Der Terror ist immer und überall

TAGESSCHAU: Und gibt es mal keinen, dann machen wir einen

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. Juni 2016

Nichts ist spannender als der Terror. Nein, nicht in Wirklichkeit, in den Nachrichten versteht sich. So ein richtiger Anschlag hebt die Zuschauer-Quote, die Stimme der Sprecher und auch die Laune der Chefredaktion: „Der Terror ist immer und überall“, diesen sachdienlichen Hinweis gab jüngst Dr. Kai „Nitro“ Gniffke, der Mann für die Bombenstimmung bei ARD-aktuell.

Gniffke, sotto voce: „Ein Furz schleicht durch die Ukraine. . . „ – Gniffke, crescendo: „Das ist ein Donnerschlag, den wohl ein jeder mag, denn so ein Attentat, das hat man niemals satt, es füllt die TAGESSCHAU, das weiß ich ganz genau, mit bestem Schrecken, das wird mir schmecken.“ Zwei sanfte Männer in weißen Kitteln führen den Chefredakteur von ARD-aktuell hinaus.


Programmbeschwerde :
Unangemessenes Aufbauschen von Informationen
über die Vorbereitung eines angeblichen EM-Attentat,
diverse ARD-aktuell- Nachrichten am 6./7/.6.2016
und Eingabe:
Verstoß gegen die Pflicht zur wirtschaftlichen Haushaltsführung bei ARD-aktuell
 
Sehr geehrte Damen und Herren, 
am 6. und 7. Juni 2016 brodelte der ARD-aktuell-Kanal: Endlich wieder ein Anlass, positiv über die "Verbündeten" in Kiew zu berichten. Diesmal brauchte die Ukraine nicht als Bollwerk gegen den Russen zu dienen, sondern konnte als Schutzschirm gegen Terroristen-Gefahr kolportiert werden. 
Die Nachrichten überschlugen sich, allein am 6.6.2016 gab es u.a. folgende Meldungen: 
 
http://www.tagesschau.de/multimedia/audio/audio-30811.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-14391.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-189587.html
http://www.tagesschau.de/ausland/franzose-ukraine-103.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/nm-3905.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-189673.html
http://www.tagesschau.de/ausland/franzose-ukraine-101.html
http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-189705.html
http://www.tagesschau.de/ausland/em-frankreich-sicherheit-101.html
 
Der Anlass: Ein Franzose war in der Ukraine festgenommen worden, weil er Waffen transportierte, die für angeblich geplante Attentate während der Fussball-EM gedacht gewesen sein sollen.
Vom ukrainischen Geheimdienst SBU – diese Organisation ist geradezu berüchtigt für ihre Politik gezielter Falschmeldungen und bösartiger Beiträge zur psychologischen Kriegsführung – hatten „Dr. Gniffke & friends" ungeprüft und ohne sachgerechte Einordnung die Story von dem angeblich rechtzeitig aufgeflogenen Terrorakt auf die EM in die deutschen Wohnstuben gebracht, das reinste Räubermärchen. (Video über die Festnahme vom 21.5.16, die Verhaftung 10 Tage später, erste Presseinformation am 6.6., Anmerkung d.V.)
 
In wohltuendem Unterschied zur boulvardesken Tagesschau hatte hingegen Telepolis berichtet :
"Der ukrainische Geheimdienst nimmt einen des Rechtsextremismus verdächtigen Franzosen fest mit einem großen Waffenarsenal, das ihm der SBU selbst verkauft hat […] Schaut man sich das die Festnahme dokumentierende SBU-Video an, so staunt der Laie darüber, wie das ganze ausgebreitete Arsenal im Kangoo Platz gefunden haben soll. Viel mehr noch wundert, dass vom Beifahrer, der wie der Mann am Steuer, Grégoire M., ebenfalls von SBU-Mitarbeitern in Kampfmontur aus dem Auto gerissen wird, augenscheinlich weder in der Pressekonferenz noch in den Berichten in den französischen und ukrainischen Medien die Rede ist. Er wird nicht erwähnt. Eine der möglichen Erklärungen wäre, dass er ein SBU-Mitarbeiter war. Denn die Waffen stammen vom SBU. Der Geheimdienst hatte dem Franzosen aus Lothringen eine Falle gestellt. Man hatte ihm die Waffen besorgt und dazu eine Erlaubnis, die Grenze zu passieren."
 
Dass ARD-aktuell wieder einmal eine Tatarenmeldung von Geheimdiensten (wie kürzlich schon in Deutschland) übernimmt und verbreitet, überrascht uns nicht. Staatsjournalisten sind geneigt und dazu da, alles für wahr anzusehen, was Behörden über ihre Pressestellen absondern. Mutmaßlich verbarg sich hinter der Story die Absicht, die Ukraine als ein mithilfe des Westens befreites" Land positiv in die Schlagzeilen zu bringen, denn außer von fortschreitender Verelendung der Bevölkerung, grassierender Korruption, Machtmissbrauch und faschistischen Exzessen sowie dem Bruch von Waffenstillstandsverpflichtungen an der Ostfront gäbe es derzeit nichts zu berichten. Zur Russendämonisierung jedoch werden die Ukrainer noch gebraucht...
 
Dass ARD-aktuell trotz der Bedenken der französischen Behörden hinsichtlich des Realitätsgehalts so ungewöhnlich oft und ausführlich über die durchsichtige Wichtigtuer-Story berichtete, wirkt geradezu peinlich wie beifällige Begeisterung für Putschpräsident Poroschenko und die marodierenden faschistischen Milizen in der Ostukraine.
 
Journalistich und staatsvertraglich ist eine derart ausufernde Berichterstattung über ein schon auf dem ersten Blick suspekte Marginal-Information aber ein Verstoß gegen die Programm-Richtlinien..Darin wird immerhin gefordert, Nachrichten vor der Verbreitung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Zusätzlich zeigt sich im unangemessenen Umfang und der Vielzahl der Meldungen über die Story ein Verstoß gegen die Pflicht zur sparsamen Verwendung anvertrauter Programmmittel.
Dass die französischen Behörden – im Unterschied zu den ukrainischen Wichtigtuern - nicht wegen Terrorismus-Verdachts, sondern lediglich wegen Verstoßes gegen Waffengesetze ermitteln und ARD-aktuell diese Information unterschlug, ist ein zusätzlicher Verstoß gegen das Gebot zu vollständiger und umfassender Nachrichtengestaltung. Die Einhaltung der Programmrichtlinien gerade in einem Fall wie dem vorliegenden wären erforderlich gewesen, um dem Publikum eine korrekte Einordung der Geschehnisse und eine qualifizierte Urteilsbildung zu ermöglichen.
Stattedssen hat ARD-aktuell, im Stil nicht anders als die BILD, aus einem Furz einen Donnerschlag gemacht hat.
 
Mit höflichem Gruß
F.Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 19. Juni 2016 schrieb Waldemar Kiefer:

Einfach köstlich, so einfach kann Wahrheit sein.
Gleichzeitig aber, es stimmt mich zu tiefst bedenklich, wie uns alltäglich ein "Lügengewürm" von sogen. Journalisten, Redakteuren und Moderatoren, versucht unseren Geist zu zersetzen und zu vergiften.


Am 13. Juni 2016 schrieb Anke Zimmermann:

"Dass ARD-aktuell trotz der Bedenken der französischen Behörden hinsichtlich des Realitätsgehalts so ungewöhnlich oft und ausführlich über die durchsichtige Wichtigtuer-Story berichtete, wirkt geradezu peinlich wie beifällige Begeisterung für Putschpräsident Poroschenko und die marodierenden faschistischen Milizen in der Ostukraine."

Ja ausgesprochen peinlich, zum fremdschämen auch das trotzige Festhalten an der Beobachtungsstelle für syrische Menschenrechte und das mantrahafte Beteuern von Seriösität uvm. siehe die Legion der Publikumsbescherden.

Aber auch gut was Herr Dr. Gniffke & friends da tun, sie entlarven sich selbst durch penetrante Arroganz und das fällt auf. Zwei Bekannte die sich in harten Diskussionen als wahre Transatlantiker bewährt haben, ist es aufgefallen, womöglich weil das Internet für sie kein Neuland ist und über fb hinausgeht.

Sie sind nachdenklich geworden über die große Zahl fundierter und faktenreicher Programmbeschwerden und wundern sich über die Reaktionen der Rundfunkräte, die wollten das nicht glauben, berichtet ja auch keiner drüber, außer dem verehrten Galeristen.

Ich freue mich da richtig drüber und arbeite weiter an der Verbreitung und den Herren Bräutigam und Klinkhammer, Danke dafür, das wir was mit Substanz zur Verbreitung haben.


Am 13. Juni 2016 schrieb Lutz Jahoda:

Bunt wie im Komödien-Stadl
dreht sich Gniffkes Märchenradl.
Kurzweil wird dort großgeschrieben,
ganz nach Laune und Belieben,
einfach locker, ungebunden,
was nicht passt, wird umerfunden,
munter, mit und ohne Spaß!
Wer nicht mitmacht, beißt ins Gras!


Am 13. Juni 2016 schrieb Sarah Steinkopff:

Der "O-Ton" für Gniffke, crescendo, ist echt ein Donnerschlag. Schade, dass die normale Rechner-Tastatur keine Noten kennt. - Sonst hätte der Galerist sicher gleich auch die Melodie mitgeliefert auf die wir den Text mitgrölen könnten...

Antwort von U. Gellermann:

Der Text ist wie ein bayerisches Gstanzl zu singen, bitte darauf achten nicht in ein norddeutsches Gestammel zu geraten.

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