Kann man den Tod heilen?

Liebe in den Zeiten der Psychoanalyse

Autor: U. Gellermann
Datum: 18. April 2016
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Buchtitel: Ein zweites Leben
Buchautor: Michael Schneider
Verlag: Kiepenheuer und Witsch

Der Hochschul-Lehrer Fabian Fohrbeck hat sich eine Auszeit genommen. Als könne das Leben eine Pause machen, will er ein „Burn-Out“ in einer Klinik kurieren. Wie kann man den Tod heilen? Denn seit dem Tod seiner Frau ist dem Fohrbeck das Leben nur halb. Innig hat er sie geliebt, zärtlich lässt der Schriftsteller Michael Schneider den Leser an den Riten und Erinnerungen teilhaben, die der Frau des Ich-Erzählers gewidmet sind. Michael Schneider gibt der psychosomatischen Klinik im Buch den Namen Phoenix, als könne man in solchen Kliniken strahlend aus der Asche der eigenen Vergangenheit in eine lichte Zukunft aufsteigen.

Liebe in den Zeiten der Psychoanalyse, so könnte der neue Roman von Schneider auch heißen. Als sei der Autor, mehr als 40 Jahre später, zu seinem ersten Buch „Neurose und Klassenkampf“ zurückgekehrt. Doch während sein frühes Buch der Wissenschaft gewidmet war, deutet sein jüngstes die Liebe in den Zeiten des digitalen Zeitalters, in Zeiten, die nicht mehr zu altern scheinen, in denen die Zugriffszeit jenes Tempo bestimmt, in dem wir leben sollen.

Auch der Klassenkampf ist bei Schneider nicht vergessen. Anders als manch andere Autoren seiner Generation hat sich Schneider seinen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse bewahrt und findet in der Klinik ein Figuren-Ensemble, in dem eine Karriere-Dame den Neo-Liberalismus als alternativlose Lebensform predigt und den Wettbewerb als Maßstab der Dinge preist: „Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.“ Wenn der ausgebrannte Hochschul-Lehrer ihr Senecas Schrift „Von der Kürze des Lebens“ entgegenhält, erscheint er hoffnungslos altmodisch und verteidigt doch nur ein Leben außerhalb des Profitdenkens.

Immer wieder taucht der Patient Fohrbeck, ermuntert durch die an ihm angewandte Psychologie, in die Zeiten seiner Kindheit, um dem erwachsenen Fabian näher zu kommen. Krieg und Flucht prägen seine Generation bis heute, und die Gewalt des Krieges setzt sich fort in einer schwarzen Pädagogik, die bis in die drohende Figur des traditionellen Nikolaus ragt. Manchmal, angesichts der therapeutischen Aufwände für die Ausgebrannten der Jetztzeit, schleicht sich die Frage nach der Therapie für die Kriegsgeneration an: Wie haben die Front- und Bombengeschädigten ihre Zeit nur ohne professionelle Hilfe bewältigen können?

„Ein zweites Leben“, so laute der Titel des Romans, denn Fohrbeck, der geglaubt hatte nie wieder lieben zu können, findet ein neues Ziel seines Begehrens. Und hofft ein zweites Leben zu beginnen, eines, das seine Wünsche nach Nähe und Wärme erfüllen soll. Doch der Hochschullehrer scheitert: Die Frau, die er begehrt, verweigert sich, gefangen in ihrer Kindheitsgeschichte, kann sie die seine, die Angst vor dem Verlassenwerden, nicht lösen. - Aber Fohrbeck wäre nicht Fohrbeck, und Michael Schneider nicht Michael Schneider, wenn er das Ende der Liebe nur privatisiert sähe. Er fordert seine Universität heraus: Ein Symposium, das von der Gewalt der Geschwindigkeit handelt, fragt nach dem Sinn dieser Geschwindigkeit, nach ihrem Wofür. Ein Sturm, ein langes, intensives Gewitter bringt den Roman zu einem dramatischen Klimax und einem Ende, das keine Fragen beantwortet, sondern neue stellt.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 25. April 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

@ Uschi Peter und Uli Gellermann
"Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt " sagte Gandhi recht pessimistisch und hoffentlich nicht völlig realistisch.. Die Geschichte zu kennen, woran es ohnehin hapert, allein, reicht aber auch natürlich nicht aus.

Die Menschen müssten auch sich selbst erkennen, und da hapert es noch mehr.
Lernen, sich der eigenen Gefühle und Reaktionen bewusst zu sein, eigene Motive zu erkennen und zu hinterfragen, zu erkennen, was man sich wirklich wünscht und was man wirklich braucht, statt Ersatzbefriedigungen nachzujagen und unbewusste Wünsche oder Ängste auf andere Personen, Gruppen oder Staaten zu projizieren....viel zu tun, bis zum Erwachsen- sein. Aber wir kommen kaum dazu bzw. flüchten davor. Die von außen auferlegten Zielvorstellungen scheinen wichtiger, es scheint, als müsse man ständig rennen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Keine Zeit für Dichter, Denker und Erfinder.. Die heutigen deutschen Werte sind allesamt Sekundärtugenden: Ordnung, Fleiß, Effizienz, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit. . Das kann auch eine Maschine - für gute oder böse Zwecke.
Die Deutschen sollten sich nicht zuviel darauf einbilden, sondern lieber die Primärtugenden anvisieren!
Die waren im 3.Reich verloren gegangen, wie in jedem Faschismus. Das besonders Dämonische und bis dahin unbekannte am 3.Reich war die maschinelle Systematik und Konsequenz der Vernichtung. Das konnte es so in vorherigen vorindustriellen Jahrhunderten gar nicht geben.

Das heißt aber nicht, dass es das nicht wieder geben kann, und natürlich nicht nur in Deutschland - Verbrecherregime sind keine Frage der Nationalität, wie es die Antideutschen zu sehen scheinen. Das hat auch das Milgram-Experiment in den USA deutlich gezeigt. Es erwies sich dabei außerdem , dass es keines äußerlich-diktatorischen Regimes bedarf, damit normale Alltagsmenschen bereit sind, andere zu quälen und zu töten.Es zeigte, wie wenig innerlich frei und erwachsen wir im Westen in Wirklichkeit sind .Das System will das natürlich auch gar nicht, kann es nicht wollen, und lenkt uns ständig davon ab - man muss es sich erkämpfen.

Was die geschichtlichen Altlasten der anderen angeht, finde ich es trotz aller deutscher Schuld und nach den vergangenen Jahren durchaus angebracht darauf hinzuweisen. Es ist nicht gut, wenn es per se schuldigen "Bösewicht" gibt, von dem die anderen sich dann immer - relativ gesehen - umso weißer abheben und sich herausreden können, es ist für sie, für uns und für die Welt nicht gut, wenn wir sie indirekt hindern, ihre Lektion zu lernen.
Dadurch dass wir "schwarz" waren, waren die anderen Länder nicht "weiß", sondern verschieden grau und auch das Nazi-Reich entstand in einem Kontext, der über Deutschland hinaus reichte und auch finanzpolitische Hintergründe spielten eine Rolle, wie heute...


Am 23. April 2016 schrieb Uschi Peter:

Lieber Uli, haben die anderen Völker keine Verbrechen zu verarbeiten? Wie sieht es mit den Engländern, Franzosen , Spaniern, Portugiesen und den US-Amerikanern aus? Die scheinen alles verdrängt zu haben: die Verbrechen an den von ihnen unterdrückten Völkern scheinen sie nicht zu drücken. Bis heute stellen sie ihre Massenmorde an den Völkern Amerikas, Afrikas, Australiens als gute Taten für Frieden, Freiheit, Fortschritt und Demokratie dar. Keine Aufarbeitung ist zu bemerken. Müssten die nicht besonders von Wahnsinn befallen sein? Das Gegenteil ist der Fall. Die sind mit sich selbst im Reinen und die Nato-Staaten und die USA morden weiter.

Antwort von U. Gellermann:

Das Deutsche Verbrechen - organisierter Massenmord an Russen und Juden, die Verwicklung der ganzen Welt in den Krieg, in einer Zeit, in der die Menschheit schon entwickelte schien als bei der Entdeckung beider Amerikas - war das deutsche Verbrechen herausragend.


Am 19. April 2016 schrieb Hans Rebell-Ion:

Ist einer Welt Besitz für dich zerronnen,
Sei nicht in Leid darüber, es ist nichts;
Und hast du einer Welt Besitz gewonnen,
Sei nicht erfreut darüber, es ist nichts.
Vorüber geh´n die Schmerzen und die Wonnen;
Geh an der Welt vorüber, es ist nichts.

-Anwari Soheili. -
(Siehe das Motto von Saadis "Gulistan" v.1259 n.Chr.(=Rosengarten), übers. von K. H. Graf.)


Am 19. April 2016 schrieb Karola Schramm:

Danke, Herr Gellermann. Ein schönes Thema haben Sie da aufgegriffen.
Es wird gefragt:"Wie haben die Front-und Bombengeschädigten ihre Zeit nur ohne professionelle Hilfe bewältigen können ?"
Gar nicht. Sie haben sie verdrängt. "Der Krieg", so las ich kürzlich "in einer Überschrift, lebt in den Alten-und Pflegeheimen weiter. Das sind dann die sog. Verwirrten, Dementen, die immer noch in Ungarn oder Schlesien wohnen, ihre Kinder in die Schule bringen müssen oder kochen. Dann bekommen Sie schwere Depressionen oder Aggressionen, wenn sie keiner versteht, auch die Kinder nicht, die inzwischen selber Kinder haben und nicht merken, wie gerade ihre Mutter oder beide Eltern sie mit ihrem Kummer unbewusst geprägt haben. Die Ärzteschaft glaubt dann gnädig zu sein und verordnet Psychopharka oder Neuroleptika, Medikamente, die im Gehirn und Gefühl fast alles brach legen. Dann sitzen sie da, schauen vor sich hin, sprechen nicht viel, weil es nicht mehr so richtig geht mit der Wortfindung, werden zornig, schlagen und schreien, die Dosis wird erhöht. Die Traumatisierten bleiben eingebunkert in ihrer Welt. Keine Aussicht auf Licht und Erlösung..
Da hat der Herr Forbeck noch Glück. Eine neue Liebe soll es richten. Weit gefehlt. Das klappt nicht. Aber er scheint seine Aufgabe erst einmal gefunden zu haben. Im Außen. Letztlich aber geht es nur langsam. Zwiebelschale für Zwiebelschale muss tränenden Auges entfernt werden, was über Erziehung und das ganz gewöhnliche Leben in einer Familie in die Seele eingedrungen ist.
Kann man den Tod heilen ? Man sollte ihn auferstehen lassen....

Bestimmt ein spannendes Buch. Kommt auf meinen Merkzettel. Ich habe gerade begonnen zu lesen: "Wir Kinder der Kriegskinder" von Anne-Ev Ustorf.


Am 18. April 2016 schrieb Marianne Seidler:

Ein Satz in Ihrer Rezension hat mich besonders bewegt: "Wie haben die Front- und Bombengeschädigten ihre Zeit nur ohne professionelle Hilfe bewältigen können?" Haben Sie denn eine Antwort auf diese Frage? Immerhin hätte nach dem Krieg ein ganzes Volk auf die Couch gemusst. Aber es gab keine Therapie.

Antwort von U. Gellermann:

Eine solide Antwort auf die Frage verlangt ein großes Forschungsprojekt. Ich kann nur mit einer Vermutung antworten: Die Deutschen wussten, dass viele von ihnen schuldig waren. Dieses Wissen hat die Schäden nicht therapiert sondern unterdrückt. Auch eine Form der Bewältigung.


Am 18. April 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

"kann man den Tod heilen?"
Etwas was immer und allgegenwärtig ist, ist der Tod im Leben.
Der Verlust, die Wunde, die den Schmerz zu leben bremst zwingt zur Bewußtwerdung und möglicherweise zu der Frage, ob scheitern nicht auch, wie vieles andere zum Leben gehört ?
Und kann es nicht sein, dass die Kriegsgeneration den unverarbeiteten Schmerz und einiges andere mehr weitergegeben hat, wenn auch unbewußt?
Und die Frage nach Erlösung, von was und von wem auch immer gewünscht muss doch sein: "Erlösung von Schuld,weil man weiterlebt und der geliebte Mensch ins "Gras gebissen" hat? Oder ist es das Zurückgeworfen werden auf die eigene Existenz ? Und das hat was mit Zeit zu tuen.
Treffen wir denn nicht die Entscheidung ob das Mit schwimmen oder gegen den Strom gewählt wird?
".......wenn Liebe keine Gegenliebe erzeugt, nennt Karl Marx das ein "Unglück."
(Weiß momentan nicht, wo es genau steht)
Und das Buch habe ich nicht gelesen.


Am 18. April 2016 schrieb Michael Kohle:

Schon wieder ein Roman, und das auch noch am gleichen Tag. Muss das sein? Sorry, zu lobenden Buchkritiken bin ich einfach nicht kompatibel. Das hat man selbst in Amazonien schon zu spüren bekommen. Hoffe nicht, hier die gleiche Reaktion zu erfahren wie dort, bestenfalls ein ?Weiche Satan?! Wenn es denn aber sein muss!

Ich kenne den Autor nicht, auch nicht sein Buch. Noch nicht? Eher nein, auch wenn die Lektüre womöglich mir die ein oder andere Frage beantworten, vielleicht alternative Vorgehensweisen für mein Restleben bieten könnte. Auch wenn ein dramatischer Klimax versprochen wird, nein, neue Fragen brauche ich wahrlich nicht. Da habe ich genügend eigene auf Lager. Und all die Ratschläge? Vermute mal, dass bei ihrem Beschreiten sich wohl kaum viel anderes als Enttäuschung wenn nicht Verbitterung einstellen würde. Mit ansteigender Zahl der bereits durchlebten Lenze steigt auch die Zahl der hinter einem liegenden, klar abgegrenzten Lebensabschnitte, jene mit und jene - glücklicherweise - ohne Beiziehung eines shrinks abgeschlossenen.

Und so hat man zwangsläufig und tatsächlich ganze zwei Leben. Das vergangene, das frühere Leben und das zukünftige, dazwischen gibt es nichts. Während das Erstere von der Dauer und dem Ablauf klar bestimmt und aufgezeichnet ist, wenn auch nicht unbedingt gänzlich verstanden, so ist das Zweite allein schon von der völlig unbestimmten Dauer geprägt. Sie erstreckt sich von Null plus eine Sekunde bis zum endgültigen und kompletten Eintreten der Demenz, hoffentlich erst irgendwann in Jahren wenn nicht Jahrzehnten. Damit bis dahin nicht allzu viel Langeweile aufkommen kann, gibt es noch Schikanen, die per Zufallsgenerator die Zeitstrecke bis zum physischen Ende abkürzen können. Früher oder später ist dann auch in jene Lebensphase einzutreten - wenn überhaupt - in der das Leben ohne jene Obsession auszukommen hat, die in aller Regel zum „Burn-out“ führten, mittels derer andere - menschlichere - Obsessionen gnadenlos bis auf rudimentäre Restmengen niedergebügelt wurden. Stehen die ganzen dummen Ausreden des Berufslebens bzw. der Brötchenverdienerei, generell des Schnell-sein-Müssens nicht mehr zur Verfügung, bleibt entweder die Depression als Folge des Nicht-mehr-Gebrauchtwerdens, das Golfspielen, oder das fröhlich in den Tag hinein leben. Allzu viel Begehren ist da eher nicht förderlich.

