Der Obama-Putin-Fakten-Check

Mit Otto von Bismarck gegen US-Marketing

Autor: U. Gellermann
Datum: 20. März 2014

Wer in diesen Tagen deutsche Medien konsumiert, der kann den Beschwörungen nicht entgehen, er solle doch den Russen verteufeln, die westlichen Reihen fester schliessen und einem deutschen Sonderweg, einer relativen Selbstständigkeit aber sofort entsagen. Hatte man bis jüngst noch gedacht, eine brave NATO-Mitgliedschaft der Bundesrepublik und ein andauerndes EU-Mantra würde der deutschen Formierung genügen, erlebt man jetzt den dritten Grad der Gehirnwäsche. Was mag los sein? Will sich Bayern abspalten? Will die dänische Minderheit heim in dänische Reich? Liebäugeln die Sorben mit dem Anschluss der Oberlausitz an die Slowakei? Wie auch immer, in dieser schweren Lage gibt die RATIONALGALERIE mit ihrem "Obama-Putin-Fakten-Check" außenpolitische Entscheidungshilfe.

Wer die vielen Bilder von Putins nacktem Oberkörper kennt, dem kann eine gewisse sexuelle Färbung im Putin-Marketing nicht entgangen sein. Diese zur Schau gestellte Männlichkeit - auch in den Klischees vom Reiter-, Fechter-, Judoka- und Jäger-Putin erkennbar - zielt auf den Mann im Mann, auf das archaische Überleben des Stärkeren. In einer abgesofteten Gesellschaft wie der deutschen, in der die blutigsten Kämpfe auf dem Sektor des Gender-Mainstreamings ausgetragen werden, kann dieser Pin Up-Boy kaum Punkte sammeln. Zudem muss man vermuten, dass sich hinter der plakativen Männlichkeit ein kleiner, verängstigter Junge verbirgt, der die Muskeln nur zum Selbstschutz und zur Selbsttäuschung aufpumpt.

Wer nach Obamas sexuellen Reizen fragt, landet automatisch bei seiner Frau. Genauer: Wenn in den USA nur Männer wählen dürften, wäre Michelle längst Präsidentin. Obamas Marketing-Trick besteht darin, in der Reiz-Frage ein wenig hinter seiner Frau zurückzutreten und sich zugleich mit dieser Trophäe zu schmücken. Vor ein paar Tagen, zur besten Sendezeit und mitten in der Ukraine-Krise, zeigt eine der öffentlichen TV-Anstalten den US-Präsidenten beim Einkaufen für seine Familie in einem Laden der Textilkette GAP, und was erklärt er den beglückten Verkäuferinnen? "Es schadet nie, etwas mitzubringen, wenn man unterwegs war", sagte er zu den Mitarbeiterinnen und schaulustigen Kunden wie auch den Journalisten. "Damit punktest du, wenn du nach Hause kommst." Tja Putin, so geht das. Nicht mit dem Säbel rasseln, sondern der Rasselbande was mitbringen.

Dabei wäre es so einfach: In der Moskauer Altstadt, im Arbat, gibt es am "Ploshchad Kiyevskogo Vokzala", also ausgerechnet am Kiewer (!) Bahnhof, auch einen GAP-Store. Da hätte doch, ganz zufällig - wie Obama von Kameras begleitet - Wladimir Putin mal einkaufen können und anschließend, im Burger King am selben Platz, mit einem "Big King" in der Hand eine nette Bemerkung über die amerikanische Kultur machen können. Aber wem sollte er schon aus dem GAP-Store etwas mitbringen? Seit seiner Scheidung, weiß die FAZ, "ist er nur noch mit Russland verheiratet." Wer mag schon solche Streber: Tag und Nacht den russischen Laden in Ordnung halten, das ist doch unmenschlich. So macht man keine Punkte. So weit zur Software. Aber wie sieht es mit der Hardware aus?

