Der tiefe Staat schlägt zu

Diskussion im Berliner Buchhändlerkeller

Autor: U. Gellermann
Datum: 01. April 2019

Mit „Der tiefe Staat schlägt zu“ legen der Pro-Media-Verlag und Ulrich Mies als Herausgeber ein aktuelles Handbuch der Friedensbewegung vor. Schon mit seinem Einstieg ins Buch fundamentiert der Theologe Eugen Drewermann den Sammelband mit diesem Satz: „Krieg und Kapitalismus gehören untrennbar zusammen.“

Aus der Fülle jener 16 Aktivisten und Autoren des Buches ragt Jochen Scholz, Oberstleutnant der Bundeswehr a.D. nicht nur wegen seines Dienstgrades hervor: Mit seiner Analyse zum Niedergang der USA in ihrer Rolle als Hegemon liefert er eine solide Erklärung der in den letzten Jahrzehnten gewachsenen Aggressivität der Vereinigten Staaten. Und er benennt auch die Gegenkräfte, die den weißen Riesen taumeln lassen: „Die Bestrebungen, den Dollar im Welthandel zu umgehen, nehmen zu.“ In seinem Abschnitt über die neue Entscheidungsmöglichkeiten der Europäischen Union stellt Scholz fest, dass sich die EU zwischen dem „Bestandsmarkt USA oder dem Zukunftsmarkt Eurasien“ entscheiden muss, wenn sie eine politisch-ökonomische Perspektive haben möchte.

Ulrich Mies, der Herausgeber des Buches, erklärt in seinem Kapitel, dass sich die “Westliche Wertegemeinschaft“ erneut im Kalte-Kriegs-Modus befindet und dass die NATO-Führungsmacht USA ein „oligarchisch-plutokratischer Kriegs-Staat“ ist. Und er listet eine Vielzahl von Think-Tanks namentlich auf, die mit Verbreitung neokonservativer Ideologie beschäftigt sind. Auch die neue Form der Zweiteilung der Welt konstatiert der Autor: Obwohl die Sowjetunion als ideologischer Konkurrent aus dem Rennen der Supermächte ausgeschieden ist, sieht Mies ein neues Feindbild Russland „um die eigenen imperialistischen Ambitionen zu verbergen.“

Die einzige Frau im vorliegenden Sampler, Annette Groth“, lange Jahre menschenrechtspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der LINKEN, widmet sich dem „Antisemitismusvorwurf als Disziplinierungsinstrument“ und belegt diese Kampf-Form mit einer Reihe von Beispielen. Einen Höhepunkt dieser Diffamierungen sieht die Autorin, wenn sich dieser Vorwurf gegen Juden und Jüdinnen richtet: Diese abstruse Anschuldigung, so Groth, würde dann „mit dem Begriff selbst-hassende Juden abgetan“. Wie nebenbei wird in diesem Kapitel enthüllt, dass „es seit vielen Jahren eine intensive Kooperation zwischen deutscher Polizei sowie zwischen Bundeswehr und den israelischen Streitkräften“ gibt.

Zu diesem breit gefächerten Buch wird es in Berlin eine öffentliche Diskussion geben.

Am 16. April 2019
Um 20.30 Uhr
Berliner Buchhändlerkeller
Carmerstr.1, 10623 Berlin-Charlottenburg
Es referieren Ulrich Mies, Herausgeber und Jochen Scholz, Autor

Moderation: Uli Gellermann


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 02. April 2019 schrieb Gideon Rugai:

@W. Ringel

Hervorragendes Zitat:
Ich kann und konnte sie nie hören, diese ganzen implantierten Volks- und Gesellschaftsmythen, wie die von der Konkurrenz die uns den Fortschritt bringt , oder, dass wir - innerhalb von Sekunden - sofort in die Steinzeit zurückfallen, wenn wir auch nur einen einzigen Bereich unseres achso hehren Errungenschafts-Spielzeuge vom Grabbeltisch der Weltmärkte zurückziehen oder gar abschaffen. Es geht bei allem immer um das innere Raubtier mit seinem Ich +Ego, dass möglichst immer das größte Stück vom Kuchen abhaben will, und selbst noch um letzte Brosamen Schädel einzuschlagen bereit ist .

Die Schlachtfelder der Jahrtausende singen ein durchkomponiertes Lied davon (aus dem z.B." Fortschritt" in der Chirurgie hervorgegangen ist).

Alles in unserer Sozialisation ist ist von dieser Achse Krieg- Kapitalismus (-Imperialismus) durchdrungen und der daraus erwachsende Fortschritt kann eigentlich nur ein manipulierter, quasi-selbstreferenzieller sein, der sich wiederum von der Verfestigung entsprechend gestreuter Volks -und Gesellschaftsmythen, von "Ansichten" und "Meinungen" wie eine Krebszelle nährt und sich zur allumfassenden "Realität" aufschwingt, der wir uns dann -allem Freien Willen zum Trotz gnadenlos ausgeliefert fühlen oder ideologisch verklärt hinterher rennen wie die Lemminge.
Dabei bedarf es eigentlich nur der simplen Entscheidung eben dieses "Freien Willens" dem Raubtier in dir keinen Spielraum mehr zu gewähren oder es gar anzubeten und zu propagieren (über vermeintliche Notwendigkeiten des Krieges, der Konkurrenz und einer "Sicherheitsarchitektur" die vorsätzlich stets nur Illusion bleiben wird um Mäuse zu fangen...
Niemand weiß oder will wissen, wie sich alles entwickelt hätte können, was wirklicher Fortschritt im Sinne einer holistischen (ganzheitliche) Entwicklung des Menschen bedeutet hätte (ausser sich stets an Grashalme zu klammern die je nach Angebot und Nachfrage passend hingehalten werden), anstatt Fortschritt an der Menge korrekt und technisch einwandfrei wieder zusammengeflickter Kriegsopfer zu messen.
Und das ist der für mich der wesentliche und eigentliche große Betrugsfall in der menschlichen Geschichte, aus der all die weiteren kleinen und großen Lügen, Mythen und Legenden im Verlauf unserer Geschichte entstanden sind - eben der Lawine gleich von der anscheinend niemand weiß wie man die noch in ihrer massiven Vorwärtsbewegung stoppen kann . - ausser man heißt Greta, ist 16 u. noch jung genug um jeden Scheiß zu glauben, der von allmählich hysterisch werdenden Raubtieren verbreitet wird, die sich in ihren inneren Labyrinthen verlaufen haben...


Am 01. April 2019 schrieb Kurt Wolfgang Ringel:

Liebver Ulli

die Eugen Drewermann untertreibt maßlos: "Krieg und Kapitalismus gehören untrennbar zusammen."

William Morries dazu: Zunächst begreifen Sie bitte, daß unser gegenwärtiges Gesellschaftssystemauf ständigem Kriegszustand beruht. Ist jemand unter uns, der da meint, so sei es schon recht? Ich weiß, man hat euch erzählt, daß die Konkurrenz, welche bei der gegenwärtigen Produktion die Regel ist, etwas Gutes darstellt und den Fortschritt der Menschheit stimuliert. Jene, die das behaupten, sollten besser Konkurrenz gleich mit ihrem kürzeren Namen Krieg bezeinen, wenn sie wirklich ehrlich sein wollen, und ndann mögt ihr entscheiden, ob der Krieg den Fortschritt stimuliert oder nicht. Konkurrenz stimuliert meiner Ansicht nach den Fortschritt nicht mehr als ein wildgewordener Bulle, der jemanden in seinem Garten herumjagt. Krieg oder Konkurrenz - Sie haben die Wahl, wie Sie es nennen wollen! -bedeutet, den eigenen Vorteil auf Kosten anderer zu suchen. Im Verrlauf dieses Vorgangs darf man Zerstörung - und sei es des eigenen Besitzes, nicht sparen, oder man zieht den kürzeren. Das ist völlig bei jener Art von Krieg, in den Menschen ausziehen, um zu töten und getötet zu werden, der Art, bei der Schiffe ausgesandt werden, um zu versenken, zu verbrennen, um zu zerstören; die Verschweendung von Gütern ist nicht ganz so augenscheinlich, wenn es sich nur um jenen Krieg handelt, den man Handel nennt, die Verschwendung dabei ist jedoch genau diesselbe."
(Aus: "Wie wir leben und wie wir leben könnten" von Wiliam Morris, englische Sozialist - Diese Schrift befindet sich auch im Internet)

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