Dr. Gniffke kennt Engländer

Macbeth oder McDonalds, das ist hier die Frage

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. Juni 2016

Also“, sprach Doktor Kai Gniffke, „ich kenne einen Engländer. Ich war sogar schon mal im 'London Pub' auf der Reeperbahn. Und wahrlich ich sage Euch: Der Brite will das nicht. Das Brexiten. Schon weil ein Exit kein Outcome hat, kein richtiges Ergebnis, geschweige denn ein Income, also wo was rauskommt. Deshalb werden wir hier in der TAGESSCHAU-Redaktion den Output erhöhen und die Engländer finden, die gegen den Brexit waren! Mehr als abgestimmt haben!"

Stolz auf sein makelloses Englisch blickt der ARD-aktuell-Chefredakteur in die Runde: „Der Engländer als solcher kann doch nicht machen What You Will, auch wenn das ein Stück von Shakespeare ist. Noch bestimmen wir in Europa! Und wir wollen den Brexit nicht. This is Her Majesty-Plural!“ Blitzenden Auges schritt der große Mann aus dem Raum, dabei leise murmelnd: „Was soll mir Macbeth, jetzt gehe ich erstmal zu McDonalds.“

Eingabe nach 13 NDR-StV: Bisherige Brexit-Berichterstattung
 
Sehr geehrte Damen und Herren des Rundfunkrates,
 
insgesamt waren zwischen dem 24.6.2016 und den 27.6.16, mittags, 240 Berichte über den Brexit auf "Tagesschau.de" gespeichert. In den Beiträgen ging es fast ausschließlich darum, den Zuschauern beizubringen, was Politiker, Börse und Wirtschaft vom Votum der Briten halten. Deren Motive, sich mehrheitlich für den Austritt aus der EU zu entscheiden, blieben dagegen weitgehend im Dunkeln. Die haben nicht zu interessieren, sie sind kein Problem der Eliten, vielmehr "sind im Moment die Bevölkerungen das Problem,“ wie Herr Gauck im ARD-Interview so eindrucksoll verräterisch formulierte.
Wir haben es untersucht und können belegen, wie unvollständig, tendenziös, abgehoben und weit entfernt von den unmittelbaren Belangen und Bedürfnissen der Bevölkerungsmehrheit ARD-aktuell die Berichtersttatung gestaltete. 
Nur in einer Handvoll Beiträgen wurden die Motive der Brexit-Unterstützer angesprochen: In drei Fällen kamen Brexit-Befürworter zu Wort: Eine Rentnerin, ein Fischer aus Hastings und ein Finanzwissenschaftler. Überbetont gegenübergestellt wurden ihnen polnische Arbeitnehmer, ein paar junge Menschen in London, englische Bürger in Deutschland und einen Restaurantbesitzer in Hastings.
Was das Abstimmungsverhalten betrifft, bei ARD-aktuell wusste man das selbstverständlich genau und sofort: Der Generationenkonflikt hat´s ausgemacht. Der angebliche Widerspruch zwischen Alt und Jung war das bestimmende Erklärende für das Ergebnis, ganz nach dem Vorbild der Rentenkürzungsberichte vor über zehn Jahren, als in Deutschland die ruinöse Rentenreform kampagnenartig propagiert wurde. Nur wer bereit war, genauer zu recherchieren und hinzuhören, stellte fest, dass den Jungen wie den Alten gleichermaßen ums Gleiche ging: um gesicherte soziale Grundlagen.
In den 240 Beiträgen kam einmal das Abstimmungsmotiv „Widerwille gegen Diktat der EU“ vor, zweimal die "Angst vor unkontrollierter Einwanderung", dreimal wurde die "wirtschaftliche Entwicklung und soziale Spaltung" angesprochen (einmal ausgerechnet von Sigmar Gabriel). Ansonsten ging es in allen Berichten um das, was Politiker und Wirtschaft über den Brexit denken und glauben. Fazit: Lediglich der Beitrag von Frank Jahn am 24.6.16, und die Reportage von Björn Staschen am 27.6.16 mit einem Gegner und einem Befürworter des Brexit und zwei, drei andere Beiträge waren halbwegs geeignet, etwas über die Motivation der Briten bei ihrer Abstimmung zu erfahren. Bei 240 Beiträgen ist das eine krachende journalistische Fehlleistung, Tendenz: die Brexit-Wähler sind bedauernswerte Irregeleitete. ARD-aktuell bot fast durchgängig inhaltslosen Verlautbarungsjournalismus und pressestellenähnliche Informationen. Das verstößt gegen die gesetzliche Verpflichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, umfassend und ausgewogen zu berichten.
Der stellvertretende ARD-aktuell-Chefredakteur setzte mit einem Kommentar auch keinen Kontrapunkt. Er wiederholte im Grunde nur, was wir von Merkel, Junker & Co. gewohnt sind "Europa braucht einen Wirtschaftsverbund". Über die Millionen Arbeitslose und Ausgegrenzten sagte er kein Wort.
Jens Berger von den "Nachdenkseiten" hat es korrekt – und zutreffend grundsätzlich auch in Hinblick auf ARD-aktuell – beschrieben:
"Offenbar wurden auch die Medien vom Brexit-Votum der Briten überrascht. Anders ist es eigentlich kaum zu erklären, dass in den Tagen nach dem Referendum ausschließlich qualitativ minderwertige Artikel zum Thema publiziert wurden, die dafür jedoch emotional hoch aufgeladen waren. Gerade so, als hätten die Briten nicht für einen EU-Austritt gestimmt, sondern seien stattdessen mit den Ehepartnern unserer lieben Qualitätsjournalisten durchgebrannt."

