Der falsche Koloss

Peter Sloterdijks Blütenlese

Autor: U. Gellermann
Datum: 12. Juli 2013
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Buchtitel: Ausgewählte Übertreibungen
Buchautor: Peter Sloterdijk
Verlag: Suhrkamp

Ein "Koloss der Ausdrucksgewalt, mündlich und schriftlich", erzählt Bernhard Klein über den Gegenstand seiner Bewunderung, Peter Sloterdijk. Klein hat jene etwa 30 Interviews des Philosophen ausgewählt und herausgebracht, die unter dem Titel "Ausgewählte Übertreibungen" jüngst erschienen sind. Nun versteht es sich, dass ein Herausgeber nicht in kritischer Distanz zu den Schriften seiner Wahl stehen muss. Aber er sollte sich auch nicht unbedingt als Epigone, als Nach- und Anbeter betätigen. Zumal Sloterdijk von Natur aus mit einem Selbstbewusstsein ausgestattet ist, das keiner Ermunterung bedarf. So einer trabt gern hoch: "Seit zwanzig Jahren dominiert bei mir die Lebensform Familie", erzählt der Philosoph seinem Herausgeber, statt einfach zu sagen: Ich habe Frau und Kind. Und wenn er schon mal dabei ist, aus dem Hochtrab ins Vergallopieren zu geraten, dann macht er auch nicht einfach Urlaub, dann "gebe (ich) die Berechtigung des Urlaubs allmählich zu." Ich, Cäsar Sloterdijk, gewähre mir und allen anderen Urlaub. Statt loszuprusten schreibt Klein das tatsächlich auf.

Manchmal gibt Sloterdijk den Schirrmacher - oder der hat bei ihm abgeschrieben - wenn er behauptet, die Rolle des Vermittlers, des Mediums sei von Personen auf Apparate verschoben worden. So, als ob die Apparate nicht von Menschen mit deren Interessen bedient würden: Hinter solchen mechanischen Vorhängen sind dann die Kräfte, denen die Apparate gehören, verschwunden und für nichts verantwortlich. So bleibt es nicht aus, dass der Philosoph die Binse zur Weisheit aufbläst: "Dass der Mensch ein Wesen ist, das im Kommen ist und im Gehen." Wenn er jetzt noch das Werden und Vergehen des Menschen nachschöbe, das Leben und Sterben, das Wachsen und Reifen, das Bleiben und Verschwinden, dann hätte er endgültig alle Trivialitäten abgearbeitet und könnte sich zu Ruhe setzen.

Doch nicht so Sloterdijk. In einem Gespräch mit dem Vitra Design-Museum (gegründet von einem Möbelhaus) führt er uns tiefer und tiefer in das Stop-and-Go menschlicher Existenz ein: "Der Sinn von Geburten im allgemeinen besteht wohl darin, dass Wesen, die von innen kommen, einen Ortswechsel vollziehen . . ." Das formuliert der Berliner genauer und existenzphilosophischer, wenn er sagt: "Wenn Se reinkommen könn´ Se rausgucken." Weil der Philosoph solcher Abstraktion leider nicht fähig ist, muss er dann der Zeitschrift WIRTSCHAFTSWOCHE in einem Gespräch über Reichtum versichern: "In der PDS (Linkspartei) gibt es zudem einen linksfaschistischen Widerstandsblock, der unberechenbar ist, weil er ein antikapitalistisches Ressentiment organisiert." Wenn er das doch nicht organisieren würde, der Block, wäre er wenigstens berechenbar, sagt Sloterdijk. Ach. Und weil die Linkspartei ein Ressentiment, eine Abneigung gegen den Krieg und Hunger und Ausbeutung verursachenden Kapitalismus hat, deutet der Berufsphilosoph sie als linksfaschistisch. Als faschistisch galt und gilt die NSDAP. Die war mit allen nichtjüdischen Kapitalisten gut Freund. Mit Sloterdijk dürfen wir sie jetzt getrost vom Faschismusvorwurf freisprechen. Denn antikapitalistisch war sie wirklich nicht. Müssen Philosophen von irgendwas irgendeine eine Ahnung haben? Nö, sagt unser Peter und faselt weiter.

