Danke Donald, danke!

Mit Donald Trump raus aus der NATO

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. Juni 2018

Das muss für die Eliten des Westens ein schwerer Schock gewesen sein, als nach dem glattgesichtigen und glattzüngigen Barack Obama plötzlich der polternde Donald Trump das Land der „Freunde“ anführte. Na schön, die Regierung Obama war heftig am Mord von rund 50.000 Libyern beteiligt gewesen. Und auch Obamas Drohnen- Lynchjustiz war ziemlich unappetitlich. Aber hatte er nicht Osama Bin Laden fast persönlich erledigt? War seine Außenministerin nicht die elitäre Hillary Clinton, der gebildete Ausweis emanzipatorischer Eleganz? Und jetzt dies: Der gelbhaarige Elefant im diplomatischen Porzellan-Laden an der Spitze von God's own country, dem ultimativen Bollwerk des Westens gegen den Russen und der Verteidigung all jener Freiheiten, wie sie nur die Eliten wirklich genießen können. Dieses über Jahrzehnte von eifrigen Schönfärbern gepinselte Bild soll nun der grausamen Wahrheit über die USA weichen? Geht gar nicht.

Vor allem in den Redaktionsbüros –  in denen sich die Atlantiker seit dem Ende des Weltkrieges so gemütlich mit ihren 1-A-Freund-Feindbildern an den Wänden eingerichtet hatten – war die Umwertung des Bewährten ein Tabu-Bruch, dessen Gesetzlosigkeit einem Weltuntergang gleichkam. Erstmalig konnte man in Echtzeit nachfühlen, wie sich die Dogmatiker des Vatikan damals gefühlt haben müssen, als die Bilderstürmer der Reformation die lieb gewordenen Marien-Bilder von den Wänden gerissen und alle möglichen Heiligen von den Säulen der Kirchen gestürzt hatten. Grauenvoll. Auch die Historiker-Zunft, die seit Jahrzehnten an der Legende vom Alleingang der Amerikaner bei der Befreiung Europas geschnitzt hatten, mussten nun ihre These vom Freedom als genuine Erfindung der USA plötzlich und unerwartet zu Grabe tragen. Denn Trumps Freiheit kommt als unverhüllter, brutaler Freihandel daher. Begleitet von jener Forderung, die Schutzgeld-Erpresser gern auf die Köpfe ihrer Opfer schmettern: Bezahl mir meinen Baseball-Schläger – Flugzeugträger, Atomraketen, Militärstützpunkte –  sonst schütze ich Dich nicht mehr vor mir.

Noch ringt man auf den oberen Etagen von deutscher Politik und Medien um die richtigen Worte. Wie erkläre ich es nur meinen unmündigen Kindern, den Wählern, Lesern, Zuschauern? Man gerät ins Stottern: Eu-Eu-Eu! Als wäre das, was die Eliten unter Europa verstehen, nämlich die Europäische Union, nicht auch ein Zwangsapparat zur Finanzierung von Militärprojekten. Allein 17 solcher Projekte will die westeuropäische Obrigkeit in den kommenden Jahren anschaffen. Darunter auch Unterwasser-Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge aller Art, neue deutsch-französische Kampfjets: Unterwasserdrohnen, wie stolz das klingt! Schlappe 13 Milliarden Euro soll der EU-Steuerbürger dafür auf den Tisch legen. Doch immer noch steht man in arger Konkurrenz zu Donald Trump. Denn der muss seine Rüstungsindustrie auch bedienen und fordert deshalb von seinen NATO-Partner Noch mehr und noch mehr und noch mehr Knete. Bis es quietscht.

Die armen Regierungen der EU-Staaten saßen bisher in einer selbstgebauten Falle. Zum einen waren sie der eigenen Ideologie der Bündnistreue verfallen. Auf dem Trittbrett der größten Militärmacht der Welt konnte man sich fast schon selbst als echter Imperialist fühlen und Andere, Schwächere dahin treten wo es weh tut. Zum andern hatten sie nach Jahrzehnten der politischen Erziehung ihrer Völker ein sakrosanktes Monument der FREUNDE geschaffen: Weite Teile der Bevölkerung beten diesen Fetisch immer noch an. Das schien kaum zu revidieren. Doch nun naht Hoffnung. Trump ist so abstoßend offen imperial, dass die progressive Tünche vom FREUND abgeblättert ist. Jetzt, zum ersten Mal in der Nachkriegszeit gibt es die Möglichkeit sich von den USA zu lösen, aus dem militärischen NATO-Völkergefängnis auszubrechen.

