Putsch-Versuch gegen Wagenknecht

Gregor Gysi zieht Strippen, Thomas Nord hampelt daran

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. November 2018

Ausgerechnet der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Thomas Nord stellte jüngst scheinbar die Schicksalsfrage: Sahra Wagenknecht müsse umgehend die Fraktion verlassen, oder er würde austreten. Ausgerechnet Nord? Denn gegen Thomas Nord ist zur Zeit ein Verfahren mit dem Ziel des Partei-Ausschluss anhängig. Nord, der dem erstaunlichen Glauben anhängt, er sei für die PdL wichtiger als der Medien-Star Sahra Wagenknecht, hatte via Facebook seinen Genossen Michael von Klitzing, Kreistagsabgeordneter aus Cloppenburg, als „eine kleine dreckige Mistmade“ bezeichnet. Von Klitzing hat ihm deshalb „Nazi-Jargon“ vorgeworfen – denn die Nazis bezeichneten ihre Feinde gern als Ungeziefer, als Gewürm. Nicht genug damit, bezog Thomas Nord auch den Liedermacher Diether Dehm und den Friedensaktivisten Alexander Neu, beide Abgeordnete der Linkspartei, in seine Beschimpfungen mit ein. Nun liegt der Antrag auf Ausschluss des Pöblers bei der Bundes-Schiedskommission.

Was durchaus eine interne Angelegenheit der Partei sein könnte, weitet sich zu einer ernstzunehmenden politischen Affäre aus. Denn natürlich haben diverse Medien die Attacke des Herrn Nord begierig aufgegriffen. Nazi-Sprache in der Linkspartei: Das passt all jenen in den Kram, die ohnehin die LINKEN gern mit den RECHTEN gleichsetzen. Zudem hat sich der Verbal-Angriff von Thomas Nord mit seiner neuen Anti-Wagenknecht-Initiative als ein Teil einer Spaltungskampagne herausgestellt: Die angepöbelten PdL-Mitglieder Dieter Dehm und Alexander Neu zählen zu den Freunden von Sahra-Wagenknecht. Anders als Gregor Gysi. Der Egomane Gysi ist mit Sahra Wagenknecht befeindet, seit die in der Debatte um das Linken-Europawahlprogramm die EU als "neoliberale, militaristische und weithin undemokratische Macht" bezeichnet hatte. Auch wenn das den blanken Tatsachen entspricht, wollte Gysi unbedingt eine Abschwächung dieser Formulierung. Vor diversen Kameras erklärte der Alt-Star der Linkspartei: "Für uns linke Internationalisten gibt es kein Zurück zum früheren Nationalstaat. Wir müssen Befürworter der europäischen Integration sein." Zwar hatte keiner seiner Genossen für ein Zurück zum Nationalstaat plädiert, aber es war eine wirklich häßliche, bis heute nachwirkende Verleumdung.

Den Vorwurf des „Nationalismus“ handelt sich Sahra Wagenknecht in der innerparteilichen Diskussion nach wie vor ein, wenn sie eine Antwort auf die offene Flüchtlingsfrage fordert: Wie viel von den Millionen Menschen, die in Afrika als Ausweg aus ihrer sozialen Lage die Flucht nach Europa sehen, sollen denn nach Deutschland kommen? Als Wagenknecht die schwammige Forderung der Aktion #Unteilbar nach offenen Grenzen für alle als „weltfremd“ qualifizierte, war es ausgerechnet der Nazi-Sprech-Nord, der den Rücktritt von Wagenknecht forderte. Während Nords Drohung eher als heiße Luft bewertet wird, erscheint eine heimliche Aktion von Gregor Gysi als eher unheimlich für den Bestand der Partei. Gysi will in diesen Tagen mit einigen Vertrauten in Brandenburg beraten, wie man das Bündnis zwischen Wagenknecht und Dietmar Bartsch beenden könnte. Die beiden haben in den letzten Jahren als gleichberechtigte Fraktionsvorsitzende die auseinander strebenden Flügel der LINKEN zusammengehalten. Ein beachtliches Kunststück.