Manchmal allerdings ist Sloterdijk unschuldig. Dann sind es seine Gesprächspartner, die ihn geradezu zwingen dummes Zeug zu erzählen. So Arno Frank für die "taz", wenn er zum Euro und der "Wohlstandssphäre Europa" fragt als gäbe es kein Hartz Vier, keine Banlieues, keinen Hunger in Portugal oder Irland. Alles ist ihm wohlständig. Dann muss der Philosoph einfach von der singulären, europäischen Großstruktur schwärmen, Hauptsache groß, Inhalt beliebig. Oder wenn Mattussek für den SPIEGEL, eine Assistenzfrage nach der anderen stellend, fragt: "Bringt nicht Schröder jetzt jene Reformen auf dem Weg, die eigentlich die CDU in den achtziger Jahren hätte betreiben müssen?" Da reicht für Sloterdijk kein einfaches JAWOLL, da muss er schnell noch die "Einheitspartei des Wohlstands" beschwören und hat mit der Einheitspartei nicht mal unrecht. Auch wenn vom Wohlstand nur in den höheren Regionen die Rede sein kann. Schöner Höhepunkt bleibt Thomas Macho, der dem Slotedijk das "Haus der Sprache" als "geheimnisvollen Ort" zuschiebt, damit der dann erzählen kann, dass die "Menschwerdung der Nebeneffekt einer einzigartigen Verwöhnung" sei und die Menschen deshalb ins Haus der Sprache eingezogen sind. Da ist selbst das biblische Märchenbuch genauer wenn es den Schöpfer zitiert, der den Menschen zuruft, dass sie ihr Brot mit Schweiß bezahlen müssen. Und bei Friedrich Engels hätte Sloterdijk nachlesen dürfen, dass die Sprache als erstes Handwerkszeug der Menschen entstanden ist.

Was dürfen wir alles lesen: Dass die französische Bourgeoisie vor der Revolution schlankweg zu den Ausgebeuteten gehörte. Als habe der Philosoph nie von zum Beispiel dem vorrevolutionären Jacques Necker gehört, schwerreicher Bankier und Getreidespekulant, der natürlich nicht ausgebeutet wurde sondern selbst ausbeutete. Wer das von den Anfängen des Kapitalismus nicht wissen will, der kommt dann nahtlos dazu, dass man doch den Arbeitslosen nicht immer als "Mängelwesen" beschreiben solle, immerhin sei er doch frei von Arbeit. Und weil Sloterdijk in Wahrheit alles weiß, kommentiert er auch die Fußballweltmeisterschaft und kommt zu der verblüffenden Erkenntnis, dass der "entwickelte Kapitalismus" den "Arbeiter in Spieler, in Börsianer" verwandelt. So landen wir dann zwanghaft folgerichtig bei der These, dass die "über das Geld gesteuerte Meritokratie, wie sie über die Marktwirtschaft ermöglicht wurde, viel zur Entgiftung der sozialen Beziehungen beigetragen" habe. Mal wieder verwechselt Sloterdijk die Meriten, die Verdienste, mit dem, was sich Milliardäre in die Tasche stecken und was die deutsche Sprache leider schon mit dem Wort "verdienen" verschleiert. Und die Entgiftung sozialer Beziehungen wird man sich in der Art einer Kur des Doktor Eisenbart vorstellen müssen, der seine Patienten gern auch mit dem Todesschuss für immer kurierte: Gloria, Victoria, widewidewitt, bumm, bumm!

Der Herausgeber der Gesprächssammlung, Bernhard Klein, wirbt zu Beginn für das Buch mit der Behauptung, er lege ein "Florilegum", eine Blütenlese vor. Wenn er damit hat sagen wollen, er versuche uns Falschgeld, Blüten anzudrehen, hat er so unrecht nicht. Denn wer wie Sloterdijk den Philosophen Hegel schlicht einen "Kollegen" nennt, so als hätten er und Hegel am selben Abflussrohr geschraubt, der ordnet sich falsch ein, der kann vor lauter Klopfen auf die eigene Schulter den Fehlschuss nicht mehr hören. Der schafft es tatsächlich, ein gefälschtes Leben als richtig auszugeben.


