Bernie Sanders, go for it!

Wenn die USA sozialdemokratisch würden

Autor: U. Gellermann
Datum: 07. April 2016

Schon wieder hat Bernie Sanders in den US-Vorwahlen einen Staat gegen Hillary Clinton gewinnen können. Und wenn er die nächste, die in New York gewönne, dann wäre vielleicht ein kleines Wunder möglich. Denn immerhin sehen die aktuellen landesweiten Umfragen ihn jetzt gleichauf mit Clinton. Neben den vielen kleinen Spenden bekommt, Sanders der Mann von Unten, inzwischen auch Geld und Unterstützung von Prominenten aus der US-Filmbranche. "Clinton hat die Tür zum Frieden geschlossen. Die Nato betet sie an wie eine Gottheit": So beschreibt der Hollywood-Regisseur Oliver Stone jene Dame, die unter Kennern gern „Killary“ heißt. Und Stone sagt von Sanders, dass er als einziger Kandidat glaubwürdig gegen Korruption vorgehen würde.

Sanders war mal Mitglied der „Socialist Party of America“, einer US-Variante der SPD. Er hat 1962 ein Sit-in gegen die Rassentrennung organisiert, er nahm sogar 1963 am Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit teil. Er war Krankenpfleger und Teilzeitjobber, ein Gegner des Irak-Kriegs, er spricht sich gegen Freihandelsabkommen der USA aus, wendet sich gegen die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und ist heute Mitglied des US-Senats für den Staat Vermont. Sanders nennt sich „Sozialist“ – was für die USA ein ganz schön starkes Stück ist. Gemeint ist der Sozialdemokratismus aus der Zeit vor Schröder und Blair, was aber in den USA immer noch ein starkes Stück wäre. Für die Insassen des US-Bootes, in dem auch die deutsche Bevölkerung rudern muss, sind vor allem seine außenpolitischen Positionen interessant.

In Sanders eigenen Worten: „Ich war gegen den ersten Golfkrieg, weil ich geglaubt habe, da wäre ein Weg unsere Ziele zu erreichen, ohne Blutvergießen, durch Sanktionen und aufeinander abgestimmte diplomatische Aktionen“. Ja, aber: „Und in der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 war ich für die Anwendung von Gewalt in Afghanistan, um die Terroristen zu jagen, die uns angegriffen hatten.“ So, wie der erste Satz Hoffnung machen kann, so warnt der zweite vor Illusionen aller Art.

In der Zustimmung zu Sanders äußert sich in den USA primär die Ablehnung jenes amerikanischen Establishments, das Verantwortung für die Verarmung der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschichten trägt. Eine Ablehnung von der auch Trump profitiert. Nach Clinton, Bush und Obama, nach einer Reihe von dubiosen Versprechungen und immer größeren Kriegskosten, reicht es nun vielen US-Amerikanern. Doch anders als zur Zeit der letzten großen Wende in den USA, rund um die Präsidentschaft von Franklin Delano Roosevelt, gibt es keine sozialen Massenbewegungen im Land und keine Sowjetunion, die zu jenen Zeiten ein durchaus populäres Modell für nicht wenige Amerikaner war.

Der amerikanische Politikwissenschaftler E. E. Schattschneider, schrieb in seiner Einschätzung des Roosevelt-Phänomens: „Die Wahlen von 1932 waren viel mehr als die Niederlage der bislang regierenden politischen Partei; sie waren durchaus so etwas Ähnliches wie die Niederwerfung einer herrschenden Klasse. Die Demokratische Partei wurde in den dreißiger Jahren das widerstrebende Instrument für eine Revolution, die sie weder geplant noch erzeugt hatte. Man kann sich schwerlich eine Partei vorstellen, die jemals für eine neu gewonnene Verantwortung weniger vorbereitet gewesen wäre als die Demokratische Partei bei Roosevelts erstem Amtsantritt.“ Die heutige Demokratische Partei wird alles tun, eine Präsidentschafts-Kandidatur von Sanders zu verhindern.

Doch selbst wenn – gegen jede Wahrscheinlichkeit – Bernie Sanders der Kandidat der Demokraten werden würde, wenn er gar Präsident der USA geworden wäre, gilt das Wort des US-Soziologen Norman Birnbaum, der zur einstigen Hoffnung Barack Obama formulierte: „US-Präsidenten genießen die Freiheit, als Vollstrecker des imperialen Erbes zu handeln – nicht jedoch, dieses Erbe als die erdrückende Bürde zu behandeln, zu der es geworden ist.” Auch Sanders könnte die imperialistische Erbschaft nicht ausschlagen. Uns aus dem Elend der US-Abhängigkeit zu erlösen, „können nur wir nur selber tun“. Trotzdem Bernie, go for it, hau rein!


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 10. April 2016 schrieb Uschi Peter:

"Uns aus dem Elend der US-Abhängigkeit zu erlösen, "können nur wir nur selber tun""
Da ist was dran. Aber ein Imperium zu stürzen, ist kaum jemals gelungen. Jedes weltbeherrschende Reich wurde erst durch eigene Fehler und Widersprüche marode.. Erst dann kann ein Angriff von außen ihm den Todesstoß versetzen. Ich glaube, dass auch die USA an inneren Widersprüchen zugrunde gehen. Bis dahin müssen wir hoffen.


Am 09. April 2016 schrieb Eard Wulf:

Omg, viele, lange, Kommentare, keine Wahl ist auch keine Wahl, der Teaser - eine falsche Wahl. Erinnert mich ein wenig an den Friedenshobelpreisträger Obama(im Zitat?), "yes we can", adaptiert oder im westlichen Wertekanon eingestimmt, "Wir schaffen das": https://www.youtube.com/watch?v=XsWj9MuWNMY

Panama, Cameron, BrrrExit, dass fehlte doch noch! Griechenland platt, Europa eingeseift - die Demokratie geschliffen. Die Kriegs-Propaganda läuft auf Hochtouren, im (nahen) Osten wird um Land geschachert. Ja, meine Güte, bin ich Blind? Gibt es, um Gotteswillen, nichts wichtigeres, als einen Präsidentschaftskandidaten in Rom, der ohnehin stirbt, falls - ja, falls - er gewählt werden sollte? England verabschiedet sich, verschleiert, aus dem dritten Gang. Herzlichen Glückwunsch zu soviel Weitsicht. Vielleicht fangen unsere Friedens-Aktivisten mit dem Protest an, wenn die ersten Bomben fallen, nicht in Syrien, sondern auf ihre Köpfe - verdient hätten sie es.

Ohnmacht ist das richtige Wort.


Am 08. April 2016 schrieb Andreas Buntrock:

"Wenn die USA sozialdemokratisch würden..."

stürbe, genau wie mit Schröder in Deutschland, das Ideal von einer gerechten Gesellschaft.


Am 08. April 2016 schrieb André Burguete:

Uns aus dem Elend der US-Abhängigkeit zu erlösen, "können nur wir nur selber tun".

Hier tut ein unerschrockener Patriot tatsächlich etwas:

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_16/LP04816_060416.pdf


Am 08. April 2016 schrieb Lutz Jahoda:

PUPPETS ON THE STRINGS
aus Copyrightgründen nicht maßgerecht auf die weltbekannte Melodie geschrieben

Wird es besser? Wird es schlimmer?
Ganz egal, wer oben thront.
Es wird leider sein wie immer:
Volk bleibt weiter ohne Schimmer,
Schlecht bezahlt bis unbelohnt.

Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets on the strings sind da!
Hillerie-hillerah-hillerala!
Die Puppets aus den USA!

