Von der Freiheit im Kapitalismus

Von der Freiheit Gebrauch machen, um sie zu erreichen

Autor: U. Gellermann
Datum: 03. November 2016
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Buchtitel: Die Freiheit nehm ich Dir
Buchautor: PATRICK SPÄT
Verlag: Rotpunktverlag

Welch eine bittere Ironie: Mit seinem Buch-Titel „Die Freiheit nehm ich Dir“ dreht Patrick Spät einen älteren Slogan der Visa-Card rum. Die Karte versprach ihrem Nutzer, er könne sich mit dem Stück Kunststoff „seine“ Freiheit nehmen und war doch für viele nur die Perspektive auf eine Konto-Überziehung, ein Verspechen auf Konsum-Freiheit, die Patrick Spät nur als Gefängnis für die Mehrheit der Teilnehmer am Warenverkehr begreift. Auch deshalb ergänzt er in der Unterzeile: 11 Kehrseiten des Kapitalismus. Die Vorderseite des Systems beschreibt er als durchaus funktionierend: „Für die Banken und die Reichen“. Und er verspricht hoffend: „Der Kapitalismus ist von Menschen gemacht und deshalb kann er auch von Menschen überwunden werden.“

Von einem fortwährenden Raub schreibt der Autor, wenn er an die Aneignung von Wasser- und Land-Rechten erinnert, jenes frühere Gemeineigentum, dass sich dann der Adel angeeignete hatte. Ein Raub der andauert. Konzerne wie Nestle stehlen heute das Wasserrecht der Armen, um ihr Flaschenwasser mit großem Marketingaufwand unter die Leute zu bringen.

Und beim Landgrabbing, dem Raub von landwirtschaftlichen Anbauflächen, vornehmlich in Afrika, sind es ganze Staaten, die den Beutezug organisierrn: Katar hat sich mal eben 40.000 Hektar in Kenia angeeignet, China erwarb in der Demokratischen Republik Kongo 2,8 Millionen Hektar Land. Die fetten Schwarzerdeböden der Ukraine werden, über die Londoner Börse, mit Hilfe von transnationalem Kapital in den Schlussverkauf gebracht. Viel feiner, berichtet Patrick Spät, verläuft die Enteignung über die Banken: Erst geben sie Kredite zum Erwerb von Eigentumswohnungen, dann, sobald die Käufer in Verzug geraten, geht die Wohnung an die Bank. Allein in Spanien wurden eine halbe Million Zwangsräumungen vollstreckt. Selbst in Berlin werden jeden Tag 22 Wohnungen zwangsgeräumt.

Da hatte man einst gedacht, städtisches oder staatliches Eigentum sei irgendwie im Besitz der Bürger. Doch spätestens seit die Schröder-SPD die Parole ausgab, dass die Privaten alles besser können als der Staat, wurden Krankenhäuser privatisiert, Wasserbetriebe verschleudert und größere Einheiten wie die Post unter die Aktionäre gebracht. Am Beispiel der Telekom, dem Telefonzweig der einstigen gelben Post, kann jeder selbst kontrollieren, dass weder die Vielzahl der Tarife und noch die Unzahl der Gesellschaften dem Verbraucher irgendeinen Vorteil verschafft hat. Zwischen 1982 und 2005, schreibt Spät, sank die Zahl der staatlichen Betriebe von 985 auf 109. Um bei der privatisierten Post zu bleiben: Dort ging die Zahl der der Filialen von 29.000 auf 13.000 zurück. Gleichzeitig verloren seit 1990 über 16.000 Menschen ihre Arbeit bei der Post. So geht Privat vor Staat. Die Arbeitslosen werden dann gern wieder vom Staat übernommen, als Hartz IV-Empfänger.

Grenzenlos frei macht auch die Arbeitsproduktivität: Was im Ergebnis von vielen Arbeiter- und Ingenieur-Generationen als technischer Fortschritt die Arbeit fraglos erleichterte, wird, obwohl natürlich kollektiv erarbeitet, privat angeeignet und gegen die eigentlichen Produzenten eingesetzt: Das Statistische Bundesamt erzählt uns, dass die Produktivität je Arbeitsstunde allein zwischen 1991 und 2001 um 34,8 Prozent gestiegen ist. Im Wesentlichen wurde diese Produktivität in neue Maschinen, die weitere Kollegen überflüssig machen, investiert. Wenn sie nicht gleich, ganz typisch in der deutschen Automobilindustrie, für die Produktionsverlagerungen in Billig-Lohnländern investiert wurde. Aber natürlich kann auch in Deutschland der Billiglöhner bequem hergestellt werden: Ein Viertel aller Erwerbstätigen in Deutschland arbeitet inzwischen im Niedriglohn-Sektor, die Zahl der Leiharbeiter wächst jedes Jahr. Die sozialen Kosten trägt „der Staat“ jenes von Steuergeldern alimentierte Wesen, aus dessen Kasse Arbeitslosenhilfe, Zuschüsse bei Krankheit und Umschulungen aller Art bezahlt werden.

Am Beispiel des Irak erklärt Spät, wie nützlich Kriege für den Kapitalismus über den Waffen-Export und den Rohstoff-Raub hinaus sind: Jede Menge irakischer Betriebe wurden nach dem offiziellen Kriegsende privatisiert, eine halbe Million Staatsangestellte wurde entlassen, die Besteuerung von Kapitalgesellschaften sank von 45 auf 15 Prozent, und als äußeres Kennzeichen für den Machtwechsel wurde in Bagdad flugs die erste McDonald´s Filiale eröffnet. Da hat der GI doch nicht umsonst gekämpft. Wenn der Autor dann noch erwähnt, dass der weltweit größte Konsument von Erdöl das Pentagon ist, dass die US-Streitkräfte täglich 50 Millionen Liter Erdöl verbrauchen, wird die Logik des imperialistischen Krieges überdeutlich: Man führt Kriege, um sich Erdöl anzueignen, und die Kriegsmaschine verbraucht dabei so viel Erdöl, dass der nächste Rohstoff-Krieg um so dringender wird.

Die Perversität des Kapitalismus verlangt gebieterisch nach seinem Ende. Das wird nicht von allein kommen: Uns vom Elend der Profit- und Kriegsmaschine zu erlösen, „können nur wir selber tun“. So jedenfalls steht es in einem alten Lied. Und wenn, wie Patrick Spät aufschreibt, „inzwischen jeder dritte Deutsche glaubt, dass der Kapitalismus zwangsläufig zu Hunger und Armut führt“, dann wäre es dringend an der Zeit, die Verhältnisse zu ändern. Man muss schon von der Freiheit Gebrauch machen, wenn man sie erreichen will.

Patrick Spät liest aus seinem Buch
"Die Freiheit nehm ich dir"
Am 08-11-2016, 20:30 Uhr

Im Berliner Buchhändlerkeller

Carmerstaße 1 
10623 Berlin - Charlottenburg 
Moderation: Michael Schneider



Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 07. November 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Ich möchte hier noch eine so aufschlussreiche wie aufwühlende amerikanische Doku (deutsch synchronisiert) empfehlen, die ich auf Youtube gefunden habe.
https://www.youtube.com/watch?v=A5QxznrET6Y
Sie ist schon älter, von 2005 und einiges was damals angedeutet wurde, ist inzwischen eingetroffen.
Da wird das Wirken mächtiger Kapitaleliten durch mehrere Jahrhunderte beschrieben und mit Schriftzeugnissen und Tondokumenten untermauert. Ich höre schon die Rufe: "Verschwörungstheorie" und "verkürzte Kapitalismuskritik".
Sie ist aber nicht verkürzt, das System des Kapitalismus wird gebrandmarkt, aber die persönlich Hauptverantwortlichen werden dabei nicht aus der Verantwortung genommen. Ihre Religion ist kein Thema auch Nationalismus wird deutlich verurteilt, die Abschaffung der Nationalstaaten aber wird als ein betrügerisches Ziel der Eliten entlarvt.
Wenn schon der geschichtliche Rückblick spektakulär ist, der Schluss ist die Krönung.
Man soll sich ja dennoch nicht entmutigen lassen, denn das Unbesiegbarkeitsimage des Kapitalismus ist ein Teil der Taktik, aber man sollte so gut wie möglich wissen, mit was und wem man es zu tun hat. Und im Übrigen wachsam bleiben.


Am 07. November 2016 schrieb Franz Biberkopf:

Und morgen kann man mit dem Autor reden. Ich bin dabei!


Am 07. November 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Hinter all dem steckt eine personell ziemlich kleine Gruppe, die mindestens seit Beginn des letzten Jahrhunderts das Ziel verfolgt, die Welt aufzukaufen und dann zu beherrschen. Das bedeutet nicht, dass diese Eigenschaften und Möglichkeiten nicht potenziell in allen Menschen stecken würden, aber hier haben sie sich konzentriert und die Allgemeinheit, die deswegen auch mit dafür verantwortlich ist, hat das zugelassen aus Bequemlichkeit, Opportunismus, Angst, Leichtgläubigkeit, und schlichter Dummheit. Über umso mehr Macht und Mittel sie verfügen, umso schwerer ist es, gegen sie vorzugehen. Dies als Erwiderung an Linke, die meinen, sich im Kampf "gegen Nationalismus" mit dem Kapital vorrübergehend verbünden zu können. Absurd ist das vor allem , wen man es so sieht, dass dieses ja den Rechtsruck vorher maßgeblich aufgebaut hat um einem wirklich linken Europa vorzubeugen.
Als ob die Linken nach Verschwinden der Nationalstaatendann einfach sagen könnten: Tschüss, war nett mit euch - und jetzt gehen wir mal wieder Richtung Sozialismus und sind nun wieder Feinde!?!
Neulich schrieb hier irgendwo jemand von einer Warnung. Der nächste Faschismus werde im Gewand des Antifaschismus daherkommen
. Ich kenne dies als Zitat von Adorno
Man kann hinzufügen: . Und die Intoleranz wird sich als Kampf um Toleranz maskieren. Man kann viele Beispiele dafür beobachten und es gibt in Brüssel auch schon ein entsprechendes Gesetz, das dubiose "Toleranzgesetz",das uns in Zukunft auch blühen wird, wenn wir es nicht verhindern.
Es ist letztlich genau wie "Krieg ist Frieden". Wir sind gefordert selbständig wach und kritisch zu denken und auch auf unser Bauchgefühl zu hören
. Warum werden die Dinge von der PR so verdreht?
Weil es so am einfachsten und billigsten für die Eliten ist. Optimalerweise wünschen die Bürger ihre Diktatur selbst herbei und dazu kann man sie schon bringen.Von links oder von rechts?
Von überall, je nachdem, was sich strategisch gerade anbietet. Man kann auch rechts Angst machen und die Leute flüchten einem nach links in die Arme, so wie man es früher oft umgekehrt gemacht hat.
Das ist eine große Verschwörungstheorie, aber es findet sich immer mehr, einschließlich seriöser Quellen, das dafür spricht.
Einen wichtigen Teil ihrer Arbeit lassen die Strategen der Eliten leider von den Linken erledigen, das spart ihnen Kosten und Zeit.
.Niemand ist bei der vom Großkapital erstrebten Abschaffung der Nationalstaaten, dem nächsten Schritt, ein willigerer Helfer als die Linken, obwohl ihr Konzept von einem basisdemokratischen Europa,das Allerletzte, das die Eliten wollen,.
überhaupt keine Fortschritte zeigt.

Während die Mächte in Brüssel zur Übernahme bereit, gewieft und bestens präpariert sind, kann man tragende linke Alternativstrukturen mit der Lupe suchen. Was, welche Gesellschaftsstrukturen also wollen sie an die Stelle der Nationalparlamente setzen, wenn die Nationalstaaten abgeschafft werden?
Wenn überhaupt verfügbar, wären das dann nicht viele kleine untereinander auch noch (gefördert) uneinige Parzellen, gegen die eine starke Zentralmacht in Brüssel sich mit Leichtigkeit durchsetzen könnte?
Die ganze forcierte anti-nationale Kampagne, das hirnlose "bloß so schnell wie möglich weg"- von allem Nationalen scheint mir höchst verdächtig. Böse Buben wie die AfD, auch von den Medien ja kräftig so dargestellt , ob in dem Maß wahr oder nicht, helfen dabei, die Angst vor rechts
zu schüren, die als Rechtfertigung für die Abschaffung der Nationalstaaten, gebraucht wird.
Einige "Antifaschisten" (?)mit denen ich sprach, nehmen sogar im Zweifelsfall lieber die Konzerndiktatur in Kauf. Bloß nicht völkisch. Das freut natürlich die Eliten. Könnte von ihnen stammen.

Vielleicht ist es letzlich Geschmacksache, ob man lieber patriotisch gefärbt ins Archaische zurückfällt oder mit implantiertem RFID-Chip (Klaus Kleber hat ja schon mal einen Probe getragen und versichert, dass das gar nicht weh tut)
in einer neofeudalen internationalen Hightech-Diktatur ein beziehungs- und kulturbefreites Sklave-Konsumenten Dasein fristet.
Die zweite Seite scheint mir aber jedenfalls die Stärkere, das Nationalistische wäre wohl nur ein Zwischenspiel.
Ob jene Linken wissen, was sie da helfen aufzubauen? Rechte machen sich das zunutze, was Linke (bis auf ein paar Ausnahmen) nicht sehen wollen und wo sie dann wiederum nicht hinhören, weil es ja "Rechte" sagen!
Ja, die PR der Eliten funktioniert wirklich genial. Kein Wunder, dass sie sich allmächtig vorkommen.


Am 06. November 2016 schrieb willi uebelherr:

Ein wirklich guter und schoener text. So wie es Irene Volkmann in ihrem kommentar beschreibt. Solche texte mit klarer perspektive helfen.
Die Vernunft und Rationalitaet und Logik, die Radikalitaet und Aestethik sind unsere begleiter.


Am 03. November 2016 schrieb Manfred Ebel:

Zwei Sachverhalte:
Wer gesunden Zweifel an den Arbeitslosenstatistiken hat (ja, der Zweifel ist unbedingt gesund), kann die Statistik ja mal andersherum bemühen: Man kann relativ leicht die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter ermitteln. Ebenso finden sich schnell Zahlen von tatsächlichen Arbeitsverhältnissen, auch nach Einkommen geordnet. Was ist mit den Arbeitsfähigen, die nun als Differenz übrigbleiben? Ich verspreche, dass diese Art unvoreingenommene Analyse ungeahnte Erkenntnisse bringt.
Wenn in der Rezension die Machenschaften der Banken angesprochen werden, auch hier eine Ergänzung: In den Finanzämtern macht sich systematisches Erpressertum breit. Leute, die irgendwann mal Einkommen außer Lohn/Gehalt hatten, werden kurz vor Ablauf der Frist "Betriebsprüfungen" unterzogen. Dabei führen absurdeste Unterstellungen zu astronomischen Steuernachforderungen, die der "Steuerpflichtige" zu entkräften hat, was meist unmöglich ist. In der Folge, werden Konto, so vorhanden Lohn, Häuschen, ... gepfändet - sprich an den Staat übereignet und der Mensch in die Armut gepresst.
Die "Perversität des Kapitalismus" ist grenzenlos. Danke, Uli, für die Rezension.


Am 03. November 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Vielen Dank für die Buchempfehlung. Ein gesamtgesellschaftlicher Bereich, der oft nur unter ferner liefen genannt wird, muss hier unbedingt Erwähnung finden, weil eben genau dort, wo Menschen in ihrer Hilflosigkeit, weil alt und krank , der Privatisierung zum Opfer fallen, den Pflegeeinrichtungen und den ambulanten Pflegediensten im Zuge der Privatisierung Tür und Tor geöffnet wurden. Das Menschen als Kunden, Gäste an gesehen werden, die selbstbestimmt und eindeutig wissen was sie wollen, grenzt an Pipi Langstrumpfs Art zu leben. Kaum ein Bereich bietet soviel Fläche ,wie der Bereich, selbst bestimmtes Leben, was ja letzendlich bedeutet , Menschen alleine mit ihren Krankheiten, Sorgen und Nöten in den Pflegeeinrichtungen der privaten Trägerschaften zu lassen.
Sie nennen es selbstbestimmtes Leben im Alter. Bei genauerer Betrachtung ist es nichts anderes als "Sieh zu, wie du klar kommst." Der wirkliche Bedarf, was die alten und oftmals kranken Menschen brauchen wird nicht ermittelt, weil es Privatsache ist. Und sind keine Freunde, Familie, Bekannte da, ist es ein, wie mir gesagt wurde: " nicht" enden wollender Albtraum." Diese Menschen brauchen Hilfe ,und wollen nicht wie ein Kunde, der Brötchen beim Bäcker holt, behandelt werden, Es geht um die existenziellen Lebenssituationen unserer Alten, und nicht um einige dieser verkommenen Investoren, die sich haben genau ausrechnen lassen, wieviele alte Menschen in naher Zukunft in die Pflegeeinrichtungen kommen werden. Erst werden hohe Gewinne aus den Heimen rausgezogen ( womit werden die wohl erwirtschaftet ?) um dann über Stiftungen, Spenden und Zustiftungen, die Situation, sowie die Kreativität, und das Engagement, was immer das heißen mag, der Mitarbeiter in der Pflege zu finanzieren, sagen Investoren, wenn sie zu Neustrukturierung und Modernisierung befragt werden, weil das vorherige Modell als völlig unzureichend im Bereich Pflege erkannt wurde, allerdings nicht von den Betreibern, sondern von Pflegekräften, von Bewohnern, von Angehörigen, selten aber manchmal, wenn es sich nicht mehr vertuschen lässt, auch über die Medien.
So ist von körperlicher Gewalt die Rede, von Freiheitsentzug, von mangelnder Hygiene, von Dekubitus (offene Wunden, man spricht von Liegewunden, die oftmals auftreten,wenn der kranke Mensch nicht regelmäßig gedreht wurde), von Austrocknen, weil ein zuwenig an Flüssigkeit, Unterernährung, Vereinsamung, mangelnde Kommunikation, auf sich alleine gestellt..Zeit gibt es nicht, außer für die Leistungen, die der Bewohner "eingekauft" hat. Diese seltsame Mischung Pflegekassengeld, je nach Pflegestufe, Eigenanteil, in dem sogenannte "Hotelkosten", Unterkunft und Verpflegung und die Investitionskosten vom Bewohner zu tragen sind. Ein Doppelzimmer in einer der vier Einrichtungen, in der Stadt, wo ich lebe, eines privaten Betreibers mit ca. 110 Bewohnern wird ein Bewohner, der die Pflegestufe III hat, begutachtet durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MdK), oft nur durch Einsicht in die Dokumentationsmappe, und nur wenige Augenblicke für den tatsächlichen Menschen da sind, zeigt die Bedeutung des Menschen im Pflegesystem mehr als deutlich. Die Gesamtkosten für den Aufenthalt belaufen sich monatlich, in dem Fall für November 2016, 3.263,15Euro. Der Eigenanteil des Bewohners ist 1.651,15Euro. Für die Verpflegung fällt ein verschwindend, geringer Anteil an, nämlich 146,62Euro, und für die Unterkunft sind 385,12Euro fällig. die sogenannten Investitionskosten, die natürlich von jedem Bewohner, jeden Monat getragen werden müssen belaufen sich auf 486,72Euro. Ich arbeite mich momentan durch, wie dieses zu werten, und wofür diese dubiosen Investitionskosten denn nun eingesetzt werden. Den Bewohnern fehlen durch diesen Posten altersgerechte Lebensmittel auf seinem Teller. Frisch, abwechslungsreich, gesund, knackig, und vor allem lecker. Frisches Obst ? Fehlanzeige. Wenn ein Bewohner nicht auf Kommando trinkt, wenn ihm das Getränk angereicht wird, dann ist das seine freie Entscheidung, irgendwann wieder ausgetrocknet im Krankenhaus zu landen. Es ist ein Skandal. Die Pflegekräfte arbeiten am Limit und darunter. Das wirklich perfide ist: Alle haben Eltern, Großeltern, und genau dieses wird von den Sklaventreibern genutzt, um noch mehr aus den zum Teil völlig überforderten Pflegekräften heraus zu pressen, und die Angst um den Arbeitsplatz lässt sie schweigen, und arbeiten. Eine Momentaufnahme. Ein Tropfen auf den heißen Stein, und das "Spitzchen" des Eisberges ist hier aufgeschrieben. Von den Milliarden, die in dunklen, legalen Kanälen verschwinden, von Komapatienten, die trotz Patientenverfügung mit der Hochleistungsmedizin am Leben erhalten werden, weil die Kosten so hoch sind, wie die eines Hausarztes, der mehrere Jahre Hausbesuche macht, sind nur einige Beispiele von hunderten, wenn nicht tausende. In Würde alt werden können ? Davon ist die Gesellschaft mit ihren unfähigen, korrupten Politikern weit entfernt, weil das Pflegesystem, wie es ist, um jeden Preis erhalten bleiben muss, um die "traurigen Kapitalisten", zu pämpern, und deren Investitionsmöglichkeiten zu erhalten. Natürlich sind nicht alle Politiker gemeint. Lieber Uli, viel zu lang geworden für nen Kommentar. Musste von der Seele geschrieben werden, und muss nicht veröffentlicht werden..


