Obama an Putin

Ein Brief der endlich alles klärt

Autor: Friedemann Wehr
Datum: 25. Februar 2014

Lieber Wladimir,

wir sind ja bis jetzt sehr geduldig mit Dir gewesen. Wir haben Dir Deine Winterspiele aus vollem Herzen gegönnt (Du hast ja demnächst nichts mehr, was Dich erfreuen wird). Wenn da ein paar Pressefuzzies negativ berichtet haben, so mit Sotschi und Korruption, lass sie doch! Wir haben eben eine freie Presse und die weiß, dass sie besonders frei über Dich berichtet darf. Gute Artikel belohnen wir gerne mit guten Werbeanzeigen. Das motiviert. Wir brauchen keine Straflager – jedenfalls nicht für die Journaille. Natürlich haben wir auch so ein paar linke Spielverderber, die in auflagenschwachen „Zeitschriften“ (Compact, hintergrund, der Freitag, o.ä.) ihre Hirn-Inkontinenz abseichen, aber das interessiert doch kein Schwein, außer vielleicht ein paar intellektuellen Heulsusen in A13, die in ihren Reihenhäuschen von einer heilen und gesunden Welt träumen. Wer Visionen hat, soll zum Augenarzt gehen, hat mal mein alter Freund Helmut Schmidt gesagt. He was right! Die Leute interessiert, wer Dschungelkönig wird und wie das Baby bei Königs aussieht. That’s it. Das sind die wahren Probleme unseres Prekariats. Irgendwie hast Du das noch immer nicht geschnallt, wie das bei uns in der Freiheit so läuft. Wir engagieren ein paar durchgeknallte Weiber, die ihre Titten in einer Moskauer Kathedrale blank ziehen, und schon lösen wir bei Euch eine Staatsaffäre aus, so mit Gefängnis und Straflager. Bei uns kommen die Pussies aufs Titelblatt von BILD oder express. Das steigert die Auflage und wir demonstrieren damit, dass wir ein freies Land sind. So wird ein Schuh draus! Du hattest doch auch Deinen Spaß, wie ich das Deinem geilen Blick entnehmen konnte. Take it easy!

Aber wie gesagt, jetzt ist Schluss mit lustig. Du hast uns mit Deinem Verhalten in Syrien mehr als genervt. Dieser Assad geht uns auf den Sack. Der passt einfach nicht mehr in die heutige Welt. Unsere Freunde aus Katar haben viel Erdgas und das müssen sie ans Mittelmeer bringen und dummerweise ist da dieses Syrien im Wege. Deshalb muss es weg! Dann kannst Du Dir nämlich Dein Erdgas irgendwo hinschieben, oder es an Deine chinesischen Freunde vertitschen. Wir haben einfach keine Lust mehr, uns von diesem Wadenbeißer Assad die Geschäfte versauen zu lassen. Dieser Ochse will ja nicht mal ins Exil, wie es sich für einen ordentlichen Despoten gehört. So verstockt ist der! Der hätte es doch wie Ben Ali machen können. Der sitzt jetzt gemütlich bei unseren saudiarabischen Freunden und lässt es sich gut gehen. Der andere Dickschädel, namens Gaddafi, hat auch alles falsch gemacht. Merk Dir das mein Freund, oder willst Du demnächst auch so enden? Du hast doch für Deine Zukunft vorgesorgt und geriestert, wie mir meine Leute von der NSA gesagt haben. Du könntest doch auch schon gemütlich, wie viele Deiner Freunde, an der Costa Smeralda sitzen. Oder willst Du, dass wir Dich tot in einem Abwasserrohr finden und der Pöbel durch Deine Villen läuft, wie jetzt bei Deinem Spiesgesellen Janukowitsch? So einen Abgang hast Du nicht verdient. Überleg Dir das rechtzeitig. Dein Landsmann Gorbi hat das schnell erkannt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Oder guck Dir den Saddam Hussein an. Diese Knalltüte wollte sein Öl nicht mehr in Dollar verkaufen. Was hat er jetzt davon? Möchtest Du so wie dieser Zausel enden? Wir verkaufen jetzt sein Öl und wir haben in Libyen wieder das Sagen. Wir machen die Witze und das ist gut so. Freiheit ist für uns das Größte und Wichtigste und deshalb wollen wir, dass unsere Konzerne sich frei entfalten können. Wir sind Weltspitze bei Waffen und Chemie. Nehmen wir mal unseren Mais. Der wird so genverbessert (nur bösartige Menschen bezeichnen das als Genmanipulation), dass er zu einem Produkt wird. Kommt dann ein Bauer auf die Idee und nimmt einen Teil der Ernte zur Wiederaussaat, dann kommen die Anwälte, denn das ist ein „Nachbau“ und das wird bestraft. So läuft bei uns der Hase!

Aber jetzt mal Tacheles. Deine Ukraine in allen Ehren, aber für uns ist dieses Land ganz besonders wichtig. Wir wollen denen die Freiheit quasi schenken. Die Bevölkerung ist zwar nicht ganz klar in der Birne: die kannst Du alle geschenkt haben. Von mir aus auch die ganze Südwestukraine. Wir sind eigentlich nur an ein paar schnukeligen Luftwaffenstützpunkten interessiert. So direkt vor Deiner Haustür. Das hat für uns schon einen gewissen Charme. Wir wollen Dich doch nicht aus den Augen verlieren. Es dient nur Deinem Schutz, falls Dir mal was passieren sollte. Schlappe 500 Kilometer bis Moskau! Das ist ein Katzensprung für unsere Raketchen. Da investieren wir doch gerne mal ein paar Dollars (dafür legen unsere Drucker mal eine Nachtschicht mehr ein, und schon ist der Fall gelöst).

Wie gesagt, diese Ukrainer wissen doch selbst nicht was sie wollen. Sie sind sich doch nur in einem einig, dass andere für sie zahlen. Ihr habt da einiges in der Vergangenheit falsch gemacht. Wenn die in Kiew rufen, wir müssen Kommunisten, Juden und Russen bekämpfen und das in Uniformen, die der deutschen Wehrmacht ähneln, dann habt ihr ein Problem. Das mit den Juden kann ich ja verstehen, die nerven mich auch immer, aber sonst? Ich gebe zu, dieser Oleg Tiahnybok und Aleksandr Muzychko sind Strolche, oder wie mein Vorgänger Teddy Roosevelt einmal sagte: es sind Hurensöhne, aber es sind unsere Hurensöhne!

Wladimir, man muss auch mal verlieren können. Sei keine Spaßbremse! Wir machen das eben viel eleganter. Wir rennen nicht mit der Kalaschnikow durch die Gegend und unterdrücken die Völker, wie Ihr es mit Ungarn und der Tschechoslowakei getan habt. Wir lassen die Völker frei entscheiden, dass sie bei uns mitmachen müssen. Das ist Marktwirtschaft. Das ist eine Geldanlage, eine Investition! Wir investieren in einen Regierungswechsel (Regime change). Wir haben dafür auch unsere objektiven Organisationen (Human Rights Watch, Amnesty International, u.v.m., die alle von uns gesteuert werden, aber nur, damit die nichts falsch machen und über Guantanamo o.ä. meckern). Du hast die bösartigerweise in Russland rausgeschmissen. Das war nicht nett von Dir! Das vergessen wir Dir so schnell nicht. Mein freundschaftlicher Rat: Mach Dich vom Acker, bevor wir böse werden – und mal so nebenbei: Mach uns keinen Ärger wegen Venezuela. Dieser Nicolás Maduro ist als nächster fällig, denn der hat zu viel Öl.

Ich meine es ja nur gut mit Dir,

Dein Barack

Hier geht´s zum Originalbeitrag:

http://www.altermannblog.de/lieber-wladimir-putin/

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