Obama ist zu lasch in Syrien

Der Westen ist Mitschuldig durch Nichtstun

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. August 2016

Was soll ich bloß zum Lufbrückenvorschlag von Steinmeier schreiben? Sinnierte Carsten Kühntopp vom ARD-Hörfunkstudio Kairo, als er von der TAGESSCHAU um einen Kommentar gebeten wurde. In Syrien gibt es jetzt ungefähr eine halbe Million Tote. Da behaupte ich mal, daran ist der „Der Westen Mitschuldig durch Nichtstun“. Diese Amerikaner bomben einfach nicht genug. Woran liegt das? „Das unentschlossene Rumeiern der Amerikaner ist eine direkte Konsequenz des Bush´schen Einmarsches in den Irak 2003. So verheerend sind dessen Folgen, dass Obama dafür nun überkompensiert und von Syrien die Hände lässt.“ Liest sich doch gut: Obama tut nichts!

Na schön, die Verbündeten der USA, die Saudis und Kataris finanzieren wenigsten „die Kämpfer der Al-Nusra-Front“. Kämpfer klingt gut, oder? Besser als Terroristen. Aber die sind nun mal „ein außergewöhnlich schlagkräftiger Teil der bewaffneten Opposition gegen Assad“. Also die eiern jedenfalls nicht unentschlossen rum. Die überkompensieren wenigstens nicht! Aber „Assad und Putin werden erst dann Zugeständnisse machen, wenn man ihnen die Stirn bietet, und zwar militärisch.“ Ich hätte große Lust denen selbst die Stirn zu bieten, denkt Carsten Kühntopp, geht dann aber doch nicht an die Front, um sich den „Kämpfern“ der „bewaffneten Opposition“ anzuschließen und dem Nichtstun ein Ende zu machen.
Jedes einzelne Zitat aus diesem kriegsgeilen Blut-&-Eiter-Text ist unter diesem Link abzurufen:
http://www.tagesschau.de/kommentar/syrien-aleppo-119.html
Manchmal ist es doch schade, dass die Granatsplitter aus Aleppo nicht bis nach Kairo fliegen: So ein ARD-Korrespondenten-Bauch ist eigentlich ein prima Ziel.

