Diktatur in Köln

Die Staats-Gewalt hat Merkel-Pause

Autor: U. Gellermann
Datum: 01. August 2016

Da waren sie in Köln: Dem Pass oder dem Wohnort nach Demokraten. Dem Herzen nach Erdograten. Jene explosive Mischung von zu kurz gekommen und zu kurz gedacht. Im deutschen Gesetz steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was war das für eine Würde, die ihre Eltern oder Großeltern auf dem Sklavenmarkt der deutschen Industrie genießen durften: Du stark, Du Stahlwerk. Du Frau, Du putzen. Arbeit schändet nicht. Es sind die Verhältnisse, die sie schändlich macht. Für sie gab es nur die Drecksarbeit. Bis heute: Soll doch der Türke die Drecksarbeit mit den Flüchtlingen machen.

Gab es vor der Demonstration für den Diktator in Köln eine Stimme wie diese: Da geht man nicht hin! Gab es nicht. Kein bekannter Intellektueller, keiner aus der Regierung, niemand aus der mächtigen Wirtschaft wollte sich mit dem Herrn vom Bosporus anlegen. Denn der Herr ist im selben Militär-Verein wie wir. Der Herr kontrolliert den Markt, auf dem wir Waren verkaufen. Deutsche Panzer, deutsche U-Boote, auch Fregatten kauft man dort gern. Zwei Jahre lang schützten deutsche Raketen-Soldaten die Grenze der Türkei gegen einen erfundenen Feind: Die Syrer. Zu keiner Zeit hat der Staat Syrien die Türkei bedroht. Aber Diktaturen brauchen Feinde. Wie Schutzgeld-Erpresser schützen sie die Bevölkerung vor einer Bedrohung, die sie selbst erfunden haben.

„Nach den Ereignissen in der Türkei sind die Soldaten der Bundeswehr auf dem Luftwaffenstützpunkt im türkischen Incirlik wohl auf“, schreibt die Bundeswehr in ihr syrisches Kriegstagebuch. Was der Presseoffizier Ereignisse nennt, ist die Diktatur. Es sind die Ereignisse in türkischen Gefängnissen, in Zeitungsbüros unter Kriegsrecht, sind die Erlebnisse bei den Serien-Verhören von Unschuldigen. Schuldig allein, weil der Diktator es will. Jeden Morgen steigen die Airbus-Tankflugzeuge der Bundeswehr vom Flughafen Incirlik auf. Mehr als vier Millionen Liter Treibstoff haben sie schon an die Bomber am Himmel über Syrien geliefert. Man lässt bomben. Was sonst noch auf dem NATO-Stützpunkt so vor sich geht? In der Kantine des „Patriot Village“ gibt es an den deutschen Tagen Bratwurst mit Sauerkraut oder Schnitzel mit Kartoffeln.

"Wir können die Tore zu Griechenland und Bulgarien jederzeit öffnen, und wir können die Flüchtlinge in Busse setzen“, hatte der Diktator gedroht. Wenn ein Flüchtling nicht den Boden der Bundesrepublik betritt, kann seine Würde in Deutschland nicht angetastet werden. Rund 2.000 Migranten kamen vor dem Handel mit Erdogan täglich auf die griechischen Inseln. "Wenn die Türkei sich dafür entscheidet, ihre Macht zu demonstrieren, und die Schleusen öffnet, wird das System in drei Tagen zusammenbrechen“, meinte Lefteris Papagiannakis, Abteilungsleiter für Migrationspolitik bei der Athener Stadtverwaltung. Es ist die Flüchtlingswaffe, vor der das Merkel-System zittert.

Da waren sie in Köln. Auf einer Kundgebung für die Diktatur. Was sollte der deutsche Außenminister sagen? Ich war auch schon mal im Ausland auf einer Kundgebung, in Kiew. Da wurde ganz demokratisch eine gewählte Regierung durch bewaffnete Kräfte beseitigt, vielleicht? Was sollte die Verteidigungsministerin sagen? Ich war gerade erst in der Türkei auf Soldatenbesuch. Da durfte kein deutscher Parlamentarier mit. Obwohl die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Was aber hat sie wirklich nach dem Besuch gesagt: „Die Zusammenarbeit auch mit den türkischen Gastgebern ist sehr eng und vertrauensvoll.“. Das war noch vor dem Putsch, aber nach den Angriffen der türkischen Luftwaffe auf Kurden, nach der Aufhebung der Immunität gewählter Abgeordneter, nach den Massenanklagen gegen Journalisten. Was sollte die Kanzlerin sagen? Ich habe schon mal mit Herrn Erdogan telefoniert. Danach habe ich ein Strafverfahren gegen einen deutschen Satiriker ermöglicht. Oder was?

