US-Raketen sind zuverlässig

Raketen aus Nord-Korea sind gefährlich

Autor: U. Gellermann
Datum: 04. April 2016

Wie schön, dass Dr. Gniffke in seiner Erwiderung auf eine Klinkhammer-Bräutigam-Beschwerde den Test einer US-Minuteman-Rakete als ein „regelmäßiges“ Ereignis bezeichnet. Denn wenn etwas „regelmäßig“ geschieht, dann ist das scheinbar beruhigend und muß nicht berichtet werden. So hielt es die TAGESSCHAU jedenfalls jüngst. Wenn aber die Nord-Koreaner eine Rakete nur dann und wann mal testen, dann ist das unbedingt berichtenswert. Da kann Nord-Korea was draus lernen: Wenn das Land nun wöchentlich seine Raketen verschiessen würde, fielen diese Schüsse unter die Gniffke-Regelmäßig-Logik und damit nicht mehr auf. Dass sich die ARD-Spezialisten Klinkhammer & Bräutigam über die Ungleichbehandlung der beiden Staaten in der TAGESSCHAU beschweren (s. u.), liegt nur daran, dass sie die Seite 61 in Dr. Gniffkes Handbuch zum Thema „Wie Journalismus auch einfacher geht“ nicht gelesen haben. Da steht für jedermann lesbar: „Finden aber zum Beispiel Morde immer Mittwochs statt, macht es einfach keinen Sinn über sie zu berichten. Solche Morde sind zuverlässig und berechenbar. Sie nehmen jede Spannung aus den Nachrichten. Erst der ungewöhnliche Sonntags-Mord darf der relevanten Nachricht-Sendung über die virtuellen Lippen kommen.“ – Das Gerücht, Herr Dr. Gniffke würde demnächst eine Les-Bar in Hamburg eröffnen, wird aus Kreisen des NDR heftig dementiert. Ein ungenannter Redakteur soll aber hinter vorgehaltener Hand erklärt haben, dass Dr. Gniffke an einer Hör-Bar arbeite, jedenfalls habe er aus dessen Büro mehrfach das Wort UNERHÖRT! gehört.


Eingabe: Beschwerde wegen Nachrichtenunterdrückung /
US-Raketenstart/ 1.3.2016/ Antwort 30.3.16
 
Sehr geehrte Damen und Herren,

wieder einmal ein übliches Rechtfertigungsstück des Herrn Dr. Gniffke. Er manipuliert nicht nur Nachrichten, sondern auch seine Exkulpationen.
Wir hatten ausgeführt: 
"als Nordkorea am 7.Februar einen Mini-Satelliten in den Weltraum schoss, war die Empörung über diesen Raketenstart groß und fand ihren Niederschlag auch in den Sendungen von ARD-aktuell: Da Nordkorea erklärtermaßen an der Entwicklung einer Interkontinentalrakete arbeite, die einen Atomsprengkopf in die USA tragen könne, sei dieser Start ein Verstoß gegen Beschlüsse des Weltsicherheitsrats (eine Resolution im Jahr 2006 verbot Nordkorea alle Tests von Interkontinentalraketen). S. u.a.: 
http://www.tagesschau.de/ausland/nordkorea-waffenprogramme-101.html 
Nordkoreas Behauptung, es habe einen Forschungssatelliten ins All geschossen, der Raketenabschuss diene rein zivilen Zwecken, wurde gemeinhin als vorgeschoben verstanden. Berichtstendenz in der Tagesschau und in den Tagesthemen: Nordkorea stellt eine Gefahr für den Weltfrieden dar." 
Dazu Dr. Gniffke: 
„In ihrer E-Mail vom 01.03.2016 kritisieren die Herren Klinkhammer und Bräutigam die Berichterstattung von ARD-aktuell über den Start einer- nordkoreanischen Langstreckenrakete vom 07.02.2016. Die „Berichtstendenz" in „Tagesschau" und „Tagesthemen“ sei gewesen, dass Nordkorea eine Gefahr für den Weltfrieden darstelle. Zugleich kritisieren die Beschwerdeführer, dass ARD-aktuell am 26.02.2016 nicht über den Start einer US-lnterkontinentalrakete berichtet hat. 
Tatsache ist, dass der nordkoreanische Start einer Langstreckenrakete weltweit für Empörung gesorgt hat, nicht nur seitens der USA, sondern auch im Weltsicherheitsrat, bei den Regierungen von Russland, Japan und Deutschland - sogar Pjöngjangs Verbündeter China kritisierte den Start. Nordkorea verstieß ebenso wie mit anderen Raketentests eindeutig gegen UN-Resolutionen. Die von vielen Seiten formulierte Sorge, dass Nordkorea den Weltfrieden gefährden könnte, wurde in den Nachrichtensendungen von ARD-aktuell angemessen abgebildet und belegt keine „Tendenz“ unserer Berichterstattung,“ 
 
Bewertung: 
Im Gegensatz zu Herrn Dr. Gniffke wissen wir nicht, ob die nordkoreanische Rakete auch für militärische Zwecke tauglich war oder nur Forschungszwecken diente.  Aber das ist bei der Meldung nicht das Problem. Das Problem ist die totale Verzerrung der Bedeutung Nordkoreas: Es ist unsinnig, eine Weltgefährdung heraufzubeschwören bei einem Land wie Nordkorea, das nicht einmal in der Lage ist, die eigene Bevölkerung ausreichend zu versorgen. Von einer Weltgefährdung kann man erst reden, wenn Nordkorea über entsprechendes militärisches Potential verfügte und entsprechende Bündnispartner hätte. Das aber zu behaupten ist unsinnig, wie die Reaktionen der großen Staaten gezeigt haben. Es ist auch unsinnig anzunehmen, die USA seien nicht jederzeit in der Lage, ein paar nordkoreanische Raketen unschädlich zu machen. Wenn „prowestliche“ Politiker hyperventilieren, weil ihnen der Kurs Nordkoreas nicht passt, muss ARD-aktuell ihnen das durchaus nicht nachtun.
Hier zeigt sich erneut, dass es Dr. Gniffke und ARD-aktuell insgesamt an geostrategischem Hintergrundwissen fehlt. Kein Unterschied zu den kommerziellen MSM. Brzezinskis „Grand Chessboard“ über die Strategien der USA als „einzige Weltmacht“ nie gelesen geschweige denn verstanden. Simpler ist es, die von den „prowestlichen“ Nachrichtenagenturen übermittelten Feindbilder zu pflegen, damit die Rezipienten in der Heimat sich schön gruseln können. Es geht nicht um realistische Informationen, sondern – Dr. Gniffke hat es hier unübertroffen präzise dargestellt – um Empörungstransfers rund um die Welt. Also um die Weitergabe und Pflege transatlatischer Propagandaschablonen. Nicht um kühle Sachinformation.
 
Wir schrieben:
"Mit denkbar größter Diskretion, nämlich völligem Verschweigen, reagierte ARD-aktuell hingegen, als das US-Regime unter Machthaber Obama am 26. Februar 2016 eine Interkontinentalrakete des Typs "LGM-30 Minuteman“ über eine Strecke von 8000 Kilometern in den Südpazifik schießen ließ. Bei dieser Rakete handelt es sich zweifelsfrei um eine ausschließlich militärischen Zwecken dienende Entwicklung:
„Die LGM-30 Minuteman ist eine dreistufige US-Interkontinentalrakete, hergestellt von Boeing. Sie bildet den Kern der US-Atomstreitkraft. (...) Die Minuteman-Verbände sind Teil der US Air Force und unterstehen seit 2009/10 dem Air Force Global Strike Command.“
Dass der US-Raketenstart kein „Test“ sondern eine blanke Drohung gegenüber der VR China und der Russischen Föderation darstellte, wurde weltweit begriffen, nicht nur vom EhNaMag SPIEGEL und vom transatlantischen Hochglanz-Kampfmagazin STERN:
"Minuteman III: USA testen Rakete - klares Zeichen an Moskau und Peking“.
STERN:
„Das Verhältnis mit Russland ist angespannt, im Pazifik kommt es immer wieder zu Drohgebärden zwischen China und den USA. Nun hat Washington eine "Minuteman III"-Rakete getestet - sie kann mit Atomsprengköpfen bestückt werden.“
 
Und Dr. Gniffke? 
Versucht so simpel wie üblich drüberwegzutricksen und macht auf harmlos: „Die „Minuteman“-lnterkontinentalrakete wird nämlich regelmäßig getestet. Das US-Verteidigungsministerium sagt auch offen, warum: „Wir unternehmen ständig Testschüsse, um zu beweisen, dass die Raketen, über die wir verfügen, zuverlässig sind“, erklärte das Pentagon. Die Flugbahn der „Minuteman“-Raketen zielt in den meisten Testfällen in Richtung Südpazifik, es ist auch kein Geheimnis, dass sie mit Atomsprengköpfen bestückt werden könnten, dafür sind sie theoretisch gedacht.“
„SPIEGEL und STERN“, fraglos keine USA-Kritiker, erkannten und berichteten, wenn auch nicht sonderlich neutral, immer noch den Drohcharakter dieses Raketentests als Einschüchterung der VR China und Russlands.  Dr. Gniffke behauptet, er sei wie eine Art technischer Betriebsausflug in den Pazifik zu behandeln und nicht berichtenswert.
Mit Verlaub: Ein bemerkenswert unverschämter Verharmlosungsvesuch für einen Nachrichtenchef des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. 
Der freie Journalist Tilo Jung wollte in der Bundespressekonferenz von den Sprechern der Bundesregierung wissen, ob die Regierung die Atomraketentests der USA verurteile. Die Antwort war peinliches Schweigen. Immerhin unternahmen sie nicht einen dermaßen verlogenen Marginalisierungsversuch wie Dr. Gniffke.
https://www.youtube.com/watch?v=UzfUq-_lGy
Fazit: 
ARD-aktuell hat es absichtsvoll und in transatlantischer Gefolgschaftstreue unterlassen, ordnungs- und pflichtgemäß über den US-Raketenabschuss zu informieren. Zugleich hat ARD-aktuell eine umfassende Information darüber unterschlagen, dass der Regierung der Bundesrepublik Deutschland der moralische Anstand, das Rechtsbewusstsein, die Selbstachtung und die Souveränität fehlten, gegen den US-Raketenstart zu protestieren.
Dass die US-Pazifik-Drohung ein Verstoß gegen die UN-Charta war, ist unstrittig:„ Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt. (...)“
http://www.unric.org/html/german/pdf/charta.pdf
Herr Dr. Gniffke hat über den Vorgang offenkundig nicht berichtet, weil er eine wichtige Information bewusst und gezielt unterschlug. Im Vergleich mit Nordkorea ging es ihm ersichtlich darum, Feindbilder zu pflegen und transatlantische Freunde zu schonen. In seiner Stellungnahme versucht er, das zu verschleiern. Es fehlt ihm sogar der Anstand, Fehler einzuräumen; er lügt sich lieber heraus.  

Mit höflichem Gruß

F.Klinkhammer und V. Bräutigam


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. April 2016 schrieb Kurt Wolfgang Ringel:

Medien wollen dem Ruf gerecht werden

(Meine zwei Dialogfreunde unterhalten sich):

Kein: Was halten Sie vom Begriff "Lügenpresse?

Aber: Nichts! Nur geben sich viele Medien alle redliche Mühe, diesem Begriff gerecht zu werden.

Mit tü(r)ckischen Grüßen


Am 04. April 2016 schrieb Lutz Jahoda:

DIAGNOSE-SONG
(frühlingshaft munter vorzutragen)

Oh, wie schrecklich! Oh, wie klar!
Was nicht sein darf, ist nicht wahr.
Was nicht wahr ist, das darf sein.
Doktor Gniffkes Jagdlatein:
Schmerzhaft wie ein Nierenstein!


Am 04. April 2016 schrieb Klaus Madersbacher:

Einmal ist Nordkorea der Welt größter Hungerleider, einmal gefährdet es den Weltfrieden - für wie blöd halten uns denn die Dr. Gniffkes und Konsorten überhaupt? Könnten sich diese Herrschaften eventuell mit ihren transatlantischen Kapos darauf einigen, was Sache ist?
Und uns wenigstens nur für so blöd verkaufen, dass wir uns nicht ständig für noch blöder verkauft vorkommen müssen?

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