Amazon-Imperialismus

Boykottiert die Bezos-Krake

Autor: U. Gellermann
Datum: 15. April 2019

Das waren Zeiten: Als der Buchladen um die Ecke noch Basis-Kulturarbeit leistete. Als der Amazon-Leicht-Billig-und-Schnell-Versand sich noch auf die USA beschränkte. In grauer Vorzeit? Eher war es eine bunte Zeit, weil die vielen deutschen Buchhändler der lokalen Kulturarbeit eine eigene Farbe gaben. Mit eigenen Lesungen, mit einer Vielzahl von kleinen Veranstaltungen, mit literarisch interessierten und nicht selten sogar gebildeten, echten Menschen hinter der Theke. Jede Woche verschwinden traditionelle Buchläden. Noch existieren rund 6000 klassische Buchhandlungen in der Bundesrepublik. Doch allein 2014 gaben in Deutschland nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels knapp 150 Buchläden auf. Mehrheitlich verschwanden sie im unersättlichen Schlund von Amazon. Aber Amazon wird nie satt. Der Konzern will jetzt noch mehr: Private Daten. Und neue Herrschaftsfelder im Internet.

Über neun südamerikanische Staaten erstreckt sich der Amazonas. Zu ihnen gehören Brasilien, Französisch-Guayana, Surinam, Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien. Seine Ufer bilden nahezu einen Kontinent. Schon länger will das gefrässige Unternehmen “amazon“ diesen Teil der Erde für sich beanspruchen. Nicht mit eigener Flagge oder eigenen Grenzen. Es will die Endung. Die Top-Level-Domain-Endung: "amazon". So wie Deutschland im Internet auf "de" endet, so will das Versand-Monster im Netz auf "amazon" enden. Man will einen Marketing-Vorteil, kostbarer als das Gold der Azteken, Mayas und Inkas. Doch die Gier des modernen Konquistador aus Seattle/Washington ist nicht geringer als die des Hernán Cortés oder des Francisco Pizarro. Nicht so blutig, aber genauso brutal. Vor Jahren hatte die Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) das Begehren des Monsters abgelehnt. Doch diesmal haben die mit unendlich vielen Dollars bewaffneten Rechtsanwälte des Konzerns gute Aussichten am 21. April den fetten Marketing-Happen zu ergattern. Angeblich, so die "Icann", hat "amazon" die Vorbedingungen für die Vergabe der kostbaren Endung erfüllt. Die ärmlichen acht Anrainerstaaten des Amazonas bringens nicht: Schlechtere Anwälte, weniger Dollars.

"Alexa, wo sind meine Unterhosen?" Ob der Voice Service von Amazon, der stimmgesteuerte Lautsprecher, nun weiß, wo die Slips liegen, kann egal sein. Nicht egal kann dem Konsumenten die Tatsache sein, dass der Netzhändler an der Unterwäsche seiner Kunden schnüffelt: Angeblich will "amazon" nur die Spracherkennung der Assistenzsoftware von Alexa verbessern. In Wahrheit sammelt die Krake aus Seattle private Daten der Nutzer, lässt sie von Mitarbeitern notieren. Wer glaubt, dass es sich bei der Schnüffelei um ein Versehen handelt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Offiziell traut sich der Datensammler zu behaupten: "Wir versehen nur eine sehr geringe Auswahl an Alexa-Sprachaufnahmen mit Kommentaren, um das Kundenerlebnis zu verbessern.". Was der Kunde erleben wird, das ist ein blaues Wunder: Seine unfreiwillig gelieferten Daten werden dem Käufer-Profiling dienen. Mehr Daten, mehr Verkaufen, mehr Macht ist das Ziel.

Man sollte meinen, mit einem Umsatz von 233 Mrd. US-Dollar müsste der Gierschlund "amazon" langsam ins Würgen kommen. Auch sein Inhaber Jeff Bezos sollte mit einem Vermögen von 72,8 Milliarden US-Dollar eigentlich den Hals voll kriegen. Weit gefehlt: Solche Profit-Maschinen können nur mehr, mehr und noch mehr fordern. Darin jenem politischen Gebilde ähnlich, das deren Macht militärisch durchsetzt: Dem Imperialismus. Auf der Bezos-Finanzebene hält man sich Regierungen. Doch der Amazon-Chef Jeff Bezos hatte sich sogar mal als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Online-Händler bessere Politik machen. Sie kümmern sich mehr", sagte der Republikaner-Kandidat Bezos damals. Zwar wurde es dann nix mit dem Amt, aber die Macht, die im Geld liegt, ist ihm geblieben: Diese läppischen Latino-Staaten, die ihm bei der Top-Level-Domain-Endung im Wege stehen, die legt er einfach juristisch um. Und auf die NSA muss ein Mann wie Bezos nicht warten: Er hat ja Alexa.

In einer Zeit, in der die Zahl antikapitalistischer Organisationen gering ist und deren Kraft noch geringer, bleibt denen da unten nur der Boykott. Gehen Sie selbst zum Buchladen, das ist gut für die Gesundheit. Denken Sie selbst darüber nach, wo Sie ihre Unterhosen gelassen haben. Das trainiert das Gehirn. Zwar ist damit allein der Imperialismus nicht zu bekämpfen. Aber eine seiner starken Stützen kann man treffen. Da wo es weh tut. Mit einem Tritt in Bezos edelstes Teil: Den Geldsack.

