Junge Welt gegen Wagenknecht

Ein Dialog zwischen Mellenthin und Gellermann

Autor: U. Gellermann
Datum: 13. Mai 2019

Nach einem Artikel von Knut Mellenthin in der Jungen Welt (Politik der Vereinfachung) zu Sahra Wagenknechts Rhetorik kritisierte Uli Gellermann den Text in der RATIONALGALERIE (Junge Welt im Klassenkrampf). Mellenthin antwortete auf diese Kritik. Gellermann reagiert auf diese Zuschrift,

MELLENTHIN

Lieber Uli Gellermann,
 
Dein Text gegen meine „Wagenknecht-Diffamierung“ scheint mir nicht nur die aktuellen, sondern darüber hinaus auch die grundsätzlichen Grenzen politischer Kommunikation aufzuzeigen. Für mich hat „Diffamierung“ immer etwas mit falschen Behauptungen zu tun. Für dich offenbar nicht. Es geht in deinem Text nicht darum, dass ich etwas geschrieben habe, was nicht stimmt, sondern dass ich am Heiligenschein einer „Lichtgestalt“ gekratzt habe und Blech unter dem Blattgold zum Vorschein kam. „Lichtgestalt“, das habe ich mir jetzt nicht etwa gemeinerweise ausgedacht, sondern das kann man wirklich in Lobpreisungen ihrer Anhänger lesen.
 
Sahra Wagenknecht arbeitet mit falschen Tatsachenbehauptungen und oberflächlichen Verallgemeinerungen, die eine andere Form falscher Aussagen sind. Nicht in ganz wenigen Ausnahmefällen, sondern regelmäßig und systematisch. Es ist ein Grundelement ihrer Rhetorik und ist meiner persönlichen Vermutung nach, aber das nur unter uns gesagt, auch ein wesentlicher Grund ihrer außerordentlichen Beliebtheit bei Menschen, die an ihr nur zu kritisieren haben, dass sie in der falschen Partei sei. Ich kenne etliche dieser Menschen seit Jahren und weiß, welche Einstellungen und Urteile sie dort zum Klingen bringt. Daran denke ich, wenn S.W. sich immer wieder auf den „gesunden Menschenverstand“ beruft, den aus meiner Sicht vom „gesunden Volksempfinden“ keine chinesische Mauer trennt.
 
Mein Text sollte ein Aufruf zu mehr Wahrhaftigkeit und Genauigkeit in der linken Politik sein. Ich denke dabei an einen (zu dieser Zeit schon ehemaligen) Funktionär der verbotenen und unterdrückten KPD, der mir 1968 sagte: „Kommunisten müssen nicht alles sagen, was wahr ist. Aber was sie sagen, sollte wahr sein.“ – Der Mann war gelernter Zimmermann und übte diesen Beruf als Leiter einer Baukolonne auch tatsächlich bis zum viel zu frühen Eintreten seiner Berufsunfähigkeit durch Amputation eines Beines aus. Menschen dieser Art sind in der Politik leider sehr selten geworden.
 
Warum aber habe ich mich in meinem Text nur mit S.W. beschäftigt, obwohl das Verdrehen von Tatsachen, das Unterstellen, das Verallgemeinern, das Lügen in der Politik allgemein üblich und anscheinend unausrottbar sind? Weil ich nicht Politik ganz allgemein verändern will – das wäre von vornherein aussichtslos -, sondern weil ich seit 52 Jahren linke Politik zu beeinflussen versuche, und weil es sogar jetzt noch, nach ihrem Teilrückzug, niemand aus ihrer Partei auch nur annähernd mit ihrem Einfluss auf die „öffentliche Meinung“ in all ihren Gestalten aufnehmen kann.
 
