
"Die Nachrichten aus Istanbul enttäuschen mich sehr"
"Das ist eine harte und deshalb auch unangemessene Entscheidung"
Zwischentext der Zeitung:
Es seien dramatische Zeiten für die Türkei, aber auch die deutsch-türkischen Beziehungen: Der Fall Yücel werfe ein grelles Schlaglicht auf die Unterschiede bei der Anwendung rechtsstaatlicher Grundsätze. Hier wird uns also eine Meinung präsentiert, nach der das, was ggw. in derTürkei passiert, nur eine andere Rechtsstaatspraxis sei!
Aber weiter Zitat Gabriel: "Wir sind fest entschlossen, uns mit allem Nachdruck dafür einzusetzen, dass Deniz Yücel schnell seine Freiheit zurückbekommt...."
Gehts wohl noch etwas devoter? Vom deutschen Außenminister ein lauwarmes Drücken um energische Schritte!


Am 28. Februar 2017 schrieb marie becker:

"Wer in Deutschland lebt, lernt, arbeitet oder studiert gehört zur Bevölkerung."

ganz recht, Uli aber deutsches Volk und Bevölkerung Deutschlands ist nicht dasselbe und Merkels Behauptung "jeder" der in Deutschland lebt....ist das Volk...ist völliger Humbug (gehört in die Kategorie Populismus) Madame sollte wenigstens die Grundlagen des Rechtstudiums eines Erstsemesters beherrschen, wenn sie in ihren Reden von völkerrechtlichen Kategorien schwafelt...anwenden tut sie die Regeln des Rechtes ja selten genug.

Antwort von U. Gellermann:

Merkels Behauptungen stehen im Artikel nicht zur Debatte.


Am 28. Februar 2017 schrieb Klaus Bloemker:

"Das Volk ist jeder, der in diesem Lande lebt", sagt Angela Merkel.
_____________________
Erdogan lebt aber nicht in diesem Land. Also gehört er nicht zu Merkels Volk.

Was ist aber mit all den türkischen Staatsangehörigen in diesem Land? Gehören sie zu Erdogans oder Merkels Volk?

Für Merkel ist 'das Volk' gleich die Wohnbevölkerung in Deutschland.

Für Erdogan ist das 'das Volk' alle türkischen Staatsangehörigen, egal wo sie leben.

Wer hat recht?

Antwort von U. Gellermann:

Wer in Deutschland lebt, lernt, arbeitet oder studiert gehört zur Bevölkerung.


Am 28. Februar 2017 schrieb Karl Heinz Bernhart:


Erdogan ist dabei, in der Türkei ein Regime zu etablieren, das ich nur als "faschistisch" beschreiben kann, da es alle Merkmale einer derartigen Herrschaftsform aufweist, soweit ich es verstehe. Und dies geschieht vor unser aller Augen und -- fast -- in Europa. Ein Testfeld? Dass der "Führer" hier bei uns direkt oder indirekt seine Stoßtruppen in Stellung bringen und befeuern darf, zeigt nur noch mehr, wohin es mit Deutschland gekommen ist. Man stelle sich nur vor, Putin würde ein entsprechendes Ansinnen an Deutschland stellen -- nicht auszudenken! Aber "fascists are always welcome".

Die Entwicklung in der Türkei halte ich für ein Riesenproblem in der Region, die eh schon zu viele Brandherde hat, und zum Fürchten ist insbesondere die - offenbar- schweigende Zustimmung einer türkischen Bevölkerungsmehrheit aus rückwärtsgewandten Nichtlesern und Nichtverstehern.
Deutschland unterstützt diese Entwicklung noch durch opportunistisches Gewährenlassen unter Vermeidung jedweder deutlichen Kritik -- und das bei unserer Vergangenheit!


Am 28. Februar 2017 schrieb Gerd Wegemann:

Die Verhaftung von Deniz Yücel ist natürlich ein innenpolitisches Thema. Merkel nennt dessen Haft: "Diese Maßnahme ist unverhältnismäßig hart". Weiter nichts. Als ob es sich um ein Bußgeld handeln würde. Es ist diese Frau, die unter dem Einfluss des Erdogan Deals die Demokratie defomriert.


Am 27. Februar 2017 schrieb Jenny Westpahl:

@ fachbuch
Ihre Anmerkungen zu Deniz Yücel sind von keiner Kenntnis getrübt, zynisch und unsolidarisch. Der Journalist hat sich gestellt weil er sonst nicht aus der Türkei rausgekommen wäre, seine bisherigen Berichte waren alles andere als "Lakaienhaft" und anständige Menschen zeigen gegenüber einem von der Diktatur verhafteten, auch wenn man seine Standpunkte nicht teilt, natürlich Solidarität. Aber dieser Anstand fehlt Ihnen offenkundig.


Am 27. Februar 2017 schrieb Georg Moritz:

Es ist für mich unvorstellbar, daß die regierenden Politikprofis und die Machtelite, denen sie dienen, den Zweck der Besuche türkischen Diktaturpersonals nicht erkennen und sich ihre Auswirkungen nicht vorstellen können.

Daraus ist zu folgern: die wollen das so. Aussetzen von Grundrechten, Schleifen der Verfassung, Regieren durch die "starke Hand", Verfolgung und Kriminaliserung von Minderheiten usw. sollen insgesamt bagatellisiert werden als "eine Normalität unter vielen" im westlichen Bündnis.

Die herrschende Machtelite und ihr Politpersonal sind (noch) nicht offen verfassungsfeindlich, eher ist ihr "unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung" ziemlich egal - nochmal abgeschwächt: als Hüter der Verfassung sind sie untauglich oder jämmerliche Versager.


Am 27. Februar 2017 schrieb Petra Hofbauer:

Diesen Gefährder verdanken wir Frau Merkel und ihrem Flüchtlings-Deal. Schönen Dank auch.


Am 27. Februar 2017 schrieb Andreas Buntrock:

"Es gibt keinen Grund den Gefährder Erdogan zur Diktatur-Werbung nach Deutschland einreisen zu lassen"
------------------------------------------

Stimmt hundertprozentig!

Wir haben in Deutschland schon selbst genug Demokratiegefährder in hohen und höchsten Ministerämtern, die allzu gerne bereit sind, einer vermeintlichen Sicherheit unseres Staates und seiner Bürger zuliebe,
die FREIHEIT DES EINZELNEN durch eine GESINNUNGSPRÜFUNG DES EINZELNEN zu ersetzen.


Am 27. Februar 2017 schrieb Karl Heinz Bernhart:

Gut, Schland müsste den Erdogan nicht hofieren, wenn die Türkei nicht so eng mit Schland "befreundet" wäre.

Ansonsten müssen die Türken schon selber sehen, wie sie dieses Übel wieder los werden. Wird halt schwierig mit der anatolischen Bevölkerung, denk' ich mir. Die hat damals der Mustafa Kemal schon nicht mitgenommen.


Am 27. Februar 2017 schrieb Karola Schramm:

"Diktatur privat auf Reisen" ist richtig. Tragisch ist, dass diese Türkei-Diktatur von Deutsch-Türken durch ihre Wahl für Erdogan wesentlich unterstützt wird.
Da frage ich mich, haben diese Menschen nicht begriffen, was Demokratie bedeutet - oder sind so gemein und wünschen ihren ehemaligen Landsleuten in der Türkei alles Schlechte an den Hals?
Ohne diese Deutsch-Türkische Wahlunterstützung für Erdogan hätte er diese Macht in der Türkei nicht.
Wobei dann auch erneut die Frage nach der doppelten Staatsbürgerschaft auftaucht. VOR dem Besuch des Ministerpräsidenten war ich noch dafür, sah sie nicht problematisch, aber jetzt und nach einem Bericht - ich weiß nicht mehr wo - dass Erdogan mit Deutsch-Türken der Gewinner geworden ist, sollte dieses Doppelspiel so schnell wie möglich beendet werden.
Dass Erdogan hier zu "seinem Volk" sprechen durfte und es wieder will, ist eine Respektlosigkeit Deutschland gegenüber.
Die Frage stellt sich auch, ob der WELT-Korrespondent tatsächlich widerrechtlich festgehalten wird. Hat der die "doppelte Staatsbürgerschaft" ist er in der Türkei ein Türke und in DE ein Deutscher. Wie also vorgehen? Hat man ihn bespitzelt und festgestellt, dass er gegen Erdogan agiert ?
Nur die Rosinen aus beiden Ländern herauspicken geht nicht, bzw. macht das Leben für alle Beteiligten auf Dauer schwieriger, undurchsichtiger und betrügerischer.
Wahlwerbung für sich, wie Erdogan das vor hat, darf nicht sein und seine Einreise verboten werden.
Oder würde man einem anderen Staatspräsidenten gestatten, zu seinen "ausgewanderten Landsleuten" auf einer Wahlveranstaltung in einer großen Arena in DE zu sprechen - Erdogan hat den kleinen Finger in Köln bekommen - jetzt will er die ganze Hand.

Antwort von U. Gellermann:

Den in Deutschland lebenden Türken hat man, im sonderbaren Wunschglauben sie würden schnell wieder nach Hause gehen, jede Menge Steine in den Integrationsweg gelegt. Das rächt sich heute. Typische Beispiel: In der EU und Schweiz ist die Doppelte Staatsbürgerschaft schon lange völlig normal. Und während z. B. ein in Frankreich geborenes Kind automatisch Franzose wird, gilt in Deutschland immer noch die völkische Staatsbürgerschaft nach der Vererbung. Der Welt-Korrespondent wird nicht wg. seiner (tatsächlich doppelten) Staatsbürgerschaft festgehalten sondern weil der gebürtige Flörsheimer (Main) und ehemalige TAZ-Redakteur über Korruption in der Erdogan-Umgebung publiziert hat. Der offizielle Lügen-Vorwurf: Terrorismus.


Am 27. Februar 2017 schrieb altes Fachbuch:

ich gehe mit korty und erweitere liebknecht um die volksweisheit vom splitter und balken in jedermanns und des anderen auge!!

die türkei wird zerrissen vom geopolitischem kalkül jenseits von erdogans "ambitionen" oder sonstigem.
ob damit alles gerechtfertigt ist, oder wie die türkei als gesellschaft darauf reagiert, ist nicht zwingend und auch nicht primär mein problem!! jeder der die dortigen vorgänge mit hiesigen "maßstäben" vergleicht, sollte gleichzeitig die putschursachen und die westliche einmischung in innere angelegenheiten offenlegen. wie viel schuld hat die brd an den zuständen in der türkei??
offenbar gibt es dort sogar ein referendum (!!!!!!) über die künftige staatsform, verurteilungswert ist das nicht, ich hätte das auch gern in DE. und die "überlegenheit" des vorbilds westliche "demokratie" ist schon werbung für erdogan genug;) trotz interventionskriege und besatzungen fruchtet sie nicht so wirklich und in den herkunftsländern wird sie obsolet;)

die türken zelebrieren in DE wie VIELE andere auch private veranstaltungen. dabei halten die alle dt. veranstaltungsvorschriften ein, das inhaltliche geht bei privat eben niemanden was an!! so die rechtssprechung! wenn in südbrandenburg die nazis keinen raum für privat finden, dann wechseln sie eben in den wahlkreis von de misere, dort nimmt man die raummieten gern;)

nun wird gar auf basis des GG argumentiert;) ein gesetz, welches nicht weiß, was es will!!
rechte für alles und jedermann, dann nur für deutsche oder auch für bürger, mit und ohne einschränkungen etc..... und siehe im kleingedruckten hängen dann noch reichsgesetze als durchführungsbestimmungen dran!!
wenn es "universelle" menschen- und grundrechte gibt, wozu dann differenzierungen?? und was der befreundete ami darf, geht schon auch für den nato-partner türkei - abhören:)
ein gesetz, welches die npd als verfassungswidrig verurteil aber sie nicht verbietet!
was also soll ich auf dieser basis zum erdogan sagen??

