Von FAZ bis TAZ

Kein Arschloch, niemand und nirgendwo

Autor: U. Gellermann
Datum: 02. Juli 2018

Manchmal ist man versucht, miesen Journalismus nur im öffentlich-rechtlichen Sektor zu sehen. Falsch. Manchmal grault man sich vor dem dubiosen Wort Lügenpresse. Falsch. Zwei Beispiele, die für jede Menge anderer stehen, belegen mit schwer gebogenen Balken, dass die widerliche Sorte der Konzern-Lohnschreiber und ihr angeblich alternativer Nachwuchs jederzeit die „Tagesschau“ noch toppen kann.

Die FAZ (Frankfurter Allgemeine) vom letzten Samstag erzählt mit ihrer Überschrift "Jobs ohne Ende: Wo Vollbeschäftigung längst Realität ist" von einem Land der echten Wunder. Keine Flaschensammler mehr an den öffentlichen Müll-Eimern. Keine Obdachlosen mehr in Parks und unter Brücken. Kein Streit mehr, wer denn die Reste nach Schluss der Wochenmärkte aus dem Dreck klauben darf. Keine Bettler mehr auf Deutschlands Straßen und Plätzen. Im Land brutalstmöglicher Vollbeschäftigung toben Firmenchefs durch die Gegenden, um die letzten Arbeitswilligen einzufangen. Arbeitsunwillige werden mit vorgehaltener Pistole in Fabrikhallen gezwungen, in denen sich zu viel Personal gegenseitig auf die Füße tritt. Bei Headhuntern und in Job-Centern herrscht eine Ruhe wie sonst nur auf Friedhöfen. Weinend und auf Knien rutschend betteln Personaler Passanten an: "Arbeiten Sie bei mir, bitte, bitte, lieber Herr, liebe Damen, wenn Sie doch gütigst bei mir eine Arbeit aufnehmen könnten!" Der Arbeitsminister hat verzweifelt beschlossen selbst zu arbeiten, um der Wirtschaft aus ihrer ausweglosen Lage zu helfen. Alle Menschen in Deutschland spielen vollbeschäftigt, um der FAZ eine Inszenierung zu liefern, die deren Überschrift einen Hauch von Wirklichkeit verleihen könnte.

Der Trick der FAZ, um ihrer Überschrift eine dünne Tünche von Wahrheit zu verleihen, ist es, irgendeinen Landkreis (Eichstätt) zu finden, in dem so lange an den echten Zahlen rumgerechnet wurde, bis sie zu den Lügen der FAZ passen.

Die TAZ (Tageszeitung) von der letzter Woche hat diesen überrageden Satz in die westliche Freiheit der Nachrichtenmärkte geblasen: "Wieder führt Syriens Regime einen erbarmungslosen Eroberungskrieg". Und ja: Bis nach Berlin ist das Klirren syrischer Panzerketten zu hören, die den friedlichen türkischen Boden umpflügen. Von syrischen Drohnen weiß man, dass sie mit Vorliebe ganze Hochzeitsgesellschaften in Poughkeepsie und anderen beschaulichen Orten der USA umbringen. Längst haben die mörderischen syrischen Truppen auf ihrem Eroberungsfeldzug die Grenzen Israels überquert, um von dort aus Raketen in alle Welt zu feuern. Syrische Tornado-Aufklärungsflugzeuge kreisen am Himmel von Berlin, um die Bombenfrachten verbündeter Luftflotten punktgenau über dem Kanzleramt abzuwerfen. Der syrische Geheimdienst ist fraglos für das Gift-Attentat auf den ehemaligen russischen Geheimdienstler Skripal verantwortlich. Man darf sicher sein, dass dieser Mordanschlag nur der erste Schritt Assads war, um wenig später Königin Elisabeth zu ermorden und sich selbst auf den Thron Großbritanniens zu setzen. Erste syrische Aufklärungsboote wurden vor der australischen Küste gesichtet. Auch in den Beuteln einzelner Kängurus konnten syrische Handgranaten nachgewiesen werden. Alles nur, damit sich die Republik Syrien demnächst zum eigentlichen 5. Kontinent ausrufen kann.

Der Trick der TAZ, um ihren Satz vom syrischen Eroberungskrieg mit dem Schein von Redlichkeit zu krönen, ist ganz einfach Der TAZ-Redakteur schaltet sein Resthirn komplett aus und hofft inständig, dass seine Leser auch keine lebenden grauen Zellen mehr haben.

Dringend wartet die Welt auf jenes Münchner Amtsgericht – in Reichweite der "Süddeutschen Zeitung" – das, spezialisiert auf Beleidigungsklagen, nachweisen wird, dass Begriffe wie "Arschloch" nie und nimmer auf Redakteure von FAZ oder TAZ oder überhaupt auf Redakteure von Zeitungen oder TV-Sendern anzuwenden sind. Denn die Freiheit der Presse, jeden Schwachsinn zu verbreiten, muss bis auf den letzten Tropfen juristischer Hirnflüssigkeit verteidigt werden.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 07. Juli 2018 schrieb Ernst Blutig:

Der Film "Idiocracy" aus dem Jahr 2006 nimmt langsam, gespenstisch realisierte Züge an. Und zwar nicht nur in den USA, sondern auch und vor allem in Deutschland.

Kurz zur Info:
Mann wacht aus Kälteschlaf in der Zukunft auf. Die gesamte Gesellschaft ist komplett verblödet und zu fast gar nichts mehr in der Lage, ausser formalistisch infantil Regeln und Rituale auszuführen, die fast ausnahmslos dem Konsum dienen. Der in der Gegenwart noch völlig durschnittlich begabte Mann ist in dieser dystopischen Zukunftsgesellschaft nunmehr der mit Abstand intelligenteste Mensch auf Erden.

https://www.rottentomatoes.com/m/idiocracy/


Am 03. Juli 2018 schrieb Ronald Wolf:

Konzernlohnschreiber ! Lieber Uli, Dir gebührt der Nobelpreis für die genaueste Beschreibung von Arschlöchern,ach so darf man nicht schreiben...
Danke für so eine brillante Glosse. Bei den Fakten könnte man kotzen, wenn nicht diese wunderbare wütende Satire wäre.
Da sagt man sich, es lohnt sich zu kämpfen und nicht zu verzweifeln.
Danke und Grüße aus dem Vogtland


Am 02. Juli 2018 schrieb Harry Popow:

Bravo für diese herrliche und auf den Punkt gebrachte Satire. Richtig Deutsch: Die Durchführungsbestimmung zur Entleerung der Hirne ist im Interesse der kapitalen Raubvögel im vollen Gange. Was sich einst in gut gepolsterten Nestern richtig satt fühlte, ist seit 1989 dem freien Fall überlassen. Das ICH im neoliberalen Sumpf! Im kopflosen Zustand! Wenn das nicht zukunftsträchtig ist! Danke lieber U. Gellermann


Am 02. Juli 2018 schrieb Lutz Jahoda:

DEMOKRATIE BRAUCHT DENKENDE BÜRGER!
VOLKSFRONT GEGEN VERSTANDSABWÜRGER!

WARNUNG UND AUFRUF

Pressefreiheit gestattet auch Reitern,
auf eurogestaltetem Niedrigparcours,
für FAZ und TAZ, den Moralüberschreitern,
Märchenerzählern und Bosheitsverbreitern,
die sattsam bekannte Verdummungskur.
Drum hisst die Flagge der Giftquarantäne
auf all die verseuchten Kriegstreiberkähne!


Am 02. Juli 2018 schrieb Karola Schramm:

Nur noch als Glosse zu beantworten:

"Alles sehr, sehr schlimm," diagnostiziert U. Gellermann, "die Medien sind nicht mehr zu retten. Sie liegen in den letzten Zügen. Komatös nehmen sie die Wirklichkeit nicht mehr wahr.
Nun ist Ursachenforschung angesagt. Was hat diese Medien so krank gemacht? Welche Bakterien oder Viren sind dafür verantwortlich? Kennt man sie überhaupt? Es wird geforscht und gesucht. Dann der Durchbruch: Es ist die Merkelritis, die ausgebrochen ist. Ein altes, fast vergessenes Virus aus der alten Heimat der Kanzlerin, DDR, hat sich selbständig gemacht und aktiviert. Selbstherrlichkeit und Egozentrismus sind die Symptome, die jedes mehrdimensionale Denken verhindern.
Es nimmt das gesamte Denken und Handeln in Beschlag, kann nicht mehr abwägen zwischen gut und böse, falsch und richtig. Bei der Merkelritis, die hoch ansteckend ist, ist der ganze Mensch betroffen und die, die Umgang mit ihm haben, werden nach einer Inkubationszeit von vier Wochen ebenfalls unheilbar krank, es sei denn, sie verlassen vorzeitig diese krankmachende Umgebung und begeben sich in Quarantäne. Erst danach sind sie wieder fähig, in der Öffentlichkeit zu sein und einer normalen Tätigkeit nachzugehen. Auch als Journalist, der dann immun ist gegen diese neue Krankheit, die insbesondere gerne Politiker und Medienschaffende, TV, Radio, Print-und Internet, befällt.

Nur so kann ich mir das Verhalten von TAZ und FAZ-Redakteuren und anderen erklären.

Das böse Wort "A-Loch" ist zu schwach, um diesen Sachverhalt erklären zu können. Vielleicht deshalb die Strafe des Gerichtes? :-)

Es braucht ein besseres, treffenderes Wort für diesen Zustand der Merkelritis, die sich in deutschen Medien ausgebreitet hat.. Kranke Leute kann man nicht mit A-Loch beschimpfen. Das passt nicht. Vielleicht passt ja "Wurmfortsätze" der Merkelschen, neoliberalen Kriegsagenda. Sie sind leicht entzündbar und können viel Unheil anrichten.

Antwort von U. Gellermann:

Die Profite der Medien-Insustrie (Bertelsmann, Springer, etc.) sind nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben total gesund. Und die TAZ-Redakteure wollen offenkundig auch mal so gesund werden.


Am 02. Juli 2018 schrieb Helene+Ansgar Klein:

Schärfer kann man die "die westliche Freiheit der Nachrichtenmärkte" nicht blos stellen!


Am 02. Juli 2018 schrieb Johannes M. Becker, Privatdozent Dr., Friedensforscher:

Excellent!
Merci bien!


Am 02. Juli 2018 schrieb Eva Schreiber:

Eine gute Skizze der de Medien im Land. Die Unterscheide zwischen TAZ und FAZ gibt es schon lange nicht mehr


Am 02. Juli 2018 schrieb Andreas Schell:

Ins Bild passt die Schließung des Forums der TAZ bis Donnerstag unter dem Vorwand, die Software erneuern zu müssen. Das kennt man von der ARD, die regelmäßig auf tagesschau.de einen Shitstorm für ihre Propagandamärchen zu ertragen hätte, gäbe es nicht die Schranke "Kommentierung der Meldung geschlossen". Wir sind mitten in der Zukunft.

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