Ein Zeichen der Würde war weit und breit nicht zu sehen. Man überließ diejenigen, die mit der Diktatur im Land ihrer Vorfahren sympathisierten, den Handlangern der Diktatur. Man machte sie zu Ausländern, obwohl sie seit Jahrzehnten bei uns leben. Denn wären sie Inländer, dann müsste der komplette erste Artikel des Grundgesetzes zu Anwendung kommen: Die Würde des Menschen ist unantastbar, lautet nur der erste Satz, der zweite heißt: Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Wer diesem zweiten Grundsatz verpflichtet wäre, hätte sich klar und deutlich gegen eine Pro-Diktatur-Kundgebung in Köln aussprechen müssen. Aber wer, wie Merkel, die Verfassung so lange biegt bis sie bricht, der will eine Diktatur nicht mal dann erkennen, wenn er drüber stolpert. Die Staats-Gewalt hat Merkel-Pause.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 03. August 2016 schrieb Günther Lachmann:

Liebe Ulrike
endlich ein klares Wort! Dort wo so einige Kommentatoren ein schief hängendes Konstrukt von Geräuschen auf das Papier bringen, hast du wieder einmal tief in die Verknüpfung und Ursache zwischen einem türkischen Despoten und einer deutschen Vergesslichkeit geschaut.
Und wenn du auf die Fehlleistungen/Fehlverhalten der deutschen politischen Parteien hinweist, dann ist das wohl ein weiser Fingerzeig. - Endlich ein klares Wort.


Am 03. August 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

In der Türkei werden Andersdenkende gnadenlos verfolgt, und auch ermordet. Die Todesstrafe wird offen diskutiert, und in Deutschland werden Menschen, die Erdogan weder "verehren", noch ihm politisch folgen wollen, von denen, die angeblich für Demokratie auf die Straße gegangen sind, belästigt, eingeschüchtert und bedroht.
Und was spricht die deutsche Politik denn so? Irgendwie nix.
Die Berichterstattung bewegt sich in sowohl als auch ,dem Diktatur nicht zu Nahe treten zu wollen, um das nicht zu gefährden, wofür sich die Politik, dreht, wendet, lügt, betrügt und was sonst noch. Den dreckigen Geflüchtetendeal, verteidigend mit blutiger Feder geschrieben ,und sprachlicher Verwirrung. Die staatstreue SPD, die um jeden Preis gelernt hat ihren Honigtopf, und die Bauchnabelschau zu kultivieren hat in diesem Zusammenhang die deutsche Geschichte, vernachlässigt, wenn nicht sogar, bewusst ausgeblendet. Deutschland hat doch ganz eigene Erfahrung mit Diktatoren. Ein Blick in die jüngere Geschichte kann durchaus erhellendes, bewirken.
Die "Pickelhaube" der Nation will nun die Gunst der Stunde nutzen, endlich den Einsatz der Bundeswehr im Inneren voranzutreiben.
Haben wir denn noch ein Grundgesetz, bzw. hat es noch eine Bedeutung ?
Die Geschichte hat die Gewaltenteilung gelehrt, und dass gilt es mal wieder gegen die zu verteidigen, die es immer weiter aushöhlen wollen. Die WEimarer Republik lässt grüssen, liebe SPD.
Von Demokratie, möchte ich nicht reden, denn das würde voraussetzen::Keine Deals mit Diktatoren, dazu gehört auch Saudi Arabien.
Die Politiker, die den Deutschen Bundestag besetzen, sind ein jämmerlicher Haufen von Arschkriechern, nach oben buckeln, und nach unten treten, die hochbezahlt und auf aller höchster Ebene versagen.
Ich weiß, Uli: Sevim Dagdelen, ist eine Ausnahme, doch das genügt nicht für eine Fraktion, die gewählt wurde, Sorge dafür zu tragen, dass sich die realen Lebensverhältnisse der arbeitenden Menschen verbessern. Dafür wurden sie gewählt. V. Aken. Liebich, Kipping, Bartsch, und wie sie alle heißen können sich das hinter die pseudo linken Ohren schreiben.
S. Wagenknecht wird von der eigenen Fraktion demontiert. "Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde."
In England gehen tausende auf die Strassen um J. Corbyn in seiner Politik und gegen äußere und innere Anfeindungen zu schützen.
Über die eigenen Mitstreiter, in einer Art und Weise herzufallen, und dem Neoliberalismus und deren Vertretern zu huldigen, in dem die eigenen linken Standpunkte verraten werden,sollte man denn jemals welche gehabt haben, macht mich so einigermaßen fassungslos.
Im übrigen distanziere ich mich ausdrücklich von einigen Kommentaren, ohne näher darauf eingehen zu wollen.


Am 03. August 2016 schrieb Susi Sorglos:

Ich möchte nicht den Artikel kommentieren, sondern den Aufruf zur Friedensdemo.
Hocherfreut wollte ich ihn weiterleiten, bis ich sah: Leute wie ich, die gegen die aktuelle Flüchtlings"politik" sind, sind da anscheinend unerwünscht - denn anders kann ich den Hinweis auf "Vielfalt" nicht interpretieren. Denn das ist ja DAS Schlagwort der Masseneinwanderungsbejubler
Und vermutlich bin ich, die ich immer dachte, dass mein Herz links schlägt - wohl ohnehin auch mittlerweile"Rechtspopulistin" und deshalb unerwünscht.

Schade - ich hatte mir gewünscht, die Linken würden es einmal anders machen, und alle Menschen, die gegen die Kriegsgefahr etwas tun wollen, vereinen. Aber wie dumm von mir.