Mit höflichem Gruß

F. Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. Juli 2016 schrieb Günther Lachmann:

“When the hurlyburly´s done,
When the battle´s lost and won.“
(Zweite Hexe im“ Nordic Play“ Shakespeare)

Der Versuch das Publikum zu täuschen, ist bei Gniffke schon als notorischer Reflex auf Bewegungen im taeglichen Environment, zu betrachten. Ursachenforschung ist abgesagt. - Natürlich nur im Sinne des „Nordic Play“, von deren Geldern ein großer Teil in der endlos-gierigen EU-Kasse verschwindet, um Kriegsplattformen Platz zu schaffen, gegen jene Menschen, die es zu schützen gilt. Der Bevoelkerung in der UK, hat die EU nicht geholfen hat. „fair is foul and foul is fair" (alle drei Hexen üben sich in Neusprech)
Die Bürger der EU-Staaten werden durch die zweideutigen Weissagungen der Hexen getäuscht – und müssen erkennen, dass sie einer trügerischen Sicherheit aufgesessen sind. Das dieses Wissen in alle Haushalte dringt, ist die Aufgabe von Gniffke und Co. Es ist der Schutz der Gedanken vor „konspirativem“ Gedankengut. Hätte Gniffke das Nordische Theaterstück in seiner Urfassung gesehen, hätte er gewusst, dass der Königsmord aus dem ausgeblutetem sozialen Umfeld stammt., (das wird in den Neufassungen oft vergessen) wenn er überhaupt die Sprache verstanden hätte. Das „Shakespearean English“ ist ziemlich unterschiedlich vom US-Washington hörigen, AmEnglish. Shakespeare‘s English war ohne Apostrophe für das Possessive, Kapital Buchstaben änderten sich, und die Pronunciation wurde dem Volk, dem lokalen Umfeld angepasst. So, dass es des Bürgers Sprache war, und oft in den Idiomen die Herrscherhäuser als die Feinde des Volkes porträtierte.
Nein Herr Gniffke, reden sie nicht von Shakespeare, wenn sie nicht einmal einen Zusammenhang zwischen MacDonald‘s Moerder-Fleet in den Wäldern Südamerikas und dem Straßenverkauf von McDonalds Plastik kennen.
Ein bisschen mehr Shakespeare als unterstützend Kriegspolitik der EU-Staaten, würde ihrer Scherenschnitt ähnlichen Öffentslichkeitsdarbietung der Realität näher kommen.
Mehr Kritik daran, dass der EU ein oppositionelles Kontrollsystem fehlt, wäre gesünder als die Streicheleinheiten für die Schwellköpfe der EU-Politiker. Aber das Herr Gniffke können sie sich nicht leisten, weil sie nur ein kleines Arschloch sind, welches Befehlen folgt, anstatt selber das Gehirn zu nutzen.
Nun, Herr Gniffke; vielleicht finden sie in all dem Zwergen-Popanz mit dem sie sich umgeben, „Die EU muss sich nun ändern“, „Zigtausend demonstrieren gegen Brexit“, „Wir haben keine Fehler gemacht, aber...“, irgendwo ein Stückchen Realität. Schreiben, reden sie darüber; und vor allen Dingen, hören sie dem Volk zu – es befreit sie von all der Angst, in ihrem Bedienungskorsett.
Dass Shakespeare eine „Linke“ gebildet hat, das ist ihnen vollkommen entgangen Herr Gniffke.
Noch ein Wort zur EU: „Tand, Tand, ist das Gebilde von Menschenhand.“ (T. Fontane, der das Thema der drei Hexen in „Die Brücke am Tay“ erneut aufgenommen hat)


Am 30. Juni 2016 schrieb Lutz Jahoda:

Frau Maischberger,
Befürworterin des kranken Systems Europa,
fragte gestern, am 29. Juni 2016,
unnachgiebig streng in die Runde
und speziell den rechtsorientierten Herrn Strache: "Ist Europa schuld an Syrien?" -
Viel Geplapper in der Runde, keine Antwort.
Frau Maischberger wiederholte diese Frage mehrfach und war sich ihres Leichtsinns verräterisch sicher. Keine Antwort.
So ist das bei der ARD, wenn sorgfältig ausgesuchte Leute geladen sind.


Am 30. Juni 2016 schrieb Lena Friedrichsen:

In ein paar Zeilen kann man die ganze Szene sehen: Der VerGniffene und sein devotes Büro, der Piefke an der Macht, das geschwollene Englisch. Und danach nüchtern und beweiskräftig die Analyse. In einem Artikel die ganze "Tagesschau", ein schreckliches Unternehmen in einer brillanten Skizze.

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