Abrüsten statt Aufrüsten!
Die Welt braucht Frieden statt Kriegsbündnisse

Ostermarsch 2019 in Berlin

Auftaktkundgebung: Samstag, 20. April 2019
13 Uhr, Rosa-Luxemburg-Platz
Dann Demo durch die Innenstadt
Zurück zur Abschlußkundgebung 
15 Uhr, Rosa-Luxemburg-Platz


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 23. April 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

Guten Tag, H.Ich,

in Zeiten, wo die Geschichte umgeschrieben werden soll, wobei Erinnerungen weit mehr wert sind als eine Erwähnung ab und zu........
Es geht nicht um mich, es geht um all die, die bewußt "vergessen" werden sollen, die im Strudel der Geschichte untergehen, bis niemand mehr von ihnen spricht. Solange ich lebe, werde ich diese mutigen Frauen und Männer immer wieder erwähnen und dem GAleristen dankbar sein, dass das hier möglich ist. Nicht zu vergessen, "nichts und niemanden" ist eine der Triebfedern meines Lebens, denn nur der ist vergessen, an den man nicht erinnert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit dem Schmerz, dem Verlust umzugehen; ich habe mich für diese ganz bewußt entschieden.
Vielleicht ist so eine Einordnung möglich, die weder einer Interpretation, noch einer Vermutung Raum lässt. da mein Motiv nun erkennbar ist.


Am 22. April 2019 schrieb altes Fachbuch:

nun soll ja nicht der idealist kant das letzte wort haben:
"Der Weg entsteht beim Gehen" klingt wie bernsteins " das ziel ist nichts, bewegung alles". ziellosigkeit in der kritik (zufall?), in jedem fall im bestreben!!! wofür der boykott??
natürlich kann man die vom galeristen empfohlenen "kampf"formen (gegen was eigentlich??) gut heißen! auch, ob die antiquiert sind, ist fraglich - der feind lernt schneller, als die, die beim gehen einen weg suchen!!!
herr schneider, es wird künftig mehr konsumgezwungene abhängige denn autonome menschen geben!! sowohl die inklusion wie migration werden bei künftigen mehrheitsbildungen kant sich im grabe drehen lassen!!
und es ist eine LÜGE, dass "autonome menschen...seinerzeit den Kapitalismus errichteten"!!!!
es waren eigentlich die totengräber (manifest) der ausbeutung, die den bürgerlichen ins amt geholfen haben!
ich sehe KEINEN grund, auch nur EINEN von DENEN zu helfen!!
amazon schafft einen klassenfeind mehr, gut so!!


Am 22. April 2019 schrieb H. Ich:

@...? liebe Ulrike Spurgat,

auch ich komme aus einer antifaschistischen/antikapitalistischen Familie - mein Großvater war in Buchenwald inhaftiert, sein Sohn (mein Vater) war nach der Befreiung 1945 bis zum Verbot der KPD Mitglied dieser Partei. Also, Sie müssen nicht immer wieder auf Ihre, und die Ihrer Familie, politischen Ursprünge hinweisen. Ihre Kommentare auf dieser Seite des "Galeristen" sind lesenswert und nachvollziehbar. Ich teile den Großteil Ihrer Aussagen. Nur in dieser sog. "Boykottfrage" sind wir halt unterschiedlicher Meinung. @ Otto Bismarck....liegt in dieser Auseinandersetzung meiner Ansicht nach richtig.
Beispiel gefällig: bitte sehr:

Europawahl.....IGM mobilisiert für "Europa" mit: "Passt nicht? Einfach zurückschicken - die EU machts möglich. Ein 14-tägiges Widerrufsrecht für online gekaufte Waren. Zum Glück gibt's die EU."

Und nun bitte alle aus der IGM austreten.


Am 20. April 2019 schrieb Heinz Schneider:

@Otto Bismarck
Des Galeristen Schlußfolgerung im letzten Absatz ist so klug wie einfach: "Wanderer, es gibt keinen Weg. Der Weg entsteht beim Gehen" (Antonio Machado).
Der Disput im Forum dreht sich im Kern um Komsumverzicht. Warum soll ich auf etwas verzichten, was bequem ist, mir das Leben erleichtert.
Der Antwort mit Verweis auf die Eigentumsfrage auszuweichen, trägt spätestens seit Tschernobyl nicht mehr.

Denn niemand, der wie bisher, in naiver Verantwortungslosigkeit oder folgenlosem schlechten Gewissen, weiter wie bisher konsumieren möchte, wird den Kapitalismus in Frage stellen. Denn der garantiert all diese Bequemlichkeiten, allerdings zu Lasten des Überlebens der Menschheit.

Kant hielt nur den autonomen Menschen für friedensfähig, der selbst (autos) so handelt, dass die Prämissen seines Handelns allgemeines Gesetz ( nomos) werden könnten.
Autonome Menschen konnten seinerzeit den Kapitalismus errichten. Heute müssen sie ihn zerstören.

Die Überlebensfrage für den Kapitalismus ist, ob es gelingt, den Menschen die Autonomie auszutreiben und Verantwortungslosigkeit schon den Kindern ins Hirn zu platzieren.
Shoshana Zuboff schreibt: "Das autonome Selbst ist jetzt eine Bedrohung für das Wachstum und die Profite des Überwachungskapitalismus."
Nichts anderes schreibt Gellermann.


