Mord in der Tagesschau

Mutiert zu harmloser Tötung

Autor: U. Gellermann
Datum: 08. Januar 2020

"Tötung" meldet die Tagesschau beflissen, nach dem Mord an dem iranischen General Kassem Soleimani, Mord an einem Mann, der im Iran faktisch die Rolle eines Vizepräsidenten inne hatte. Es handelt sich um Mord, sagt das deutsche Strafgesetzbuch, wenn die Tat "heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln" verübt wurde. Ein Drohnenanschlag auf eine Gruppe von Menschen ohne Kriegserklärung, ohne Vorwarnung, ohne jede völkerrechtliche Grundlage, ist fraglos ein Mord. Aber die Tagesschau mag Mord nicht Mord nennen. Man müsste ja den Präsidenten der USA, der den Anschlag ausdrücklich befohlen hatte, einen Mörder nennen. Das dann doch lieber nicht.

Im Irak, in dem Land in dem der heimtückische Anschlag verübt wurde, sind deutsche Soldaten unterwegs. Von denen weiß die Tagesschau zu erzählen "Bundeswehrmandat - Bundesregierung hält an Irak-Einsatz fest". Diese Verlautbarung der Bundesregierung gibt die Tagesschau einfach weiter. Ohne mal die Soldaten vor Ort im Irak zu befragen, ohne einen Völkerrechtler nach der Rechtmäßigkeit dieser deutschen Hilfe in einem Krieg zu befragen. Statt dessen zitierte die ARD-Nachrichtensendung Frau Kramp-Karrenbauer: "Der Irak darf nicht im Chaos versinken. Und schon gar nicht darf der Irak unter die Kontrolle von Extremisten geraten".

Die Aufgabe einer echten Nachrichtensendung wäre es jetzt, die Zuschauer darüber zu informieren, dass es die USA waren, die mit einem Krieg das Land ins Chaos stürzten. Dass es die USA waren und sind, die mit ihren brutalen Kriegen in diesem Raum dem Terrorismus immer wieder Auftrieb und Nahrung geben. Nichts davon. Im Gegenteil schiebt man als Experten noch den Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, nach. Auch der redet nicht von Mord sondern von Tötung, er fährt weiter die Linie der Verharmlosung.

Die Stiftung Wissenschaft und Politik untersteht dem Kanzleramt und fungiert als eine Art Abteilung für Außenpolitik. Es ist jene Stiftung, die im Rahmen des Projekts „The Day After“ syrische Oppositionelle zusammenkarrte, um den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad abzulösen. So forcierten Volker Perthes und seine Mitarbeiter im Auftrag der Bundesregierung damals den Krieg in Syrien. Heute versucht dieselbe Stiftung einen Mord zu kaschieren und die Tagesschau liefert weder Hintergrund noch Zusammenhänge, macht also Propaganda statt Nachrichten.

Im Norden der Republik kann die "Elbe-Jeetzel-Zeitung" einen Schweizer Diplomaten zitieren, den ehemaligen Botschafter der Schweiz in Iran und Deutschland, Tim Guldimann. Der nennt den Anschlag auf den iranischen General genau und treffend "einen Akt von Staatsterrorismus". Das Wort kommt dem Tagesdchau-Sprecher natürlich nicht über die Lippen. Denn statt ihre Zuschauer zu informieren, manipuliert die Hamburger Redaktion lieber, gibt sie lieber die Regierungsmeinung weiter.

Obwohl im Staatsvertrag des NDR, des Tagesschau-Senders, festgelegt ist, dass der Sender seinen Zuschauern einen "objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben" hat, verengt die Redaktion ihren Blick auf das, was die Bundesregierung unter Nachrichten versteht und macht sich so zum verlängerten Arm einer untauglichen Außenpolitik.

In Zeiten wachsender Kriegsgefahr erfüllt die Tagesschau ihre erste Aufgabe nicht: Den Zuschauern sachliche Informationen und den notwendigen Hintergrund zu geben. Das kritisiert DIE-MACHT-UM-ACHT und wird weiterhin versuchen, die Fehlleistungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auszugleichen.

Viele Zuschauer machen von dieser Mailadresse Gebrauch: DIE-MACHT-UM-ACHT@KENFM.DE. Sie helfen der Redaktion die alternative Sendung besser zu machen.

Hier geht es zum Video:
https://www.youtube.com/watch?v=Y96XEnG18r8


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 11. Januar 2020 schrieb Uschi Peter:

Diesem Beitrag ist nichts hinzuzufügen. Richtig: Tötung ist Mord beim "Feind", aber der Westen mordet nicht, er schaltet seine Feinde aus. Und die haben es verdient!


Am 10. Januar 2020 schrieb Foldi Fa Arshe:

Der größte Erfolg, den die PR - Industrie je realisierte, besteht darin, aus Tätern Opfer zu machen. Und es macht deutlich, was man von der Qualität der Leitmedien zu halten hat, die in dieses Horn blasen.


Am 10. Januar 2020 schrieb Cornelia Praetorius:

Wenn es auch an erbärmlicher Primitivität kaum zu überbieten ist wie unsere Politiker, besonders die überaus kompetenten Frauen AKK und vdL auf solche äußerst gefährlichen Situationen reagieren und gar Vermittlung anbieten, ohne dass jemand drauf käme, ausgerechnet sie darum zu bitten, so ist dies zusammen mit der peinlichen Hörigkeit gegenüber den USA-Kriegstreibern eine Garantie dafür, dass Deutschland in die absolute Bedeutungslosigkeit fällt. Je bedeutungsloser desto besser für die ganze Welt. Wenn wir nun noch Herrn Ischinger das Maul stopfen könnte ... das wär doch was. Mehr Patriotismus kann ich beim besten Willen nicht aufbringen.


Am 09. Januar 2020 schrieb Lutz Jahoda:

EMPFEHLUNG AN DEN BEREICH
WISSENSCHAFT UND POLITIK

Im Zuge globaler Terrorvernetzung,
Ist der unschön bis hässliche Ausdruck Mord:
Aus Herrschersicht ein zu vermeidendes Wort.
Und weil auch Tötung sich unfreundlich anhört,
Empfehl ich den Ausdruck, der weniger stört,
Statt Mord und Tötung: Standortversetzung.
Oder - für Streiter der Wortwahlbewegung -
Charmant, schlicht und einfach: Standortverlegung!


Am 09. Januar 2020 schrieb antares56:

Die sogenannte "Tagesschau" erinnert mich im stärker an Hitlers Propagandamedien in Vorbereitung auf einen Aggressionskrieg gegen fremde Völker a la Völkischer Beobachter oder der Sturm! Und das dumme deutsche Volk schluckt es wieder! Und diesmal spielt sogar die SPD mit!
Entweder kotzt man oder man muss sich überlegen, ob bewaffneter Widerstand (wie es die RAF versucht hat) nicht notwendig ist?


Am 09. Januar 2020 schrieb Reyes Carrillo:

Das Bedürfnis nach etwas Genuss ist natürlich auch in den dunkelsten Zeiten, vielleicht noch im Vorhof der Hölle ein absolut legitimes Lebenserhaltungszeichen. In der neoliberal-militaristischen, unaufhörlich Mehltau produzierenden, also schwer kranken Gesellschaft mit gleichgeschalteten Staatsmedien wird dieses Bedürfnis geradezu schmerzhaft.

Es ist so ungeheuer wichtig, die zu finden, die gekonnten, klugen Widerstand gegen diese sich verselbstständigt habende Dauergehirnwäsche leisten. Und damit den leidenden Wachgebliebenen Trost und mithin etwas Genuss zu bescheren. Gott oder wem auch immer sei Dank, dass auch das deutschsprachige Internet einige gute Adressen für die steigende Zahl dieser Bedürftigen kennt.