Am 03. November 2016 schrieb Ute Plass:

"Die Freiheit nahm ich dir" - Ein passendes Geschenk, welches unter keinem Weihnachtsbaum fehlen sollte. :-)


Am 03. November 2016 schrieb Lutz Jahoda:

FÜNF EPIGRAMME
FÜR FREIHEITSGLÄUBIGE,
ERINNERND AN DEN FLORENTINER
NICCOLÓ MACHIAVELLI IM JAHR 1513

Als Machiavelli sein Traktat verfasste,
zur Mechanik des Geldes und damit zur Macht,
war klar, dass dies den Medici nicht passte.
Auch heut nicht der Wallstreet, wenn es wieder mal kracht.

Die Medici, achtzehn Jahr weg vom Fenster,
hatten die Republikaner verjagt.
Diese zu dulden, auch nicht als Gespenster,
hatte selbstredend der Fürst sich versagt.

Die Fürsten von einst, sind heut die Konzerne,
mit Großfilialen rund um die Welt.
Überall dort, wo Amerikas Sterne
sich breit gemacht haben, rotiert auch das Geld.

Es rotiert für die Reichen im Freihandelsschwung.
Der Mittelstand geht zwar dabei vor die Hunde.
Keine Bange vorm Schwund an Begeisterung:
Der bequeme Bürger bleibt weiterhin Kunde.

Die Süßigkeitsfallen sind ausgelegt,
mit verlockendem Duft nach Besserung.
Wer heut noch so blöd ist und Hoffnung hegt,
der hat sich selbst aufs Kreuz gelegt.
Dies kurz noch erwähnt zur Erläuterung.


Am 03. November 2016 schrieb Thomas Nippe:

Danke für den Buchtipp, Uli. Tut gut mal wieder so etwas zu lesen.


Am 03. November 2016 schrieb Hans Rebell-Ion:

"Kein Mensch der Erde, wahrlich!, ist ein
f r e i e r Mensch"
(Euripides, 480-407 v.d.Z.,
griech. Tragödiendichter)


Am 03. November 2016 schrieb Irene Volkmann:

Eine auch sprachlich wunderbare Rezension, die in einen Satz voll radikaler Schönheit mündet: "Man muss schon von der Freiheit Gebrauch machen, wenn man sie erreichen will". Mit einem Satz wird hier ein ganzer Kosmos beschrieben. Das möchte ich auch können.

Antwort von U. Gellermann:

Das Buch ist von schöner Radikalität.

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