Beste Grüße
Knut Mellenthin

GELLERMANN

Lieber Knut Mellenthin,

herzlichen Dank für Deine Zuschrift. Eine ganze Reihe Deiner Artikel habe ich mit Gewinn gelesen: Sie sind häufig informativ, analytisch und gut recherchiert. In Deinem Text zu Wagenknecht fällt auf, dass Deine Recherche zuweilen Inhalte so verkürzt, dass sie aus der Information ruck-zuck in die Meinung geraten. Zwei Beispiele aus einem Stern-Interview, das Du verwendest, um Wagenknecht eine „Politik der Vereinfachung“ zu unterstellen.

Du schreibst, „Wagenknechts Suggestion, »Sicherheit« sei ein Zustand der Vergangenheit, der uns hauptsächlich durch die »unkontrollierte Zuwanderung« verlorengegangen (sei)“. Zwar redet sie im Stern auch von der Zuwanderung, aber im selben Absatz sagt sie: „Ebenso fatal ist die Außenpolitik: die von Merkel unterstützten Ölkriege der USA und ihrer Verbündeten, denen der ‚islamische Staat’ erst seine Existenz und Stärke verdankt.“ Vollständig zitiert gewinnt das Interview eine andere politische Farbe.

Im selben Interview erwähnt sie einen weiteren Aspekt des Flüchtlingsthemas: „Ich habe in Flüchtlingsheimen mit Syrern gesprochen, sie waren tief frustriert, weil sie nach Monaten immer noch dort saßen und teilweise noch nicht mal einen Deutschkurs machen konnten. Sie haben mich gefragt: Warum hat Frau Merkel uns eingeladen? Merkel hatte keinen Plan und kein Konzept, das war letztlich schlimmer als nur leichtfertig. Ihre Politik hat viel Unsicherheit und Ängste erzeugt und die AfD groß gemacht.“ Über diese Seite der Merkel-wir-schaffen-das-Politik magst Du in Deinem Wagenknecht-Artikel nicht nachdenken. Solcherlei Verkürzungen sind dann „Tatsachenbehauptungen und oberflächliche Verallgemeinerungen, die eine andere Form falscher Aussagen“ sind.

Vielleicht deshalb kommst Du in Deinem Text zu diesem Kurz-Schluss: „In der Praxis gibt es keine Anzeichen, dass es Wagenknecht gelungen wäre, die AfD-Wähler zu erreichen, was sie ja selbst als eines ihrer zentralen Ziele deklariert hat.“ Fraglos sind die Flüchtlinge das einzige Thema, mit dem die AfD groß geworden ist. Es wäre Aufgabe aller Linken, jene AfD-Wähler zu gewinnen, die sozial und politisch nicht zu dieser NATO-Partei gehören. Diesen Job nur Frau Wagenknecht anzuhängen, ist leichtfertige und simple Agitation.

Wenn Du in Deiner Zuschrift Frau Wagenknecht mit dem „gesunden Volksempfinden“ der Nazis in Verbindung bringst, verlässt Du jene linke Solidarität, die Voraussetzung für jenen gemeinsamen Kampf ist, den wir noch vor uns haben.

Lieber Knuth, ich freue mich auf Deinen nächsten Artikel, er muss ja nicht von Frau Wagenknecht handeln.

Beste Grüße, Uli Gellermann


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 18. Mai 2019 schrieb altes Fachbuch:

"Junge Welt gegen Wagenknecht"??

lieber galerist;)
wenn ich nicht FÜR was/wen tröte, bin ich dann schon DAGEGEN??
und in welcher situation bitte findet auch nur ein wimpernschlag KLASSENKAMPF statt, wenn sich grillen (ich bleibe bei meinem gleichnis;) duellieren??
sie üben reichlich (berechtigte) kritik an den gysi-kipping-flügel der PdL und sprechen der JuWe professionalität ab, aber kritik an s.w. belegen sie nicht mit "diskussionsverbote"? machmal ist es auch die wahl der worte, wessen partei ich ergreife;)
das geschasste rosa-imitat hätte sich mehr respekt erarbeitet, sie wäre bei der komm. PF geblieben und hätte sich um einigkeit im linken lager bemüht!
so verglimmt die "lichtgestalt". möge s.w. der rotwein in den armen von lafo beim kaminfeuer munden. sie wird mit einem auge auf ihre verkaufszahlen schielen, was auch keine revolutionäre bewegung ist;)
die nächsten msm-lieblinge (dagdelen, neu, dehm, huncko...) stehen bereit!
zufall??