Womit ich - natürlich - bei dir bin, lieber Mu8-Mann. Genau du warst heute genau das für mich, was ich da beschreibe. Ein emotionaler, wichtiger Genuss in diesen wirklich äußerst dunklen, so gefährlichen Tagen. Das Bewegtbild ist hier natürlich der ideale Verstärker: Die Verve deiner hartnäckigen Mord-Klage hat meine verspannten Glieder zumindest temporär erfrischend gelockert. Hab’ vielen Dank.

Angelegentlich: Du kannst übrigens auch Charisma.


Am 09. Januar 2020 schrieb Paulo H. Bruder:

Danke für die Erläuterung zur Stiftung Wissenschaft und Politik: eine Stiftung für Lügengebäude aus Steuermitteln. Man kann sich jetzt schon ausmalen, was seitens der Stiftung zu erwarten ist, wenn der Wind von Rechts noch stürmischer weht.


Am 09. Januar 2020 schrieb Hans-Heiko Schlottke:

Ja, Uli Gellermann, so ist es eben bei uns mit der Presse-/Medienfreiheit: Immer schön mit der Macht kuscheln, nicht anecken, dankbar die Bröckchen aufsammeln, die die Regierenden fallen lassen, sich selbst in der Rolle des "Wächters der Demokratie" feiern - und doch Tag für Tag Informationen ignorieren, unterdrücken und damit faktisch dem schönen Selbstbild krass widersprechen. Gleichzeitig empört und selbstgerecht auf tatsächliche oder vermeintliche Defizite in anderen Staaten hinweisen. Wie war/ist das mit dem Balken im eigenen Auge...?


Am 08. Januar 2020 schrieb Maja Gregor:

Ja, es war Mord. Aber das kann die Tagesschau nicht aussprechen. Sonst wir der Laden geschlossen. Danke für die klaren Worte.


Am 08. Januar 2020 schrieb Henry Bender:

So eine Vereinfachung ist sträflich. Der iranische General hat auch Blut an seinen Händen.

Antwort von U. Gellermann:

Hätten Sie mal nen Beweis? Einen kleinen?


Am 08. Januar 2020 schrieb Rene Stiner:

Eine beeindruckende schauspielerische Leistung. es läuft mir bei Zusehen und Zuhören kalt den Rücken runter. Aber zugleich politisch klar und klug. Danke.

Kürzlich...

22. Januar 2020

Applaus! Applaus! Applaus!

Millionen Zuschauer manipuliert
Artikel lesen

25. Dezember 2019

Stille Nacht gefälligst

Tagesschau mißachtet Weihnachtsfrieden
Artikel lesen

11. Dezember 2019

Mehr Geld für NATO

Tagesschau bastelt Feindbilder für den Gabentisch
Artikel lesen

27. November 2019

Bitte melde Dich!

Aufruf an den unbekannten Soldaten
Artikel lesen

25. November 2019

Rubikon schlaumeiert vor sich hin

Arrogante Verurteilung von Evo Morales
Artikel lesen

PDF dieses Artikels

Diesen Artikel herunterladen

Wenn Sie möchten, können Sie sich diesen Artikel auch als PDF-Datei herunterladen:
PDF-Datei laden

Artikel kommentieren

Brillant? Schwachsinn? Mehr davon?

Sagen Sie uns Ihre Meinung! Wir überprüfen Leserbriefe, bevor wir sie online stellen – nicht um sie zu zensieren, sondern um unsere Leser vor SPAM und Werbung zu bewahren. Über Kritik freuen wir uns!
Kommentar verfassen

Spenden für Medienvielfalt

Die Autoren dieser Seite verwenden viel Zeit und Sorgfalt bei der Recherche und beim Schreiben der Artikel. Wenn Sie die Rationalgalerie in ihrem Bestreben, zur Vielfalt unserer Medienlandschaft beizutragen, unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende. Jeder Beitrag hilft uns weiter: