Der Rechtsruck im Land verlangt nach Links

Der Hass im Land ist nützlich für Herrschende und die AfD

Autor: Christel Buchinger
Datum: 11. April 2016

Unsere Autorin ist Wählerin der Linkspartei und möchte das auch bleiben. Sie hat vier Jahre für einen Abgeordneten der Partei im Bundestag gearbeitet. Mit Sorge beobachtet sie die sinkende Bedeutung der Linken.

Wie fühlt sich ein Hartz 4 Empfänger, der sieht, wie die Flüchtlinge empfangen werden?

Wie fühlt sich ein Hartz 4 Empfänger, der sieht, wie die Flüchtlinge empfangen werden? Freundlich, offen, auch erwartungsvoll. Kinder werden auf den Bahnhöfen in die Arme genommen, man hat warme Kleidung mitgebracht, etwas zu essen und zu trinken. Es werden Willkommensfeste gefeiert. Was denkt einer, wenn eine ganze Gesellschaft - oder eine halbe - sich auf die Socken macht, um den Vertriebenen zu helfen, ihre Not zu lindern. Niemand hat bisher den Kindern des Hartz 4 Empfängers einen Teddybär geschenkt, niemand hat für ihn den Dachboden oder den Keller durchkämmt nach Geschirr, Besteck, Teppichen und Couch, Lampen, Bilder, Handtücher, Blumenvasen, Kinderkleidung, Spielzeug. Vor diesen vielen netten und hilfsbereiten Menschen hat sich der Hartz 4 Empfänger eher versteckt, seine Armut vertuscht. Er ist arbeitslos und er hat aufgegeben. Die Jobagentur zwingt ihn hin und wieder in Jobs, in denen man für Knochenarbeit nichts verdient, ein Auto zur Verfügung stellen muss, ohne es vergütet zu bekommen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur sind unfreundlich, vorwurfsvoll und oft gemein. In der Nachbarschaft wird wahrscheinlich gemunkelt, er sei faul, liege der Allgemeinheit auf der Tasche. Er fühlt sich gedemütigt, nein, er wird ständig gedemütigt, von den Medien, von Mitmenschen. Er fühlt sich wertlos, schutzlos und wehrlos.
 
Haben wir uns diese Frage schon einmal gestellt?
 
Der Hartz 4 Empfänger fürchtet, dass es nun noch schwerer wird, eine Wohnung zu bekommen, an eine gute Arbeit ist überhaupt nicht zu denken. Die Arbeitgeber überschlagen sich doch schon mit dem Anpreisen von Stellen für gut ausgebildete Syrer! Der Hartz 4 Empfänger ist nicht gut ausgebildet und niemand macht Anstalten, ihm eine gute Weiterbildung anzubieten. Die ankommenden Flüchtlinge werden mit dem Hartz 4 Empfänger nicht auf gleicher Ebene konkurrieren, das ist seine Angst, sondern ein zwei Stufen höher klimmen als er je noch erreichen wird, und er wird unterster Bodensatz sein und bleiben.
 
Der Hass auf Arme, die Verachtung der Arbeitslosen wurde jahrelang geschürt. Sie waren objektiv betrachtet nicht schuld an ihrer Situation. Genug Arbeit war und ist einfach nicht da. Aber Mitfühlen mit Arbeitslosen wurde in konzertierten Aktionen der Regierenden mit den Arbeitgeberverbänden und ihren “Forschungsinstituten” und der ganzen Medienkamarilla systematisch ausgemerzt, nur noch Neid gefüttert, die Furcht genährt, sie könnten etwas bekommen, für das man selber schuften muss. Es diente der ideologischen Wegbereitung von Hartz 4, der Schaffung eines Niedriglohnsektors. Die Arbeitslosen mussten gezwungen werden können, jeden noch so miesen, unterbezahlten Job anzunehmen. Nur wer arbeitet, soll essen, war das Motto. Nicht Hungerlöhne sollten der Skandal sein, sondern diejenigen hungern, die nicht bereit waren, sich für jeden Lohn zu verkaufen. Die Langzeitarbeitslosen, die ohne Ausbildung und mit wenig Schulbildung wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Dort entstand eine “Parallelgesellschaft”, die niemanden juckte. Sie entstand in den Städten, wo die Migranten wohnten und sie entstand im Osten Deutschlands, dort wo einst die DDR und Vollbeschäftigung herrschte. Die Entstehung von “Parallelgesellschaften” war nicht die Aktion der Unteren, sondern der Oberen; sie diente ihren Interessen. Billige Arbeitskräfte für Putzkolonnen senkten die Kosten der Banken, der Industrie und des Handels. Reiche Privathaushalte hatten ihren Nutzen davon. Billiges “Facility Management” ist auch ein Beitrag zur Kostensenkung und zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Wirtschaft parasitiert auf einem Humusbett von Billiglöhnen.
 