Kommentare

Folgende Leserbriefe wurden zu diesem Artikel geschrieben:

Am 15. Juli 2013 schrieb Georg Feldkamp:

Ich schreibe nie Leserbriefe, aber Ihre Sloterdijk-Rezension bringt mich dann doch dazu: Sie haben diesem aufgeblasenen Egozentriker wunderbar die Luft rausgelassen. Dafür meinen Dank.


Am 13. Juli 2013 schrieb Reyes Carrillo:

Ach, Herr Gellermann, bis in den wohl verdienten Urlaub hinein zwingen Sie mich auf die Knie! Zum Beispiel vor einem Satz wie diesem: „Denn wer wie Sloterdijk den Philosophen Hegel schlicht einen "Kollegen" nennt, so als hätten er und Hegel am selben Abflussrohr geschraubt…“. Wunderbar, ich habe jetzt noch Traenen in den Augen! Ich plaedierte allerdings noch fuer eine Erweiterung der Erleuchteten um den telegenen, geschmeidigen und zeitgeistgefoehnten Abflussrohrschraubergesellen Richard David Precht, der dann dieses kollegiale Triumvirat wohl stilbruchfrei ergaenzen wuerde.
Ihre ganze Rezension von Anfang bis Ende ist ein Labsal und Quell des Stinkefinger zeigenden Frohsinns fuer all jene, denen Sloterdijks triefend eitle, sich in jeder einzelnen Letter selbst feiernden hochgezuechteten Wortgebaeude massiv auf den Wecker gehen. Und dies am Schlimmsten immer dann, wenn er in der Tiefe seiner geradezu pathologisch elitaeren Selbst- und Weltsicht einem blossen, freilich primitiven, nackten Hayek’schen Liberalismus seinen lachhaften Philosophiesprech verleiht. Ein – deshalb nicht ganz ungefaehrlicher – von der Last der eigenen Bedeutung und Bauchumfang kaum laufen koennender Schwaetzer, nicht mehr, nicht weniger. Fuer Ihre herrliche Entmystifizierung dieses eitlen Sacks und seiner Apologeten dazu herzlichsten Dank!


Am 13. Juli 2013 schrieb Armin Gröpeler:

Für "Peter Sloterdijks Blütenlese" möchte ich mich ausdrücklich bedanken! Dieser selbstverliebte Solipsist braucht schon lange mal die "Kante".
Dank also und mehr davon!!!

Antwort von U. Gellermann:

Aber gern. Sein nächster Essay (Sinai) liegt schon auf meinem Tisch.


Am 12. Juli 2013 schrieb Martin Conradi:

Ach ja, Peter Sloterdijk ..., lieber Ulrich Gellermann! Der Name gehörte in dies Finale einer 2012 in einem Freundeskreis gehörten Rede von Walter Hiller zu "Balance in der Gesellschaft?":

"Gestattet sei mir zum Schluss noch eine Bemerkung zu Sloterdijk. In der Einladung wird von ihm der Satz zitiert: "Balance üben heißt keinem notwendigen Kampf ausweichen, keinen überflüssigen provozieren." Wenn wir diese These, diesen Aufruf in Beziehung setzen mit dem von Sloterdijk nach der Bundestagswahl 2009 veröffentlichten "Bürgerlichen Manifest", komme ich zu folgendem Ergebnis: In diesem Manifest fordert er einen Neuanfang der Gefühlshaushaltspolitik, nämlich die Balance zwischen Primäraffekten der menschlichen Seele, den Gier artigen Regungen auf der einen Seite, den Stolz artigen Regungen auf der anderen; griechisch gesprochen, so sagt er, sei das Wechselspiel von Eros und Thymos in Deutschland völlig verloren gegangen. Sloterdijk sieht Deutschland als einen "Umverteilungsstaat mit krypto-semi-sozialistischer Struktur", regiert von einer "Lethargokratie", die einem notorisch nörgelnd-unzufriedenem Volk nach dem Munde redet. Nach seiner Deutung befindet sich Deutschland im festen Griff einer latenten Sozialdemokratie im Sinne einer "Transfermaschine". So sei der Konflikt unserer Zeit derjenige zwischen den "Steueraktiven" bzw. "Transfermassengebern" auf der einen und den "Transfermassennehmern" auf der anderen Seite. Der aktuelle Zeitgeist beinhalte einen "psychopolitischen Vektor" zur Mobilisierung eben jener steueraktiven Bürger und fordert die schwarz-gelbe Koalition auf, einen Wandel im Sinne der Reichen und Besserverdienenden herbeizuführen. In der FAZ konkretisiert er diesen Punkt in der Weise, den Reichen es selbst zu überlassen, in welcher Höhe sie freiwillig eine Steuer an den Staat entrichten wollen. Frage: In welcher Hinsicht und mit welchem Ziel soll nun der Kampf geführt werden?
Dieses Denken entspricht einer absoluten Abkehr vom Gemeinwohl, einer Abkehr vom sozialen Rechtsstaat und entspricht in keiner Weise unserer für Deutschland geltenden Sozialordnung. Und scheinbar hat Sloterdijk von der ungerechten Einkommens- und Vermögenspolitik der letzten 25 Jahre noch nichts gehört. Steuerflüchtlinge bunkern rund 180 Mrd. Euro in der Schweiz Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das Wechselspiel von Eros und Thymos bei ihm völlig aus der Balance geraten sind und die Gier die Oberhand erhalten hat. Da kann man nur noch sagen: Armer Philosoph.

