Der Aufstand als Tatsache

Wie die TAGESSCHAU Sprache regelt

Autor: U. Gellermann
Datum: 29. August 2016

Wetten, dass die TAGESSCHAU-Macher schon mal gesehen haben, wie einer aufsteht? Das muss ein Aufständischer gewesen sein. Tatsache! Aber wenn er sich dann wieder setzt, ist er dann widersetzlich oder aber sogar im Widerstand? Fragen über Fragen, die jüngst in der NDR-Sprachkommission diskutiert wurden. Sprachregelung muss sein, denn sonst würde man die syrischen Terroristen ja Terroristen nennen müssen. Dann doch lieber Aufständische.

Meldet sich Dr. Gniffke, der Herr von ARD-aktuell und auch des Tagesschau-Wordings: „Also ich will mal klar sagen, der Terror lauert in jeder Programmbeschwerde. Denn Terror ist ja nur lateinisch für `Schrecken´. Und mir fährt jedesmal der Schrecken in die Glieder, wenn mir so eine Beschwerde auf den Tisch kommt. Wir brauchen so ein Wort-Dings, so ein Wording, wo das ein für allemal festlegt ist: Wer sich beschwert, der ist ein Terrorist!“


Programmbeschwerde - Tagesschau-Ausgabe vom 9.8.16
Anmerkungen zum Thema  "Wie sage  ich es unserem Publikum"
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
 
auch in der Tagesschau-Sendung vom 9.8.16 heisst es (wie leider üblich) zu Beginn:
"Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau".
Diese Floskel ist verfehlt, und zwar nicht nur sprachlich. Nach dem Gongschlag 20 Uhr und während des Kamera-Aufzugs (erst das ARD-Logo, dann Blickrichtung ins hochgedimmte Studio) tönt es aus dem OFF: „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau." Zwei Sekunden danach sagt der Sprecher im ON noch einmal, was der Zuschauer doch gerade selbst sieht:
„ … ich begrüße Sie zur Tagesschau."
Mit Verlaub, für wie deppert wird das Publikum gehalten?
Und nun: Wenn man "Guten Abend“ sagt, dann ist das bereits die Begrüßung. Die regelmäßig hier angefügte Erläuterung "Ich begrüße Sie“ ist eine peinliche Tautologie. Als ob dem Zuschauer nicht zuzutrauen wäre, dass er das "Guten Abend“ als Begrüßung kapiert. Nun denn, mit den nachfolgenden Nachrichten wird das Publikum ja ebenfalls allzu oft für dumm verkauft.…
Wir regen trotzdem gemäß § 13 NDR-Staatsvertrag an, zukünftig nur noch zu sagen: "Meine Damen und Herren, wir begrüßen Sie“ oder zum früher üblichen "Guten Abend, meine Damen und Herren“ zurückzukehren. Nicht jede Neuerung bewirkt eine Verbesserung, wie die Erfahrung lehrt, das gilt auch für manche sprachliche Allotria, die ARD-aktuell sonst noch so treibt.
Zum Beispiel:
Der Korrespondent Stefan Niemann: "Erst jetzt, 90 Tage vor den Wahlen, wächst der Widerstand gegen Trump". Was soll "erst jetzt" genau heißen? Hat es in der Vergangenheit keinen "wachsenden" Widerstand gegeben, war er nur gleichbleibend lau-lau? Das wäre eine Falschmeldung, denn der bisherigen Tagesschau-Berichterstattung zufolge hat es gegen Trump schon von Anbeginn Widerstand in der eigenen Partei gegeben. Jetzt, nur noch drei Monate vor den Wahlen, hätte der Spruch allenfalls lauten dürfen: „… wächst der Widerstand gegen Trump weiter…"
Niemann fährt fort: "Der (gemeint ist Trump) posaunte seine populistischen Parolen heraus…“ Wieder ein sprachlicher Missgriff, denn das Sprachbild „ausposaunen“ ist nur üblich beim lautstarken Verkünden von bis dato noch nicht Gesagtem, aber Herausposaune Niemann will ja auch nur für die Tagesschau referieren, dass Trump die von ihm bereits bekannten Parolen wiederholte.
Die erbärmliche Wortwahl hat nichts mit "Qualitätsjournalismus" zu tun, sie ist Gequatsche auf Stammtisch-Niveau. Wir regen an, Herrn Niemann professionellen Sprachunterricht angedeihen zu lassen.
Auf einer eingeblendeten Grafik war im gleichen Beitrag die Äußerung einer US-Senatorin über Trump zu lesen (in deutscher Übersetzung):
"Es ist eine Entscheidung die mir nicht leichtfällt.....Donald Trump spiegelt weder die historischen Werte der Republikaner wider noch die inklusive Herangehensweise, die entscheidend sind, um die Spaltung des Landes zu heilen..."
Ihre oft beklagte sprachliche Verlotterung, Ausdrucks- und Grammatikschwäche zeigt ARD-aktuell hier einmal mehr. Hinter das Substantiv „Entscheidung" gehört ein Komma, wir lesen schließlich einen Relativsatz. Was unter "Inklusive Herangehensweise" zu verstehen ist, wissen die Götter und ARD-aktuell-"Qualitätsjournalisten", ein durchschnittlicher Fernsehkonsument hingegen eher nicht. So ist das eben, wenn eine Redaktion keine eigenen interpretatorischen Fähigkeiten mehr abzurufen imstande ist, sondern sogar amerikanisches Englisch nur wortwörtlich ins Deutsche übersetzt. Dabei kommt solcher Quatsch heraus. Aber bitte, wenn Dr. Gniffke meint, dass regelmäßig ein Kontrakpunkt nötig sei, um das Selbstlob zu unterstreichen, ARD-aktuell drücke sich klar und allgemeinverständlich aus...
 
Lassen wir die Lachnummern und kommen wir zum Verstoß gegen die Programmgrundsätze:
"...das Assad-Regime bekämpft in Aleppo mit russischer Luftunterstützung aufständische Gruppen", heisst es in einer Syrien-Meldung. Die bewusst fälschliche Verwendung des Begriffes "aufständische Gruppen“ übertüncht, dass es sich bei den damit Gemeinten um Terroristen aus der gesamten Levante, der Golfregion, Saudi-Arabien und vielen anderen Ländern handelt, die von der Westlichen-Werte -Gemeinschaft (WWG) logistisch unterstützt werden (mit angeheuerten Milizionären, Geld, Waffen, Munition,Treibstoff und mit militärischem Knowhow sowie mit geheimdienstlichen Informationen über ihre Gegner); das Ziel ist nach wie vor, den syrischen Staat zu ruinieren und seine laizistische Regierung unter Assad zu beseitigen.
Deshalb, nochmal bitte mitschreiben: Aufständischer ist nur ein Mensch, der gegen seine eigene Obrigkeit bzw. einen ihm selbst aufgezwungenen Zustand kämpft, er kann auch als Rebell bezeichnet werden. Es mag solche in Syrien geben, doch bestimmen sie das Kriegsgeschehen in keiner Weise. Die Kämpfe um Aleppo werden von den (inzwischen umbenannten) Terroristen der Al-kaida und Al-Sharam geführt, überwiegend von Nicht-Syrern. Da Herr Schwenck und Herr Dr. Gniffke das sehr wohl wissen, muss davon ausgegangen werden, dass sie willentlich Terroristen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein werbewirksames und unentgeltliches Forum bieten.
Ein Verstoß gegen die Programmgrundsätze liegt damit vor, möglicherweise handelt es sich sogar um die Unterstützung ausländischer terroristischer Vereinigungen.
 
F. Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 30. August 2016 schrieb Andreas Schell:

