John Kornblum

Der hässliche Schutzgeld-Erpresser

Autor: U. Gellermann
Datum: 08. Dezember 2014

"Die enge Anbindung an Amerika . . . bietet . . . Deutschland zu erträglichen Kosten einen weltweiten Schutz", fabulierte der ehemalige US-Botschafter John Kornblum jüngst in zwei langen Spalten der FAZ. Denn die selbe Zeitung hatte zuvor unter dem Titel "Amerika, du hast es schlechter" einen Lagebericht in 45 Punkten veröffentlicht, der den USA ein vernichtendes Zeugnis ausstellte: Setzen, sechs! Das konnte der ehemalige Statthalter der USA in Deutschland nicht dulden und ruck-zuck räumte ihm die FAZ Platz für eine lange Entgegnung ein. Die Kosten für den "Schutz" sind bekannt: Zerstörung des passablen deutsch-russischen Verhältnis, Unterwerfung deutscher Daten unter die NSA, Stationierung von Atomwaffen auf deutschem Boden und die Verwicklung in US-Kriege kommen die Deutschen teuer. Vor wem die USA die Deutschen schützen, konnte Kornblum nicht sagen. Schutz vor den USA bieten die USA offenkundig nicht an.

Der amerikanische Karriere-Beamte Kornblum begann seine innige Beziehung zu Deutschland als er 1985 in der Rolle des stellvertretenden amerikanischen Kommandanten des amerikanischen Sektors von Berlin ein widerliches CIA-Stück aufführen ließ: Die CIA hatte damals DDR-Bürger bei Verwandtenbesuchen in Westdeutschland als Agenten angeworben. Die von der Stasi schnell enttarnten 25 Amateur-Agenten wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Um das Gesicht des hässlichen Amerikaners nicht völlig zu verlieren, plante man einen Agentenaustausch. Zwar hatte man keine DDR-Agenten zum tauschen, aber man fing schnell ein paar völlig harmlose DDR-Bürger bei USA-Reisen ein, und als man vier zusammen hatte, kam es dann zu der bekannten dramatischen Szene auf der Glienicker Brücke. So betätigte sich der Schutzgeld-Erpresser Kornblum nebenher auch als Kidnapper und CIA-Agent. So einer konnte nur weiter aufsteigen.

So einer weiß, dass er nicht so richtig beliebt ist. Deshalb ließ er auch die US-Botschaft neben dem Brandenburger Tor als Festung ausbauen. Die ersten Kornblum-Pläne verlangten die Verlegung einer Straße, Teile des Holocaust-Mahnmals sollten dem Bau Platz machen, jede Menge Grünzeugs im Tiergarten sollte ebenso für den Botschaftsbau geräumt werden wie auch die Hälfte des Platzes vor dem Brandenburger Tor. Aber damals waren die USA noch nicht regierungsamtlich als FREUNDE klassifiziert und so wurde nicht alles so gebaut wie Kornblum es wollte. Der Kasten bekam trotzdem den Preis als hässlichstes Botschaftsgebäude in Berlin. Und kaum hatte sich der schwer erträgliche Kornblum dort verschanzt, gab er imperiale O-Töne von sich: "Europäische Ideen haben fast nie zu praktischen Fortschritten geführt. Die Vorstellung, Europa könne die Welt durch soft powers regieren, ist nicht realistisch.“ Und: "Die Anwendung der soft powers in der Außenpolitik der EU konnte nur in Verbindung mit den amerikanischen hard powers erfolgreich sein. Außenpolitik muss teilweise immer mit militärischen Mitteln gemacht werden.“ - Alles klar, ihr Schutzgeld-Opfer?

Auch die Dame Merkel, genauer ihr Handy, wurde zum Opfer amerikanischer Sicherheits-Interessen. Kornblum, der Mann mit dem Baseballschläger, wußte dazu bei Günter Jauch zu sagen: "Wenn Ihnen das weh tut, dann tut es mir leid, aber damit müssen Sie leben." Leben muss man auch mit Kornblums Brachial-Blödheit in der FAZ, wenn er sich über "deutsche Beschuldigungen und Gefühlsausbrüche" gegen die USA beschwert, die "inzwischen verheerende Auswirkungen auf unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit haben." Da droht der Erpresser offenkundig dem Opfer, er wolle ihm seinen "Schutz" entziehen. Doch vor dem endgültigen Bruch vergleicht er die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland mit einer Ehe und empfiehlt eine Paar-Therapie. Eine ordentliche Scheidung wäre billiger und gesünder. Da Kornblum Berater der internationalen Rechtsanwaltskanzlei NOERR ist, wird er versuchen, die Scheidung von dieser Kanzlei abwickeln zu lassen. Armes Deutschland. Denn NOERR ist der Laden, der schon vor der NATO-Osterweiterung überall im Osten die Lage sondierte: 1990 eröffnete NOERR ein Büro in Dresden und war damit dort die erste westdeutsche Kanzlei, die einen Standort in Ostdeutschland besetzte. Im gleichen Jahr folgten - wiederum als erste Kanzlei - Büroeröffnungen in Budapest und Prag. Die strategische Ausweitung in Richtung Osteuropa wurde mit Warschau 1992 fortgesetzt. Weitere Neugründungen erfolgten 1998 in Bukarest und 2004 in Bratislava. Seit 2007 ist NOERR in Kiew vertreten. Ein Regime-Change ist offenkundig wahrscheinlicher als eine Scheidung. Falls sich in Deutschland eine Regierung fände, die auch nur entfernt an Scheidung denken würde.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 16. Dezember 2014 schrieb Eckhard Schmidt:

Hallo Herr Gellermann,

ich war 14 tage im Ausland, habe deswegen nicht alles "mitbekommen"...

Wohl am 5.12. hat dieser Herr Steinmeier im Berliner Hotel Adlon eine rede vor Industriellen gehalten, die wegen ihres offen imperialisischen gehalts bedeutsam ist. (von der Vergleichbarkeit mit der Hitlerrede von 1932 im Düsseldorfer Parkhotel mal abgesehen)
Sie wurde heute im blog "Gegenmeinung" besprochen.
Haben Sie diese rede im Wortlaut?

Wäre dieser "Herr" nicht mal ein "schmock des monats" oder diese rede wert einer entspechenden Besprechung, denn sie gehört in die Öffentlichkeit , und zwar die richtige!!


Am 10. Dezember 2014 schrieb Elias Rosenbaum:

Hallo Rainer Herzog,
Gellermanns können übrigens ebenso jüdisch sein wie Kornblums - zumal dann, wenn sie den Begriff "Schmock" verwenden... ist jiddisch, einfach mal googeln...


Am 09. Dezember 2014 schrieb Martin Lechky:

Nein, Herr Korty - Herr Herzog wollte letztlich die Keule auf Herrn Gellermanns Kopf krachen lassen, die Antisemitische.


Am 09. Dezember 2014 schrieb Detlev Matthias Daniel:

Schließe mich Herrn Schmitz an, der Beitrag von Herrn Jon ist brilliant. Allerdings muß man auch sagen, wo Herr Kornblum Recht hat, hat er Recht. Die "sanfte" Ausbeutung, Unterdrückung und Verknechtung durch unter anderem den deutschen Wirtschaftsimperialismus wäre nicht möglich ohne die Androhung und "bedarfsweise" Anwendung knallharter militärischer Gewalt durch den "Weltpolizisten" US-Army.


Am 09. Dezember 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Nachtrag:

Lieber Hans Jon, es wäre unverzeihlich, würde ich mich nicht dem Lob von Markus Schmitz anschließen. Die Aufschlüsselung des Wortes "Schutz" in bildlicher Anschaulichkeit des Vergleichs zwischen Schafen und Menschen und deren Nutzung bzw. Ausnutzung, müsste als Himmelsprojektion allnächtlich über den Bankenvierteln unserer westlichen Welt aufscheinen. - und ein loderndes SHAME über dem Pentagon und der CIA-Giftküche, dem Ursprung allen Übels in Vergangenheit, Gegenwart und - in bedauerlicher Wahrscheinlichkeit auch noch in geschundener Zukunft..


Am 09. Dezember 2014 schrieb Aleksander von Korty:

Herr Rainer Herzog,
ich hätte da eine Frage: Verstehe ich sie richtig? Dieser Ex-Gringo-Botschafter John Kornblum darf also unkritisiert dummes Zeug erzählen, weil er die richtige Religion hat ? ? ?


Am 09. Dezember 2014 schrieb Markus Schmitz:

Zu Herrn Hans Jon:

Herr Jon sie sind klasse! Treffender und kürzer, mit mehr Wahrheitsgehalt, geht nicht. Danke!
Bitte mehr davon!!!!!