Vorzeigbar muss die Figur sein
An der Spitze der Nation.
Kompatibel, reversibel,
Falls gewünscht, auch gern sensibel
Oder hart wie Stahlbeton.

Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets on the strings sind da!
Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets aus den USA!

Zur Elite muss es passen,
Auch wenn´s manchmal peinlich wird.
Was zum Lachen, was zum Hassen,
Donald Trump mal anzufassen.
Das System bleibt unbeirrt.

Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets on the strings sind da!
Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets aus den USA!

Bernie Sanders wär´s gewesen.
Wetten, dass er es nicht wird?
Auch mit ihm wird, wie zu lesen,
Kaum gelingen, kaum genesen,
Was die kranke Welt verwirrt.

Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets on the strings sind da!
Hillerie-hillerah-hilleralala!
Die Puppets,
Die Puppets
Die Puppets aus USA !


Am 07. April 2016 schrieb Rüdiger Becker:

Mindestens ebenso bemerkenswert an diesem Mann ist, dass er als erster jüdischer Präsidentschaftskandidat, der es so weit geschafft hat, klare Positionen zum Nahostkonflikt bezieht. In der als liberal geltenden israelischen Tageszeitung "Haaretz" erschien am 29.3. dazu ein Beitrag vonBennjy Cannon, Zitate: "Wie Hillary Clinton hat er bestätigt, dass eine Zwei-Staaten-Lösung der einzige Weg ist, den Konflikt zu beenden. Doch Sanders ging einen Schritt weiter als jeder andere seiner gegenwärtigen und historischen Gegenspieler: Er sprach deutlich die gemeinsame Verantwortung von Israelis und Palästinensern für die gegenwärtige politische Leere an.
Er verurteilte Raketenangriffe auf Israel und verteidigte sein Recht auf Existenz, aber war der einzige Kandidat, der die Notwendigkeit der riesigen Ungleichheit ansprach sowie die Verwüstungen und das Leiden im Gazastreifen. Er unterstrich sein Engagement für eine Zukunft, in der Israelis vom Terror befreit sind, aber er allein führte aus, dass Palästinenser Sicherheit, Unabhängigkeit, bürgerliche Rechte und Berufschancen haben müssen.
Im Gegensatz zu anderen Kandidaten, welche die Siedlungen erwähnten, war die Kritik Sanders‘ gezielt und präzise. Statt sie in allgemeine Worte zu fassen, zitierte er spezifische jüngste Beispiele der Bodenenteignung und war der einzige Kandidat, der ausdrücklich die jüngsten Ansprüche der Regierung Netanjahus zurückwies, dass Siedlungen die angemessene Antwort auf die Gewalt seien."
Ausgleich also statt neuer Mauern, Siedlungen und Gewalt - sehr bemerkenswert.


Am 07. April 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Mein "Senf" erübrigt sich.
"Wer zu spät kommt............
Es ist alles gesagt, was mich auch beschäftigt hat, nach lesen des Artikels.
Ich schließe mich dem an, was G. Lachmann geschrieben hat, weil dem nichts mehr hinzuzufügen ist.


Am 07. April 2016 schrieb Aleksander von Korty:

"Bernie, go for it, hau rein!"
Ja aber bitte WEM ? ? ?
Dem Trump ? Der Killary ? Oder doch am besten gleich sich selbst ?
Damit er auch richtig spurt, wenn er wider erwarten doch auf dem GRINGO-Thron landen sollte und sich sofort zum Vollstrecker wandelt.
Denn wer nicht zum Vollstrecker wird, der wird zur Strecke gebracht (Lincoln, Kennedy) ! ! !
Und noch etwas zum BERNIE:
Seit 102 Jahren weiß ich:
Trau niemals einem SOZI ! ! !


Am 07. April 2016 schrieb Andreas Gehrmann:

In einer Rede hat Sanders vollkommen klar gemacht, dass er als Präsident alleine überhaupt nichts erreichen kann und dass es für eine Politikänderung absolut unverzichtbar ist, eine breite politische Unterstützung aus dem Volk zu erhalten. Sanders ist sich der tatsächlichen Machtverhältnisse vollkommen bewußt. Es wäre sehr wünschenswert, wenn das die Völker überall begreifen und entsprechend handeln würden!

https://www.facebook.com/WachAufMenschheit/videos/479609792228619/


Am 07. April 2016 schrieb Michael Kohle:

Uns aus dem Elend der US-Abhängigkeit zu erlösen, "können nur wir nur selber tun"

Mit Verlaub, das halte ich für ein Gerücht. Oder besser noch: der Wunsch ist der Vater des Gedankens. Kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass es in irgendeinem Imperium der letzten Jahrtausende ein kleiner aufmüpfiger Vielvölkerstaat, innerlich total zerstritten über die Unterjochung und Gott weiß was sonst, es jemals geschafft hat, sich erfolgreich vom Nasenring abzuseilen.

Es soll ja heißen, Geschichte wiederhole sich nicht und wenn, dann beim zweiten Mal nur als Komödie. Einspruch, sie wiederholt sich sehr wohl, allerdings in größeren Zeitabständen. Und ich wette, die „Legionen" von heutigen Denkfabriken bedienen sich vornehmlich in den Geschichtsbüchern, Strategien und Taktiken zur erfolgreichen Fortkommensweise zu entwickeln. Für mich ist "The rise and fall of the Roman Empire" geradezu das „Kochbuch" für das was wir seit geraumer Zeit mit und durch unserem transatlantischen „Freund" erleben dürfen. Da hat es meines Wissens - außer jenem kleinen Dorf in Gallien - nirgendwo innerhalb des Reichswesens erfolgreiche Befreiungskriege gegeben. Letztendlich mussten die freiheitswilligen Stämme nach Rom ziehen, mit den Goten West- und Ost voran, um dem Treiben direkt vor Ort ein für allemal dann doch ein Ende zu setzen. Und zu den vielerlei sonstigen Aspekten, die Hannibals, Gallien nebst Vercingetorix, Judää mit der Bundeslade, Nero, Prätorianergarde und vielem anderen mehr, gäbe es viel zu sagen zu unserer heutigen Lage an Beispielgebendem. Hoffnungsweisende Aspekte sind nicht dabei.

Natürlich wird es mit god´s own country" nicht Jahrhunderte, kein halbes Jahrtausend brauchen, bis der Verfall der Macht und der Moral - oder andersherum - dem Ende zu geht. Es drängt sich fast der Eindruck auf, dass das in wenigen Jahrzehnten auch ganz gut hinkommen könnte, so wie es sich derzeit entwickelt und beschleunigt. Und da bleibt uns in den geknechteten Außenbereichen (souveräne Staaten, was war das noch mal?) nur eins über, wir müssen da mit durch, ob wir wollen oder nicht. Können nur hoffen, dass es zügiger gehen möge, wie sich das „System" zerlegt. Ohne Kratzer wird es jedoch nicht abgehen können, hier im Reichsprotektorat Ost. Schließlich hat der Imperator uns längst als Gladiatoren seiner Wahl ausgesucht.

Solcherlei historische Betrachtungen bringen uns hier zu diesem Thema leider nicht weiter. Der onkologische Ansatz passt besser. Der „Tumor" ist längst auf lebensbedrohliche Größe gewachsen, die Metastasen global ausgeschwärmt, wuchern, nehmen überall überhand, vorallem in den Regionen wie Hirn und Herz. Und so wie in der medizinischen Onkologie auch, wird mittels probaten Verfahren, à la Chemos und „Bestrahlungen", schon mal vorsorglich das möglicherweise zum Überleben fähige und nötige ?Material? lahmgelegt wenn nicht ausgeschaltet.

Nein, kurative - also heilende - Therapien gibt es längst nicht mehr, nicht mal im Ansatz. Die eingesetzten Zytostatika beschleunigen nur den Eintrit schlimmer Prognosen - die Cruzandtrumps, die Clintons, die Obamas und Bush. Und nicht mal bescheiden wirkende Palliativa - heuer ein Placebo namens Bernie Sanders - will man uns gönnen. Was sollen wir auch damit, verzögert doch nur die ganze Chose, wenn wir Pech haben.


Am 07. April 2016 schrieb Günther Lachmann:

Das Tripple I

Nein, nicht ein Super-Egomane oder ein drei-äugiger P. Investigator ist
hier gemeint, sondern Italien, Irland und Israel, ohne deren Landsleute
kaum ein US-President eine Wahl gewinnen kann.
Zustimmung erhält Sanders von den Iren aus den Reihen der Angestellten
im niedrigen Rang. Auch auf die Gruppe der Italiener, die oft zwei Jobs
annehmen müssen, kann Sanders sich aus der unteren Mittelschicht
verlassen. Dass er nicht den heiligen Kniefall vor der AIPAC ( American
Israel Public Affairs Committee) gemacht hat, (wie neulich D. Trump)
nehmen ihm seine Glaubensschwestern/Brüder aber doch schon etwas übel.
Besonders aber die FED-Chefin J. Yellen. Die Sanders Anfrage, (im Joint
Economic Committee des US-Kongresses) ob die Vereinigten Staaten eine
Oligarchie sind, ignorierte. Aber sie zog ein wenig an den
Vokabular-Blasen die Strippen der Verallgemeinerung über Kluft und
Stabilität der sozialen Erscheinungsformen.
Dabei bezog sich Sanders Anfrage doch nur auf eine Studie der
Princeton-Uni und Northwesten (Professoren Martin Gilens und Benjamin
Page) die zu dem Schluss gekommen waren, dass eine kleine Zahl von
extrem Reichen, die Demokratie in den US aufkaufen. Als Chair of the
White House Council of Economic Advisers, unter President Bill Clinton,
brauchte sich Yellen nicht mit den Zahlen von Bernie Sanders
auseinandersetzen.
Annähernd 50 Millionen US-Bürger, einschließlich ca. 16 Millionen
Kinder, sind so arm, dass der tägliche Bedarf an Lebensmittel, fuer
diesen Teil der Bevoelkerung, nicht gedeckt ist. Unterstützung erhält
Sanders von der Gruppe Feeding America (Organisation von Suppenküchen
und Tafeln in den USA). #1)
Folglich scheint es, dass sich Sanders zum Hoffnungsträger jener Gruppen
gemacht hat, welche keine Lobby haben. Seine Botschaft lautet fast schon
sozialistisch, wenn er von der Einheit der Menschen, und die
Verbesserung ihrer Situation redet.
Aber dafür muss er, nach meiner Meinung, erst einmal die
Autoritäts-Hierarchie aufbrechen, die in den US-Schulen beginnt, mit
Polizeigewalt aufrechterhalten wird, und schließlich mit religiösem
Himmel oder Hölle landet.
Als Ausgleich (obiger Unmöglichkeit, im Land der Millionen
Möglichkeiten) hat Sanders Unterstützung von den Studenten, als er die
Forderung nach kostenfreie Studium an öffentlichen Universitäten
ausrief. Weitere Begeisterung bei der jungen Generation erhält Sanders,
weil er es unterbinden moechte, dass Finanzinstitute mit dem Geld ihrer
Einleger spekulieren, in der Hoffnung, weiteren Finanzblasen vorbeugen
zu können. (Dieses mag wohl nicht viel mehr als eine Hoffnung sein.
Schließlich weiß Sanders, dass er mit seinem Programm an den
Republikaner im Kongress scheitern wird.)
Manchmal, wenn ich Sanders zuhöre, frage ich mich jedoch, an welchem
Programm er gerade die Lautstärke verändert. Laut kritisiert er Clinton
und die Republikaner wegen ihrer Finanz/Wirtschaftspolitik, um im
gleichen Satz Obama auf eine heilige Wolke zu heben. Obama – der es
fertig gebracht hat, die Kluft zwischen Arm und Reich tiefer zu reißen
als den Grand Canyon.
Das Sanders die Vorwahlen, im US-Bundesstaat Wisconsin, mit 56,6 % zu
43,1 % gegen Clinton gewann, ist schon beachtlich. (wobei mir der
Gedanke durch den Kopf geht, dass es nicht seinem besseren Programm zu
verdanken ist, sondern der Unwissenheit der US-Wähler) Und ich moechte
seinen Wahlerfolg auf keinen Fall schmälern; hat er doch, nacheinander
folgend, sechs Siege von sieben Vorwahlen fuer sich buchen können.
Sollte er noch NY gewinnen, (womit er hofft) wäre Washington, fuer die
Demokraten, weniger als ein Fliegenbein von ihm entfernt.

#1) die natürlich andere Probleme generieren im Zeichen des $.
Niedrigeres Budget fuer das naechste Jahr. (Die Katze beißt sich selbst
in den Schwanz Problem. Erst ein Systemwandel kann das beseitigen.)


Am 07. April 2016 schrieb Ingrid Böhm-Duwe:

Voltaire schrieb einmal: Sage mir, wen du nicht kritisieren darfst und ich sage dir, wer dich beherrscht.

Das hat nachhaltig seine Gültigkeit behalten. Und so schön und begrüßenswert es auch sein würde, wenn diese unsäglichen Gestalten wie Clinton und Trump sich nicht durchsetzten, so unwahrscheinlich ist es jedoch auch, dass nur "guter Wille" alleine - wie er offensichtlich aus Sanders Vita und seinen Standpunkten ersichtlich - zu vermuten ist, eine friedliche und soziale, menschenfreundliche Strategie seinerseits nachhaltig verfolgt werden kann.
Und so wird auch ihm der Zynismus der Macht und des Geld"Adels" seinen eigenen Weg versperren und vom Entscheidungsträger zu einer Galionsfigur, einer Marionette machen.
Wo wie immer im Hintergrund die Strippenzieher nach Gusto und Profitgier agieren.


Am 07. April 2016 schrieb Sonja Schmid:

Nein, es kann uns nicht egal sein, wer Präsident der USA wird. Und nein, ich mag mir nicht vorstellen, dass Donald Trump es wird. Und nein, auch Bernie Sanders ist kein Revolutionär. Aber- und das ist kein Pappenstiel - er ist kein Kriegstreiber wie Hillary Clinten. Danke an Uli, dass er uns schon im vorhinein alle Illussionen bezüglich Sanders austreibt. Aber Unterschiede gibt es, und die sind nicht unwichtig.


Am 07. April 2016 schrieb Tex Grobi:

Wenn sich ein alter Fahrensmann wie Harry Belafonte nicht zu schade ist, für Bernie Sanders einzutreten (http://www.politico.com/story/2016/02/harry-belafonte-endorses-bernie-sanders-219130), dann bin ich auch gerne mit von der Partie.

Übrigens besagt eine (allerdings schon etwas ältere) CNN-Umfrage, dass Clinton zwar gegen Trump gewinnen, gegen Cruz oder (den inzwischen resignierten) Rubio aber verlieren würde, wohingegen Sanders alle Rep-Kandidaten schlagen könnte:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesidentschaftswahl-donald-trump-hinter-hillary-clinton-und-bernie-sanders-a-1080084.html

Natürlich sind auch große Enttäuschungen nicht auszuschließen (oder gar zu erwarten, so wie bei Obama oder "Rot-Grün" 1998ff); so gesehen kann ich sogar verstehen, wenn Zyniker meinen, es wäre am besten, Trump würde gewinnen.