Gelingt Gysi die Trennung des Duos Wagenknecht-Bartsch, dann geht ein Plan auf, den der smarte Mann aus Berlin seit dem LINKEN-Parteitag in Göttingen (2012) hegt: Die Spaltung der Linkspartei. Schon Monate vor dem Göttinger Parteitag hatte Gysi in der Bundestagsfraktion jene schroffen Gegensätze zwischen Ost- und West-Mitgliedern ausgemacht, den der deutsche Medienapparat seit Monaten als Waffe gegen die Linkspartei nutzte: Es gäbe gute Reformer in der LINKEN, die kämen aus dem Osten und böse Revoluzzer, die wären aus dem Westen. Statt das gezielte Gewäsch der Medien zurückzuweisen, behauptete Gysi „Hass“ zwischen Ost und West in der LINKEN, um zu diesem Fazit zu kommen: „Dann wäre es sogar besser, sich fair zu trennen als weiterhin unfair, mit Hass, mit Tricksereien, mit üblem Nachtreten und Denunziation eine in jeder Hinsicht verkorkste Ehe zu führen." Erst mit einer fulminanten Rede von Oskar Lafontaine konnte damals die Spaltung vermieden werden: "Es gibt keinen Grund, das Wort Spaltung in den Mund zu nehmen“.

So ähnlich sehen es auch die Wähler der LINKEN: In einer aktuellen Umfrage des INSA-Consulere Instituts fühlen sich 80 Prozent von ihnen in ihren Interessen von Sahra Wagenknecht vertreten. Nur zehn Prozent der Befragten sind der Meinung, sie vertritt deren Interessen nicht. 46 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, Dietmar Bartsch verträte deren Interessen, 22 Prozent geben an, er vertritt ihre Interessen nicht. Bezüglich Katja Kipping geben 40 Prozent der Umfrageteilnehmer an, diese nähme ihre Interessen wahr, 30 Prozent fühlen sich in ihren Interessen nicht von Katja Kipping vertreten. Katja Kipping sowie Dietmar Bartsch sind bei den Linke-Wählern deutlich unbekannter als Sahra Wagenknecht. Wohl auch deshalb hat der Landesausschuss der LINKEN Niedersachsen schnell beschlossen, jedem Abwahl-Antrag von Frau Wagenknecht – der SPIEGEL spekulierte anläßlich des kläglichen Versuchs von Thomas Nord darüber – eine Absage zu erteilen.

Die Schicksalsfrage von Thomas Nord – „Sie oder ich“ – wird die Geschichte kühl mit einer Gegenfrage beantworten: Wer war eigentlich Thomas Nord? Die Frage nach dem OB und dem WANN und WIE der Spaltung der LINKEN wird in den nächsten Monaten geklärt sein. In die jüngere Geschichte Deutschlands ist die PDS-LINKE bereits jetzt positiv einzuordnen: Sie war ein wichtiger Versuch, die Niederlage der Linken – vom Zerbröseln der DDR, dem Verfall der SPD und der Anpassung der GRÜNEN – in eine Wiedergeburt zu wandeln. Temporär war dieser Versuch durchaus erfolgreich. Und Gregor Gysi war lange Zeit wesentlich daran beteiligt. Heute wird der Mann nun zum schrecklichen Beispiel dafür, dass man mit dem Hintern prima das umwerfen kann, was man mit den Händen aufgebaut hat.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. November 2018 schrieb Dian C.:

Marc Britz (hier ganz unten) "kann angesichts der von Uli oben so scharf dargelegten Vorgänge natürlich nur spekulieren, aber Gysi scheint [ihm -DC] auch ein Aspirant für die Mitgliedschaft in diesem Club zu sein." Marc könnte es aber auch besser wissen oder auch ahnen, wie dieser Gysi schon mit der Einführung der harten D-Mark auf die "Gehaltsliste" dieses Kreises kam, sozusagen als Schnellaspirant. Diese Investition rechnet sich immer noch, ist sicherer angelegt als in jedem wirtschaftlichen Zusammenhang, traumhafte Rendite ...

Antwort von U. Gellermann:

Korruption ist im Fall Gysi nicht belegt. Er ist vom eignen Verstand berauscht.


Am 16. November 2018 schrieb Hella-Maria Schier:

Wenn ich die Inhalte betrachte, welche die beiden Lager der Linkspartei vertreten, sehe ich kaum eine Gemeinsamkeit, außer welchen, die sie auch mit den Grünen teilen würden und die nicht unbedingt links sind.
Die jeweiligen Lager, deren Interessen beide faktisch vertreten, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Die Kipping-Linke, zu der wohl auch Gysi gehört, hat mit der einheimischen Bevölkerung wenig am Hut und lässt das auch deutlich heraushängen. Sie ist ihr im besten Fall egal, viel Einfluss hat dort der antideutsche Flügel und der geht im Grunde auf den Tiefen Staat und US-Neocons zurück, welche die politischen Hauptvertreter der kapitalistischen Globalisierung sind. Dazu passt hervorragend die Agenda der absolut offenen Grenzen in Europa, nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Arbeitsmigration. Sowie die Diffamierung von Kritik am Finanzsystem als antisemitischcheinlich überhaupt nicht wählen können. Eine Linke mit den Grundsätzen von Wagenknecht und Dehm würde ich wählen.

Was hat denn der Kipping-Flügel einem Wähler anzubieten? Eine Agenda, die auf Auflösung der Staaten abzielt, auf Chaos, auf Ende des Sozialstaats? Fürwahr verlockend.
Das erinnert noch am ehesten an Leo Strauss, den Hauptideologen der Neocons: ''Die Welt muss ins Chaos gestürzt werden, um die unipolare Welt zu schaffen.'' D a s ist die Welt ohne Grenzen, um die es hier tatsächlich geht. Die Chaos-Strategie, wie sie auch im Nahen Osten verfolgt wird, mitsamt Unterstützung verschiedener extremistischer Kräfte. Warum sollte unser Imperium nicht auch bei uns mit Varianten dieser Taktik vorgehen? Die Linken hat es schon lange unterwandert - aber nein, das darf man a nicht denken, die Linke, rot oder grün, ist noch viel transatlantischer bestimmt, als ihre Wähler bisher erkennen. Die mächtige antideutsche Bewegung, auch wenn sie sich nicht mehr so nennt, ist US-geopolitisch bestimmt.
Wer sich das Ergebnis des Chaos links oder auch nur demokratisch vorstellt, ist sehr naiv, denn es ist die Welt der absolut herrschenden Kapitaleliten, um die es hier geht, nicht die des globalen Kommunismus.
Und das weigern sich die Global-Linken, wie ich sie mal nenne, zu erkennen oder sie sind dafür. Wagenknecht, Dehm &Co. erkennen es sehr wohl. Die Ziele beider Flügel schließen sich in meinen Augen aus.


Am 14. November 2018 schrieb Michael Kohle:

Die Schicksalfrage mit einer Gegenfrage beantworten? Warum das denn? Auch nach mehrmaliger Lektüre der Gellermann’schen Putsch-Berichterstattung will sich bei mir der Eindruck einfach nicht mehr verflüchtigen: Warum eigentlich nicht dem Herrn Nord und den Seinen den Wunsch erfüllen. Herrschaftszeiten! Was spricht denn dagegen, den ganzen ollen SED- und Stasi-Müll über Bord zu schmeissen, hinter sich zu lassen, den ganzen WASG-Müll gleich noch dazu, diesen Club der Erniedrigten und Beleidigten von dunnemals. Seien wir doch einmal realistisch: diesen Stallgeruch von einst wird die LINKE nie los, da sorgt schon der Kampfverband aus Harzburger Front 2.0 und den wiedergeborenen Edelfedern von Hugenberg dafür. Alles was „links“ ist, ist doch derzeit weltweit ein einziges Leben in der Diaspora zum Gotterbarm. Und da sitzt sie, diese selbstzufriedene Sammlung #Sitzenbleiben und träumt von besseren Zeiten. Wer kennt sie nicht, die Fabel von den zwei Fröschen im Milchfass. Wann je hat #Abwarten etwas gebracht? Schon gar nicht in Zeiten wie diesen, wo die Sozen tatsächlich glauben, sich mit einem Fahrplan aus der Talsohle absetzen zu können, mit einer Fahrkarte für die Holzklasse auch noch. Längst sind bei dem Zug die Trittbretter draußen abgeräumt, so helle sind die Olivgrünen allemal. Die Zeit des Trittbrettfahrens ist vorbei, heuer wird der Hintern in der Plüschklasse breitgesessen, Eco aufgepeppt per Neolib, die erste Welle jedenfalls, gerade den Waldorf- und Montessori-Schulen entschlüpft.
Wer das Video von der Demo letzte Woche am Tor der Deutschen gesehen und vorallem gehört hat (https://www.youtube.com/watch?v=wdZpfE_FnZs) muss sich fragen, was genau erwartet eine Sahra Wagenknecht, ein Ludger Volker und ein Marc von Bülow eigentlich vom handzahmen Verbleib in ihrem jeweiligen engen Korsett ihrer hochdemokratischen Staatsparteien? Dass die vielleicht irgendwann und irgenwie mal zu Potte kommen? Und sie bei den jeweiligen Atlantikbrücklern dann doch einmal offene Türen einrennen? Da werden sie lange warten können, die drei von der Tankstelle „Aufstehen“. Soviel Zeit - mit Verlaub - bleibt nicht mehr. Wir können zwar hoffen, dass Blackrock u.a. dafür sorgen, dass man ihnen nicht das Geschäftsmodell und den Gold-Dukaten-Stock kaputt haut, weil ein paar übliche Verdächtige mit anderen Intentionen dem Putin und evtl. auch dem Xi an den Zwickel fahren wollen. So sicher wäre ich mir da aber nicht. Die äußerst vornehme Zurückhaltung, die sich unsere Wertegemeinschaftler und die zuarbeitenden Edelfedern von dpa, reuters, Gniffke&Co auferlegt haben hinsichtlich dem GröNaZ, dem größten Nato-Manöver aller Zeiten, in Norwegen auch noch, fast in Sichtweite von allerlei Erstrebenswertem, sollte den Friedliebenden hierzulande mehr als zu denken geben.
Ein Kriegskabinett ist schnell mal ausgerufen, da brauchts dann auch keine Ermächtigungsgesetze und keine (Neu-)Wahlen mehr. Die Kriegskanzlerin und die Hauptquartiermeisterin sind ja schon üppig zu gange und die Sozen - so wie vor hundert Jahren - nicken begeistert für Kriegskredite, die Kasse dafür haben sie bereits. Nutzt also die Zeit, die euch noch zum #Aufstehen bleibt.


Am 14. November 2018 schrieb Kira Brender:

Rs gibt in der ganzen linken Landschaft niemanden, der so klare und kluge Worte für die aktuelle Misere der Linkspartei findet wie Gellermann. Dafür will ich mich ausdrücklich bedanken. Auch wenn seine Analyse schmerzlich ist: Sie dient dem Durchblick.


Am 14. November 2018 schrieb altes Fachbuch:

"geht sahra, gehe ich auch"

ich bin zutiefst beim herrn münchmeyer!!!
historische ereignisse und personen erfordern eine beurteilung aus just der konkret-historischen situation heraus! gysi heute ausschließlich als "EU-rentner" und egomanen parteispalter hinzustellen, wird ihm nicht gerecht. diese beurteilung erlaube ich mir als nicht-wendehals, der 1989/90 über den runden tisch bis zur "freien wahl" alles miterlebt hat!
beiden, wagenknecht wie gysi, nehme ich ihre omnipräsenz in MSM übel. ich wünschte mir den gleichen aufwand im tagesgeschäft der partei!

verschleiß an programmsubstanz war in jedem fall festzustellen, auch und insbesondere nach der vereinigung mit der "wahlalternative f. soziale gerechtigkeit".

wer hier IKONEN anbetet, dem gehts nicht um die sache, sondern sucht einen therapeut oder priester! wer sehnsucht nach LINKE hat, der ist mitglied und gestaltet.

horn? junge hunde lernen als erstes, nur soweit zu pinkeln, wie man das hinterbein heben kann! die berliner sollten also zusehen, wie sie einen familienclan loswerden.

@lieber galerist
das zitat gysi's stammt aus dieser rede aus 2012:
https://archiv2017.die-linke.de/index.php?id=9950
und meint einen interessenkonflikt zwischen volkspartei-ost und interessenpartei-west!!
die sozialdemokratisierung der pds eben!?

Antwort von U. Gellermann:

Das Gysi-Zitat entspricht seiner damaligen und leider auch seiner heutigen Haltung: Intrigant und zerstörend. Das mindert nicht die von Münchmeyer erwähnten Verdienste.


Am 13. November 2018 schrieb Eckhardt Herrnberger:

Danke Uli Gellermann für den Beitrag. Interessant ist für mich auch die konzertierte Aktion der Medien in der Sache. Sozusagen in Tagesdosen, beginnend mit dem Tagesspiegel, über den Spiegel, den Focus, die Huffinton Post, die Welt und dann ZDF und ARD wurde die selbe Meldung fast wortgleich verbreitet. Die eine oder andere Überschrift war mal etwas knalliger, ansonsten der übliche Zeromon.


Am 12. November 2018 schrieb Bert Münchmeyer:

Ich neige dazu, die Wagenknecht-Positionen zu unterstützen. Die Gysi-Kritik in den Zuschriften hier missfällt mir in Teilen gleichwohl erheblich. Gerade den neu hinzugekommenen Sympathisanten der vormals PDS sei gesagt: Ohne den eitlen, vielleicht längst zu gut im Westen angekommenen, vielleicht mir und Ihnen nicht genehme Ansichten vertretenden, möglicherweise gar intriganten Anwalt gäbe es die ganze Truppe nicht. Deutschland sähe anders aus. Und, ganz im Ernst: Vielen im Osten wäre es noch deutlich schlechter ergangen. Würde es immer noch. In sofern hat der Mann Verdienste, die man nur historisch nennen kann. Da sollte Kritik gern zugespitzt, aber doch sachlich ausfallen. Für Gehässigkeiten und Diffamierungen waren bislang meist andere zuständig.


Am 12. November 2018 schrieb BrigitteKlara Mensah-Attoh:

SAHRA WAGENKNECHT ist alles andere als bloß ein "Medien-Star" ....
Wenn nicht sie - wer sonst ist w a h r h a f t i g authentisch und/
oder uneitel? Bisher jedenfalls ist mir nicht das Geringste aufgefallen!!!!
S. Wagenknecht daher für mich einer der glaubwürdigsten
Menschen - hoch 3!

Gregor Gysi dagegen .... der war das auch einmal für mich,
mit Betonung auf WAR.
Vor vielen Jahren, im Landesgewerbeamt in Stuttgart...
Da redete er vor einem begeisterten großem Publikum,
und auch für mich war das DER Anlaß, extra Urlaub zu nehmen,
um dem begnadeten Redner zu lauschen...

Und heute? ....
DIE LINKE - verdammt noch mal, die Leute wissen doch,
worum es geht - es geht um ALLES!
Warum schaffen diese Ex-Zugpferde (genauer: Gysi) es nicht, statt sich zu spalten) um einen gemeinsamen Konsens zu ringen??

Sollten diese hirnrissigen + kurzsichtigen Eitelkeiten obsiegen -
also dann hält jedenfalls mich nichts mehr - dann trete ich definitiv aus!


Am 12. November 2018 schrieb Hans-Jürgen Reglitzki:

Sara muss bleiben. Alles andere ist der Anfang vom Ende. Geht Sahara gehen viele. Auch ich.


Am 12. November 2018 schrieb Gideon Rugai:

Letztlich ist Gysi auch nur ein links-optimistischer Populist und gewiefter Rhetoriker, der es versteht den "kleinen Mann" mit Berliner Schnauze auf seine Seite zu ziehen und natürlich hat er sich sein Nestchen innerhalb der Regierungs-Bannmeile hübsch zurechtgemacht.
Das läßt man nicht einfach so sausen....vor allem wenn man damit schon so lange und selbst gegen die repressivsten Systeme per inoffiziellem "Deal" so gut fährt und darin als kalkuliertes "pain-in-the-ass-Zäpfchen" allgemein Akzeptanz findet.
Wie heißt es im PC-Bereich : "Never change a running system".
Das weiß wohl niemand besser als Gysi.
Das wurde (ich hatte das seinerzeit mal in der RG angemerkt) auch recht deutlich, als der Sonneborn mal unangemeldet auf einen unvorbereiteten Gysi traf, indem er mit der Tür in Gregors Büro fiel : Da wirkte Gysi schon so, als stünden ihm ein paar Imageverlusts-Schweißperlen auf der Stirn, was mir verriet, dass der Mann ebenfalls nur mit Brauchwasser kocht....wenn auch sympathischer als andere (Opportunisten).
Danke für die Hintergrundinfo bzgl. DDR u. Gysis Eltern von Otto B. :)


Am 12. November 2018 schrieb Hans-Joachim Lösche:

Ausgezeichneter Beitrag gegen die bürgerlichen Heuchler.


Am 12. November 2018 schrieb Ulrike Spurgat:

Danke für den informativen, sachlichen und gehaltvollen Artikel, der der Aufklärung und der besseren Einordnung des Themas dient.
Die Geschichte der Eltern von Gysi sagen erstmal über ihn nichts aus; außer dass er sich schämen sollte, doch Opportunisten hat es und wird es immer geben.
Einiges an Kommentaren werde ich auch in Zukunft, wenn möglich ignorieren.


Am 12. November 2018 schrieb Andreas Wehr:

Ein sehr informativer Kommentar! Noch besser wäre er, würde in ihm Sahra Wagenknechts Name richtig geschrieben werden.
Sahra schreibt sich mit bekanntlich mit -h- in der Mitte. Das ist die persische Schreibweise.


Am 12. November 2018 schrieb Hanns Hartz:

Interessantes Detail vielleicht noch:
Ex-Stasi-Mann Nord, der jetzt offenbar den Hypermoralisten gibt, ist mit der Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach verheiratet, die Wagenknecht in einer reichlich peinlichen Szene auf dem letzten Parteitag angepöbelt hat. Breitenbach gehört zu der berüchtigten Berliner Reformer-Clique um das Brüderpaar Wolff (der eine als Finanzsenator verantwortlich für die große Wohnungsprivatisierung). Dass da ein Einsamer schwer mit sich gerungen hat und zu dem Schluss gekommen ist: "Ich kann nicht anders", ist von daher noch unglaubwürdiger. Es ist sicher ein Komplott. Der Berliner Reformerflügel fühlt sich gerade sehr stark.


Am 12. November 2018 schrieb Otto Bismark:

Die Frage im Kern ist doch, wessen Geschäft besorgt Herr Gysi eigentlich? Ist ihm an der Sache (der Linken) gelegen oder was treibt ihn denn. Mir kommt da rückschauend seine kurze Karriere als Berliner Wirtschaftssenator in den Sinn. Hier hätte er nämlich nach sehr kurzer Zeit Farbe bekennen müssen und davor hat er sich mit der Flugmeilenaffäre "bravourös" gedrückt. Jedenfalls sehe ich das mittlerweile so. Und dann ist da noch das Schicksal der linken Kräfte in Deutschland insgesamt. Immer gespalten, nie im richtigen Moment auf der Höhe der Zeit. Wobei ich dabei durchaus und sogar besonders die gewesene DDR und ihr historisches Versagen sehe. Denn wir hatten, und Gysi war da wohl auch nicht ganz unbeteiligt, denn er war Teil des dortigen Establishments, spätestens seit Honnecker nichts besseres zu tun, als uns abzugrenzen, auch eine Form der Spaltung der Linken. Ich als "einfacher" Ex-DDRler, der keinerlei Kontakte in den Westen hatte sehe es heute mit Entsetzen, wie die DDR-Oberen alles aus dem Westen verteufelt und dabei auch die zweifellos vorhandenen progressiven Kräfte brüskiert haben. Jeder und ich betone es nochmals jeder nichtfamiliäre Kontakt westwärts wurde mit dem Verdikt der feindlichen Kontaktaufnahme belegt und ich komme nicht umhin, dies auch Personen vom Schlage Gysis anzulasten, da diese es als Teil des Apparats besser gewußt haben. Hier nur ein kurzer Ausschnitt zu den Wurzeln Gysis aus Wikipedia.
"Klaus Gysi, studierter Ökonom, trat 1931 der KPD bei und arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR. Er war unter anderem als Geschäftsleiter des Aufbau Verlags tätig, später als Botschafter in Italien, als DDR-Kulturminister und Staatssekretär für Kirchenfragen. Er war auch für die Staatssicherheit als IM Kurt tätig. ... Die Eltern von Gregor Gysi hielten sich während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland auf. Das Paar war im Auftrag der KPD im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und heiratete 1945; die Ehe wurde nach 14 Jahren geschieden.
Irene Gysi war im Kulturministerium der DDR für den Austausch mit dem Ausland zuständig und leitete später die ostdeutsche Filiale des Internationalen Theaterinstituts."
Wer anders also als Gysi konnte es besser wissen wer seinerzeit beispielsweise im Westen progressiv im Sinne der linken Kräfte war. Aber etwa gegen den regierungsoffiziellen Strom auftreten? Das konnte in der DDR schnell jedenfalls Vorteile kosten! Deswegen hat man das regelmäßig tunlichst unterlassen! Und jetzt noch immer das Gleiche. Jetzt sogar die ausdrücklich betriebene Spaltung der Linken anstatt wie angezeigt Werbung um die fortschrittlichsten aufrichtigen Kräfte, die es ja sicher auch in der SPD gibt. Und auf diese Weise werden die Linken in Deutschland noch immer am schnellsten marginalisiert, verwunderlich ist nur, wie das immer wieder funktioniert!


Am 12. November 2018 schrieb Lutz Jahoda:

DEM EINST VON MIR GESCHÄTZTEN
INS POESIEALBUM GESCHRIEBEN

Gysi, Gysi, warum hast Du uns verlassen?
Vergeben geht nicht, denn Du weißt wohl, was Du tust!
Du verträgst nicht, hinter Sahra zu verblassen.
Dein Verdrehervorwurf: einfach nicht zu fassen!
Du bläst ins falsche Feuer, Gregor! Zündeln rußt!


Am 12. November 2018 schrieb Marius van der Meer:

Lieber Uli,
danke, eine wichtige Zusammenfassung und Langzeit-Entschlüsselung für das Kurzzeitgedächtnis dieser Medien-Gesellschaft.


Am 12. November 2018 schrieb Marc Britz:

CDU-Kanzlerkandidat in Spe Merz liess ja kürzlich laut SPON verlauten, dass er sich durchaus eine enge Zusammenarbeit mit den inzwischen so bürgerlich gewordenen Grünen vorstellen könne. Besonders zwischen ihm und Cem Özdemir gäbe es da grosse weltanschauliche Überschneidungen. Man kenne sich mittlerweile ja auch besser. Dass man sich aus der Atlantikbrücke kennt, und dass die dort gelernte USA-Hörigkeit der Grund für die weltanschaulichen Überschneidungen ist, verschweigt SPON natürlich. Man kann angesichts der von Uli oben so scharf dargelegten Vorgänge natürlich nur spekulieren, aber Gysi scheint auch ein Aspirant für die Mitgliedschaft in diesem Club zu sein.


Am 12. November 2018 schrieb Abel Doering:

Danke, Uli Gellermann, für diese Analyse. Hatte den Streit auf Facebook zwar mitbekommen, ohne dass jedoch die Hintergründe wirklich deutlich wurden - jetzt ist das ganze durchsichtig geworden.

Was wäre die Medienlandschaft ohne die Rationalgalerie!


Am 12. November 2018 schrieb Klaus Madersbacher:

Wer weiß, welche Antwort die Geschichte auf die Frage bringen wird, wer/was von der "Linken" überhaupt links war?


Am 12. November 2018 schrieb Petra Keller:

Ein brillantes Stück Journalismus! Danke Herr Gellermann.

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