Aber der Hass richtet sich nicht auf die Ausbeuter. Weder die Hartz 4 Empfänger noch die anderen Lohnabhängigen, die um ihre sozialen Standards fürchten, zünden Banken an, stürmen Werkshallen, besetzen Bahnhöfe. Sondern es brennen die Flüchtlingsheime, weil es gelungen ist, Angst, Hass, Wut eines großen Bevölkerungsteils auf die Flüchtlinge, die Wanderarbeiter, die Migranten zu lenken. Die Menschen, die die Willkommenskultur tragen, die sich sozial und politisch, oft ehrenamtlich und unentgeltlich für Flüchtlinge engagieren, stehen dem meist hilflos gegenüber. Dabei haben sie die Schlüssel in der Hand.
 
1. Hilfe brauchen nicht nur Flüchtlinge, auch deutsche Arme brauchen sie.
 
2. Die soziale Spaltung droht nicht erst, wenn viele Flüchtlinge ankommen, sie ist längst da. Sie ist die Grundlage für die gefährliche politische Spaltung der Unteren. Diese politische Spaltung ist gewollt und vielleicht sogar zielgerichtet herbeigeführt. Die Linken haben dabei eine besondere Pflicht. Von ihnen muss man Empathie verlangen können, auch für Menschen, die politisch auf die rechte Bahn geraten sind. Zu Recht sagt Sahra Wagenknecht “Sie können eben nicht beides haben: eine neoliberale Politik der sozialen Kälte in Europa und ein solidarisches Miteinander. Das geht nicht zusammen. Der Neoliberalismus zerstört anteilnehmendes und mitfühlendes Handeln!” Dieser Zerstörung muss die Linke entgegentreten, durch Agitation, politische Bildung, Organisation cartitativer Hilfe, Praktizierung von Solidarität.
Die politische Linke hat lange den Fehler gemacht, zwar die Sorgen und Ängste weiter Teile der Bevölkerung zur Kenntnis genommen zu haben, aber, was vielleicht noch wichtiger ist, nicht ihre Wut. Wut drängt zum Handeln. Möglichkeiten zum eigenen Handeln hat die Linke aber viel zu wenig angeboten.
In einer gemeinsamen Erklärung der Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Katja Kipping und Bernd Riexinger, und der Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, heißt es: “Wir laden alle Menschen ein, sich mit uns gegen diesen Rechtsruck in der Gesellschaft zu stellen! Wer verhindern will, dass sich die Menschen weiter gegen einander ausspielen lassen, muss anfangen, die Bedingungen zu ändern, die der Spaltung, dem Zynismus und dem Hass in die Hände spielen. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit und gegen Rassismus gehört zusammen. Es geht deswegen jetzt um eine Bewegung auf den Straßen, in den Stadtteilen, auf dem Land - für eine solidarische Gesellschaft für alle. Für eine Zukunft, für die es sich lohnt zu kämpfen und eine Demokratie, die wieder begeistern kann.” Eine Einladung reicht aber nicht. Es müsste konkrete Aktionsangebote geben. Die Partei müsste voran gehen, mit spektakulären Aktionen, mit Power, mit Entschlossenheit und Unerschrockenheit!
Wenn Linke mit oder ohne Punkt, diesen Kulturkampf nicht aufnehmen, wird es (wieder) böse enden. Den Kampf um Hegemonie kann man nicht aussitzen, nur weil einem die Regierungsfähigkeit wieder mal wichtiger ist.
 
3. Nur cartitatives Helfen reicht nicht, wir müssen für und mit den Armen und Flüchtlingen kämpfen für ein besseres Leben. Nur ein solcher Kampf kann und wird viele Mitläufer und Unterstützer von Pegida und AfD zurückgewinnen. Nur ein solcher Kampf geht über das “Angebot” von AfD und Pegida hinaus. Diese können zwar den Unmut hörbar machen, aber die Ursachen nicht bekämpfen, denn sie sind lupenreine VertreterInnen des Neoliberalismus, der die Miseren gerade erst verursacht.
 
4. Die Aufklärung über die Flüchtlingsproblematik muss verstärkt werden. Es geht darum, die Schuldigen an der Massenflucht zu nennen, die Strategien der Herrschenden zu entlarven und zu durchkreuzen. Zum Beispiel das Konzept der semipermeablen Grenzen: gute Ausländer sollen kommen, die schlechten nicht. Die armen Länder, die Länder des Südens, die Schwellenländer sollen ausbilden, Deutschland soll nutznießen können. Es muss auch gezeigt werden, dass AfD und Rechte aus anderen Parteien am gleichen Strick ziehen. Dass die Politik auf die rechten Aufmärsche reagiert, ist nicht Ergebnis deren kluger Politik, sondern der Kumpanei mit allen Rechten anderer Parteien. Die Mainstreampolitik schert sich nicht um Demonstrationen, auf denen die berechtigten Forderungen der Lohnabhängigen geäußert werden, aber rechten Aufmärschen zollen die PolitikerInnen Respekt, das Demonstrationsrecht muss plötzlich verteidigt werden - gegen Linke. Rechte dürfen hetzen, gegen das Strafrecht verstoßen, die Verfassung brechen, prügeln. Kaum einer wird zur Rechenschaft gezogen. Die Aufklärungsrate bei den Brandstiftungen an Flüchtlingsunterkünften ist lächerlich gering. Das erinnert nicht zufällig an den NSU.
 
Die Menschen im Land sind tief gespalten. Das nutzt den Herrschenden. Noch leben beide Lager friedlich nebeneinander. Man weiß nicht, ob der Nachbar oder die Kollegin, der einen oder anderen Seite zugehört. Man stichelt höchstens im kleinen Kreis, beim Stammtisch, mutmaßt, wer zu anderen Seite gehören könnte, aber will es nicht so genau wissen. Nun hat die Wahl das Mengenverhältnis deutlich gemacht, das Mengenverhältnis, nicht die Kräfteverhältnisse.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 25. April 2016 schrieb Hella-Maria Schier:

Erfreulicher Artikel!
Bisher hatte ich selbst Linke Hartz 4 Empfänger
verhöhnen hören, wenn sie kritische oder nur ängstliche Fragen zur Flüchtlingspolitik stellten. Sie nannten sie "selbstmitliedig" und verspotteten sie als "besorgte Bürger" Mit solchen Floskeln ist sowieso Vorsicht geboten, weil sie sich für jedes strittige Thema gegen die Bürger benutzen lassen um sie zu hindern, ihren Unmut zu äußern.. Proteste "besorgter Bürger" gegen TTIP oder Spannungspolitik gegenüber Russland z.B. wären ja sehr angebracht.
Die vielen subtilen Manöver, Demokratie und freie Meinungsäußerung abzuschaffen, werden längst nicht genügend wahrgenommen!! Weil sie in Kontexte verpackt werden, wo sie ethisch begründet scheinen, schluckt man sie widerstandlos.

Selbst "Die Anstalt" machte mit bei der moralischen Schimpfe auf diejenigen deutschen Bürger, die nicht nur in medientauglichen Willkomens-Umarmungen versanken.
Dieter Dehm sagte:
"Die Antideutschen kommen jetzt ausgerechnet in der EU-Krise, wo sehr viel Unzufriedenheit freigesetzt wird und versuchen, Kapitalismus-Kritik durch political correctness zu ersetzen, ein infamer Trick hinter dem bestimmt irgendwelche imperialistischen Spin-doctors, möglicherweise auch Geheimdienste stecken."
Das ist auch mein Eindruck, so wurden die Linken gespalten und verloren ihre Stoßrichtung. Gut gemacht, CIA...ihr könntet es etwa folgendermaßen angestellt haben, wofür einiges spräche:
1. Man mache in jahrelanger europaweiter Propaganda-Arbeit aus eurokritischen Parteien Rechtspopulisten, einfach indem man sie für rechts erklären lässt und sie so nur noch entsprechendes Klientel anziehen, während andere Mitglieder austreten, weil sie nicht "rechts" sein wollen.
Damit diskreditiert man zum einen Kritik an EU und Euro als "rechts",ein wichtiger Punkt, zum anderen schafft man mit den Rechtspopulisten ein Ventil für die Unzufriedenheit der Bevölkerung, dass diese davon abhält sich den Linken zuzuwenden. 2. Nun schleust man Gruppen wie die Antideutschen an die Ränder der linken Parteien, trimmt sie auf das Feindbild Deutschland und Nationalismus und diskreditiert Kapitalismus-Kritik als "antisemitisch".
Bei diesem Wort
reagieren , wie man weiß, vor allem viele Linke so betroffen und verunsichert, dass sie aufhören klar und kritisch zu denken. Sehr praktisch. Ein beachtlicher Teil von Grünen und auch Linken lässt sich anscheinend täuschen (oder Kaufen) , macht die Kehrtwendung mit und fällt nun denen in den Rücken, die sich weiterhin für bis dahin allgemein linke Ziele einsetzen und gegen Krieg und Kapitalismus demonstrieren.

3. Die Linken werden gegen die vorher aufgebauten Rechtspopulisten als hauptsächlichem Gegner in Stellung gebracht.
Damit ist der mainstream, in vielem eigentlich nicht weniger rechts
als die "Populisten", von linker Beobachtung und Bedrohung entlastet. Aber er kann nun auf "die Rechten " zeigen und sich damit von ihnen abheben.
4. Durch Terrorangst, Ängsten aufgrund massiver Zuwanderung und auch vor einem natioanlistischem Regime wird ein Klima der Anspannung aufrecht gehalten.
Dies nimmt man zum Anlass mehr Überwachung und Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch zu drücken, vor allem über Brüssel. Weil alle eher die nationalistische Gefahr der einzelnen Länder als Gefahr sehen, bemerken sie nicht die größere Diktatur, die sich im Zentrum zu bilden scheint. bildet.


Am 20. April 2016 schrieb Thomas Nippe:

Ein ausgezeichneter Artikel.. Ein großes Dankeschön an Christel Buchinger und an Dich, Uli, für die Bereitstellung der Galerie. Tut einfach gut so was zu lesen.


Am 13. April 2016 schrieb Günther Lachmann:

Die Manipulation der unwissenden Bevölkerung entert mit TTIP-Newspeak
neue Mechanismen der Desinformation.
Uli Gellermann weist mit dem Hinweis auf Katja Kipping, und ihre
tiefgreifende Erkenntnis der Vertraege darauf hin.
Auch Ulrike Spurgat stellt, wesentlich intelligenter als der LINKE
Vorsitz, fest, dass nicht nur der Inhalt der Vertraege anrüchig ist,
sondern das die Terminologie der Parteien, wenn es um TTIP geht, an eine
Stinkmorchel erinnert, welche nur Scheißhausfliegen anzieht.


Am 12. April 2016 schrieb Heinrich Triebstein:

Rainer Mausfeld, Psychologieprofessor: "Die deutschen Linken haben ja seit je eine besondere Neigung, einen `Narzissmus der kleinen Differenzen´ (Freud) zu pflegen und einen Großteil ihrer Energie auf Ausgrenzungs- und Abgrenzungsarbeit zu verwenden - eine recht erfolgreiche Selbstzersetzungsarbeit, die den Eliten ermöglicht, sich behaglich in einem Narzissmus der großen Differenzen zum Rest der Bevölkerung einzurichten." Es ist an der Zeit, dass der Souverän des Grundgesetzes sich die von ihm weggegangene Macht ("Staatsgewalt") zurückholt. Lutz Jahodas `Rot gegen Rot´ findet unten statt. Was zu organisieren ist: Die Auseinandersetzung Unten gegen Oben. Ansätze dazu gibt es, seit gegen die -gidas - außer in Dresden - immer mehr Leute auf der Straße standen, seit die Zivilgesellschaft sich um Flüchtlinge gekümmert hat und der jahrelang betriebenen Abschottungspolitik der Bundesregierung ein Ende gesetzt hat. Patrizia Nanz und Claus Leggewie haben unter dem Titel "Konsultative" (Artikel dazu in `der Freitag´ vom 31.3.16) einen Vorschlag veröffentlicht, der der demokratischen Linken aus ihrer oben umrissenen Lage heraushelfen kann: Zukunftsräte kümmern sich um die Fragen, die von heutiger Politik und Wirtschaft unbearbeitet bleiben. Damit Politik aus ihrem Tiefschlaf herausfindet und sich wieder auf ihren Amtseid besinnt, Schaden vom Volk zu wenden, braucht es mehr und mehr Bürgerinnen und Bürger, die sich gewaltfrei, laut und deutlich öffentlich äußern zum Beispiel zu den von R. und E. Skidelsky benannten `Basisgütern´, zu denen alle Menschen Zugang haben müssen: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit, Harmonie mit der Natur, Freundschaft, Muße. Da diese Basisgüter auf Grundgesetzartikeln (z. B. 1, 2, 3, 14, 15, 20 und 20a) beruhen, kann die Polizei schwerlich bekannte Taktiken wie die Einschleusung von Provokateuren anwenden. Wer bei solchen Gelegenheiten Gewalt einsetzt, entlarvt sich - bezahlt oder unbezahlt - als nützlicher Idiot des Status quo.