http://www.gaebler.info/2012/12/balance-in-der-gesellschaft/
Mit spendablen Grüßen
Martin Conradi


Am 12. Juli 2013 schrieb Markus Bunde:

Bei Sloterdijk braucht man nur die Luft rauslassen, dann wird aus dem "Medien-Koloss" der Mächtigen ein philosophischer Zwerg.


Am 12. Juli 2013 schrieb Peter A. Weber /Kritisches Netzwerk:


Peter Sloterdijk – ein deutscher Gigant der Philosophie

Der deutsche Mainstream-Philosoph Peter Sloterdijk sieht sich gerne selbstüberschätzend als einen „Kollegen“ Hegels. Bisher bin ich fast vor Ehrfurcht gestorben, wenn ich das Geschwurbel Sloterdijk über mich ergehen ließ, ohne über dessen verborgenen Sinn nachzudenken. In der letzten Zeit kam ich jedoch mehr und mehr zu der Überzeugung, daß ich im Vergleich zu Sloterdijk meine eher praktischen Fähigkeiten als Hobbyphilosoph nicht zu gering schätzen sollte. Auch Sloterdijk kocht mit Wasser – nur versteht er es perfekt, das Wasser derartig hochkochen zu lassen, daß die gesamte Küche vernebelt ist und sich der Sinn im Ungewissen verliert. Er ist ein mediengeiler Ideenklopfer und Wichtigtuer, der ein Gespür für Inszenierungen besitzt.
Jüngst erst hat er es geschafft, zum Börne-Preisträger gekürt zu werden, der von der Ludwig-Börne-Stiftung jährlich mit einer Dotierung von 20.000 € verliehen wird. Der Preisträger wird von einem durch den Stiftungsvorstand benannten Preisrichter bestimmt. In diesem Jahr entschied sich der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht für Peter Sloterdijk, der es regelmäßig schaffe, die Öffentlichkeit in „intensive Zustände intellektueller Wachheit“ zu versetzen, so die Begründung Gumbrechts. Vor einer illustren Schar von Prominenten und Offiziellen zeigte sich Sloterdijk am 16.6.2013 in der Frankfurter Paulskirche von seiner besten beredten Seite und forderte eine „Ethik der Zurückhaltung“, was dies auch immer bedeuten möge. Kleine Kostprobe seiner Rhetorik gefällig? Anläßlich seiner Festrede sonderte er folgenden geschwollenen Versuch einer biographischen, intellektuellen und politischen Selbstreflektion ab:
„Wäre es nach mir gegangen, sagen wir besser, nach meinem psychischen Ausgangsmaterial, und wäre ich früheren Neigungen treu geblieben, wie sie in ersten Büchern zutage traten, so hätte ich die Begegnung von Diogenes und Alexander vielfältig ausgemalt und hätte den Satz ,Geh mir aus der Sonne’ freigebig auf mächtige Herumsteher und Schattenmacher angewandt.“
Hurz! Alles klar? Da haut einen wirklich vom Sockel!
Dank sei Egbert Scheunemann (HUMANISMUS UND AUFKLÄRUNG, AUFKLÄRUNG UND HUMANISMUS, jedes andere zivilisatorische Projekt ist dagegen vollkommen sinnlos), von dem ich heute eine Mail zum Thema Sloterdijk erhielt , und der mir die Motivation verlieh, selbst eine kritische Betrachtung zu wagen. Hier ist die herzhaft direkte Kurzbewertung Sloterdijks durch Scheunemann:
„… dass die Ökonomie die beherrschende Kraft und Macht in kapitalistischen Staaten ist, ist völlig klar und fast eine Tautologie. Gelegentlich dünstet es jedoch auch vom Feuilleton ins Politische aus. Und nicht selten heißt die Dunstquelle Peter Sloterdijk, ein Philosoph genannter Autor, dessen Werke derart sind, dass ich humanistisch und aufklärerisch orientierter studierter Philosoph noch kein einziges zu Ende zu lesen in der Lage oder willens war - aus Gründen des mentalen Selbstschutzes und der geistigen Hygiene oder weil ich seine Bücher einfach irgendwann gegen die Wand schmeißen musste. Sloterdijk ist in philosophischer Perspektive ein geblähter Schwätzer und in politischer ein übler Reaktionär - ich erinnere nur daran, was er in Sachen Menschenzucht oder Abschaffung der Zwangsbesteuerung (speziell für Reiche natürlich) abgesondert hat.
Der Mann ist also derart, dass er nicht umsonst zum Hofphilosophen der Berliner Republik, also Neugroßdeutschlands wurde und seit Jahren von Talkshow zu Talkshow weitergereicht wird - umgarnt von in der Regel völlig unkritischen bis unfähigen Journalisten und anderen Gesprächspartnern.“
Als ich dann weiter recherchierte, stieß ich auf die von Uli Gellermann „DER FALSCHE KOLOSS - Peter Sloterdijks Blütenlese“