Hic Rhodus, hic salta! Nein Herr Außenminister, das bedeutet nicht man stünde an der Ro­tis­se­rie und solle nachsalzen. Jetzt, genau jetzt kann die Prahlerei über Souveränität und Äquidistanz in lebendiges eigenständiges Leben umgesetzt werden. Allerdings müsste man das russische Bedrohungs-Gespenst aus dem Medien-Zoo befreien. Denn ganz ohne Partner wird man die Scheidung von den USA nicht durchsetzen können. Selbst wenn der Scheidungsgrund – eine seelische Grausamkeit namens Trump – langsam jedermann einleuchtet. Dafür, dass diese Perspektive denkbar geworden ist, können die Deutsche aus vollem Herzen sagen: Danke Donald, danke!


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 24. Juni 2018 schrieb Albrecht Storz:

Die NATO ist mE ein Bündnis von Staaten, deren Führungen nicht an die Möglichkeit des friedlichen Miteinanders von Völkern glauben können. Dem Volk wird es gerne als Realpolitik verkauft wenn man sich präventiv gegen einen Gefahr schützt, die gar nicht besteht - aber schließlich BESTEHEN KÖNNTE (so das kranke Denken).

Dem Volk wird natürlich die Mär verkauft, die Gefahr bestände tatsächlich, und von daher muss ein Feind her - koste es was es wolle (denn das Volk kapiert natürlich nicht den komplexen Gedanken, dass eine friedliche Nation, die Zusammenarbeit anbietet und gemeinsame Prosperität, ja auch genauso EIN FEIND SEIN KÖNNTE, gegen den man sich ja präventiv rüsten muss. Folglich muss dem Volk zB Russland entgegen den Tatsachen als feindlich dargestellt werden, sonst würden die gewaltigen Rüstungsanstrengungen nicht durchsetzbar sein. So die "Logik").

Was lernen wir daraus: unsere Eliten setzten sich aus psychisch gestörten, asozialen Menschen zusammen, deren Lebenserfahrung nicht die Erfahrung des freien, freiwilligen Austausch sowie das friedliche Nebeneinander einschließt. Es ist eine Sicht auf andere, in der ein Feind allemal besser ist als jemand, der ungebunden und selbstbestimmt, aber friedlich, seine Beziehungen mit anderen regelt (denn so etwas finden diese Eliten beängstigend. Nur eine Welt, eingeteilt in Freund und Feind, in Gut und Böse, hat für diese deformierten Psychen eine beruhigende Struktur).

Diese Geisteshaltung der "westlichen Eliten" hindert die ganze Welt daran, einen friedlichen Weg des gleichberechtigten Austausch, der gegenseitigen Hilfe und des Respekt zwischen Völkern zu beschreiten.

Ein weiterer, verstärkender Aspekt ist natürlich die rein kapitalistische Funktion von Rüstung mit so sagenhaften Profiten, dass sich immer Geier finden lassen, die diese realisieren wollen - koste es auf der nicht-monetären Seite der Gleichung was es wolle.

Unsere Aufgabe ist es, diesen kranken Eliten das Wasser abzugraben. Tun wir es nicht, werden es andere tun - von außen; oder die Welt wird früher oder später in einem fröhlichen Feuerwerk ohne Zuschauer abrauchen. "Experiment missglückt." Ob es dann noch weitere geben wird wissen die Götter.

Von daher vielen Dank für diesen Blog in dem immer wieder auf die unfriedliche Agenda der von uns durch Staatsämter ermächtigten Psychopathen hingewiesen wird und dadurch deren verdrehtes Narrativ zumindest etwas gestört wird in seiner Wirksamkeit.


Am 18. Juni 2018 schrieb Karola Schramm:

Die Merkel-Regierung hat klar und deutlich gesagt, dass sie am Feindbild Russland festhalten wird - G 8 oder G 7 hin oder her und will nicht einsehen, dass mit Trump ein Geschäftsmann an der Macht ist. Kein Schaupieler, der seine Rolle als Präsident schön spielen will.
Merkel und ihr Anhang sind unflexibel, halten stur und stoisch an der Anti-Russland-Politik fest, womit sie auch die Alt-Nazis unterstützt.