Antwort von U. Gellermann:

Keineswegs spreche ich der JW eine gewisse Professionalität ab. Aber zuweilen stolpert sie über ihr Sektierertum. - Ausgerechnet Dagdelen, Neu, Dehm und Hunko gelten zu Recht als besonders linke Linke. Wer die für Mainstream-Lieblinge hält, ist ideologisch beschränkt. Die Kaminfeuer-Szene klingt sehr nach BILD-Zeitung.


Am 18. Mai 2019 schrieb Hanna Fleiss:

Das sehe ich auch so, Ulli Gellermann, denke aber, dass Mellenthin gar nicht mit dieser Bewertung gerechnet hat und sich so explizit gar nicht auf das Nazi-Gesetz berufen wollte. Sie hat ja mehrmals vom gesunden Menschenverstand geredet, was ja auch immer darauf hinweist, dass Klassenbewusstsein keine Rolle mehr für sie spielt. Sie greift ja vieles Richtige auf, dem jeder zustimmen kann, zieht aber falsche Schlüsse daraus. Am Ende kommt raus: Nun haben wir den Kapitalismus, keiner wehrt sich, also ist nicht die Zeit, um über Sozialismus zu reden, ich rede über das Wohlsein im Kapitalismus.
Das ist es, was mich zutiefst bei ihr stört: Sie hat sich mit dem Kapitalismus versöhnt. Das ist sozialdemokratisches Denken, auch wenn sie von "Auswüchsen" des Kapitalismus spricht, wo es doch um das Wesen des Kapitalismus geht. Und sie weiß sehr wohl, dass solche Appelle an die Herrschenden abprallen und gar nichts mit dem Aussprechen getan ist. Es sind Schönheitsreparaturen, die sie vorschlägt.

Antwort von U. Gellermann:

Was immer der Kollege sagen wollte: Er ist Journalist, weiß also, dass er einen alten Nazi-Spruch mit Frau Wagenkecht in Verbindung gebracht hat. Es mangelt ihm entweder an an gesundem Fachverstand oder ist einfach gehässig.


Am 18. Mai 2019 schrieb Brigitte Mensah-Attoh:

SUPPENDURCHSUCHER -
VERTRAGT EUCH....

Schließe mich voll dem genialen Comment
von Lutz JAHODA an .
Klarer gehts nicht!

Für mich ist Sahra Wagenknecht über jeden Zweifel erhaben!


Am 17. Mai 2019 schrieb Hanna Fleiss:

Ich kann mir nicht helfen, ich finde, dass Knut Mellenthin in der Beurteilung der Sahra Wagenknecht fast noch zu rücksichtsvoll ist. Zu dieser Frau wäre noch viel mehr zu sagen, zum Beispiel was Kurt Gossweiler zu einem ihrer Bücher geschrieben hat, wo sie sich die Zeit von Erhard zurückwünschte, weil die doch angeblich so schön war. Was Mellenthin schreibt, kann ich eigentlich nur unterstützen. Und wenn ich daran denke, was Günter Ackermann damals darüber geschrieben hatte, dass sie sich eine "Auszeit" vom Kommunistensein (der Kommunistischen Plattform)nimmt, dann stimmt das, was Mellenthin bemerkt hat, sehr genau.

Und kann jemand ihren Rücktritt von ihrer Aufstehen-Bewegung eigentlich noch erklären? Ich glaube nicht, dass sie begriffen hat, dass sie sich als neue Jean d'Arc auf dem Holzweg befand. Was sie sagt und was sie geschrieben hat, ist so verwaschen, dass ich mich beim Lesen wirklich gefragt habe, was will die Frau eigentlich? Einen schönen Kapitalismus mit einer kleinen Dosis Sozialismus?