Antwort von U. Gellermann:

Nach mehrfachem Lesen kann ich im eigentlichen Aufruf zur Demonstration am 08. 10. 2016 in Berlin das Wort „Vielfalt“ nirgendwo lesen (ein Klick auf die blaue Anzeige und jeder kann sich selbst überzeugen). Statt dessen finde ich diesen Satz: "Damit Menschen nicht fliehen müssen, fordern wir von der Bundesregierung, jegliche militärische Einmischung in Krisengebiete einzustellen.“ Wer den nicht unterschrieben kann ist tatsächlich blöd.
Außerhalb des Aufrufes steht diese Formulierung "Wir treten ein für eine solidarische und friedliche Welt, in der Vielfalt eine Stärke ist.“ Die RATIONALGALERIE zum Beispiel (ein Unterstützer des Aufrufs) ist für eine Vielfalt, in der sogar die ziemlich unverständliche Zuschrift von Frau Sorglos einen Platz hat.


Am 03. August 2016 schrieb Reyes Carrillo:

@Götz Six

Ich kann Ihre Bedenken gut nachvollziehen, da Sie ja mit Ihrer Eingangsfeststellung prinzipiell völlig richtig liegen: „Wenn die Medien auf einmal über ein Land nur noch schlechtes zu berichten haben und vor allem der Herrscher dieses Landes ein ganz schlimmer Finger sein soll, dann handelt es sich nunmal zu 99% um eine Kampagne. Wäre Erdogan der Darling der deutschen Eliten könnte er so viel Demokratie abbauen wie er wollte, es würde höchstens in dünnen Randzeilen kritisiert werden“. Das ist die Regel, ist das Grundsetting der westlichen medialen Propagandalinie. Diesbezüglich möchte ich Uli Gellermann in seinem Kommentar auf Ihren Leserbrief auch etwas widersprechen: Für ein NATO-Mitglied in einer solch geostrategisch extrem wichtigen Region wie der Türkei ist das allgemeine, Jahre andauernde Erdogan-Bashing seitens der Regierung und ihrer medialen Bauchredner schon etwas ungewöhnlich. Im Vergleich dazu kam und kommt die ägyptische as-Sisi-Diktatur gar nicht vor in den deutschen Qualitätsmedien. Gut, die ist weit weg, ist nicht fundamentalistisch religiös, ist nicht in der NATO und hat vor allem keinen Antrag auf Beitritt in die EU abgegeben. Das ist bei der Türkei und seinem „selbstbewussten“ Präsidenten natürlich anders: Vor allem die CSU und Teile der CDU sahen und sehen in Erdogan den personifizierten SuperGAU, der den Islam endgültig in Deutschland, in Europa verankern will und damit das konservative Bild eines christlichen Abendlands zu zerstören droht. Sein stolz geschwellter, türkischer Nationalismus und der seiner religiösen Glühlampen-Partei hatten schon immer heftigen Widerspruch geerntet, denkt man an Erdogans Rede bzw. an die Rezeption derselben im Mai 2010 ebenda: in Köln. Fast ungläubig sah man zu, wie breitschultrig dieser zum „Dritte-Welt-Land“ verkommene Osmane, der uns die billigen und fleißigen Alis und Ayşes ausgespien hatte, daherkam.
Der in den letzten Jahren deutliche demokratische Verfall der Türkei durch einen in die Pathologie des Diktators entrückten Präsidenten fand hierzulande den kritischen Widerhall und Fokussierung, die man sich gegenüber anderen mit Deutschland verbündeten Diktaturen oft gewünscht hätte (Saudi Arabien, Ägypten, andere Nahost-Monarchien). Alles in allem ist das schon eine lange Jahre dauernde breite Front in Deutschland gegen die Erdogan-Türkei. Eine sich selbstbewusst-nationalistisch gebende, am Laizismus sägende islamistische Türkei, die in die EU drängt ist de fakto ein deutsches Feindbild. Die Unterdrückung und das organisierte Morden an den Kurden vor und unter Erdogan andererseits war freilich nie ein Thema im deutschen Staats-Blätterwald, ganz im Gegenteil, diese geradezu genozidale Politik wurde unmittelbar und mittelbar unterstützt. Die sozialistische PKK wurde mit Handkuss als Feinbild übernommen. Eine Umarmung von Ideologie und Strategie. Trotz aller erstaunlichen Medienkritik: Merkel-Deutschland braucht die Türkei eben doch und lässt damit freilich, wie anders, jede wirkliche Konsequenz fallen, wenn es ums oder ans Eingemachte geht. Davon und um viel, viel mehr handelt Uli Gellermanns Artikel.

Die Dinge sind sowieso komplizierter geworden: Letztlich harmloses Erdogan-Bashing ist heute die Unsichtbarmachung des Wesentlichen, nämlich der faktischen Diktatur eines NATO-Mitglieds (was sich bekanntermaßen gemäß den vollmundigen Statuten ausschließen sollte) und des deutschen Abtauchens angesichts dieser Entwicklung. Merkels Willkommenskultur wiederum ist die Unsichtbarmachung der dahinter liegenden Fluchtursachen, also der eigenen Mitverantwortung. Dies als nur lächerliche zwei Verknüpfungspunkte. Es gilt, alle Schleier zu lüften: Uli Gellermanns Artikel ist deshalb ein großartiges Lehrstück für ein 360°-Schleierlüften, das das ganze Ausmaß der Heucheleien, Lügen und eigenen Verbrechen im deutsch-türkischen Geflecht virtuos miteinander verknüpft.
Dass Sie in Ihrer Kritik ein gewisses Maß an Solidarität mit der Post-Putsch-Türkei reklamieren, finde ich übrigens unerträglich. Zumal Erdogan die Gülen-Krake in Staat und Bildung aktiv unterstützt und persönlich mitinstalliert hatte. Es ist kein Sieg der Demokratie, wenn die aufgeheizten Anhänger einer Diktatur die Diktatur des andern verhindern. Und vor allem dann nicht, wenn die siegreiche Diktatur sich so diktatorisch gebärdet, wie sie es seit etwa drei Woche tut. Das ist kein albernes Wortspiel, leider.