Doch da gibt es noch die vielen anderen Deutschen und Europäer, die von Merkel die Nase genau so voll haben wie ich.

Natürlich hat sich die deutsche Politik unter Adenauer an Amerika dran gehängt wie ein sinkendes Schiff, was es nach dem verlorenen Krieg ja auch war.

Doch in den letzten 70 Jahren ist viel passiert. Die Länder sind - auch wegen der sog. Gloabalisierung zusammengerückt, treiben Handel und Wandel, was dafür sorgt, dass sich alle Länder entwickeln könnten, wenn man ihnen sachkundig helfen würde. Ohne Druck, Drohnen und Marschflugkörper wie bisher, die andere, aufstrebende Länder, neidisch auf deren Bodenschätze, rücksichtslos in Schutt, Asche und ins Mittelalter bomben.

Ob DE nun aus der Nato wegen des "militärischen NATO-Völkergefängnisses" ausbrechen soll, ist schwer zu sagen. Ein Anfang wäre schon gemacht, die NATO wieder dahin zu bringen, wo sie vorher war - als reines Verteidigungsbündnis - wenn die ihr angehörenden Länder meinen, sich immer noch verteidigen zu müssen.
DAS wäre die Lernaufgabe für Merkel, die Regierung und das Parlament. Doch Merkel fühlt sich so sicher mit ihrer angelernten Agitation und Propaganda, dass sie gar nicht Frieden, Demokratie, Fairplay und Gerechtigkeit denken kann und die, die es denken können, fürchten sich immer noch, entschieden gegen sie vorzugehen.

Warum soll nicht auch mal in DE eine nicht mehr tragbare Kanzlerin gestürzt werden können? Dann könnte die EU und die Welt sehen, dass die deutsche Bevölkerung keine Duckmäuser und eingeschüchterte Untertanen mehr sind, sondern müdig geworden und reif ist und ihre Demokratie auch verteidigen kann. Das ist das, was ich von Parlament, Parteien und Medien erwarte. Widerstand gegen diese falsche, hinterhältige Politik, die Hass gegen andere Länder sät, Waffengänge unterstützt und deren junge Männer einlädt, wie z.B. Syrien, nach DE zu kommen um zu arbeiten, was im Klartext heißt, dass deutsche junge Männer nicht arbeiten wollen. Dieses aussenden von verschleierten, doppelten Botschaften, die jede Gesellschaft auseinander brechen lässt, muss endlich aufhören. Deutschland braucht keine "merkelsche marktkonforme Demokratie" sondern eine echte Demokratie und die ist mit Merkel nicht zu machen.

Trump braucht ein politisches Gegenüber, das Ja und Nein kennt und keine Frau, die sich an die Spitze geschlängelt hat, diffus spricht, sich nicht scheut, Lügen zu verbreiten (z.B. Annexion der Krim) und genau so agiert.

Ja, wir können Trump dankbar sein für seine deutlichen Worte in Sachen G 7 und auch, dass er sich nicht scheut, so zu sein, wie er ist, nicht leicht einzuschätzen. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass die deutsche Politik eine eigene klare Haltung hat: Nein zu so einer NATO und NEIN zu völkerrechtswidrigen Kriegen, die Unterdrückung und Ausbeutung bedeuten. Ob nun in der EU oder weltweit.





Am 18. Juni 2018 schrieb Alexander Kocks:

Ich betrachte Trump bereits als den Gorbatschov des Westens.

Antwort von U. Gellermann:

Schwieriger Vergleich. Immerhin orientierte Gorbatschow auf Abrüstung, Trump macht das Gegenteil.


Am 18. Juni 2018 schrieb Lutz Jahoda:

Seht ihr die Bäume? Sie geben sich Mühe!
Sie träumen inzwischen vom Chlorophyll,
inmitten von lähmender Dieseltrübe,
in Schornsteinqualmschwaden und Wohlstandsmüll.

Das Eis schmilzt inzwischen in der Antarktis.
Der Wasserspiegel der Weltmeere steigt.
Hauptsache ist, dass die NATO erstarkt is
und André Rieu noch im Trockenen geigt!

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