ARD: Klinik ist nicht gleich Klinik

Wie ein Krankenhaus sich ändern kann

Autor: U. Gellermann
Datum: 05. Mai 2016

„Was muss ich hier lesen?“ monierte Dr. Gniffke jüngst in der TAGESSCHAU-Runde. „Das soll ein `mutmaßlicher Angriff´ auf die Klinik sein, und dann wird noch entschuldigend von einem `Fehler in der Kommandokette´ gesprochen und ein `menschliches Versagen´ mit `kein Briefing, die Technik streikte´ verharmlost? Ihr habt sie wohl nicht mehr alle! Das wollt ihr wohl dem syrischen Diktator durchgehen lassen? Oder wollt ihr die mörderischen Russen-Flüge in Syrien kleinreden?“

Bleiches Schweigen in der Redaktion. Einer nimmt all seinen Mut zusammen: „Tschuldigung, da ist uns das Wording aus der Bericht-Erstattung des letzten Jahres irgendwie durchgerutscht. Das sind alles Zitate aus unserer Berichterstattung über das US-Bombardement der Klinik im afghanischen Kundus.“ Gniffke, kopfschüttelnd: „Das mir das nicht noch mal vorkommt. Als erstes nennen wir das in Aleppo mal eine Eskalation, dann lassen wir die USA den Vorfall scharf verurteilen (kichert) die verstehen ja was davon.“ Klinik ist eben nicht gleich Klinik.


Programmbeschwerde: "Dutzende Tote bei Angriff auf Klinik" 

http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-aleppo-angriffe-103.html
 
Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

der o.g. Beitrag enthält Desinformationen und Propagandaversatzstücke:
1.  "Die Waffenruhe in Syrien hielt anfangs, doch nun sind die Kämpfe wieder eskaliert, besonders in Aleppo. Bei einem Angriff auf ein Krankenhaus starben mindestens 30 Menschen, darunter auch einer der letzten Kinderärzte in dem Bezirk. Die USA verurteilten den Vorfall scharf. "

Haben die Russen zu dem Vorfall geschwiegen? Die syrische Führung? Die isolierte Darstellung eines US-Protests funktioniert hier zugleich als Schuldzuweisung an die Gegenseite in dem Krieg, allerdings eine beweislose...
Die betroffenen "Ärzten ohne Grenzen" berichten entgegen den ARD-aktuell Angaben von 14 Toten, laut der New York Times sind es 27 Tote.
Warum Tagesschau.de sich trotz verschiedener Quellen auf eine noch höhere Opferzahl festlegt, bleibt unklar. Auf jeden Fall zeigt sie aber die besondere Propaganda-Anfälligkeit  von ARD-aktuell. Viele Tote bedeuten mehr Aufmerksamkeit beim Publikum und größere Zufriedenheit der politischen "Verbündeten" in Berlin.

2. "Syrische Regierung und Russland wollen es nicht gewesen sein.......Von wem die Bombardements ausgeführt wurden, blieb zunächst unklar." heisst es weiter. Warum wohl wurde diese Formulierung nicht im Hinblick auf die "Verurteilung" seitens der USA gewählt? " - „Alle Hinweise, die das US-Außenministerium bisher erhalten habe, deuteten "auf das Regime" hin, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AP in Anspielung auf Syriens Präsident Bashar al-Assad.“

Mit dieser Formulierung wird zum Ausdruck gebracht: Syrer und Russen waren es, aber sie wollen es nicht zugeben. Zwar heisst es zunächst noch ein wenig einschränkend: Ihre Täterschaft ist "zunächst unklar":

Nach dem "zunächst unklar" folgen aber keine beweiserheblichen Informationen und journalistisch einwandfreie Fakten, sondern nur weitere propagandatypische Spekulationen : "Die USA vermuten hinter dem Beschuss die syrischen Regierungstruppen... Alle Hinweise, die das US-Außenministerium bisher erhalten habe, deuteten "auf das Regime" hin, in Anspielung auf Syriens Präsident Bashar al-Assad. Damit legt sich ARD-aktuell – wie Propagandisten es üblicherweise zu tun pflegen – auf die Täterschaft fest: Die bösen Russen und ihr verbündeter Machthaber Assad waren die Täter. 
"Hinweise, die das US-Außenministerium bisher  erhalten hat", eine solche Äußerung seitens einer der Kriegführenden Parteien gilt der ARD-aktuell als seriöse Berichtsgrundlage?
Wie immer bleiben andere Informationen unberücksichtigt. So zum Beispiel der Hinweis, dass nicht einmal die "Ärzte ohne Grenzen" behauptet haben, der Luftangriff der syrischen Luftwaffe hätte das Krankenhaus getroffen.
Der Beitrag enthält einseitige und propagandistische Informationen, so dass eine Programmbeschwerde angebracht ist.
 
Anmerkung: Es hätte auf jeden Fall bei Herrn Dr.Gniffke/Fau Krogmann die Moral-Anlage klingeln müssen, als die USA die Luftangriffe auf das syrische Krankenhaus als "in jeder Hinsicht verwerflich" kritisierten. Unsere Menschenrechtsspezialisten aus der US-Army haben in diesen Tagen ihr 20 minütiges Bombardement auf das Krankenhaus in Kundus als straffreies Dienstvergehen und nicht als Kriegsverbrechen qualifiziert.

Mit höflichem Gruß

F.Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 06. Mai 2016 schrieb Lutz Jahoda:

ALBTRAUM

Ich sehe sie sitzen, die dominanten
Rundfunkratlosen Kombattanten.
Sie peitschen sich selbst in lustvollem Wollen,
Schämen sich gleichzeitig ihrer Rollen:
Dieser scheußlich penetranten
Militanten Flagellanten.


Am 06. Mai 2016 schrieb Brigitte Klara Mensah-Attoh:

E M P Ö R E N D BIS ZUM ANSCHLAG - ist die Tatsache :

"Menschenrechtsspezialisten aus der US-Army haben in diesen Tagen ihr 20minütiges BOMBARDEMENT auf das KRANKENHAUS (von Ärzte ohne Grenzen) in KUNDUZ als straffreies Dienstvergehen - und nicht als KRIEGSVERBRECHEN qualifiziert".

Die Davids oder die Goliaths -
WER sind denn in Wirklichkeit die wahren Terroristen?!?!?


Am 06. Mai 2016 schrieb Jörg Lagemann:

Ich habe gerade den neuesten Hetzartikel von Sylvia Stöber über Russland und die NATO auf tagesschau.de gelesen.
Inzwischen spricht sie sogar von einer "Eroberung der Krim" durch Russland. Gibt es keine rechtlichen Möglichkeiten, dieser Form von Geschichtsfälschung durch öffentlich rechtliche Medien das Handwerk zu legen?


Am 05. Mai 2016 schrieb Rudolph Bauer:


Die Kommentare bzw. Programmbeschwerden sind ein verdienstvoller Beitrag zur Aufdeckung der Gehirnwäschen, mit denen die Nachrichten-Zuschauer/innen propagandistisch verdummt werden (sollen, was fraglos leider auch gelingt). Eine Frage: In welcher Weise, wenn überhaupt, reagiert die "verehrten Frau Vorsitzende"?

Antwort von U. Gellermann:

Der Sender reagiert mit Formschreiben, also faktisch nicht. Aber die Autoren verstehen ihre Arbeit zum einen als Medien-Lehrstücke, zum anderen weisen sie darauf hin, dass die Rundfunkräte könnten, wenn sie nur wollten.


Am 05. Mai 2016 schrieb Roland Kapp:

- die Frage ist auch , wie würde es in Syrien heute aussehen , wenn Rußland nicht in diesen Krieg eingetreten wäre !

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