Der Krieg sei der Vater aller Dinge, behauptete Heraklit, und Peter Struck ist sein Prophet: Noch zehn Jahre sollen sich deutsche Truppen in Afghanistan aufhalten, sie sind ja erst sechs Jahre da. Und mehr von diesen Truppen sollen wir auch noch schicken. Wenn Peter Struck doch nur ein einsamer verwirrter Sozialdemokrat wäre. Aber er verfügt in seiner Fraktion über eine Mehrheit, weiß nahezu die komplette CDU-CSU-Fraktion an seiner Seite und die Spitze der GRÜNEN ist auch ganz wild auf diese Vaterschaft. Aber welches Ding soll dieser Krieg nur zeugen? Was soll aus einem Projekt werden, das auf die Dauer einer Generation zusteuert?

Der Afghane, das kann man vielen deutschen Medien entnehmen, kann sein Land nicht regieren. Viele Afghanen haben nicht mal ein Auto, sie lesen keine BILD-Zeitung und ihr TV-Konsum lässt auch zu Wünschen übrig. Wer in Afghanistan nach dem Weg fragt, bekommt selten verständliche Antworten. Kaum ein Game-Boy ziert die afghanischen Hütten, man streitet sich lieber zu Pferde um eine tote Ziege. Statt eines overkills nackter Plastiktitten an den Zeitungs-Kiosken, sieht man nur verhüllte Frauen im Straßenbild. Und während bei uns Opium für´s Volk gedealt wird, wird es am Khyberpass angebaut. Der Afghane kann es nicht, niemals.

Deshalb werden wir den Laden übernehmen. Besser wäre es für den Afghanen, er gäbe sein ohnehin schäbiges Land freiwillig raus. Da er das nicht macht, kommt jetzt Struck. Als erstes übernehmen wir die Polizei. Immerhin bilden wir sie ja seit Jahren erfolgreich aus. Und wer einen Innenminister wie Schäuble in der Hinterhand hat, der kann auch den klandestinen Afghanen die Flötentöne beibringen. Dann wird die Autobahn gebaut: Jetzt können unsere Truppen flott von Faizabad nach Kandahar und zurück brettern. Der dreispurigen Autobahn folgt das dreigliedrige Schulsystem: Ein Gymnasium in Kabul, je eine Realschule in den Provinzhauptstädten, ansonsten Hauptschule! Für den Koranunterricht wird sich schon ein Konkordat finden, vielleicht überstülpen wir das bayerische Modell.

Da den Afghanen ein gewisser Wirtschaftsliberalismus nicht abzusprechen ist, sind größere Reformen auf dem Gebiet kaum nötig. Aber eine Arbeitsagentur und ein paar Job-Center wollen wir den Afghanen schon implantieren, das wird dann wie bei uns, die Agentur vermittelt keinen Job, aber den Eindruck von sozialer Führsorge. Auch in den Fragen organisierter Korruption können wir den Afghanen nicht viel beibringen, aber der eine oder andere Siemensmanager sollte sich schon für Wochenendseminare bereit halten. Das größte Reform-Problem liegt im Opium. Etwa die Hälfte des afghanischen Brutto-Inlandsproduktes resultiert aus dem Opium-Anbau. Das macht sich für eine deutsche Kolonie nicht so gut, was soll denn das Ausland denken. Aber vielleicht reicht einfach eine gewisse Umbenennung. Immerhin ist Mohn ein nachwachsender Rohstoff und die sind zur Zeit höchst populär.

Bleibt die Frage des Staatsoberhauptes. Da der jetzige Chef von Kabulistan ein Paschtune ist und diese ethnische Gruppe nur 40 Prozent der Bevölkerung ausmacht, kann nur jemand von außen die Lösung bringen: Wolfgang Thierse ist nicht nur ein Fraktionskollege von Peter Struck, er trägt auch jene Sorte Bart, die dem fundamentalistischen Afghanen am liebsten ist. Seine wolkige Redeweise kommt dem Stil alttestamentarischer Verkündigungen ziemlich nahe und könnte, bei geschickter Übersetzung, schroffe Übergänge von der einen zur anderen Herrschaft mildern.

Nun mag der einfältige deutsche Wähler - der bis heute und mit Mehrheit hartnäckig der Auffassung ist, wir sollten uns aus Afghanistan zurück ziehen – fragen, was wir denn mit dem besetzten Land wollen. Entschieden muss ihm gesagt werden: Das geht Sie nichts an. Deutschland ist eine parlamentarische Demokratie, in der die Abgeordneten nur ihrem Gewissen und dem Fraktionszwang verantwortlich sind. Und da Struck, Merkel und Roth seit sechs Jahren nicht erklären, warum wir in Afghanistan sind, werden sie das in den nächsten zehn Jahren auch nicht tun. Und die Afghanen fragt ohnehin keiner.

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