Antwort von U. Gellermann:

Den LINKEN mangelt es nicht an Räten. Dafür hätten sie einen ganzen, großen, teuren Apparat namens Rosa-Luxemburg-Stiftung. Es mangelt an praktischem Tun. Zum Beispiel sich keinen Maulkorb zu den TTIP-Papieren umbinden zu lassen. Oder mit Flüchtlingen und Langzeitarbeitslosen gemeinsam eine öffentliche Debatte zum Wohnungsbau und bezahlbaren Mieten zu führen. Auch ein kleiner, Zufahrten blockierender Parteitag in Ramstein wäre nicht schlecht. Aber die KollegInnen fahren inzwischen viel mit dem dem ICE und den Dienstwagen durch die Republik. Die Oppositionsrolle hat, wenn auch betrügerisch, die AfD eingenommen. Na klar: Wer so häufig öffentlich über Regierungsbeteiligungen nachdenkt wie die Gysi-Linke, der ist schon mit einem Fuß im Regierungslager. Statt im Arsch derer, die den Deutschen Kriege, Waffenexport und ungleichen Handel bescheren.


Am 11. April 2016 schrieb Gideon Rugai:

Zitat: "Genug Arbeit war und ist einfach nicht da.
Aber Mitfühlen mit Arbeitslosen wurde in konzertierten Aktionen der Regierenden mit den Arbeitgeberverbänden und ihren „Forschungsinstituten" und der ganzen Medienkamarilla systematisch ausgemerzt, nur noch Neid gefüttert, die Furcht genährt, sie könnten etwas bekommen, für das man selber schuften muss."