Antwort von U. Gellermann:

Leider hat der von mir sonst geschätzte Knut Mellenthin das von ihm zitierte Stern-Interview mit Frau Wagenknecht durch höchst selektive Kürzung tendenziös verändert. Zudem rückt er sie in die Nähe der Nazis: Da geht gar nicht.


Am 16. Mai 2019 schrieb Ralf Thielken:

Ich erinnere mich an Wagenknechts Formulierung zum „Gastrecht“, welches „missbraucht und "verwirkt" sei. (Dazu eine Stellungnahme von David Goeßman auf den NDS v. 14.01.2016). In solchem Kontext sehe ich Mellenthins Intention.


Seit vielen Jahren lese ich täglich die JW und schätze daher ein, dass dem Autor sehr wohl anderes einfällt? als sich an Frau Wagenknecht abzuarbeite.

Ich selbst kenne aus Diskussionen die Formulierungskette: "Das ist doch nicht normal! Wo bleibt da der gesunde Menschenverstand Das hat mit gesundem Volksempfinden nichts zu tun! Bei Adolf hätte es das nicht gegeben!? Und wenn Wagenknecht dem Volk aufs Maul schauen würde, sollte ihr das nicht entgehen. Ich bin seit über 40 Jahren auf Baustellen unterwegs, da gibt es jede Menge Volk: Gelernte Zimmermänner und rassistische Trockenbauer. Deshalb verstehe ich Mellenthins Verweis auf das „gesunde Volksempfinden" auch nicht als Affront gegen Wagenknecht, sondern als Hinweis darauf, wie schnell Beifall von den Falschen kommt.

SW will einer „anderen“ Politik zum Durchbruch verhelfen und unterwirft sich damit letztendlich doch wieder den Zwängen, die es ihr schwer machen werden, zukünftig weniger "Missverständnisse" zu produzieren. „Der politische Verstand ist eben der politische Verstand, weil er innerhalb der Schranken der Politik denkt." (Marx)
Mellenthins Bemühen um Einflussnahme auf linke Politik erscheint mir allerdings vergeblich. Selbst wenn die Rhetorik aller linken Politiker an Wahrhaftigkeit und Genauigkeit unübertrefflich wäre , ändert dies nichts am Wesen von Politik, zu dem „das Verdrehen von Tatsachen, das Unterstellen, das Verallgemeinern, das Lügen" unausrottbar ebenso gehört wie der Krieg zum Kapitalismus.

Antwort von U. Gellermann:

Dem Autor habe ich Qualitäten zugesprochen. Aber für das kranke Volksempfinden hatten die die Nazis ausdrücklich ein Gesetz: "Durch das Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches vom 28. Juni 1935 ging der Ausdruck in die Gesetzestexte ein. In § 2 hieß es nun: „Bestraft wird, wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt oder die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksempfinden Bestrafung verdient.“ Wer Wagenknecht damit in Verbindung bringt verleumdet.


Am 14. Mai 2019 schrieb Marc Britz:

Habe sonst noch nichts von ihm gelesen, aber Knut Mellenthin scheint es mit der Wahrhaftigkeit zu haben. Weil Sahra Wagenknecht eine notorisch lügende, sich in der falschen Partei befindende lichtkindgleiche Lichtgestalt ohne die Authentizität eines echt amputierten Commie-Onkels ist, verfügt sie also einfach nicht über genug Wahrhaftigkeit. Dabei gibt es nach Nietzsche keine Wahrheit mehr, sondern nur Perspektiven auf das Weltgeschehen. Ich kenne nach Marx mindestens zwei solcher Perspektiven, die der Besitzenden und die der Ausgebeuteten. Mellenthin nimmt, unschwer am schlecht verwischten Querfront-Vorwurf erkennbar, die Perspektive der Besitzenden ein, die Perspektive jener, deren Profitgier einerseits erst die Flüchtlingsströme weltweit produziert, über deren mitunter problematischen Folgen und Begleiterscheinungen dann andererseits lokal niemand sprechen darf. Er ist, mit anderen Worten, gewollt oder ungewollt (tippe auf Ersteres) zumindest aus meiner Perspektive ein Vertreter der Gesinnungspolizei des globalistischen Establishments.


