Unser Autor Marc Berger hat eine Meinung zum Stop der Tour de France-Übertragung von ZDF und ARD. Die sendete er den Sendern. Und die ARD-Zuschauerredaktion antwortete. Das muss man gelesen haben:


M. Berger:
Die öffentlich rechtlichen Medien übertragen die Tour de France nicht mehr live. Weil mal wieder ein Depp beim Dopen erwischt worden ist. ARD und ZDF waren neben dem ohnehin unzurechnungsfähigen Präsidenten des Bundes deutscher Radfahrer (Scharping - der Mann, der bekanntlich alles glaubt, was man ihm erzählt - Stichwort "Hufeisen-Plan") wahrscheinlich die einzigen, die geglaubt haben, es würde ab sofort auf Knopfdruck »sauberen Radsport« geben. Und nun feiert sich unser Staatsfernsehen selber für die konsequente Haltung: »Das Publikum will keine Radsportler sehen, die betrügen.«Ist das womöglich der Anfang einer »sauberen öffentlich-rechtliche Medienpolitik«?

ARD:
Wir bedauern Ihre Kritik an der Entscheidung von ARD und ZDF, ab sofort nicht mehr live von der diesjährigen Tour de France zu berichten.
"Wir haben den Radsport gewarnt und sind erneut enttäuscht worden", begründete ARD-Programmdirektor Dr. Günter Struve den Schritt des Ersten Deutschen Fernsehens, den Zuschauern nur noch eine nachrichtliche Grundversorgung von der Frankreichrundfahrt zu bieten.

ARD und ZDF hatten zunächst beschlossen, bis zur Klärung der Dopingvorwürfe gegen den Radprofi Patrik Sinkewitz die Tour de France nicht mehr live übertragen. Patrik Sinkewitz war vor der Tour de France bei einer Trainingskontrolle in den Pyrenäen positiv getestet worden. Nach Bekanntwerden des Ergebnisses wurde er vom T-Mobile-Team suspendiert. Aus der vorläufigen Unterbrechung der Tour-Berichterstattung bei ARD und ZDF ist am 19. Juli ein endgültiges Aus geworden. Die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten haben die Rechte für Live-Übertragungen der Frankreichrundfahrt zurückgegeben.

M. Berger:
Wenn die »saubere öffentlich-rechtliche Medienpolitik« beginnen sollte, gäbe es noch viel zu tun: Das Publikum will auch keine Politiker sehen, die lügen und betrügen. Das Publikum will keine Prominenten sehen, die gar nicht prominent sind. Keine Köche mehr, die nicht kochen können. Keine Werbung mehr, die lügt. Keine verschobenen Fußballspiele. Keine Sportler, die nicht Rad fahren und trotzdem dopen. Keine Journalisten mehr, die keine Fragen stellen. Keine Geschichtsfälschungen mehr im Gewande von »Dokumentarfilmen«. Keine Krankenhausserien mehr, die lustig die Realität im Gesundheitswesen verklären. Keine Comedy, die nicht lustig sondern nur lausig ist. Keine Filme mehr, die schon hundertmal gesendet wurden. Niemals wieder Sänger, die nicht singen können. Das Publikum will auch keine Kriege mit deutscher Beteiligung sehen. Keine Dokus über den Hunger in Afrika oder das Elend hiesiger Hartz4-Empfänger. Das müßte also alles gestrichen werden. Um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.

ARD:
Sie zahlen die Rundfunkgebühren nicht für bestimmte Programmangebote oder für die Nutzung bestimmter Programme. Vielmehr bezahlen Sie für die Bereithaltung eines Rundfunkgeräts, mit dem Sie Programme, gleich welche, empfangen können. Mit den Rundfunkgebühren werden heute die neun Landesrundfunkanstalten der ARD finanziert sowie das ZDF, DeutschlandRadio, Arte, 3sat, der Kinderkanal, Phoenix, die Landesmedienanstalten (die Kontrollbehörden der privaten Anbieter) und die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten. Das Erste ist ein gebührenfinanziertes Vollprogramm, das Angebote für Zuschauer aller Altersgruppen macht. Die Gebührenzahlungen finden aber auch ihren Niederschlag in der Koproduktion aufwändiger Kinofilme wie zum Beispiel "Der Untergang" oder "Deutschland - ein Sommermärchen".

Berger:
Was bliebe, nach den Streichungen vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit seinem bei regelmäßigen Gebührenerhöhungen immer wieder postulierten gehobenen Informations- und Kulturanspruch?

Die Ziehung der Lottozahlen. Das Wetter. Die eine oder andere »special interest«-Sendung für Kleingärtner, Modelleisenbahner oder Regionales. Vielleicht noch das Festival der Volksmusik und Knut - solange es irgendwie geht. Auf allen Frequenzen, Sendern, dritten Programmen, Internet und Handy, Breitbandkabel und terrestrisch allumfassend. Toll! Das könnte man auch billiger haben.

ARD:
Gebührenbefreiung ist nur aus "sozialen Gründen" möglich, oder wenn Sie ihr Empfangsgerät abschaffen. Das, was Sie sich vorstellen, heißt "Pay-per-View" und wird in Deutschland mangels Nachfrage nicht angeboten.

Die Rundfunkgebühr beträgt seit 1. April 2005 bei 17,03 Euro im MOnat. Davon bekommt die ARD 12,17 Euro. Pro Tag sind dies von Ihnen nicht ganz 40 Cent für die ARD. Damit finanziert sie nicht nur das Erste Deutsche Fernsehen, sondern auch acht Dritte Fernsehprogramme, die ARD-Anteile an den gemeinschaftlich mit dem ZDF veranstalteten Programmen Kinderkanal, Phoenix, Arte und 3sat, die drei digitalen Zusatzkanäle und 63 Hörfunkprogramme. Mit 40 Cent kann man in Deutschland weder eine Tageszeitung, einen Liter Benzin kaufen oder ein belegtes Brötchen kaufen.
An- und Abmeldungen Ihrer Rundfunkempfangsgeräte geben Sie bitte der GEZ, http://www.gez.de, bekannt.

RATIONALGALERIE:
Wir teilen die Auffassung von Marc Berger der sicher ist, "dass die besten Satiriker der ARD in der Zuschauer-Redaktion sitzen." Aber ob die das wissen?

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