Am 20. April 2019 schrieb lrike Spurgat:

Der Antwort von Uli G. auf O.Bismarck will ich unbedingt folgen. Aus einer zutiefst antifaschistischen, antimilitaristischen Arbeiterfamilie kommend bin ich aufgewachsen mit dem Mut zum Leben, dem Kampf für eine andere Welt, sowie die Liebe und Hingabe an den Menschen, als auch einem "Aufgeben gibts nicht."
Jede Bewegung und mag sie noch so unwichtig erscheinen, die dem Frieden, dem Leben, der gesellschaftlichen Veränderung dient hat mehr als ihre Berechtigung und wir leben in politisch, sehr unruhigen Zeiten mit einem Haufen Irrer, die wohl wissen was sie tun und unsere Bereitschaft zum Kampf darf nicht auf halber Strecke verloren gehen.
Ich erinnere an all die, die keine Zeit zum "Schwarz malen" hatten, die voller Kühnheit, mit dem Mut zum Kampf ohne zu fragen, "was man davon hat," sondern oftmals unter Einatz ihres Lebens selbstlos diesen schweren mit dicken Steinen bestückten Weg mit aller Konsequenz gegangen sind. Das lässt wohl die Frage zu, was die denken würden beim Lesen was Otto Bismarck z.B. geschrieben hat ?
E gibt starke Bewegungen in der unserer fortschrittlichen Geschichte: Die "Krieg dem Kriege" (Ernst Friedrich) in Berlin das "Anti Kriegs Museum zu finden, die "Nie wieder Krieg" (Carl von Ossietzky) Die "Naturfreunde Jugend," die "Wandervögel," gewerkschaftliche Bewegungen. Sicher ging es in dieser Zeit vor allem um die Frage: Krieg und Frieden, doch sie ist und bleibt untrennbar mit der "großen, sozialen Frage" verbunden, womit sich hier erstmal der Kreis schließt.
Roger Waters ist solange ich Pink floyd höre und das ist ziemlich lange ein unbeugsamer auch Solo Künstler, der kompromisslos gegen den Kapitalismus auftritt; provokativ, direkt und schonungslos, wie auch Kate Tempest, lyrische, politische Rapperin, die ihren Auftritt vor einiger Zeit in der Volksbühne aus Solidarität mit dem palästinensischem Volk abgesagt hat.
"Die Sprache ist die unmittelbare Wirklichkeit des Denkens." (Karl Marx)


Am 20. April 2019 schrieb Otto Bismark:

Leute, lasst uns nicht über Boykott oder Nichtboykott streiten, wer glaubt, damit ein gutes Werk zu tun, bitte. Aber was wichtig ist, ändern wird sich dadurch nichts! Sondern man täuscht sich nur selbst.

Antwort von U. Gellermann:

Der Boykott kann EIN Mittel der Gegenwehr sein. Die einstige Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika und die aktuelle weltweite BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen für Palästina“) gegen die israelische Apartheid: Alles Selbsttäuscher?


Am 19. April 2019 schrieb Heinz Schneider:

Was würde Bezos hier schreiben? "Welche Klagen erheben die Sterblichen wider die Götter! Nur von uns, wie sie schreien, kommt alles Übel; und dennoch schaffen sich die Toren selbst, dem Schicksal entgegen, ihr Elend" ((Homer, Odyssee, 1. Gesang).

Keine schlechte Sache, diese Amazon? Widerstand? Gegen wen? Gegen uns selbst, unser Verhalten!

Wer diese sittenwidrige Erpressung nicht mitmacht - der muss wohl in den Buchladen gehen!!!

Einfache Sache, die auch einfach zu machen ist. Danke dem Galeristen für sein klares Denken.


Am 17. April 2019 schrieb Georg Moritz:

In Zeiten von STAMOKAP und Planwirtschaft wäre Jeff Bezos "Held der Arbeit des Jahrhunderts" oder sowas gewesen, hat er doch ein System erschaffen (er? na, wie immer: hat erschaffen lassen), mit dem sich wunderbar die Nachfrage mit der Produktion koppeln ließe. Na gut, nicht ganz, an ein paar Stellschrauben müßte man drehen, ein paar Algorithmen verändern oder ersetzen - alles kein Thema für einen Trupp Informatiker, es sei denn sie arbeiten im Regime Amazon oder dem von Toll Collect oder der Bundesagentur für Arbeit oder oder... die Reihe ließe sich fortsetzen.

An sich keine schlechte Sache, dieses Amazon. Wäre da nicht der Profit. Nun ist Profit ja keineswegs was Schlechtes an sich, problematisch wird es nur, wenn der Profit auf Privatisierung beruht (Raub an der Allmende) und sich für den Besitzenden allein realisiert. Steuern sind ein schwaches Mittel, um ein paar Krümel vom ursprünglichen Raub wieder zurückzuholen, und selbst das funktioniert bei der "G-Mafia" nicht (Google, Microsoft, Apple, Facebook, IBM, Amazon).