Am 14. Mai 2019 schrieb Otto Bismark:

Lieber Uli Gellermann,

mehreres macht mich bestürzt an dem Gegenstand und der Art des Umgangs damit. Vorweg, Ihre Konversation mit Mellenthin scheint mir kein Dialog zu sein. Denn ein solcher sollte unter vernünftigen Menschen von Gleichberechtigung, Offenheit und Lernbereitschaft geprägt sein. Davon kann ich bei M. nichts feststellen, wenn er gleich eingangs versucht Pflöcke einzuschlagen und damit die Erörterungen sachfremd in von ihm gewünschte Richtungen zu lenken, ohne überhaupt zum Thema kommen zu müssen. Was soll denn die Ausführung, für ihn habe Diffamierung immer etwas mit falschen Behauptungen zu tun. Sind das nicht zwei völlig verschiedene Dinge? Diffamierung als Form gezielter Verleumdung mag wohl auch falsche Behauptungen beinhalten, umgekehrt muß da wohl noch einiges hinzutreten. Um das der Straffung wegen mal in einem Satz zusammenzufassen, ich habe oft den Eindruck, daß die, die Toleranz predigen die Intolerantesten sind. Statt sich mit Frau Wagenknecht inhaltlich auseinanderzusetzen, was sicher sehr anspruchsvoll wäre wird eben die ideologische Keule hervorgeholt und zugeschlagen. Warum begreifen denn die Linken, seien sie nun Kommunisten oder nicht, ganz einfach nicht endlich, daß sie einen gemeinsamen Feind haben? Sollte man da nicht die Gemeinsamkeiten betonen anstatt auf die Verschiedenheit von Meinungen in Einzelfragen zu reflektieren? Sicher ist das Flüchtlingsthema ein sehr exponiertes. aber es kann doch nicht sein, daß jeder, der nicht dem Mainstream der Partei folgt verteufelt wird. Nochmals zu Mellenthin, m.E. arbeitet der vorwiegend mit Worthülsen, die eigentlich keine inhaltliche Substanz haben. "Blech unter Blattgold" ist wohl bereits selbst eine Verunglimpfung, dann weiter ohne Beleg Darlegungen über falsche Tatsachenbehauptungen, oberflächliche Verallgemeinerungen bis hin zum tödlichen Nazivergleich, sich selbst mit dem Etikett von Wahrhaftigkeit und Genauigkeit schmücken und fast am Ende eine Art Autoritätsbeweis. Der Höhepunkt dann jedoch zum Schluß. Nicht der Ansatz einer Frage, weshalb denn die Person Wagenknecht so populär sei, etwa weil sie vielleicht doch irgendwie recht haben könnte. Bereits lächerlich der Verweis, ihre Anhänger verorteten sie in der falschen Partei. Sondern die unverhüllte Absicht, weiter an den Grabenkämpfen der Linken festzuhalten. Das aber geht endgültig schief und erinnert mich unwillkürlich an das Ende der DDR.


Am 14. Mai 2019 schrieb Hella-Maria Schier:

Das "gesunde Volksempfinden" hätte ich gar nicht unbedingt als Nazi-Ausdruck verstanden. "Wir sind das Volk" war ja auch nicht ethnisch gemeint, sondern das Volk im Gegensatz zu den Regierenden. Der Souverän der D e m o kratie. Von dessen Empfinden will ein Großteil der denkunwilligen Edellinken in der Tat nicht viel wissen.
Wie praktisch ist es doch, dass man das lästige Wort "Volk" auch ethnisch interpretieren kann, dann ist der Souverän völkisch, rechts und pfui - und man braucht sich mit seinen Wünschen nicht mehr abzugeben.

Bald ist sowieso jedes ehedem linke Thema "rechts" und dann können die armen Linken gar nicht mehr anders, als Mainstream-Politik zu machen.

