VW und Folter in Brasilien

Deutsche Sympathie für die Diktatur

Autor: U. Gellermann
Datum: 23. März 2015

Fast heimlich schlich sich jüngst eine Nachricht in das deutsche Medien-Unwesen ein: VW kooperierte mit der brasilianischen Militärdiktatur (1964 - 1985 ). Beim Bayerischen Rundfunk war diese Information zu hören, um 01.51 Uhr, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Quelle war die "Brasilianische Wahrheitskommission", jene vom ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva gegründete Organisation, die Verbrechen der Militärdiktatur aufarbeiten soll.

VOLKSWAGEN: Das Aushängeschild der deutschen Automobilproduktion eroberte schon ab 1953, unter Führung des ehemaligen Wehrwirtschaftsführers Heinrich Nordhoff, den brasilianischen Markt: „Wir sind arm und Amerika ist reich. Deutschland sollte deshalb dorthin folgen, wohin VW es führt – und nicht umgekehrt“. Und so folgte denn die Bundesrepublik dem deutschesten aller Automobilwerke in die Zusammenarbeit mit einem Folter-Regime, das vom amerikanischen Geheimdienst CIA inspiriert und unterstützt wurde. Gern half der VW-Sicherheitsdienst dem brasilianischen Geheimdienst bei der Jagd auf Gewerkschafter. Einer der VW-Verfolgten war übrigens Lula (ehemals Dreher), Brasiliens erster Präsident "von unten". Dass zeitweilig die berittene Polizei im VW-Hauptwerk von São Bernardo einquartiert war wurde in den Wolfsburger Akten wahrscheinlich unter dem Begriff Tierschutz abgelegt.

Während in Wolfsburg und São Paulo ein Käfer nach dem anderen vom Band lief, waren es immer mehr deutsche Kanzler, die durch Weg-Gucken und Mit-Wissen die Bundesrepublik zum Rang des Exportweltmeisters führten: Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl, sie alle gaben sich blind. Denn natürlich war die VW AG immer ein Laden unter staatlicher Kontrolle: Nicht nur wegen des hohen staatlichen Besitzanteils an der Aktiengesellschaft. Auch wegen des VW-Gesetzes, das dem deutschen Staat ein Veto-Recht einräumt. Und wer glaubt, die auch außenpolitisch wesentliche VW-Investition in Brasilien sei kein Thema deutscher Regierungen gewesen, der ist naiv.

Schon 1975 unterzeichnete der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher und sein brasilianischer Amtskollege Azeredo da Silveira ein Atomabkommen in Bonn: Im selben Jahr wurde in Sao Paulo der jüdische Journalist Vladimir Herzog zu Tode gefoltert. Als Bundespräsident Walter Scheel 1978, den brasilianischen Diktator Ernesto Geisel in Bonn begrüßte, quoll ihm dieser Satz aus dem singend Mund: ”Die Freundschaft zwischen Brasilien und der Bundesrepublik Deutschland kann als Modell für die Nord-Süd-Beziehungen dienen." Dass es den ehemaligen SA-Mann und späteren Bundespräsidenten Karl Carstens 1982 zu einer zehntägigen offiziellen Reise zur Militärdiktatur nach Brasilien zog, verstand sich aus dessen Biografie von selbst.

Zur Zeit zeichnet sich in Brasilien ein neuer Putsch-Versuch ab: Wie nach dem chilenischen 73er Modell, das die Folter-Junta unter Pinochet zur Folge hatte, marschieren Leute der "besseren" Gesellschaft durch brasilianische Straßen. Die gut genährten und gut gekleideten Gegner der Präsidentin Dilma Rousseff trommeln auf Töpfe und Pfannen, um einen Hunger zu imaginieren den sie nicht haben. Deutschen Medien, die fleißig und nicht ohne Sympathie über diese Demonstrationen berichten, fällt mit keiner Zeile auf, dass die "Hungernden" fast ausnahmslos weiß sind: Ein Rasse-Merkmal der Reichen.

Wenn die brasilianischen Demonstrationen mit der Unterzeichnung eines Abkommens über die Neue Entwicklungsbank der BRICS-Staaten (Vereinigung von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) durch den russische Präsidenten Wladimir Putin zetlich zusammenfallen, dann ist das ein kein Zufall. Soll doch diese Bank den genannten Staaten eine gewisse Unabhängigkeit vom IWF, also von den USA ermöglichen. - Für ein operatives Vorgehen zugunsten eines Putsches - Besetzung von Regierungsgebäuden und TV-Anstalten - verfügt die brasilianische Armee über "Spezialkräfte" in Brigadestärke, die in den USA ausgebildet und indoktriniert wurden. Für den schnellen Transport von Einsatzort zu Einsatzort besitzt das Heer 80 "Eurocopter" der deutsch-französischen Firma "Airbus Helicopter". VW würde seine Werkshallen diesmal nicht für Pferde räumen müssen.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 23. März 2015 schrieb Aleksander von Korty:

Die Zusammenarbeit des VW-Konzerns mit den brasilianischen Faschisten ist fast schon eine geradezu natürliche, zwangsläufige Angelegenheit. Schließlich ist der Konzern ein waschechtes, sozusagen rein arisches Kind, des deutschen Faschismus. Gezeugt vom Führer selbst. Er war es nämlich der auf der Automobilmesse am 8. März 1934 die Initiative zur Schaffung eines Volkswagens ergriff.


Und Ferdinand Porsche erhielt am 22. Juni 1934 den Auftrag ein familienfreundliches, sparsames Auto mit vier Sitzplätzen und für unter 1.000,- Reichsmark zu konstruieren.


Am 28. Mai 1937 wurde unter Aufsicht des Leiters der DAF Robert Ley dann die "Gesellschaft des Deutschen Volkswagens mbH", mit Sitz in Berlin, gegründet. Und Adolf selbst legte am 16. Mai 1938 den Grundstein für das VW-Werk bei Fallersleben. Der Ort heißt seit 1945 Wolfsburg!! Noch vor Kriegsbeginn liefen dann die ersten Käfer vom Band. Dann aber wurden sie nur noch für den Kriegseinsatz produziert und rasch war aus den familienfreundlichen Gefährt ein Wehrmachtstransporter geworden.



Doch viel interessanter als diese historischen Wahrheiten sind die heutigen politischen Konstellationen:



Seit längerer Zeit schon sind in Lateinamerika die einst zahlreichen faschistischen und Militärdiktatoren aus der Mode gekommen. Immer mehr `LINKS´regierungen haben sich dort breit gemacht und so entgleitet der einstige Hinterhof der GRINGOs immer mehr ihrem Einfluss. Von Präsident Monroes Doktrin: "Amerika den Amerikanern" ,will niemand mehr etwas wissen, denn er meinte natürlich Amerika (der Kontinent) uns Gringos. Und so versucht das Imperium mit aller Verzweiflung das Rad der Geschichte zurück zu drehen. Überall wird gezündelt. Insbesondere in den beiden bedeutendsten Ländern des südlichen Teiles des Kontinentes. In Venezuela, dem ölreichen und in Brasilien, dem aufsteigenden Schwellenland. 

Die Völker müssen auf der Hut sein, denn der angeschossene Tiger ist unberechenbar gefährlich.


Am 23. März 2015 schrieb Wolf Gauer:

Ein sehr schöner Beitrag, vor allem auch der Rückblick! Wer kennt heute noch Nordhoffs Namen und Vorlauf? Mercedes hat sicher ähnliche Helden vorzuweisen (die Diesel-LKWs von Daimler-Benz und dessen intensive Lobby erledigten u.a. Brasiliens Eisenbahnnetz).

Militärs: Es sieht heute so aus, dass die jüngeren Offiziere den USA äußerst skeptisch gegenüberstehen. Sie werden dort längst nicht mehr ausgebildet. Es gibt auch keine US-Basen in Brasilien; ein amerikanischer Weltraumbahnhof im Staat Maranhão wurde (von Lula) ebenfalls abgeblockt. Der Ruf nach den Militärs fand keinerlei Echo in den Kasernen, illustriert aber die krude Weltsicht so mancher Arrivierten.
Die Luftwaffe kauft in Schweden ein, sehr unbeherrschte Reaktionen Washingtons waren die Folge. Wenn es zu einem "regime change" kommen sollte, dann mit weißen Handschuhen. Mit umgedrehten, gekauften Abgeordneten und gut unterfütterten Demos satter Notleidender...legaliter!

Die ernsthafte innenpolitische Diskussion, besonders unter den Linken, dreht sich inzwischen nicht mehr um ein impeachment der Präsidentin sondern um die typisch sozialdemokratischen Fehler in 12 Jahren sozialistischer Regierung. Und da ergibt sich eine lange Latte...


Am 23. März 2015 schrieb Manfred Ebel:

Lieber Hans Jon,
wem hat denn Ihrer Meinung nach das gehört, was Sie mit "VOLKS-Eigentum" zitieren, wer sonst ist denn solidarisch, wenn nicht das Volk? Aber Sie legen ja zu Recht den Finger in die Wunde: Es ist Zeit, all diese Worte mit realem Leben zu erfüllen und sie denen zu entreißen, die diese wunderbaren Worte missbrauchen.
Nicht die Worte sind LÜGEN-WORTE sondern deren Verfälscher sind LÜGNER.
Es sind unsere Wörter - her damit!


Am 23. März 2015 schrieb Hans Jon:

Alles "LÜGEN-WORTE":
VOLKS-Wagen, VOLKS-Sturm, VOLKS-Armee,
VOLKS-Herrschaft, VOLKS-Republik, VOLKS-Solidarität, VOLKS-Kommissar, VOLKS-Gemeinschaft, VOLKS-Bildung, VOLKS-Eigentum, VOLKS-Vertreter usw. ... "DEM DEUTSCHEN VOLKE".


Am 23. März 2015 schrieb Manfred Ebel:

Dieser Artikel beschreibt die Praxis zum Artikel "Neue Terror Einheit", die direkte, unmittelbare, brutale Praxis.

Zur Ergänzung und Erinnerung: EDEKA, gegründet 1898 als EdK, heißt ausgesprochen "Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler".


Am 23. März 2015 schrieb Lutz Jahoda:

Noch tönt es aus dem Schwabenländle:
"Es ischt halt nichts so fein gesponne:
esch kommt doch ans Licht der Sonne!"
Dem kann ich nur entgegenhalten: Vorsicht, Messlattenhalter mit dem Slogan "Das Beste oder nichts"! Eure Vergangenheit enthält auch so Einiges!


Am 23. März 2015 schrieb curti curti:

Der oberste Wert der vielbeschworenen "Wertegemeinschaft", die einzig tatsächliche Religion, ist die des Geldes. Dem hat sich alles unterzuordnen, wie man tatgtäglich zigfach auch hier in D erleben kann. Und überall dort wo dieses Triebmittel an erster Stelle steht, gibt es zunehmend keine Schranken gegenüber all dem, was anrüchig sein soll. Sogar wenn das Ertragsumfeld verwesend zum Himmel stinkt, gilt weiterhin "Pecunia non olet". Ein Gewissen kann man sich da nicht leisten, ist quasi unbezahlbar!


Am 23. März 2015 schrieb joe bildstein::

Die deutschen Autobauer habe schon immer viel schmutzige Waesche gewaschen.
Fuer die stille Abendstunde empfehle ich das Feature von Gaby Weber, wie Eichmann jahrelang bei Mercedes Benz in Argentinien arbeitet und erst als er den Mund aufmachte ausgeliefert wurde.

http://www.gabyweber.com/dwnld/artikel/eichmann/german/angebliche_Entfuehrung.pdf

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