Wie, was? der Bezos hat der Allgemeinheit nix geklaut? Der hat sich Amazon ausgedacht und selbst gebaut als Pionier dort, wo es noch nix gab, und deswegen steht ihm auch der Reichtum zu? Nein, tut er nicht, hat er nicht und hat er nicht. Er hat sich all der Werkzeuge bedient, die unzählige selbstlose Programmierer geschaffen haben, weitere Werkzeuge von anderen Programmierern schaffen lassen, die er in kapitalistischer Manier versklavt hat (du schreibst den Algorithmus, ich krieg die Rente daraus), auf die Ergebnisse Patente angemeldet: er hat privatisiert, was vorher Allmende war. Er hat den Einzelhandel an sich gerissen: auch das ist Feld der Allmende.

Nix kommt daraus zurück, das ist wahrlich bedauernswert. Ist ja schön, wenn man wohlhabend ist, das ist jedem zu gönnen. Nix dagegen zu sagen, daß jemand der reichste Mensch der Welt ist (einer ist das immer). Bezos hat sich neulich scheiden lassen, ein Viertel seiner Aktien gingen an seine Ex-Frau. Und er ist immer noch der reichste Mann der Welt (https://blog.fefe.de/?ts=a25848cd). Ja meinswegen. Soll er doch.

Aber: je größer der Reichtum eines Einzelnen (oder einer Gruppe) ist, je mehr dieser für die Allgemeinheit bestimmend ist, desto größer muß der Einfluß der Allgemeinheit auf die Macht dieses Reichtums sein, bis hin zur Enteignung und Überführung des privaten Imperiums in öffentliche Hand. Für Strom-Konzerne gilt das schon lange, für die G-Mafia und die Automobil-Konzerne ebenfalls. Und ja, besonders auch für Rüstungs-Unternehmen. Nichts ist so bestimmend für die Existenz wie der Tod.

Kann man dem Bezos nicht einen Preis verleihen? Denkmäler aufstellen, ihn im "Walk Of Fame" verewigen, ihm einen britischen Adelstitel geben? Lord Of Amazon oder sowas? Sein Leib wird zu Staub wie der von Jedermann, und sein Reichtum ist eitel Tand.

ceterum censeo: ICANN esse delendam.
Das Internet, die Leitungen, Router, DNS usw - das gehört subsidiär in öffentliche Hand. Wir müssen die Allmende wieder vergrößern, sonst wird das alles nix.


Am 17. April 2019 schrieb Ullrike Spurgat:

"Bildet Banden!" "Allein machen sie dich ein".
"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!" "Sich fügen, heißt lügen". (Erich Mühsam)
Jawohl, Boykott !
Um wesentlich mehr geht es und der Galerist treibt zu Recht an und jedes Mittel hat seine Berechtigung, wenn er zu Bündissen, zu gemeinsamen Aktionen aufruft, denn kein Schritt ist zu klein, kein Wort zuviel, kein Weg zu weit den Blutsaugern, Kriegstreibern und Ausbeutern an den Kragen zu gehen, alles was dazu beiträgt, was der Aufklärung dient muss auf den Tisch des Hauses und die Zeit wird kommen, wo sich die Wut in Widerstand verwandeln wird.
Carl von Ossietzky, Herausgeber der Weltbühne hat in der bürgerlichen, vielbeachteten Berliner Volks-Zeitung am 13. Mai, 1923 folgendes gesagt:
".............Die erschlafften Völker suchen nach einem Hirn, das für sie denkt, nach einem Rücken, der für sie trägt".


Am 17. April 2019 schrieb Reinhard Lerche:

Diese Krake ist schlicht noch viel Brutaler, als der Uli es hier darstellt.
Unternehmen die über Amazon verkaufen und zu erfolgreich sind werden dazu gezwungen ihren "Laden" an Amazon zu verschenken. Wer diese sittenwidrige Erpressung nicht mitmacht wird blockiert und kann den Käuferstamm über Amazon nicht mehr erreichen.
Bei der Datenanalyse für "Übernahmekandidaten" sitzt Amazon dementsprechend an der Datenquelle. Somit hat diese "Firma"/Krake nicht einmal ein unternehmerisches Risiko. Da die Politik diese offensichtlichen Erpressungen nicht sanktioniert, wird Amazon auch weiter wachsen und noch skrupelloser werden.


Am 17. April 2019 schrieb altes Fachbuch:

henker henker, haltet ein.
mich dauert dieses arme schwein (bezos exemplarisch:)

amazon ist doch nix anderes, als es quelle, karstädt etc. für den einzelhandel auch schon waren!! 1990ff sind ALLE einkaufs- und dienstleistungsgesellschaften in den wohngebieten der bösen kommunisten verschwunden! weil aldi und rewe schon warteten und wiese zum bauen kauften!
jammert man da?? normalität bricht sich bahn! wo sind Konsum und HO, quelle und karstädt??
für die klassiker waren die dampfmaschine, die entwicklungstheorie darwins und die entdeckung der symbiose (?) naturwissenschaftliche beispiele für die entscheidende rolle der produktivkräfte (wiss.-techn. fortschritt + hauptproduktivkraft mensch), die die gesamtgesell. verhältnisse zu determinieren!!
und nun ist das industrie 4.0!!! wollen wir wirklich auf level maschinenstürmerei fallen?? wo doch bei "deutsche wohnen" klar ist, dass NUR ENTEIGNUNG die lösung ist!! die BESITZER entscheiden, was aus den ergebnissen der produktivität wird.
wieso wird aus der produktivkraft mensch in 200 jahren kapitalismus nicht auch denkender mensch!? ich entstamme einem leseland, wieso habe ich mit dem bücher-verkaufen-land nix am hut??
ich soll bezos und uber verurteilen oder gar boykottieren, obwohl der lokale kapitalist meinen nachbarn ausbeutet???
was für ein vergnügen macht so eine lesung, eine taxi-schwarzfahrt, der überhöhte preis bei tante emma......? mein nachbar würde kein bier mehr mit mir trinken! das hat was von dekadenz bis sozialromantik, oder pseudo-szenen (kultur)erhaltung! der hiesige ausgebeutete hat nicht die zeit, nicht das geld - oder wir hofieren das wohlfühlgefühl der "mittelschicht";)??
nun warte ich ja noch, bis alibaba hier die regale füllt!!!
DANN füllen sich die reihen beim sozialen kampf. das sein bestimmt das bewusstsein!