Am 03. August 2016 schrieb H.C. Hoffer:

"Es ist die Flüchtlingswaffe, vor der das Merkel-System zittert." -
O, es gibt sie also doch, die Flüchtlingswaffe !
Wurde das von Ihnen nicht in Abrede gestellt ?
Aber: Mensch lernt ja, jeden Tag.
Schöne Grüße und herzlichen Dank für den erkenntnisreichen Kommentar.

Antwort von U. Gellermann:

Es ist Erdogan, der die Flüchtlinge als Waffe nutzt.


Am 03. August 2016 schrieb Klaus Bloemker:

Uli schreibt:

"Was war das für eine Würde, die ihre Eltern oder Großeltern auf dem Sklavenmarkt der deutschen Industrie genießen durften: Du stark, Du Stahlwerk. Du Frau, Du putzen. Arbeit schändet nicht. Es sind die Verhältnisse, die sie schändlich macht."

Dazu muss ich noch mal was sagen:

Dass die Türken bzw. die türkisch Stämmigen in Deutschland nicht zum Boykott der pro-Erdogasn Demonstaruion aufgerufen haben, liegt wohl - nach Meinung Ulis - daran, dass die Verhältnisse - bei Opel oder als Putzfrau gearbeitet zu haben- sie SCHÄNDLICH GEMACHT HABEN.

Geht es noch arroganter?

Antwort von U. Gellermann:

Wer nicht lesen kann, soll auch nicht schreiben: "Arbeit schändet nicht. Es sind die Verhältnisse, die sie schändlich macht.“


Am 02. August 2016 schrieb Götz Six:

Ich finde Ihren Einklang mit den Qualitätsmedien in Punkto "Diktator" Erdogan etwas befremdlich ehrlich gesagt. Wenn die Medien auf einmal über ein Land nur noch schlechtes zu berichten haben und vor allem der Herrscher dieses Landes ein ganz schlimmer Finger sein soll, dann handelt es sich nunmal zu 99% um eine Kampagne. Wäre Erdogan der Darling der deutschen Eliten könnte er so viel Demokratie abbauen wie er wollte, es würde höchstens in dünnen Randzeilen kritisiert werden.

So liegt die Vermutung nahe, dass mindestens großen Teilen der deutschen Eliten irgendetwas an Erdogan gewaltig stinkt und wenn dies der Fall ist, können die PR Büttel bekanntermaßen sehr kreativ und effizient sein beim Zeichnen eines negativen Bildes. Wenn man aus der selben Richtung in die selbe Kerbe schlägt, ist man mMn mindestens teilweise auf dem Holzweg. Damit meine ich also nicht, dass das alles Quatsch ist, was Sie dazu schreiben, aber ich glaube, Sie übersehen da was.

Des Weiteren dürfte es hilfreich sein, sich mal vorzustellen, was hier los wäre, wenn die Bundeswehr putschen würde. Würden wir auch von Säuberungen sprechen, wenn die gescheiterten Putschisten aus ihren Ämtern entfernt würden? Am Ende des Tages ist Erdogan demokratisch gewählt und wenn Gruppen versuchen ihn mit illegalen Mitteln aus dem Amt zu drängen, hat er jedes Recht, dagegen vor zu gehen. Ein gewisser Verdacht bleibt zwar, aber der Mangel an Solidarität mit der Türkei nach dem Putsch ist schon eklatant.

Im übrigen schätze ich Ihren Blog sehr.

Antwort von U. Gellermann:

Dass die sogenannten Qualitätsmedien durchweg schlecht über Erdogan berichten, kann ich nicht feststellen. Die ARD schenkte ihm eine serviles Interview und die Kölner Kundgebung wurde in den deutschen Medien keineswegs als Aktion für eine Diktatur gebrandmarkt. Auch von der deutschen Regierung (die zumeist 1:1 im Medien-Mainstream abgebildet wird) wird das Wort Diktatur nicht benutzt. Der Grund ist bekannt: Ein Nato-Partner kann einfach keine Diktatur sein. Das war die Türkei aber bereits vor dem Putsch.


Am 02. August 2016 schrieb Lutz Jahoda:

STANDPUNKT

Albträume nehmen überhand,
sind grausame Wirklichkeit geworden.
Beginnt in unserem einig Land
inzwischen auch das Alltagsmorden,
das uns Washington geschenkt?
Wer wird diesmal in Nürnberg gehenkt?

Nun haben wir auch noch zum ganzen Verdruss
einen türkischen Adolf am Bosporus
und Menschenmassen, die ihm huldigen,
dem präsidial gefährlich Schuldigen,
der befehlend in Köln zum Angriff blies,
Demokratie verbal zerbröseln ließ,
Deutschland nicht mit der Wimper zuckte,
artig die Diktaturtinktur schluckte
und dafür auch noch Erdogan dankt?
Höchste Zeit, um zu sagen: Das langt!