und dann blicke ich auf die personalie Deniz Yücel: ein springer-lakei:(
hat der sich nicht gar gestellt?? ich sehe schon die verfilmung mit v.ferres, "nicht ohne meinen n24-reporter".
also bitte!!
journalisten kommen am meisten da um, wo die nato am meisten wütet: im krieg oder eben in der türkei!!
ist die türkei dann das problem??

Antwort von U. Gellermann:

Die Türkei versucht sich unter Erdogan selbst in Geopolitik: Keineswegs hat sie die Erlaubnis der USA zu ihrer eigenmächtigen, Neo-Osmanischen Politik in Syrien und erst Recht nicht zu ihrer relativen Annäherung an Russland. Zumindest so lange wie die Erdogan-Türkei auf Teile der in D. lebenden Türken Einfluß nimmt und die Türkei NATO-Partner ist, sind natürlich auch die inneren Verhältnisse der Türkei für D. relevant. Nur schwer kann ich mir vorstellen, dass sich jemand ein „Referendum“ unter den Bedingungen einer Diktatur wünscht, außer er will das was der jeweilige Diktator will. Dass Verfassungen immer für die jeweiligen Staaten und deren Bevölkerung gemacht werden/wurden, kann man zum Beispiel auch der DDR-Verfassung entnehmen.


Am 27. Februar 2017 schrieb F. Köhler:

Schreibst du füa scheise? Lass Erdogan, sonst mach isch disch Messer. Erdogan gute Man.

So, oder so ähnlich wäre seitens einer gut integrierten Wählerschaft hier im Lande durchaus argumentierbar.
Dem könnte eine ebenso niveauvolle deutsche Wählerschaft entgegenhalten.

Sone scheiße, jetzt hat die Rejierung dat Bia und die Chips schon wida teurer jemacht. Langsam weiß ma nisch mehr watt ma wählen soll. Mia brauchen wieda mal einen der da aufräumt, mit dem Gesocks.

Ich frage mich, wann den nun bald mal das Orchester kommt, was damals so nett auf der Titanic gespielt hat.


Am 27. Februar 2017 schrieb Hans Rebell-Ion:

Türkei-Ministerpräsident Binali Yildirim in der BRD bedeutet:
Es geht eine giftige Träne auf Reisen!!!


Am 27. Februar 2017 schrieb Lutz Jahoda:

WIE ELITEN EIN GRUNDÜBEL
GERN HONORIEREND FÖRDERN

(Aleksander Kortys Zuschrift unterstützend)

Ach wäre es nur eine deutsche Sage,
dass der Feind im eigenen Lande steht.
Es ist eine alte Menschheitsplage,
die längst dem Geist über die Hutschnur geht.

Politisches Denken ist Mangelware -
und eindeutig nicht nur in unserem Land.
Die traurige Antwort ist eine klare:
Bezahlte Verdummung zehrt am Verstand.


Am 27. Februar 2017 schrieb Marc Britz:

Sehr geehrter Herr Gellermann,

bitte seien Sie doch vorsichtiger mit dem was Sie da schreiben! Oberhausen wurde im Friedensvertrag von Lausanne 1923 nicht der Türkei zugesprochen! Und dieser Vertrag ist für das Erdogan-Regime doch von nun an null und nichtig. Könnte also sein dass die Türkei ein paar Fregatten und F-16 vorbei schickt wenn Herr Erdogan nicht zu Besuch kommen darf. Dass Oberhausen nicht in der Ägäis liegt und somit keine Seegrenze mit der Türkei hat spielt keine Rolle; post-faktisches Denken kennt keine Grenzen! Seien wir also diplomatischer und lassen ihn kommen. Ich fürchte andernfalls ernsthaft um das Leben der Oberhausener!