Wer aber so hoffnunngslos optimistisch ist, zu glauben, Wahlen könnten doch etwas verändern, und nicht allein auf eine blutige Weltrevolution setzen mögen, könnte (als minimale Unterstützung) die folgende Facebook-Seite gefallen:
"Weltbürger für Bernie Sanders"
(https://www.facebook.com/Weltbürger-für-Bernie-Sanders-762923510504986/)


Am 07. April 2016 schrieb Guenther Lachmann:

@Karl-Heinz Völkers
Sie waren doch auch noch nie auf dem Mond und sind ein Lunatic.


Am 07. April 2016 schrieb Klaus Madersbacher:

Auch Hitlery hört man gelegentlich - an passenden Namen für die alte Furie besteht offenbar kein Mangel.
Wenn ich an die "Aufbruchsstimmung" des Obama-Wahlkampfs und die nachfolgenden Ergebnisse denke, dann wird mir jetzt schon ganz anders ...


Am 07. April 2016 schrieb Moura Mangold:

Es ist doch völlig egal, welche Sockenpuppe den Oberhampler im Weißen Haus gibt. Selbst wenn Sanders das Rennen machen könnte - na und - dann wird das Ergebnis (wie bei Erdowahn) zurecht geruckelt oder wie bei Bush/Gore per Gericht zurechtgestutzt. Dieses ganze Wahltheater ist schon grenzdebil. Aber so sind die Amis, von Show verstehen sie was aber ansonsten sind sie Blöd wie Atze. Ich wünschte, dieser Vollpfosten Trump wird der nächste Präsi, dann hätten die gottgleichen Idioten, auch optisch, dass was sie verdienen.


Am 07. April 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

"Sie waren doch noch nie in den USA."
Und nun ?
Nun will ich lesen, was Uli G. nicht weiß..........
Da steht nix weiter zu dem Artikel, der inhaltlich aus meiner Sicht voll am Thema ist und die Möglichkeit lässt, was eine guten Artikel ausmacht, das selber Denken zu befördern.(Immer diese langen Sätze).
Herr Völkers, sehr würde ich mich freuen, wenn sie ihr "Geheimnis", die USA betreffend lüften würden, um ernst genommen werden zu können.


Am 07. April 2016 schrieb nora schmitz-gharbi:

Imperialismus ist den Amerikanern suspekt. Der Begriff Hegemonie liegt ihnen näher. Rumsfeld betonte einmal ausdrücklich: Wir sind nicht imperialistisch. Als Hegemonialmacht können die USA jedoch einem zwischenstaatlichen System ihre Regeln aufzwingen und temporaer neue politische Ordnungen schaffen. Die amerikanische Hegemonie soll dabei wohlwollend verbreitet werden und sich ohne Zwang durchsetzen. Demokratie, Freihandel, Kapitalismus und Freiheit seien universal geltende Werte. Die amerikanische Welt sei gerecht, demokratisch, liberal und freiheitlich. Das ist die herrschende Doktrin der Neokonservativen in Washington.
Merkel zeigt uns wie es mit der marktkonformen Demokratie weitergeht( neoliberale, kapitalistische Wirtschaft) und Henry Kissinger sprach es offen aus: "Globalisierung ist nur ein anderes Wort für US-Herrschaft."

Uns aus dem Elend der US-Abhängigkeit zu erlösen, "können nur wir nur selber tun". Damit sprechen Sie mir aus dem Herzen.

Das Elend der US-Abhängigkeit kommt nicht von irgendwoher sondern hat seine Gründe in der Geschichte: Bereits während des Krieges wurde in den USA ein Netz zwischen den deutschen intellektuellen Emigranten geknüpft, um gleich nach dem Krieg einen Elitenaustausch an den deutschen Hochschulen einzuleiten. Unter ihnen war besonders einflussreich Max Horkheimer, der zusammen mit Theodor Adorno das Institut für Sozialforschung an der Universität Frankfurt/Main, "die Frankfurter Schule", begründete. Von ihm stammt der programmatische Satz, den er bereits 1942 in der amerikanischen Emigration formulierte: "Man muss eine Elite schaffen, die ganz auf Amerika eingestellt ist. Diese Elite darf andererseits nicht so beschaffen sein, dass sie im deutschen Volk selber kein Vertrauen mehr genießt und als bestochen gilt" (zitiert nach Stefan Scheil S. 7).
Heute ist die Sache viel weiter gediehen, als die meisten bemerken. Inzwischen haben die US-Vasallen der EU die Bildungssysteme der europäischen Länder mit Hilfe der OECD okkupiert und die europäischen Bildungsideale der Erziehung zur autonomen, sich selbst bestimmenden Individualität, der Frucht der europäischen Geistesentwicklung, weitgehend auf die Ausbildung von Kompetenzen zur Anpassung an die Erfordernisse der neoliberalen kapitalistischen Wirtschaft umgestellt. (Vgl. Schulische Bildung und Bologna-Prozess) Damit werden die europäischen Kulturen in ihrem Bildungswesen von ihren eigenen Quellen abgeschnitten, entwurzelt und im Einheitsbrei des "American way of life" aufgelöst.
Diese Macht braucht Medien die mediale staatliche Propaganda versteht sich, inzwischen, von selbst. Aus diesem Grunde ist es wichtig das Medien wie die Rationalgalerie gegen den Strom schwimmen.


Am 07. April 2016 schrieb Jens Zimmer:

Sanders wäre für die Amerikaner eine noch monumentalere Enttäuschung, als Obama. Solche Enttäuschungen sind wohl notwendig, damit die gut ausgebildeten Arbeitsdrohnen ihren Verstand endlich auch politisch einsetzen. Und aus den gewonnenen Erkenntnissen Konsequenzen ziehen. Dafür wäre Sanders in der tat ideal. Vielleicht wäre er auch der Präsident, der der Bevölkerung live im Fernsehen beichtet, das er dem hauseigenen Koch Befehle geben darf. Alles, was darüber hinaus geht.... da bröckelt die Macht schon gewaltig. Ein Eyeopener sozusagen. Ein Präsident, der durch demonstrierte präsidiale Machtlosigkeit eine Massenbewegung auslöst.
Und dann stirbt er. Herzinfarkt, Hirnschlag. Er ist ja schon alt.

Wahrscheinlicher: so er Präsident wird, wird sich gar nichts ändern. Er wird für den gleichen Scheiß, den alle anderen auch schon getan haben, um viel Verständnis werben - jeden Tag! Und auf seine lange Geschichte vernünftiger Abstimmungen verweisen. Um zu demonstrieren, dass er es doch gut meint. Das wäre dann sein Job. Und natürlich, dem Koch Befehle zu geben: "Louis, we`d like to have Freedom Fries today"


Am 07. April 2016 schrieb Julie Kreutzer:

@ Karl-Heinz Völkers:

Ich weiß nicht, ob Herr Gellermann schon einmal in den USA war und es ist mir auch egal. Ich weiß aber, dass Herr Gellermann zumindest eine Sache ganz genau weiß: und zwar, wie man vernünftig und äußerst gründlich recherchiert.

Danke für den überaus gelungenen Artikel. Seit Jahren gehört die Rationalgalerie zu meinen absoluten Favoriten. Und daran wird sich auch nie etwas ändern.


Am 07. April 2016 schrieb Karl-Heinz Völkers:

Sie waren doch noch nie in den USA. Tun Sie doch nicht so, als ob Sie was wüssten.


Am 07. April 2016 schrieb Lars Wenger:

Eine erstklassige Grundinformation über die Wahl-Lage in den USA. Bravo, danke.

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