vom 12. Juli 2013, der sich darin auf das Buch von Bernhard Klein „Ausgewählte Übertreibungen“ bezog . In seiner ernst gemeinten Glosse hat Gellermann Sloterdijk regelrecht die Maske vom Gesicht gezogen. Ich bitte unsere Leser darum, den Beitrag unter obigem Link zu lesen.
Meine weiteren Nachforschungen über den Geist Sloterdijks brachten Erstaunliches zutage. Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die World Socialist Web Site, die sich ebenfalls um die Enttarnung Sloterdijks verdient gemacht hat. Hier ein kleiner Originalauszug daraus:
„Sloterdijk stellte sich klar auf die Seite derer, die Im Schatten des Irakkriegs den Islamismus dämonisieren wollten und wandte sich dann immer mehr Deutschland zu. In einer jüngsten Reihe von Kommentaren und Interviews drischt er auf den deutschen Sozialstaat ein, der eine Form von Kleptokratie, nämlich Diebstahl durch die Massen darstelle!“
Weitere Stilblüten und Beweisstücke seiner Denkart zeigen uns ungeschminkt, um welch Geistes Kind es sich bei Sloterdijk handelt:
Die progressive Einkommenssteuer, die ein halbwegs ausgleichendes Instrumentarium zur angemessenen Beteiligung der Starken an den gesellschaftlichen Aufgaben darstellt, bezeichnete er als: „funktionales Äquivalent zur sozialistischen Enteignung“.
Sloterdijk versteigt sich auf die Behauptung einer Tendenz der „ungekehrten Ausbeutung“. Soll heißen: Die „Unproduktiven“ – also die Armen, Arbeitslosen, Kranken und Alten – sollen auf Kosten der sog. „Produktiven“ , also der Spitzenverdiener, Unternehmer und Kapitaleigner – im neoliberalen Jargon Leistungsträger genannt – schmarotzen.
Auf die wahren Parasiten des modernen neoliberalen Leistungsstaates bezieht sich Sloterdijk, wenn er von „gekränkten Zivilisationen“ faselt und damit quasi die rechten gesellschaftlichen und politischen Kräfte zum Kampf in den kommenden „immensen Konflikten“ gegen das Proletariat – bitte um Entschuldigung: Prekariat, aufruft.
Sodann plädiert er für die „Abschaffung der Zwangssteuern“ – also mit anderen Worten: statt des solidarischen Grundsatzes „der Starke hilft den Schwachen, der in der Praxis nur mit rechtstaatlichen Mitteln einzutreiben ist, stellt er sich nach feudalem Vorbild eine gönnerhafte Charity-Gesellschaft vor, in der Vermögende großherzig nach eigenem Geschmack und steuerbegünstigt (siehe Stiftungsunwesen) ihre Brotkrumen an die Bettler verteilen können. Rechtsanspruch auf Gewährung eines Existenzminimus: Fehlanzeige!
Als Krönung seiner gesellschaftsumwälzenden Ideen verlangt er eine „Revolution der gebenden Hand“. In gut verständliches Deutsch übersetzt heißt das nichts anderes als totale Deregulierung nach neoliberaler Bibel. Er will uns durch seine sozial-revolutionären Verirrungen von der „Kleptomanie“, d. h. von den diebischen Neigungen des Pöbels befreien.
Sloterdijk gehört auch zu den Prominenten, die die Thesen von Thilo Sarrazin unterstützt haben. Dazu paßt seine sozialdarwinistische Hetze wie die Faust aufs Auge. Letztlich vertritt Sloterdijk eine gewisse Schicht von vermögenden Intellektuellen, die sich in den letzten Jahren von in jungen Jahren Radikalen zu Profiteuren des Systems gemausert haben und die nun angesichts der Finanzkrise ihre Privilegien mit aller Macht absichern wollen. Interessant ist in diesem Kontext der Hinweis, wie Leo Trotzki in einem Essay über den Philosophen Friedrich Nietzsche ihn und seine Gesellschaftsklasse
Nietzsche sei "zum Ideologen einer Gruppe geworden, die wie Parasiten auf Kosten der Gesellschaft lebt, jedoch bessere Bedingungen hat als das elende Lumpenproletariat: es handelt sich hier um das höherkarätige Parasitenproletariat. [...] Was alle Mitglieder dieses zusammengewürfelten bürgerlichen Ritterordens eint, ist die [...] Plünderung, in enormen Ausmaßen, der Konsumgüter, ohne irgendwelche systematische Teilnahme (und wir legen Wert darauf, das zu betonen) am organisierten Produktions- und Verteilungsprozess."
Hier sind Parallelen zu Sloterdijk und seiner ihm nahestehenden Klasse unverkennbar. Geschichte wiederholt sich eben immer wieder.