Am 27. Februar 2017 schrieb paulo h. bruder:

Faschistische Diktatur wird hoffähig gemacht. Wir sollen uns daran gewöhnen. So wie es bereits der Fall ist in Sachen Militarisierung, Banken"rettung", Armutspolitik, VW, NSU/NSA usw. .


Am 27. Februar 2017 schrieb Marie Brenner:

Ihr Verzicht auf bissige Ironie bei diesem Thema ist angemessen. Denn die türkische Diktatur ist nicht lustig.


Am 27. Februar 2017 schrieb Aleksander Korty:

Herr rationaler Galerist Sie werden es mir sicher nachsehen wenn ich Ihnen mitteile, und zwar ehrlichen Herzens, das mich manchmal die Äußerungen "unserer" Kanzlerette (Kanzler-Marionette, hat nichts mit Nikotin zu tun). mehr zum Lachen reizen, als Ihre brillanten satirischen Formulierungen. Eigentlich ist es zwar traurig und beschämend, was diese Frau abzieht, aber da der Zustand dieser Welt so ist, dass kein vernünftiger Mensch ihn ohne sehr viel Humor ertragen kann, lache ich also lieber über so köstliche real-satirische Aussagen wie: "Die Bundeskanzlerin drückte die Erwartung der Bundesregierung aus, dass Denis Yücel eine faire und rechtsstaatliche Behandlung erfährt." Sie trägt das immer so schön glaubwürdig vor, jedenfalls für die große Mehrheit der deutschen Michels. Das sind jene Leute über die der Linguist Noam Chomsky mal geäußert hat: "Die Mehrheit der gewöhnlichen Bevölkerung versteht nicht, was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht."
Und dann kommt mir bei dieser Formulierung auch der Gedanke, wie wohl der GröFaz auf eine solche Aussage von Josef Wissiaronowitsch Dschugaschwili reagiert hätte, wenn er sie 1933 über Georgi Dimitroff im Reichstagsbrandprozess gemacht hätte. Dann muss ich noch mehr lachen!
Aber mal im Ernst: Wer immer noch nicht begriffen hat. dass der deutsche Imperialismus (und seine Erfüllungsgehilfen in der politischen "Elite" der Bananen Republik Deutschland) sich einen Scheißdreck um Menschen, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte kümmert, sondern nur und ausschließlich um seine geopolitischen, wirtschaftlichen und militär-strategischen Interessenm, zwecks stetiger Erzielung eines ständig wachsenden Maximalprofites, dessen Kleinhirn ist nicht mehr funktionsfähig! ! ! Ich fürchte die Deutschen müssen erst wieder wirklich bluten, wie zum Ende des Ersten Weltkrieges, bevor sie zur Vernunft kommen. Das allerdings wäre eine noch vielfach größere Katastrophe als 1918 und 1945. So hoffe ich weiterhin, dass sie noch vorher begreifen, was Karl Liebknecht mit dem Satz meinte: "Der Feind steht im eigenen Land" Ich denke ganz besonders dankbar für diese Einsicht wären uns Herr Putin und die Russen.


Am 27. Februar 2017 schrieb Christian Reddöhl:

Die Türkei ist ein völkisch-faschistoider Staat

pic.twitter.com/bmlWraeOx1
Yildirim zeigte im türkischen Parlament den faschistischen Wolfsgruß...Zeit, die Premium-Partnerschaft zu beenden!
gefunden auf https://twitter.com/NiemaMovassat

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