TAGESSCHAU bei der AfD

Doktor Gniffke: Bei Hof nur doof

Autor: U. Gellermann
Datum: 28. Oktober 2018

Der ARD-aktuell Chefredakteur muss es wohl als Ehre empfunden haben: Die Dresdner AfD hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Medien und Meinung“ eingeladen und Tagesschau-Chef Doktor Gniffke kam, gemeinsam mit dem ZDF-Chefredakteur Peter Frey, gehorsamst angetrabt. Offenkundig bedenkenlos hofierte man eine Partei, deren Chef stolz auf den Hitler-Krieg ist und deren Thüringer Vorsitzender Björn Höcke immer noch für das "Tausendjährige" Reich schwärmt. So ein bisschen Nazi, wird sich der Tagesschau-Chef gedacht haben, das kann man beim herzlichen Bekenntnis der AfD zur NATO einfach mal übersehen.

Tatsächlich traf der ARD-Funktionär in Dresden auf alte Medien-Kameraden: Mit Nicolaus Fest, einst Vizechef der Bild am Sonntag, begegnete er einem strammen Rechtsausleger und Berater von AfD-Chef Alexander Gauland. Der Gauland hat lange Zeit mit der Madsack Mediengruppe (Märkischen Allgemeinen Zeitung) für gutes Geld schlechten Journalismus unter die Leute gebracht. Auch Michael Klonovsky, früher beim Allerwelts-Magazin Focus, heute auch ein Gauland-Spezi, der arme Leute gern als "unproduktive Unterschicht und Sozialschmarotzer" beleidigt, freute sich auf dem Dresdner Podium sichtlich über den hohen Besuch.

Obwohl Kai Gniffke nicht gerade zu denen zählt, die das heiße Wasser erfunden haben, wusste sogar er in einer Stellungnahme: "Natürlich haben wir der AfD mit der Veranstaltung zu großer Resonanz verholfen". Und warum macht er das dann? "Wenn wir nicht wollen, dass sich der gesellschaftliche Diskurs so verkantet wie in vielen anderen Ländern, sollten wir die Diskussion immer wieder führen." Das Aufkommen neuer Nazis im Gefolge und im Umfeld der AfD nennt der seltsame Journalist "verkantet". Offenkundig ist ihm am Morgen beim Aufziehen des Gehirns der Schraubenschlüssel schwer verkantet, wenn der Chef der wichtigsten deutschen Nachrichtensendung den wachsenden Nazi-Auftrieb derartig verniedlicht.

Wenn Gniffke in Dresden behauptet, "dass es nicht die Rolle eines Nachrichtenanbieters ist, das Themen-Wunschmenü einzelner Parteien zuzubereiten“, hat er natürlich schlechte Karten. Denn die Tagesschau liest mit ihrer bewiesenen Merkel- und NATO-Nähe der jeweiligen Koalition gern die Wünsche von den Lippen. Es hätte heiter werden können, als die AfD in den Saal nörgelte: "Im Tatort gibt es keinen einzigen Ermittler, der in einer klassischen Familie mit Mutter, Vater, Kind lebt. Da hat eine starke, konservative Gruppe in der Bevölkerung das Gefühl, nicht angemessen repräsentiert zu sein“. Wenn Gniffke und Frey die Völkischen jetzt nach ihren Wünschen zu blonden und blauäugigen Darstellern gefragt hätten, wäre sogar Gelächter möglich gewesen. Aber so viel Witz und Mut ist bei den Öffentlich-Rechtlichen kaum vorhanden.

Eingeklemmt zwischen die Moderatoren Andreas Lombard aus dem Umfeld der recht extremen Jungen Freiheit und Klaus Kelle, der lange im Springer Konzern gedient hat, muss sich Gniffke vorgekommen sein, als säße er bei Anne Will, die auch immer Gleich und Gleich zu sich gesellt und ihre Sendung für eine ausgewogene Talk-Show ausgibt. In seinem Kommentar zur Dresdner Veranstaltung wusste Doktor Gniffke: "Schon das große Medienecho (nach Angaben des Veranstalters rund 70 Presse-Akkreditierungen) zeigte uns, dass hier offenbar etwas nicht Alltägliches passiert. Und vielleicht sollte ein solcher Dialog künftig etwas mehr zur Normalität werden." Öffentlich-Rechtliche Veranstaltungen mit und für die AfD wünscht sich der Tagesschau-Chefredakteur als "Normalität". So macht man sich doof bei Hof. In der Hoffnung, einen Platz auf dem AfD-Trittbrett zu ergattern.

Wetten, dass Gniffke diese Reklame-Tour für die AfD als Dienstreise abgerechnet hat?


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 05. November 2018 schrieb Michael Meisel:

Solche Diskussionsveranstaltungen - wie die hier von Ihnen initierte - sollte ein interessierter »Aufstehensbereiter« nicht irgendwo irgendwann zufällig im Netz finden, sondern sollte vielen, wenn nicht allen Interessierten systematisch zugänglich gemacht werden. An solchen zusammenfassenden und vernetzenden Initiativen fehlt es. Das war auf jeden Fall ein Schrittchen in die richtige Richtung.
Danke dafür.

Antwort von U. Gellermann:

Wenn die AUFSTEHEN-LEUTE das Video auf ihre Site stelle würden - die eine hohe Reichweite hat - wäre uns allen geholfen.


Am 02. November 2018 schrieb Albrecht Storz:

Ich fand die Veranstaltung sehr interessant. (Die Figuren von der Afd weniger) Bisher waren mir die Bosse von ARD und ZDF noch nicht so bekannt. Ein recht mäßiges Lichtchen und ein Musteroberbürokrat sind also die Chefs der deutschen unterHaltung.

Nun, wie sonst könnten die finanzmächtigen Einflussgruppen sonst so einfach ihre Agenda zwischen den unterHaltungsblöcken einpflegen?

Ganz toll: das Versprechen etwas über den UN-Migrationspakt zu bringen wurde doch prompt umgesetzt.

Nur nicht etwa etwas über Hintergründe, Akteure, Inhalte, ...
Nein. Vielmehr wurde in der Tagesschau gegen Österreich gemunkelt. Es sei ja unverständlich, ja skandlös, wie die sich einfach so erlauben können, nicht jedes UN-Dokument das man ihnen unter die Nase hält zu unterschreiben. Der Juncker durfte auch noch was säuseln: das Verhalten der Austrier wäre ja gegen die Geschlossenheit der EU gerichtet. Das ginge ja wohl gar nicht. Ich folgere daraus das einzig wahre EU-Motto: "Mitgehangen, mitgefangen!" oder auch "Right or wrong, mai IiiJu!" frei mit oEUttinger.

Im ZDF hat der "Cleber" wohl noch wilder gegen AT gewütet, habe ich gehört. Kann man sich gut vorstellen wenn man gesehen hat, wie er damals den Siemens-Käser wegen dessen antitransatlantischen Geschäften mit RU ("Wie kann man nur ..., Despot Putin, geklaute Krim, und überhaupt!") in den Senkel gestellt hatte.


Am 01. November 2018 schrieb Michael Riecke:

Sehr geehrter Gellermann,

dass zielt doch in eine ganz bestimmte Richtung. Die Bevölkerung soll auf eine rechte neoliberale Regierung in der nächsten Zeit konditioniert werden. dieser Prozess ist schleichend. Die Afd wird in der ersten Phase nicht über den Klee gelobt. Aber direkte Angriffe werden weniger. Im Gegenzug gibt die AfD den neonazis wie Höcke weniger raum. War ja auch eine Empfehlung von H. Maaßen. In der 2. Phase kommen dann die "moderaten" wie Weidel und Meuthen mehr in die MSM.
Das Thema Gauland könnte sich bis dahin biologisch erledigt haben. Aber den Probelauf hatten wir ja schon vor den Wahlen in 2017. Die Afd war fast in jeder Talkrunde bei den Will's und Plasberg's präsent, wenn es um Islam, Flüchtlinge und Migration ging. Als ob bei der AfD die ausgewiesenen Religon und Völkerrechts-Experten sitzen. So wurde die Basis für die Wahlerfolge der Afd geschaffen. Um es mal mit Albrecht Müller zu sagen,"Wie wäre die Reaktion gewesen, wenn Frau Wagenknecht und Herr Lafontaine zu so einer Veranstaltung aufgerufen hätten".
Da wäre wohl keiner gekommen. bei denen besteht nicht die Möglichkeit an die Regierung zu kommen. Zumindest nicht 2021 oder früher.


Am 29. Oktober 2018 schrieb Guenther Mann:

Bitte um etwas mehr Verständnis für den Herrn Dr. Josef Gniffke: in seiner Machtposition als oberster Propagandachef des größten Medienbestrahlers der Welt über 6 Milliarden ? Budget), muss er sich doch rechtzeitig bei seinem wahrscheinlich nächsten Dienstherren einschleimen. Der Mann hat eine Doppelhaushälfte abzubezahlen, er hat möglicherweise Kinder (auch Göbbels hatte Kinder und hat sie auch artgerecht behandelt, am Ende).
Heute, am Tag des Zusammenbrchs(sieh e Nachrichten zur Kanzlerin), muß jeder sehen wo er bleibt, Gniffke wollte halt nach den Rechten sehen.


Am 29. Oktober 2018 schrieb Herbert Hriberschek:

Die inflationäre Anwendung des Nazi-Begriffes in der Darstellung aller Andersdenkenden, ist Verharmlosung tatsächlicher Naziverbrechen - aber das wissen sie ja selbst auch...trotzdem liebe ich ihre sprachliche Fertigkeit, aber stülpen sie nicht ihre gesamte Trickkiste über eine Beitrag - ich bin auch kein Fan von Gniffke & Co.

Antwort von U. Gellermann:

Leider werden die neuen Nazis immer mehr.


Am 28. Oktober 2018 schrieb wolfgang riederer:

Was ist bitte der Unterschied zwischen den Methoden der Tagesschau und denen der Rationalgalerie?
Soll das eine Satire sein? Mit so viel Framing und Falschdarstellungen hätten Sie es doch auch in ein Allerweltsblatt wie Focus schaffen können.
So viel geballten Fakenews in einem Kommentar sollten Sie sich selbst bei der Tagesschau bewerben, da hätten Sie gute Chancen.

Antwort von U. Gellermann:

Nicht schlecht wäre, wenn Sie auch nur einen Beleg für Ihre Tirade vorweisen könnten.

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