Der Zusammenhang zwischen den beiden Sätzen ist weitreichender als man auf den ersten Blick herauslesen kann (oder die Autorin zugesteht)....
Es gäbe schon genug Arbeit für jeden (und genug wären beispielsweise 20 Wochenstunden statt 40+)- schon allein wenn man aufrichtig aufarbeiten würde was die Politik in diesem Lande alles nicht tut um tatsächlich dem Allgemeinwohl zu dienen, anstatt Herrschaft, Profit und neoliberal/neotechnokratisches /sozialdarwinistisches Denken und Handeln in den Köpfen von Leitschaf und Herde zu verankern um Reibungspunkte und gesellschaftliche Konflikte aller Art (politisch, ökonomisch, ökologisch, psychologisch)aufrecht zu erhalten.
Das sich durch technologischen Entwicklungen grundsätzliche Veränderungen ergeben("Rationalisierung") ist unbestritten aber für meinen Ansatz irrelevant.
Ebenso wie der vielzitierte Reichtum (und dessen Grundlage) vorzugsweise von unten nach oben verteilt wird bzw. der Masse vorenthalten wird , wird auch "Arbeit" benutzt : Als Fetisch in Krisenzeiten (wie Gold) eingesetzt um z.B. bleibende Werte in einer Gesellschaft vorzugauckeln, deren Basis und Struktur immer weiter verfällt -zum Teil forciert um über geschürte Ängste Kontrolle zu erlangen (Divide et Impera) aber ebenso unter evolutionären Gesichtspunkten betrachtenswert, weil der Mensch evolutionär gesehen tatsächlich nun den Sprung vom triebbedingten Säuger mit territorial-analem Raubtierbewusstsein hin zu einer sich selbst und seiner Verantwortung vollständig herangereiften Entität bewältigen muss für die Bewusstsein nicht nur das ewige Vexierspiel mit Denk - und Glaubenssystemen, Ideologien und Paradigmen repräsentiert, hinter denen man sich prima verstecken kann, sondern zu einer Unmittelbarkeit und Einfachheit bewussten SEINS (individuell wie kollektiv) finden muss.
Und dazu sollten Heillige Kühe wie Geld und Arbeit nun endlich notgeschlachtet und in ihre verwertbaren Bestandteile zerlegt werden, damit Überflüssiges auf den Müll landet und eine komplett neue Definition von Leben, Vergütung und Arbeit vorgenommen werden kann , die ohnehin unumgänglich ist und das SEIN wieder (oder endlich) im Vordergrund aller menschlichen Bestrebungen steht anstatt über Denksysteme "Sein" (in irgendeiner Form) zu verifizieren, zu ordnen zu definieren und strukturieren zu wollen.
Wir haben niemals gelernt das Sein auf andere Weise zu betrachten, deswegen sollten wir es mehr denn je zumindest nachfolgenden Generatione ermöglichen (ohne die Fehler die durch ewig gleiche Denk und Handlungsschleifen entstehen zu wiederholen) - das ist auch ,was man an seine Kinder weitergeben sollte anstatt sie schonungslos durch den gegenwärtigen "Sozialisationsapparat" - den Bukowski die "Couragemangel" nannte - zu pressen - wie das sprichwörtliche Kamel durchs Nadelöhr)
Wie viele Menschen auf diesem Planeten definieren sich auch heute noch über ( meist entfremdete ) Arbeit in einer Form, die wenn besser und wesentlich zielgerichteter verteilt (anstatt auf Herrschaft, Profit, Vorteilsnahme und künstlich-materielle Erfolgserlebnisse, u.a. zur Bedienung anerzogener pawlowscher Reflexe in Form von Belohnung mit Papierscheinchen, zum Päppeln des ohnehin künstlichen "Selbst"- Bewusstseins des modernen Menschen ) einzig und allein nur dem Wachstum und Wohlstand eines erwachten, selbstbewussten Seins und damit dem Wohle aller dient ?
Was ich damit sagen will ist, dass nicht der Arbeitslose sondern die heillige Kuh "Arbeit" (als ewige Karotte vor des Esels Nase) im Zentrum der Betrachtung stehen sollte . Hartz IV ist scheiße, allgemeine staatliche Alimentierung ist ebenfalls scheiße, weil sie das Individuum zur Unselbstständigkeit bringt (und tiefsitzende Ängste födert wenn das Spiel auch noch mit Zuckerbrot und Peitsche a la Jobcenter betrieben wird).
Aber ganz offensichtlich WILL man abseits hochintellektueller Debatten garnicht in diesen neuen "Bewusst-Seins-Raum" vordringen. Nur anhand des Beispiels des bedingungslosen Grundeinkommens sieht man allein wie erstarrt, verkrustet und reaktionär das menschliche Sein sich heute noch gibt - lernresistent, nach wie vor auf den eigenen Vorteil, auf Sozialneid, Eigendünkel, Ideologisierung, Dogmatisierung, Ignoranz und Arroganz auf wenn und aber fixiert.
Das BGE wäre für mich natürlich nicht das Ende der Fahnenstange , die endggültige Aschenputtel-Befreiung, sondern nur ein Zwischenschritt (als EIN Beispiel -neue zwanglose Bildungsmodelle ohne westl. Entwicklungshelfer-Sendebewusstsein wären eine anderes) aus der eine ganz neue Generation hervorgehen könnte, weil man unter neuen materiellen wie geistigen Seinsbedingungen erst überhaupt in der Lage wäre, aus dem Schatten der vielzitierten "Schlafschaf-Mentalität" vorheriger Generationen herauszutreten und Dinge wie die Betrachtung von Sein, Leben und Arbeit auf eine ganz neue Stufe zu stellen.
Satt dessen beobachte ich wie die Spiralen der Angst intensiviert werden : Um Gesundheit, Verlust des Arbeitsplatzes und damit der Würde, Verlust von (nie ernsthaft hinterfragten) Werten, Angst vor Bildungsrückstand (PISA war auch so ein lächerliches Kuckucksei), Angst vor Krieg, vor gesellschaftlichen Konflikten, die nichtdestotrotz (durch eine kastrierte Politik) immer schön weiter angeschoben werden.
Und den Preis bezahlt die heranwachsende Jugend die nun nun den Spießrutenlauf neoliberaler Erziehung hin zum problemlos funktionierenden Drohnenbewusstsein mit RFID Chip schon als Kind bzw. Heranwachsender (mit "Bachelor"-Studienprüfsiegel) einen Acht-Stunden-Tag im Konsum-Wunderland hinlegen muss, weil hysterische Eltern, aufgeheizt von staatskonzernlicher Propaganda zur Endzeitschlacht um die besten Futtertröge auf dem Planeten aufruft, ihre eigene Angst und Verunsicherung gandenlos auf ihre Zöglinge projizieren und sich dabei auch noch für fortschrittlich halten.
Und genau so funktioniert "Mind-Control" , genauso wird die Herde in die wie für sie vorgesehen Richtung getrieben, denn die meisten ihrer Mitglieder treiben selber ungeniert (und überwiegend unbewusst) mit.
"Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein."
Den tieferen Sinn dieses Einstein-Zitats haben die meisten Bewohner dieser Welt aber augenscheinlich immer noch nicht begriffen, denn Schafe blöken zwar recht viel, wenn sie aufgeregt sind - bleiben aber immer noch doofe Schafe, die einfach nicht sehen wollen, dass Schäfer und Hund (im Aussen wie in uns selbst) die Zügel fest in der Hand halten (wollen) und das Gatter zur Freiheit nach wie vor strengstens bewachen -koste es was es wolle.
Ach ja: Ich war übrigens selbst einige Jahre Hartz IV "Leistungs"- Empfänger....