Die USA verfügen über rund 1.000 Militärstützpunkte in der ganzen Welt: Von Deutschland über Albanien bis ins ferne Neuseeland, allein zehn Stützpunkte finden sich in Lateinamerika, in jener Gegend, die von den USA als ihr Hinterhof begriffen wird. Ob die amerikanische Militärpräsenz in postsowjetischen Ländern wie Georgien, Usbekistan oder Kirgisien vom Pentagon als das Besetzen von Vorgärten angesehen wird, ist unbekannt. Bekannt ist, dass die Welt vom "Unified Combatant Command", dem Vereinigtem Kampfkommando der USA in "Areas of Responsibilities", in US-Verantwortlichkeitsgebiete eingeteilt wurde. Wie "die Welt" das findet, wurde bisher nicht erfragt.

Russland ist Herr über kümmerliche 24 russische Militärstützpunkte in neun ehemaligen Sowjetrepubliken und einem weiteren in Syrien. Angesichts der vielen dämonischen Putin-Fotos in den deutschen Medien stellt sich die Frage, was die Russen denn mit ihrem Militär überhaupt anstellen. In der postsowjetischen Area, also in den letzten 22 Jahren, ist die russische Armee nicht über vier Kampfeinsätze hinaus gekommen. Der im Westen populärste war jener im Oktober 1993 als der Säufer Jelzin das russische Parlament beschießen ließ, weil das nicht so wollte wie er. Rund 200 Tote waren eine der Folgen. Dann gab es noch zwei blutige Kriege in Tschetschenien, die von den Russen als "Kampf gegen den Terror" ausgegeben wurden, das konnte aber schon deshalb nicht stimmen, weil dieser Begriff den USA gehört. Und der Kampf um Süd-Ossetien lief unter dem geklauten Etikett von "Freiheit und Selbstbestimmung". Auch diese Stereotypen sind Eigentum der USA.

In den letzten 22 Jahren waren die Streitkräfte der USA zehn mal unterwegs: Auf sogenannten Missionen, mit selbsterteilten Mandaten oder im Einsatz. Nur der Irak-Krieg erhielt das wahre Kriegs-Prädikat. Mal war es ein sehr dringend notwendiger Kampf gegen den Terror, dann wieder eine humanitäre Mission oder ein Einsatz für die Freiheit, wie zuletzt in Libyen. Die vom Westen hochgelobten libyschen "Rebellen" müssen da was missverstanden haben, jüngst nahmen sie sich die Freiheit, einen schönen großen Öltanker zu entführen. Da haben die Marines vom Lenkwaffen-Zerstörer "USS Roosevelt" den Idioten mal schnell das Ende der Freiheitsfahnenstange gezeigt. Überhaupt scheinen die Freiheiten in Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Libyen eher zur Zerstörung staatlicher Strukturen zu führen, als zu jener Demokratie, die vor und während der US-Kriege so oft besungen wird.

Gegen Putin spricht auch eindeutig seine Herkunft aus dem düsteren KGB, dem sowjetischen Geheimdienst, einem Lieblings-Sujet der deutschen Medien. Anders als dem farbigen, lockeren Obama ist dem käseweißen Putin alles eklig Geheimdienstliche zuzutrauen. Und ist da nicht der ganz geheime "Sluschba wneschnei raswedki" (SWR, Dienst der Außenaufklärung), der mit seinen 13.000 Mitarbeitern solche Sachen macht wie "Elite-Agenten mit falschen Namen und konstruierten Biografien zu koordinieren, die in verschiedenen wichtigen Ländern platziert werden." So was Altmodisches würde den 40.000 Kollegen von der NSA nie einfallen: Die machen ihren Job vom Rechner aus. Das ist modern und schick: Mit dem US-i-Phone in das Merkel-Phone, das ist der Trend. So wird der SWR abgehängt.

Vergleicht man das jeweilige Bedrohungs-Potential der beiden Mächte, vergleicht man ihre Kriegs-Fähigkeit und -Bereitschaft, könnte man auf die Idee kommen, eine Politik der Äquidistanz, des gleichem Abstands zu den beiden Mächten würde den Deutschen jenen Spielraum verschaffen, wie er zuletzt im NEIN Gerhard Schröders zum Irak-Krieg kurz aufblitzte. Eine solche Überlegung ist der deutschen Außenpolitik und den angeschlossenen Medien fremd. Man geht lieber mit Obama shoppen als mit Putin zu reden. Als 1887 Otto von Bismarck einen "Rückversicherungsvertrag" zwischen dem Deutschen Reich und dem Russischen Reich abschloss, war das kein Akt der Liebe. Es war der temporär gelungene diplomatische Versuch, einen Krieg in Europa zu verhindern. Erst der sturzdumme Kaiser Wilhelm II. verweigerte der Vertragsverlängerung seine Unterschrift. - Im Auswärtigen Amt kennt man vielleicht noch den Namen Bismarck. Eine eigenständige Aussenpolitik ist eher unbekannt.

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Podiumsdiskussion zum Aufruf des Europäischen Frühlings:
"GraPo statt GroKo"
U.a. mit Michael Vilsmeier, Initiator des Aufrufs und Martina Michels (MdEP), Angelo Mastrandrea (Journalist der italienischen Zeitschrift »il manifesto«), Moderation: Uli Gellermann, Herausgeber der RATIONALGALERIE 

Am 22. 03. 2014, 11.00 Uhr
Im Hauptgebäude der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) auf dem Campus Treskowallee 8 in 10318 Berlin.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 23. März 2014 schrieb Jens Niestroj:

Zu Obama kann man - frei nach dem Motto: An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen - noch folgendes anmerken: 

Die USA sind wieder Vorbild - in allen Bereichen: Wirtschaft, Militär, Lebensweise, Kultur. Erst recht, seit Herr Obama Präsident ist.

Welche Politik wird Herrn Obama offiziell zugeschrieben, was ist seine tatsächliche Politik?

Obama soll sein: ein linker Präsident, der endlich eine allgemeine Krankenversicherung in den USA eingeführt hat, einer der Guantanamo schließen will, einer, der für den armen Anteil an der Bevölkerung der USA eintritt, einer, der Frieden möchte, der für den Rechtsstaat steht, kurz, ein guter Präsident mit patenter Frau und sympathischer Familie.

Und wie ist es tatsächlich?

1. Obamas Verhältnis zum Rechtsstaat
1.1 Aufdeckung von Kriegsverbrechen (1) 

Bradley Manning hat Kriegsverbrechen der US-Streitkräfte in Afghanistan und im Irak aufgedeckt. Hierfür hat er von seiner Regierung keine Belobigung erhalten. Statt dessen vertrat Herr Obama bereits im April 2011 - also mehr als zwei Jahre vor dem Gerichtsurteil - die Ansicht, Bradley Manning sei ein Verbrecher, der bestraft werden muss.

Bradley Manning wurde von US-Behörden gefoltert und wegen Geheimnisverrat im August 2013 zu 35 Jahre Gefängnis verurteilt. Diejenigen, die die Kriegsverbrechen begangen haben, wurden strafrechtlich nicht verfolgt.

Selbst "liberale" US Medien, wie die New York Times feiern die Verurteilung von B. Manning. Die deutschen Medien interessiert wenn überhaupt der Wunsch von Herrn Manning auf Geschlechtsumwandlung. Die Kriegsverbrechen der US-Streitkräfte sind dagegen hüben wie drüben zweitrangig. Ebenso ist es für alle Massenmedien zweitrangig, dass mit Bradley Mannings Verurteilung mit vorausgehender Folter ein Exempel statuiert wurde: Wer öffentlich macht, welche Verbrechen die US-Streitkräfte und Regierung begehen, wird hart bestraft, ja er kann sicher sein, dass er gefoltert wird. Dies kann der oberste Ankläger im Prozess gegen B.Manning, Captain Joe Morrow sogar öffentlich kundtun: "Jedem Soldaten, der erwägt, vertrauliche Informationen zu stehlen, (schicken wir mit der Verurteilung von B.Manning) eine Botschaft, um sicherzustellen, dass so etwas nie wieder vorkommt". Verantwortungsvolle Bürger werden so nicht gerade ermuntert, gegen Missstände aufzustehen. Und unsere freie Presse interessiert sich in keiner Weise um eine derart offene Einschüchterung.

Dieses Verhältnis zu Staatsverbrechen hat in den USA und in unserer freien Presse Tradition und ist kein besonderes Merkmal der Obama-Regierung. Hier sei z.B. das Massaker von My Lai vom 16.03.1968 genannt. US-Truppen unter Kommando von Leutnant Calley haben mehr als 500 Zivilisten, davon mehr als 70 Säuglinge in SS-Manier ermordet. Soldat Ridenhour, der die Aufklärung des Massakers initiiert hatte, wurde in einem Teil der US-Presse als "Verräter, Dreckskerl, Agent von Hanoi, Kommunist, Jude und eine Schande für unsere Gesellschaft" beschimpft.

Von der mordenden Soldateska wurde nur der kommandierende Leutnant Calley mehr als zwei Jahre nach der Tat aufgrund der Fotos (u.a. in Life durch S. Hersh veröffentlicht) vor Gericht gestellt und Ende März 1971 wegen nachgewiesenem 102 fachen Mord zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Strafe wurde von Präsident Nixon innerhalb eines (!) Tages in Hausarrest umgewandelt, bevor er 1974 ganz begnadigt wurde. Herr Calley war und ist besonders im Süden der USA äußerst populär und konnte sich nach seiner Begnadigung aufgrund großzügiger Spenden als angesehener Juwelier in Columbus selbstständig machen. Herr Calley zeigte keinerlei Unrechtsbewusstsein, die Anklage verwunderte ihn: "Ich konnte das nicht verstehen. Eine Untersuchung über My Lai? Warum nicht über die Operation `Golden Fleece´? Oder `Norfolk Victory´? Oder `Dragon Valley´??


1.2 Schnüffeleien der NSA - "Yes, we scan"
Das Ausspionieren weiter Teile der Weltbevölkerung inkl. "befreundeter" Regierungen wird von Herrn Obama nicht nur gedeckt, sondern forciert. Entschuldigungen oder gar strafrechtliche Verfolgungen der sowohl in den USA als auch in Deutschland illegalen Überwachungen kommen für Herrn Obama nicht in Frage. Im Gegenteil: es wird immer und weitgehend unwidersprochen behauptet, die Schnüffeleien retten Leben, indem Terroranschläge verhindert werden. Herrn Snowden, der die Schnüffeleien - die weit über den Überwachungsumfang der Stasi hinausgehen - nachweisen konnte, wird nicht etwa eine Belobigung ausgesprochen. Nein, er gilt als Staatsfeind Nummer Eins. Und jedes Land, das in Erwägung zieht, Herrn Snowden Asyl zu geben, wird massiv von der Obama Regierung bedroht. 

1.3 Drohnenmord
Kein Präsident der USA - selbst nicht der ungeliebte Herr Bush - hat pro Jahr häufiger Drohnenmord befohlen, als Herr Obama.

Gegen wen richtet sich der Mordbefehl: gegen "Islamisten", "Taliban", "Drogendealer", "Terroristen". Also nur gegen böse Menschen, die es nicht anders verdient haben. Na, ja, hin und wieder werden auch umstehende Menschen verletzt und getötet, aber mit der Ausschaltung der bösen Buben wird doch amerikanisches (und europäisches) Leben gerettet. So jedenfalls die Begründung der US-Regierung und der freien Presse.

Niemand fragt, wie jemand auf die Liste der "auszuschaltenden" Taliban, Islamisten, Drogendealer, Terroristen kommen kann. Niemand fragt, wieso der US-Präsident die Allmacht über Leben und Tod hat, ohne sich vor einer weltlichen Macht verantworten zu müssen. Niemand fragt, wieso Herr Obama die Todesstrafe ohne ein Gerichtsverfahren, ja ohne jegliche Begründung verhängen darf.

Mir sieht der von Herrn Obama befohlene Drohnenmord eher nach Mafia-Methode aus, der "Pate" Obama nickt, wenn jemand ?beseitigt? werden muss, und er muss es noch nicht einmal wie einen Unfall aussehen lassen.

1.4 Guantanamo
Im US-Militärstützpunkt Guantanamo werden seit Jahren zahlreiche Menschen ohne Anklage und ohne Chance auf ein ziviles Gerichtsverfahren festgehalten, unwürdig behandelt und gefoltert. 

Obwohl Herr Obama in seinem ersten Wahlkampf den illegalen Charakter des Lagers klar benannt und versprochen hat, es nach seiner Wahl schließen zu lassen, gibt es dieses Lager immer noch.

Und heute wie damals werden dort Menschen auf übelste Weise misshandelt und gedemütigt. Und damals wie heute haben sie keinen Anspruch auf ein einigermaßen faires, ziviles Gerichtsverfahren. Falls es überhaupt zu einer Anklage kommt - denn viele bekommen gar kein Gerichtsverfahren - müssen die Ankläger noch nicht einmal sagen, wessen die einsitzenden Personen angeklagt sind. Die Inhalte der Anklage unterliegen teilweise der "nationalen Sicherheit"?.

Schlechtere Chancen hatten die Angeklagten bei den Schauprozessen der 30ger Jahre in der Sowjetunion auch nicht.

1.5 Einschränkung von Bürgerrechten
Ich möchte auf drei US-Gesetze aufmerksam machen, einmal den immer noch gültigen Patriot Act HR 3162 vom 24.10.2001 aus der Bush-Zeit und zwei Gesetzes aus der Obama-Zeit (National Defense Authorization Act (NDAA) und HR 347 Federal Restricted Buildings and Grounds Improvement Act). 

1.5.1 HR 3162 von 2001 (Patriot Act)
Dieses Gesetz wurde als "Reaktion" auf die Anschläge des 11.9.2001 geschrieben. Im Patriot Act werden so ziemlich alle Grundrechte ausgehebelt, die man sich denken kann. Ausländer haben im Zweifelsfall in den USA überhaupt keine Rechte mehr. Falls sie zu "feindlichen Kämpfern" erklärt werden, können sie unbegrenzt lange ohne Anklage inhaftiert werden. Nach einer Verhaftung: Keinen Anwalt, keine Öffentlichkeit, die Anklage muss keine Beweise vorlegen, als Höchststrafe ist die Todesstrafe möglich, Richter und Ankläger sind in Personalunion vereint und dies alles unter dem Gutdünken des Präsidenten, der jedes "Urteil", also auch jeden Freispruch aufheben kann. Wer kann alles unter dieses Gesetz fallen? Jeder Ausländer der die Regierung mit Worten, Taten etc. in Bedrängnis bringt!

1.5.2 National Defense Authorization Act (NDAA) unterzeichnet von Herrn Obama am 28.02. 2012

Dieses Gesetz regelt hauptsächlich die Finanzierung der US-Streitkräfte. Es ermächtigt aber auch in Abschnitt 1021 die US-Streitkräfte und damit ihren Oberbefehlshaber, den US-Präsidenten, jeden, dem vorgeworfen wird, ein Terrorist zu sein, ohne Prozess bis zum ?Ende der Feindseligkeiten? in einem Militärgefängnis festzuhalten. Dies gilt auch für US-amerikanische "Terrorverdächtige". Damit wird die Gewaltenteilung mit einer unabhängigen Justiz zugunsten der (All)Macht des Präsidenten aufgegeben.

Das Weiße Haus griff 2011 in die Debatte um dieses Gesetz ein und stellte sicher, dass aus dem vorherigen Entwurf des Gesetzes die Passage entfernt wurde, in der es ausdrücklich heißt, US-amerikanische Staatsbürger dürften nicht auf unbegrenzte Zeit festgehalten werden. Aber Dank der Intervention von Herrn Obama können jetzt auch US-Bürger unbegrenzt lange ohne Anklage festgehalten werden?


1.5.3 HR 347 Federal Restricted Buildings and Grounds Improvement Act unterzeichnet von Herrn Obama im März 2012

Bei diesem Gesetz geht es darum, Demonstrationen und zivilen Ungehorsam vor dem Weißen Haus oder an jeder Örtlichkeit zu verbieten, die der Präsident, der Vizepräsident oder andere Würdenträger betreten könnten.

Es sieht Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr oder im Fall der "Gewaltanwendung" durch Demonstranten von bis zu zehn Jahren vor. Demonstrationen, wie die Anti-Kriegs-Kundgebungen in den 60er Jahren in Washington wären heute illegal.

1.6 Zusammenfassung
Kann ein Land, das übelste Kriegsverbrechen begeht und deckt, eigene und andere Bürger massiv beschnüffelt, jeden massivst bedroht, der Missstände öffentlich macht, staatlichen Mord (im strafrechtlichen Sinn) begeht, Menschen ohne Anklage unter demütigen Bedingungen seit Jahren festhält, Menschen foltert bzw. von Dritten foltern lässt und alle elementaren Bürgerrechte außer Kraft setzt, wirklich ein Vorbild sein?

Yes it can. Und zwar für eine faschistische Gesellschaftsordnung. Weitere Erklärungen fallen mir nicht ein.

2. Obamas Einstellung zur sozialen Gerechtigkeit

2.1 Die Insolvenz von Detroit im Sommer 2013
Die Obama-Regierung lehnte im Sommer 2013 die finanzielle Rettung von Bundesstaaten und Städten ab, die wie Detroit durch die Finanzkrise 2008 in große finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Sie griff nicht ein, als die politischen Kreise, die eine Insolvenz der Stadt Detroit herbeiführen wollten, Verpflichtungen der Stadt Detroit bezüglich zukünftiger Rentenzahlungen deutlich übertrieben haben.

Die Obama Regierung steht dafür, dass nach der Insolvenz von Detroit für die USA klargestellt wurde, finanzielle Verpflichtungen der öffentlichen Hand für Sozialleistungen - wie Renten und Pensionen bzw. Zuschüsse zur Krankenversicherung - seien im Gegensatz zu Staatsanleihen keine vorrangigen Kreditverpflichtungen der öffentlichen Hand.

Laut Urteil des Insolvenzgerichtes kann jede Stadt und jeder Bundesstaat das US-Bundesinsolvenzgesetz ausnutzen, um Sozialleistungen zu streichen, selbst wenn die Verfassung des Bundesstaates ihre Renten ausdrücklich schützt. Das ist in Michigan der Fall. Das große Geld steht daher jetzt in den USA auch offiziell über den verfassungsmäßigen Rechten der Bürger.

2.2 Billionen Subventionen 2008
Als eine der letzten Amtshandlungen der Bush-Regierung im Jahr 2008 wurden während der Finanzkrise von der US-amerikanischen Zentralbank Fed mehrere Billionen Dollar öffentliche Gelder als Unterstützungen an unbekannte Empfänger verteilt. Die Fed gab auch nach Aufforderung des Kongresses nicht bekannt, wer diese riesige Summe Geld für welchen Zweck erhalten hat. Und der gerade gewählte Präsident Obama tat ? nichts. Mit der Begründung, es stehe ihm nicht zu, Handlungen der Vorgängerregierung zu bewerten.

3. Obamas Einstellung zur demokratischen Mitbestimmung der Bevölkerung
Das US-Wahlsystem erfordert bei allen relevanten Wahlen einen massiven finanziellen Einsatz für Wahlwerbung bzw. zum denunzieren politischer Gegner. Neue kleine Parteien und Gruppierungen oder gar freie Kandidaten haben keine Chance. Gewählt werden kann entweder der Kandidat der Republikaner oder der der Demokraten. Da es zwischen den Lagern nur noch minimale Unterschiede gibt, bewirken Wahlen in den USA für die US-Bürger fast nichts. Daher vermutlich auch die geringe Wahlbeteiligung.

Hinzu kommt, dass der arme Teil der Bevölkerung und hier besonders Schwarze und Hispanische massiv daran gehindert werden, sich für die Wahlen registrieren zu lassen. Hier sei besonders auf die Recherchen von Greg Palast verwiesen (Billionaires & Ballot Bandits; auf englisch).

Wie man unter diesen Randbedingungen von "Demokratie" sprechen kann, ist mir schleierhaft.



4. Die Rolle der USA als "Führer der freien Welt"
Die US-Regierung muss nur einen Wunsch formulieren, und schon sind die Vasallen befreundeten Regierungen zu jeder Schandtat bereit. Beispiel: das illegale Sperren des Luftraums für das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Morales. Oder das Kuschen unserer Regierung angesichts der NSA Schnüffeleien. Oder das Wegschauen beim Drohnenmord.


Am 23. März 2014 schrieb Jürrgen Brauerhoch:

Großer Meister-Rechercheur, allmählich habe ich den Verdacht, daß hinter der westlichen Säbelrasselei in Sachen Krim die internationale Rüstungsindustrie steckt... Haben Sie Hinweise?
Wie kommen bisher anscheinend friedfertige Politiker (Steinmeier, einige Grüne etc.) dazu, sich plötzlich als Radikalinskis zu gebärden?

Antwort von U. Gellermann:

Seit dem Jugoslawienkrieg ist dieses Land nicht mehr friedlich.


Am 22. März 2014 schrieb Ladida Vibrationmountains:

Ein großartiger Kommentar! Seit Wochen nervt mich der Dummsülz und die stupide Propaganda, die die hiesige Konzernpresse, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, private Medien und aus den USA ferngelenkte Politiker betreiben. Wie dekadent jene Leute und Interessengruppen geworden sind, merkt man daran, dass sie so dermaßen an der Zielgruppe, auch Volk genannt, vorbeireden und auch nicht im Geringsten begriffen haben, wie tief verwurzelt die Angst im Deutschen Volk vor einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung mit den Russen ist. Im Zweifel werden ja auh nicht sie plattgemacht, sondern wir. Außer den us-amerikanischen Eliten, ihren Vasallen und eventuell noch der hiesigen Rüstungsindustrie, hat wohl niemand in Europa ernsthaft ein Interesse an kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland. Man bedenke nur, wieviele Atomkraftwerke wir in Europa stehenhaben. Wieviele Fukushimas können wir hier verkraften? 2-3?
Jenen Hetzern wilhelminischen Größenwahn und Verblödung zu attestieren, ist gerechtfertigt.




Am 22. März 2014 schrieb Franz Gruber:

Ein sehr schöner Artikel!


Ich halte Putin für hochintelligent und für einen hervorragenden Staatsmann - besser als alles, was der Westen zu bieten hat. Die Art, wie er Russland regiert ist derzeit wahrscheinlich auch die einzige Art und Weise, wie man dieses Land überhaupt sinnvoll regieren kann.

Russlands Interessen auf der Krim sind legitim.


Die Krim war historisch immer russisch und wird überwiegend von ethnischen Russen bewohnt.
Im Rahmen eines "Raumordnungsverfahrens" wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg auf Betreiben von Chruschtschow verwaltungstechnisch der damaligen Sowjetrepublik Ukraine zugeordnet.

Durch die (vom Westen unterstützte !) Maidan-Revolution wechselt die Ukraine den Machtblock - und wollte die für Russland auch strategisch sehr wichtige die Krim mitnehmen.
(Wenn Sie Vermieter einer Wohnung wären, würden Sie es dann zulassen, daß der Mieter bei Auszug auch alle Ihnen gehörenden Fenster, Türen und Sanitäreinrichtungen ausbaut und mitnimmt?)



Seit dem zweiten Weltkrieg ist kein einziger Tag vergangen, an dem die USA (in jüngster Zeit unterstützt durch die NATO und die "westliche Wertegemeinschaft") nicht irgendwo auf der Welt - meist unter dem Vorwand "für Freiheit und Demokratie" - militärisch aktiv waren.

25 000 Tote in Afghanistan und am Ende ein instabiles Land und eine international agierende radikal-islamische Taliban.

Der Krieg gegen den Irak mit über einer Million Toten. Dass der offizielle Kriegsgrund ("schreckliche Massenvernichtungswaffen") erlogen war, darüber redet heute keiner mehr.

Zehntausende von Toten und die Zerstörung der Infrastruktur und staatlicher Ordnung in Libyen.

Bis dato mehr als 140 000 Tote in Syrien und eine der größten Flüchtlingskatastrophen der letzten Jahre.



Der letzte "große" Krieg (Irak) ist schon einige Jahre her und die Waffen- und Munitionsdepots der westlichen Armeen sind wieder prall gefüllt.
Der Auftragseingang bei der Rüstungsindustrie gerät ins Stocken und eng mit der Wirtschaft verbundene Politiker, Lobbyisten und die Systempresse machen Stimmung gegen Russland.

Wollen wir uns wirklich noch länger von solchen Leuten regieren lassen?


Am 21. März 2014 schrieb Georg Dieling:

Sehr empfehlenswert sind auch die ausgewählten Bilder Amerikanischer Fototshootings zu politischen Meinungsbildern.



"Alle schauen jetzt mal schockiert & human"
BinLadens Todestagsfoto im Kasten


"Morgen bitte in Jeans & etwas lockerer",
Weißes Haus-Kreml Telefonat Bild im Kasten


"Jetzt mal etwas besonnen, nein, nehmen sie mal die Hand ans Kinn"

Rückzug-Verschleierungs Bild im Kasten


"..und jetzt mal leicht heroisch" 
kein militärischer Konflikt-Weltretter Foto im Kasten
,
so das wars, wird etwas Zeit bringen, wer´s glaubt ist doof
-Lachen im Oval Office.


Am 21. März 2014 schrieb Bert Johanssen:

Mir gefällt an diesem Artikel besonders diese Feinheit: Ja, man kann mitten in Moskau zum Burger King gehen oder bei GAP einkaufen. Die Zeit der feindlichen Ideologien sind vorbei, Russland ist ein kapitalistisches Land geworden, schreibt Gellermann wie nebenbei, aber es wird trotzdem von der NATO eingekreist. Die GAP-Burger-King-Stelle zeigt unverhüllt imperialistische Interessen.


Am 20. März 2014 schrieb Georg Dieling:

Huihuhui,
war das ein Köstlicher Artikel. Berauscht & Betört lehne ich mich nach hinten, möchte diesen Geschmack halten und nicht mehr vergessen, nie mehr




Am 20. März 2014 schrieb Carin Hölter:

Diese Obama-Shopping-Sequenz habe in im TV gesehen und war entsetzt: Klassisches Human-Touch-Marketing, von unsern Gebühren bezahlt, um den Normalbürger auf die Site der USA zu ziehen. Das ist schon widerlich.


Am 20. März 2014 schrieb Günther Groth:

Endlich weiß ich was der Gauck meint, wenn er von mehr deutscher Verantwortung schwafelt. Es wird sich um die von Ihnen erwähnten Verantwortungsgebiete, die "Areas of Responsibilities" des US-Militärs handeln.


Am 20. März 2014 schrieb Grit Kemper:

"Äquidistanz" zur russischen Homophonie, zur russischen Presse-"Freiheit", und zum russischen Personenkult? Nein danke.


Am 20. März 2014 schrieb Gerd Fahrenhorst:

Im Anzug des Marketing-Experten steckt der unerbittliche Rechner: Gellermanns Bilanz ist eindeutig und nachvollziehbar:
"Äquidistanz".

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