Antwort von U. Gellermann:

Der „lokale Kapitalist“, der Krauter um die Ecke, ist ein potentieller Bündnispartner wenn es um den antimonopolistischen Kampf geht.


Am 16. April 2019 schrieb Hans Informat-Ion:

"Oster-Marsch", natürlich zu Ostern!
Ostern ist einst ein heidnisches Frühlingsfest zu Ehren der Göttin Ostara,
die die aufgehende Sonne im Osten verkörperte. So gesehen sollte der "Ostermarsch" tatsächlich "Western-Marsch" heissen, denn der Frieden wird vom "Westen" bedroht ? seit 1945 schon!!! Gen "Osten" marschierten meist Eroberungs-Heere und nun wieder marschiert dort die NATO auf ? zur "Verteidigung"!!!


Am 16. April 2019 schrieb H. Ich:

@ Otto Bismarck
Danke, für diesen, es auf den Punkt bringenden, Kommentar. Der bisher -aus meiner Sicht - einzige, der Boykottaufrufe für nicht zielführend hält.

Die Antwort von U.Gellermann - "Auch aus Boykottbewegungen kann gelernt werden, entstehen Organisationen". - ist für mich nicht nachvollziehbar.
Ich lasse mich gern aufklären, doch liege ich falsch mit meiner Annahme, dass ich nur über das Internet bei Amazon bestellen - also kaufen - kann? Wenn es also stimmt, das immer mehr Menschen das Internet zum bestellen und kaufen und informieren nutzen, warum nicht gleich - und das wäre konsequent - das Internet boykottieren? Handyverbot, Laptops wegschmeißen, auch die Smartphones. Kein Internet und U.Gellermann könnte seine Informationen für "Nachdenker und Vorläufer" per Post an seine Hunderttausende Leser*innen verschicken. Und dann boykottieren wir - wo wir doch gerade dabei sind - noch MCDONALD, Burgerking, Starbucks, sämtlich Tankstellen, alles aus der Ukraine, aus Israel usw. Kaufen nur noch Bioprodukte - sind zwar teurer, aber egal. Das Prekariat hats ja. Vor allen anderen Dingen hat die "Unterschicht" Zeit, viel Zeit. Kann also auch zum Buchhändler laufen. Der Trend geht ja sowieso zum Zweitbuch. Und schon knickt der Imperialismus ein und bittet um Gnade. So gut und informativ von Gellermann über "Amazon" geschrieben wird - aber ein Bokottaufruf?? Also, von Gellermann habe ich schon intelligenteres gelesen.

Antwort von U. Gellermann:

Der Boycott ist eine der möglichen Waffen in den Kämpfen von Unten gegen Oben. Das wusste die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika. Das weiß die aktuelle weltweite BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen für Palästina“) gegen die israelische Apartheid. Nur „H. Ich“ weiß es besser. Das kann an einem Mangel an Kenntnissen liegen. Aber auch an geringer Intelligenz wg. Selbstüberschätzung.


Am 16. April 2019 schrieb Marc Britz:

„Und auf die NSA muss ein Mann wie Bezos nicht warten: Er hat ja Alexa."

Stimmt. Und zur Not hat er auch noch die CIA. Denn die mietet ihren Server-Space bei Bezos. Stelle man sich das ganze mal bildlich-analog vor: Bezos vermietet einen Büroraum. Auf der einen Seite stehen die Aktenschränke mit den Daten seiner Kunden und auf der anderen Seite die der ?Kunden? der CIA. Und da soll einer glauben, dass nicht gegenseitig Einsicht genommen wird oder dass nicht der ein oder andere Folder hin- oder hergeschoben wird. Auch hat solch eine Vermietung seine Vorteile vor allem für den Vermieter. Zum Beispiel nach dem Motto: Wenn Du nicht machst, was ich will, dann dreh ich Dir den Strom ab und lasse die Türschlösser tauschen! Ein global operierender ausbeuterischer Privatwirtschaftler kann auf diese Weise einem global operierenden terroristischen Staatsapparat die Hausordnung diktieren. What?s next? Drohnen-Mord bei Amazon-Boykott?


Am 16. April 2019 schrieb Karola Schramm:

Alles richtig, was der Uli Gellermann schreibt.
Dennoch - ich kann nicht anders - will ich zugeben, dass ich gerne bei amazon einkaufe. Und das hat gute Gründe:
Ich wohne auf dem Land, 6 km vor der Stadt. Fahre ich mit dem Auto beginnt der Stress mit Parkplatzsuche, Kurven durch die Innenstadt nahen Straßen und dann endlich doch ein Parkhaus. Dann EIN Buch kaufen wollen, was nicht da ist. Es wird bestellt und kann mir nach hause geschickt werden. Ich kaufe es in einer großen Buchhandlung Thalia, da kann man sitzen und lesen. Die kleineren Buchhandlungen gibt es nicht mehr. Warum? Sie verkaufen nur Bücher. Ich habe einige gefragt, während eines stundenlangen Einkaufbummels vor ein paar Jahren. Müde und durstig betrete ich den Buchladen. Bücher überall an den Wänden, doch kein Sitzplatz. Ich stehe mir die eh schon schmerzenden Füße in den Bauch, wie man so sagt und frage, ob es irgenwo einen Stuhl gäbe. "Nein", so die unfreundliche Antwort, "die Leute sollen Bücher kaufen und nicht im Laden lesen." Nie wieder bin ich in diese Buchläden gegangen.

Dann noch ein Gedanke. Wenn viele Menschen wie ich, in die Stadt fahren für ein oder zwei Teile, verstopfen auch viele Autos die Straßen und sorgen für schleche Luft.

Wenn aus meinem Dorf viele nur ein Produkt bei amazon kaufen, bleiben alle zuhause und ein Paketauto fährt um uns allen unser Teil zu bringen. Ich finde das ist praktisch und umweltschonend.

Und so ausgesaugt und abgehetzt wie in einigen Kommentaren beschrieben, haben die Paketboten bei mir nie. Nur in der Weihnachtszeit. Ansonsten machen sie, wie ich finde, meistens einen freundlichen und gelassenen Eindruck.

Noch ein Punkt. Benötige ich ein Buch schaue ich bei amazon nach. Dort sind alle Bücher eines Autors aufgelistet. Wenn ich per Prime bestelle, ist das Buch oder ein anderes Produkt, am nächsten Tag in meinem Briefkasten und ich habe Zeit, Nerven und Benzin gespart. Außerdem gibt es auch gebrauchte Bücher, die oftmals nur für einige Cent plus Porto gekauft werden können.

Dass amazon so gut wie keine Steuern bezahlt und schlecht mit seinen Mitarbeiern umgeht, liegt nicht an mir als Käuferin/Kundin, sondern an den Politikerinnen und Politikern innerhalb DEs und der EU, die sich einfach nicht trauen, diesem Unternehmen Steuern aufzubrummen oder in DE Arbeitsrechte einzufordern. Immer noch lassen sich die PolitikerInnen reinlegen mit den Sätzen:"Aber wir schaffen doch Arbeitsplätze" oder:"wenn ihr nicht so wollt wie wir, gehen wir eben weg."

Den Boykott, den Sie lieber Uli Gellermann vorschlagen, wird es nicht geben. Dafür ist amazon zu gut. Man kann diese Krake bändigen mit Mut, politischem Willen und Steuern.


Am 16. April 2019 schrieb beate hermann:

Ich habe schon ganz viele Mails verschickt , weil diese Hackfresse in Europa keine Steuern zahlt , wir Du und ich !


Am 16. April 2019 schrieb Otto Bismark:

Das alles kann unter den gegebenen Bedingungen gar nicht anders sein. Karl Marx hat in seinem Kapital Bd. 3 das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate entwickelt. Dieses beinhaltet kurz gesagt die Feststellung, daß wegen der Erhöhung des Umfangs des konstanten Kapitals infolge des Einsatzes neuer und aufwendigerer Maschinerie imVerhältnis zur nicht in gleicher Weise zunehmenden lebendigen Arbeit die Profitrate ständig sinkt. Um dies auszugleichen strebt das Kapital stets nach neuen Verwertungsmöglichkeiten, die bei zurückgehender Profitrate die Profitmasse dennoch ansteigen lassen. Daran wird auch ein Boykott nichts ändern, so sinnvoll und naheliegend er im Einzelfall auch sein mag. Deshalb führt kein Weg an der Suche nach einer besseren Gesellschaft vorbei.

Antwort von U. Gellermann:

Auch aus Boykottbewegungen kann gelernt werden, entstehen Organisationen.


Am 15. April 2019 schrieb randy andy:

Ich kann mich nur dem Kommentar von Ulrike Spurgat anschließen !

Am "geilsten" (sehr ironisch gesehen) finde ich die Menschen, welche sich tatsächlich Alexa und Co ins Wohnzimmer stellen. Da kommt mir dann immer der Kommentar aus " Na; Hast auch schon eine Standleitung zur NSA !?" ^^


Am 15. April 2019 schrieb Lutz Jahoda:

RÜCKBLICK

"Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren." (Satz aus Gorbatschows Rede vor dem Politbüro der DDR am 7.Oktober 1989).
Doch erst Gennadi Gerassimow (Gorbatschows außenpolitischer Sprecher) verkürzte den Satzinhalt wie folgt vor der Presse: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. - Those who are late will be punished by life itself."

VORAUSSCHAU
Vielfraß Amazon kam leider zu eigenem Nutzen genau passend.

Exzellent durchdacht, drum kaum noch zu toppen:
Die Bequemlichkeitswalze rollt und rollt.
Die Monsterkrake ist nicht mehr zu stoppen.
Wer glaubt, dies sei möglich, will sich nur foppen.
Die Genussgemeinschaft hat es gewollt.

Gewollt ist gewollt, so gut wie gestattet.
Vernunft ist wehrlos, wenn Eigennutz siegt.
So wird, wie schon oft, die Ratio bestattet.
Dumm applaudiert, wenn Verstand unterliegt.


Am 15. April 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

Die Washington Post hat der Herr sich auch einverleibt für nen Apel und ein Ei wie man munkelt. Die gewachsenen Strukturen nach 1945 in den Städten, Dörfern, den Kommunen und Gemeinden gehen so langsam vor die Hunde. Die Viertel sind kaum noch wieder zu erkennen. Die Handwerksbetriebe, die kleinen Läden für das Allerlei des Alltags, der Schreibwaren Laden, der Kiosk (Büdchen), die Eckkneipen, meist an alten Bäumen zu finden, der Schuh Laden, der letzte Schuster hält noch die Stellung, doch auch seine Zeit ist abgelaufen wie er sagte verschwinden und nichts mehr wird daran erinnern, was nach 1945 neu aufgebaut wurde. Nicht nur, dass wir von politischen Idioten umzingelt sind (Nicht alle!, die das Heft des Handelns, also auch das der Verantwortung in die Hände solcher "Privat vor Staat" freiwillig und ohne Not gegeben haben werden nun am Nasenring durch die Manege gezogen und das Michel Volk läuft mit. Bezos, Google, Apple und wie sie alle heißen sind amerikanische Konzerne und pfeifen auf deutsches Recht, lachen sich ins Fäustchen und bezahlen einen nahezu lächerlichen Steuersatz, natürlich alles legal von Politik und Vaterland abgesegnet und zerstören genüsslich die Strukturen in den Ländern, in denen sie frisch, fromm und frei ihr Unwesen treiben können. Rechtsstaatlich abgesichert, dass versteht sich von selbst.
Eine Horrorvorstellung wo die Entfremdung, die Entsolidarisierung, die Vereisamung enden,inmitten von toten Sachen, die Erzeugung künstlicher Bedürfnisse, indem die echten, menschlichen Bedürfnisse zerstört werden sollen, dass der Mensch ein gesamtgesellschaftliches, soziales Wesen ist, dass auf Kooperation und Entwicklung angelegt ist, auch das soll Geschichte werden. Ich habe noch nie bei dem Blutsauger bestellt und den Stress, den die gequälten und gepiesakten Arbeiter von dem Drecksack haben kann man vor Ort in den abgearbeiteten, erschöpften und gequälten Gesichtern sehen, egal wo in der EU.
Die Politik hat versagt, bezahlt Millionen für Berater und schleichend, täglich ein bisschen mehr lassen wir zu, dass Konzerne, Maschinen und unfähige Politiker das Leben bestimmen und Bezos kann sich den "Geldsack" schaukeln.


Am 15. April 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

Lieber Uli,
dass Zitat, dass Frau Buchinger als von Karl Marx zitiert stimmt so nicht:
Es ist von einem englischen Gewerkschafter, dessen Name mir entfallen ist und Marx hat ihn zitiert.


Am 15. April 2019 schrieb Dr. Lore Kleinert:

Recht hast Du, lieber Uli! Viel Spaß auf dem Ostermarsch, das dient dann ja zumindest der Ertüchtigung...


Am 15. April 2019 schrieb Christel Buchinger:

Ich habe noch nie bei Amazon gekauft und ich werde es auch nicht tun. Aber es verwundert mich schon, dass auch viele kritische, linke Menschen keine Probleme haben, bei dieser Krake zu kaufen.
Der alte Marx hat eine passendes Zitat für Amazon und die anderen Riesen gefunden: "Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinen Profit - Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv, waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.« (MEW 23: 788, Fn 250)



Am 15. April 2019 schrieb Andreas Schell:


Einfach alles mit .amazon auf die Ignore-Liste setzen ist doch eigentlich eine leichte Übung? Ich glaube allerdings, das Problem ist anders gelagert. Man denke über so was nach oder fange damit an:

- Internet benutzen, ohne Google was zu fragen
- Youtube aus den Gewohnheiten streichen
- Einkaufen ohne (Online-) Großhändler
- Kommunizieren ohne Facebook oder WhatsApp
- Computer ohne Microsoft oder Apple mit freier Software betreiben
- Nichts mit PayPal bezahlen
- Auf ein Smartphone komplett verzichten

Ach, das geht alles nicht? Dochdoch das geht, sogar sehr gut und noch mehr! Ein gutes Rezept ist die Konzentration auf das Wesentliche, das andere, sich ab und an zu fragen, ob "ohne" wirklich alles schlechter ist.


Am 15. April 2019 schrieb Des Illusionierter:

Das schwarze Loch Amazon boykottieren! Den Psychopathen Bezos. Mach ich eh schon - immer wenn möglich. Aber wie sieht es denn mit der Konzentration im Einzelhandel aus? Der größte Buchhändler bei uns hier gehört jetzt zu Thalia ? auch eine Krake.

Bücher habe ich bei A. schon seit Ewigkeiten nicht mehr bestellt. Entweder bestelle ich bei der kleinen Buchhandlung im Ortsteil oder ich lade sie mir als iBook von der Krake A? :-/

Ist halt unterwegs viel praktischer.

