Oliver Stone? Wer ist das?

Als Doktor Gniffke mal über Film belehrt wurde

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. März 2017

Vorzimmer des Chefs von ARD-aktuell: „Herr Dr. Gniffke, Herr Dr. Gniffke, haben Sie mitbekommen, wie Oliver Stone die Meryl Streep jüngst gekontert hat, Wahnsinn!“ - Dr. Gniffke: „Stone, Stone.Oliver Stone, wer ist das schon?“ - Vorzimmer: „Na immerhin hat er, mit „Platoon“ und „Geboren am 4. Juli“ wohl die berühmtesten Filme gegen den Vietnamkrieg gemacht!“ - Gniffke: „Also Kommunist, ja?“ - Vorzimmer: „Aber Herr Doktor, von ihm ist auch der wichtigste Film über den Kennedy-Mord, „JFK – Tatort Dallas“ - Gniffke: „Also auch noch Verschwörungstheoretiker, ja ?! - Vorzimmer: „Und Sie sollten auf keinen Fall den total klugen Film über „Snowden“ vergessen!“ Gniffke: „Snowden?, den unsere Freunde gern verhaften würden? Ich soll also in der TAGESSCHAU eine miese Äußerung von einem kommunistischen, verräterischen Verschwörungstheoretiker über unsere Freundin Hillary Clinton bringen? Ihr habt sie wohl nicht alle!“

Programmbeschwerde
Übliche Manipulation mittels Verschweigen 
Oliver Stone über US-Kriege

Sehr geehrte NDR Rundfunkräte,

Sie werden sich erinnern: Als knapp zwei Wochen vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Trump die Schauspielerin Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, nutzte sie die Gelegenheit für eine massive Kritik am Wahlsieger Trump. ARD-aktuell informierte darüber am 9.01.17 breit in allen seinen Formaten. U.a. berichtete die Tagesschau über Streeps
  „[...] flammenden Aufruf für Toleranz und Vielfalt. Sie zählte die Herkunftsländer der Nominierten und sozialen Schichten ihrer Familien auf - in Hollywood wimmle es nur so von Ausländern und Außenseitern. Wenn man sie vertriebe, gäbe es am Ende nur noch Football und Kampfsportkunst zu sehen - und das sei keine Kunst. Die wohl beste Schauspielerin ihrer Generation erwähnte Trump nicht mit Namen, aber sie erinnerte, wie er bei einer Wahlkampfveranstaltung einen Menschen mit Behinderung nachgeäfft hatte. "Wenn die Mächtigen ihre Stellung ausnutzen, um andere fertig zu machen", verlieren alle, sagte sie. [...]“
Quellen u.a.:
http://www.tagesschau.de/kultur/golden-globe-113.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-248289.html
 
Als sechs Wochen später, am 19.02.17, der Regisseur und Dramaturg Oliver Stone, dreifacher Oscar- und fünffacher Golden-Globe-Gewinner, mit dem Writers Guild Award, dem Schriftstellerpreis geehrt wurde, sagte er in seiner Dankesrede:
„Es ist heute modisch, Republikaner und Trump anzugreifen und die Obamas und Clintons zu schonen. Aber denken Sie an die 13 Kriege, die wir in den letzten 30 Jahre begonnen haben und die 14 Billionen Dollar, die wir ausgegeben haben, und die Hunderttausende, die ihr Leben verloren haben. Nicht ein Führer war dafür verantwortlich, sondern ein System, Republikaner und Demokraten. Es ist ein System, das unter dem Deckmantel fortgeführt wird, dies seien gerechte Kriege, gerechtfertigt im Namen unserer Flagge. [...] wir wissen, wir haben in mehr als 100 Ländern eingegriffen. Es ist Krieg in verschiedener Form. Am Ende ist dies ein System, das zum Tod dieses Planeten und der Auslöschung von uns allen führt. [...].“
Quellen u.a.:
http://www.indiewire.com/2017/02/2017-writers-guild-awards-donald-trump-politics-1201785181/
http://deadline.com/2017/02/olive-stone-writers-guild-laurel-award-acceptance-speech-1201916877/
https://www.youtube.com/watch?v=nBKiqhJpDQk
https://www.theguardian.com/film/2017/feb/20/moonlight-arrival-writers-guild-of-america-awards-barry-jenkins-eric-heisserer
An Stones Rede erinnern Sie sich nicht? Klar. ARD-aktuell berichtete darüber ja auch kein Wort.
Fragen Sie sich bitte selbst (und dann den verantwortlichen ARD-aktuell-Chefredakteur), warum die wichtigste TV-Nachrichten-Institution der Republik zwar die (durchaus angebrachte) Kritik der weltbekannten Schauspielerin Streep am US-Präsidenten referierte, nicht aber, dass der ebenso weltbekannte Regisseur und Dramaturg Stone die USA (vollkommen  zutreffend) als global virulente Kriegspest beschreibt.
Wir sehen auch in hier aufgezeigten unterschiedlichen Behandlung zweier US-Promi-Auftritte ein Beispiel für die Schlagseite und den transatlantischen Konformismus der Nachrichten fürs Erste Deutsche Fernsehen. Eine Verletzung des Programmauftrags und der Programmrichtlinien. Es steht zwar zu vermuten, dass Sie und der Chefredakteur selbst diese miese Nummer – wie all die anderen zuvor – für journalistisch vertretbar und staatsvertragskonform erklären. Wir möchten das aber zu dokumentarischen Zwecken trotzdem gerne schriftlich von Ihnen bekommen.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer 


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 30. März 2017 schrieb Lutz Jahoda:

GESTÄNDNIS

Leopold Ritter von Sacher-Masoch
wäre vermutlich mit mir zufrieden,
sähe er nachrichtenschmerzlich und doch
mich unter öffentlich-rechtlichem Joch
lustvoll leidend im Gniffketopf sieden.


Am 30. März 2017 schrieb Hella-Maria Schier:


Die Globalisierer -Rechten benutzen die eher nationalistischen Rechten, die man als solche gleich erkennen kann, um sich vor diesem Hintergrund als (neu-)links zu verkaufen. Auch in Deutschland.Ohne die AFD würde rechte Politik der Etablierten viel mehr auffallen. Oder wie soll man den Umgang der BRD mit Südeuropa, die Ambitionen, Europa über die EU zu beherrschen, Steinmeiers Großmachtsrede vor der Industrie vor ein paar Jahren, den Drang sich an imperialistischen Kriegen zu beteiligen und atomar mitzuspielen, sowie natürlich die Umverteilung von unten nach oben sonst bezeichnen? So einiges erinnert doch an deutsche Ambitionen vor dem ersten Weltkrieg.
Ziemlich rechts. Aber hier hat man die Definition "rechts" auf die Frage rediziert/fixiert wie viele Willkommensküsschen unsere Provinzler und Durchschnittsarbeitnehmer den Flüchtlingen schenken oder verweigern. So ist der schwarze Peter unten beim Volk und dem Establishment tut solche anti-rechts Kritik nicht weh, sie hilft ihm sogar als Begründung, den Bürgern nur ja keine Macht zu geben, da das "völkische" Volk da unten ja das Problem sei, nicht die weisen, weltoffenen Eliten.


Am 30. März 2017 schrieb Benny Thomas Olieni:

Die drastische pro-transatlantische, pro-NWO - Schlagseite der ARD-tagesschau ist leider überdeutlich.
Mit der Arroganz der Macht ignorieren die Macher dieser systematischen Fehlinformation der Bevölkerung weiter
die Beschwerden,
ohne auf die berechtigte und fundiert vorgetragene Kritik einzugehen oder ihr Verhalten merklich zu ändern.
"Der Krug geht so lange zum Brunnen,
bis er bricht."
Danke den drei Autoren, daß sie den
Finger in die schwärende Wunde
legen.
Da die Wunde anscheinend unheilbar ist, muß sie wohl eines Tages rausgeschnitten werden.
Die "GEZ"-Boykotteure scheinen da schon eine OP vorzubereiten?


Am 30. März 2017 schrieb Rita Schnell:

Wer ist den nun der Autor des Artikels? Oben drüber steht "Uli Gellermann" und unten drunter dann Bräutigam und Klinkhammer. Bitte aufklären!

Antwort von U. Gellermann:

Der harte Kern des Artikels, die Programmbeschwerde" ist immer von Bräutigam und Klinkhammer. Und um den Kern ins redaktionelle Konzept der RATIONALGALERIE einzupassen, schreibe ich immer noch einen Vorspann.


Am 30. März 2017 schrieb Andreas Lieckfeldt:

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich wie mir, dass Sie "Nachrichten" der sog. öfftl.-rechtlichen in ihrer Dreistigkeit kaum noch überraschen können. Ich tue mir das nicht mehr an. Manchmal jedoch schalte ich nicht schnell genug weg. So auch gestern Abend im ZDF Heute Journal.
Vom klebrigen Claus und seinen transatlantischen Komparsen ist der aufmerksame Beobachter ja Schlimmes gewohnt, aber gestern hat er sich für meinen Geschmack mal wieder selbst übertroffen:
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-29-maerz-2017-102.html

So etwa ab 9:25 erzählt er, was EUROPA durch den Brexit so alles verliert...
Meiner Ansicht nach eine extrem aussagefähige Bewerbung um den Schmock des Jahres. Ohnehin schade, dass solch fähige Leute wie Göring-Eckhardt, Özdemir, Röttgen und viele andere gar keine Chance mehr auf die Auszeichnung bekommen, da unser täglich Gniffke alles überstrahlt.


Am 30. März 2017 schrieb Gert Wenger:

Was denken sich die Herren Gellermann, Bräutigam und Klinkhammer eigentlich? Wenn der Herr Stone höchst kritisch über Zahl und Wirkung amerikanischer Kriege spricht, sollten die Tagesschau darüber berichten? Das können Dr. Gniffke & Co nur mit der Metapher "westliche Freiheit" gepaart. Da kann der berühmte Filmemacher und Schriftsteller Oliver Stone sich auf den Kopf stellen: Die Gniffke-Bande wir über seine Kritik nichts berichten!


Am 30. März 2017 schrieb Hanne Gräber:

Die Skizze im Vorspann zeichne Gniffke als das was er ist: Ein Polit-Automat mit ohne Kultur. Nur gut der Tagesschau rechte Schlagseite zu verordnen.


Am 29. März 2017 schrieb Uschi Peter:

Als ich die staatlich indoktrinierte Meinung von Herrn Bronner las, kam mir der Morgenkaffee hoch. Zum Glück haben die Herren Bräutigam und Klinkhammer gegen gehalten. Ob dieser Herr Bronner überhaupt ein eigenes Gehirn hat zum Denken oder kann er nur nachplappern? Vielleicht ist ihm sein Salär aber wichtiger.

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