Nur, warum gehen die Linken nicht gleich zur SPD, wenn sie nicht mehr links sein wollen?
Weil dann eine sichtbare Lücke entstehen würde für eine echte linke Partei. Sie halten den Platz besetzt.
Aber sie zeigen immer wieder deutlich, wie sehr sie die einheimische Bevölkerung ablehnen, als deren Vertreter sie immerhin gewählt wurden.
Alles, was für den Normalbürger günstig sein könnte, lehnen diese " Linken" ab. Sie hassen ihn, er erinnert sie an das deutsche Schuldtrauma, und deshalb muss er von ihnen bestraft und erniedrigt werden, damit sie sich endlich rein fühlen können. Darauf, dass sie dieses Reinheitsgefühl nur bei sich selbst schaffen,
und sie selbst ihr Maß an Erbschuld definieren können und, dass sie diese Buße auch keinem heutigen Mitbürger einfach ungefragt auferlegen können, kommen sie anscheinend nicht.

Alle Unerwünschten, Unbequemen wie u.a. Sahra Wagenknecht werden nach rechts geschoben. Die Rechten freuts.

Antwort von U. Gellermann:

Die Nazis hatten für das „Gesunde Volksempfinden“ sogar ein eigenes Gesetz: „Durch das Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches vom 28. Juni 1935 ging der Ausdruck in die Gesetzestexte ein. In § 2 hieß es nun: „Bestraft wird, wer eine Tat begeht, die das Gesetz für strafbar erklärt oder die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksempfinden Bestrafung verdient. [...]“ Im Gesetz über den Ausgleich bürgerlich-rechtlicher Ansprüche hieß es, dass Nachteile, welche durch die politischen Vorgänge im Rahmen der.“ - Der Begriff im Bereich von Kunst und Kultur dazu, im Sinne einer konservativen Auffassung oder nationalsozialistischen Ideologie missliebige Werke für „entartete Kunst“bzw. „entartete Musik“ oder „volksfremd“ zu erklären. - Mehr Nazi geht kaum.


Am 13. Mai 2019 schrieb Uschi Peter:

Ich lasse mich von meiner Bewunderung für S.W. nicht abbringen, zumal von jemand, der so böswillig über S.W. spricht und jedes Wort von ihr negativ wertet. Sie spricht mutig Probleme an, auch wenn mitunter die linke politische Korrektheit ausbleibt. Aber sie "schaut dem Volk aufs Maul". Das ist ihre Stärke und macht sie zum Sprachrohr vieler. Die Antwort von Uli G. spricht mir aus der Seele.


Am 13. Mai 2019 schrieb Klaus-Peter Kostag:

Lieber Helmholtzplatzer,

Schuster bleib bei deinen Leisten, es sind fast immer zwei, es sei denn, er sei Schuster für permanent nur ein Publikum Einbeiniger. https://de.wikipedia.org/wiki/Leisten


Am 13. Mai 2019 schrieb Paulo H. Bruder:

"Warum aber habe ich mich in meinem Text nur mit S.W. beschäftigt .... ? Weil ich ... seit 52 Jahren linke Politik zu beeinflussen versuche ..." - In wessen Auftrag? Mit welcher Zielsetzung? Mit welchem Erfolg?


Am 13. Mai 2019 schrieb Christel Buchinger:

Mir scheint es eher, dass hier die grundsätzlichen Grenzen politischer Kommunikation von Knut Mellenthin zum Vorschein kommen, als allgemeine. Da muss ein verstorbener Kommunist in den Zeugenstand - aber für was? Für die banale und falsche Aussage, die Mellenthin hier zitiert? Oder will sich eher Mellenthin mit dem Kommunisten brüsten? Und seine Kübel , die er über Wagenknecht ausgießt sollen was? Linke Politik beeinflussen? Zu welchem Besseren? Die Aussage mit dem "gesunden Volksempfinden scheint mir eher darauf hin zu deuten, das M. dabei ist, ins Lager der Antideutschen abzudriften. Damit würde er dem Kurs der jw ja folgen.


Am 13. Mai 2019 schrieb Martin Leo:

Diskussion miteinander finde ich richtig, wir sollten nicht immer nur mit jenen diskutieren, mit denen wir stets übereinstimmen. In Wirklichkeit scheint mir Sarah Wagenknecht eh oft nur ein Platzhalter zu sein für das Flüchtlingsthema, bei dem man auch kräftig aneinander vorbei reden kann. Wir brauchen einen systemkritischen Blick darauf, was Migration noch alles bedeutet. Ich habe fast 30 Jahre in der professionellen Flüchtlingsarbeit gestanden. Würden all jene, denen in der Flüchtlingshilfe zu Recht "das Herz aufgeht", sich immer genau so gegen imperialistische Einmischung und Krieg sowie gegen soziales Unrecht - national und international - engagieren und engagiert haben, gebe es manche Auseinandersetzungen innerhalb "der Linken" heute gar nicht - und wohl auch weniger Kriegsflüchtlinge. Rechte Demagogen, die soziale, nationale und kulturelle Widersprüche für ihre Zwecke instrumentalisieren, können wir nur zurück drängen, wenn wir diese Widersprüche selbst benennen, anstatt Dinge zu tabuisieren.


Am 13. Mai 2019 schrieb Lutz Jahoda:

SUPPENDURCHSUCHER,
VERTRAGT EUCH !

Ich hoffe, dass dies ein Schlussstrich war,
Ein unübersehbar dicker und roter!
Wir ersticken sonst am gesuchten Haar
Und machen die Wahrheit noch toter.


Am 13. Mai 2019 schrieb Ulrike Spurgat:

Man könnte annehmen, dass Knut Mellenthien Sharah Wagenknecht nicht leiden kann, doch damit macht man es sich zu einfach.
Den Artikel in der JW habe ich gelesen, da mir Knut Mellenthien völlig unbekannt bis dahin gewesen ist und mit der JW habe ich nichts am Hut.
Fand ihn nicht besonders interessant, langatmig, wenig reflektiert, wenig Inhalte, wenig Mehrwert ermüdend, aber komplett gelesen. Mit S. Wagenknecht bin ich durch, weil sie die "revolutionäre Theorie" gegen die "soziale Marktwirtschaft" mit dem ollen Ehrhardt ohne Not eingetauscht hat, dass allerdings hat nichts damit zu tun, dass ich großen Teilen ihrer Analysen und Bewertungen der gesellschaftlichen heutigen Verhältnissen zustimme und was ich bis Heute nicht vergessen habe, wie Teile der PdL mit Frau Wagenknecht umgegangen sind. Widerlicher, hinterhältiger, bösartiger, neidischer und dümmlicher gibt es fast nicht, hat dem Fass dem Boden rausgehauen. Ähnlich, mindest sehe ich die Tendenz bei dem genannten Artikel und was die Kindheit von S. Wagenknecht in der DDR und Mellentheins dämliche Äußerung dazu, ließ mich hellhörig werden, also habe ich recheriert und siehe da, nun weiß ich, wo ich Mellenthien politisch einordne. Der Galerist fordert letztendlich die Solidarität unter den Linken ein, was ich richtig finde und man sollte den Klassenfeind erkennen und wissen, wo er steht und der Klassenfeind ist nicht Sharah Wagenknecht. Was soll das Beispiel mit dem Kommunisten von Mellenthien? S. Wagenknecht ist keine Kommunistin und das weiß doch jeder, der ein bisschen was davon versteht. Leider bestätigt sich meine Einschätzung was die JW angeht, wo mir spätestens, als ein Leserbrief von mir nicht veröfentlicht wurde, der die Umgehensweise mit der Preisverleihung für Jebsen massiv kritisiert hat und es ist ja eine Lachnummer, wenn ich erkenne, wie wenig reflektiert man dort der Zensur zum Opfer fällt.
Der Galerist antwortet, wie es seine Art ist: mit Respekt, Höflichkeit einem kollegialen Ton, in der Sache jedoch klar, präzise und reflektiert. Bei Knut Mellenthien vermisse ich nicht nur das, sondern finde abstoßend und mehr als unangenehm, sich auf einer Ebene zu bewegen, die ich als "unter aller Sau" bewerte. Vom Artikel spreche ich.
Das ich S. Wagenknecht verteidige hätte ich mir nicht so ohne weiteres vorstellen können.
Sie wurde gemobbt, gegen sie wurde und wird intrigiert bis dahin, dass die das "Handtuch" auch aus gesundheitlichen Gründen geschmissen hat. Beschämend wie mit Frau Wagenknecht umgegangen wurde und wird, die eine der wenigen ist, mit einem messerscharfen Verstand , auch wenn ich ihre politischen Konsequenzen nicht teile, bleiben ihre Analysen unverzichtbar in einem Haufen von Kippings, Lederers, Liebichs und so weiter. "Links von der CDU" (Kipping) Frieden mit Rußland ? Njet!
Denke, dass du gut daran getan hast den Leser einzubeziehen, dass er selbständig darüber nachdenken und reflektieren kann.
Mellentheins Artkel fehlt Obejktivität und es reicht, dass jeder meint sich an Frau Wagenknecht abarbeiten zu können, wenn ihm oder ihr nichts anderes einfällt.
Peinlich.


Am 13. Mai 2019 schrieb Emil Schaarschmidt:

Mit Parteilichkeit hat diese Diskussion nichts zu tun! Das ist ja genau das Problem an dem auch Die Linke krankt.Eben daran, daß ihre Mitglieder der Klasse, die sie vorgeben zu vertreten, nicht würdig sind. Lichtgestalt ist der richtige Begriff für derartiges Verhalten


Am 13. Mai 2019 schrieb Der vom Helmholtzplatz:

Bei allem Respekt Herr Gellermann, aber was soll das? Ihre Korrespondenz mit einem Schreiberling der jw den Leserinnen und Lesern der Rationalgalerie feil zu bieten steht Ihnen natürlich frei, ist ja Ihre Rationalgaleriehomepage. Aber zwischen "jw gegen Wagenknecht" und dem was es dann zu lesen gibt klafft eine Lücke!

"... Frau Wagenknecht mit dem „gesunden Volksempfinden" der Nazis in Verbindung ..." zu bringen ist doch leider "Volkssport". A. v. Humboldt: "Sprache ist das Werkzeug des Gedankens", Kurt Tucholsky, Thomas Mann, Erich Kästner, Eugen Kogon, und all die anderen deren Schriften von den Nazis auf dem heutigen Bebelplatz in Berlin verbrannt wurden werden doch von den gleichen Schmierfinken der jw, wenn`s denn passt für die Auflagenzahl, auch als Nazis, Deutschnationale, nicht schwul und antideutsch genug und was weiss ich bezeichnet. Das ist Pädagogik die Sie, Herr Gellermann, hier versuchen. Schuster, bleib bei deinem Leisten. Zurück zur Startseite. https://www.rationalgalerie.de/home

Antwort von U. Gellermann:

Da mein Artikel die JW kritisiert weil sie zu ihrem Wagenknecht-Text keine Diskussion zuließ, musste ich dem JW-Autor einen Platz zur Gegendarstellung einräumen.


Am 13. Mai 2019 schrieb Gert Wildung:

Im Artikel der JW gegen Wagenknecht ist die Grenze der fairen Auseinandersetzung unter Linken überschritten. Mit dem Versuch Sahra Wageknecht mit dem "gesunden Volksempfinden" der Nazis zu kontaminieren hat der JW-Autor jeden Kredit verspielt.


Am 13. Mai 2019 schrieb Svenja Weber:

Gellermann ist wirklich höflich in dieser Auseinandersetzung. Beim Satz von Mellenthin "wenn S.W. sich immer wieder auf den „gesunden Menschenverstand“ beruft, den aus meiner Sicht vom „gesunden Volksempfinden“ keine chinesische Mauer trennt." wäre ich beinnah explodiert. Dieser primitive Versuch Frau Wagenknecht in die Nähe der Nazis zur rücken geht einfach zu weit.

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