Aber alles Andere, das man so braucht (oder will) ? man kommt angesichts der ausgedünnten Bestände im Einzelhandel um eine Bestellung oft nicht herum, obwohl ich, wann immer es mir sinnvoll erscheint, direkt im Einzelhandel bestelle. Die direkte Bestellung nach Hause bietet sich aber doch oft an. Dabei vermeide ich nach Möglichkeit A. und bestelle direkt in Fach-Shops, die es ja auch noch gibt.

Letztlich scheint mir der Erfolg von A. auf den immer prekärer werdenden Lebens-und Arbeitsverhältnissen der Menschen und auch deren zunehmender sozialer Vereinzelung zu beruhen.

Dabei erscheint mir diese ganze KI-Debatte um A. und G. reichlich ambitioniert, wenn ich mir das läppische Prinzip anschaue. Wer z.B. eine Bohrmaschine kauft erhält danach ständig Angebote für Bohrmaschinen (oder allenfalls Kreissägen ;-) - und das soll intelligent sein?

Der Werbeerfolg hängt doch offenbar sehr von den betrachtenden Menschen ab. Ich beachte Werbeangebote keinen Wimpernschlag lang, meine Bedürfnisse entstehen aus den Situationen meines Lebens. Aufdringliche Werbung wirkt ausschließlich abstoßend auf mich.

Dabei weiß man natürlich nie ganz sicher, ob man nicht doch schon angefixt ist. Fuck Bezos!


Am 15. April 2019 schrieb Heinrich Triebstein:

Jeff Bezos und Kollegen haben die vierte Säule des Geldmachens entdeckt. Nach Natur, Arbeit und Güteraustausch ist nun die Kreativität der Nutzerinnen und Nutzer an der Reihe. "In diesem Sinne definieren die Besitzer von Überwachungskapital eine vierte fiktive Ware: Sie ist aus den Erfahrungswelten von Menschen zu gewinnen, deren Körper, Gedanken und Gefühle so jungfräulich sind, wie es die reich vorhandenen Wiesen und Wälder waren, bevor sie der Dynamik des Markts unterlagen", sagt Shoshana Zuboff, emeritierte Professorin an der Harvard Business School in der deutschen Januar-Ausgabe von Le Monde diplomatique.
Die Betreiber von GAFA (Google Amazon, Facebook und Apple) machen sich all das zunutze, was Werbung in den Massenmedien über Jahrzehnte vorbereitet hat: Den glücklichen Konsumsklaven zu erzeugen, der die Frage nach seiner persönlichen Freiheit gar nicht erst stellt.
Pulse of Europe tritt mit Postkarten zur Europawahl in die Öffentlichkeit, die als Impuls für ein breites Nachdenken über unsere Lebensweise dienen können: Freiheit wächst nicht auf Bäumen. Frieden ist kein Naturgesetz. Und: Zusammenhalt kann man nicht online kaufen. Da lässt sich doch was draus machen?!
Die Zeit des Großen Bruders neigt sich ihrem Ende zu. Geschwisterlichkeit hat längst angefangen, an seine Stelle zu treten. Gerade auch mit Hilfe des Netzes.

Antwort von U. Gellermann:

Leider beklatscht „Pulse of Europe“ die Europäische Union, ein bürokratisches Gebilde zur Durchsetzung von Kapitalinteressen.


Am 15. April 2019 schrieb Lena Bergmann:

Rosa Luxemburg: "Für die Sozialdemokratie besteht zwischen der Sozialreform und der sozialistischen Revolution ein unzertrennlicher Zusammenhang, indem ihr der Kampf um die Sozialreform das Mittel, die soziale Umwälzung aber der Zweck ist." Für mich wäre wäre ein Amazon-Boykott Teil einer sozialen Reform. Natürlich kann man dabei nicht stehen bleiben. Aber besser als das Warten auf ein Wunder wäre es allemal.


Am 15. April 2019 schrieb R. R:

Leider ein Trugschluss: Boykott. Denn WO und über welche Wege Sie Ihre Artikel kaufen interessiert die überhaupt nicht.

In dem Moment, wo Sie glauben, daß Sie durch Ihr Kaufverhalten einen Einfluß ausüben, sind Sie dem Märchen von der sozialen Marktwirtschaft auf den Leim gegangen!

Sie glauben das nicht? Sehen Sie, vielleicht habe Sie noch nie in Ihrem Leben Elfenbein gekauft -- Trotzdem werden Elefanten ausgerottet.

Vielleicht haben Sie auch noch nie im Leben eine Rauchschwalbe oder einen anderen Singvogel gegessen -- Trotzdem werden Singvögel fabrikmäßig gefangen und ausgerottet.

Vielleicht essen sie auch keine Margarine -- Trotzdem werden Wale gefangen.

Sehen Sie, solche Beispiele lassen sich beliebig fortführen!

Antwort von U. Gellermann:

Sehr gut wäre eine erfolgreiche antikapitalistische Revolution. Und was machen wir in der Zwischenzeit? An den Zehen spielen?


Am 15. April 2019 schrieb Peer Kleinert:

Das ist die bisher beste Zusammenfassung über das Unwesen amazon! Die sind ja noch schlimme als ich dachte. Danke für die scharfe Analyse.


Am 15. April 2019 schrieb Vera Gschwendner:

Alles fängt mal klein an. Aber abfangen muss man. Manchmal auch bei sich selbst und der Bequemlichkeit.

Dran bleiben...

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