Am 01. August 2016 schrieb Andreas Schell:

Tja, ich gebe offen zu, dass mich der Irrsinn, den "wir" mit der Türkei treiben, deren Innenpolitik wir jetzt auch in Köln viel mannstärker als die eigene Friedensbewegung verfolgen durften, überfordert. Selbst im engen Rahmen gedacht ist das ja alles hochgradig unlogisch. Schon klar, dass die Türkei ein verdammt guter Waffenkunde und NATO-"Partner" seit langer Zeit ist. Die Türken haben Leopard-Panzer zum Abwinken und sind stolz darauf. Nun schicken wir Deutsche aber auch Militärberater, Ausbilder und Waffen zu den Peschmerga, offizielle Armee der autonomen Region Kurdistan. Kurdistan ist quasi Staatsgebiet eines Volkes gegen das der Herr Erdogan Krieg führt. Die bekommen von uns panzerbrechende Milan-Raketen. Der Konflikt Türken-gegen-Kurden wird damit zur Show deutscher Waffentechnik - na gut, verstanden: Verbrauch fördert Verkauf, aber die politische Logik fehlt, und der Weitblick sowieso.
Da fällt mir die eigentümliche Geometrie der momentan geplanten oder im Bau befindlichen Pipelines ein, die russisches Gas um die seltsam von West und Ost begehrte Ukraine herum und - noch nicht fertig, aber sicher einer der Kriegsgründe in Syrien - Gas aus South Pars, dem größten Gasvorkommen der Welt transportieren sollen, das zwischen Oman und Iran in 3500m Tiefe liegt. Nach Europa muss es, das Gas, damit wir per "GTL", uralter urdeutscher Technologie, Diesel draus machen können, wenn bald das Öl alle ist. Quer durch Syrien und die Türkei muss es, das Gas, mit oder ohne Zustimmung von USA, Rußland und der EU ... also all jenen Nationen, die gerade mehr oder weniger intensiv, direkt und indirekt im nahen Osten bombardieren und ganze Völker versprengen. Der Herr Erdogan ist dabei schon sehr wichtig, nur wofür? Die Turk-Völker, die er gerne auf tief muslimischer Basis einen würde, wohnen da, wo die Pipelines laufen und weiträumig verteilt auf russischem Staatsgebiet und südlich davon. Populär ist er auch, der Erdogan, bloß befehlen lässt der sich von Extern gar nichts. Die Pipeline-Oligarchen dieser Welt können freilich keinen starken Diktator auf ihrer Durchleitungsroute gebrauchen.
Seit dem (meiner Meinung nach mit Sicherheit von irgendwem inszenierten) Deppen-Putsch in der Türkei ist klar: alles eskaliert, und überhaupt nichts läuft nach Plan. Die Beteiligten am Krieg in Arabien sind die größten Militär- und Wirtschaftsmächte der Welt. Sie wollen alle noch viel mehr vom schwindenden Rohstoffvorrat des Planeten, und Menschen sind ihnen offensichtlich scheißegal. Genau: die "Wiege der Menschheit" im Zweistromland, oder Erbil, die "älteste kontinuierlich bewohnte Siedlung der Welt" und die vielen anderen, reichen alten Städte, wo man von je her leben konnte oder besser könnte - so richtig scheißegal. Hauptsache Öl und Gas.
Mir wird schlecht, wenn ich auf Basis dieser unvollständigen Aufzählung und - zugegeben - Abschweifung das Kopfkino laufen lasse. Vielleicht hilft es ja noch, schnellstmöglich von fossilen Energieträgern runter zu kommen und den Nachschub an Waffen und Munition zu unterbinden ... daran arbeitet bloß gerade keiner. Unsere kinderlosen Rentner in spe fahren klimatisierte SUVs mit 15L Verbrauch, Controlling bei Rheinmetall oder EADS ist moralisch OK und die Munitionsproduktion erledigen Roboter, die keiner vor Gericht stellen kann (nur besteuern wird gerade erörtert - hahaha).
Alles sauber bei uns.
20.000 in Köln für Erdogan? 5.000 gegen Ramstein gegen den Drohnenkrieg? Keiner verzichtet auf sein Auto? Strom kommt aus der Steckdose? Tja, dann müssen wir alle auch diese schmerzhafte Lektion lernen, die längst begonnen hat. Nein, unser Problem hat nichts mit Staatsform oder Religion zu tun, nichts mit Nationalität, nichts mit Diktatur und nichts mit Terrorismus. Marionetten sind überall austauschbar. Es geht ums Überleben, und zwar derer, die glauben, es sich verdient zu haben. Einige von ihnen irren sich gewaltig. Der "Kollateralschaden" wird riesig sein und uns alle betreffen, wenn wir es nicht schaffen das Chaos zu ordnen und wieder die richtigen Themen zu diskutieren.


Am 01. August 2016 schrieb Uschi Peter:

Die ganze Crux besteht darin, dass die Türkei und andere "Demokratien" mit Geld, Waffen und wirtschaftlichen Zuwendungen von uns unterstützt wird. Damit nimmt man sich das Recht heraus, sie auch zu maßregeln wie es uns beliebt. Aber bei der Türkei hat man sich verrechnet. Die hier eingewanderten Türken haben eine andere Tradition und Lebensweise, die sie trotz eines guten Lebens oft in eigenen Stadtvierteln weiter pflegen. Das bedeutet aber, dass sie sich nie mit der freien unstrukturierten Lebensweise in Deutschland abfinden konnten. Aus unserer "Unmoral und dem chaotischen Leben" sehen sie Erdogan als Erlöser. Siehe 30er Jahre, wie M. Becker schrieb.


Am 01. August 2016 schrieb Heinz Raschein:

Danke sehr für diesen wie gewohnt hochwertigen Artikel. Die Bundeswehr hat geschrieben: ?Nach den Ereignissen in der Türkei sind die Soldaten der Bundeswehr auf dem Luftwaffenstützpunkt im türkischen Incirlik wohl auf?. Bei diesem Satz hat die Falsch-Schreibereform ganz besonders freudianisch zugeschlagen. Denn es wäre wirklich sehr zu hoffen,. dass die BW-Soldaten endlich auf sind und nicht mehr schlafen.


Am 01. August 2016 schrieb Günther Lachmann:

„Ruhe in Erinnerung“ das ist ein Befehl.<<
Wenn ich mich durch den deutschen Blätterwald würge, muss ich feststellen, dass es keinen Hinweis auf Widerspruch gab zu dem Slogan: „Ja zur Demokratie - Nein zum Staatsstreich". Jenes Motto, welches in Köln wieder einmal Menschen betrügen sollte.
Anfänglich dachte ich mir, dass dieser fehlende Widerspruch Sympathiebewertungen fuer den Diktator Erdoğan wären, so war meine Vermutung. Und ich möchte mich bei Uli fuer Erkenntnis und seine kritische Auseinandersetzung mit der Denke von Großkapital und Politik bedanken: >>(...)Es sind die Verhältnisse, die sie schändlich macht. Für sie gab es nur die Drecksarbeit. Bis heute: Soll doch der Türke die Drecksarbeit mit den Flüchtlingen machen.(...)<< bestätigen würde.
Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Kölner-Demo war eine Kafkaeske, und Erdoğans Demokratie wurde reflektiert im „Theater Absurdum“ wie es S. Beckett (Waiting for Godot; 1954) hätte nicht besser inszenieren können. Die Pro-Erdoğan-Demo, von der "Union Europäisch-Türkischer Demokraten" (UETD) #1) nach Köln geholt, wurde von der Staatsmacht unterstützt. Nicht weil die Erdoğan - Anhänger fuer eine Demokratie auf die Straße gingen, sondern weil sie die Erdoğan-Kritiker, die in der Heimat Eingekerkerten, die Toten, die mit Berufsverbot belegten, obendrein, zu deren Schicksal auch noch verrieten. (So muss einst die Butterfrage in Deutschland ausgesehen haben [hist. nicht belegt]).
Die deutsche parlamentarische Diktatur hat bisher kein Wort dazu gesagt, dass aus dem türkischen Palast Drohungen und Erpressungsversuche kommen, welche die deutsche Judikative unter das türkische Gesetz bugsieren wollen. Auch die Einbestellung des deutschen Botschaftsvertreters in Ankara vermischt sich in einem „tit for tat“ mit dem Flüchtlingsabkommen.
Es scheint, dass Erdoğan nicht begriffen hat, dass ein wahres Ereignis fuer alle das gleiche Ereignis ist. Und ein Wort an den Miniatur-Sultan: man kann sich nicht auf subjektive Befindlichkeiten berufen, wenn es eine Gesellschaft spaltet!

#1) Die UETD ist Erdoğans leibeigene Lobbyorganisation; (türkisch: Avrupalı Türk Demokratlar Birliği)


Am 01. August 2016 schrieb marie becker:

Die Vorgänge in der Türkei elaufen in erschrecknder Weise in allen Détails parallel zu denen in Deutschland in den Dreißigern des 20.Jahrhunderts
Es wird in böses Erwachen geben.


Am 01. August 2016 schrieb Klaus Bloemker:


Zu der Lobeshymne auf Ulis Artikel möchte ich doch ein paar Anmerkungen machen:

1. Der Türke, der damals als Gastarbeiter mit seiner Frau nach Deutschland kam, hatte das große Los gezogen. Die Kinder wurden bei den Großeltern geparkt und die bekamen das deutsche Kindergeld. - In 1, 2, 3 Jahren wollte man ja sowieso wieder zurück.

2. Die Deutschen, insbesondere die linken, die sowieso immer nur in ökonomischen Kategorien denken, haben den KULTURELLEN UNTERSCHIED nicht begriffen: Die Rolle von Mann - Frau, Eltern - Kinder, Freiheit und Autorität, Mensch - Gott (die Vorstellung davon). All das ist fundamental anders als die deutsch-europäisch aufgeklärte Konzeption.

Und noch eine Anmerkung:
Wieso überlässt die deutsche Linke die Islamkritik eigentlich den Rechten? Religionskritik ist eine traditionell linke aufklärerische Sache gewesen.



