An »Offside«, den wunderbaren Fußballfilm ohne Fußball des iranischen Regisseurs Jafar Panahi, erinnern sich auch diejenigen noch gerne, die am Spiel mit dem runden Leder gewöhnlich wenig Interesse haben. Darin geht es um die so einfallsreichen wie vergeblichen Bemühungen einer Gruppe junger Iranerinnen, zu einem wichtigen Qualifikationsspiel der iranischen Nationalmannschaft ins Stadion gelassen zu werden. Im Lande der Mullahs ist solches nämlich weiblichen Fußballfans grundsätzlich verboten. Das Verbot, so hören wir von einem der Polizisten, der die schrillen Girls unterm rot-gelb-grünen Kopftuch außerhalb des Stadions bewachen, dient unter anderem dazu, ihnen den Anblick pornografischer Graffiti zu ersparen, wenn sie mangels eigener Toiletten die der Männer aufsuchen müssten.

Im Rahmen einer Veranstaltung »Changing Politics in Iran« soll, wie die »Village Voice« berichtet, Panahis Film am 12. März auch im New Yorker Lincoln Center gezeigt werden, eingeführt von dem renommierten Iran-Kenner Prof. Hamid Dabashi. Der Regisseur selber wurde auch zu Interviews erwartet, da sein Film wenige Tage nach der Veranstaltung seinen New Yorker Kinostart haben soll. Doch aus Panahis Besuch wird nun nichts – die US-Behörden haben sein Einreisevisum widerrufen. Der Welt-Schiedsrichter hat gesprochen! »Offside indeed«, also »wirklich abseits«, lautet der sarkastische Kommentar des Blattes. Gründe für den Widerruf nennt der Bericht zwar nicht, aber die kann sich jeder »freedom & democracy«-begeisterte Leser mühelos selbst zusammenreimen. Erstens, zweitens und drittens: Herr Panahi ist Iraner!

Wem das noch nicht Gründe genug sind, der kann weiter auswählen: Herr Panahi ist Künstler also Intellektueller also verdächtig. Sein Film ist gefährlich, denn er soll im Iran – wenngleich nur für ganz kurze Zeit – sogar das Stadionverbot für Frauen zum Wanken gebracht haben. Wer solch subversive Filme macht, dem ist auch zuzutrauen, dass er einen Fußball durch die Fensterscheiben des Oval Office schießen will. Und Fußball ist anders als Baseball oder American Football ohnehin unamerikanisch. Außerdem dient das Einreiseverbot für ihn ja nur zu seinem eigenen Schutz. Wer kann ihm denn garantieren, dass sein Flug nicht einen Abstecher nach Guantanamo macht? Dort gibt es für Insassen wohl auch keine Damentoiletten, und die pornografische Phantasie des Bewachungspersonals dort ist inzwischen weltberühmt.

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