Am 12. Juli 2013 schrieb Egbert Scheunemann:

Liebe politisch Interessierte,

dass die Ökonomie die beherrschende Kraft und Macht in kapitalistischen Staaten ist, ist völlig klar und fast eine Tautologie. Gelegentlich dünstet es jedoch auch vom Feuilleton ins Politische aus. Und nicht selten heißt die Dunstquelle Peter Sloterdijk, ein Philosoph genannter Autor, dessen Werke derart sind, dass ich humanistisch und aufklärerisch orientierter studierter Philosoph noch kein einziges zu Ende zu lesen in der Lage oder willens war - aus Gründen des mentalen Selbstschutzes und der geistigen Hygiene oder weil ich seine Bücher einfach irgendwann gegen die Wand schmeißen musste. Sloterdijk ist in philosophischer Perspektive ein geblähter Schwätzer und in politischer ein übler Reaktionär - ich erinnere nur daran, was er in Sachen Menschenzucht oder Abschaffung der Zwangsbesteuerung (speziell für Reiche natürlich) abgesondert hat.
Der Mann ist also derart, dass er nicht umsonst zum Hofphilosophen der Berliner Republik, also Neugroßdeutschlands wurde und seit Jahren von Talkshow zu Talkshow weitergereicht wird - umgarnt von in der Regel völlig unkritischen bis unfähigen Journalisten und anderen Gesprächspartnern.
Dass dieser Mann mit seinem verbalen Blendwerk aber nicht überall durchkommt, zeigt zum Beispiel der folgende kurze Beitrag, auf den ich Sie dann doch aufmerksam machen wollte:

http://www.rationalgalerie.de/archiv/index_2_425.html

Viel Spaß bei der Lektüre!


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