Programmbeschwerde:
Desinformation zum Thema Luftbrücke nach Aleppo am 13.08. 2016
http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-aleppo-121.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-15481.html
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
ARD-aktuell glänzt weiter mit propagandistisch aufgezogener Halbinformation über den Krieg in Syrien. Diesmal wird der zwar werbewirksame, ansonsten jedoch folgenlose und lediglich  „menschelnde“, nicht aber menschenfreundliche Vorschlag Bundesaußenminister Steinmeiers berichtet, nach Aleppo eine Luftbrücke zur Versorgung der Bevölkerung mit Hilfsgütern einzurichten. Die Meldung verstößt gegen die staatsvertragliche Verpflichtung, wonach ARD-aktuell umfassend und vollständig zu berichten hat.
Zur Vollständigkeit des Berichts über Steinmeiers populistischen Vorstoß hätte der Hinweis gehört, dass in Aleppo zwei sehr unterschiedliche Stadtteile der Versorgung bedürften: ein größerer, von der syrischen Armee befreiter und gehaltener Teil, den die vom Westen unterstützten Söldner und Terroristen belagern; im östliches Aleppo ein Quartier, in dem die syrische Armee die Söldner und Terroristen des Westens bekämpft.  Welchem Stadtteil Steinmeiers Luftbrücke Entlastung bringen soll, hat er wohl kenntlich gemacht. ARD-aktuell hingegen berichtete nicht,
„Warum Steinmeier die rund 300 000 Menschen in dem von den Milizen gehaltenen "Allahu-akbar"-Teil Aleppos mit einer Luftbrücke versorgen will und nicht die 1,2 Millionen im syrischen Teil, das bleibt sein Geheimnis. Den 300 000 wurde mehrfach die Möglichkeit gegeben, die Kampfzonen zu verlassen. Sie konnten also gehen, aber sie wollten nicht oder sie sollten nicht. Doch das ist denen anzulasten, die für die 1,2 Millionen Menschen in Aleppo Terroristen sind.“ Quelle: http://weltexpress.info/luftbruecke-nach-aleppo-oder-steinmeier-als-posaunisten-einer-propaganda-am-rande-der-rostoffkriege-des-westens/
Zur Vollständigkeit des Berichts hätte ferner gehört, dass auch die Einrichtung einer militärisch gesicherten Luftbrücke völkerrechtswidrig ist, wenn kein entsprechendes Ersuchen und keine Einwilligung der Regierung des betroffenen Landes vorliegt.
Zwingend wäre vor allem die Information gewesen, dass die Bundesregierung mit einem Verzicht auf das seit fünf Jahren bestehende EU-Embargo gegen Syrien eine sofort wirksame, sogar kostenlose und völkerrechtlich einwandfreie sowie viel effektivere humanitäre Hilfe für die Syrer – auch die in Aleppo – leisten könnte. ARD-aktuell hätte hervorheben müssen, dass die Regierung diese Chance absichtlich auslässt, obwohl sie auch ein wirksames Mittel zur „Bekämpfung der Fluchtursachen“ wäre. Details dazu hier:http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/05/28/appell-der-christen-in-syrien-eu-sanktionen-treiben-menschen-zur-flucht/ und https://www.wko.at/Content.Node/service/aussenwirtschaft/fhp/Embargos/Aktueller_Stand_der_Sanktionen_gegen_Syrien.html
Das Weglassen dieses Kontextes bewirkt beim Zuschauer vollkommen unzutreffende Vorstellungen von Wert und Ziel der Steinmeierschen Erklärung. Das journalistische Minimum, nämlich ihr ARD-Hauptstadtstudio mit einer kritischen Befragung des Außenministers im hier gemeinten Sinne zu beauftragen, leistete ARD-aktuell ebenfalls nicht. Es ist bekanntlich nicht der Stil dieses „Flaggschiffs“ der TV-Nachrichtengebung, Distanz zur Bundesregierung zu wahren und deren Politik kritisch zu hinterfragen. Die Redaktion lässt sich vielmehr mit „offiziellen“ Erklärungen der Regierung abspeisen, wie sich immer wieder zeigt; erst jüngst erwies es sich, als ARD-aktuell aufgrund eines „glasklaren Dementis“ (so Chefredakteur Gniffke) der Regierung unterließ, über glaubwürdige Hinweise auf einen illegalen Syrien-Einsatz des Bundeswehr-KSK zu informieren. Der Kontrast zu den Zielsetzungen in Programmauftrag und Programmrichtlinien des NDR-Staatsvertrags ist offensichtlich.

Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer

PS: Das Datum der hier berichteten Steinmeier-„Initiative“ ist historisch – an einem 13. August wurde die Berliner Mauer gebaut. Die Erinnerung an die Berliner Luftbrücke (Sommer 1948 -1949) lag da nicht mehr fern und mag Steinmeiers Eingebung bewirkt haben; damals musste ja auch eine von „Terroristen“ umzingelte Bevölkerung dringend versorgt werden. Oder gehen wir da jetzt ebenfalls auf Steinmeiers Leimrute? Die hätte dann unsere Tante Tagesschau gar wirksam ausgelegt....


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 31. August 2016 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

Bravo und großen Dank an jene
Journalisten Bräutigam, Klinkhammer und alle,
die dieses Dreckssystem besser als ich durchschauen,
und vor denen man für ihr unermüdliches Engagement /
hervorragende Arbeit einfach den Hut ziehen muß.


Am 21. August 2016 schrieb Susi Sorglos:

Danke an Sie, Herr Gellermann, danke an Herrn Klinkhammer und Herrn Bräutigam für die so wichtige und unermüdliche Aufklärungsarbeit!
Für diese Kriegshetzer wie Kühntopp - da fehlen mir mittlerweile die Worte, kann aber Ihren letzten Satz im Vorspann sehr gut nachfühlen.

Ich möchte hier noch einen Link zur Propagandaschau anfügen, die sich in ebenso kluger und unermüdlicher Art und Weise um Aufklärung über die unglaubliche Kriegshetze in unseren Medien verdient macht.
https://propagandaschau.wordpress.com/


Am 20. August 2016 schrieb Hannes Baumler:

Das ist doch das altbekannte Spiel. Obama ist zu zögerlich, schreien die Falken in Washington und die Hühnerhabichte, in deutschen Redaktionsstuben schreiben nickend Beifall in ihre unschuldigen Tastaturen. Ich kann nicht mehr glauben! Ich kann nicht mehr glauben, dass nach all den Informationen, die, auch jedem Journalisten, frei zur Verfügung stehen, hier kein Vorsatz herrscht. Die wissen, dass sie sich für die Rohstoffkartelle prostituieren. Ich könnte so nicht leben. Und eigentlich sollte das auch Niemand.