Hallo die Herren,
ich habe mir mal die Mühe gemacht, aufgeladen mit den wirklich überzeugenden Argumenten aus Ihren vielen, berechtigten Programmbeschwerden (also bewusst in manipuliertem Zustand) die Tagesthemen vom 29.08.2016 genauer anzusehen. Moderator: der scheidende und daher völlig angepasste Thomas Roth. Die Übung: man begebe sich mit einem Stück Papier zum Mitschreiben vor den Fernseher und dann, falls man's nicht glauben kann, noch mal in die Mediathek, notiere sich zu den Themenblöcken, die unter dem Video in der Mediathek zu lesen sind, die Kernaussagen und Stichworte.
Das unvollständige Ergebnis: die nächste Bundestagswahl heißt Gabriel gegen Merkel, und der Wendehals Gabriel ist indiskutabel. Das sieht aus wie eine Kopie von Trump gegen Hillary und der Wendehals Trump ist indiskutabel. Ist das eine Wahl? Kommentatorin Sabine Rau schließt schon mal, dass es eigentlich nur die Merkel werden kann - mangels Talenten andernorts. Man ist unter sich, andere Parteien oder gar der Wille des Volks kommt nicht vor. Aha, wozu war jetzt dieser lange Beitrag samt Kommentar gut? Der Aufmacher kann eigentlich nur die neue Sau zu sein, die durch die Dörfer zu treiben ist. Ein Jahr lang!
Der NATO-Steinmeier will Rüstungskontrolle, aber das geht nicht. Gesagt werden muss im Kontext, mehrfach und von verschiedenen Leuten: die Russen sind so böse, die haben die Krim annektiert und die Ukraine-Krise verursacht. Da kriegt man die Motten - das ist ja noch immer der gleiche, unreflektierte, fast komplett gelogene Mainstream-Brainwash, der maßgeblich zur Renaissance des Wörtchens "Lügenpresse" beigetragen hat. Jegliche Kritik zur Einseitigkeit ist offensichtlich ungehört verhallt. OK, immerhin steckt ein erkennbares System dahinter.
Im Nachrichtenblock liest dann eine Sprecherin, die irgendwas eingenommen hat, damit es ihr nicht die Zehennägel aufrollt oder gar vor der Kamera ein Gesichtsmuskel zuckt, noch einmal die derzeit weit verbreitete Erkenntnis vor, die fünfzehnjährige Messerstecherin von Hannover sei vom IS beauftragt worden. OK, wir haben in Deutschland Terrormangel, da braucht's sogar verwirrte junge Mädchen als Feind, und vor selbigem ist sich zu fürchten. Wie viel tausend Tote verursacht noch mal der fossile Straßenverkehr? Wie viele Araber haben die großen Öl- und Gasverbraucherstaaten noch mal alleine seit 2001 ermordet oder ermorden lassen? Aber ein Mädchen mit einem Messer, das ist schon richtig echter Terror, das geht gar nicht!
Dann noch, in der Wichtigkeit erst ein Wenig und dann sehr stark abfallend, Brasiliens Präsidentinnen-Amtsenthebungsfarce. Und die Nachricht, der Mob mobbe zunehmend deutsche Beamte. Insbesondere tun so was ja arabische Familienclans. Ob die auch beim IS sind, bleibt offen, ebenso irgendwelche Querschlüsse auf die Sylvesternacht in Köln. Der Zuschauer bleibt alleine. Vielleicht brauchen wir ein Migrantenversammlungsverbot. Oder die Bundeswehr bekommt in Vorbereitung ihres Inneneinsatzes eine Fortbildung im Araber-Vereinzeln. Sollte tatsächlich mal eine Gruppe echte Terroristen mit richtigen Waffen eindeutigen Terror hier veranstalten, lässt sich auf dem Angst-Level sicher widerstandslos der Ausnahmezustand verhängen...
Über eine Horde Weltfremde (sic!) bei der Simulation des Lebens auf dem Mars ist dann noch ausgedehnt zu erzählen, und über Phallus-Kult in Bhutan. Dann das Wetter - geschafft. Weit mehr als die Hälfte der Sendung war vollkommen irrelevant und das Relevante wohl gefärbt. Das Wetter wird zuletzt schön und der Herbst ist noch nicht da, sagt der freundliche Clown vorm Satellitenfoto, einem Ergebnis milliardenschwerer Technik - als hätten wir's nicht schon geahnt.
Worüber nicht berichtet wurde: was genau haben die Türken heute in Syrien gemacht? Da gibt's doch sicher auch Satellitenfotos? Wie viel Waffen und Munition haben deutsche Konzerne diese Woche wo hin exportiert? Wo her kommt denn eigentlich der Diesel, den die westliche Militärmobilität beim Anaconda-Manöver oder neuerdings in Syrien verbrennt? So ein Leopard II braucht doch weit über dreihundert Liter pro 100km, und das schon auf der normalen Straße, und die amerikanischen Modelle brauchen fast das Doppelte...? Und was ist eigentlich momentan auf dem Mittelmer in Sachen Afrika-Europa-Migration los, da ist doch jetzt Hochsaison...?
Na gut, in Bhutan wurden seit je her und neuerdings mit nachlassender Inbrunst Holzpenisse verehrt ... Mein Respekt für die Auswahl dieses Beitrags reduziert sich auf diese ehrliche Aussage: da wär' ich echt nicht drauf gekommen, das in den Tagesthemen zu bringen.
Zuletzt bleibt ein großes Kompliment an die Herren Bräutigam und Klinkhammer dafür, immer wieder so konkret auf den Auftrag der teuren Medien hinzuweisen und Fehler und Manipulation aufzuzeigen. Mir scheint, bisher hält sich der Erfolg leider in engen Grenzen. Schlimmer: der Zustand scheint weit hin akzeptiert zu sein. Ich tu mir die Tagesthemen jetzt erst mal nicht mehr an - noch gibt es sehr guten Ersatz bei den bösen Verschwörungstheoretikern oder gar im bösen Darknet. Weg mit dem Mainstream.


Am 30. August 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

@Werner Kämtner
.....es macht keinen Sinn, Sätze oder was auch immer aus dem Gesamtzusammenhang zu nehmen, um dann möglicherweise die falschen Schlüsse zu ziehen.
Vielleicht wurde Michael Kohles Kommentar von ihnen falsch verstanden ?!?
Den Dank an die Herren, die uns hervorragend informieren teile ich sehr gerne.


Am 29. August 2016 schrieb Angela Schwertfeger:

Mein Vorschlag für´s Wording: Beschwerde-Terrorist. Einschränkend: Kann nur angewandt werden, wenn kein Programm-Terror vorliegt. Da hat die TAGESSCHAU dann doch kaum Spielraum.


Am 29. August 2016 schrieb Werner Kämtner:


Sehr geehrter Herr Bräutigam, Herr Klinkhammer. Beziehe mich auf den Kommentar vo n Michael Kohl vom 25.August.
Wie ich diesen Kommentar entnehme, sollten Sie sich mal in die Haut von Dr. Kniffke versetzen. Ich vermute damit werden Sie überfordert. Wer ist dieser Vogel überhaupt? Sein ganzes Gefasel hat mich irritiert.
Er hat vielleicht falsches Zeug geraucht. Vielen Dank für die Arbeit die Sie leisten


Am 29. August 2016 schrieb Lutz Jahoda:

KLARSTELLUNG

Ein "möglicherweises" Unterstützen,
hat es in Hamburg niemals gegeben.
Es war schon immer glasklares Streben,
Falsches zu nützen,
Böses zu schützen,
ganz nach den Wünschen Washingtons eben.

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