Womit ich wieder beim Thema wäre. Kann man den Tod heilen? Gibt es die Phoenix-Variante, des in der Asche gerade eben noch darnieder liegenden, dann aus der Asche aufsteigenden zu neuem Vogelflug fähig und bereiten Menschen? Per Schnellkurs in der Psycho-Klinik oder als mehrjährige Tele-Novela auf der Couch? Liest man bei Gellermann zwischen den Zeilen, so finde zumindest ich dort bestätigt, dass mit Psychoanalyse wohl nur ein brachliegendes Geschäftsfeld pekuniärer Verwendung zugeführt werden soll. Werden doch offensichtlich die Möglichkeiten auszuschöpfen versucht, die sich aus der Zusammenführung von Menschen mit ähnlichen „Gebrechen“ so ergeben. Wenn der Protagonist im Buch glaubt, im zweiten Leben ein neues beginnen zu können, eines, „das seine Wünsche nach Nähe und Wärme erfüllen soll“, dann tatsächlich auch noch ein Objekt seines Begehrens antrifft, und dann doch bitterlich enttäuscht und abgestoßen wird, so ist dieser Ausgang so verwunderlich, so überraschend auch wieder nicht. Ist doch die "Gefangenheit" der Begehrten in ihrer Kindheitsgeschichte auch nicht viel Anderes als die Angst vor dem Verlassen werden! Der ausschließliche Blick in den Rückspiegel, wie soll er denn auch nur helfen können, auf dem Blindflug ins Dunkle des Vor-einem-liegenden. Wenn es ganz schlimm ausgeht, kommen da gar nur Copiloten-Lösungen in den Sinn. OK, die Gunther-Sachs-Lösung, nur noch nach von vorne ins grausige Dunkle zu schauen, um dann den Abzug zu betätigen, ist auch nicht viel besser.

Und jetzt habe ich ihn auch, den Grund, warum ich mir dieses Buch nicht zuführen sollte, obwohl ich doch nicht zu knapp neugierig bin, „wie wohl ein Sturm, ein langes, intensives Gewitter den Roman zu einem dramatischen Klimax und einem Ende, das keine Fragen beantwortet, sondern neue stellt“ zu bringen vermag. Was mich abschreckt, was ich partout nicht mehr ertragen mag, ist darüber lesen zu müssen, wenn einer „in die Tiefen seiner Kindheit abtaucht“, um dort die Gründe für sein vermeintliches Scheitern zu finden. Und alles unter tatkräftiger Mithilfe von Lokomotivführern, die außer ihren Stahlschienen auf Betonschwellen genagelt nichts beizutragen haben? Doch, ein Mmmmh ab und an vielleicht?

Wie reden Pfaffen und ähnliche Prediger immer wieder daher: Leben ist ein Geschenk! Wenn man Glück hat, ist auch noch Liebe dabei, damit ist es um ein Erhebliches besser zu ertragen. Wie mit diesem „Geschenk“ jedoch meistens umgegangen wird, ist alles andere als erhebend. Bis zum ersten Schicksalsschlag - und das kann lange dauern, kann aber auch morgen sein - geht fast jeder davon aus, ewig zu leben und die ganze Scheibenerde um ihn herum dreht sich nur für ihn. Welch ein grausamer Irrtum. Und dazu gibt es noch unterschiedliche Wege, die Liebe zu verlieren, schlimmer noch: ganz zu verpassen. Wer einmal das Verlassenwerden durch Tod des Geliebten und des ihn Liebenden „erleben“ durfte, denkt ab sofort anders, als jene der Liebe verlustig Gegangenen auf Grund von falsch ausgedrückten Zahnpastatuben oder weil der vermeintlich bessere Stecher vorbeischaute. Leben und auch Liebe ist mehr als immer nur eigenes Begehren erfüllt zu bekommen. Hört sich hochtrabend an, aber nach dreimaligem Lesen der Buchkritik bleibt mir leider kein anderer Senf über. Aber immerhin: das Symposium gegen Ende des Buches war dann doch ein Schritt in die richtige Richtung.


Am 18. April 2016 schrieb Lutz Jahoda:

Was soll am Tod zu heilen sein?
Er ist bereits die Heilung.
Das Ende aller Zipperlein,
Mit und ohne Totenschein.
Das Nichts im Nichts, stets besenrein,
Mit Garantieverweilung.


Am 18. April 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Der zwang, schnell sein zu müssen entsteht aus dem Gefühl. dass zu wenig da sei und man sich gegen die Konkurrenz seinen Teil sichern müsse. Den Arbeitsplatz, das Geld, die Partner, die Liebe, die Aufmerksamkeit, die Zeit.
Die "Knappheit der Güter"...
Dabei besteht schon ein gewisser natürlicher "Zugzwang" im Leben, durch das Wissen, dass es, zumindest physisch, nicht ewig währt. Da geht es aber darum bewusst zu leben, nicht, schnell zu leben..

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