Am 19. August 2016 schrieb Simone Birgersson:

Obama zu zögerlich? Dann dürfen wir uns schon auf Killery freuen, wenn sie denn kommt. Vom Weissen Haus aus wirft sich die Amazone auf ihren Schlachtrössern MorganStanley und LockheedMartin todesmutig ins Gefecht, um den Widersachern ihres One-And-Only-God´s-Own-Country Paroli zu bieten. Während Obama diskret seine Drohnen-Todeslisten abarbeitet und darauf hofft, man möge diese über den Friedensnobelpreis vergessen, den er zu Beginn seiner Regierung in vorauseilendem Gehorsam der europäischen Eliten umgehängt bekommen hat, und Trump vorzugsweise Einwanderer hispanischer oder muslimischer Provenienz beschimpft, wird President Clinton II in guter US-Amerikanischer Kontinuität zur Tat schreiten nach dem Motto No Lives Matters. Ob schwarz oder weiß, Hispanics oder Muslime, ungeachtet ihres ethnischen oder religiösen Hintergrundes dürfen sie alle gleichberechtigt auf dem Schlachtfeld amerikanischer ?Aussenpolitik? geopfert werden. Und die deutsche Medien-Kamarilla, die sog. Atlantiker, trompeten die Angriffsmelodie dazu, als wären sie vor Jericho. In guter deutscher Tradition nehmen die sich wahrscheinlich ein Beispiel an den ?Jericho-Trompeten?, den Stukas, die sich mit heulenden Sirenen auf den Feind stürzen liessen, auf den sie ihre tödliche Fracht abwarfen. Bevor sie davon flogen.
@ Petra Hammesfahr
"Faulheit, Opportunismus und Gedankenlosigkeit" mögen vielleicht eine Rolle spielen bei den nachgeordneten Mitarbeitern der Medienanstalten, denen, die sich in Zeiten höchst prekärer Arbeitsverhältnisse auch und gerade in den ÖR Sorgen machen müssen um ihren Job, Angst haben weggelobt zu werden, wenn sie sich nicht einfügen in die verordnete Linie. Alle diejenigen in bestimmenden Funktionen sind Überzeugungstäter. Und das ist schlimmer als Pack.


Am 19. August 2016 schrieb Lutz Jahoda:

TAGESSCHAU aktuell GIBT AUSKUNFT
FERNSEHZUSCHAUER ANTWORTEN

Zwischen menschelnd und menschlich liegen Welten.
Aus Bequemlichkeitsgründen den Abstand zu halten,
hat in gewissen Kreisen zu gelten,
sonst ließe sich nicht der Zustand verwalten,
den wir als "Tagesschau" täglich halten..
Offengelegt? Wahrheitsbewegt?
Nicht unbedingt. Der Sachlage wegen,
käme uns dies ungelegen.
Die Nachrichten deshalb, gefiltert wie immer,
familienfreundlich in alle Zimmer,
zugegeben homöopathisch begrenzt,
von Miosga und Roth überzeugend kredenzt,
bitten wir weiterhin auszuhalten
und niemals um- oder auszuschalten.

Ein frommer Wunsch, der Euch begleitet;
denn ausgestiegen sind schon Viele.
Leicht zu enttarnen sind die Ziele,
die Ihr dummdreist ausgeweitet.
Zwar gebt ihr Euch Mühe zu tun als ob,
Euch dies hier großen Spaß bereitet.
Wir gönnen Euch den verdammter Job,
aber auch uns, den hellwachen Mob,
der Euch täglich reitet!


Am 18. August 2016 schrieb Petra Hammesfahr:

Diese ARD-Leute sind einfach menschenverachtend. Das ist besonders widerlich, weil sie damit nicht Geld verdienen müssen, wie die Privaten. Sie machen es nur aus dieser Mischung von Faulheit, Opportunismus und Gedankenlosigkeit. Pack, eben.

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