Antwort von U. Gellermann:

Wenn einer keine Ahnung hat, dann kann er was erzählen:
Ich bin ein ziemlich linker Deutscher, Religionskritik aller Art ist bei mir zu lesen.
Vor der Armut fliehen, die Kinder über Jahre nicht sehen können, in einem fremden Land die Drecksarbeit machen. Das würde Bloemker sicher auch gern tun. Damit er mal ein großes Los gezogen hätte. Man lässt ihn nur nicht. Gemein.


Am 01. August 2016 schrieb Andreas Buntrock:

"Aber wer, wie Merkel, die Verfassung so lange biegt bis sie bricht, der will eine Diktatur nicht mal dann erkennen, wenn er drüber stolpert. "
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Man darf bei "unserer " ehemaligen FDJ-Agitatorin,
belastbar unterlegt durch ihr Denken und Handeln,
sicher davon ausgehen, dass sie IN der Demokratie NIE ANGEKOMMEN ist.

Was unsere Verteidigungs-Uschi angeht,
darf man davon ausgehen, ebenfalls unterlegt durch Aussagen und Handlungen, dass für diese Dame, "unsere" Demokratie, explizit die Grundrechtsartikel, eher als Hemmnis denn als Bereicherung gilt.

Diese Dame wäre in JEDER Staatsform eine (von sich) überzeugte "Leistungsträgerin" und würde, wie jedes Fettauge, in jeder Staatsform-Suppe ganz Oben schwimmen, egal ob diese Suppe nun demokratisch angerührt wäre oder eben dann "leider doch nicht".

Was uns bleibt ist Adorno und dessen Sicht der Dinge:

"Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten."
(Theodor W. Adorno)


Am 01. August 2016 schrieb Michael Kohle:

Was sollte er/sie/es denn schon sagen?

Ein Höhepunkt Gellermann´scher Prosa, der die ganze Trostlosigkeit der Lage - nicht nur hinsichtlich des Personals - schamlos offenbart.

Was mir beim "Verfolgen" der sonntagnachmittäglichen Berichterstattung des Staatsfernsehens so nebenbei einfiel:
Ach wie gut, dass einst ein gewisser Joseph F. die Vergabe von Visa auf einen bestimmten Berufstand beschränken konnte. Sonst dürften wir uns jetzt neben den roten Fahnen mit Halbmond und Stern bestimmt auch noch braune von Bandera and friends angucken.


Am 01. August 2016 schrieb Barbara Matuschewski, Bremen:

Brillant formuliert - ein Längsschnitt der Geschichte der Türken in Deutschland und die Analyse der wahren - deutschen - Verhältnisse, wie es treffender kaum geht.
Herzlichen Dank.


Am 01. August 2016 schrieb Ulrike Spurgat:


Ein ruhiger, nachdenklicher und zum Nachdenken anregender Artikel.
Eine nicht einschätzbare, egomanische, beleidigte Leberwurst, mischt sich munter in die deutsche Politik ein, weil es möglich ist.
Merkel muss ihr Amt zur Verfügung stellen.
"Schaden vom deutschen Volk abwenden?"
"Welches Volk ?" wird sie ihre hochbezahlten, und unfähigen Berater fragen.
Es gab Zeiten, lang lang ists her, da wurde an der einen oder anderen Stelle, selbständig gedacht, wenigstens bei einigen Politikern.
Heute überlassen sie es denen, die auch noch für den Mist bezahlt werden, den sie produzieren.
Danke, Uli, und wie jemand, der mir nahe war und ist, treffend in dunklen Zeiten sagte:"Die größte Geißel der Menschheit, ist die Dummheit."
Die Hoffnung, dass er sich irrte, ist ein frommer Gedanke geblieben.
Werde über deinen wichtigen, leisen, und im Kern auf den Punkt gebrachten, treffenden Artikel, erst einmal laut nachdenken wollen.


Am 01. August 2016 schrieb Helene+Ansgar Klein:

Das einzig Positive an dem täglichen Wahnsinn ist, Ihre geschliffenen und klaren Worte dazu zu lesen!


Am 01. August 2016 schrieb Reyes Carrillo:

Langweilig, aber unerlässlich. Vor allem aber: Ich bin gänzlich unschuldig! Eigentlich wollte ich ja themabezogen was Schlaues schreiben; gut, gut, natürlich nicht ganz so schlau wie so manch ‚Schtroumpf à Lunettes’, aber zumindest als schlau inszeniert. Jetzt wird’s nur – wieder einmal - eine Apotheose, ein Kniefall - selber schuld, Uli.

Also: Dieser Artikel zählt für mich zu den vielleicht fünf besten, die ich von dir gelesen habe. Alles das, was dich ausmacht und was dich so unverwechselbar macht, ist hier vereint: Du unterstreichst einmal mehr auf beeindruckende Weise, welch sensibler, weitsichtiger homo politicus du bist. Zu deinem oft literarischen Stil, deiner Ironie, deiner Leichtigkeit angesichts des Unerträglichen muss ja nichts mehr gesagt werden, sie ist das andere, das sprachkünstlerische Element des Gesamtkunstwerks. Deine Domäne, dein Terrain, dein Pfund und deine unangefochtene Meisterschaft ist die Kunst der Verknüpfung, die Kunst des Verwebens, des Querverweises; du bist ein wandelnder 360°-Scanner mit traumhaft präzisem Feinfilter. Und du kommst nie ins Schwurbeln, trittst immer hinter dein Thema zurück! Ist das göttlich (pardòn)! Das eitle Schwurbeln ist dir völlig fremd, der selbstreferentielle Kotau vor dem eigenen Intellekt ein Graus, linksidologisches Gstanzl eine Vergewaltigung an der deutschen Sprache. Und so vollbringt der Verzicht auf solcherlei überflüssig-ärgerliche Bremsbeläge diesen einmaligen Sog, den deine Artikel in der Regel auszeichnen. Diesen heutigen empfinde ich in seiner Klarheit, in seiner Umsicht und Verknüpfung, in seiner analytischen Kraft, in seiner Ironie, in seinem ganzen Ton und, ja, in seiner vordergründigen Schlichtheit und Nüchternheit als einen ganz großen Wurf. Die angedeutete Geschichte der Türken in Deutschland, die doppelten Standards hinsichtlich der NATO-Demokratur, die Flüchtlingsproblematik, die Waffenlieferungen an die Diktatur, der Syrien-Krieg und die Verwicklung der Türken, die deutsche Kriegshilfe, die Diktatur vor und ihr Turbo nach dem Putsch usw. - jeder einzelne Satz ein Treffer und ein analytisches Glanzstück auf vergleichsweise eng begrenztem Raum. So hat der Leser ein komplettes Bild in den Händen, auf dem der rote Faden die Stationen des Gesamtzusammenhangs pinnt und rundet. Politischer Unterricht jenseits jeglicher Belehrung und Wichtigtuerei. Beispielhaft und brillant. Tut mir ja leid, aber drunter ging nix.

Dass wir es mit gleichgeschalteten Staats- bzw. Regierungsmedien zu tun haben, wird mit diesen Ereignissen einmal mehr unabweisbar klar.


Am 01. August 2016 schrieb Heidi Schmid:

Danke für den guten Artikel zum bösen Spiel.


Am 01. August 2016 schrieb Georg Gräber:

Jedem anderen hätte ich den Satz "Jene explosive Mischung von zu kurz gekommen und zu kurz gedacht" auf die Deutsch-Türken angewandt als gewöhnlichen Rassismus angekreidet. Aber wer dann mit diesem Satz "Du stark, Du Stahlwerk. Du Frau, Du putzen", die Geschichte der Gastarbeiter auf ihren kapitalistischen Kern reduziert, der weiß worüber er schreibt. Und dann der Gipfel: "In der Kantine des „Patriot Village“ gibt es an den deutschen Tagen Bratwurst mit Sauerkraut oder Schnitzel mit Kartoffeln." Die schöne deutsche Versorgungs-Normalität mitten im Krieg. Das muss man können.


Am 01. August 2016 schrieb Aleksander von Korty:

Die Kanzler-Marionette der Gringos hat offensichtlich in ihrer Schulzeit in der DDR nur in den Naturwissenschaften aufgepasst. Im Deutschunterricht muss sie geschlafen haben oder hat sich die Fingernägel lackiert. Junge Frauen machen das. Ich habe es in meiner Fachoberschulzeit bei meinen Klassenkameradinnen häufig beobachten können.

Jedenfalls hat sie Begriffe wie Menschenwürde, Respekt vor der Verfassung und die Bedeutung eines Amtseides nicht gelernt. Vermutlich ist sie sogar Legasthenikerin und kann so etwas gar nicht begreifen. Dann müssen Ihr die deutschen, christlichen Michels ihre Politik verzeihen, denn wie heißt es schon so richtig in der Bibel: "Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun".

Die letzte Chance ihr die Wichtigkeit und Bedeutung des Amtseides auf das Grundgesetz und der Aussage, dass sie Schaden vom deutschen Volke abzuwenden habe, ist am Tage ihrer Amtseinführung vom damaligen Bundestagspräsidenten verpasst worden. Er hätte ihr vor ihrer Abnahme des Eides, den Inhalt erklären müssen. Nun ist es zu spät dafür. Und die Michels werden diesen Merkel-Kelch nun bis zur Neige leeren müssen!


Am 01. August 2016 schrieb Klaus Bloemker:

Also, ich fand den Erdowahn Karneval in Köln große Klasse. Da waren 50 000 Leute, die sich alle als Türken verkleidet hatten. So etwas gibt es nur bei den fröhlichen Rheinisch- katholischen Katholiken in Köln.

Übrigens, es gab ja folgenden Aufruf der Organisatoren der Demo, die Union Europäisch-Türkischer Demokraten, an die Teilnehmer - da man, laut GG, sich ja nur friedlich und ohne Waffen versammeln darf:

DAS MITBRINGEN FOLGENDER GEGENSTÄNDE IST BEI DER DEMONSTRATION VERBOTEN.(kein Witz):
- Kosmetik Produkte (Parfüm, Deo, Schminke etc.)
- Glasflaschen
- Spitze und scharfe Gegenstände (Bspw. Messer, Pinzetten, Nagelpfeilen [sic] etc.)
- Jede Art von Schlüssel ausgenommen sind Autoschlüssel
____________

Wer sollte da noch an dem friedlichen Charakter der Demo zweifen, wenn selbst die Waffen der Frauen: Parüm, Lippenstift und Nagelfeile zu Hause bleiben mussten?

Dran bleiben...

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