Am 11. April 2016 schrieb Ulrike Spurgat:

Der Staat hat dem Volk die Aufgabe verpasst, sich der Integration anzunehmen. Was für ein Wunder. Privat vor Staat ist und bleibt die Devise, egal um welche aktuellen politischen Fragen es sich handelt.
Von der LINKEN erwarte ich, dass sie genau auf diese Ungerechtigkeiten Antworten suchen und finden.
Spaltung war schon immer ein politisches Instrument. Arm gegen Arm ist ist das Interesse derer, die das zu befördern wissen. Die Darstellung eines Problems braucht auch einen Lösungsansatz. Ohne eine gut organisierte Linke gibt das nix.
Die gesellschaftlichen Verhältnisse schreien nach einer LINKEN, wie die Beschreibung an der einen oder anderen Stelle deutlich macht. Es gibt so unendlich viel zu tuen.......
Die LINKE bekommt es auf dem Tablett serviert. Was passiert.
Jeder und Jede müssen ein Buch schreiben.
Na sowas.
Sie sind im Deutschen Bundestag vertreten.
Nur wenn ich diesen Artikel lese, bleibt am Ende die Frage:"Wo ist eine ernstzunehmende LINKE?"
Und das die Geflüchteten nützlich sind in diesem Kampf steht doch außer Frage. Es ist eine Strategie, die aufgehen wird. Angst ist das Zauberwort. Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst vor dem, was einem fremd erscheint. Angst, dass das Wenige noch weniger wird. Wer sich mit dem Lebenserhalt beschäftigen muss hat weder Zeit für die schönen Dinge des Lebens, noch Zeit für Bildung, oder anderes. Dem Selbsterhaltungstrieb wird verständlicherweise alles andere untergeordnet. Menschen, die nicht mehr, als das können haben nix in der Hand. Das halte ich für einen Trugschluss, anzunehmen, dass dann der Kampfeswille ausbrechen wird.
Genau aus diesem und ähnlichem Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse ist die LINKE geboren. Für die, die es selber nicht schaffen können, weil die Kraft für den so wichtigen Kampf nicht reicht. Das ist die natürliche Aufgabe der Linken. Die Schwachen zu stärken, und die Interessen derer müssen auf den Roten Fahnen stehen.
Das ist Solidarität, die stärkste Waffe, die wir haben. Und wie gnadenlos diese Auseinandersetzungen in der Gesellschaft sind erleben wir doch täglich. Friss oder stirb, ist die Devise, die direkt und indirekt in die Gesellschaft gestreut wird.
Die LINKE hat genug zu tuen, so soll sie endlich loslegen.


Am 11. April 2016 schrieb Rudolph Bauer:

Die "Involutionstendenz zu einem autoritären Staat rechtsstaatlichen Typus widerspiegelt allgemeinere Disziplinierungstenzen, die den Gesamtprozess westlicher Gesellschaften kennzeichnen". (Johannes Agnoli: Die Transformation der Demokratie. Berlin 1967, S. 10) Geschrieben vor 50 Jahren, von den Parlamentaristen bis heute nicht als Kritik begriffen. Vielmehr als Gebrauchs- und Handlungsanweisung verstanden, um es unterm Hintern (in Armani-Hosen) warm zu haben und zu halten.


Am 11. April 2016 schrieb Susi Sorglos:

@Frau Buchinger
Ein paar Anmerkungen zu Ihrem Text:

"Der Hartz 4 Empfänger ist nicht gut ausgebildet und niemand macht Anstalten, ihm eine gute Weiterbildung anzubieten."

Das ist doch ein Klischee. genauso ein Klischee wie das vom gut ausgebildeten Syrer. So etwas sollte man nicht ungeprüft weiterverbreiten.

"Die Langzeitarbeitslosen, die ohne Ausbildung und mit wenig Schulbildung wurden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Dort entstand eine ?Parallelgesellschaft?, die niemanden juckte. Sie entstand in den Städten, wo die Migranten wohnten und sie entstand im Osten Deutschlands, dort wo einst die DDR und Vollbeschäftigung herrschte."

Wo finden sich im Osten diese Parallelgesellschaften? Bedienen Sie nicht auch hier wieder ein (von "oben" absichtsvoll verbreitetes) Klischee?

"Aber der Hass richtet sich nicht auf die Ausbeuter. Weder die Hartz 4 Empfänger noch die anderen Lohnabhängigen, die um ihre sozialen Standards fürchten, zünden Banken an, stürmen Werkshallen, besetzen Bahnhöfe. Sondern es brennen die Flüchtlingsheime, weil es gelungen ist, Angst, Hass, Wut eines großen Bevölkerungsteils auf die Flüchtlinge, die Wanderarbeiter, die Migranten zu lenken. "

Es sind also Hartz-IV-Empfänger, die Flüchtlingsheime anzünden? Woher wissen Sie das?

"Die Menschen im Land sind tief gespalten. "

Da haben Sie recht.
Allerdings kann ich nicht erkennen, was die LINKE dagegen tut. Für mich betreiben weite Kreise innerhalb der Partei die Spaltung weiter. Ausnehmen davon möchte ich Frau Wagenknecht.

""Rechte dürfen hetzen, gegen das Strafrecht verstoßen, die Verfassung brechen, prügeln. Kaum einer wird zur Rechenschaft gezogen. Die Aufklärungsrate bei den Brandstiftungen an Flüchtlingsunterkünften ist lächerlich gering. Das erinnert nicht zufällig an den NSU."

Das ist doch mehr so gefühltes Wissen.
Ich hier in Leipzig habe eher das Gefühl, dass "linke" Straftäter Narrenfreiheit haben.
Und: Haben Sie sich wirklich einmal ernsthaft mit dem Thema NSU befasst? Das geht wohl weit über ein "auf dem rechten Auge blind sein" des Staates hinaus.


Sie sind sicher ein guter Mensch mit guten Absichten - aber wenn ich solche Texte wie den Ihrigen lese, dann graut es mir vor der Weltfremdheit und Hilflosigkeit und dem Bessermenschentum der LINKEN. Ich habe die auch mal gewählt, wird aber ganz sicher nicht mehr vorkommen.

Antwort von U. Gellermann:

Frau Buchinger hat an keiner Stelle einen Zusammenhang zwischen Hartz IV-Empfängern und brennenden Flüchtlingsheime hergestellt.
Ihren Satz „Es brennen die Flüchtlingsheime, weil es gelungen ist, Angst, Hass, Wut eines großen Bevölkerungsteils auf die Flüchtlinge, die Wanderarbeiter, die Migranten zu lenken.“ kann ich nur unterschreiben.
Wenn Sie mal in den normalen Kleinstädten und kleineren Orten des Ostens waren, dann wissen Sie was Frau Buchger mit Parallel-Gesellschaften meint:
Verfallenen Häuser, verfallene Kommunikation, Verfall der Alterspyramide. Und Buchinger meint das an keiner Stelle als Vorwurf an die Menschen, die dort leben.
Ihr Vorwurf gilt den herrschenden Post-Treuhand-Verhältnissen.
Da die Aufklärungsrate der Anschläge auf Flüchtlingsheime beweisbar nahe Null liegt, ist das Wissen nicht gefühlt. Und dass der Staatsapparat im rechten Fall gern wegsieht, ist nicht nur am NSU aber auch dort einfach beweisbar.


Am 11. April 2016 schrieb Lutz Jahoda:

NEO-LIBERALER JUBELSONG

Der Neid wird gefördert, die Furcht wird genährt
Wer gegen uns ist, wird gefedert, geteert
Vorerst verbal nur, doch medienstark
Wir quatschen euch dumm zum Verbraucherquark
Und füttern damit die Tauben im Park
Den Rest, wenn ihr wollt, streicht euch selbst aufs Brot
Ihr seht uns zufrieden: Rot gegen Rot!


Am 11. April 2016 schrieb Klaus-Jürgen Bruder:

Bravo! – Für beide Artikel, für Deinen und den von Christel Buchinger

Die Linke ist nur noch Ausdruck des allgemeinen, bzw. hegemonialen - Bewusstseins –
war sie schon mal mehr?

Es waren unsere Hoffnungen, dass sie mehr sei, der Traum von der Avantgarde:
Kritik dieses Bewusstseins, Kritik der Verhältnisse, die dieses Bewusstseins spiegelt, ja,
aber: praktische Kritik: Kritik des eigenen „Fleisches, das schwach“.

Frei nach Christel Buchinger: Wir selbst haben die Schlüssel in der Hand!

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