Am 08. Dezember 2014 schrieb Lutz Jahoda:

Kornblum macht sich gut als Pate, weil ihm die Gefährlichkeit nicht so ins Gesicht geschnitten ist, wie seinerzeit Marlon Brando. Auch dieses Schutzgeldangebot erinnert an Cosa Nostra oder Mafia. Wenn du zahlst, ist alles okay, zahlst du nicht, kommt garantiert irgendwer und zerdrischt dir Inventar und Ware. Auch dafür sorgt dann natürlich verlässlich die Firma.
Ich wüsste im Augenblick nicht, vor wem sonst Deutschland Angst haben sollte. Vor sich selbst in erster Linie. Wir sind der Flugzeugträger der USA auf dem Trockendock. Die Ukraine die verlängerte Startbahn. Wir saßen schon einmal auf dem Pulverfass. Da hatte noch SPD-Langstreckenraucher Schmidt das Sagen. Nimmt das deutsche Elend kein Ende?
Es gibt wunderbare Menschen in den USA, es gibt liebenswerte Menschen in Russland, und es gibt eine Gruppierung übler Gesellen, die mit ihren algorithmischen Herrschaftsmaschinen in Bruchteilen von Sekunden Geld scheffeln, Organisationen bezahlen, die nichts weiter zu tun haben, als Unfrieden in ander Herren Länder zu tragen. Deutschland hat ein krankhaftes Geschick, sich ans Böse anzulehnen.


Am 08. Dezember 2014 schrieb Pat Hall:

Ich sag mal Hr. Rainer Herzog , es ehrt mich wenn Sie sich an diesem Blog Uli Gellermann´s beteiligen.
Gewiss sind Sie ein Freund unserer Freunde die uns Deutschen in Schutzhaft nehmen.
Doch warum sollte man die Geschichte Umschreiben, nur weil Sie die Wahrheit nicht ertragen können ?


Am 08. Dezember 2014 schrieb Benny Thomas Olieni:

Hallo Herr Herzog,
Ist Ihr Beitrag ernst gemeint, oder habe ich Ironie-Signale übersehen?
Falls er ernst gemeint sein sollte:
Wo finden Sie in den Zeilen von Herrn Gellermann auch nur ein Körnchen von Anti-Amerikanismus?
Aus meiner Sicht ist das Verhalten des Herrn Kornblum durch die Zeilen von Herrn Gellermann treffend und trefflich beschrieben. Er ist ein Mit-Täter des `amerikanischen´ US-Imperiums, und auch dessen Taten in der Tradition der schwarz-braunen Schutzgeld-Erpressung sind hier doch noch eher milde charakterisiert.
Ihren zweiten Vorwurf gegenüber Herrn Gellermann möchte ich nicht kommentieren - ich finde, der kommentiert sich selbst.


Am 08. Dezember 2014 schrieb Hans Jon:

Das Wort "SCHUTZ" ist eine "Hure", es lässt sich von diesem und jenem so oder so gebrauchen und missbrauchen! Seit 10T.J. schon "schützen" die "Hirten" ihre "Schafe"! Dieser "SCHUTZ" beinhaltet die "Domestikation" (Versklavung), die "Vermehrung" (Profit), das "Hüten" (Bewachen), das "Scheren" (Steuern), das "Melken" (Ausbeuten), und zu böser Letzt das "Schlachten" (in Kriegen)!
Wacht auf "geschützte" Schafe dieser Welt!!!


Am 08. Dezember 2014 schrieb Rainer Herzog:

Ihr Antiamerikanismus ist schon unerträglich genug. Sie müssen ihn aber auch noch mit Antisemitismus anreichern: Der von ihnen beschimpfte John Kornblum ist Jude!

Antwort von U. Gellermann:

Die Quote der Schmöcke ist in allen Religionen gleich hoch.


Am 08. Dezember 2014 schrieb Klaus Madersbacher:

Ja die terroristische Supermacht, dein Freund und Helfer. Vorläufig ungewohnt ist, dass die Herrschaften es mittlerweile nicht mehr nötig finden, zwischendurch den Samthandschuh anzuziehen. Das Zuckerbrot bleibt aus, die Peitsche schnalzt - bis zum Endsieg, oder was?

Kürzlich...

27. Dezember 2018

Ein Halleluja für Muslime

Große Koalition für Moschee-Steuer
Artikel lesen

05. Dezember 2018

Süddeutsche gegen Gellermann

Freispruch mangels Fähigkeiten des Gerichts
Artikel lesen

05. November 2018

Gellermann erneut vor Gericht

Verhandlung vor dem Landgericht München
Artikel lesen

27. September 2018

Wir trauern um Steffen Meyn

Wie bekannt, ist bei den Protesten im Hambacher Forst am 19. August ein junger Mann zu Tode gekommen.
Artikel lesen

03. September 2018

SÜDDEUTSCHE gegen Gellermann

Gericht will im November über Berufung entscheiden
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

Spenden für Medienvielfalt

Die Autoren dieser Seite verwenden viel Zeit und Sorgfalt bei der Recherche und beim Schreiben der Artikel. Wenn Sie die Rationalgalerie in ihrem Bestreben, zur Vielfalt unserer Medienlandschaft beizutragen, unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende. Jeder Beitrag hilft uns weiter: